Frühe Hochhäuser in Frankfurt

Frankfurts Skyline ist in Deutschland einzigartig. Wenn man jedoch etwas in die Vergangenheit schaut fällt auf, dass die Stadt keineswegs immer eine Hochhausstadt war und eine dementsprechende Skyline hatte. Erst in den 1960er Jahren reichten die ersten Hochhäuser an die Höhe des Domturms (95m) heran, in den 1970er beginnt dann das Zeitalter der Wolkenkratzer, denn die neuen Türme werden zu den höchsten Häusern Deutschlands und spätestens seit den 1990er kann man darüber reden das Frankfurt eine Skyline hat, denn es werden nicht nur immer höhere Wolkenkratzer gebaut, sie werden auch zahlenmäßig immer mehr. Momentan sind unter den 100 höchsten Häusern in Deutschland, 36 in Frankfurt, nimmt man nur die Top 20 sind es sogar 15. Es gibt keine andere deutsche Stadt, in welcher mehr Hochhausbauten geplant und auch umgesetzt werden. Doch wie begann das? Im nächsten Abschnitt schauen wir auf die Anfänge zurück.

Nimmt man Frankfurts erstes Hochhäuser, das DGB-Haus (31m) oder das IG-Farbenhaus (35m) als Beispiele der Hochhausbauten vor dem 2.Weltkrieg, so stehen diese klar im Schatten damaliger Riesen wie dem Ullsteinhaus in Berlin mit 76m (1925), dem Hansahaus in Köln mit 65m (1925), dem Tagblattturm in Stuttgart mit 61m (1928) oder dem Bau 36 mit 66m in Jena (1935).

In der fast völlig zerstörten Innenstadt wurde auch nachdem 2.Weltkrieg nicht gleich in die Höhe gebaut. Die Architektur der Wirtschaftswunderzeit war zwar in einigen Fällen von großer Eleganz, wie beim Junior-Haus von Wilhelm Berentzen aus dem Jahr 1951, aber wirklich hoch waren diese Häuser, auch im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland nicht.
Ein erstes wirkliches Hochhaus, dass auch als solches im kollektiven Gedächtnis der Stadt hängen geblieben ist, war das heute nicht mehr existente Zürich-Haus, das 1962 fertiggestellt wurde und eine Höhe von 68m erreichte. Höher war sogar noch das Fernmeldehochhaus in der Nähe der Zeil, dass 1954 schon eine beachtliche Dimension von 69m erreichte, aber in der Bevölkerung als äußerst hässlich verrufen war und nur wenig Gegenliebe fand. Mit zunehmenden Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre stiegen die Preise für Grund und Boden auch in der Stadt am Main beträchtlich. Die wirtschaftlich, gewinnbringende Nutzung von Grundstücken erforderte zunehmend eine hohe Verdichtung der bebauten Fläche, oder anders formuliert, hohe Häuser nützen intensiver und wirtschaftlicher die vorhandene begrenzte und teurer werdende Fläche. Immer mehr hohe Neubauten wuchsen in der Innenstadt, aber insbesondere auch in das Villenviertel Westend hinein, was zunehmend den Unmut der Bevölkerung nach sich zog, auch weil zahlreiche Spekulationen um Grundstücke und Häuser stattfanden. So verfielen zunehmend alte Villen bzw. wurden absichtlich nicht in Stand gesetzt, um das Land später wertsteigernd veräußerbar zu machen. Und so geschah in Frankfurt, erstmals in Deutschland eine Hausbesetzung. Frankfurt war schon seit 1967 ein Zentrum der Studentenbewegung und diese Studenten waren es auch, die den Protest gegen den Abriss historischer Villen im Westend anführten (wenn man heute durch das Westend geht, würde man darauf nicht zwingend kommen). Damals galten die historistischen Bauten des Gründerzeitalters des späten 19. Jahrhunderts nicht als schützenswert. Am 19. September 1970 besetzten einige Aktivisten das Haus auf der Eppsteiner Str. 47. Auch wenn sicherlich sehr unterschiedliche Motive zu dieser und späteren Besetzungen führten (insgesamt muss die Hausbesetzterszene als äußerst bunt bezeichnet werden), setzte sich dadurch ein Bewusstseinswandel durch, der das Thema Denkmalschutz einer breiten Öffentlichkeit vorstellte.

