Athen

Geschichte Athens | urban facts | Akropolis

Es gibt in Europa vielleicht nur eine Hand voll Städte die über eine solche Aura der Historie verfügen wie Athen. Es ist neben Rom die Stadt der Antike, der Geburtsort der Demokratie, wenn nicht gar der Stadt als solcher, denn keine Geschichte der Stadtentwicklung kann ohne das antike Athen auskommen. Besucht man heute die historischen Ruinen, begibt sich beispielsweise voller Ehrfurcht im Trott der massenhaften Besucher auf die Akropolis, oder durch die griechische Agora, dann ist man gefangen vom Gefühl hier den Hauch von großartiger Menschheitsgeschichte berühren zu können und dabei übersieht man sehr schnell, dass das heutige Athen eine mehr als 3 Millionen Einwohner zählende Metropole Südosteuropas ist, die aber vom Ende der Antike bis noch vor 200 Jahren in einem solchen Maße verschwand, dass einige Gelehrte in der Renaissance dachten, Athen wäre schon lange untergegangen, im Meer verschwunden oder einem Erdbeben zum Opfer gefallen. Erst mit dem Entstehen des modernen griechischen Staats rückt Athen wieder in den Fokus und 1830 wird der Startschuss für eine neue Stadt gegeben, aus der heute eine eigenwillige, sprudelnd lebendige und teilweise auch sehr heruntergekommene Metropole geworden ist. Das Herz und die Lebensader Griechenlands.

Steht man auf der Akropolis oder auf einem der anderen zahlreichen Berge und Hügel die sich in der Landschaft Attikas verteilen dann fällt schnell auf was für eine riesiges Häusermeer sich vom Horizont bis zum Meer erstreckt. Athens Grenzen scheinen sich zu verwischen, doch tatsächlich hat die Gemeinde Athen nur rund 664.000 Einwohner. Unmittelbar an sie grenzen die Vororte, die sich unter den Regionalbezirken Athen-Nord, Athen-Süd, Athen-West und Athen-Ost zusammenfassen lassen. Nimmt man dann noch die Hafenstadt Piräus dazu kommt man ungefähr auf die Ausmaße Athens, die in allen genannten Gegenden sehr hohe Besiedlungsdichten erreichen und das Häusermeer direkt am Ägäischen Meer ausmachen. Tatsächlich verstehen sich aber alle rund 3,8 Millionen Einwohner der Region Attika als Athener, denn schon in der Antike war Attika das zur griechischen Polis Athen gehörende Land. Hier finden sich weitere geschichtsträchtige Orte wie Marathon oder das Kap Sunion.
Von dieser Geschichte werden die vielen Touristen angezogen, welche die Stadt besuchen, vielleicht auch um von hier auf eine der vielen Inseln des Mittelmeers zu schippern und sich ein wenig wie Odysseus zu fühlen. Und hier macht es sicherlich einen großen Unterschied ob man als Tourist Land und Leute kennenlernt, oder Land und insbesondere Leute selbst ist. Athen sieht man an, erst 1830 als Stadt wiedergeboren worden zu sein. Vieles wirkt hingesetzt, wenig planvoll konzipiert und ein klein wenig aus der Not geboren. Die Innenstadt kann sich in puncto Eleganz und Weltstädtischkeit kaum mit anderen Metropolen ihrer Größe messen und nicht wenige Häuser sind in einem mehr als erbarmungswürdigen Zustand. Trotzdem versprühen viele Ecken einen sehr angenehmen Charme. Läuft man des abends von der Akropolis nach Monastraki herunter und taucht in das Gewirr der kleinen Gassen südlich des Omonia Platzes ein, so findet man viele angenehme Orte zum Verweilen und Entdecken und fragt sich gelegentlich, was die Besucher Athens vor 2.500 Jahren über die Stadt dachten.

urban facts Athen

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum / Metroregion 664.046 (2011) / 3.090.508 (2011) / 3.781.274 (2011)
Einwohnerentwicklung: Stadt /Ballungsraum / Metroregion -12,3% / -2,4% / -0,2% (alle Zeitraum 2001-2011)
Fläche: Stadt /Ballungsraum / Metroregion 38,9 km² / 412 km² / 2928 km²
Bevölkerungsdichte: Stadt /Ballungsraum / Metroregion 17.070 / 7.501 / 1.291
Koordinaten 37°59′02.3″N
23°43′40.1″O
Geographische Höhe 156m (Akropolis)
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 416 mm / 87 / 2848
Flüsse Ilisos, Kifisos
KfZ-Kennzeichen Y.. (für Athen, Piräus und Attika) sowie IB, IE, IZ, IH

 

Infrastruktur:

Bürgermeister der Kernstadt Giorgios Kaminis (seit 2011 – unabhängig, links)
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Griechenlands
Anzahl Besucher im Jahr 5 Mio. (2017)
Platz in der Mercer-Studie 86.
Global City Status Beta + (wie z.B. Kopenhagen / Düsseldorf)
Flughafen Eleftherios-Venizelos-Flughafen Athen  (ATH; eröffnet 2001; 21,7 Mio; PAX 2017; größter Flughafen Griechenlands ; 2 Landebahnen (03/21), 1 Terminal; 25km O der Innenstadt)
ÖPNV Metro Athen (eröffnet 1869 jedoch noch unter Dampf, seit 1904 Strom und ausschließlich Nahverkehr; grundlegender Ausbau bis 2004) 3 Linien mit 61 Stationen auf 79,8 km Streckenlänge, 1,3 Mio PAX pro Tag
Straßenbahn (Pferdebahn: 1882, 1902 elektrisch, 1977 stillgelegt, Neueröffnet 2004) 3 Linien auf 27km Streckenlänge mit 48 Haltestellen, 65.000 PAX pro Tag
ÖPNV Eigentümlichkeiten Eine Fahrt in Metro kostet 1,80€; Tageskarte 4,50€; Fahrt zum Flughafen jedoch 10€
Entfernung nach… Thessaloniki 303,9km (LL) (Auto: 5h5min bei 500km Fahrstrecke; Bahn 5h20min)
Istanbul  560km (LL) (Auto: 12h bei 1100km Fahrstrecke)
Izmir 303,5km (LL) (keine direkten Fährverbindungen möglich, Strecke über Land: 1.300km)
Sofia 525km (LL) (Auto: 7h40min)

Dresden 1650km (LL) (Auto: 20h30min bei 2136km)

nächster Ort über 500.000: Thessaloniki
nächster Ort über 1000.000: Izmir

 

Kultur / Geschichte:

Universitäten Nationale und Kapodistria Universität Athen (gegründet 1837, älteste Uni SO Europas; 104.000 Studenten, größte Präsenzuni Europas)
Nationale Technische Universität (gegründet 1837, 10.000 Studenten)
Pantion Universität (gegründet 1927, 18.000 Studenten, Sozialwissenschaften)
Wirtschaftsuniversität Athen (gegründet 1920, 2.000 Studenten)
Anzahl Museen 48 (laut wikipedia.en) ohne öffentliche Baudenkmäler wie Akropolis, griech. Polis …
Sportvereine der Stadt Olympiakos Piräus gegründet 1925;
Fußball: 44x gr. Meister; 27x gr. Pokalsieger; ø-Zuschauer: 19.113 (17/18) @Karaiskakis Stadion (33.296)
Basketball: 12x gr. Meister, 9x gr. Pokalsieger; 1x Europapokal der Landesmeister; 2x ULEB Euroleague; 1x Intercontinental Cup @ Stadion des Friedens und der Freundschaft (14.490)
AEK Athen gegründet: 1924;
Fußball: 12x gr. Meister, 15x gr. Pokalsieger; Ø-Zuschauer: 15.609 (17/18) @ Olympiastadion (eigenes Stadion in Bau)
Basketball: 8x gr. Meister; 4x gr. Pokalsieger; 2x Saporta Cup; 1x Champions League @ OAKA (18.989 Plätze)
Panathinaikos Athen gegründet 1908;
Fußball: 20x gr. Meister; 18x gr. Pokalsieger; 1x Finale EC1; Ø-Zuschauer: 6.948 @ Apostolos Nikolaidis)
Basketball: 36x gr. Meister, 18x gr. Pokalsieger, 2x EP Landesmeister, 4x ULEB Euroleague (Rekordmeister), 1x Intercontinental Cup @ OAKA (18.989 Plätze)
Biersorte des Ortes: Fix Hellas, Alfa
Erste urkundliche Erwähnung 630 v. Chr. wurde der erste Tempel für Athena Polias gebaut, Besiedlung schon seit ca. 7000 Jahren
Gegründet von: Hellenen
Großstadt seit ca. 1890
Das entscheidende Jahr 1833 wird Athen zur neuen Hauptstadt des unabhängigen Griechenlandes gemacht
Meisten Einwohner im Jahr 1981 (Verlust seitdem: 33,3%)
Man trifft sich am: Syntagma Platz
Kneipenviertel: Monastriaki

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Akropolis
Architektonisches Highlight Partheon auf der Akropolis
Prachtstraße Panepistimio
Höchstes Gebäude Athens Tower 1 (103m)
Meist fotografiertes Gebäude Akropolis
Kaufkraftindex in EU 129% der EU-27 (gilt für ganz Attika, Wert für 2006, vor der Wirtschaftskrise)
Arbeitslosenquote 18,5% (2018; Zahl für ganz Griechenland)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1830 1870 1896 1921 1922 1971 1981 1991 2001 2011
4.000 44.500 123.000 473.000 718.000 867.000 885.000 772.072 745.514 664.046

 

Geschichte Athens

Jede Stadt hat eine Geschichte. Diese zu erzählen kann lang und komplex oder kurz und aufstrebend sein. Stadtgeschichten können nur wenige Jahrzehnte alt sein, oder bis in die Vorzeit reichen, wo nur vage Quellen ausfindig gemacht wurden und Mythos und Fakt bestenfalls annähernd korrespondieren. Große Schicksalsschläge können Städte ereilen, Kämpfe, Seuchen, Zerstörungen, manchmal sogar die vollkommene Auslöschung einer Stadt (denken sie an Karthago). Andere Städte waren blühende Zentren, in ihnen wurden Dinge zum ersten Mal ins Leben gerufen, welche den Lauf der Menschheit veränderten, dann wieder wurde das hell erstrahlende Licht im Laufe der Zeit immer dunkler. Einige Städte fielen der Vergessenheit anheim, andere wurden erinnert und begannen wieder zu leuchten, wenn auch mit einem anderen Licht.
Athen ist eine Stadt, deren Geschichte – und das macht sie so faszinierend - fast alles gerade Gesagte mitbringt.

Athens mythisches Entstehen

Berühmte Städte der Antike haben ihre Gründungsmythen, welche den Ursprung der Stadt erklären und damit die Existenz der Stadt in göttlichen Zusammenhang bringen. So ist dies auch bei Athen der Fall. Die Erwähnung dieser Mythen ist insofern wichtig, weil sie für das Leben in der antiken Stadt durchaus bedeutungsvoll waren. Mythischer Gründer von Athen war Kekrops. Er wurde angeblich aus der Erde geboren und hatte einen schlangenähnlichen Körper. Ihm werden zahlreiche Taten zugeschrieben. Er vereinte die Bewohner Attikas, ließ das Volk zählen, schenkte den Athenern das Alphabet und führte Gesetze ein, wie beispielsweise die Einehe. Seine wichtigste Tat soll der Bau der Burg gewesen sein, die den Namen Kekropia trug und auf dem heutigen Akropolis Hügel stand. Sein Grab soll deshalb im Erechtheion (das wiederum seinen Namen von Erechthus bekam, dem Vater des Kekrops) auf der Akropolis liegen.
In jenen mythischen Tagen im Nebel der Vor-Geschichte fand auch eine Auseinandersetzung zwischen den Göttern Poseidon und Athena statt, die letztere zur bestimmenden mythischen Gestalt, nämlich zur Schutzgöttin der Stadt machte. Was war passiert? Meeresgott Poseidon erhob ebenso wie Athena, die Tochter von Zeus und Nichte Poseidons, Anspruch auf Attika. Man vereinbarte einen Wettstreit, jener sollte das Land bekommen, der den Bürgern Athens das bessere Geschenk machte. Poseidon schlug mit seinem Dreizack in den Stein des Akropolisfelsens und ließ eine Wasserquelle sprudeln, das war beeindruckend. Leider kam – wie beim Meeresgott eventuell zu erwarten war – nur Salzwasser aus der Quelle, was weniger beeindruckte. Athena wiederum ließ ihre Lanze ganz in der Nähe der Quelle fallen und erschuf einen Olivenbaum, welcher angeblich der Ursprung der reichhaltigen Olivenproduktion in der Stadt war. Olivenöl von Athen wurde in der Antike tatsächlich zu einem wirtschaftlichen Schlager. Auf attischen Silbermünzen wurden schon im 5. Jahrhundert v. Chr. der Olivenzweig abgebildet, gern in Verbindung mit einer Eule, welche die Weisheit der Athena symbolisierte. Athena gewann den Wettstreit und von nun an sollte die Stadt Athen hießen, wobei es eigentlich bis heute nicht klar ist, ob die Stadt nach der Göttin, oder die Göttin nach der Stadt benannt ist.[1]

Die Anfänge und der Aufstieg von Athen

Doch nun zurück von den himmlischen Spuren zu den Fakten humanen Lebens. Erste Spuren von menschlichen Siedlungen hat die Archäologie aus dem 4.Jahrtausend v. Chr. (alle Jahresangaben beziehen sich bis auf weiteres auf die Zeit v. Chr.) ausgegraben. Dabei wohnten diese frühen Siedler wohl in der Nähe der Akropolis. In der Blütezeit der mykenischen Kultur – also im 14. und 13. Jahrhundert - gab es auf dem Berg mehrere Gebäude, in welchem ein Priester lebte, Lebensmittel gespeichert wurden und eine Art von Verwaltung fungierte. Gleichzeitig funktionierte das Gebiet als ein Kultplatz, was die Anwesenheit des Priesters erklärt. Eine genaue Lagebeschreibung dieses ersten Palastes ist heute nicht mehr erstellbar, lediglich die Spuren einiger Mauern sind südlich der Propyläen heute noch als Reste identifizierbar. Gleichwohl war die Siedlung in jener Zeit ein unwesentliches Örtchen, im Schatten wichtigerer Handelszentren. Dadurch wurde Athen aber auch von den Umwälzungen nicht erfasst, die sich im ausgehenden 2. Jahrtausend zutrugen. In dieser vermeintlichen „Ruhe“ gedieh beispielsweise die Töpferkunst (zu sehen an der Dipylon Amphora, gefunden in Kerameikos), die anfangs besonders bei Grabbeilagen zum Einsatz kam.


