Alcoi

59.106 Einwohner | 130 km² | Hauptstadt der Comarca L‘Alcoiá | Höhe: 561m üNN | Name der Stadt auf Spanisch (zumeist so auch auf Deutsch): Alcoy; Name der Stadt auf Valencianisch und offizielle Bezeichnung: Alcoi | Bezeichnung für die Einwohner der Stadt: Alcoiá/ana (auf spanisch: alcoyano/a)

Verlässt man das flache valenzianische Schwemmland des Turia und des Jucar in Richtung Süden gelangt man schnell in ein Bergland, dass weitaus bevölkerter ist, als viele andere bergige Regionen Spaniens. Hier findet sich das kleine Industriestädtchen Alcoi (auf spanisch: Alcoy), dass so etwas wie das Zentrum der bergigen Region auf der Linie València – Xativa – Ontinxent – Alcoi – Alacant ist. Die Stadt mit ihren rund 60.000 Einwohnern liegt oberhalb einer Landschaft von steil abfallenden Seitentälern der Serpis Flusses, der von hier nach Gandia verläuft.
Bekannt ist Alcoi heute weniger für seine für spanische Verhältnisse äußerst zeitigen Industrialisierung, sondern für das Volksfest „Moros i Christians“. Drei Tage lang, immer um den St. Georgstag wird hier, in gewisserweise der Reconquista gedacht, wobei das Fest religiöse und besonders militärische Züge verdrängt hat und aus wundervollen Paraden der Mitglieder einzelner städtischer Gruppen bestehen. Heute finden sich in vielen Orten im Land Valencia diese Paraden, ihren Ursprung und Höhepunkt haben sie aber in Alcoi. Weiterhin ist die Stadt recht stolz auf zahlreiche Bauwerke des spanischen Jugendstils, des Modernisme, wie er am bekanntesten in Barcelona zu finden ist. Jedoch ist in der gesamten Levante, immer wieder diese sehr schöne Form des Jugendstils zu finden.

In Alcoi bemerkt man schnell in einer alten Industriestadt zu sein. Schon im 15. Jahrhundert nutzten die Bewohner der Umgebung die steilen Hänge und die daraus resultierende Wasserkraft für mechanische Unterstützung von gewerblichen Tätigkeiten. Der Prozess der Industrialisierung setzte dann aber erst im späten 18. Jahrhundert langsam ein, in dem in den Tälern des Barxell und Riquer erste Papiermühlen angetrieben wurden und Wollfärberein weiter im Tal entstanden, wo die Flüsschen in den Molinar mündeten, der wiederum in den Serpis fließt. So entwickelte sich in der Stadt eine leistungsstarke Textilindustrie, gleichfalls ebenso eine Papierherstellung und metallurgische Fertigungen. Die zunehmend benötigte Energie konnte man aus in der Nähe liegenden Kohlenflözen gewinnen. Die Stadt wurde dadurch zu einem ersten industriellen Zentrum der gesamten Region, was nicht nur zu einem Ausbau des mittelalterlichen Stadtkerns führte, sondern gleichfalls zu zahlreichen Brückenschlägen mit anderen Hügeln der Tallage, die der Stadt neuen Platz zum wachsen gaben. Dadurch hat sich Alcoi auch zu einer Stadt durchaus beachtenswerter Brückenarchitektur entwickelt.
Ein weiterer Effekt der Industrialisierung Alcois ist der hiesige Aufstieg einer gut situierten oberen Mittelschicht, die wiederum Trägerschicht für die architektonische Ausgestaltung einiger Häuser im Stil des Modernisme sind. Diese Richtung beschränkte sich nicht nur auf die äußere Gestaltung von Häusern, sondern zeigte sich gleichfalls in der Inneneinrichtung. Noch heute ist dies wundervoll zu besichtigen im Circulo Industrial (allein der Name dieser Kultureinrichtung zeigt die wundervolle Orientierung der Stadt zur Industrie, denn gemeinhin werden diese Institutionen lieber den schönen Künsten gewidmet, wie zum Beispiel in Madrid der Circulo de Bellas Artes). Der Modernisme ist eine vorgänglich an der spanischen Ostküste (Katalonien und València) geprägte Kunstrichtung, die zwar viel mit dem deutschen Jugendstil, dem Art Noveau Belgiens und Frankreichs oder dem Arts and Crafts in Schottland gemeinsam hat, aber eben doch eine eigene Formensprache entwickelte. In Alcoi sind dafür zwei Architekten hauptverantwortlich, welche die überwältigende Mehrzahl der hiesigen Modernisme Bauwerke (sie bauten in der Stadt über 60 Gebäude!) gestalteten. Die ist zum einen Vicente Pascual Pastor, dessen Bauwerke etwas mehr an die belgische Art Nouveau Tradition erinnert, während Timoteo Briet Montaud etwas mehr an der Wiener Secession orientiert war. Obwohl man in Alcoi keine großen Einzelwerke, wie die Sagrada Familia (Barcelona) erwarten darf, finden sich schöne Einzelgebäude mit ihren typisch geschwungenen Balkonen und omegaförmigen Fenstersimsen, als auch die eindrückliche Innenausgestaltung, wie sie am besten im schon erwähnten Circulo Industrial zu finden ist, wo die Bibliothek und der Salon mit seiner Rotunde bestechen.
Wie viele ehemalige Industriestädte befindet sich Alcoi in einer Transition. Seit 1970 nimmt die Bevölkerung in der Stadt leicht ab und hat sich in den letzten Jahren auf knapp unter 60.000 Einwohner stabilisiert. Beeindruckend ist das man in Alcoi seine industrielle Vergangenheit nicht einfach wegwischen oder verschwinden lassen möchte, sondern diese aktiv dem Besucher anbietet. Mir ist keine andere Stadt bekannt, die einen extra Aussichtspunkt anbietet, um auf ein Tal mit heute größtenteil ruinösen Fabrikhallen zu schauen. Diese Hallen haben die Stadt geprägt und sollen heute betrachtet werden, auch wenn sie ein eher betrübliches Bild abgeben. So ist Alcoi keine wirklich schöne Stadt, in einer aber sehr reizvollen Berglandschaft, aber Alcoi weiß um seine Traditionen und um seine Stärken und das macht die Stadt sehr sehenswert.

Bordeaux

Urban facts | Geschichte der Stadt Bordeaux

Bordeaux gehört zu den Städten, die ich bereits vielmals überflogen habe, niemals aber aus Augenhöhe sah. Beim Stadtnamen fallen den meisten Menschen sofort Rotweine ein, wenn sie an die südwestfranzösische Stadt denken. Mir übrigens nicht, denn ich hörte als erstes von Bordeaux als der dortige Fußballverein Girondins im Europapokal der Pokalsieger im Halbfinale 1988 gegen Lok Leipzig scheiterte und Rene Müller seineszeichens Torhüter der Messestädter im Rückspiel im ausverkauften Zentralstadion den entscheidenen Elfmeter einnetzte, weshalb jedes Kind meiner Schulklasse so werden wollte wie Rene Müller (die lebendigste Erinnerung an ihn ist der Jubel nach dem Tor, das ist insofern recht überraschend, als Müller später Torwart bei „meinem Verein“ Dynamo Dresden wurde und ich mich trotz zahlreicher Spiele da an rein gar nicht mehr erinnere).

Bordeaux gilt als heimliche Hauptstadt Frankreichs, was zum einen wohl daran liegt, dass sie drei Mal tatsächlich Hauptstadt des Landes wurde, nämlich 1870/71, 1914 und 1940, also jeweils als Deutsche ins Land einfielen und Paris als Regierungsort nicht funktionierte. Vielmehr ist sie jedoch ein Ort französischem Lebensgeistes und Genusses, etwas was man in Deutschland so schön: „Leben wie Gott in Frankreich nennt“. Der Wein der Region ist Weltbekannt und hat in der Stadt ein sehr eindrucksvolles neues Museum bekommen, auch die Küche der Stadt ist weit über die Landesgrenzen beliebt. Tatsächlich gesellt sich dazu ein eher unvergleichliches bauliches Erbe der Stadt, dessen Anlage so einheitlich gestaltet ist, wie man es in Europa sonst kaum sieht. Besonders die Schauseite zur Fluss Garonne hin ist sehr beeindruckend. Mit einer Einwohnerzahl von unter einer Millionen ist die Stadt auch als Metropole überschaubar, wirkt im Sommer aber sehr angenehm lebendig ohne überfüllt zu erscheinen. In den Cafes finden sich noch Plätze während man auf einigen Plätzen Konzerte von Bands belauschen kann, oder auf den neu geschaffenen Freiflächen am Flussufer getanzt werden kann. So scheint Bordeaux eine sehr lebenswerte Stadt zu sein (wenngleich sie im dafür eingerichteten Mercer-Ranking nicht auftaucht).

Bordeauxs Geschichte geht zurück in die Antike und mit dem Palais Gallien ist sogar noch ein Bau aus jenen Tagen zu besichtigen. Danach folgten zwei wechselvolle Jahrhunderte, die immer davon geprägt waren dass man als Handelsstadt einen Hafen hatte und mit dem Rotwein ein allgemein sehr begehrtes Produkt herstellte, dass sich sehr gut verkaufen lies. Heute ist Bordeaux auch dank vieler Studenten eine sehr junge Stadt und mit der wieder eingeführten Straßenbahn hat man sich ein sehr erfolgreiches Vorzeigeobjekt für den Öffentlichen Nahverkehr geschaffen.

Egal ob man sich einen Wein zum guten Essen einschenken lässt, oder durch die Straßen und Gassen der Altstadt flaniert, Bordeaux ist eine sehr interessante und vor allem eine wunderschöne Stadt im Südwesten Frankreichs.

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Bayonne

Name auf Baskisch: Baiona | Einwohner: 49.207 (2015) | Ballungsraum: 288.359 (2012) | Fläche: 21,6 km² | Hauptstadt des Arrondissements Bayonne | 55km NO von Donostia-San Sebastian, 180km SW von Bordeaux

Wer in den ersten Augusttagen nach Bayonne kommt, der wird schon weit bevor er die Innenstadt erreicht von einem eigenartigen Dress-Code der Einheimischen erwartet. Scheinbar jedermann, ob alt oder jung, Mann, Frau oder Kind trägt weiße Kleidung und dazu ein rotes Halstuch, einige – besonders jüngere Männer – haben ihre weiße Kleidung schon beschmutzt, so als wären sie durch den Schmutz gerobbt. Schnell vermutet man richtig, dass hier ein großes Volksfest stattfinden muss und tatsächlich Fêtes de Bayonnes eines der populärsten und meistbesuchten Feste Frankreichs. Die Idee dahinter stammt übrigens aus Pamplona bzw. wurde 1932 erstmals von dort übernommen. Seinerzeit wollten die Einwohner der Stadt eine ähnliche Feierlichkeit, wie das seinerzeit in Pamplona hoch geschätzte San Fermín haben, wobei in Bayonne Stiere nicht durch die Straßen der Stadt hetzen sollten, sondern auf einem Platz verblieben, dem Place Sant André. Mit über einer Millionen Besucher ist die Fête auch die zweitgrößte Veranstaltung nach San Fermín im Baskenland. In jenen Tagen ist ein Besuch der Innenstadt, nur um die Stadt zu erkunden zwecklos, denn diese ist voll mit Feiernden, die aus dem ganzen Umland und noch weiter weg her kommen. So empfiehlt es sich an einem anderen Tag wiederzukommen und Bayonne zu besichtigen.

Bayonne ist wenn man so will die letzte größere und nördlichste baskische Stadt, auch wenn „Baskisch“ in Frankreich viel mehr mit Folklore zu tun hat als mit tatsächlichem Leben (wenn man mal Baskisch auf der Straße hört ist man sich nicht sicher, ob es Einheimische sind, oder Touristen von der anderen Seite der Pyrenäen).