Schon in den 1950er und 60er Jahren war von Seiten der Stadtverwaltung thematisiert und geplant worden, eine funktionale Differenzierung der Stadtteile einzuführen. Die Innenstadt sollte dabei als Ort der Arbeitenden festgelegt werden (erst später entsteht dann die Einsicht, dass durch diese Entwicklung Innenstädte abends vollkommen veröden und quasi unbewohnt sind, noch heute in Frankfurts Bürostadt Niederrad zu erleben). Pläne wurden geschmiedet wie Landflächen am besten genutzt werden konnten und das Hochhaus schien ein idealer Kompromiss zu sein, genutzte Fläche an ausgewählten Orten zu verdichten, um andere Stadtteile zu entlasten. Die neuen Riesen sollten an Kreuzungen als Orientierungspunkte dienen und den Blick in der Stadt leiten.

So war und ist Frankfurt immer auch eine Stadt der Kontroversen über Neubau und Schutz der alten Bausubstanz und eine Stadt in der Hochhäuser abgrundtief gehasst oder als Zukunftsvision gesehen wurden. Frankfurt ist hier ebenso gespalten in der Bewertung der Hochhäuser, wie es geteilte Ansichten im späteren Umgang mit ihnen gibt, denn nicht Wenige wurden für neuere Bauten abgerissen oder aber so saniert, dass man schon von neuen Bauwerken sprechen muss. Dabei muss beachtet werden, dass das Hochhausensemble trotz seines vermeintlich jungen Alters immer noch älter ist als vergleichbare Anordnungen in Paris, London oder Moskau. Heute gehört die Skyline zu Frankfurt und für viele ist sie das Erkennungszeichen der Stadt.

Jetzt sollen die frühen Hochhausbauten näher beschrieben werden, die in den 1960er und frühen 1970er Jahren entstanden sind.

Die BHF Bank gehört heute zu den eher weniger auffallenden Hochhäuser auf der Bockenheimer Landstraße. Doch zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung 1965, war das Bauwerk mit 82m Höhe das höchste Bürohaus in Frankfurt. Architekt Sepp Ruf orientiert sich mit diesem Gebäude ganz in der Tradition des damals alles beherrschenden International Style der Moderne. Kein überflüssiges Dekor ist hier zu finden, alles wirkt einfach und modern. Obwohl es – wie so viele Frankfurter Bauten der 1950er und 60er  – abgerissen werden sollte, stellte es die Stadt unter Denkmalschutz und so wurde es bis 2009 saniert (Büro Wittfoht) und beinhaltet jetzt eine Sky-Lounge.

Das Büro Center Niebelungenplatz scheint heute irgendwie verloren im Nordend zu stehen. Doch als 1966 das Shell-Hochhaus (so der damalige Name) eröffnet wurde, bestand noch in Frankfurt der Plan, am Frankfurter Alleenring an ausgewählten Punkten (zumeist an den nordwärts aus der Innenstadt führenden Hauptstraßen) Hochhäuser zu errichten. Einzig das Shell-Hochhaus von Architekt Günter Rheingaus wurde aber letztendlich hochgezogen. Mit 90m sollte es zum höchsten Haus der Stadt werden. Doch schon in den 1980er Jahren stand das Gebäude leer, insbesondere neue Brandschutzreglungen machten es nicht mehr vermietbar. Im Jahr 1993 wurde es von Novotny Mähner Assozierte komplett umgebaut. Das neue BC Niebelungenplatz wurde nicht nur erhöht und erreicht jetzt 110m, sondern es hat nun auch eine postmoderne Gestalt. Die Rotunde auf dem Dach, wie auch der vorhängende Panoramaaufzug wurden neu eingebaut.

Auch das Rhein Main Center ist nicht mehr in seiner originalen Form vorhanden, sondern wurde postmodern umgebaut. Als es 1969 eingeweiht wurde, markierte es das westliche Ende der Hochhäuser der Stadt und war äußerst unbeliebt, da es schon Mitten im Villenviertel Westend steht. Die Architekten Helmut Joos und Reinhard Schulze erbauten einen funktionalen 84m hohen Bau der damaligen Zeit. Dieselben Architekten durften 1991 auch den Umbau leiten (diesmal als Büro JSK). Das Haus erhielt eine markante Uhr auf Dachhöhe und eine hervorstechende, unterschiedlich farbige Fassade. So wirkt es heute, wie ein Musterbau der Postmoderne und erinnert ein wenig an Philip Johnsons Sony Building in New York.

