Die demographische Größe der Stadt

Der Blick auf die Stadt kann ganz unterschiedliche Perspektiven annehmen. Wie alt ist die Stadt? Welche kulturelle oder administrative Bedeutung hat sie? Wie ist sie geformt? Wie lebt man in ihr? Ein sehr einfaches und für gewöhnlich recht häufig gebrachtes Mittel zur Einordnung von Städten ist, sie nach ihrer Größe zu ordnen. Man zähle die Einwohner zusammen und fertig!

Es ist aber gar nicht mal so einfach festzustellen, wie groß Städte konkret sind, denn Städte sind heute keine ummauerten Einheiten mehr, wie im Mittelalter und selbst in jener Zeit gab es durchaus Gebäude vor diesen Mauern, die nur deshalb gebaut wurden, weil es hinter den Mauern urbanes Leben gab, dass die Menschen anzog dort zu siedeln. Für die Angabe wie groß eine Stadt ist, daher wie viele Menschen sie bewohnt ist die Frage relevant bis wohin sich eine Stadt zieht. Die Grenzen der Stadt, sind nicht unbedingt die irgendwann mal festgelegten administrativen Stadtgrenzen (die sich durch Eingemeindungen etc. historisch schnell ändern können), denn diese sagen nicht immer wirklich viel über die tatsächliche Stadtgröße aus. Ein schönes Beispiel dafür ist Brüssel, die Hauptstadt Belgiens. Die Stadt Brüssel hat lediglich 176.000 Einwohner auf 32,6 km² (das sind ungefähr so viele Einwohner wie das nordrhein-westfälische Hamm hat). Sie ist aber nur Teil von 19 (Stadt-)Gemeinden, die zusammen die Region Brüssel-Hauptstadt ausmachen und 1,2 Mio. Einwohner haben, die sich auf 161 km² verteilen. Bei dieser Angabe wird die Größe der Stadt schon deutlicher. Ein Extrembeispiel wenig hilfreicher Stadtgrenzen stellt die chinesische Stadt Chongqing dar. Sie ist eine regierungsunmittelbare Stadt mit einer Verwaltungseinheit der Größe von 82.408 km², was in etwa die Größe Österreichs darstellt! Hier wohnen 28,8 Mio. Menschen, jedoch zumeist in ländlichen Siedlungen, denn die Einwohnerdichte des Gebietes liegt niedriger als die der Niederlande.
Ein Blick auf den Ballungsraum der Stadt ist vielmals viel zielführender um bestimmen zu können wie groß eine Stadt ist, im Fall von Chongqing ist er mit etwa 8 Mio. Einwohnern angegeben. Wie in den beiden Beispielen gezeigt, sagen die Stadtgrenzen nicht immer viel über die Größe der Stadt aus, wobei der Fall Chongqing eine Ausnahme darstellt, da hier die administrativen Grenzen viel zu weit gezogen sind um die Größe der Stadt zu ermitteln. Der Normalfall ist andersherum1.
Städte, als urbane Verdichtungen hören daher nicht immer an ihren Stadtgrenzen auf, sondern beinhalten auch Vororte und urbane Randlagen, die dann als Ballungsgebiet oder Agglomeration bezeichnet werden. Damit ist ein Verdichtungsraum gemeint, der wechselseitig verflochtene Gemeinden mit einer höheren Konzentration von Siedlungsflächenanteil und Siedlungsdichte. Im Regelfall gruppieren sich die Agglomerationen um eine Kernstadt und werden dann als monozentrische Agglomerationen bezeichnet (bspw. Ballungsräume wie Stuttgart, München, Berlin…). Sind mehrere Oberzentren vorhanden und lässt sich keine zentraler Hauptkernstadt ausmachen, so kann von einer polyzentrischen Agglomeration gesprochen werden (bspw. das Ruhrgebiet.2 Die Grenzen noch weiter ausweitend ist die Metropolregion, deren Fläche sich dann noch weit über das Ballungsgebiet hinaus ausdehnt. So umfasst die Metropolregion Berlin / Brandenburg eine Fläche von 30.546 km², und damit rund ein Drittel der Fläche ganz Ostdeutschlands. Diese Bestimmung scheint dann aber wieder zu weit gegriffen, da sie bis weit in unbesiedelte Randbereiche hinausreichen und nicht mehr viel, bis gar nichts mit der Kernstadt zu tun haben. Metropolregionen sagen so, fast gar nichts mehr über die Stadt und ihre Größe aus.
Ungünstigerweise kann man zusammenfassen: die Größe der Stadt ist ein etwas schwammiges Kriterium, denn selbst wenn man sich darauf einigt, dass diese immer innerhalb des Ballungsraumes befindet, bleibt die Frage, was diesen ausmacht und wie groß er letztendlich ist. Dabei muss gleichzeitig festgehalten werden das bei dieser Betrachtung Stadt nicht gleich Stadt ist. Denn Städte, die ein Ballungsgebiet über ihre eigenen Stadtgrenzen hinaus ausgebildet haben, können andere Städte innerhalb dieses Raumes quasi „vereinnahmen“, wobei dies ein irreführender Begriff ist. Das Wachstum einiger Städte breitet sich auf andere Städte aus und macht aus diesen Vorstädte (die tatsächlich auch ein Stadtrecht haben), die in einem engen funktionalen Zusammenhang mit ihrem „Oberzentrum“ stehen. Man denke hier an Beispiele wie Potsdam, das auch als Vorstadt von Berlin angesehen werden kann, oder an Alcalá de Henares als Vorstadt von Madrid.3
Historisch bildet sich die Situation der Ballungsgebiete mit der Phase der Industrialisierung heraus. Seit der industriellen Revolution wirken Städte wie große Magnete und ihre Einwohnerzahlen steigen – zumindest anfangs- dramatisch. Die Bevölkerung der Erde fängt an sich stark zu vermehren und erstmals in der Historie des Planeten wächst sie am dynamischsten in Städten. Obwohl die Weltgeschichte schon in der Antike große Städte kannte (man denke an Rom) ist es erst das 19. Jahrhundert das vermehrt Millionenstädte hervorbrachte (um 1900 waren es ungefähr 20, 100 Jahre früher gab es mit London nur eine). Im 20. Jahrhundert bilden sich daraus Megastädte, also urbane Verdichtungen von mehr als 5 Millionen Einwohnern, wovon es momentan schon über 50 auf der Erde gibt. Diese Megacities wachsen weit über ihre historische Innenstadt hinaus und bilden Vorstädte aus, die wenn sie allein betrachtet werden, teilweise selbst Millionenstädte sein können. Incheon beispielsweise hat 2,8 Millionen Einwohner und ist statistisch die 3.größte Stadt Südkoreas, liegt aber nur 30km von Seoul entfernt und kann als Trabantenstadt des nochmals ungleich größeren Seouls verstanden werden.