Die Geschichte der Stadt geht bis in die Antike zurück und besaß damals den Namen Lapurdum, der sich wohl von der so bezeichneten Region Labourd ableitete. Im 3. Jahrhundert war es ein befestigter Handelsplatz und wichtigster Hafen in der weiteren Umgebung. Nach römischer Herrschaft wechselten sich viele Herrscher ab; Westgoten, Basken, Franken und Normannen. Am Ende des 10. Jahrhunderts gaben die Herzöge der Gascoigne und später Aquitaniens der Stadt so viele Privilegien, dass sie sich prächtig entwickelte und die Menschen schon vor den Stadtmauern siedelten. 1130 versuchte sich Alfons I. von Aragón die Stadt zu erobern, was aber misslang und vorsichtigerweise zum weiteren Ausbau der Stadtmauern führte. Schon damals hatte sich der baskische Name Baiona eingebürgert, der übersetzt „einzige Bucht“ bedeutet.
Nach der Hochzeit von Eleonore von Aquitanien mit dem zukünftigen englischen König Heinrich kam die Stadt, ebenso wie beispielsweise Bordeaux in englische Hände. Es gelang die städtischen Freiheiten zu verbessern, als auch den Wohlstand zu mehren. Doch mit dem Hundertjährigen Krieg, den über lange Sicht nur, das weitaus bevölkerungsreichere, Frankreich gewinnen konnte, fiel Bayonne 1451 letztendlich wieder an Frankreich, wodurch sie allerdings zahlreiche Selbstbestimmungsrechte verlor. Erschwerend kam für die Stadt hinzu, dass der Fluss Andour, der hier in den Atlantik mündet, seit dem 15.Jahrhundert versandete und seine Mündung veränderte, womit Schiffe nicht mehr den Hafen anlaufen konnten und in benachbarten Dörfern, wie Capbreton, entladen werden mussten. Erst 1579 wurden effektive Maßnahmen ergriffen, diesen Zustand zu korrigieren. Trotzdem war Bayonne noch ein lohnenswertes Ziel, was die Spanier mehrmals dazu bewog die Stadt zu erobern, was allerdings stets misslang.
Gegen 1640 herum soll in der Stadt das Bajonett erfunden worden sein, welches den Namen der Stadt trägt. Irreguläre Truppen der Stadt sollen bei heiß geschossenen Musketen einfach ihre Jagdmesser in den Mündungsschacht gesteckt haben um damit weiterzukämpfen. Tatsächlich wurde Bayonne als strategischer Ort, nahe der Pyrenäen immer wichtiger und wurde von Frankreich zunehmend besser befestigt. Obwohl sich adlige Personen in der Stadt niederließen. verarmte Bayonne mit den Jahrzehnten immer mehr, Probleme mit der Flussmündung des Adour traten immer wieder auf und wurden nur unzureichend behoben, woraufhin auch der Handel niederging. Von rund 16.000 Einwohnern zu Beginn des 18. Jahrhunderts, waren in der zweiten Hälfte weniger als 10.000 Bewohner übrig. Bilbao und San Sebastian wurden als Hafenstädte bedeutender und erst 1784 mit der Abschaffung des merkantilistischen Verbotssystem änderte sich die wirtschaftliche Situation der Stadt wieder zum besseren. Bayonne wurde Freihafen und konnte in den Handel mit Amerika einsteigen. In nur sechs Jahren blühte der Handel wieder auf, Bevölkerungszahl und Preise sollen beide um ein rund ein Drittel angestiegen sein.
1808 traf sich Napoleon mit Karl IV. von Spanien und dessen Sohn Ferdinand im Schloss Marraq, nahe der Stadt. Ergebnis dieses Treffens war die Einsetzung einer spanischen Nationaljunta von Napoleon, die sich in Bayonne versammelte und eine Konstitution verabschiedete, in welcher Napoleons Bruder Joseph Bonaparte zum neuen spanischen König erhoben wurde und am 9.Juli von Bayonne nach Madrid reiste, was zum ersten Guerillakrieg der Geschichte in Spanien führte. Nach dem spanischen Unabhängigkeitskrieg wurde Bayonne von den Briten in der Schlacht von Bayonne belagert und schließlich erobert, was eine der letzten Schlachten der napoleonischen Kriege auf der iberischen Halbinsel war. Andersherum wurde Bayonne in der Zeit der spanischen Karlistenkriege zu einem Zufluchtsort für spanische Emigranten.
Seit 1854 verband die Eisenbahn die Stadt mit Paris, was auch zum Aufstieg der Nachbarstadt Biarritz zu einem noblen Seebad führte. Während sich dort Adlige und Reiche niederließen verwandelte sich Bayonne in eine Hafenstadt, in welcher auch die Stahlindustrie operierte. Jedoch schrumpfte die Bedeutung des Hafens schon im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts und ist heute ohne Bedeutung.
So ist Bayonne heute eine Stadt mit regionaler Bedeutung, aber großer Historie, die man durchaus noch in der schönen Altstadt erkennt. Sie ist auch Bistumssitz der katholischen Kirche. In den letzten Jahren wuchs die Bayonne mit Biarritz und Anglet (das nur unwesentlich kleiner ist) zusammen. Obwohl Didier Dechamps, der französische Fußballweltmeister als Spieler und Trainer aus der Stadt kommt, ist Bayonne eher eine Rugbyhochburg mit dem ortsansässigen Club Aviron, der 3 mal französischer Meister wurde und heute in der 2.französischen Liga spielt.

Geschichte Bordeaux

Antike und Mittelalter: Von Kelten, Römern und Briten

Bordeaux geht geschichtlich zurück bis weit vor die Zeitenwende und gehört damit zu den älteren Städten des Kontinents. Schon im 3. Jahrhundert v.Chr. lebte der keltische Stamm der Bituriger im Gebiet des Zusammenflusses von Garonne und Dordogne. Der Hauptort dieses Stammes war verkehrstechnisch günstig gelegen an der Stelle der heutigen Stadt, denn hier bestand die Möglichkeit die Garonne zu queren (was einem heute gar nicht so klar wird, wenn man die Mächtigkeit der Garonne sieht).
Als die Römer Gallien eroberten, nannten sie fortan die Stadt Burdigala und die ehemalige keltische Siedlung sollte in ihrer Bedeutung wachsen, denn sie war einerseits ein Umschlagplatz für in der Region angebauten Weizen, andererseits wurden hier größere Mengen von Metallen im Seehafen umgeschlagen und ins Imperium verschifft. Die Römer waren es auch, die den Weinanbau in der Region einführten, der sich hier glänzend entwickelte und zu einem Markenzeichen wurde. Schon in der Antike wurde daraus ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Produkt der Gegend, das sich die Römer gern in die Hauptstadt exportiert ließen und somit die wirtschaftliche Bedeutung Burdigalas stetig erhöhten. Als führende Handelsmetropole im 2.Jahrhundert (AD) wurde Burdigala zur neuen Hauptstadt der römischen Provinz Aquitania ernannt. Bis zum 3.Jahrhundert entwickelte sich eine reiche und blühende Stadt. Davon zeugen noch heute die Reste des alten Amphitheaters, das 15.000 Menschen Platz bot (!) und dass bei einer Gesamtgröße der Stadt von rund 20.000 Einwohnern. Manche Zeitgenossen sprachen anerkennend von einem „kleinen Rom“.
Nachdem die Grenzen des römischen Reiches unsicherer wurden und 276 die Barbaren in die Stadt einfielen, wurde eine erste Stadtmauer errichtet, die damals aber lediglich 32ha beschützte. Mit dem endgültigen Untergang des Reiches begann auch für die Stadt eine lange Zeit ständiger Unsicherheit. Nach dem Einfall der Mauren und deren Zurückdrängung in der Schlacht von Poitiers, erhob Karl der Große Aquitanien zum Königreich und übergab dieses im Jahr 781 an seinen Sohn Ludwig dem Frommen. Gleichwohl bedeutet dies ebenso keine Zeit der Ruhe. Immer wieder überfielen Wikinger die Region und das Königreich Aquitanien existierte nur bis ins Jahr 863, wurde aber 1036 wieder als Lehen, zusammen mit der Gascoigne errichtet.
Einen wirklichen Aufstieg der Stadt gelang unter Eleonore von Aquitanien, die das Lehen von ihrem Vater erbte und eine Ehe mit Ludwig IX. von Frankreich einging. Die Hochzeit wurde 1137 in Bordeaux gefeiert. Tatsächlich blieb die Verbindung kinderlos und damit machtpolitisch wenig erfolgreich und wurde im Jahr 1152 annulliert. Kurz darauf heiratete Eleonore Henri Plantagenêt, der zwei Jahre danach zum englischen König Heinrich II. gekrönt wurde und damit Aquitanien zum englischen Kronland machte. Somit wurde Bordeaux eine englische Stadt und erlebte einen wirtschaftlichen Aufstieg, den der Handel mit der Insel sollte schnell florieren. Der Erfolg zeigte sich unter anderem darin, dass eine zweite Stadtmauer gebaut werden konnte, die im 14.Jahrhundert wiederum weiter ausgebaut wurde. Bordeaux wurde Hauptstadt des Fürstentums Guyenne (die englische Version von Aquitanien). Der Export von Wein war die Erfolgsformel und führte zu einem für die Gegend außerordentlichen hohen Lebensstandard in jenen Jahren des späten Mittelalters. Die kirchlichen Bauwerke wie Saint Michel oder Saint André wurden erbaut und 1441 wurde die Universität der Stadt gegründet. Erst mit dem Ende des Hundertjährigen Krieges in der finalen Schlacht von Castillon fiel die englische Provinz Guyenne und gehörte ab 1453 wieder zu Frankreich.

Die Neuzeit – Zwischen Misstrauen, Goldenem Zeitalter und Revolution

Begeisterung war aber keinesfalls zu spüren, als die Bourdelais, wie die Einwohner der Stadt genannt werden, wieder zu Frankreich gehörten und das schon allein aus ökonomischer Sicht; Bordeaux Absatzmärkte in England waren von einem auf den anderen Tag weggefallen. Gleichfalls waren die französischen Autoritäten nicht von der Loyalität der neuen Mitbürger überzeugt und ließen als erstes zwei Festungen mitten in der Stadt bauen. Es handelte sich bei dem Château de la Trompette und dem Château du Hâ zwar um Verteidigungsbauten, die eigentlich vor fremden Mächten Schutz bieten sollten, aber die Geschütze konnten ohne Probleme auch gegen potentiell Aufständige in der Stadt gerichtet werden. Dies wiederum sah die Bevölkerung als größtmögliche Provokation. Der Neustart lief also erstmal ohne großes Vertrauen beider Seiten ab, doch das Verhältnis sollte sich entspannen. 1494 bekam die Stadt erstmals wieder die Möglichkeit, eine begrenzte Selbstverwaltung durchzuführen. Tatsächlich waren aber wirtschaftliche Blütezeiten nun seltener. Dafür war Bordeaux ein Ort des aufblühenden Humanismus, so war Michel de Montaigne Bürgermeister der Stadt. Die eher antiroyal geneigte Stadtbevölkerung versäumte es aber auch nicht ihren Unmut gegen den königlichen Hof zu zeigen und im 17. Jahrhundert kam es zu einigen Aufständen, die allerdings niedergeschlagen wurden.
Dem folgte aber eine dritte Blütezeit der Stadt, denn Bordeaux bekam das französische Monopol für den Westindien-Handel, in denen die Franzosen mehr und mehr einstiegen und wurde schnell zum zweitgrößten Hafen Europas. Im 18. Jahrhundert erlebte Bordeaux daher sein Goldenes Zeitalter. Der geschäftige Hafen, der Teil des lukrativen, aber moralisch äußerst fragwürdigen Dreieckshandels zwischen Europa, Afrika und Amerika war, brachte Reichtümer an die Garonne. Prächtige Stadthäuser entstanden und schon in dieser Zeit wurden die Fortifikationsanlagen abgerissen, allein schon deshalb, um den Hafen am Fluss weiter ausbauen zu können. 1733 wurde der glorreiche Place de la Bourse eröffnet, welcher vom Fluss ankommenden Gästen schon auf dem ersten Blick den selbstbewusst zur Schau gestellten Prunk der Stadt ankündigte. Neue Straßenzüge und Promenaden wurden angelegt, öffentliche Gärten angepflanzt und urbane Plätze angelegt, so wie die heutigen Place Gambetta oder Victoire. 1773 öffnet schließlich das Grand Théâtre, das zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Es sind die klassizistischen Bauten dieser Epoche, die auch heute noch das Stadtbild von Bordeaux prägen.
Die Französische Revolution brach mit dem Sturm auf das Château de la Trompette auch in Bordeaux aus. Zwar wurde die Stadt 1790 die Hauptstadt des neu geschaffenen Départements Gironde und mit den Girondisten wurde sogar eine liberale Gruppe in der neugeschaffenen Nationalversammlung in Paris in den Anfangszeiten der Republik federführend, aber schon bald übernahmen die Jakubiner die Herrschaft und mit ihnen schwappte der Terror über Frankreich. Über 300 Bordelais wurden öffentlich geköpft. Die wirtschaftliche Katastrophe setzte nur wenig später mit den napoleonischen Kriegen ein, denn mit der Kontinentalsperre gegenüber Großbritannien, kam der Handel der Hafenstadt fast zum Erliegen. Einzig die Verlegung von Truppen in den Süden brachte eine Verbesserung der Infrastruktur, dessen bedeutendstes heutiges Zeichen, die 1807 begonnene Pont die Pierre ist, die seit 1821 den gewaltigen Strömungen der Garonne ausgesetzt ist (in Bordeaux sind die Auswirkungen von Ebbe und Flut deutlich zu spüren). An die Stelle des Château de la Trompette wurden die Esplanades des Quinconces, der damals größte Platz der Welt angelegt, der jedoch heute wie ein überdimensioniertes Exerzierfeld wirkt.