Die Geschichte Athens – und an dieser Stelle muss sich der Blick etwas erweitern - ist immer auch die Geschichte der 2.647km² großen Halbinsel Atikka, wo um das Jahr 900 rund einhundert Siedlungen mit ca. 50.000 Einwohnern existierten. Im Laufe von Jahrhunderten wuchsen diese Gemeinden zu einer politischen Einheit zusammen. Anfangs war Athen dabei unbedeutender als andere Siedlungen, aber die Akropolis erfuhr mehr und mehr Bedeutung und mit ihr die darum herum entstehende Stadt Athen. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen und Rivalitäten, die aus dem Machtstreben verschiedener aristokratischer Familien Attikas resultierten. Diese Konflikte wurden in der politischen Form der Tyrannis eingedämmt, in welcher sich eine Herrscherfamilie oder Einzelperson, an die Spitze der Macht stellte. Dies konnte jedoch nur von Dauer sein, wenn der Tyrann sich der Loyalität größerer Teile der (einfacheren) Bevölkerung bewusst war. In Korinth existierte diese Form der politischen Machtausübung schon seit dem 7. Jahrhundert. In der damals viel beachtenswerteren Stadt wurde diese Form der Machtausübung wohl durch den Handel mit den persischen Gebieten als Vorbild übernommen. Tatsächlich profitierten so geführte Städte seinerzeit. Korinth konnte seine Infrastruktur beträchtlich erweitern. In Athen kam es gleichfalls zum Versuch der Etablierung einer Tyrannis, welche jedoch in Person des Kylon scheiterte. Als höchster Beamter der Stadt, aber eben nicht Tyrann, folgte ihm Drakon, der einige Gesetzesreformen vornahm. Er dämmte die häufig ausgeübte Blutrache erfolgreich ein, was in der Folge zu einer Stärkung des Gemeinsinns der Athener (daher aller geeinten Bewohner Attikas) führte.
Es war aber erst Solon, der so etwas wie einen eigenen attischen Staat schuf. Er übernahm 594 das Amt des Archonten, des obersten Beamten, und versuchte eine ausgewogene Gesetzgebung, Eunomie genannt, durchzusetzen. Der schwierigste und größte Schritt dabei war eine Reform der landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse, die zuvor in den Händen weniger Aristokraten lag, welche den überwiegenden Teil der Bauern in hohe Verschuldung, Schuldknechtschaft oder gar Sklaverei trieb. Solon erließ die Schulden und definierte die Rolle der (männlichen) Bürger neu. Er etablierte die Gemeinschaft der Bürger (den Demos) und übertrug ihm Rechte und Pflichten, wobei er die vermögende Oberschicht nicht in Frage stellte, denn der Einfluss der Bürger auf die Politik wurde nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gestaffelt. Nur die reichsten Athener konnten politische Ämter ausüben. Gegliedert wurde die Einordnung nach dem Ernteertrag, angefangen mit 500 Scheffeln abwärts. Damit trieb Solon die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit enorm voran, da nun eine höhere Motivation herrschte, ökonomisch erfolgreich zu sein, um mit zu entscheiden. Gleichzeitig wurde das Gemeinschaftsbewusstsein weiter gestärkt, den theoretisch war kein Bürger mehr ausgeschlossen vom Schicksal der eigenen Stadt.
Ein wichtiges Element der Integration waren gleichfalls ritualisierte Feste, wie die Panathenäen, kultische Spiele zu Ehren der Stadtgöttin Athena Polias. Ab 566 lud man alle Griechen zu diesen Feierlichkeiten ein, wenngleich ähnliche Veranstaltungen in Olympia, Delphi oder Korinth bei den Griechen angesehener und populärer waren. Jedoch wurden die Sieger der panathenäischen Spiele ebenfalls gebührend gewürdigt. Es gab leichtathletische Disziplinen, Wagen- und Pferderennen und gleichfalls musische Wettbewerbe. Der Sieger bekam athenisches Olivenöl aus extra angefertigten Amphoren. Dabei variierte die Anzahl der zu gewinnenden Amphoren je nach Altersklasse und Disziplin. Ein Sieger im Wagenrennen konnte bis zu 140 Amphoren (umgerechnet rund 5.000 l) als Preis einstreichen, was ein sehr lukrativer Gewinn war. Nur an den Ruhm eines Sieges in Olympia kam ein Sieg bei den Panathenäen nicht heran.
Nur wenige Jahre nach den ersten attischen Wettkämpfen war es Peisistratos, Sohn eines Adelsgeschlechts der attischen Ostküste, der die politische Konstellation einer Tyrannis in Athen wiederherstellte. Seine ersten Versuche der Machtübernahme scheiterten, aber 546 schließlich landete er mit einem Sölderheer in Marathon und übernahm nach kurzer militärischer Auseinandersetzung die Herrschaft. Die Grundlage seiner Gewalt war jedoch das Wohlwollen, welches er bei der Landbevölkerung Attikas erreichte. Er führte Staatshilfen bei Missernten ein und ließ besonders Feste zu Ehren des Gottes Dionysos feiern, welcher bei den Bauern sehr populär war. Am Südhang der Akropolis wurde dafür ein Heiligtum eingerichtet. Die Feste zu Ehren des Gottes boten später den Rahmen für die Aufführungen der auch heute noch geschätzten antiken Dramen (später dazu mehr). Peisistratos vergaß aber auch die Adligen nicht und schuf einen Ausgleich mit ihnen. So blühten in Athen Handel und Handwerk weiter auf und insbesondere die Töpferkunst war weit über die Grenzen Attikas hinaus begehrt. Nach Peisistratos Tod übernahmen seine Söhne Hippias und ferner Hipparchos die Macht. Letzterer wurde 514 Opfer eines Attentates, das wohl weniger politische Gründe hatte, als das es aus einer unglücklichen Liebesbeziehung heraus motiviert war. Allerdings setzte sich im kollektiven Gedächtnis der Athener diese Tat als Tyrannenmord fest, denn in Folge des Todesfalls verschärfte Hippias wiederum seine Tyrannenherrschaft beträchtlich, was wiederum zu großer Ablehnung bei der Bevölkerung führte und schließlich dazu, dass er 510 aus Athen vertrieben wurde.
Seine Nachfolge führte zu innerer politischer Unruhe und ständigen Rivalitäten insbesondere beim Adel. Die Lösung dieses Zustandes kam unter der Leitung des Kleisthenes und war etwas revolutionär Neues; eine demokratische Verfassung! Politische und juristische Entscheidungen sollten vom Volk entscheiden werden, in einer von wehrfähigen Männern Athens (daher keine Frauen oder Fremde und natürlich erst recht nicht Sklaven) aufgestellten Versammlung. Ein Exekutivrat aus 500 Abgeordneten sollte entstehen. Um die alten und verkrusteten Strukturen zu brechen, setzte Kleisthenes eine Reform der vier Stammesverbände (Phylen) durch. Er löste die alten Stämme auf und ersetzte sie mit 10 neue Phylen, welche sich nicht nach Abstammung definierten, sondern nach Territorium. Jeder Stamm erhielt drei Gebiete. Eines in der Stadt Athen, eines am Meer und eines im Binnenland. So wurde erreicht, dass alle Phylen ungefähr gleiche ökonomische und damit auch politische Chancen hatten. Jede Phyle konnte 50 Bürger in die Ratsversammlung entsenden. Gleichzeitig wurden Gerichte eingesetzt, die aber mehr als 100 Mitglieder hatten, damit sie zu groß wurden, um nicht die Mehrheit der Mitglieder zu bestechen. Die Reformen wurden von 507 bis 505 durchgeführt, als in Attika rund 120.000 Menschen lebten, in der Stadt Athen selbst rund 7.500. Für antike Verhältnisse war das Gebiet groß und wohlhabend und daher äußerst attraktiv.
Das sahen auch andere Mächte so. Der nach Persien vertrieben Hyppias schloss sich dem dortigen Heer an, das Athen als lohnendes kriegerisches Ziel ausgemacht hatte und 490 einem Feldzug gegen die Stadt unternahm. Nachdem die Perser schnell und reibungslos Gebiete in der Ägäis eingenommen hatten, gingen sie bei Marathon an Land, wo sie aber auf eine beachtliche Truppe von 9.000 Fußsoldaten der Athener trafen und verloren. Ein glorreicher Sieg für die Griechen. Schnell wurde die Schlacht zum Mythos, in welcher Freiheit gegen Knechtschaft siegte und Demokratie gegen Despotie.
Die Perser jedoch waren nur kurz geschlagen und sollten einen neuen Angriff vorbereiten. Der Großkönig Xerxes führte zehn Jahre später ein gewaltiges Heer über den Hellespont, die heutigen Dardanellen, mit einer Brücke aus 300 aneinander befestigten Schiffen in Richtung Athen. Die Athener waren aber ebenso gewappnet und hatten ihre Strategie geändert. Sie setzten nun auf ihre neu aufgebaute Marine. Tatsächlich zeigte sich aber schnell, dass man auch mit 200 Schiffen nichts gegen die persische Übermacht ausmachen konnte. Die Schiffe wurden benutzt, um die Bevölkerung zu evakuieren. Die Perser besetzten Athen. Sie raubten zahlreiche Kunstwerke, unter anderem die beiden Statuen, die zu Ehren der Tyrannenmörder des Hipparchos erstellt wurden und richteten größere Zerstörungen insbesondere auf der Akropolis an. Es kam nun auf eine zweite Auseinandersetzung an, die als Seeschlacht von Salamis bekannt wurde. Die griechischen Poleis einte die Anstrengung gegen den gemeinsamen Feind und sie siegten. Zu Lande wurde eine Entscheidung, in der Schlacht von Plataiai gesucht, in welcher die restlichen Perser geschlagen wurden und zurück nach Kleinasien flohen. Nach der Rückeroberung der Stadt war es den Athenern ein großes Anliegen die beiden Statuen der Tyrannenmörder schnell wieder zu erbauen und so wurde die Vertreibung der Tyrannis und der Sieg über die Perser nachfolgend als eng miteinander verbundene Ereignisse begriffen, die das attische Selbstbewusstsein stärkten.

Athen als Großmacht der griechischen Welt

Im antiken Griechenland existierte nicht ein zusammenhängender Territorialstaat, sondern eine größere Anzahl von einander unabhängigen Stadtstaaten, sogenannten Poleis. Nach dem Sieg gegen die Perser etablierten sich die Polis Athens als eine der führenden Mächte im System der Stadtstaaten.
Der Wiederaufbau der Stadt nach den Verwüstungen durch die Perser gelang schnell und wurde durchaus prachtvoll (mehr dazu im nächsten Kapitel) gestaltet. Seine Stellung in der Welt der griechischen Stadtstaaten festigte Athen mit dem weiteren Ausbau seiner Flotte und wurde so zu einer unumstrittenen Regionalmacht, die darum bemüht war, die Herrschaft über die griechische Inselwelt zu erlangen. Die geeignete Institution dafür war der Attisch-Delische Seebund. Gegründet wurde er im Jahr 477, auf der Insel Delos, der Heimat des Apoll-Kultes, dem sich auch die ionischen Griechen anschließen konnten. Ziel war es, den Druck auf die immer noch als Gefahr wahrgenommenen Perser aufrecht zu erhalten. Athen war sehr einverstanden, dass die Bundeskasse auf der heiligen Insel Delos deponiert wurde, konnte das doch etwas den Eindruck mildern, dass die Athener das Sagen im Bund hatten und Bundesgelder nicht nur für militärische Zwecke, sondern auch zum Ausbau der Stadt ausgaben. Obwohl innerhalb des Stadtstaates die Regeln der Demokratie hochgehalten wurden, war Athen nicht an gleichberechtigter Politik gegenüber den anderen Mitgliedern des Seebundes interessiert, sondern eher darauf, den eigenen Bedarf zu decken. Die attische Polis agierte imperialistisch.
Das wichtigste Problem war das der Getreideversorgung, denn Athen war nicht mehr in der Lage die eigene Polis allein zu versorgen. Schätzungen zeigen dass man rund 84.000 Personen hätte versorgen können, tatsächlich muss die attische Polis im späten 5. Jahrhundert wohl über 300.000 Einwohner gehabt haben.[2] Man kann also davon ausgehen, dass mindestens die Hälfte des Getreides importiert werden musste. Eine große Bedeutung kam dabei der Insel Euböa zu, die gemeinsam mit Lemnos, Lesbos und Thrakien die von Athen systematisch verwalteten Kornkammern waren.
In der griechischen Welt etablierte sich in der Zwischenzeit ein zweiter politisch-militärischer Zusammenschluss, der peloponnesische Bund, der die Städte Südgriechenlands vereinte und von Sparta angeführt wurde. Beide Vereinigungen hatten unterschiedliche Vorgehensweise, wie sie mit ihren Mitgliedern umgingen. Während Sparta versuchte mit seinen Bundesgenossen zusammenzuarbeiten, war der attisch-delische Seebund durch die Herrschaft Athens dominiert, wobei die erfolgreiche attische Führung und der dadurch entstandene Ruhm, die anderen Stadtstaaten so beeindruckte, dass eine attische Dominanz gern in Kauf genommen wurde. Der Bund focht zahlreiche Schlachten gegen die Perser aus, so 466 an der Mündung des Eurymedon und unterstützte Aufstände in Ägypten oder in Zypern.
Eigentlich sollten sich Athen und Sparta, oder eben der attisch-delische und der peloponnesische Bund, nicht in den Weg kommen, denn beide hatten unterschiedliche Interessen. Athen war an der Ägäis, Sparta an der Peloponnes interessiert. Die Probleme starteten, als weniger bedeutende Städte die beiden Stadtstaaten in ihre Konflikte hereinzogen. Ausschlaggebend war Epidamnos, eine strategisch günstig gelegene Stadt an der Adriaküste. Als innenpolitische Probleme in der Stadt zwischen Aristokraten und Demokraten auftauchten, wandten sich die Demokraten an die Mutterstadt Korfu (damals Kerkyra), die wiederum eine Tochterstadt von Korinth ist. Griechische Städte, so muss an dieser Stelle eingeschoben werden, gründeten, wenn sie eine gewisse Größe erreichten, neue Städte bzw. Kolonien, die dann Tochterstädte wurden, was durchaus, wie an diesem Beispiel absehbar, auch über mehrere „Generationen“ weitergeführt werden konnte. Kerkyra lehnte aber das Ansinnen von Epidamnos ab, worauf diese sich an die „Großeltern“ in Korinth wandten. Korinth und Kerkyra wiederum hatten ein sehr unterkühltes Verhältnis, fühlte man in Korinth zu wenig Respekt von Seiten der Tochterstadt, während man dort wiederum die eigenen Leistungen, man war mit 120 Schiffen die zweitgrößte Seemacht Griechenlands hinter Athen, nicht genug gewürdigt sah. Zwischen Stadtstaaten konnte es also durchaus wie in richtigen Familien zugehen. Kerkyra fragte schließlich Athen um Beistand, in dem es um Aufnahme in den attisch-delischen Seebund bat, was Athen wiederum im Gefühl größtmöglicher Machtentfaltung erlaubte. 433 kam es dann zu einer Seeschlacht zwischen Kerkyras Flotte und Schiffen aus Korinth und dessen Verbündeten von der Peloponnes, bis eine Abordnung aus Athen eintraf, die einen solchen Eindruck machte, dass die Korinther sich lieber zurückzogen. Athen, natürlich auch an den wirtschaftlichen bzw. handelspolitischen Möglichkeiten der Adriaküste interessiert, zeigte hiermit deutlich das man sich als Imperialmacht verstand, die einzugreifen gedenkt, wenn ein eigenes Interesse geweckt wäre. Bei einem großen Teil der griechischen Welt traf diese nicht mehr auf großes Gefallen. So zog auch Sparta in den Krieg gegen Athen und den Seebund. Es begann der Peloponnesischer Krieg, der Verwüstung, Grausamkeit, Krankheiten und viele Tote mit sich brachte. Ohne die Tiefe der Auseinandersetzung zu schildern, brach der Krieg bis nach Sizilien hinaus, wo 415 unter anderem die Schlacht um Syrakus stattfand, die Athen verlor. Mit der Schlacht von Aigospotamoi 405 endete der Krieg mit dem fast vollständigen Versenken der athenischen Flotte. Sparta war nun der neue Hegemon in Hellas und setzte eine Schreckensherrschaft aus 30 Tyrannen in Attika ein.           