Das Deutsche Bank Investment Banking Center (kurz IBC) ist ein in seiner Originalform noch erhaltenes Haus aus dem Jahr 1971. Der 93m hohe Büroturm wurde 1971 eröffnet und ist voll dem Architekturzeitalter des International Style gewidmet. Architekt F. Wilhelm Simon ließ dunkelbraunen Stahl verwenden. Der Turm wird noch von einem siebengeschossigen Nebenbau begleitet. Jeder der 21. Etagen ist eine Brüstung vorgelagert, welche die horizontalen Fensterreihen umrundet.

Der AfE Turm dürfte hier eigentlich gar nicht mehr aufgelistet werden, denn er wurde am 2. Februar 2014 abgerissen. Allerdings verdiente das Haus schon seit meinen ersten Frankfurt Besuchen meine Aufmerksamkeit und das nicht nur wegen seiner ausgesprochenen Hässlichkeit. Schon der Name des Hauses ist ein großes Missverständnis. AfE steht für Abteilung für Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt. Doch bevor 1972 das Haus, dass von den Architekten der Staatlichen Neubauabteilung Hessens geplant wurde, öffnete, war die Abteilung für Erziehungswissenschaften schon in der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät aufgegangen. Das diese, in das mit 116m damals höchste Hochhaus der Stadt einziehen durfte, zeigte allerdings den hohen Stellenwert der Geisteswissenschaften zu jener Zeit. Geliebt wurde der Bau jedoch nie. Durch die eigenwillige Aufteilung der Geschosse (der Nordteil mit Seminarräumen hatte jeweils eine 1,5 fache Etagenhöhe) viel einigen der Studenten die Orientierung schwer. Für 2500 Personen war der Turm konzipiert, jedoch benutzten ihn meistens mehr. Die sieben Fahrstühle waren äußerst anfällig, bleiben stecken, hielten in falschen Etagen oder ruckelten fatal. Wartezeiten von 15min, um einen Platz im Lift zu bekommen sollen keine Seltenheit gewesen sein. Leider forderte ein Fahrstuhlunfall sogar ein Todesopfer, als 2005 eine Universitätsmitarbeiterin aus einem steckengebliebenen Lift herausklettern wollte. Nach dem Abriss des AfE-Turms soll an dieser Stelle der Kulturcampus Bockenheim entstehen.

Dem Park Tower erkennt man heute sein Alter kaum an, was auch daran liegt, dass er wie so viele Hochhäuser der Stadt, im Jahr 2007, komplett umgebaut wurde. Das „Original“ stammt von den Architekten Fischer, Krüder und Rathai und wurde 1972 als SGZ-Hochhaus eröffnet und war das erste eröffnete Haus, das höher als der Domturm war. Wie mehr oder weniger alle damaligen Hochhäuser war es im Internationalen Stil geformt. Den Umbau übernahm das Büro von Albert Speer, der bis auf den Rohbau zurückbauen ließ. Drei Stockwerke wurden ergänzt und die Höhe auf 115m geschraubt. Zusätzlich wurde ein zweiter Turmbaukörper versetzt angebracht, der den alten Baukörper quasi umklammert. Der ältere Teil ist verglast, der Neuere ist mit hellem Naturstein verkleidet. Er nimmt die Straßenachse des Reuterweges auf.

Das Holiday Inn South Hochhaus steht abseits der Stadt am anderen Ufer des Mains in Sachsenhausen. Es gehört damit nicht zur Skyline der Stadt, aber auf diese hat man von hier einen guten Blick. Das Haus wird eher wenig beachtet, außer von den hier übernachtenden Hotelbesuchern. 1972 eröffnet und 100m hoch, verfügt das vier Sterne Haus über 439 Zimmer, 3 Suiten und 4 Restaurants.

Das Hochhaus Neue Mainzer Straße 32-36 war bis 1997 das Hauptquartier der Commerzbank, bis diese in ihren Neubau (siehe landmarks) genau gegenüber zog. Das 108m hohe Haus wurde von Richard Heil geplant und 1973 fertiggestellt. Auch dieses Haus ist im Internationalen Stil errichtet wurden und war eines der ersten Hochhäuser im Bankenviertel, indem es heute vor lauter großen Nachbarn fast untergeht.