Vom 19.Jahrhundert bis heute: Ringstraßen, verlegte Regierungen und der Zusammenschluss zur Metropole

Im 19.Jahrhundert hatte Bordeaux einen guten Ruf in der Welt der Kunst, so lebten Stendhal und Francisco de Goya hier (letztere starb auch in der Stadt). Die Bevölkerung der Stadt wuchs schneller an als je zuvor, die Welle der Industrialisierung jedoch, die die meisten Städte Europas maßgeblich veränderte betraf Bordeaux weniger. Die Glasindustrie entwickelte sich, als man Wein nun in Flaschen abfüllte. Tatsächlich entstand in Bordeaux aber nie eine wirklich bedeutende Schicht der Arbeiterschaft.  
Das Bordeaux keine Industriestadt wurde hat auch damit zu tun, dass die Weinproduktion in der Region schon seit der Antike eine hohe wirtschaftliche Bedeutung hatte und zusammen mit dem Hafen die guten Geschäfte beförderte. In eine fast existentielle Krise kam damit nicht nur dieser Wirtschaftszweig, sondern die gesamte Weinregion als die Reblaus in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts in Europa ihr Unwesen trieb und Millionen von Hektar Rebfläche vernichtete. Nur unter sehr hohem Einsatz und der Einführung resistenter Weinstöcke gelang es diese Krise zu überwinden.
Im Jahr 1853 beschloss man den Bau einer Ringstraße, um die Stadt herum. Dieses Unternehmen war Grund für zahlreiche kontroverse Überlegungen, wo ein günstiger Verlauf der Straßen liegen sollte, denn Bordeaux wuchs aus seinen engen Grenzen immer weiter in die Vorstädte hinaus. So wurde beschlossen die Ringstraße, die zukünftig nur die „Boulevards“ genannt wurden, in einer Linie zu ziehen, die einige Vorstädte außerhalb beließ, so wie Caudéran, dass sich im weiteren Verlauf aber zu einem eleganten Vorort entwickelte. Bis in die 1880er Jahre wurde an den Boulevards gebaut, die die gesamte linke Uferseite der Garonne umfasst, den weitaus größten Teil Bordeaux. An diese Boulevards setzen dann die neuen Stadtviertel an, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden. Diese waren dabei recht homogen, von einfachen Siedlungen bis hin zum gehobenen Vorort mit seinen Jugendstil Bauten, wie im schon erwähnten Caudéran. Der Schienenverkehr erreichte ebenfalls die Stadt, zwei wichtige Eisenbahnlinien begannen in Bordeaux und das auch heute noch sichtbarste Zeichen dafür ist der 1898 eröffnete Gare Saint Jean.
Schon einige Jahre vorher, nämlich 1870, wurde Bordeaux kurzzeitig Hauptstadt Frankreichs, als die Nationalversammlung im Deutsch-Französischen Krieg flüchten musste. Dieses Szenario wiederholte sich noch zweimal; 1914 und im Juni 1940, beides wieder im Zusammenhang mit der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen. So hat sich bis heute noch der Ruf Bordeaux gehalten, die „heimliche Hauptstadt“ Frankreichs zu sein.
In den Zwischenkriegsjahren war der Hafen, die Weinproduktion und der Holzabbau in Les Landes die wichtigsten Standbeine der Ökonomie der Region, auch wenn diese Produktionszweige immer mal wieder mit größeren Krisen zu kämpfen hatte. Nicht unerheblich ist der Fakt, dass die Neubauten jener Jahre sich ins Stadtbild integrierten, als Beispiele können hier die Bourse de Travail (1938) oder die Piscine Judaique gelten (die allerdings in neuster Zeit ein recht unansehnliches Glasvordach bekam).
Nach dem 2.Weltkrieg übernahm Jacques Chaban-Delmas das Amt des Bürgermeisters in einer fast schon rekordverdächtigen Amtszeit von 1947 bis 1995! Unter seiner Führung entstanden modernistische Projekte wie das Mèriadeck-Viertel in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt, dass einen deutlichen Bruch mit dem klassizistischen Erbe der Bausubstanz darstellt. Chaban-Delmas dachte aber Bordeaux auch als metropolitane Region, das aus Kernstadt und in die Region wachsenden Städten besteht, die eng zusammenarbeiten sollten. Die Universität der Stadt wurde in den Vorort Talence verlegt, zum einen, um einen geschlossenen Campus zu erhalten, zum anderen vielleicht aber auch, um potentiell revoltierende Studenten aus der Innenstadt raushalten zu können. Der Hafen wurde aus der Stadt entfernt und flussabwärts nach La Verdon an die Gironde verlegt (aus der Bordeaux durchfließenden Garonne und der Dordogne wird wenige Kilometer nach Bordeaux die Gironde, welche in den Atlantik fließt). 1966 wurde der Gemeindeverband Communauté urbaine de Bordeaux gegründet, der heute den Namen Bordeaux Métropole trägt und der mit seiner Größe auch ein deutlicheres Bild über den Umfang von Bordeaux abgibt, als die viel engeren Grenzen der administrativen Kernstadt. Er ist für alle Probleme zuständig die über die jeweiligen Gemeindegrenzen hinausgehen und besitzt ein eigenes Parlament. Zu seinen wichtigsten Aufgaben in letzter Zeit gehört die Koordination der öffentlichen Verkehrsbetriebe. In jene Jahre des Zusammenschließens fällt auch der Bau und die Öffnung (1972) des Autobahnrings der Stadt (der A630), der wie die Boulevards des 19. Jahrhunderts wiederum die gewachsene Stadt neu umschließt. Innerhalb des Autobahnrings trifft man heute auf dichte Bebauung, dahinter wird die Siedlungsdichte erheblich dünner.
Ein neuer Abschnitt in der Verkehrsplanung der Stadt ist die Wiedereinführung der Straßenbahn, die seit 2008 auf drei Linien die Innenstadt mit den Vororten verbindet und dabei über 200.000 Passagiere pro Tag befördert. Nicht zuletzt die Berufung als UNESCO-Weltkulturerbe 1976 förderte das Bewusstsein für das einzigartig erhaltene Stadtbild Bordeaux mit seinen vielen klassizistischen Bauten, das auch seit den 1990er Jahren weiter aufgewertet wird, wie beispielsweise durch die neuangelegte Uferpromenade. Gleichzeitig möchte Bordeaux natürlich auch nicht den Sprung in die Gegenwart verpassen, wie man am neuen Viertel um die Brücke Chaban-Delmas und die Cité du Vin sehen kann. Für die Zukunft plant die Stadt auch mit dem nationalen Projekt „Bordeaux – Euratlantique“, das nicht nur den Bahnhof Sant Jean mit einem TGV Anschluss nach Paris erhöht, sondern den gesamten Umkreis des Bahnhofs, der tatsächlich nicht unbedingt zu den Glanzlichtern der Stadt zählt, zu einem neuen blühenden Stadtteil aufwertet, der hauptsächlich als Wirtschaftsstandort funktionieren soll.    

urban facts Bordeaux

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum / Metroregion

249.712 / 773.542 (Bordeaux Metropole) / 1.215.769 (Aire urbaine de Bordeaux )

Einwohnerentwicklung: Stadt

2011-2015: +4,54%

Fläche: Stadt /Ballungsraum / Metroregion

49,36 km² / 578.3 km² (Bordeaux Metropole) / 5.613 km² (Aire urbaine de Bordeaux )

Bevölkerungsdichte: Stadt /Ballungsraum / Metroregion

5059 Einw./km² / 1338 Einw/km² (Bordeaux Metropole) / 216 Einw./km² (Aire urbaine de Bordeaux )

Koordinaten

44° 50‘ N, 0° 35‘ W

Geographische Höhe

1-42m

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

944mm / 124 / 2035

Fluss

Garonne

KfZ-Kennzeichen

33 (für das Département Gironde)

Infrastruktur:

Bürgermeister

Alain Juppé (Républicains / Rechts konservativ)

Verwaltungstechnische Bedeutung

Hauptstadt des Dèpartement Gironde und der Region Nouvelle-Aquitaine

Anzahl Besucher im Jahr

6 Mio. (2015), im gleichen Jahr zur besten Touristendestination der Welt gewählt worden

Global City Status

Sufficieny (12. und letztmögliche Kategorie)

Verkehrsfluss – Staugefahr

29h im Stau pro Jahr (2017); 205.Platz weltweit

Flughafen

Aéroport de Bordeaux-Mérignac (BOD; eröffnet: 1917; 6,2 Mio; PAX 2017; 8.größter Flughafen Frankreichs ; 2 Landebahnen, 2 Terminals; 10km W der Innenstadt)

ÖPNV

3 Straßenbahnlinien (wiedereröffnet 2003, vorher von 1891 bis 1957) auf 66km Streckenlänge mit 86 Haltestellen
Tageskarte kostet 4,60€
Vcub (V³) Fahrradleihsystem mit 174 Stationen und 1700 Rädern

Entfernung nach…

Paris: 585km (LL: 500km); Auto: 5h30min; Bahn: 2h10min
Toulouse: 245km (LL: 215km); Auto: 2h25min; Bahn: 2h
Bilbao: 335km (LL: 255km); Auto: 3h30min; Bahn: 6h45min
Madrid: 685km (LL: 555km); Auto: 6h40min; Bahn: 10h (nur Bus)
Barcelona: 570 km (LL: 445km); Auto: 5h55min; Bahn: 9h15min

nächster Ort über 500.000: Toulouse 245 km
nächster Ort über 1000.000: Barcelona 570km

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten

Université de Bordeaux; gegründet 1441 durch Papst Eugen IV., 2014 als Fusion von 3 Universititäten wiedergegründet, 49.600 Studenten (2016)
Université Bordeaux Montaigne; gegründet 1971, hauptsächlich Sozialwissenschaftlich, 15.230 Studenten

Anzahl Museen

wikipedia.fr zählt 19 Museen

Sportvereine der Stadt

Fußball:
Girondins de Bordeaux: gegründet: 1881; 6x frz. Meister, 4x frz. Pokalsieger, 1x EC3 Finalist; Ø-Zuschauer: 26.048 (2017/18) @ Matmut Atlantique (42.052)
Rugby:

Union Bordeaux Bégles: gegründet 2006 aus zwei Rugbyvereinen, welche insgesamt 9 frz. Meisterschaften gewannen Ø-Zuschauer: 23.689 (2014/15) @ Stade Chalbon-Delmas (34.694)

Tageszeitung der Stadt (Auflage)

Sud Ouest (Tageszeitung, gegründet 1944, 288.000 Auflage 2011)

Erste urkundliche Erwähnung

3.Jahrhundert v.u.Z. (von den Römern Burdigala genannt)

Gegründet von:

Kelten

Großstadt seit

1793 bzw. 1841 (dazwischen unter 100.000)

Das entscheidende Jahr

1453: Bordeaux fällt nach der Schlacht von Castillon wieder an Frankreich

Meisten Einwohner im Jahr

1966: 266.662

Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute

6,7%

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Place de la Bourse

Architektonisches Highlight

Einheitlichkeit des Stadtbilds der Altstadt

Prachtstraße

Allées de Tourny

Höchstes Gebäude

Cité Administrative – Tour A (92m)

Meist fotografiertes Gebäude

Citè du Vin

Kaufkraftindex in EU (oder Region)

135,1 (Region Nouvelle-Aquitaine)

Arbeitslosenquote

16% (2014) Frankreich gesamt: 10,8%

Bevölkerungsentwicklung:

1793

1821

1831

1841

1856

1876

1901

1911

1931

1946

104,676

89,202

99,062

104,686

149,928

215,140

256,638

261,678

262,990

253,751

1954

1962

1968

1975

1982

1990

1999

2006

2011

2015

257,946

249,688

266,662

223,131

208,159

210,336

215,363

232,260

239,399

249,712

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Sueca

Einwohner: 27.598 (2017) | 92,5 km² | Kreisstadt der Comarca Ribera Baixa | am Fluß Xuquer (Jucar) gelegen | 7 km von der Küste des Mittelmeers entfernt | 35km S von València | 8 km NW von Cullera

Mitten in der flachen Landschaft um die spanische Stadt València, welche die Flüsse Turia und Xuquer zwischen dem Mittelmeer und den Bergen abgelagert hat, liegt Sueca. Eine Stadt, die auf dem ersten und sogar zweiten Blick nicht viel bietet. Die S-Bahn von València nach Gandia teilt den Ort in einer geraden Linie. Benutzt man die alte Nationalstraße 332, die schon seit einigen Jahren von einer Autobahn ersetzt wurde, wird man um die Innenstadt herum geführt und hat lediglich einen Blick auf die runtergekommenen erscheinenden Gewerbegebiete. Nicht viel anders ist es, wenn man von der neu gebauten Autobahn A38 zum Meer fahren möchte, auch hier bleibt der Blick auf die Stadt verwehrt, da man das kleine Zentrum umrundet. Jahrelang bin ich an Sueca vorbeigekommen, aber nie kam mir je der Gedanke, mich mal näher mit der Stadt auseinanderzusetzen. Das halte ich heute für einen Fehler, denn Sueca muss man sich bewusst erschließen und dann hat dieses Städtchen seine Reize.