Der Höhepunkt der athenischen Welt

Der Aufstiegs Athens zur Hegemonialmacht in Griechenland hatte jedoch auch weitreichende innere Entwicklungen in der Polis veranlasst, in welcher sie sich zu einer bis dato noch nie da gewesenen Kulturmetropole mauserte, dessen Erinnerung sich über Jahrhunderte hinweg bis heute gehalten haben. Deshalb folgt jetzt ein Blick zurück, von der Niederlage im Peloponnesischen Krieg hin zum Sieg gegen die Perser.
Der Wiederaufbau nach der Verwüstung durch die Perser löste einen wirtschaftlichen Boom aus. Die Bürger Attikas zogen vermehrt von den ländlichen Regionen der Halbinsel in die Stadt, gleichzeitig wurde der Hafen in Piräus stark ausgebaut, um für die Seemacht Athen dienlich zu sein. Die Anwesenheit in der Stadt war auch der politischen Mitbestimmung geschuldet, denn die Bürgerversammlung und die Gerichte tagten häufig.
Das erforderte zahlreiche Bauaufgaben in der Stadt. Die von Themistokles durchgesetzte Strategie Athen zu einer Seemacht auszubauen, benötigte notwendigerweise den Aufbau eines geeigneten Hafens. Dieser wurde in Piräus, rund vier Kilometer von der Akropolis entfernt an einer geografisch günstigen Stelle erbaut. Von großer Bedeutung war es Hafen und Stadt als Einheit zu verteidigen, womit die Stadtmauern erheblich ausgebaut werden mussten. Ab den 470er Jahren wurden Land- und Seemauern errichtet, die ein Dreieck Athen – Piräus und die Bucht von Phaleron einschlossen. Doch das Gebiet war verteidigungstechnisch zu groß und benötigte zu viele Streitkräfte (die man lieber auf den Schiffen verwendete), um es effektiv zu kontrollieren. So wurde in den 440er Jahren eine dritte Mauer angelegt, die parallel zur Mauer nach Piräus erbaut wurde, die es jedoch ermöglichte eine Transportstraße innerhalb der befestigten Anlage entlang zu führen, bei gleichzeitig geringer Einsatzstärke für das Militär. Die so entstandenen Anlagen wurden die Langen Mauern genannt.
Gleichzeitig zur Stadt an der Akropolis entwickelte sich Piräus damit zu einer (eigenen) wachsenden Stadt, die als Hafen Kaufleute aber insbesondere Schiffsbauer Handwerker anzog.[3] In Athen selbst mussten ebenso neue Häuser erbaut werden, gleichzeitig galt es viele repräsentative Bauaufgaben anzugehen, war man sich doch bewusst, dass man architektonisch seiner Vormachstellung unter den griechischen Poleis Ausdruck verleihen musste. Das bedurfte einer ganzen Reihe von finanziellen Mitteln. Man besann sich einerseits auf die Silberminen in Laureon im Süden von Attika. Diese Minen wurden schon seit dem 3. Jahrtausend genutzt, niemals aber systematisch ausgebeutet, so dass sie volkswirtschaftlich ins Gewicht gefallen wären. Höchstwahrscheinlich fehlten einfach technische Mittel oder ausreichende Arbeitskräfte. Man warb Experten aus Nordgriechenland an, um den Abbau zu forcieren. Der Bergwerksbau, der vom Staat verpachtet wurde, expandierte schnell. Hauptsächlich Sklaven schufteten in den Mienen und schufen damit neuen Reichtum der Polis. Der intensive und auf kurzfristige Einnahmen ausgelegte Bergbau, verursachte mit der Zeit größere Umweltschäden, die sich später im 4. Jahrhundert sehr negativ bemerkbar machten. Viele Gebiete konnten nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, unverhüttete Silber- und Bleischlacken wirkten sich auf die Gesundheit der Bewohner Athens aus, nicht zuletzt war der Baumbestand in der Region rapide zurück gegangen. Diese Effekte waren aber erst längerfristig bemerkbar. Kurzfristig waren es die Einnahmen die interessierten.
Die andere große Einnahmequelle war die Bundeskasse des attisch-delischen Seebundes, die bis 454 in Delos verblieb, dann aber nach Athen geholt wurde, wo die eingezahlten Bundesgelder noch einfacher für die eigenen städtischen Belange benutzt werden konnte. Der Hegemon zu sein, war zweifellos von Vorteil! In dieser Zeit lebten allein in der Stadt Athen mindestens 35.000 Menschen, was sie zur bevölkerungsreichsten Stadt Griechenlands machte, doch wie schon erwähnt, es war nicht die Größe der Stadt, die uns heute noch beeindruckt, sondern der Beitrag Athens zur Weltkultur.
In jenen Tagen entstanden einige der bedeutendsten Schätze der Menschheitsgeschichte. Herodot veröffentlichte seine Historien, eine erste Universalgeschichte seiner Zeit, die ihm zum „Vater der Geschichtsschreibung“ machten. Aus dem von Peisistratos eingeführten Fest der „Großen Dionysien“ entwickelte sich die griechischen Tragödien. Bei den Festveranstaltungen in der zweiten Märzhälfte wurden in Form eines Wettbewerbs szenische Aufführungen präsentiert, die nicht nur nach ihrem Text, sondern auch nach der Schauspielkunst, der Kostümierung und der Bühnenausstattung beurteilt wurden. Das alles wurde am Südhang der Akropolis in einem rechteckigen Bezirk dargeboten, auf denen hölzerne Bühnen erbaut wurden. Das wohl älteste erhaltene Stück ist Aischylos „Die Perser“ aus dem Jahr 472, in welchem die persische Niederlage aus deren Augen beschrieben wurde. Neu war, dass das Kriegsergebnis nicht als Resultat strategisch-taktischer Fehler aufgeführt wurde, sondern als eine Moralgeschichte welche die Hybris der Perser thematisierte und die Götter erzürnte. Solche Stücke begeisterten das Publikum. Die geschäftstüchtigen athenischen Töpfer produzierten Vasen, welche symbolische Bilder der aufgeführten Stücke wiedergaben und so die zumeist nur ein einziges Mal aufgeführten Werke in Erinnerung hielten. Aischylos Aufführungen erlangten eine so große Popularität, dass einige seiner Tragödien sogar posthum gespielt wurden und Siege bei den Wettbewerben errangen. In seiner Nachfolge agierten Künstler wie Sophokles, dessen Stücke nicht nur politische Themen thematisierten, sondern auch Grundfragen des menschlichen Daseins reflektierten. Noch heute werden seine Werke, wie beispielsweise die Antigone, in Theatern auf der ganzen Welt gespielt. Nicht zu vergessen ist auch der dritte der großen griechischen Tragödiendichter Euripides, der durch seine sozialkritischen Stücke in seiner Heimat Athen nicht die ganz große Popularität erlangte und dessen Aufführungen erst nach seinem Tode euphorisch gefeiert wurden. Rund 100 Jahre später, in der Mitte des 4. Jahrhunderts wurde unter Lykurg das Theater im Dionysosheiligtum zu einer permanenten Architektur aus Stein erweitert, in welchem 17.000 Personen im halbkreisförmigen Zuschauerraum Platz fanden. Dies zeigt den großen und langfristigen Erfolg der Aufführungen. Am Eingang des Theaters wurden Statuen zu Ehren der drei großen Dramatiker aufgestellt.
Ab der Mitte des 5. Jahrhundertwurde wurde in Athen für die Ewigkeit gebaut. Auf der heiligen Akropolis wurde ein Gebäudeensemble errichtet, dass auch noch heute, rund 2.500 Jahre später, und das als Ruine, die Besucher der Stadt in seinen Bann zieht. Der Initiator des Projektes des Neubaus der Akropolis war Perikles, der mit dem Bau den Anspruch der Stadt bekräftigte, politisches und sakrales Zentrum aller ionischen Griechen zu sein. Diesem architektonischen Meisterwerk der Weltgeschichte soll ein eigener Beitrag gewidmet werden, der hier zu finden ist.
Die Akropolis wurde in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts fertiggestellt, der Blütezeit Athens, in welcher die Stadt sich als die Erzieherin Griechenlands sah. Die gewaltigen Baumaßnahmen erstaunen insbesondere, da die Stadt sich, wie oben beschrieben, des Öfteren im Kriegszustand befand. Zeitgleich mit dem Bau der Akropolis wurde das Hephaiston errichtet, der Tempel für die beiden Götter der Kunstfertigkeit. Der Tempel steht oberhalb der Agora, mit der er über eine Steintreppe verbunden war und bildet in Stein nochmals die künstlerischen Leistungen der Stadt ab, in der nuancenreich und sublim wie noch nie in der Weltgeschichte künstlerische Werke geschaffen wurden. Die Agora, dass städtische Zentrum, war ein offener Platz, auf denen man Gerichtshöfe und Verwaltungsgebäude fand, wobei festzustellen ist, dass die Bürgerversammlungen hier nicht stattfanden, sondern auf dem Pnyx-Hügel, der in etwa, wie ein ansteigendes Theater ausgestaltet war und wo jeder Bürger sein Anliegen vortragen konnte. Das sitzende Publikum konnte hier den Rednern zuhören. Die ekklesia, also die Bürgerversammlung wurde 40 mal im Jahr abgehalten und es war der Ort, wo die Macht der Rhetorik erstmals die Entscheidungen aller Bürger beeinflussen sollte.
Nach der endgültigen Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg verfiel die Vormachtstellung der Stadt in der Welt der griechischen Poleis. Für einige Jahre gab es auch keine Bürgerversammlungen mehr, denn 30 Tyrannen aus Sparta regierten Athen mit teilweise radikalen Säuberungsaktionen unter der Bevölkerung, bevor die Tyrannen letztendlich vertreiben werden konnten und sich wiederum eine demokratische Ordnung durchsetzte. Außenpolitisch nicht mehr bedeutungsvoll, etablierte sich Athen aber als Hort der Bildung neu. Die Geburt der Philosophie, die das Fundament des systematischen und wissenschaftlich orientierten Denkens fand ebenfalls in Athen statt. Sokrates, der in der attischen Demokratie lebte, gilt als der Urvater der Philosophie, der „Meister aller Meister“ (Michel de Montaigne) auch wenn von ihm nur indirekte Quellen vorhanden sind. So stammt alles was wir über bzw. von ihm wissen, aus sekundären Veröffentlichungen seiner Schüler wie Xenophon, oder Platon. Letztgenannter verließ nach dem Todesurteil gegen Sokrates im Jahr 399 Athen, weil ihm ein solches Verdikt alles andere als gerecht vorkam. Er reiste durch die antike Welt und kam schließlich nach Athen zurück, wo er eine kleine Gruppe von Schülern um sich scharte, die er dialogisch von seinen Vorstellungen der Welt unterrichtete. Nördlich der Stadt erwarb er am heiligen Hain des Heros Akademos ein Grundstück und gründete dort eine Schule, die sich nach dem Grundstück Akademie nannte. Daraus entwickelte sich eine Bildungsinstitution, aus der beispielsweise Aristoteles hervorging, welcher später der Lehrer Alexander des Großen wurde.  Als Aristoteles vom makedonischen Königshof nach Athen zurückkehrte, gründete er seine eigene Schule, im Lykeion. Auch Antisthenes, ein anderer Schüler Sokrates eröffnete eine eigene Schule, im folgte Epikur, der sich aus Samos kommend, in Athen niederließ und 306 eine eigene Bildungseinrichtung ins Leben rief, bevor um 300 mit der Stoa die fünfte große Philosophenschule in Athen entstand. Ihr Name entstand aus der Säulenhalle auf dem Hauptplatz der Agora, wo sich Zenon von Kiton mit seinen Schülern traf. Obwohl seiner politischen Bedeutung beraubt wurde Athen so ein Zentrum geistiger Bildung und der Geburtsort der Philosophie.