Das City Haus I, dass früher auch unter dem Namen Selmi-Hochhaus (nach dem Bauherrn Ali Selmi benannt) bekannt war sprengte die Höhendimensionen der frühen 1970er Jahre. Mit seinen 142m überragte es alle anderen Häuser deutlich. Ebenso deutlich war die Kritik, galt doch dieser Klotz als Zeichen der Stadtzerstörung. Ein gefundenes Fressen war, dass ein Feuer auf der Baustelle 1973 ausbrach. Dies bereitete der Frankfurter Feuerwehr große Sorgen, denn der Brand war im 40.Stockwerk ausgebrochen und die Einsatzkräfte hatten große Mühe den Brandherd zu erreichen, was erst nach 8 Stunden gelang. Viele Gegner des Hochhausbaus versammelten sich am umliegenden Platz der Republik und bejubelten das Feuer, wobei im Nachhinein Brandstiftung wohl ausgeschlossen werden kann. Ein Jahr später konnte das von Richard Heil und Johannes Krahn geplante Haus trotzdem eröffnet werden.
Das Haus ist eine Stahlbetonkonstruktion, dass aus zwei versetzten Hochhausscheiben besteht, welche durch einen Mittelteil verbunden sind. In mittlerer Höhe des Hochhauses befinden sich Technikgeschosse, die nach außen hin deutlich zu erkennen sind. Die ehemals sehr dunkle Fassade wurde nach der Sanierung des Hauses 2008 (durch das Frankfurter Büro von Christoph Mäckler) aufgehellt. Es ist heute noch ein wunderschönes Beispiel für die Architektur des International Styles und brauch auch einen Vergleich zu dessen Leitgebäude, dem Seagram Building in New York nicht zu scheuen.

Die hohen Wolkenkratzer in Frankfurt

Da wir Frankfurts höchste Wolkenkratzer schon innerhalb der Kategorie „Landmarks“ betrachtet haben, kommen wir jetzt zu den weiteren wirklich hohen Hochhäusern der Stadt. Wir sprechen dabei immer noch über eine Höhe von rund 200m. Alle diese Bauten wären in jeder anderen deutschen Stadt, das mit Abstand höchste Haus. In Frankfurt jedoch stehen diese Riesen etwas im Schatten, teilweise zu Unrecht.

Der dritthöchste Wolkenkratzer der Stadt hört auf viele Namen: Westendstraße 1, Westend Tower oder DZ-Bank Tower. Wie auch immer man ihn nennt, sein augenscheinlichstes Merkmal ist sein Dachaufsatz. Die Architekten Kohn Pedersen Fox wollten damit eine Krone symbolisieren, die auf Frankfurt als Ort der Kaiserkrönung verweist. Damit bei Frost und Schnee niemand auf dem Bürgersteig von Eisklumpen erschlagen wird, ist der Strahlenkranz (der einige an die Freiheitsstatue erinnert) beheizbar. Das Bauwerk besteht aus mehreren Teilen. Der Höchste ist der insgesamt 208m hohe Turm in der Form eines halben Zylinders. Dahinter befindet sich ein rund 150m hoher mit Granit verkleideter Quader, sowie Anbauten an den Seiten. Vor dem Haus steht eine Skulptur von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, die eine umgedrehte Krawatte darstellt. Insgesamt versucht sich die DZ-Bank in ihrem Hauptquartier als Kunstsammler zu etablieren, so ist jedes Stockwerk mit einer Fotoausstellung bestückt, die nach Anmeldung auch besucht werden können.

Der Maintower ist für viele Frankfurt Besucher und aufmerksame Hessenfernsehzuschauer sicherlich ein äußerst bekanntes Bauwerk, allerdings eins das man selbst nicht unbedingt sieht, denn von seinem Dach aus, sendet die Hessenschau und es befindet sich darüber gleichfalls eine Aussichtsterrasse, auf der man einen wunderbaren Rundumblick hat. Das Einzige was man dabei nicht sieht, ist natürlich das Bauwerk selbst. Dieses ist 200m hoch (mit Antenne sogar 240m) stammt vom Architekturbüro Schweger & Partner und wurde 1999 eröffnet. Ähnlich der DZ-Bank haben wir auch hier zwei dominante Baukörper in einem. Ein spiegelverglaster Zylinder folgt ein etwas niedrigerer Kubus. Auch in puncto Energieeffizienz wurden hier Maßstäbe gesetzt, so besitzt das Haus ein eigenes Blockheizkraftwerk mit Erdwärmesystem.