Mit nicht ganz 30.000 Einwohnern ist Sueca Kreisstadt der Comarca Ribera-Baixa und damit der östlichste Teil einer kleinen Metropolregion die sich über Alzira bis nach Xativa zieht und rund 350.000 Einwohner zählt. Die Lage der Stadt ist durch zwei Faktoren bestimmt; zum einen liegt sie mitten in der südlichen Huerta de Valencia (dem „Garten Valèncias“), in welcher sich auch die angrenzende Lagune Albufera befindet. Traditionell wird hier Reis angebaut und Sueca ist so etwas wie die Hauptstadt des Reisanbaus, dem fundamentalen Bestandteil der Paella, die etwas später in diesem Artikel behandelt werden soll.
Zum anderen ist Sueca aber nicht weit vom Meer entfernt, die eigentliche Stadt ungefähr 7 km. Zum Stadtgebiet gehören weite Sandstrände, welche der Wind und die Flüsse hier hingebracht haben. Doch anders als die Städte Cullera oder Gandia, die in Richtung Meer gewachsen sind, um dort mit beachtlichen und teilweise gigantischen Tourismus-Hochhausskylines zu thronen, sind auf dem Gebiet Suecas einzelne Urbanisaciones gebaut worden, die sich wie eine Perlenkette an der gerade von Norden nach Süden gehenden Strandlinie aufreihen. Von der Auto- oder der S-Bahn aus (die noch etwas weiter hinten im Landesinneren liegen), sehen diese Orte wie kleine Burgen aus, mit ihren teilweise weit über 10 Stockwerken hohen Ferienhäusern, die allerdings meistens vereinzelt auftreten und sich mit kleineren Strandhäusern oder niedergeschossigen Appartmentblöcken mischen. So weiß man in der Region València immer, wo das Meer ist, auch ohne es zu sehen. Es ist immer hinter den Hochhäusern. Diese Urbanisationen sind Ferienorte, die im Grunde nur im Sommer bewohnt werden, wenn die Haus- und Wohnungsbesitzer ihre Ferien hier verbringen, Hotels gibt es hier (fast) keine und erst in den letzten Jahren vermieten einige Besitzer ihre Wohneinheiten über internetgestützte Portale, auch an den Randzeiten des Sommers (Mai, Juni und September). Im Juli und August sind alle Lokale und Restaurants der Urbanisationen von früh bis abends geöffnet, Kinder spielen unter lauten Geschrei am Strand oder auf den Straßen bis in die Nacht hinein, in den neu gebauten Kirchen finden am Wochenende rege besuchte Gottesdienste statt, die Apotheken, die den Rest des Jahres nur geschlossene Rollläden aufweisen, sind besetzt und auf den Tennisplätzen duellieren sich Hobby-Nadals gegeneinander, solange der Sonnenstand es zulässt und man vor Hitze nicht zerfließt. Doch schon im September stirbt die Urbanität in den Urbanicaciones langsam wieder, die Schule hat dann angefangen und die Restaurants haben nur noch am Wochenende geöffnet. Das zieht sich bis zum 12.Oktober hin, dem Tag der Region València, welcher der gleichzeitig der letzte Tag der Saison ist. Wie würde sich Jaume I. fühlen, wenn er gewusst hätte, dass der Tag an dem er die Stadt València eroberte, später mal der Feiertag ist, der den Sommer endgültig beschließt. Er hatte wohl besseres zu tun, als über den Sommer nachzudenken. Während in den größeren Wohnanlagen die Pools abgelassen werden, schließen die allermeisten Geschäfte und Lokale bis Ostern und wenn man sich im November oder Februar hierhin verirrt, dann steht einem langen und einsamen Strandspaziergang rein gar nichts im Wege, vielleicht sieht man noch einen Klempner der die leeren Anlagen mit notwendigen Reparaturen versorgt, oder einen der Hauswarte, die sich auch im Winter darum kümmern, dass die Pflanzen der Hausanlagen gepflegt werden.
Viele der Besitzer der Wohnungen und Häuser in den Urbanisationen Suecas (diese ziehen sich wie eine gerade Schnur am Strand entlang, von El Perello im Norden bis nach Mareny Blau im Süden) kommen aus dem Großraum Valencia, während die allermeisten Angestellten der Restaurants und Läden aus Sueca kommen und hier ihren Sommerarbeitsplatz haben. Daraus entsteht eine eigenwillige soziale Differenz. Während man im Sommer an den Stränden spanisch hört, wird in Sueca valenzianisch gesprochen (Valenzianisch ist eine Sprachvariante des Katalanischen). Überhaupt ist Sueca ein Hort der valenzianischen Identität. Aus der Stadt stammt der Schriftsteller Juan Fuster, der nicht nur für seine katalanische Prosa bekannt wurde, sondern gleichfalls für in seinen Essays immer wieder eingetretenen Anspruch, Vertreter des intellektuellen katalanischen Nationalismus zu sein. Von ihm stammt die Betonung der Idee der Paisos Catalans, der katalanischen Länder, die eine Zusammengehörigkeit der Landesteile betont, die katalanisch sprechen (daher Katalonien selbst, Valencia und die Balearen sowie Andorra und kleine Teile von Okzitanien in Frankreich). Noch heute findet sich diese Idee übrigens auf Wetterkarten im katalanischen Fernsehen, die das Gebiet der Paisos Catalans abdecken (ganz ähnlich der Wetterkarten in der BRD, vor der Wiedervereinigung Deutschlands 1990). Nicht uninteressant ist es noch zu betonen, dass diese Art von valenzianischer Identität eine eher linksgerichte Orientierung bzw. Zuschreibung hat (zumindest in der Valenzianischen Gemeinschaft), während ihr rechtes Gegenstück dazu eher eine Betonung der spanischen Einheitlichkeit hat (gleichfalls darf nicht vergessen werden, dass es aber auch Linke gibt, die Zentralspanien preisen, dann aber meistens nicht aus katalanisch-valenzianisch sprachigen Gegenden kommen). Sueca jedenfalls kann als ein Nest, des linken Valenzianismus gelten, gab es hier nach dem Ende der Franco Diktatur nur linke, teilweise sogar kommunistische Bürgermeister.

Unabhängig von politischer Willensbildung und Identifikation ist der Reisanbau in Sueca von höchster Bedeutung und damit aber auch wieder ein Teil eines weitgreifenden kulturellen Erbes. Weltweit bedeutend ist die Paella Valanciana, eine Reispfanne (wobei ich damit niemals sagen würde, dass Paella Reis mit irgend etwas ist, Paella ist mehr und sollte von Ihnen, lieber Leser unbedingt mal vor Ort gegessen werden), die in Sueca besonders geehrt wird, denn seit 1961 wird alljährlich Anfang September ein internationaler Paella Kochwettbewerb veranstaltet (der Concurso Internacional de Paella Valenciana de Sueca), der zwar regelmäßig von valencianischen Köchen gewonnen wird, bei dem jedoch gleichfalls Teams aus Asien, Australien oder Amerika teilnehmen (der einzige Gewinner außerhalb Spaniens war ein Restaurant aus Kuba). Und so finden sich in den engen Gassen Suecas auch einige wundervolle Restaurants, die zu sehr erschwinglichen Preisen eindrucksvoll wohlschmeckende Paellas anbieten (am besten probiert man es an einem Wochentag, da diese dann im günstigen Menüpreis enthalten sind, mehr Informationen im Beitrag „Essen und Trinken in València“).
Der Reisanbau prägt auch die Landschaft um Sueca, die sich im Laufe des Jahres vielfarbig verändert. Die Saison beginnt mit den grauen Böden, die im Mai geflutet werden und dann die Landschaft in einen riesigen See verwandeln, der ungefähr die Größe erreicht, welche die Lagune Albufera mal vor 150 Jahren hatte, bevor sie durch die Einflüsse des Menschen auf ihre heutige Größe geschrumpft ist. Darauf folgt im Sommer der grün aufwachsende Reis, bis er im Herbst sich gelb verfärbt und geerntet wird. Dann sind Erntetraktoren auf den kleinen Wegen zwischen den Parzellen der Bauern unterwegs und in den Mühlen hört man das beständige Summen der Maschinen, die rund um die Uhr arbeiten. Im Winter verwandelt sich die Landschaft wieder in die grauen Felder und man wartet auf den nächsten Sommer, wenn die Felder grünen werden und die Touristenmassen wieder intensives Leben bringen werden.

Die demographische Größe der Stadt

Der Blick auf die Stadt kann ganz unterschiedliche Perspektiven annehmen. Wie alt ist die Stadt? Welche kulturelle oder administrative Bedeutung hat sie? Wie ist sie geformt? Wie lebt man in ihr? Ein sehr einfaches und für gewöhnlich recht häufig gebrachtes Mittel zur Einordnung von Städten ist, sie nach ihrer Größe zu ordnen. Man zähle die Einwohner zusammen und fertig!

Es ist aber gar nicht mal so einfach festzustellen, wie groß Städte konkret sind, denn Städte sind heute keine ummauerten Einheiten mehr, wie im Mittelalter und selbst in jener Zeit gab es durchaus Gebäude vor diesen Mauern, die nur deshalb gebaut wurden, weil es hinter den Mauern urbanes Leben gab, dass die Menschen anzog dort zu siedeln. Für die Angabe wie groß eine Stadt ist, daher wie viele Menschen sie bewohnt ist die Frage relevant bis wohin sich eine Stadt zieht. Die Grenzen der Stadt, sind nicht unbedingt die irgendwann mal festgelegten administrativen Stadtgrenzen (die sich durch Eingemeindungen etc. historisch schnell ändern können), denn diese sagen nicht immer wirklich viel über die tatsächliche Stadtgröße aus. Ein schönes Beispiel dafür ist Brüssel, die Hauptstadt Belgiens. Die Stadt Brüssel hat lediglich 176.000 Einwohner auf 32,6 km² (das sind ungefähr so viele Einwohner wie das nordrhein-westfälische Hamm hat). Sie ist aber nur Teil von 19 (Stadt-)Gemeinden, die zusammen die Region Brüssel-Hauptstadt ausmachen und 1,2 Mio. Einwohner haben, die sich auf 161 km² verteilen. Bei dieser Angabe wird die Größe der Stadt schon deutlicher. Ein Extrembeispiel wenig hilfreicher Stadtgrenzen stellt die chinesische Stadt Chongqing dar. Sie ist eine regierungsunmittelbare Stadt mit einer Verwaltungseinheit der Größe von 82.408 km², was in etwa die Größe Österreichs darstellt! Hier wohnen 28,8 Mio. Menschen, jedoch zumeist in ländlichen Siedlungen, denn die Einwohnerdichte des Gebietes liegt niedriger als die der Niederlande.
Ein Blick auf den Ballungsraum der Stadt ist vielmals viel zielführender um bestimmen zu können wie groß eine Stadt ist, im Fall von Chongqing ist er mit etwa 8 Mio. Einwohnern angegeben. Wie in den beiden Beispielen gezeigt, sagen die Stadtgrenzen nicht immer viel über die Größe der Stadt aus, wobei der Fall Chongqing eine Ausnahme darstellt, da hier die administrativen Grenzen viel zu weit gezogen sind um die Größe der Stadt zu ermitteln. Der Normalfall ist andersherum1.
Städte, als urbane Verdichtungen hören daher nicht immer an ihren Stadtgrenzen auf, sondern beinhalten auch Vororte und urbane Randlagen, die dann als Ballungsgebiet oder Agglomeration bezeichnet werden. Damit ist ein Verdichtungsraum gemeint, der wechselseitig verflochtene Gemeinden mit einer höheren Konzentration von Siedlungsflächenanteil und Siedlungsdichte. Im Regelfall gruppieren sich die Agglomerationen um eine Kernstadt und werden dann als monozentrische Agglomerationen bezeichnet (bspw. Ballungsräume wie Stuttgart, München, Berlin…). Sind mehrere Oberzentren vorhanden und lässt sich keine zentraler Hauptkernstadt ausmachen, so kann von einer polyzentrischen Agglomeration gesprochen werden (bspw. das Ruhrgebiet.2 Die Grenzen noch weiter ausweitend ist die Metropolregion, deren Fläche sich dann noch weit über das Ballungsgebiet hinaus ausdehnt. So umfasst die Metropolregion Berlin / Brandenburg eine Fläche von 30.546 km², und damit rund ein Drittel der Fläche ganz Ostdeutschlands. Diese Bestimmung scheint dann aber wieder zu weit gegriffen, da sie bis weit in unbesiedelte Randbereiche hinausreichen und nicht mehr viel, bis gar nichts mit der Kernstadt zu tun haben. Metropolregionen sagen so, fast gar nichts mehr über die Stadt und ihre Größe aus.
Ungünstigerweise kann man zusammenfassen: die Größe der Stadt ist ein etwas schwammiges Kriterium, denn selbst wenn man sich darauf einigt, dass diese immer innerhalb des Ballungsraumes befindet, bleibt die Frage, was diesen ausmacht und wie groß er letztendlich ist. Dabei muss gleichzeitig festgehalten werden das bei dieser Betrachtung Stadt nicht gleich Stadt ist. Denn Städte, die ein Ballungsgebiet über ihre eigenen Stadtgrenzen hinaus ausgebildet haben, können andere Städte innerhalb dieses Raumes quasi „vereinnahmen“, wobei dies ein irreführender Begriff ist. Das Wachstum einiger Städte breitet sich auf andere Städte aus und macht aus diesen Vorstädte (die tatsächlich auch ein Stadtrecht haben), die in einem engen funktionalen Zusammenhang mit ihrem „Oberzentrum“ stehen. Man denke hier an Beispiele wie Potsdam, das auch als Vorstadt von Berlin angesehen werden kann, oder an Alcalá de Henares als Vorstadt von Madrid.3
Historisch bildet sich die Situation der Ballungsgebiete mit der Phase der Industrialisierung heraus. Seit der industriellen Revolution wirken Städte wie große Magnete und ihre Einwohnerzahlen steigen – zumindest anfangs- dramatisch. Die Bevölkerung der Erde fängt an sich stark zu vermehren und erstmals in der Historie des Planeten wächst sie am dynamischsten in Städten. Obwohl die Weltgeschichte schon in der Antike große Städte kannte (man denke an Rom) ist es erst das 19. Jahrhundert das vermehrt Millionenstädte hervorbrachte (um 1900 waren es ungefähr 20, 100 Jahre früher gab es mit London nur eine). Im 20. Jahrhundert bilden sich daraus Megastädte, also urbane Verdichtungen von mehr als 5 Millionen Einwohnern, wovon es momentan schon über 50 auf der Erde gibt. Diese Megacities wachsen weit über ihre historische Innenstadt hinaus und bilden Vorstädte aus, die wenn sie allein betrachtet werden, teilweise selbst Millionenstädte sein können. Incheon beispielsweise hat 2,8 Millionen Einwohner und ist statistisch die 3.größte Stadt Südkoreas, liegt aber nur 30km von Seoul entfernt und kann als Trabantenstadt des nochmals ungleich größeren Seouls verstanden werden.