Athen im hellenistischen und römischen Zeitalter

Tatsächlich waren die politischen Realitäten für die Stadt eher trist. 338 geriet Athen unter makedonische Herrschaft und verlor seine vollständige Souveränität. Die neuen Machthaber zeigten sich jedoch als Förderer der Kunst und Bildung und so blieb der Polis der Ruf als Stadt des Geistes. Großzügig wurde Athen von den ptolemäischen Machthabern aus Alexandria unterstützt, die gern an den panathenäischen Spielen teilnahmen. Auch die Könige Pergamons, wie Eumenes I. sahen in Athen ein Vorbild und baute seine Hauptstadt Pergamon danach um. Mit einigen finanziellen Mitteln beteiligte man sich beispielsweise am Ausbau des Dionysostheaters. König Attalos II. beschenkte Athen mit einer Säulenhalle am Ostrand der Agora, die heute von amerikanischen Förderern wiederaufgebaut wurde und besichtigt werden kann. Athen wurde zu einer Art von kulturellem Zentrum der Antike. Als Handelsstadt musste man sich jedoch langsam dem immer bedeutender werdenden Rhodos geschlagen geben, dass zum neuen Zentrum des ägäischen Handelsnetzes wurde und damit auch dem Hafen Piräus Marktanteile abspenstig machte.
Als die Römer zur neuen Hegemonialmacht im Mittelmeer wurden, ernannten diese Delos zu einem Freihafen, um den Handel im widerspenstigen Rhodos zu schädigen. Athen sollte die Verwaltung von Delos übernehmen. Während die Insel prächtig gedieh kam auch Athen zu neuem Wohlstand. Ein heute noch sichtbares Zeichen ist der Turm der Winde, ein 15m hoher Turm, der um 100 gebaut wurde. Auf seiner Spitze befand sich eine Wetterfahne, die über den acht Seiten des Bauwerks sich drehte und damit die acht Windrichtungen anzeigte, die auf den Seiten allegorisch abgebildet wurden und noch heute zu sehen sind. Für die Seefahrerstadt Athen hatte dies auch praktischen Nutzen, denn die Windrichtung war ein elementarer Fakt für den Schiffsverkehr. Der praktische Nutzen des Turms der Winde wurde verstärkt durch eine eigene Sonnenuhr auf jeder der Seiten. Der Clou des Gebäudes war aber eine Wasseruhr im Inneren, welche die damals präziseste Zeitmessung der antiken Welt ermöglichte.
Den Römern, der neuen „Weltmacht“ der antiken Welt, erwuchs in jenen Jahren ein neuer Feind, das Königreich Pontos, dass von der Südküste des Schwarzen Meeres aus, sich kräftig ausbreitete. Dessen König Mithridates VI. konnte seine Macht bis auf die Ägäis erweitern und in Athen war man bereit sich ihm anzuschließen. Nach innerrömischen Streitigkeiten setzte sich dort Lucius Cornelius Sulla durch, der im Jahr 87 mit einer Armee in Attika auftauchte, die Stadt Athen belagerte, sie einnahm und schließlich massiv zerstörte, woran allerdings Piräus mehr litt als Athen selbst. Sulla ließ insbesondere die Verteidigungsmauern abreisen, die bis dato immer noch den Hafen von Piräus eingeschlossen hatten. Der Hafen verlor damit völlig seine Bedeutung und Athen wiederum seine Rolle als wichtiger Handelsplatz. Die nachfolgenden Herrscher Roms schenkten Athen nur wenig Aufmerksamkeit und es war erst Kaiser Augustus und insbesondere sein Weggefährte Agrippa, welche die Stadt wieder mit Beachtung und Güte bedachten. Agrippa ließ das Odeion auf der Agora bauen, einen Vortrags- und Konzertsaal in welchem bis zu 1.000 Besucher Platz fanden. In der Zeit Augustus fand in Rom eine starke Hinwendung der Öffentlichkeit zu klassischer athenischer Kunst statt, so dass nicht wenige Athener Künstler an der kaiserzeitlichen Kunst beteiligt waren. Gleichfalls fiel Athens Ruf als Bildungsstädte bei den Römern auf offene Ohren. Sie sendeten ihre lernbegierigen Kinder in die Stadt, um an den Philosophenschulen zu studieren. Athen blühte wieder auf und das verdankte die Stadt wiederum ihrem Ruf aus der klassischen Vergangenheit, welche um die Zeitenwände tatsächlich schon mehrere hundert Jahre vergangen war. Athen wurde durch diese Anziehungskraft so etwas wie eine kosmopolitische Stadt der Antike. Hier trafen sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsgebieten. Schön zeigt dies ein heute noch erhaltenes Monument für Gaius Iulius Antiochus Philopappus, dem letzten Nachkommen einer nordsyrischen Königsdynastie. Im wurde wegen seiner Wohltaten um 116 n. Chr. (ab sofort beziehen sich alle nicht weiter definierten Jahrenzahlen in der folgenden Argumentation auf unsere Zeitrechnung) ein Denkmal gesetzt, dass nicht nur seine Wohltaten für die Stadt Athen pries, sondern auch seine Leistung als römischer Konsul würdigte und seine Herkunft aus königlichen Hause der Kommagene anzeigte. Denkmäler die so unterschiedliche Herkünfte und Orte in sich vereinten, waren äußerst selten in der Antike.   
Es war aber insbesondere der römische Kaiser Hadrian, der Athen weiter ausbaute. In seiner Jugend durchlief er eine klassisch griechische Bildung und fühlte sich als Kaiser berufen, die Stadt zu neuem Glanz zu verhelfen. Ein neues Aquädukt wurde gebaut, neue Straßen und Plätze errichtet und er erließ Gesetze, die den Verkauf des athenischen Olivenöls stark verbesserten und somit die wirtschaftliche Situation der Bürger verbesserte. Hadrian lag insbesondere daran den Ruf Athens als Bildungsstadt zu polieren, weshalb er eine neue Hochschule einrichtete. Auf einer Fläche von 90x120m entstand ein Gebäude für Bibliotheken und Hörsälen, so wie den obligatorischen Säulengängen und Grünflächen.
Im Osten der Akropolis ließ Hadrain das Olympieion vollenden, einen Tempel, der bereits unter den Peisistratiden begonnen wurde. Das ganze Projekt wurde vollkommen neu überdacht. Der Kult des Zeus Panhellenios wurde neu eingeführt und das Gebiet zu einem sakralen Zentrum erklärt, um so den Gemeinsinn aller Griechen zu befördern. Dies geschah mit der Durchführung gemeinsamer Spiele, die unter dem Vorsitz Hadrians erstmals 125 abgehalten wurden. Am Eingang zum Bezirk ließen die Athener ein Denkmal bauen, das Hadrianstor, dass den Kaiser in den höchsten Ehren, als eine Art zweitem Stadtgründer, pries.
Ab dem Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts erlahmte wiederum die Bautätigkeit in Athen. Trotzdem blieb die Stadt wohlhabend und damit ein beliebtes Ziel für Räuber, die dem spätrömischen Reich immer mehr zu schaffen machten. 267 überfielen die Heruler Athen und richteten schwere Verwüstungen an. Als Reaktion darauf wurde der Bau einer neuen Stadtmauer intensiviert, allerdings in ihren Dimensionen viel kleiner als vor der Zerstörung Sullas. Sie umschloss die Akropolis und die Gebiete nördlich davon. Tatsächlich sollte aber diese Stadtmauer bis ins 19. Jahrhundert hinein ausreichend für die Größe der Stadt bleiben. Das Zentrum der Stadt lag nun in der römischen Agora, die etwas weiter östlich der alten griechischen Agora gelegen war und eigentlich schon länger ein Handelsplatz war. Athen konnte sich aber den Ruf als Ort der Bildung bewahren, auch als das römische Reich sich in zwei Hälften spaltete und Athen nun zum byzantinischen Reich gehörte. Byzanz, das christliche Konstantinopel, wurde zum neuen Machtzentrum der griechischen Welt. Das Christentum wurde zur Staatsreligion und auch in Athen entstanden die ersten frühchristlichen Kirchen, bevor der Einfluss der christlichen Kirche beständig zunahm. Ab dem 5. Jahrhundert baute man heidnische Tempel zu Kirchen um, wie dies nicht nur im Pantheon, sondern auch im Erechtheion, den Propyläen oder im Turm der Winde vollzogen wurde. Dramatisch traf die Stadt, dass durch ein Dekret Kaiser Justinians die philosophischen Schulen der Stadt als Orte des Heidentums geschlossen werden mussten. Damit versank Athen nicht nur als Hort der Bildung in die Bedeutungslosigkeit. Es gibt tatsächlich kaum noch Quellen, die in den nächsten Jahrhunderten von der Stadt sprechen. Athens antike Geschichte war damit zu Ende gegangen.

Athens bedeutungslose Jahrhunderte

Die Stadt lebte weiter, aber nur als größeres Dorf im Schatten von Konstantinopel. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden einige neue Kirchbauten errichtet, im byzantinischen Baustil gehalten, wie beispielsweise die wundervolle Agii-Apostoli-Kirche. Als 1204 der 4. Kreuzzug das orthodoxe Konstantinopel eroberte, bildeten sich in Griechenland kleinere Staaten, die in den Besitz der Franken kamen, Athen fiel auch darunter. Das byzantinische Reich und insbesondere Konstantinopel waren aber durch den innerchristlichen Streit (katholische gehen orthodoxe Kirche) so geschwächt, dass 1453 die Stadt und fast in einem Atemzug das verbliebene Reich an die neue Macht Kleinasiens und Osteuropas fielen; das osmanische Reich. Nur drei Jahre nach Konstantinopel fiel Athen ebenfalls an die Osmanen, die der Stadt keine Bedeutung zumaßen. Als die Renaissance das mittelalterliche Europa wachküsste, war Athen so vergessen, dass einige Gelehrte annahmen die Stadt sei zerstört und untergegangen. Tatsächlich lebte sie als kleines Städtchen bis ins 19. Jahrhundert weiter vor sich hin. Die Türken ließen sich auf der Akropolis nieder und bauten dort eine Garnison aus, während die Griechen in der Unterstadt, der heutigen Plaka, lebten. Als die Venezianer 1687 die Stadt erfolglos belagern, zerstörte eine Kanonenkugel das Parthenon, das von den Osmanen als Munitionslager genutzt wurde, nur ein weiteres Detail im dramatischen Niedergang.  
Die Idee des antiken Athens mit seinen kulturellen Errungenschaften von der Demokratie bis zur Philosophie blieben aber in Erinnerung und hielten länger als die Steine auf der Akropolis. Als 1821 der griechische Unabhängigkeitskrieg gegen das osmanische Reich ausbrach, sympathisierte der Großteil von Europa mit den Griechen, die schließlich 1830 ihren eigenen Staat ausrufen konnten. Da nach der französischen Revolution, den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress die Zeichen in Europa aber so gar nicht nach einer demokratischen Ordnung für den entstehenden Staat aussahen, bestimmten die europäischen Großmächte einen neuen König für den griechischen Staat. Dafür suchte man sich eine eher schwache Monarchie aus und ernannte einen Wittelsbacher, Prinz Otto von Bayern, zum neuen griechischen König. Griechenland bleib nach 368 Jahren osmanischer Herrschaft und einem erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg daher de facto weiter fremdbestimmt.

Das neue Athen entsteht

König Otto reiste 1833 erstmals in sein neues Land und erreichte die kleine Stadt Nafplia auf der Peleponnes, die in Mangel an Alternativen zur Übergangshauptstadt ernannt wurde. Schnell entschloss man sich jedoch, Athen zur Hauptstadt zu machen. In jener Zeit lebten rund 5.000 Menschen in der Stadt, an der die großen Kunstepochen wie Romanik, Gotik, Renaissance oder Barock schlicht vorübergezogen sind, ohne Spuren zu hinterlassen.
Die Ernennung zur Hauptstadt Griechenlandes ist der Beginn des modernen, heutigen Athens. Nach den Zerstörungen des griechischen Befreiungskampfes gegen die Osmanen war nun die Möglichkeit geboten, eine neue repräsentative Hauptstadt zu erbauen. An Plänen dafür mangelte es nicht. Der erste Entwurf für „Neu-Athen“ von Stamátios Kleánthes und Eduard Schaubert wurde ebenso wenig angewendet wie eine Revision dieser Pläne von Leo von Kletze. Es war schließlich der bayrische König Ludwig I., der seinem Sohn Otto I. von Griechenland die Entscheidung abnahm, die hauptsächlich darin schwankte, wo das königliche Schloss errichtet werden sollte. Dies wurde dann auf einer Höhe am Syntágma-Platz gebaut. Von hier aus, so sah es schon der Ur-Plan vor, wurde ein dreiecks-förmiges Straßennetz aufgespannt, dass aus drei Hauptstraßen bestand. Auf der Panepistímiou-Straße wurde ein neoklassizistisches Ensemble aus drei repräsentativen Bauwerken erstellt, der Universität, der Akademie und der Nationalbibliothek, die zusammen die Athener Triologie bilden. Doch schon von Beginn an, setzte die Bodenspekulation allen Plänen massiv zu, obwohl das neue Athen anfangs nur langsam wuchs. Ein Ende des Dreiecks, der Omonia-Platz war noch für 50 Jahre das äußere Ende der Stadt.
Nachdem 1863 König Otto abgesetzt wurde, übernahm der dänische Prinz Wilhelm den Thron in Griechenland, dass in den Folgejahren zahlreiche neue Gebiete, wie die ionischen Inseln, Thessalien und Teile von Epirus zugesprochen bekam und damit wuchs. Zum Zeichen, dass die Industrialisierung auch im Südosten Europas Einzug hielt, wurde die erste Eisenbahnverbindung des Landes 1869 zwischen Athen und Piräus eröffnet. Sie ist eine Vorstufe der später weiter ausgebauten Athener U-Bahn. 1880 schließlich zählte die Stadt bereits 100.000 Einwohner und wurde zur Großstadt. 1888 wurde das Kongresszentrum Zappeion in der Nähe des Königsschlosses eröffnet und 1896 die ersten olympischen Spiele der Neuzeit in Athen gefeiert, die jedoch eine durch und durch moderne Version der Spiele darstellten und mit den antiken olympischen Wettkämpfen nur noch sehr wenig zu tun haben. Griechenland als Staat wuchs auch zu Beginn des 20.Jahrhunderts und verleibte sich 1913 nach dem zweiten Balkankrieg den größten Teil von Makedonien und die Hafenstadt Thessaloniki ein. Mit dem Griechisch-Türkischen Krieg von 1919/22 kommt es zur kleinasiatischen Tragödie, als griechische Ideen die Grenzen des alten byzantinischen Reiches für sich wiederzuerlangen kläglich scheitern und die alte Hafenstadt Smyrna (das heutige Izmir) völlig zerstört wurden und an die Türkei fiel. 1923 wurde die Türkei im Vertrag von Lausanne zu einem souveränen Staat erklärt und ein Bevölkerungstausch vereinbart. 500.000 Türken mussten griechische Gebiete verlassen, und 1,5 Millionen Griechen, türkisches Staatsgebiet. Viele siedelten sich in den Vorstädten von Athen an, wo zahlrieche neue Wohnviertel entstanden, die an die alten Städte erinnern (z.B. Nea Smyrni). Das war der Beginn der gewaltigen Ausdehnung der Athener Stadtlandschaft. Gleichzeitig konnte die Stadt sich als Ort von Kunst und Kultur wieder einen Namen machen, 1933 beispielsweise wurde hier die Charta von Athen unterzeichnet, dass Manifest der modernen Architektur.
Der 2. Weltkrieg brachte erst einen italienischen Angriff und dann die deutsche Besetzung des Landes. Nachfolgend zur Unterdrückung kamen Hunger und Tod. In den Kriegswintern 41/42 und 42/43 sollen im Großraum Athen über 100.000 Menschen verhungert sein. Es folgte der griechische Bürgerkrieg von 1944 bis 49, der die griechische Volkswirtschaft an den Rand ihrer Auflösung brachte. Trotzdem, oder vielleicht eher deshalb, zogen verstärkt in 1960er Jahren immer mehr Menschen nach Athen, war dies doch die wirtschaftlich stabilste Region, eines insgesamt rückständigen europäischen Staates, der erst nach dem Ende der Militärjunta 1974 wieder eine Demokratie einführte. Dem langzeitig vollkommen ignorierten Ausbau der städtischen Infrastruktur wurde erstmals in den 1990er Jahren begegnet. Getrieben von der Olympia-Bewerbung für 2004 wurden die U-Bahn, Autobahnen und ein neuer Flughafen ausgebaut. Mit dem Ausrichten der Olympischen Spiele wurden diese Bemühungen nochmals verstärkt. Die Pláka wurde sorgsam renoviert und die antiken Sehenswürdigkeiten zu einem zusammenhängenden Kulturstätten-Areal vereinigt.  So ist Athen auch heute noch eine Stadt, die auf Fremde besonders anziehend wegen seiner historischen Bedeutung und dessen sichtbaren Zeugen ist, aber es ist auch eine moderne Stadt mit viel Leben, die aber noch etwas baufälliger und unaufgeräumter wirkt, als andere „schicke“ europäische Metropolen.        