Der Tower 185 verwirrt etwas mit seinem Namen, denn die Zahl 185 steht für die ursprünglich geplante Bauhöhe. Tatsächlich ist der 2011 eröffnete Wolkenkratzer von Architekt Christoph Mäkler 200m hoch. Er bildet eine Art Beginn für das dahinter entstehende Europaviertel. Drei Baukörper vereinen sich bei diesem Wolkenkratzer. Zwei auf ihren Achsen verschobene Hochhausscheiben mit einer Aluminium-Glas Fassade nehmen einen verglasten Zylinder in die Mitte. Ein sechsgeschossiger hufeisenförmiger Vorbau schließt das Gebäude zur stark befahrenen Friedrich-Ebert-Anlage ab. Auch hier wurde natürlich wieder auf energieeffizientes Bauen geachtet und so sollen Energieeinsparungen um 25% im Vergleich zu einen traditionellen Hochhaus möglich sein.

Das Trianon sieht älter und unscheinbarer aus als es ist. 1993 eröffnet, misst es 186m, die zumeist von einer Spiegelglasfassade verkleidet sind. Das Haus ist der geometrischen Form des Dreiecks gewidmet, denn es hat die Form eines gleichseitigen Dreiecks mit an den Ecken wiederum angebrachten Dreiecksformen. Das Dach – und das ist die wohl größte Besonderheit – bildet eine umgedrehte, natürlich dreiseitige, Pyramide. Der Name Trianon bezieht sich dann auch auf seine Form. Verantwortlich für den Bau sind mehrere Büros: Novotny Mähner Assoziierte, HPP International und Albert Speer & Partner.

Landmarks Frankfurts (Europaturm, Commerzbank Tower, Messe Turm, neue EZB)

Mit dem englischen Begriff „landmark“ ist eigentlich ein natürlicher oder menschgemachter Gegenstand gemeint, der zur Orientierung nutzt, gemeint. Dieser ist leicht zu identifizieren und daher auch für die Herausbildung eines Ortes ein wichtiger Gegenstand der Wiedererkennung. So können landmarks herausragende Gebäude einer Stadt sein und in Mitten vieler anderer Gebäude stehen, die weniger Aufmerksamkeit erregen. In unserer Zeit, in welcher ein Konkurrenzkampf der Städte nach Touristen und Attraktivität für zahlungskräftige Bewohner besteht, sind „landmarks“ ein Mittel um Anziehungskraft, Identität und Interesse zu erzeugen. Ein Wiedererkennungswert mit Mehrwert sozusagen. Mit einem oder gar mehreren herausragenden Bauwerken soll die Attraktivität der gesamten Stadt erhöht werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Stadt Bilbao, die durch den Bau und die Eröffnung des spektakulären Guggenheim Museums von Frank O. Gehry, einen Touristenstrom in Gang setzte und zu einer großen Um- und Neugestaltung des vorher sehr heruntergekommenen Stadtzentrums führte. So ist es in den letzten Jahrzehnten bei einigen Stadtvätern zu einem verstärkten Interesse an „landmark building“ gekommen, um die Attraktivität ihrer Stadt zu erhöhen (ob das immer funktioniert, was das kostet und letztendlich bringt etc., steht auf einem anderen Blatt).
Natürlich gibt es keine feste Kategorie für „landmarks“, auch wird der Begriff teilweise negativ aufgefasst, als dysfunktionale Geldverschwendung für Architektur, doch darum soll es hier nicht gehen. Die folgenden vier Gebäude wurden ausgewählt, da sie durch ihre hohe Sichtbarkeit innerhalb der Stadt Frankfurt eine gewisse Prominenz des Sehens in der Stadt am Main haben und gleichzeitig interessante architektonische Stile wiederspiegeln. Der Fokus liegt hier also auf Höhe, weniger auf architektonischer Tradition oder gar Wert.