Eine Einordnung eines solchen Ballungsraums findet sich bei Dirk Bronger, der wiederum auf ein Modell von Olaf Boustedt zurück geht und als Stadtregion-Modell bezeichnet wird. Im Mittelpunkt (nicht unbedingt geografisch) liegt die Kernstadt (core city). Bis in die Gegenwart ist sie das funktionale Herz. Hier finden sich nicht nur zahlreiche kulturelle Einrichtungen und administrative Institutionen, sondern auch die Zentralen größerer Unternehmen. Statistisch sind die core citys zumeist mit den administrativen Stadtgrenzen gleichzusetzen, wobei es sich dann um „underboundes cities“ (siehe Anmerkung 1) handeln muss. Historisch gesehen wurden die Grenzen dieser Kernstädte gesprengt, einen Prozess den man Suburbanisierung nennt und der stark vereinfacht heißt, das Menschen aus der Innenstadt hinaus in nah angrenzende Gebiete gezogen sind. Daher schließt sich als nächstes das Ergänzungsgebiet an, dessen Siedlungscharakter sich in struktureller und funktionaler Hinsicht der Kernstadt ähnelt. Sowohl die Kernstadt als auch das Ergänzungsgebiet bilden zusammen das Kerngebiet der Agglomeration der Stadt. Dahinter folgt die verstädterte Zone, die schon eine deutlich aufgelockerte Siedlungsstruktur erkennen lässt, wobei die Bevölkerung hier immer noch insbesondere gewerblich stark vom Kerngebiet beeinflusst ist. Täglich fahren von hier aus die Pendler in die Kernstadt.Dieser Prozess der Suburbanisierung ist historisch nicht allzu alt und setzte als erstes in London um 1900 ein. Verstädterte Zone, Ergänzungsgebiet und Kernstadt bilden zusammen die metropolitane Agglomeration, an deren Ende die Randzone beginnt, in welcher immer noch Pendler leben können, die aber schon eine ländliche Besiedlungsstruktur hat, mit einer sehr geringen Einwohnerdichte insbesondere im Vergleich zur Kernstadt. Bei der historischen Einordnung des beschriebenen Prozess der Ausbreitung der Stadt, spricht Bronger von historischer, interner und externer Suburbaniserung, je nachdem wann und wohin sich das urbane Stadtgebiet ausgeweitet hat.

Urbane Zone

Zusammenfassende Zone

Prozess

Kernstadt

   

Ergänzungsgebiet

Kerngebiet

Historische Suburbanisierung

Verstädterte Zone

Metropolitane Agglomeration

Interne Suburbanisierung

Randzone

Metropolregion

Externe Suburbansierung

Diese Abgrenzung gilt natürlich nur für Großstädte, die Ballungsräume entwickelt haben und machen für Kleinstädte in der Regel keinen Sinn. Gleichzeitig sind auch hier die Grenzen von Stadt zu Stadt, gerade im weltweiten Vergleich immer wieder problematisch zu ziehen. Wo beginnt die verstädterte Zone und wo endet das Ergänzungsgebiet? Wo auch immer man daher eine Stadtgröße definiert, sollte angegeben werden, welche Bezugsfläche man annimmt. Das soll am Beispiel Stuttgart gezeigt werden:
Die Stadt Stuttgart hat 628.032 Einwohner auf einer Fläche von 207km² und ist so die sechstgrößte Stadt Deutschlands. Damit ist das rein administrative Stadtgebiet gemeint. Verlässt man diese relativ klar zu ziehende Grenze wird die genaue Einwohnerzahl undeutlich. Die offiziell nächst größere Einheit wäre die Region Stuttgart, einer Planungsregion welche den Stadtkreis und die fünf umliegenden Landkreise beinhaltet. Dabei handelt es sich um einen regionalen Zusammenschluss der sechs Verwaltungseinheiten, die gemeinsam die Aufgaben der regionalen Raumplanung, Verkehrsplanung und Wirtschaftsförderung übernehmen. Jedoch verliert dieser immerhin 3.653 km² große Bereich erheblich an urbanen Charakter, da er insbesondere in den fünf Landkreisen sehr in den ländlichen Bereich ausfranzt. So hat die kleine Gemeinde Kaiserbach im Osten des Rems-Murr-Kreises nur noch 2.500 Einwohner die sich mit einer Dichte von 89 Einwohner auf den km² verteilen, was in etwa der Bevölkerungsdichte des Landes Brandenburg entspricht. Noch größer ist der Rahmen der Metropolregion Stuttgart, die sich auf über 15.000 km² ausdehnt und rund 5,3 Mio. Einwohner hat. Bei einer Bevölkerungsdichte von 342 Einwohner ist die Metropolregion eher eine theoretische Größe, die für die (wirtschaftliche) Leistungsstärke der Region vielleicht Auskunft geben kann, für die Beschreibung Stuttgarts sicherlich weitaus weniger.
Eine andere Annäherung schlägt die wunderbare Internetseite citypopulation von Thomas Brinkhoff vor. Sie berechnet für Stuttgart lediglich die besiedelten Räume, also nur jene Gebiete die tatsächlich bebaut sind und kommt so für das urbane Gebiet Stuttgart (u. a. mit den Vorstädten Esslingen und Ludwigsburg) auf die Bevölkerungszahl von 1,35 Mio. Dies würde bei Bronger wohl am besten zur Definition des Kerngebietes passen. Nimmt man den Bereich der urbanen Agglomeration, bei Bronger die verstädterte Region, dazu, kommt man auf über 2 Millionen Einwohner. In der folgenden Tabelle werden die Daten zusammen gefasst:

Einheit

Einwohner

Fläche

Einwohner / km²

Stadtkreis Stuttgart

628.032

207 km²

3.029

Region Stuttgart

2.735.425

3.653 km²

749

Metropolregion Stuttgart

5.300.000

15.400 km²

342

Urbanes Gebiet Stuttgart

1.353.500

292 km²

4.633

Urbane Agglomeration Stuttgart

2.333.000

621 km²

3.759

Auffällig ist, dass bei den Berechnungen von citypopulation.de die Einwohnerdichte für die erweiterten Gebiete höher sind als für das reine Stadtgebiet bzw. die Kernstadt. Wer daraus ableitet das in den Vororten eine dichtere Besiedlung herrscht, als in der Kernstadt liegt damit aber nicht (automatisch) richtig. Vielmehr wurden – wie bereits erwähnt nur tatsächlich besiedelte Gebiete in die Berechnung einbezogen. Damit fallen aber die zahlreichen Grünanlagen, größere Parks und Stadtwälder aus den Berechnungen heraus (am Beispiel Dresden wäre dies die immerhin 50 km² große Dresdner Heide oder aber auch der sehr zentral gelegene Große Garten). Dies ist durchaus diskutabel, den größere Parks sind teilweise elementare Bestandteile der Stadt und Orte urbanen Lebens und insofern weit mehr als die „grüne Wiese“. Trotzdem ist mit den letztgenannten Berechnungen am besten angegeben wie die Größe einer Stadt berechnet werden kann, weshalb auch auf tommr.net darauf zurückgegriffen werden soll.

Mehr zum Thema bei:

Dirk Bronger (2016): „Metropolen, Megastädte, Global Cities. Die Metropolisierung der Erde“
Diese Buch gibt einen sehr guten Überblick über das Feld Megastädte und Global Cities und erörtert Fragen angefangen von er Größe der Städte bis hin zu ihrer funktionalen Verflechtung in das staatliche, als auch globale Umfeld. Zahlreiche Statistiken zeigen sehr interessante Fakten auf. Einzig die schreckliche Fehlerhaftigkeit ist sehr störend, (in vielen Tabellen finden sich beispielsweise Tippfehler, gegen Ende des Buches wird das immer schlimmer)

citypopulation.de bietet einen beeindruckenden Blick auf Städte und ihre demographische Größe weltweit.

 

Fußnoten:

1 Schon in den 1950er Jahren hat der Geograph Kingsley David modellhaft drei Typen von Stadtgrenzen und Bevölkerungsstand genannt.
Eine „overbounded city“ ist eine Stadt dessen Grenzen weiter als das städtische Gebiet reichen, als Beispiel würde hier Chongqing gelten. Eine „underbounded city“ ist im Gegenteil eine viel zu eng begrenzte Stadt, deren urbanes Gebiet über die Stadtgrenzen hinausreichen. Dies trifft für einen Großteil insbesondere von Großstädten zu. Ein Idealfall wäre die „truebounded city“, wo die Grenzen der Stadt und des urbanen Raumes gleich sind. Ein annäherndes Beispiel dafür ist das spanische Zaragoza.

2 Polyzentrische Agglomerationen können jedoch ein Wahrnehmungsproblem haben, in der Form das sich niemand als Teil dieser Agglomeration ansieht. Hier wäre zu fragen, ob es überhaupt eine gemeinsame Wahrnehmung als städtisches Gebiet gibt. Im Ruhrgebiet ist dies sicherlich vorhanden.

3 Sowohl Postdam, als auch Alcalá de Henares haben aber eine eigene Geschichte, die unabhängig vom Ballungsgebietsstadt ist, in welcher sie sich jetzt befinden. Im Fall von Alcalá ist diese Geschichte um viele Jahrhunderte älter!