Literaturempfehlungen:

Ulrich Sinn „Athen. Geschichte und Archäologie“ (2004); eine kurze und übersichtliche Einleitung in die Geschichte der Stadt insbesondere in der Antike

Klaus Gallas „Reclams Städteführer Athen“ (2013); ein hervorragendes Büchlein für jeden Athen-Reisenden, starke Orientierung an den archäologischen Sehenswürdigkeiten, aber sehr fundiert und erhellend geschrieben

Colin McEvedy „Städte der klassischen Antike“ (2011); in diesem Buch werden 120 Städte der Antike vorgestellt, u.a. auch Athen und Piräus, ein Reiseführer in die Vergangenheit

Richard Sennett „Fleisch und Stein. Der Körper und die Zivilisation in der westlichen Welt“ (1997); in diesem Buch werden das Körperbewusstsein, Rituale und kulturelle Muster in verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte beleuchtet, u.a. auch im Athen zu Zeiten Perikles 

David Abulafia „Das Mittelmeer. Eine Biographie“ (2013); auch in Abulafias wundervoller Biographie der Geschichte des Mittelmeers ist selbstverständlich das klassische Athen und besonders seine Auseinandersetzungen mit anderen Polei vertreten

 

Anmerkungen:

[1] Der Name der Stadt wurde bis in die letzten Jahrzehnte hinein immer im Plural verwendet (Athēnai; im Englischen übrigens heißt die Stadt heute noch Athens) und erst in den 1960er Jahren setzte sich im Griechischen die Einzahl Athína mehr und mehr durch.   

[2] Siehe genauer bei Albulafia, David „Das Mittelmeer. Eine Biographie“ S. 197

[3] Noch heute gehört Piräus nicht zum Stadtgebiet Athens und ist eine eigenständige Stadt.

Krakow (Krakau)

Geschichte der Stadt Krakau | urban facts Krakau

Die alte Hauptstadt Polens ist vielleicht die schönste Stadt des Landes und wird gern in einem Atemzug mit Prag und Budapest genannt, wenn es um die sehenswertesten Orte Zentralosteuropas geht. Kurz nach der Wende war Krakau eine Art Geheimtipp, als alle in den Westen fuhren, gab es in Osteuropa viel zu entdecken und der Satz: „Krakau musst du gesehen haben“ war eine quasi-alternative Gegenbewegung. Heute ist Krakau sicherlich kein Geheimtipp mehr, dafür sind die Zeiten des Städtetourismus zu stark geworden in der fast kein Ort mehr unentdeckt bleibt. Das soll aber keinesfalls heißen, die Stadt im Süden Polens wäre nicht sehr sehenswert.

Die Hauptstadt der Provinz Kleinpolens hat sich heute zur vielleicht bedeutendsten touristischen Städtedestination in ganz Polen entwickelt. An der Weichsel gelegen (dem bedeutendsten Fluss des Landes), thront hier die alte Königsburg Wawel auf einem mächtigen Felsen über dem Strom. Krakau ist zwar nicht mehr Hauptstadt Polens, doch auch hier scheint das Herz der Nation deutlich vernehmbar zu schlagen, so ist doch der Wawel vielleicht die bedeutendste Adresse einer Nation, die nationalen Heiligtümern durchaus zugeneigt erscheint.

Hinter der Burg breitet sich die hervorragend erhaltene Altstadt Krakaus aus, was umso mehr überrascht welche historischen Katastrophen in den letzten Jahrhunderten über das Land rauschten. Beeindruckend ist der mächtige Zentralplatz, der Rynek, der sicherlich einer der schönsten Plätze Osteuropas ist, wobei man als Deutscher (und damit als sich selbst quasi im Kern Mitteleuropas liegender Betrachter) sich in Krakau immer wieder fragt, welchen Teil des Kontinents man hier im Osten Polens betritt, ist das noch Mitteleuropa, oder schon Osteuropa? Zentralosteuropa ist eine etwas sperrig klingende Alternative, die aber nicht unpassend erscheint.

Deutlich kann man Krakaus stolze Geschichte in den Straßen und auf den Plätzen erkennen, So auch im jüdischen Viertel, in welchem man sich (und hier insbesondere wieder als deutscher Besucher) dem Gedanken stellen muss, dass Auschwitz gerade mal 70km westlich der Stadt liegt, was auch zahlreiche Tourenanbieter in der Stadt deutlich machen.

Krakau ist einerseits eine alte Stadt, weil hier zahlreiche Bauwerke den historische Charakter erkennen und das altehrwürdige erinnern lassen, gleichzeitig ist es aber auch eine junge Stadt im Aufbruch. Junge Polen, unter ihnen sehr viele Studenten, strömen ebenso durch die Gassen der Innenstadt, wie die vielen Touristen aus zahlreichen Ländern Und auch landschaftlich reizvoll wird es insbesondere südlich der Stadt, wo es immer hügeliger wird, bis dann – in einiger Entfernung von über 100km allerdings – die Hohe Tatra sich aufstellt, das höchste Gebirge der Karpaten.

Geschichte der Stadt Krakau

Der Wawelhügel, wo heute die Burg thront ist gleichzeitig das historische Zentrum der ganzen Region, denn hier sollen schon vor 20.000 Jahren erste Menschen gesiedelt haben, wenngleich für viele Jahrtausende von einer Stadt natürlich keine Rede sein konnte. Die Geschichte dieser beginnt mit der ersten Erwähnung Krakaus in einem Dokument. 965 schrieb der arabisch-jüdische Kaufmann Ibrahim ibn Yaqub, der aus dem damals muslimischen Tortosa (im heutigen Katalonien) stammte, seine Reiseberichte durch Mitteleuropa und erwähnte dabei die Stadt, die seinerzeit zu Böhmen gehörte. 999 wurde das Gebiet aber von Bolesław I. von Polen erobert und gehörte damit zum Reich der Polanen und der Herrscherdynastie der Piasten. Die Stadt muss damals schon einige Bedeutung besessen haben und wurde zum Bischofssitz erhoben. Das erste steinerne Gebäude, damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wurde auf dem Wawel-Hügel erbaut. Schon 1039 machte Kasimir I. Krakau zur polnischen Hauptstadt, wobei die administrative Wirkung einer solchen Entscheidung natürlich nicht mit unseren Zeiten vergleichbar ist. Trotzdem führte dies zu einem Aufblühen des Ortes. Streit, Absetzungen und sogar Tod zwischen den Mächtigen des Landes begünstigte jedoch vielerlei Wirrnisse und zwischenzeitlich musste Krakau auch seine Hauptstadtfunktion an Płock abtreten, doch gewann diese 1138 zurück. Da die Krakauer Fürsten eine bedeutende Rolle in Polen spielten und die Stadt auch dadurch ziemlich attraktiv war, wanderten viele Juden und Deutsche in jener Zeit nach Krakau ein. Doch diese Attraktivität zog auch Feinde an. Die Mongolen mit der Armee der Goldenen Horde griffen 1241 Krakau an und zerstörten die Stadt, wobei sich die Bürger versuchten in der Burg zu schützen.
Nach der leider sehr umfassenden Zerstörung wurde Krakau wieder aufgebaut und bekam 1257 das Magdeburger Stadtrecht zugesprochen. Marktplätze wurden wieder angelegt und die Straßen in einem Schachbrettmuster angelegt. Bolesław V. ließ den Salzabbau in der Umgebung fördern, was insbesondere im weiteren Verlauf des Mittelalters zu einer sehr einträglichen Quelle des Wohlstandes für Krakau werden sollte. 1335 wurde in direkter Nachbarschaft der Stadt Kazimierz das Magdeburger Stadtrecht verliehen und diese neue Stadt trat in Konkurrenz zu Krakau. Erst 1800 wurde Kazimierz eingemeindet und noch heute befindet sich hier das Jüdische Viertel, dass allerdings erst 1494 an diesem Ort angelegt wurde, als die Juden in Krakau Pogromen zum Opfer fielen und dadurch die Stadt verlassen mussten. Kazimierz wurde dadurch zu einem Zentrum des jüdischen Lebens in Polen.
1364 wurde aus der seit 1150 existierenden Lateinschule des Bistums die Krakauer Akademie gegründet, aus der später die Jagiellonen-Universität hervorging. Damit hat die Stadt nach Prag die zweitälteste Universität in Mitteleuropa, an der heute fast 50.000 Studenten immatrikuliert sind. Die Universität bekam übrigens schon früh großen finanziellen Zuspruch, denn Hedwig von Anjou wurde 1384 „König“ (nicht Königin!) von Polen und heiratete zwei Jahre später Władysław II. Jagiełło den Großfürsten von Litauen, womit das Großreich Polen-Litauen entstand. Hedwig wiederum vermachte nach ihrem frühen Tod ihr Erbe der Universität. Krakau wurde nun als Universitätsstadt und Hauptstadt eines der größten Territorialreiche des damaligen Europas zu einer bedeutenden Metropole des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Stadt trat der Hanse bei und viele Gelehrte wurden vom geistigen Klima Krakaus angezogen. Nikolaus Kopernikus beispielsweise, studierte an der hiesigen Universität. Die Druckerpresse, ein Werkzeug von revolutionärer Breitenwirkung hielt schon kurz nach ihrer Erfindung durch Gutenberg Einzug in der Stadt. Der Humanist Conrad Celtis gründete die „Sodalitas litteraria Vistulana“, eine polnische Akademie des Renaissance-Humanismus. Um 1500 soll Krakau rund 30.000 Einwohner (wohl aber mit Vorstädten) gehabt haben und damit zu den größeren Städten Europas gehört haben. Kirchen wuchsen in den Himmel und die heute noch zu bestaunenden Meisterwerke aus Gotik und Renaissance entstanden, das wohl beeindruckenste Beispiel dafür ist das Königsschloss, dass Sigismund I. von italienischen Baumeistern erbauen ließ und deren Sigismund Kapelle auch heute noch zu einem der schönsten Bauwerke der italienischen Renaissance außerhalb Italiens gezählt wird. Die Stadtmauer wurde nach den neuesten Ansprüchen der Verteidigung erweitert.
Wohlstand und Reichtum der Stadt zogen sich noch durch das ganze 16.Jahrhundert bis Sigismund III. Wasa 1596 Warschau zu seiner neuen Hauptstadt machte. Obwohl noch einige barocke Bauprojekte in der Stadt durchgeführt wurden, nahm Krakaus Bedeutung durch diese Entscheidung rapide ab. Fremde Armeen plünderten im 17. Jahrhundert die Stadt, noch schlimmer war eine Pestepidemie, die zu tausenden Opfern führte. Am Ende des 18. Jahrhunderts zählte Krakau (allerdings ohne Vorstädte) nicht mal mehr 10.000 Einwohner.
1795 wurde Polen zum dritten Mal zwischen den Großmächten Preußen, Österreich und Russland geteilt und damit aufgelöst. Krakau wurde so Teil des Kronlandes Galiziens, dass der Habsburgermonarchie angehörte. Danach kam es zu raschen Veränderungen der Machtkonstellationen. Napoleon Bonaparte teilte Krakau zum Herzogtum Warschau zu. Nachdem Wiener Kongress wurde der Stadtstaat Republik Krakau gegründet, der sich bis 1846 hielt und unter der gemeinsamen Kontrolle Österreichs, Preußens und Russlands stand. In Folge eines Aufstandes in Posen, rebellierte auch die Krakauer Bevölkerung am 18. Februar 1846 für einen eigenen polnischen Staat. Der Aufstand wurde rasch niedergeschlagen und Krakau kam wieder zum Kornland Galizien, wiederum unter österreichische Kontrolle. Krakau entwickelte sich jedoch zu einem Zentrum für polnische Kunst und Geisteshaltung, auch bedingt durch eine relative Unabhängigkeit, welche die k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn, Galizien zustand. Seit 1856 war es mit der Nordbahn mit Wien per Eisenbahn verbunden und wurde gerade um die Jahrhundertwende 1900 herum stark modernisiert.
Nach dem Ende des 1.Weltkriegs gelangte ganz Galizien und damit auch Krakau zum neu gegründeten polnischen Staat und wurde neben Warschau und Lemberg zu einem Zentrum des neuen Landes. Doch schon 1939 endete die freiheitliche Zeit wieder mit dem Polenfeldzug Deutschlands und der kampflosen Einnahme der Stadt am 6.September 1939. Die Nationalsozialisten gründeten eine neue Verwaltungszone mit dem Generalgouvernement, auf dessen Gebiet sie einige Konzentrationslager errichten ließen, wie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, in dem allein rund 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden und das wohl das schlimmste Zeitdokument industriellen Mordens der Menschheitsgeschichte ist. In Krakau selbst (etwas 70km östlich davon), wurde ein Ghetto angelegt, dass sich aber nicht in Kazimierz, sondern im Stadtteil Podgórze auf der anderen Seite der Weichsel befand. Späte Berühmtheit erlangte hier Oskar Schindler, der in seiner Emailefabrik rund 1.200 Juden das Leben rettete, in dem er sie vor der Auslieferung an die Vernichtungslager bewahrte.
Obwohl Krakau von Bombenangriffen im 2.Weltkrieg verschont blieb verlor es rund die Hälfte seiner Einwohner und fast seine gesamte jüdische Bevölkerung. Vor der Befreiung der Stadt durch die Rote Armee im Januar 1945 flohen fast alle deutschen Einwohner der Stadt, wie auch die Truppen der Wehrmacht. Daher konnte die Sowjetarmee Krakau ohne Zerstörung einnehmen. Zusammen mit dem Fakt das Krakau nicht Opfer von Bombardements ist dies das große Glück für die erhalten gebliebene Architektur der Stadt.
In unmittelbarer Nachbarschaft Krakaus entstand ab 1949 der Stadtteil Nowa Hutta, in welchem das damals weltgrößte Stahlwerk gebaut wurde. Später war es gerade hier zu einem größeren Erfolg der Solidarność Bewegung gekommen, welche das bestehende sozialistische System Polens kritisierte. Geradezu revolutionär und der anti-kommunistischen Stimmung im Land starken auftrieb gebend, war kurz vorher schon die Wahl des Erzbischofs von Krakau, Karol Wojtyła, zum neuen Papst im Jahr 1978. Im gleichen Jahr übrigens, als die Altstadt von Krakau zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Das lag auch am glücklichen Umstand, dass es seit der Zerstörung im Tartarensturm des 13.Jahrhunderts in der Stadt keine weitreichenden kriegerischen Verwüstungen gab und es damit eine baugeschichtlich weit zurückreichende Architekturlandschaft in Krakau erhalten blieb.