Als erste „landmark“ stellen wir ein Bauwerk vor, was gar kein Haus ist, sondern ein Turm, hier aber mit besprochen werden soll, weil es die höchste Architektur der Stadt ist: der Europaturm. Nördlich der Innenstadt gelegen, im Stadtteil Ginnheim, ist der Fernsehturm deutlich von den Hochhäusern abgegrenzt und mit einer Gesamthöhe von 337,5m ist er auch höher als jeder Wolkenkratzer Mainhattans. Der „Ginnheimer Spargel“ wäre sogar Deutschlands höchstes Gebäude, hätte man ihn mit einer etwas höheren Antenne ausgestattet, denn seine reine Bausubstanz ist 295,4m hoch (beim Berliner Fernsehturm, dem Spitzenreiter mit hoher Antenne, sind es nur 248m). Der Bau war nötig geworden, da das Fernmeldehochhaus in den Hochhäuser der Innenstadt höhentechnisch zu verschwinden drohte. So wurde 1978 der Turm eröffnet, für dessen Konstruktion Johannes Möhrle, Peter Metzger und Erwin Heinle verantwortlich waren. Die Kanzel beherbergte in ihren sechs Geschossen auch ein Restaurant mit 200 Plätzen, dass aber schon seit Jahren für Publikum aus Brandschutzgründen geschlossen ist, wie auch der Rest des Turms. Die Kanzel misst an ihrer breitesten Stelle 60m. Darüber befinden sich sieben Parabolspiegel, die dem Turmabschluss ein besonderes Aussehen geben. Nachts wird der Turm in der Farbe Magenta angestrahlt, die auf den Betreiber des Bauwerks hinweist.
Der CommerzbankTower ist Frankfurts höchstes Haus und nicht nur deshalb stellt es einen markanten Sichtpunkt in der Skyline der Stadt dar. Der Wolkenkratzer ist in Richtung Norden und Westen von anderen Hochhäusern umgeben, in den anderen Richtungen aber weithin sichtbar und dominiert den Blick auf die zahlreichen Hochhäuser der Innenstadt. 1997 eröffnete die 259m hohe (mit Antenne 300m) Hauptzentrale der Commerzbank. Geplant wurde sie vom Architektenbüro Norman Fosters. Es war es bis 2003 das höchste Haus in Europa und liegt mittlerweile auf Platz 7.
Das Hochhaus hat den Grundriss eines Dreiecks und ist in Stahlskelettbauweise errichtet worden. Neben seiner Höhe ist das Gebäude für seine umweltfreundliche Klimatechnik bekannt, die sich in neun thematisch unterschiedenen Gärten (asiatische, mediterrane und amerikanische Klimazonen)  versinnbildlichen. Diese Gärten, die jeweils rund 15m Hoch sind und sich wie eine Kette um das Haus ziehen, sind nicht nur dazu da, den innen liegenden Büros Licht zu verschaffen, sondern haben eine elementare Funktion beim Klimaaustausch des Hauses. Dieser funktioniert auf Grund einer vorgehängten Glasfassade und schaffte einen hauseigenen Mikrokosmos. Der innenliegende Kern des Haus ist ein 160m hoher Atriumbereich, während sich die Versorgungsbereiche mit den Lifts an den abgerundeten Ecken des Wolkenkratzers befinden. Rund 2.100 Menschen arbeiten in dem rund 600 Millionen DM teuren Hochhaus, das übrigens nach Anmeldung zu verschiedenen Terminen besichtigt werden kann und unter anderen in den Panoramaliften einen großartigen Ausblick bietet.