Geschichte von Los Angeles

Every city has ist boom, but the history of Los Angeles is the history of booms” [Carey Mc Williams]

Am 4. September 1781 gründeten 44 Siedler in der Nähe der franziskanischen Mission San Gabriel die Gemeinde Los Angeles. Tatsächlich war es aber die folgenden Jahre recht einsam im Süden des heutigen Kaliforniens. Auf großen Farmen wurde Landwirtschaft betrieben und es gab etwas Handel mit von der Ostküste der USA kommenden Schiffen. Dem ein oder anderen Seemann muss die Gegend angenehm vorgekommen sein und er sah im wohltemperierten Klima dieses so weit abgelegenen Ortes die Möglichkeit, selbst Geld zu machen. Ein Beispiel dafür ist Abel Stearns, der in den 1820er Jahren aus Massachusetts hier landete und sich schnell zum Katholizismus der damaligen Einwohner bekehren ließ, denn Kalifornien gehörte bis 1848 zu Mexiko (und vor dessen Unabhängigkeit zu Spanien, mehr Details gibt es im Beitrag zur Geschichte Kaliforniens). Stearns ließ ein Warenhaus bauen, eröffnete eine Pferdekutschenverbindung und wurde in den 1840er Jahren Besitzer weiter Landflächen, die er zur Viehzucht nutzte. Der steigende Wohlstand im Norden Kaliforniens, durch den Goldrausch von 1849, erhöhte die Absatzmärkte von Vieh. Der Wirtschaftszweig florierte bis eine große Dürre in den 1860ern abertausende von Tieren dahinraffte und die ursprünglichen Rancheros in große wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte.
Sonst blieb das Örtchen Los Angeles von den Auswirkungen des Goldrausches im Norden des Bundesstaates kaum beeinflusst und hatte bis zu seiner Erlangung des Stadtrechts 1850 nicht mehr als 2.000 Einwohner. Trotzdem trug das seiner Zeit eher unbekannte Städtchen den Beinamen „Höllenstadt“, weil es einer der gefährlichsten Orte der USA war. So soll es im Los Angeles County pro Tag einen Mord gegeben haben und das bei einer Gesamtbevölkerung von 3.600 Einwohnern.
Der Ruf verschlechterte sich noch mit den chinesischen Massakern von 1871, als 20 Chinesen von einem wütenden weißen Mob getötet wurden. Ein rassistischer Hass auf die Chinesen war damals ein weitreichendes Phänomen in Kalifornien, wo es durch die pazifische Anbindung in jeder größeren Ansiedlung auch einige Asiaten gab, die häufig in ihren eigenen Vierteln lebten, wie ab den 1880er Jahren auch in Los Angeles. Das Chinatown befindet sich heute noch etwas nördlich der Innenstadt (für das es aber auch schon eine suburbanisierte Form gibt, das New Chinatown). Der größere Teil der Bevölkerung war über das landesweit Aufmerksamkeit erhaltene Massaker schockiert. Die kriminellen Machenschaften und die Rufschädigung wollte und konnte man nicht auf sich sitzen lassen und so gründete man Einrichtungen, wie das „Rebuild LA Committee“, welche sich für eine bessere urbane Zukunft von Stadt und Region einsetzten. Tatsächlich startete ab den 1880er Jahren ein Boom in Los Angeles. Noch 1880 war die Stadt auf Rang 187 im US-Zensus der größten Städte. Nur 40 Jahre später war es schon die größte Stadt im Westen des Landes. Wie konnte das passieren?

Anders als in San Francisco, in dessen Umgebung man Gold fand, waren schnelle Reichtümer aus der Erde hier nicht zu finden, sieht man von den begrenzten Erzvorkommen im Death Valley ab, das aber erstens weit entfernt war und zweitens bei weitem keine so große wirtschaftliche Strahlkraft hatte, wie das Gold und später das Silber das in San Francisco gehandelt wurde. Der schon angesprochene Niedergang der Vieh-Ranchs ab den 1860er Jahren, führte zu einer Umverteilung der Besitzverhältnisse, die für die weitere Entwicklung nicht unwichtig wurde. Neues Kapital kam aus San Francisco, wo die Besitzer der Silberbergwerke und der neuen transkontinentalen Eisenbahn erheblichen Reichtum angehäuft hatten und den nun ruinierten Weidelandbesitzer ihr Land abkauften. Es stand zur Debatte, was man mit den Landflächen am besten anstellen könnte. Es wurde Schafwirtschaft betrieben und später Weizen angebaut. Auch wenn man damit einige Zeit gute Profite einstrich, war dies keine Boomwirtschaft und die Gewinne waren überschaubar. Es musste sich also etwas ändern.
Die Voraussetzungen für den schnellen Aufstieg der Stadt lagen in der Eisenbahn und dem Bau einer zweiten kontinentalen Eisenbahnverbindung Kaliforniens von Los Angeles aus in Richtung New Orleans. Die Stadt sollte zu einem neuen Verkehrsknotenpunkt werden. Tatsächlich waren die ersten Jahre der Anbindung, keinesfalls als erfolgreich zu bezeichnen. Die lokale Landwirtschaft litt unter billig herangebrachten Produkten aus dem Osten. Die Eisenbahn sah sich in der Verantwortung, die Landwirtschaft in der Region zu stärken, wollte man weiterhin zahlreiche Güter von und nach Los Angeles transportieren und damit Geld machen. Der Anbau von Zitrusfrüchten war eine geeignete Lösung. Sie zog zahlreiche neue Investoren an, welche gleichzeitig den Wert des Landes steigerten. Mindestens ebenso wichtig war, dass man gleichzeitig ein angenehmes Image als mediterranes Paradies aufbauen konnte, wo die Früchte der Sonne wachsen. Daraus konnte wiederum der einsetzende Tourismus der Region gestärkt werden. Mit dem gestiegenen Interesse und sich verteuerndem Land, setze schließlich der Wirtschaftszweig ein, der den Boom in Los Angeles maßgeblich prägte, der Immobilienhandel. Innerhalb der Stadt, angefangen bei der lokalen Zeitung Los Angeles Times, über Banken und Landentwicklungsunternehmen, machten sich wirtschaftliche Akteure daran, ein Image der Stadt zu erschaffen, dass auf den Pfeilern: Sonnenschein und ewig gutes Wetter, keine lästigen Gewerkschaften (entsprechende Gesetze dazu wurden erlassen), sowie der Lebensweise traditioneller (konservativer) Werte abzielte. Das Wesen und die Arbeit der frühen franziskanischen Missionen wurde gepriesen und gefeiert, Südkalifornien und Los Angeles stellten das heile Traumland dar, in Zeiten der Massenverstädterung und des Elends der Arbeiterklasse, war hier eine gesunde Alternative am entstehen. Der Aufbau dieses Images war ein großes Zugpferd für die in Scharen kommenden sogenannten WASPs, weiße Protestanten angelsächsischer Herkunft, welche aus dem Mittleren Westen der USA immigrierten und sich hier ein besseres Leben erhofften.
Die Isolation Kaliforniens des am Rande liegenden Nirgendwo, wurde so allmählich aufgehoben und ersetzt durch das Bild eines reichen und gesunden Südkaliforniens, das noch heute ein Grundpfeiler der kalifornischen Identität ist. Mit Mike Davis, dessen Buch „The City of Quartz“ eine brillante Studie der Stadtgeschichte LAs ist, kann man erstaunt feststellen, dass Los Angeles tatsächlich damals schon eine Imagepflege betrieben hat, wie man sie in den letzten 30 Jahren nur von postindustriellen Städten kennt, die ein (neues) Bild von sich entwerfen müssen (weil die Industriestadt in Nordamerika und Europa ausgedieht hat). In LA tat man das in einer Zeit, als die Stadt noch gar keine Industrie hatte! Schnell wurden neue Städte und Siedlungen gebaut, die sich zu den drei bestehenden Städten Los Angeles, sowie San Buenaventura und San Bernadino zugesellten, wobei klar war das Los Angeles der Kern des neuen urbanen Gebietes war.
Die Landwirtschaft erlebte den erhofften großen Aufschwung und bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich Südkalifornien zum ertragreichsten Gebiet der USA. Durch den nicht versiegenden Strom von neuen Siedlern, erhielt die Bodenspekulation auftrieb, ein Geschäftsfeld das von damals bis heute maßgeblich zum Aussehen und zur Ausbreitung des heutigen LAs beigetragen hat. Schon 1860 stellten übrigens Beobachter fest, in der Stadt gebe es eine höhere Dichte an Immobilienmaklern als irgendwo sonst auf der Welt.
Die konjunkturelle Schwächeperiode der 1890er Jahre zeigte die wirtschaftlichen Schwachpunkte der Region auf, die ganz auf Bauwirtschaft und Immobilien gegründet war. Konsequenterweise wurde in deren Folge ab 1900 verstärkt auf ein bisher nicht vorhandenes industrielles Wachstum gesetzt, dessen Beispiel der nordostamerikanische American Manufacturing Belt gab. Bis 1920 wandelte sich Los Angeles so, zur einer Industriestadt, wenngleich noch auf bescheidenem Niveau. Es etablierte sich die Ölindustrie, bedingt durch Ölfunde im Umland, die neu entstehende Filmindustrie, welche im klimatisch vorteilhaften LA perfekte Bedingungen antraf und die Flugzeugindustrie, die vor allem auf private Initiativen von Unternehmern wie der Loughead Brüder (Lockheed) und Donald Douglas entstand.

Von essentieller Wichtigkeit für den weiteren Aufstieg der Stadt war daher das Schaffen geeigneter Infrastruktur. Mit der Fertigstellung des Los Angeles Aqueducts 1913 und weiterer Trinkwasserverbindungen wurde die wachsenden Stadt mit notwendigem Trinkwasser versorgt. Der Ausbau des Hafens war eine weitere Notwendigkeit und so wurde 1907 der Port of Los Angeles eröffnet.
Zum Wachstum der Stadt gehörte das damals überragend dichte Nahverkehrsnetz der „Red Cars“, das eine intensive, aber nur kurze Geschichte hatte, denn keine andere Stadt der Welt erfuhr so zeitig eine massenhafte Automobilisierung wie Los Angeles, die wiederum zu einer kontinuierlichen Abschaffung der gerade erst eingerichteten Straßenbahnen führte, deren Zahl sich von 1924 bis 34 halbierte, während die großen Boulevards, Figeroua, Pico, Western, Olympic, Wilshire und Sunset breit ausgebaut wurden, um die neue Verkehrslast bewältigen zu können. Schon 1925 gab es in keiner anderen amerikanischen Großstadt so viele Autos wie in LA und die Stadt entwickelte sich von da an, zur weltweit massivsten Autofahrerstadt. 1924 zählte man 310.000 Autos, die täglich in die Stadt hineinfuhren und die Kreuzung Adams/Figueroa Street war mit fast 70.000 Fahrzeugen pro Tag, der verkehrsreichste Punkt der USA. Damals kam ein Auto bereits auf 1,6 Einwohner! Eine Rate auf welche die USA insgesamt erst in den 1950er Jahren kommen sollte. 1940 schließlich wurde der Arroyo Seco Parkway eröffnet, der erste Autobahnabschnitt, der Downtown und Pasadena verband und damit den ersten Teil des komplexen und ständig vollen Autobahngewirrs der Region darstellt (heute gibt es in Greater LA mehr Autos als in ganz Russland!).
Tatsächlich führte die Möglichkeit und die breite Nutzung des wachsenden Individualverkehrs zu einer Abwertung der Downtown innerhalb von Los Angeles. Wurden 1920 noch 90% des Einzelhandels hier durchgeführt, sank diese Rate bis 1950 auf lediglich 17%. Die Autostadt LA ist damit fast schon genetisch mit der Suburbanisierung und ihrer ständig weiteren Dezentralisierung verbunden. Mit dem Bedeutungsverlust der Downtown folgte der Aufstieg der Westside, die sich als Zentrum einer neuen städtischen Elite der Filmwirtschaft etablierte.