urban facts Krakau

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Metroregion

Stadt: 766.739 (2017)
Metro: 1.498.499

Einwohnerentwicklung: Stadt

2010-2017: +1,4%

Fläche: Stadt / Metroregion

Stadt: 327 km²
Metro: 4.065 km²

Bevölkerungsdichte: Stadt / Metroregion

Stadt: 2.342
Metro: 370

Koordinaten

50°4‘N, 19°56‘ O

Geographische Höhe

219m

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

670mm / 148 / 1396

Fluss

Weichsel

KfZ-Kennzeichen

KR

Infrastruktur:

Bürgermeister

Jacek Majchrowski (Bund der demokratischen Linken) seit 2002

Verwaltungstechnische Bedeutung

Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen

Anzahl Besucher im Jahr

12 Millionen (2016)

Global City Status

High Sufficiency

Verkehrsfluss – Staugefahr

122. Platz weltweit; 36 h pro Jahr im Stau

Flughafen

Międzynarodowy Port Lotniczy im. Jana Pawła II Kraków-Balice (KRK; eröffnet 1968; 5,8 Mio; PAX 2017; 2.größter Flughafen Polens ; 1 Landebahn (07/25), 2 Terminals; 11km W der Innenstadt)

ÖPNV

Straßenbahn:
eröffnet 1882; 27 Linien auf 97km Streckenlänge (Linienlänge 343km) und 185 Mio. PAX pro Jahr (2010)

Entfernung nach…

Breslau 270km (LL: 235km; Auto: 2h55min; Bahn: 3h 30min)
Warschau 295km (LL:252km; Auto: 3h55min; Bahn: 2h15min)
Lemberg 326km (LL: 294km; Auto: 3h30min; Bahn: 5h20min)
Dresden 520km (LL: 450km; Auto: 5h; Bahn: 8h25min)
Wien 450km (LL:330km; Auto: 5h; Bahn: 7h55min)

nächster Ort über 500.000: Breslau 270km
nächster Ort über 1000.000: Warschau 295km

Kultur / Geschichte:

Universitäten

Krakau hat 11 Hochschulen mit ca. 210.000 Studenten, die Wichtigsten sind:
Uniwersytet Jagielloński (Jagiellonen-Universität); UJ; gegründet 1364; älteste polnische und zweitälteste Universität Mitteleuropas: 43.000 Studenten (2017)
Politechnika Krakowska im. Tadeusza Kościuszki (TU Krakau); PK; gegründet 1946 mit ca. 17.000 Studenten
Akademia Górniczo-Hutnicza im. Stanisława Staszica w Krakowie (Wissenschaftlich-Technische Universität); AGH; geründet 1919; 35.000 Studenten (2014)

Anzahl Museen

28 (laut wikipedia.de)

Sportvereine der Stadt

Fußball:
Wisła Kraków; gegründet 1906; 13x Poln.Meister; 4x Pokalsieger; Ø-Zuschauer: 14.421 @ Henryk-Reyman-Stadion (33.326) 2017/18
KS Cracovia; gegründet 1906; 5x Poln. Meister (letztmalig 1948); Ø-Zuschauer: 4.870 @
Marszałek Piłsudski Stadion (15.016) 2017/18; die Eishockey Abteilung wurde 12x Poln. Meister
Beide Vereine gälten als älteste Fußballklubs Polens und sind große Rivalen

Erste urkundliche Erwähnung

965

Gegründet von:

Slawen

Großstadt seit

ca. 1904

Das entscheidende Jahr

1596 verliert Krakau den Titel polnische Hauptstadt an Warschau

Meisten Einwohner im Jahr

heute

Man trifft sich am:

Brunnen vor der Marienbasilika

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Wawel

Architektonisches Highlight

Wawel-Kathedrale

Pracht-Straße / Platz

Rynek Glowny

Höchstes Gebäude

Cracovia Business Center (103m)

Meist fotografiertes Gebäude

Marienkirche am Rynek

Konzernzentralen von

Comarch (Software; 5.300 Angestellte weltweit)

Verfügbares Einkommen

4.547 zł (im Nicht-Finanzbereich) = 1.063€

Arbeitslosenquote

4,9 % (gilt für Woiwodschaft Kleinpolen 5/2018)

Bevölkerungsentwicklung:

1100

1300

1400

1550

1791

1835

1870

1900

1910

1921

5000

10000

14000

18000

23.591

36.000

49.800

85.300

137.592

184.300

1939

1945

1955

1965

1975

1985

1995

2005

2015

259.000

298.500

428.321

520.145

684.600

740.120

744.987

756.629

762.508

 

Alcoi

59.106 Einwohner | 130 km² | Hauptstadt der Comarca L‘Alcoiá | Höhe: 561m üNN | Name der Stadt auf Spanisch (zumeist so auch auf Deutsch): Alcoy; Name der Stadt auf Valencianisch und offizielle Bezeichnung: Alcoi | Bezeichnung für die Einwohner der Stadt: Alcoiá/ana (auf spanisch: alcoyano/a)

Verlässt man das flache valenzianische Schwemmland des Turia und des Jucar in Richtung Süden gelangt man schnell in ein Bergland, dass weitaus bevölkerter ist, als viele andere bergige Regionen Spaniens. Hier findet sich das kleine Industriestädtchen Alcoi (auf spanisch: Alcoy), dass so etwas wie das Zentrum der bergigen Region auf der Linie València – Xativa – Ontinxent – Alcoi – Alacant ist. Die Stadt mit ihren rund 60.000 Einwohnern liegt oberhalb einer Landschaft von steil abfallenden Seitentälern der Serpis Flusses, der von hier nach Gandia verläuft.
Bekannt ist Alcoi heute weniger für seine für spanische Verhältnisse äußerst zeitigen Industrialisierung, sondern für das Volksfest „Moros i Christians“. Drei Tage lang, immer um den St. Georgstag wird hier, in gewisserweise der Reconquista gedacht, wobei das Fest religiöse und besonders militärische Züge verdrängt hat und aus wundervollen Paraden der Mitglieder einzelner städtischer Gruppen bestehen. Heute finden sich in vielen Orten im Land Valencia diese Paraden, ihren Ursprung und Höhepunkt haben sie aber in Alcoi. Weiterhin ist die Stadt recht stolz auf zahlreiche Bauwerke des spanischen Jugendstils, des Modernisme, wie er am bekanntesten in Barcelona zu finden ist. Jedoch ist in der gesamten Levante, immer wieder diese sehr schöne Form des Jugendstils zu finden.

In Alcoi bemerkt man schnell in einer alten Industriestadt zu sein. Schon im 15. Jahrhundert nutzten die Bewohner der Umgebung die steilen Hänge und die daraus resultierende Wasserkraft für mechanische Unterstützung von gewerblichen Tätigkeiten. Der Prozess der Industrialisierung setzte dann aber erst im späten 18. Jahrhundert langsam ein, in dem in den Tälern des Barxell und Riquer erste Papiermühlen angetrieben wurden und Wollfärberein weiter im Tal entstanden, wo die Flüsschen in den Molinar mündeten, der wiederum in den Serpis fließt. So entwickelte sich in der Stadt eine leistungsstarke Textilindustrie, gleichfalls ebenso eine Papierherstellung und metallurgische Fertigungen. Die zunehmend benötigte Energie konnte man aus in der Nähe liegenden Kohlenflözen gewinnen. Die Stadt wurde dadurch zu einem ersten industriellen Zentrum der gesamten Region, was nicht nur zu einem Ausbau des mittelalterlichen Stadtkerns führte, sondern gleichfalls zu zahlreichen Brückenschlägen mit anderen Hügeln der Tallage, die der Stadt neuen Platz zum wachsen gaben. Dadurch hat sich Alcoi auch zu einer Stadt durchaus beachtenswerter Brückenarchitektur entwickelt.
Ein weiterer Effekt der Industrialisierung Alcois ist der hiesige Aufstieg einer gut situierten oberen Mittelschicht, die wiederum Trägerschicht für die architektonische Ausgestaltung einiger Häuser im Stil des Modernisme sind. Diese Richtung beschränkte sich nicht nur auf die äußere Gestaltung von Häusern, sondern zeigte sich gleichfalls in der Inneneinrichtung. Noch heute ist dies wundervoll zu besichtigen im Circulo Industrial (allein der Name dieser Kultureinrichtung zeigt die wundervolle Orientierung der Stadt zur Industrie, denn gemeinhin werden diese Institutionen lieber den schönen Künsten gewidmet, wie zum Beispiel in Madrid der Circulo de Bellas Artes). Der Modernisme ist eine vorgänglich an der spanischen Ostküste (Katalonien und València) geprägte Kunstrichtung, die zwar viel mit dem deutschen Jugendstil, dem Art Noveau Belgiens und Frankreichs oder dem Arts and Crafts in Schottland gemeinsam hat, aber eben doch eine eigene Formensprache entwickelte. In Alcoi sind dafür zwei Architekten hauptverantwortlich, welche die überwältigende Mehrzahl der hiesigen Modernisme Bauwerke (sie bauten in der Stadt über 60 Gebäude!) gestalteten. Die ist zum einen Vicente Pascual Pastor, dessen Bauwerke etwas mehr an die belgische Art Nouveau Tradition erinnert, während Timoteo Briet Montaud etwas mehr an der Wiener Secession orientiert war. Obwohl man in Alcoi keine großen Einzelwerke, wie die Sagrada Familia (Barcelona) erwarten darf, finden sich schöne Einzelgebäude mit ihren typisch geschwungenen Balkonen und omegaförmigen Fenstersimsen, als auch die eindrückliche Innenausgestaltung, wie sie am besten im schon erwähnten Circulo Industrial zu finden ist, wo die Bibliothek und der Salon mit seiner Rotunde bestechen.
Wie viele ehemalige Industriestädte befindet sich Alcoi in einer Transition. Seit 1970 nimmt die Bevölkerung in der Stadt leicht ab und hat sich in den letzten Jahren auf knapp unter 60.000 Einwohner stabilisiert. Beeindruckend ist das man in Alcoi seine industrielle Vergangenheit nicht einfach wegwischen oder verschwinden lassen möchte, sondern diese aktiv dem Besucher anbietet. Mir ist keine andere Stadt bekannt, die einen extra Aussichtspunkt anbietet, um auf ein Tal mit heute größtenteil ruinösen Fabrikhallen zu schauen. Diese Hallen haben die Stadt geprägt und sollen heute betrachtet werden, auch wenn sie ein eher betrübliches Bild abgeben. So ist Alcoi keine wirklich schöne Stadt, in einer aber sehr reizvollen Berglandschaft, aber Alcoi weiß um seine Traditionen und um seine Stärken und das macht die Stadt sehr sehenswert.

Bordeaux

Urban facts | Geschichte der Stadt Bordeaux

Bordeaux gehört zu den Städten, die ich bereits vielmals überflogen habe, niemals aber aus Augenhöhe sah. Beim Stadtnamen fallen den meisten Menschen sofort Rotweine ein, wenn sie an die südwestfranzösische Stadt denken. Mir übrigens nicht, denn ich hörte als erstes von Bordeaux als der dortige Fußballverein Girondins im Europapokal der Pokalsieger im Halbfinale 1988 gegen Lok Leipzig scheiterte und Rene Müller seineszeichens Torhüter der Messestädter im Rückspiel im ausverkauften Zentralstadion den entscheidenen Elfmeter einnetzte, weshalb jedes Kind meiner Schulklasse so werden wollte wie Rene Müller (die lebendigste Erinnerung an ihn ist der Jubel nach dem Tor, das ist insofern recht überraschend, als Müller später Torwart bei „meinem Verein“ Dynamo Dresden wurde und ich mich trotz zahlreicher Spiele da an rein gar nicht mehr erinnere).

Bordeaux gilt als heimliche Hauptstadt Frankreichs, was zum einen wohl daran liegt, dass sie drei Mal tatsächlich Hauptstadt des Landes wurde, nämlich 1870/71, 1914 und 1940, also jeweils als Deutsche ins Land einfielen und Paris als Regierungsort nicht funktionierte. Vielmehr ist sie jedoch ein Ort französischem Lebensgeistes und Genusses, etwas was man in Deutschland so schön: „Leben wie Gott in Frankreich nennt“. Der Wein der Region ist Weltbekannt und hat in der Stadt ein sehr eindrucksvolles neues Museum bekommen, auch die Küche der Stadt ist weit über die Landesgrenzen beliebt. Tatsächlich gesellt sich dazu ein eher unvergleichliches bauliches Erbe der Stadt, dessen Anlage so einheitlich gestaltet ist, wie man es in Europa sonst kaum sieht. Besonders die Schauseite zur Fluss Garonne hin ist sehr beeindruckend. Mit einer Einwohnerzahl von unter einer Millionen ist die Stadt auch als Metropole überschaubar, wirkt im Sommer aber sehr angenehm lebendig ohne überfüllt zu erscheinen. In den Cafes finden sich noch Plätze während man auf einigen Plätzen Konzerte von Bands belauschen kann, oder auf den neu geschaffenen Freiflächen am Flussufer getanzt werden kann. So scheint Bordeaux eine sehr lebenswerte Stadt zu sein (wenngleich sie im dafür eingerichteten Mercer-Ranking nicht auftaucht).