Der Messe Turm ist mit seiner Höhe und seiner Form herausragend und von vielen Stellen in und um Frankfurt deutlich zu sehen. Interessant ist das er je nach Wetterlage und Standpunkt mal wie ein dünner Bleistift aussieht, mal wie ein mächtige Burg mit Spitze, denn gerade bei diesigen Wetter, beginnendem Abendhimmel und einiger Entfernung scheint der schlanke Riese geheimnisvollerweise etwas zuzunehmen. Bis zur Fertigstellung der Commerzbank war der, 1991 eröffnete, MesseTurm nicht nur Frankfurts, sondern Europas höchster Wolkenkratzer (und löste die Lomonossow-Universität in Moskau ab, die mit 240m seit 1953 diesen Titel hielt) und erreicht 257m. Er überragt den bisherigen deutschen Spitzenreiter Silberturm um fast 100m, war das erste Haus mit über 200m Höhe und stieß in Mainhattan in vollkommen neue Dimensionen vor. Gelegen direkt an der Messe befinden sich zwar einige Wolkenkratzer in der Nähe (wie Westend Gate oder T185), aber nicht in direkter Nachbarschaft, womit der monumentale Charakter des Hochhauses noch verstärkt wird.
Der MesseTurm ist ein Musterbeispiel an postmoderner Architektur. Vom Deutsch-Amerikaner Helmut Jahn geplant, beinhaltet der Turm die geometrischen Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck. Auf einer nur 41x41m langen Grundfläche des Sockels erwächst ein sich verjüngender Schaft, die wie eine startende Rakete scheinbar immer mehr Balast abwirft und an deren Ende die rote Granit Fassade in eine Glasfassade übergeht und an der Spitze in ein 36m hohes Dreieck mündet. In seiner Gestaltung und Anmutung ist eine Orientierung zu klassischen Art-Déco Hochhäusern durchaus sichtbar, ausdrücken möchte der Architekt jedenfalls Ruhm, Reichtum und Macht. Obwohl das Haus nicht nur eine eigene Postleitzahl und einen eigenen U-Bahn Zugang hat, ist es für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) ist mit seinen 185m (201m mit Antenne) kein alles überragender Riese. Er reiht sich zwar in die Top 10 der höchsten Frankfurter Häuser ein, doch seine Maße sind nicht entscheidend. Viel wichtiger ist seine Lage und auch seine Form, denn das gläserne Hochhaus der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au steht im Osten der Stadt, anders als die weiteren Wolkenkratzer in der Stadtmitte und im Westend. Für den Bau wurde sogar der Frankfurter Hochhausrahmenplan geändert. Die neue EZB stellt einen neuen Sichtpunkt quasi am anderen Ende der Stadt dar und gleichzeitig soll es den Osten der Stadt beleben und aufwerten, sollen doch rund 2.300 Bänker darin arbeiten. Gleichzeitig ist es ein höchst interessantes architektonisches Projekt, denn es bezieht die Großmarkthalle von Martin Elsaesser, eines der bedeutendsten Werke der Moderne in Deutschland, mit in den Gebäudekomplex ein.
Ganz klar ist das neue Hochhaus ein Prestigeobjekt für die EZB. In einem internationalen Wettbewerb setzten sich Coop Himmelb(l)au durch, auch weil sie die Regel, die denkmalgeschützte Großmarkthalle mit einzubeziehen und nicht abzureißen verwirklichte. Jedoch wird die rund 220m lange Halle, die 1928 zu ihrer Eröffnung, der größte stützenfreie Stahlbetonbau der Welt war, mit einem Querriegel durchschnitten, was zahlreiche Kritik hervorrief, aber dennoch erlaubt wurde. Der eigentliche Wolkenkratzer besteht aus zwei verdrehten Hochhausblöcken, die mit einem vertikalen Atrium mit Gärten verbunden sind. Das rund 1,2 Milliarden teure Objekt soll in diesem Jahr (2014) eröffnet werden.

Wolkenkratzer und Hochhäuser Frankfurts

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Die Faszination Frankfurt am Mains liegt insbesondere in seiner in Deutschland nicht wieder zu findenden Skyline von Hochhäusern. Von 1990 bis 2012 standen die höchsten Wolkenkratzer Europas hier, bevor insbesondere Moskau, der Metropole am Main den Rang ablief. Noch heute ist Frankfurt neben London, Paris und Moskau die „skyscraper” Metropole in Europa. Deutschlands zehn höchste Häuser stehen allesamt in Mainhattan.

Im Folgenden sollen die Frankfurter Riesen, seien sie nun spektakulär oder nicht, etwas näher vorgestellt werden. Um die Anzahl und die Menge der Gebäude etwas zu ordnen sind sechs verschiedene Kategorien bzw. Themenkreise festgelegt, die sich mit den Bauwerken beschäftigen.

Kategorie Hochhäuser
Landmarks Europa Turm. Commerzbank Tower; Messe Turm; Neue EZB
die Hohen DZ-Bank; MainTower; Tower 185; Trianon
frühe Hochhäuser BHF-Bank; BC Niebelungenplatz; Rhein-Main-Center; Deutsche Bank IBC; AfE-Turm; Park Tower; Holyday Inn South; Neue Mainzer Str 32-36; City-Haus
die ersten Wolkenkratzer Westend Gate; Garden Tower; Eurotower; Silberturm; FBC; Türme der Deutschen Bank; Messe Torhaus
neuere Hochhäuser Pollux; Japan-Center; Eurotheum; Galileo; Westhafen Tower; IBC; Skyper; Opernturm; Nextower; Taunusturm
weitere Hochhäuser (unter 100m) Alte Oper Bürohaus; Hochhaus am Park; Kastor; MainPlaza; SkyLight; MainForum; Radisson Blue; Westend Duo; MainTriangle; kfw-Westarkaden; Alpha Rotex