Die Migrationströme die sich sich in Los Angeles ansiedelten bekamen im Laufe der Jahre neue Quellen. Mexikanier, aber auch Japaner und Süd- bzw. Osteuropäer immigrierten in die bis dato fast ausschließlich von WASP dominierte Stadt (Indianer spielten schon lange keine Rolle mehr). Los Angeles entwickelte sich zu einem multi-ethnischen Schmelztiegel an der Westküste, der aber mit scharfen ethnischen Separierungen einherging. Tatsächlich waren diese Separierungen ein Ergebnis der Immobilienindustrie. Es waren insbesondere weiße Hausbesitzer, die sich in eigenen „Communities“ versammelten, die darauf bedacht waren, dass der Preis für Grund und Boden wertvoll blieb, was augenschienlich heißen musste, dass nur andere Weiße als geeignete Nachbarn akzeptiert waren. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich Eigentümergemeinschaften, denen nicht nur darum ging Verbesserungen in und für die Nachbarschaft zu erzielen, sondern vor allem auch darum Nicht-Weiße oder Latinos aus ihrem Gebiet herauszuhalten.
Durch die schon erwähnte Dezentralisierung LAs wurde aus dem Wachstum der Stadt, dass Wachstum des Umlands von Los Angeles, wo schon in den ersten zwei Dekaden des 20.Jahrhunderts 40 neue Städte gegründet wurden, die sich polyzentrisch um die Stadt verteilten. Damals war dies noch zum Großteil dem Auffinden von Ölvorkommen geschuldet. Das Ergebnis das schon in jener Zeit zu Tage trat, lässt sich in den Worten von Edward W.Soja und Allen J. Scott folgendermaßen beschreiben: „Die Ölraffinerie, das Automobil, der Flughafen, das Filmstudio, die Gemeinden an den Stränden und in den Bergen, die Arbeitersiedlungen der Immigranten, das Industriegebiet und der Allzwecktourismus – sie alle spannten die Stadt gleichsam auf und ließen damit eine umfassende Pluralität urbaner Orte und Erfahrungen entstehen“ (aus: Schwentker; S. 288).
Die Stadt Los Angeles gemeindete ab den 1920er Jahren zahlreiche umliegende Gebiete (wie bspw. Venice oder Watts) ein und erhielt so ihre heutige Form. Einige Gemeinden konnten sich jedoch ihre Eigenständigkeit erhalten, so wie Beverly Hills und Santa Monica, was den etwas eigenwilligen Grundriss der Kernstadt in der heute riesig ausfransenden urbanen Agglomeration Los Angeles ausmacht. Den flächenmäßig größten Zuwachs machte die Stadt aber schon 1915, als es das San Fernando Valley kaufte und damit ihre Größe verdoppeln konnte. Zum Zeitpunkt des Kaufs noch ein übersichtliches Gebiet mit Farmen, wurde das Tal besonders nach dem 2. Weltkrieg zu einem der zentralen Baustellen des neuen „LA suburbia“ mit ihren typischen Einfamilienhäusern, kleinem Garten und Pool, breiten Boulevards und Einkaufszentren.
Der Wachstumsboom setzte aber bereits in den 1920er Jahren ein, als außergewöhnlicher Bevölkerungsschub Los Angeles erfasste. Die Bevölkerung des LA Countys verdoppelte sich von einer auf zwei Millionen Menschen in dieser Dekade, in welcher Los Angeles 1928 zum ersten Mal Ausrichter von Olympischen Spielen wurde. Auch wenn die Große Depression ab 1929 den Zuzug milderte, verschwand er in den 1930er Jahren nicht. Bis 1940 wurde bereits der komplette Südwesten des LA Countys (das LA County hat eine Größe von 12.308 km², das entspricht fast 80% des Landes Schleswig-Holsteins) besiedelt. Insbesondere Industriearbeiter zogen in die Region, in welchem der sekundäre Wirtschaftssektor das gleiche Wachstum erreichte, wie das in jenen Jahren noch expandierende Detroit. 1935 war Los Angeles die fünftgrößte Industrieregion in der USA, ein Fakt, den man mit der Stadt bis heute eigentlich gar nicht verbindet. Neben den Produzenten der Träume in Hollywood (deren tatsächliches Arbeitskraftpotential nicht zu überschätzen ist), der Ölindustrie und dem Flugzeugbau waren ebenfalls die Zulieferindustrie für Fahrzeuge, der Reifenbau, die Möbelherstellung und die Kleidungsindustrie große hier ansässige Branchen. Die neuen und zumeist billigen Industriearbeitsplätze wurden zum Teil auch von der „dust bowl“ Migrationen besetzt, den sogenannten Okies, welche aber hauptsächlich ins Great Valley zogen, oder aber von ausländischen Immigranten und schwarzen Amerikanern.
Der 2. Weltkrieg und die einsetzende Kriegsproduktion führten zu einem erneuten kräftigen Wachstum. Man kann davon sprechen das Los Angeles eine ganz eigene Form des Keynesianismus bekam, denn staatliche Militärausgaben wurden im großen Maße in Südkalifornien investiert (und somit die Region quasi vom Bundesstaat subventioniert). Militärbasen und die Luftfahrtindustrie entwickelten sich zu blühenden Wirtschaftszweigen, die noch bis weit nach dem 2. Weltkrieg die Wirtschaft ankurbelten und in deren Nachgang zum Aufstieg der Raumfahrtindustrie führte. Dieser neue industrielle Schub beflügelte natürlich auch den weiteren Ausbau der Stadt und damit auch das Kerngewerbe der Stadt, den Immobilienboom.
Bis 1970 wuchs nicht nur das Los Angeles County von drei auf sieben Millionen Einwohnern an, sondern auch die schon darüber hinausgewachsene Agglomeration von Vorstädten breitete sich auf andere benachbarte Countys aus. Insbesondere das südlich gelegene Orange-County verzehnfachte seine Einwohnerzahl in diesen drei Dekaden auf 1,4 Millionen Einwohner. Los Angeles erlebte eine Suburbansierung, daher eine sich in der Fläche ausbreitende Verstädterung die das städtische Kerngebiet räumlich weit hinter sich lässt, wie sie in dieser Form niemals vorher auftauchte. Der Häuserbau ging quasi durch die Decke (wobei man dies eher horizontal sehen müsste). Allein im San Fernando Valley entstanden 1947 über 10.000 neue Wohnhäuser. Hier machte sich der Unternehmer Henry J. Kaiser einen Namen und ein Vermögen, als er preiswerte Fertighäuser vielen, von staatlichen Programmen begünstigten, Kriegsveteranen verkaufen konnte. Das 1950 begonnene Lakewood, östlich von Long Beach war eine nur innerhalb von drei Jahren entstandene Mustersiedlung der Suburbanisierung auf der 17.500 Häuser für 57.000 neue Einwohner entstanden.

Los Angeles schien die Träume aller Immobilien-Käuferschichten erfüllen zu können, ausgenommen vielleicht man gehörte einer der großen Minderheiten an, wie den Mexikanern oder Schwarzen. Diese lebten zunehmend abgekapselt in ihren eigenen Vierteln, wie beispielsweise in East Los Angeles, in dem noch heute 87% der 124.000 Einwohner sich zur ethnischen Gruppe der Latinos zählen (ein interessanter Fakt ist, das East LA eine unincorporated area ist, also ein gemeindefreies Gebiet, dass sich nicht selbst verwalten darf). Wie schon erwähnt, war es nicht einfach möglich für Minderheiten sich in rein Weißen Gebieten anzusiedeln, da diese Mittel und Methoden (auch die Zuhilfenahme des Ku Klux Klans) wählten, um möglichst die Reinheit (in rassischer Sichtweise) und damit die finanzielle Attraktivität ihres Viertels zu bewahren.
Diese Spannungen bleiben nicht ohne Konflikte. Schon 1943 kam es zu den Zoot Suit Unruhen, zwischen in LA stationierten Soldaten und zumeist mexikanisch-stämmigen Jugendlichen. Seit der Zeit des 2.Weltkriegs zogen in einem bisher in dieser Größenordnungen nicht gekannten Ausmaß schwarze Amerikaner nach Los Angeles, da sie hier, beispielsweise in der Luft- und Verteidigungsindustrie, nicht von Rassendiskriminierung betroffen waren. Rund 600.000 Afro-Amerikaner siedelten sich in der Wachstumsmaschine Los Angeles an, wo es für die nicht-Weißen Neuankömmlinge jedoch räumlich immer weniger Platz gab. Sie zogen meistens nach South Central LA, wo viele weiße Siedler daraufhin ihre Wohnquartiere aufgaben und in die gerade nach dem 2.Weltkrieg wie Pilze aus den Boden schießenden Vororten umzusiedeln.
Die Gestaltung der Stadt obliegt somit zunehmend den Besitzern von Wohneinheiten (aber keinesfalls den wenngleich nicht zahlreichen Mietern), welche für die Verbreitung des sich ausufernden Großraums LA verantwortlich sind. Die immer weiter in die Fläche hinauswachsende Stadt wird zu dem Markenzeichen des Großraums Los Angeles. Den neuen Hausbesitzern wird administrativ dazu der Weg geebnet, indem neue Vorort-Ansiedlungen steuerlich besser gestellt wurden, als größere städtische Verwaltungseinheiten. Das führte wiederum zu einem weiteren Entstehen und Auswachsen neuer Siedlungen im Großraum Los Angeles, während die Kernstadt potentiell kräftige Steuerzahler an diese neuen, sogenannten „minimal cities“ im Umland verlor und gleichzeitig mit finanziell schwächeren Gruppen bzw. niedrigeren Steuerzahlern zurückblieb. Ein weiterer Effekt dieser Entwicklung war die Manifestierung einer Ideologie des Anti-Bürokratismus und des Anti-Wohlfahrtstaates, die besonders von den Wohneigentumsgemeinschaften getragen wurde, denen es um die Maximierung der lokalen Vorteile ging. Dies trieb letztendlich auch die Segmentierung der urbanen Landschaft voran und ließ eine Bevölkerung in der Kernstadt zurück, die allerdings wiederum immer stärker auf öffentliche Funktionen angewiesen war.
Ein weiterer Faktor für die Zersiedlung der Stadtregion war die zunehmende Bedeutung der Hochtechnologie, wie der Elektrotechnik, die sich geografisch vom zentralen Industriekern der Stadt entfernte und sich beispielsweise im Orange County ansiedelte, wo wiederum zumeist Weiße Arbeitskräfte wohnten. Diese Trennung der Ethnien wurde (und ist) für Los Angeles zu einem Dauerproblem. Ein weiteres Beispiel lässt sich 1965 bei den Watts Rebellion aufzeigen, den bis dato gewalttätigsten städtischen Aufruhr in der US-Geschichte mit 34 Toten und über 1.000 Verletzten in sechs Tagen Ausnahmezustand.
Der Boom der Region LA schwächte sich in den 1970er Jahren etwas ab. Weitere Zuwächse gab es nun weniger in der Stadt Los Angeles oder im County, als mehr in den benachbarten Countys, weshalb Soja und Scott vom Übergang „einer Phase der großflächigen Suburbanisierung der Stadt zu einer Periode der breit angelegten Suburbanisierung der gesamten Region“ (S. 294) sprechen. Gelegentlich wird dieser Prozess als „Posturbanisierung“ bezeichnet. Was auch immer man für einen Begriffe gebraucht, einzigartig an der Entwicklung von Los Angeles ist nicht der Fakt, dass der Großraum sich zu einer Megacity entwickelte, sondern das dieses massive Wachstum auch nach 1960 nicht verschwand. Los Angeles wurde zur letzten boomenden Mega-City der voll industrialisierten Welt der USA oder Europas, wo städtische Großräume nur noch langsam weiter wuchsen oder sogar wieder abnahmen (freilich im Gegensatz zu den neuen Boomstädten in Asien oder Lateinamerika, die von da an erst zu boomen begannen und in Anzahl und Einwohnerzahl der 1.Welt heute den Rang abgelaufen haben).
In der Innenstadt, der Downtown von Los Angeles, kam es ab den 1970er Jahren zu einer Neugestaltung, im bis dahin nicht wirklich als Kern der Stadt empfunden Bereich. Neue ökonomische Branchen wie Versicherungen oder die Finanzwirtschaft investierten in einem Hochhausboom in Downtown. Die Stadt bekam in wenigen Jahrzehnten die größte und höchste Skyline der Westküste. Parallel dazu entstand an der Westside, dem alternativen Stadtzentrum ein weiterer Verdichtungsraum aus Hochhäusern, die Century City (das auf dem ehemaligen Außenstudiogelände der 20 Century Fox Filmstudios gebaut wurde). Die 1980er Jahre, in welchem die Stadt ein zweites Mal die Olympischen Sommerspiele ausrichten durfte (allerdings bewarb sich für die Spiele seinerzeit auch niemand anderes, weil es ein sehr unsicheres finanzielles Unterfangen war, weshalb man bei den Spiele von 1984 erstmals massiv auf eine Kommerzialisierung des Ereignisses abzielte), waren geprägt von einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, obwohl Jobs in der Industrie im Niedergang waren. Es verstärkte sich der Trend der Separierung zwischen einem gut bezahlten und hochqualifizierten Arbeitsmarkt und der rasant anwachsenden Gruppe von Niedriglohnjobs. In diesen fanden sich Mexikaner wieder, insbesondere sogenannte „Illegale“, daher Menschen, die ohne gültige Papiere eingewandert sind. Der wirklich lesenswerte Roman „America“ von T.C. Boyle erzählt recht eindrucksvoll vom Leben in LA in den 1990er Jahren und der Frage der illegalen Einwanderung und Migration. Zweifellos ist die Migrationswelle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch vielfältiger geworden, als je zuvor und macht Los Angeles heute zu einer, wenn nicht der, ethnisch vielfältigsten Metropolen der Welt. Waren 1970 noch 70% der Einwohner angelsächsischer Herkunft, so waren es 1990 bereits 60% nicht-angelsächsischer Herkunft. Dabei spielt gleichfalls die Zuwanderung aus Asien eine Rolle, die rund 10% der Einwohner im LA County stellen, während in den letzten Jahrzehnten aber eine Re-Latinisierung (es darf nicht vergessen werden, dass die ersten Einwohner der Stadt bekanntlich Spanier und dann Mexikaner waren) maßgeblich für die Veränderung von Los Angeles ist, mit einem gewaltigen Anteil an neuen Einwohnern aus Mexiko und weiteren Ländern Lateinamerikas.
Das Bild der Stadt in den letzten dreißig Jahren ist jedoch nicht wirklich immer ein Glanzvolles gewesen. Der immer noch zunehmenden Autoverkehr führte schon seit den 1970er Jahren zu Problemen mit Smog, neben dem fast endlosen Staus der Stadt (in keiner Stadt der Welt steht man häufiger als in LA). Deshalb investiert man seit den 1990er Jahren wieder verstärkt in den schienenbezogenen Nahverkehr mit dem Bau eines neuen Stadt- bzw. U-Bahnsystems. Obwohl dabei viele Milliarden Dollar investiert wurden, ist der Erfolg überschaubar. Zum einen liegt dies daran, dass ein Untergrundbahnsystem in einem Erdbeben gefährdeten Gebiet äußerst kostenintensiv ist, zum anderen aber auch an der starken Zersiedlung des Stadtgebiets und dem damit verbundenen Umstand das nicht nur lange Distanzen zurückgelegt bzw. gebaut werden müssen, sondern auch das Haltestellen zu Fuß in einer ausgetretenen Siedlungsstruktur einen geringeren Einzugsbereich haben.
Gleichfalls sind es soziale Konflikte, die in Los Angeles immer wieder hochkochen, wie bei den Unruhen von 1992. Auslöser, dieser wiederum größten Rassenunruhen in der Geschichte der USA, war der Freispruch von vier (weißen) Polizisten, die den Afroamerikaner Rodney King auf offener Straße misshandelten und dabei gefilmt wurden. Nach dem als skandalös empfundenen Urteil kam es vom 29.April bis zum 2.Mai zu solch gewalttätigen Ausschreitungen, dass 53 Menschen dabei starben und weit über 2.000 verletzt wurden.
Ein weiteres Problemfeld der Stadt ist die hohe Bandenkriminalität, die einige Stadtteile – insbesondere nachts – zu einer wenig empfehlenswerten Destination machen. So ist zum Beispiel die Mordrate in Compton sechsmal höher, als die des Bundesdurchschnitts der USA (die bekannterweise auch nicht die niedrigste der Welt ist).
Trotzdem etabliert sich Los Angeles im 21. Jahrhundert als Wirtschafts- und Kulturstandort nicht nur der Westküste der USA, sondern im verstärkten Maße auch im pazifischen Maßstab. Während Disneyland oder die Filmstudios immer noch die großen Magneten für Besucher sind, etablieren sich Museen und Galerien, nicht nur in der Westside, sondern auch in Downtown. Auch wenn die Stadt versucht sich herauszuputzen, so wie bei der Walt Disney Concert Hall, bleibt Los Angeles keine wirklich schöne Stadt, aber der kurze Blick in die Geschichte hat gezeigt, dass sie eine wahrlich spannende City ist und wohl auch bleiben wird.