Bordeauxs Geschichte geht zurück in die Antike und mit dem Palais Gallien ist sogar noch ein Bau aus jenen Tagen zu besichtigen. Danach folgten zwei wechselvolle Jahrhunderte, die immer davon geprägt waren dass man als Handelsstadt einen Hafen hatte und mit dem Rotwein ein allgemein sehr begehrtes Produkt herstellte, dass sich sehr gut verkaufen lies. Heute ist Bordeaux auch dank vieler Studenten eine sehr junge Stadt und mit der wieder eingeführten Straßenbahn hat man sich ein sehr erfolgreiches Vorzeigeobjekt für den Öffentlichen Nahverkehr geschaffen.

Egal ob man sich einen Wein zum guten Essen einschenken lässt, oder durch die Straßen und Gassen der Altstadt flaniert, Bordeaux ist eine sehr interessante und vor allem eine wunderschöne Stadt im Südwesten Frankreichs.

Fotos noch bearbeiten:

Bayonne

Name auf Baskisch: Baiona | Einwohner: 49.207 (2015) | Ballungsraum: 288.359 (2012) | Fläche: 21,6 km² | Hauptstadt des Arrondissements Bayonne | 55km NO von Donostia-San Sebastian, 180km SW von Bordeaux

Wer in den ersten Augusttagen nach Bayonne kommt, der wird schon weit bevor er die Innenstadt erreicht von einem eigenartigen Dress-Code der Einheimischen erwartet. Scheinbar jedermann, ob alt oder jung, Mann, Frau oder Kind trägt weiße Kleidung und dazu ein rotes Halstuch, einige – besonders jüngere Männer – haben ihre weiße Kleidung schon beschmutzt, so als wären sie durch den Schmutz gerobbt. Schnell vermutet man richtig, dass hier ein großes Volksfest stattfinden muss und tatsächlich Fêtes de Bayonnes eines der populärsten und meistbesuchten Feste Frankreichs. Die Idee dahinter stammt übrigens aus Pamplona bzw. wurde 1932 erstmals von dort übernommen. Seinerzeit wollten die Einwohner der Stadt eine ähnliche Feierlichkeit, wie das seinerzeit in Pamplona hoch geschätzte San Fermín haben, wobei in Bayonne Stiere nicht durch die Straßen der Stadt hetzen sollten, sondern auf einem Platz verblieben, dem Place Sant André. Mit über einer Millionen Besucher ist die Fête auch die zweitgrößte Veranstaltung nach San Fermín im Baskenland. In jenen Tagen ist ein Besuch der Innenstadt, nur um die Stadt zu erkunden zwecklos, denn diese ist voll mit Feiernden, die aus dem ganzen Umland und noch weiter weg her kommen. So empfiehlt es sich an einem anderen Tag wiederzukommen und Bayonne zu besichtigen.

Bayonne ist wenn man so will die letzte größere und nördlichste baskische Stadt, auch wenn „Baskisch“ in Frankreich viel mehr mit Folklore zu tun hat als mit tatsächlichem Leben (wenn man mal Baskisch auf der Straße hört ist man sich nicht sicher, ob es Einheimische sind, oder Touristen von der anderen Seite der Pyrenäen).

Die Geschichte der Stadt geht bis in die Antike zurück und besaß damals den Namen Lapurdum, der sich wohl von der so bezeichneten Region Labourd ableitete. Im 3. Jahrhundert war es ein befestigter Handelsplatz und wichtigster Hafen in der weiteren Umgebung. Nach römischer Herrschaft wechselten sich viele Herrscher ab; Westgoten, Basken, Franken und Normannen. Am Ende des 10. Jahrhunderts gaben die Herzöge der Gascoigne und später Aquitaniens der Stadt so viele Privilegien, dass sie sich prächtig entwickelte und die Menschen schon vor den Stadtmauern siedelten. 1130 versuchte sich Alfons I. von Aragón die Stadt zu erobern, was aber misslang und vorsichtigerweise zum weiteren Ausbau der Stadtmauern führte. Schon damals hatte sich der baskische Name Baiona eingebürgert, der übersetzt „einzige Bucht“ bedeutet.
Nach der Hochzeit von Eleonore von Aquitanien mit dem zukünftigen englischen König Heinrich kam die Stadt, ebenso wie beispielsweise Bordeaux in englische Hände. Es gelang die städtischen Freiheiten zu verbessern, als auch den Wohlstand zu mehren. Doch mit dem Hundertjährigen Krieg, den über lange Sicht nur, das weitaus bevölkerungsreichere, Frankreich gewinnen konnte, fiel Bayonne 1451 letztendlich wieder an Frankreich, wodurch sie allerdings zahlreiche Selbstbestimmungsrechte verlor. Erschwerend kam für die Stadt hinzu, dass der Fluss Andour, der hier in den Atlantik mündet, seit dem 15.Jahrhundert versandete und seine Mündung veränderte, womit Schiffe nicht mehr den Hafen anlaufen konnten und in benachbarten Dörfern, wie Capbreton, entladen werden mussten. Erst 1579 wurden effektive Maßnahmen ergriffen, diesen Zustand zu korrigieren. Trotzdem war Bayonne noch ein lohnenswertes Ziel, was die Spanier mehrmals dazu bewog die Stadt zu erobern, was allerdings stets misslang.
Gegen 1640 herum soll in der Stadt das Bajonett erfunden worden sein, welches den Namen der Stadt trägt. Irreguläre Truppen der Stadt sollen bei heiß geschossenen Musketen einfach ihre Jagdmesser in den Mündungsschacht gesteckt haben um damit weiterzukämpfen. Tatsächlich wurde Bayonne als strategischer Ort, nahe der Pyrenäen immer wichtiger und wurde von Frankreich zunehmend besser befestigt. Obwohl sich adlige Personen in der Stadt niederließen. verarmte Bayonne mit den Jahrzehnten immer mehr, Probleme mit der Flussmündung des Adour traten immer wieder auf und wurden nur unzureichend behoben, woraufhin auch der Handel niederging. Von rund 16.000 Einwohnern zu Beginn des 18. Jahrhunderts, waren in der zweiten Hälfte weniger als 10.000 Bewohner übrig. Bilbao und San Sebastian wurden als Hafenstädte bedeutender und erst 1784 mit der Abschaffung des merkantilistischen Verbotssystem änderte sich die wirtschaftliche Situation der Stadt wieder zum besseren. Bayonne wurde Freihafen und konnte in den Handel mit Amerika einsteigen. In nur sechs Jahren blühte der Handel wieder auf, Bevölkerungszahl und Preise sollen beide um ein rund ein Drittel angestiegen sein.
1808 traf sich Napoleon mit Karl IV. von Spanien und dessen Sohn Ferdinand im Schloss Marraq, nahe der Stadt. Ergebnis dieses Treffens war die Einsetzung einer spanischen Nationaljunta von Napoleon, die sich in Bayonne versammelte und eine Konstitution verabschiedete, in welcher Napoleons Bruder Joseph Bonaparte zum neuen spanischen König erhoben wurde und am 9.Juli von Bayonne nach Madrid reiste, was zum ersten Guerillakrieg der Geschichte in Spanien führte. Nach dem spanischen Unabhängigkeitskrieg wurde Bayonne von den Briten in der Schlacht von Bayonne belagert und schließlich erobert, was eine der letzten Schlachten der napoleonischen Kriege auf der iberischen Halbinsel war. Andersherum wurde Bayonne in der Zeit der spanischen Karlistenkriege zu einem Zufluchtsort für spanische Emigranten.
Seit 1854 verband die Eisenbahn die Stadt mit Paris, was auch zum Aufstieg der Nachbarstadt Biarritz zu einem noblen Seebad führte. Während sich dort Adlige und Reiche niederließen verwandelte sich Bayonne in eine Hafenstadt, in welcher auch die Stahlindustrie operierte. Jedoch schrumpfte die Bedeutung des Hafens schon im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts und ist heute ohne Bedeutung.
So ist Bayonne heute eine Stadt mit regionaler Bedeutung, aber großer Historie, die man durchaus noch in der schönen Altstadt erkennt. Sie ist auch Bistumssitz der katholischen Kirche. In den letzten Jahren wuchs die Bayonne mit Biarritz und Anglet (das nur unwesentlich kleiner ist) zusammen. Obwohl Didier Dechamps, der französische Fußballweltmeister als Spieler und Trainer aus der Stadt kommt, ist Bayonne eher eine Rugbyhochburg mit dem ortsansässigen Club Aviron, der 3 mal französischer Meister wurde und heute in der 2.französischen Liga spielt.

Geschichte Bordeaux

Antike und Mittelalter: Von Kelten, Römern und Briten

Bordeaux geht geschichtlich zurück bis weit vor die Zeitenwende und gehört damit zu den älteren Städten des Kontinents. Schon im 3. Jahrhundert v.Chr. lebte der keltische Stamm der Bituriger im Gebiet des Zusammenflusses von Garonne und Dordogne. Der Hauptort dieses Stammes war verkehrstechnisch günstig gelegen an der Stelle der heutigen Stadt, denn hier bestand die Möglichkeit die Garonne zu queren (was einem heute gar nicht so klar wird, wenn man die Mächtigkeit der Garonne sieht).
Als die Römer Gallien eroberten, nannten sie fortan die Stadt Burdigala und die ehemalige keltische Siedlung sollte in ihrer Bedeutung wachsen, denn sie war einerseits ein Umschlagplatz für in der Region angebauten Weizen, andererseits wurden hier größere Mengen von Metallen im Seehafen umgeschlagen und ins Imperium verschifft. Die Römer waren es auch, die den Weinanbau in der Region einführten, der sich hier glänzend entwickelte und zu einem Markenzeichen wurde. Schon in der Antike wurde daraus ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Produkt der Gegend, das sich die Römer gern in die Hauptstadt exportiert ließen und somit die wirtschaftliche Bedeutung Burdigalas stetig erhöhten. Als führende Handelsmetropole im 2.Jahrhundert (AD) wurde Burdigala zur neuen Hauptstadt der römischen Provinz Aquitania ernannt. Bis zum 3.Jahrhundert entwickelte sich eine reiche und blühende Stadt. Davon zeugen noch heute die Reste des alten Amphitheaters, das 15.000 Menschen Platz bot (!) und dass bei einer Gesamtgröße der Stadt von rund 20.000 Einwohnern. Manche Zeitgenossen sprachen anerkennend von einem „kleinen Rom“.
Nachdem die Grenzen des römischen Reiches unsicherer wurden und 276 die Barbaren in die Stadt einfielen, wurde eine erste Stadtmauer errichtet, die damals aber lediglich 32ha beschützte. Mit dem endgültigen Untergang des Reiches begann auch für die Stadt eine lange Zeit ständiger Unsicherheit. Nach dem Einfall der Mauren und deren Zurückdrängung in der Schlacht von Poitiers, erhob Karl der Große Aquitanien zum Königreich und übergab dieses im Jahr 781 an seinen Sohn Ludwig dem Frommen. Gleichwohl bedeutet dies ebenso keine Zeit der Ruhe. Immer wieder überfielen Wikinger die Region und das Königreich Aquitanien existierte nur bis ins Jahr 863, wurde aber 1036 wieder als Lehen, zusammen mit der Gascoigne errichtet.
Einen wirklichen Aufstieg der Stadt gelang unter Eleonore von Aquitanien, die das Lehen von ihrem Vater erbte und eine Ehe mit Ludwig IX. von Frankreich einging. Die Hochzeit wurde 1137 in Bordeaux gefeiert. Tatsächlich blieb die Verbindung kinderlos und damit machtpolitisch wenig erfolgreich und wurde im Jahr 1152 annulliert. Kurz darauf heiratete Eleonore Henri Plantagenêt, der zwei Jahre danach zum englischen König Heinrich II. gekrönt wurde und damit Aquitanien zum englischen Kronland machte. Somit wurde Bordeaux eine englische Stadt und erlebte einen wirtschaftlichen Aufstieg, den der Handel mit der Insel sollte schnell florieren. Der Erfolg zeigte sich unter anderem darin, dass eine zweite Stadtmauer gebaut werden konnte, die im 14.Jahrhundert wiederum weiter ausgebaut wurde. Bordeaux wurde Hauptstadt des Fürstentums Guyenne (die englische Version von Aquitanien). Der Export von Wein war die Erfolgsformel und führte zu einem für die Gegend außerordentlichen hohen Lebensstandard in jenen Jahren des späten Mittelalters. Die kirchlichen Bauwerke wie Saint Michel oder Saint André wurden erbaut und 1441 wurde die Universität der Stadt gegründet. Erst mit dem Ende des Hundertjährigen Krieges in der finalen Schlacht von Castillon fiel die englische Provinz Guyenne und gehörte ab 1453 wieder zu Frankreich.

Die Neuzeit – Zwischen Misstrauen, Goldenem Zeitalter und Revolution

Begeisterung war aber keinesfalls zu spüren, als die Bourdelais, wie die Einwohner der Stadt genannt werden, wieder zu Frankreich gehörten und das schon allein aus ökonomischer Sicht; Bordeaux Absatzmärkte in England waren von einem auf den anderen Tag weggefallen. Gleichfalls waren die französischen Autoritäten nicht von der Loyalität der neuen Mitbürger überzeugt und ließen als erstes zwei Festungen mitten in der Stadt bauen. Es handelte sich bei dem Château de la Trompette und dem Château du Hâ zwar um Verteidigungsbauten, die eigentlich vor fremden Mächten Schutz bieten sollten, aber die Geschütze konnten ohne Probleme auch gegen potentiell Aufständige in der Stadt gerichtet werden. Dies wiederum sah die Bevölkerung als größtmögliche Provokation. Der Neustart lief also erstmal ohne großes Vertrauen beider Seiten ab, doch das Verhältnis sollte sich entspannen. 1494 bekam die Stadt erstmals wieder die Möglichkeit, eine begrenzte Selbstverwaltung durchzuführen. Tatsächlich waren aber wirtschaftliche Blütezeiten nun seltener. Dafür war Bordeaux ein Ort des aufblühenden Humanismus, so war Michel de Montaigne Bürgermeister der Stadt. Die eher antiroyal geneigte Stadtbevölkerung versäumte es aber auch nicht ihren Unmut gegen den königlichen Hof zu zeigen und im 17. Jahrhundert kam es zu einigen Aufständen, die allerdings niedergeschlagen wurden.
Dem folgte aber eine dritte Blütezeit der Stadt, denn Bordeaux bekam das französische Monopol für den Westindien-Handel, in denen die Franzosen mehr und mehr einstiegen und wurde schnell zum zweitgrößten Hafen Europas. Im 18. Jahrhundert erlebte Bordeaux daher sein Goldenes Zeitalter. Der geschäftige Hafen, der Teil des lukrativen, aber moralisch äußerst fragwürdigen Dreieckshandels zwischen Europa, Afrika und Amerika war, brachte Reichtümer an die Garonne. Prächtige Stadthäuser entstanden und schon in dieser Zeit wurden die Fortifikationsanlagen abgerissen, allein schon deshalb, um den Hafen am Fluss weiter ausbauen zu können. 1733 wurde der glorreiche Place de la Bourse eröffnet, welcher vom Fluss ankommenden Gästen schon auf dem ersten Blick den selbstbewusst zur Schau gestellten Prunk der Stadt ankündigte. Neue Straßenzüge und Promenaden wurden angelegt, öffentliche Gärten angepflanzt und urbane Plätze angelegt, so wie die heutigen Place Gambetta oder Victoire. 1773 öffnet schließlich das Grand Théâtre, das zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Es sind die klassizistischen Bauten dieser Epoche, die auch heute noch das Stadtbild von Bordeaux prägen.
Die Französische Revolution brach mit dem Sturm auf das Château de la Trompette auch in Bordeaux aus. Zwar wurde die Stadt 1790 die Hauptstadt des neu geschaffenen Départements Gironde und mit den Girondisten wurde sogar eine liberale Gruppe in der neugeschaffenen Nationalversammlung in Paris in den Anfangszeiten der Republik federführend, aber schon bald übernahmen die Jakubiner die Herrschaft und mit ihnen schwappte der Terror über Frankreich. Über 300 Bordelais wurden öffentlich geköpft. Die wirtschaftliche Katastrophe setzte nur wenig später mit den napoleonischen Kriegen ein, denn mit der Kontinentalsperre gegenüber Großbritannien, kam der Handel der Hafenstadt fast zum Erliegen. Einzig die Verlegung von Truppen in den Süden brachte eine Verbesserung der Infrastruktur, dessen bedeutendstes heutiges Zeichen, die 1807 begonnene Pont die Pierre ist, die seit 1821 den gewaltigen Strömungen der Garonne ausgesetzt ist (in Bordeaux sind die Auswirkungen von Ebbe und Flut deutlich zu spüren). An die Stelle des Château de la Trompette wurden die Esplanades des Quinconces, der damals größte Platz der Welt angelegt, der jedoch heute wie ein überdimensioniertes Exerzierfeld wirkt.

Vom 19.Jahrhundert bis heute: Ringstraßen, verlegte Regierungen und der Zusammenschluss zur Metropole

Im 19.Jahrhundert hatte Bordeaux einen guten Ruf in der Welt der Kunst, so lebten Stendhal und Francisco de Goya hier (letztere starb auch in der Stadt). Die Bevölkerung der Stadt wuchs schneller an als je zuvor, die Welle der Industrialisierung jedoch, die die meisten Städte Europas maßgeblich veränderte betraf Bordeaux weniger. Die Glasindustrie entwickelte sich, als man Wein nun in Flaschen abfüllte. Tatsächlich entstand in Bordeaux aber nie eine wirklich bedeutende Schicht der Arbeiterschaft.  
Das Bordeaux keine Industriestadt wurde hat auch damit zu tun, dass die Weinproduktion in der Region schon seit der Antike eine hohe wirtschaftliche Bedeutung hatte und zusammen mit dem Hafen die guten Geschäfte beförderte. In eine fast existentielle Krise kam damit nicht nur dieser Wirtschaftszweig, sondern die gesamte Weinregion als die Reblaus in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts in Europa ihr Unwesen trieb und Millionen von Hektar Rebfläche vernichtete. Nur unter sehr hohem Einsatz und der Einführung resistenter Weinstöcke gelang es diese Krise zu überwinden.
Im Jahr 1853 beschloss man den Bau einer Ringstraße, um die Stadt herum. Dieses Unternehmen war Grund für zahlreiche kontroverse Überlegungen, wo ein günstiger Verlauf der Straßen liegen sollte, denn Bordeaux wuchs aus seinen engen Grenzen immer weiter in die Vorstädte hinaus. So wurde beschlossen die Ringstraße, die zukünftig nur die „Boulevards“ genannt wurden, in einer Linie zu ziehen, die einige Vorstädte außerhalb beließ, so wie Caudéran, dass sich im weiteren Verlauf aber zu einem eleganten Vorort entwickelte. Bis in die 1880er Jahre wurde an den Boulevards gebaut, die die gesamte linke Uferseite der Garonne umfasst, den weitaus größten Teil Bordeaux. An diese Boulevards setzen dann die neuen Stadtviertel an, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden. Diese waren dabei recht homogen, von einfachen Siedlungen bis hin zum gehobenen Vorort mit seinen Jugendstil Bauten, wie im schon erwähnten Caudéran. Der Schienenverkehr erreichte ebenfalls die Stadt, zwei wichtige Eisenbahnlinien begannen in Bordeaux und das auch heute noch sichtbarste Zeichen dafür ist der 1898 eröffnete Gare Saint Jean.
Schon einige Jahre vorher, nämlich 1870, wurde Bordeaux kurzzeitig Hauptstadt Frankreichs, als die Nationalversammlung im Deutsch-Französischen Krieg flüchten musste. Dieses Szenario wiederholte sich noch zweimal; 1914 und im Juni 1940, beides wieder im Zusammenhang mit der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen. So hat sich bis heute noch der Ruf Bordeaux gehalten, die „heimliche Hauptstadt“ Frankreichs zu sein.
In den Zwischenkriegsjahren war der Hafen, die Weinproduktion und der Holzabbau in Les Landes die wichtigsten Standbeine der Ökonomie der Region, auch wenn diese Produktionszweige immer mal wieder mit größeren Krisen zu kämpfen hatte. Nicht unerheblich ist der Fakt, dass die Neubauten jener Jahre sich ins Stadtbild integrierten, als Beispiele können hier die Bourse de Travail (1938) oder die Piscine Judaique gelten (die allerdings in neuster Zeit ein recht unansehnliches Glasvordach bekam).
Nach dem 2.Weltkrieg übernahm Jacques Chaban-Delmas das Amt des Bürgermeisters in einer fast schon rekordverdächtigen Amtszeit von 1947 bis 1995! Unter seiner Führung entstanden modernistische Projekte wie das Mèriadeck-Viertel in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt, dass einen deutlichen Bruch mit dem klassizistischen Erbe der Bausubstanz darstellt. Chaban-Delmas dachte aber Bordeaux auch als metropolitane Region, das aus Kernstadt und in die Region wachsenden Städten besteht, die eng zusammenarbeiten sollten. Die Universität der Stadt wurde in den Vorort Talence verlegt, zum einen, um einen geschlossenen Campus zu erhalten, zum anderen vielleicht aber auch, um potentiell revoltierende Studenten aus der Innenstadt raushalten zu können. Der Hafen wurde aus der Stadt entfernt und flussabwärts nach La Verdon an die Gironde verlegt (aus der Bordeaux durchfließenden Garonne und der Dordogne wird wenige Kilometer nach Bordeaux die Gironde, welche in den Atlantik fließt). 1966 wurde der Gemeindeverband Communauté urbaine de Bordeaux gegründet, der heute den Namen Bordeaux Métropole trägt und der mit seiner Größe auch ein deutlicheres Bild über den Umfang von Bordeaux abgibt, als die viel engeren Grenzen der administrativen Kernstadt. Er ist für alle Probleme zuständig die über die jeweiligen Gemeindegrenzen hinausgehen und besitzt ein eigenes Parlament. Zu seinen wichtigsten Aufgaben in letzter Zeit gehört die Koordination der öffentlichen Verkehrsbetriebe. In jene Jahre des Zusammenschließens fällt auch der Bau und die Öffnung (1972) des Autobahnrings der Stadt (der A630), der wie die Boulevards des 19. Jahrhunderts wiederum die gewachsene Stadt neu umschließt. Innerhalb des Autobahnrings trifft man heute auf dichte Bebauung, dahinter wird die Siedlungsdichte erheblich dünner.
Ein neuer Abschnitt in der Verkehrsplanung der Stadt ist die Wiedereinführung der Straßenbahn, die seit 2008 auf drei Linien die Innenstadt mit den Vororten verbindet und dabei über 200.000 Passagiere pro Tag befördert. Nicht zuletzt die Berufung als UNESCO-Weltkulturerbe 1976 förderte das Bewusstsein für das einzigartig erhaltene Stadtbild Bordeaux mit seinen vielen klassizistischen Bauten, das auch seit den 1990er Jahren weiter aufgewertet wird, wie beispielsweise durch die neuangelegte Uferpromenade. Gleichzeitig möchte Bordeaux natürlich auch nicht den Sprung in die Gegenwart verpassen, wie man am neuen Viertel um die Brücke Chaban-Delmas und die Cité du Vin sehen kann. Für die Zukunft plant die Stadt auch mit dem nationalen Projekt „Bordeaux – Euratlantique“, das nicht nur den Bahnhof Sant Jean mit einem TGV Anschluss nach Paris erhöht, sondern den gesamten Umkreis des Bahnhofs, der tatsächlich nicht unbedingt zu den Glanzlichtern der Stadt zählt, zu einem neuen blühenden Stadtteil aufwertet, der hauptsächlich als Wirtschaftsstandort funktionieren soll.    

urban facts Bordeaux

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum / Metroregion

249.712 / 773.542 (Bordeaux Metropole) / 1.215.769 (Aire urbaine de Bordeaux )

Einwohnerentwicklung: Stadt

2011-2015: +4,54%

Fläche: Stadt /Ballungsraum / Metroregion

49,36 km² / 578.3 km² (Bordeaux Metropole) / 5.613 km² (Aire urbaine de Bordeaux )

Bevölkerungsdichte: Stadt /Ballungsraum / Metroregion

5059 Einw./km² / 1338 Einw/km² (Bordeaux Metropole) / 216 Einw./km² (Aire urbaine de Bordeaux )

Koordinaten

44° 50‘ N, 0° 35‘ W

Geographische Höhe

1-42m

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

944mm / 124 / 2035

Fluss

Garonne

KfZ-Kennzeichen

33 (für das Département Gironde)

Infrastruktur:

Bürgermeister

Alain Juppé (Républicains / Rechts konservativ)

Verwaltungstechnische Bedeutung

Hauptstadt des Dèpartement Gironde und der Region Nouvelle-Aquitaine

Anzahl Besucher im Jahr

6 Mio. (2015), im gleichen Jahr zur besten Touristendestination der Welt gewählt worden

Global City Status

Sufficieny (12. und letztmögliche Kategorie)

Verkehrsfluss – Staugefahr

29h im Stau pro Jahr (2017); 205.Platz weltweit

Flughafen

Aéroport de Bordeaux-Mérignac (BOD; eröffnet: 1917; 6,2 Mio; PAX 2017; 8.größter Flughafen Frankreichs ; 2 Landebahnen, 2 Terminals; 10km W der Innenstadt)

ÖPNV

3 Straßenbahnlinien (wiedereröffnet 2003, vorher von 1891 bis 1957) auf 66km Streckenlänge mit 86 Haltestellen
Tageskarte kostet 4,60€
Vcub (V³) Fahrradleihsystem mit 174 Stationen und 1700 Rädern

Entfernung nach…

Paris: 585km (LL: 500km); Auto: 5h30min; Bahn: 2h10min
Toulouse: 245km (LL: 215km); Auto: 2h25min; Bahn: 2h
Bilbao: 335km (LL: 255km); Auto: 3h30min; Bahn: 6h45min
Madrid: 685km (LL: 555km); Auto: 6h40min; Bahn: 10h (nur Bus)
Barcelona: 570 km (LL: 445km); Auto: 5h55min; Bahn: 9h15min

nächster Ort über 500.000: Toulouse 245 km
nächster Ort über 1000.000: Barcelona 570km

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten

Université de Bordeaux; gegründet 1441 durch Papst Eugen IV., 2014 als Fusion von 3 Universititäten wiedergegründet, 49.600 Studenten (2016)
Université Bordeaux Montaigne; gegründet 1971, hauptsächlich Sozialwissenschaftlich, 15.230 Studenten

Anzahl Museen

wikipedia.fr zählt 19 Museen

Sportvereine der Stadt

Fußball:
Girondins de Bordeaux: gegründet: 1881; 6x frz. Meister, 4x frz. Pokalsieger, 1x EC3 Finalist; Ø-Zuschauer: 26.048 (2017/18) @ Matmut Atlantique (42.052)
Rugby:

Union Bordeaux Bégles: gegründet 2006 aus zwei Rugbyvereinen, welche insgesamt 9 frz. Meisterschaften gewannen Ø-Zuschauer: 23.689 (2014/15) @ Stade Chalbon-Delmas (34.694)

Tageszeitung der Stadt (Auflage)

Sud Ouest (Tageszeitung, gegründet 1944, 288.000 Auflage 2011)

Erste urkundliche Erwähnung

3.Jahrhundert v.u.Z. (von den Römern Burdigala genannt)

Gegründet von:

Kelten

Großstadt seit

1793 bzw. 1841 (dazwischen unter 100.000)

Das entscheidende Jahr

1453: Bordeaux fällt nach der Schlacht von Castillon wieder an Frankreich

Meisten Einwohner im Jahr

1966: 266.662

Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute

6,7%

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Place de la Bourse

Architektonisches Highlight

Einheitlichkeit des Stadtbilds der Altstadt

Prachtstraße

Allées de Tourny

Höchstes Gebäude

Cité Administrative – Tour A (92m)

Meist fotografiertes Gebäude

Citè du Vin

Kaufkraftindex in EU (oder Region)

135,1 (Region Nouvelle-Aquitaine)

Arbeitslosenquote

16% (2014) Frankreich gesamt: 10,8%

Bevölkerungsentwicklung:

1793

1821

1831

1841

1856

1876

1901

1911

1931

1946

104,676

89,202

99,062

104,686

149,928

215,140

256,638

261,678

262,990

253,751

1954

1962

1968

1975

1982

1990

1999

2006

2011

2015

257,946

249,688

266,662

223,131

208,159

210,336

215,363

232,260

239,399

249,712

rt