Empfohlene Literatur:

Davis, Mike „City of Quartz“; 1992

Edward W.Soja und Allen J. Scott „Los Angeles 1870 – 1990“, in: Wolfgang Schwentker (Hrsg.) „Megastädte im 20. Jahrhundert“; 2006

urban facts Los Angeles

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum)

Stadtgebiet: 3.976.322 (2016)
Metro Area: 12.828.837

Einwohnerentwicklung

Stadt +4,8% (2010-2016)
Metro Area: +3,7% (2000-2010)

Fläche

Stadt: 1.302 km² (davon 1.214km² Land und 88 km² Wasser)
Metro Area: 12.562 km²

Bevölkerungsdichte

Stadt: 3.275 Einw./km²
Metro Area: 1.025 Einw/km²

Koordinaten

34°03´N
118°15´W

Geographische Höhe

93m
tiefster Punkt: 0m
höchster Punkt: 1.547m (Mt. Lukens) jeweils im Stadtgebiet

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

379 mm / 35,7 / 3254

Fluss

Los Angeles River (mündet hier nach 77km in den Pazifik)

Infrastruktur:

Bürgermeister

Eric Garcetti (seit 2013, Demokrat)

Verwaltungstechnische Bedeutung

Charter City

Anzahl Besucher im Jahr

42,9 Mio. im LA County (2016)

Platz in der Mercer-Studie

58. (2017)

Global City Status

Alpha (3. höchste Kategorie)

Flughafen

Los Angeles International Airport (LAX; eröffnet 1937; 80,9 Mio; PAX 2016; 2.größter Flughafen USA; 4. größter weltweit ; 4 Landebahnen, 9 Terminals; 20km SW der Innenstadt)

ÖPNV

Metro: 6 Linien (2 U- 4 S-Bahn) auf 137km mit 80 Stationen, eröffnet 1990 (U-Bahn 1993)
Bus: 191 Linien auf 2306km Linienlänge (3 Arten: Metro Local – Orange, Metro Rapid – Rot, Metro Express – Blau)

ÖPNV Eigentümlichkeiten

LA hatte ab 1873 bereits eine erste Pferdebahn und in den 1930er Jahren ein großes Straßenbahnnetz mit rund 1.900km Liniennetz, 1963 komplett stillgelegt bedingt auch durch großen amerikanischen Straßenbahnskandal

Entfernung nach…

San Diego LL: 180km (Auto: 1h50min; Bahn: 3h)
San Francisco LL: 560km (Auto: 5h 45min; Bus: 7h45min)
Chicago LL: 2800km (Auto: 29h, Bus: 43h)
New York LL: 3940km (Auto: 40h, Bus: 66h)

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten

3 staatliche Unis:
California State University Los Angeles (CSULA; gegründet: 1947; 21.000 Studenten)
California State University Northridge (CSUN; gegründet 1958; 33.000 Studenten)
University of California, Los Angeles (UCLA; gegründet: 1919; 43.000 Studenten)
privat (Auswahl):
University of Southern California (USC; gegründet 1880; 36.000 Studenten)
Loyola Marymount University (LMU; gegründet: 1911; 8.800 Studenten)

Anzahl Museen

99 allein in City of LA + 133 im LA County

Sportvereine der Stadt

Football:
LA Rams: gegründet 1937 in Cleveland, von 1946-94 in LA, dann in St.Louis, seit 2016 wieder in LA; 1x Superbowl Sieger (99); Ø-Zuschauer: 59.379 (nach 4 Heimspielen 2017) @ LA Memorial Coliseum (93.607)
LA Chargers: gegründet 1960 in LA, von 1961 bis 2016 in San Diego, seit 2017 wieder in LA; 1x runner up im Superball 1994; Ø-Zuschauer: 25.308 (nach 5 Heimspielen 2017) @ StubHub Center (27.000)
ab 2020 spielen beiden Mannschaften im neuen Football Stadion in Inglewood
Basketball:
LA Lakers: gegründet 1946 als Detriot Gems, von 47-59 in Minneapolis, seit 1960 in LA, 16 Meisterschaften, Ø-Zuschauer (2016-17): 18.949 @ Staples Center (19.060)
LA Clippers: gegründet 1970 als Buffalo Braves, 1978-84 San Diego Clippers und seit 1985 in LA, Ø-Zuschauer: 19.088 (16/17) @ Staples Center (19.060)
Eishockey:
LA Kings: gegründet 1966 in LA; 2x Stanley Cup Sieger, Ø-Zuschauer (16/17): 18.204 @ Staples Center (18.118)
Anaheim Ducks: gegründet 1993: 1x Stanley Cup Sieger; Ø-Zuschauer (16/17): 15.942 @ Honda Center (17.147)
Baseball: LA Dodgers: gegründet 1883 als Brooklyn Atlantics, seit 1932 Brooklyn Dodgers, 1958 Umzug nach LA; 6x WorldSeries Sieger, Ø-Zuschauer (2017): 46.492 (bei 81 Heimspielen!) @ Dodger Stadium (56.000)
Fußball: LA Galaxy: gegründet 1995, 1x CONCACAF CL Sieger, 5x Meister, 2x Pokalsieger; Ø-Zuschauer (2017): 22.246 @ Stub Hub Center

Tageszeitung der Stadt (Auflage)

LA Times (Erstausgabe: 1881; Auflage: 629.000 Mo-Sa; 945.000 So)

Erste urkundliche Erwähnung

4.9.1781

Gegründet von:

(Neu-)Spanier

Großstadt seit

1900

Meisten Einwohner im Jahr

heute

City Branding

LA, City of Angels, La La Land, City of Flowers and Sunshine, The Big Orange, Southland

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Hollywood

Architektonisches Highlight

Wal Disney Concert Hall

Prachtstraße

Rodeo Drive

Höchstes Gebäude

Wilshere Grand Center (334m)

Meist fotografierte Gebäude

Downtown LA

Konzernzentralen von

Unterhaltungsindustrie:
20 Century Fox, Dreamworks, Paramount Pictures, The Walt Disney Company, Warner Bros.
Weitere Konzerne:
Mattel (Spielzeug), Unocal (Petrochemie),

Anzahl Pendler

471.000 pendeln ins LA County täglich ein (2013)

Straftaten auf 100.000 Einwohner

408 (Gewaltverbrechen) dabei 6,7 Morde; 2269 (Diebstahl) auf je 100.000 Einwohner (2013)

Verfügbares Einkommen im Haushalt

64.300 $

Arbeitslosenquote

8 %

Bevölkerungsentwicklung:

1781

1800

1820

1836

1850

1870

1880

1890

1900

1910

44

315

650

2.228

1.610

5.728

11.183

50.395

102.479

319.198

1920

1930

1940

1950

1960

1980

1990

2000

2010

576.673

1.238.043

1.504.277

1.970.358

2.479.015

2.966.850

3.485.557

3.694.820

3.792.621

 

Los Angeles

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Nein, Los Angeles ist keine wirklich schöne Stadt. Vielleicht liegt dies daran das sie eine Größe erreicht hat, die nur schwer zu überschauen ist, vielleicht auch daran, dass sie dadurch fast schon zwangsläufig zu einer Autostadt geworden ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Downtown so isoliert in der riesigen Fläche von LA – wie man gemein hin sagt – liegt, dass man nicht das Gefühl hat im Kern der Stadt zu sein, sondern nur auf einem anderen irgendwie hingeklatschten Stückchen Erde zu sein. Los Angeles wirkt eher wie eine Stadt der vielen Städte und tatsächlich macht das dieses Moloch, diesen urbanen Großraum, die Megacity, die Weltstadt, zu einem unglaublich interessanten Ort, der eine kurze Geschichte hat, die immer nur eine Richtung kannte, den Boom.

Los Angeles großes Plus ist die Vielfältigkeit. Hier stehen die Traumfabriken von Hollywood, mit ihren Bilderwelten, die den ganzen Globus unterhalten. Die Stadt ist vielleicht der Größte Schmelztiegel aller Ethnien, den auf der Welt gibt. Insgesamt 224 Sprachen sprechen die Einwohner der Stadt. Mit bis zu 17 Millionen Einwohnern (je nachdem wo man die Grenzen des riesigen Ballungsraums zieht) ist Los Angeles vielleicht die flächenmäßig größte Megacity der Welt. Die Stadt war die erste Autofahrerstadt auf dem Globus und hält auch heute noch den wenig schmeichelhaften Titel der staureichsten City auf dem Planeten. Es gehört quasi zur DNA der Stadt, das Auto benutzen zu müssen, was nicht so sehr mit der Lauffaulheit der Angelenos zu begründen ist (ganz im Gegenteil, im Schatten von Hollywood herrscht ein großer Körperkult), sondern weil es strukturell einfach anders kaum geht. Die zahlreichen Stadtteile und Städte reihen sich aneinander und sind so vielfältig, dass sie nicht anders erreicht werden können (außer man bringt sehr viel Zeit und mancher Orts auch Mut mit). In der Stadt der vielen Städte kann man dann jedoch die unterschiedlichsten Gesichter treffen. Während sich am Hollywood Boulevard die trink- und feierwütigen Touristen treffen, kann man in Melrose nette Bars und Kneipen finden, man kann in die Parallelgesellschaften von Beverly Hills im Rodeo Drive abtauchen (sehr reich), oder in Watts (sehr arm) besorgt nach rechts und links schauen, um nicht – aus europäischer Sichtweise – in ein noch übler aussehenden Straßenzug zu gelangen. In Downtown kann man unter den Wolkenkratzern entlang spazieren, nur um sich wenige Blocks weiter zwischen so vielen Obdachlosen wieder zu finden, dass man erstaunt ist nur 5 Minuten und nicht 5 Stunden gelaufen zu sein. Während der Reichtum der Stadt, wie in Bel Air gern hinter den höchsten Hecken der Welt versteckt, ist die Armut der Stadt viel schneller zu sehen.

Los Angeles, Kalifornien, der Magnet für Millionen – wird wohl nie zu den schönen Städten zählen, immer aber zu den Interessanten.