Eine Einordnung eines solchen Ballungsraums findet sich bei Dirk Bronger, der wiederum auf ein Modell von Olaf Boustedt zurück geht und als Stadtregion-Modell bezeichnet wird. Im Mittelpunkt (nicht unbedingt geografisch) liegt die Kernstadt (core city). Bis in die Gegenwart ist sie das funktionale Herz. Hier finden sich nicht nur zahlreiche kulturelle Einrichtungen und administrative Institutionen, sondern auch die Zentralen größerer Unternehmen. Statistisch sind die core citys zumeist mit den administrativen Stadtgrenzen gleichzusetzen, wobei es sich dann um „underboundes cities“ (siehe Anmerkung 1) handeln muss. Historisch gesehen wurden die Grenzen dieser Kernstädte gesprengt, einen Prozess den man Suburbanisierung nennt und der stark vereinfacht heißt, das Menschen aus der Innenstadt hinaus in nah angrenzende Gebiete gezogen sind. Daher schließt sich als nächstes das Ergänzungsgebiet an, dessen Siedlungscharakter sich in struktureller und funktionaler Hinsicht der Kernstadt ähnelt. Sowohl die Kernstadt als auch das Ergänzungsgebiet bilden zusammen das Kerngebiet der Agglomeration der Stadt. Dahinter folgt die verstädterte Zone, die schon eine deutlich aufgelockerte Siedlungsstruktur erkennen lässt, wobei die Bevölkerung hier immer noch insbesondere gewerblich stark vom Kerngebiet beeinflusst ist. Täglich fahren von hier aus die Pendler in die Kernstadt.Dieser Prozess der Suburbanisierung ist historisch nicht allzu alt und setzte als erstes in London um 1900 ein. Verstädterte Zone, Ergänzungsgebiet und Kernstadt bilden zusammen die metropolitane Agglomeration, an deren Ende die Randzone beginnt, in welcher immer noch Pendler leben können, die aber schon eine ländliche Besiedlungsstruktur hat, mit einer sehr geringen Einwohnerdichte insbesondere im Vergleich zur Kernstadt. Bei der historischen Einordnung des beschriebenen Prozess der Ausbreitung der Stadt, spricht Bronger von historischer, interner und externer Suburbaniserung, je nachdem wann und wohin sich das urbane Stadtgebiet ausgeweitet hat.

Urbane Zone

Zusammenfassende Zone

Prozess

Kernstadt

   

Ergänzungsgebiet

Kerngebiet

Historische Suburbanisierung

Verstädterte Zone

Metropolitane Agglomeration

Interne Suburbanisierung

Randzone

Metropolregion

Externe Suburbansierung

Diese Abgrenzung gilt natürlich nur für Großstädte, die Ballungsräume entwickelt haben und machen für Kleinstädte in der Regel keinen Sinn. Gleichzeitig sind auch hier die Grenzen von Stadt zu Stadt, gerade im weltweiten Vergleich immer wieder problematisch zu ziehen. Wo beginnt die verstädterte Zone und wo endet das Ergänzungsgebiet? Wo auch immer man daher eine Stadtgröße definiert, sollte angegeben werden, welche Bezugsfläche man annimmt. Das soll am Beispiel Stuttgart gezeigt werden:
Die Stadt Stuttgart hat 628.032 Einwohner auf einer Fläche von 207km² und ist so die sechstgrößte Stadt Deutschlands. Damit ist das rein administrative Stadtgebiet gemeint. Verlässt man diese relativ klar zu ziehende Grenze wird die genaue Einwohnerzahl undeutlich. Die offiziell nächst größere Einheit wäre die Region Stuttgart, einer Planungsregion welche den Stadtkreis und die fünf umliegenden Landkreise beinhaltet. Dabei handelt es sich um einen regionalen Zusammenschluss der sechs Verwaltungseinheiten, die gemeinsam die Aufgaben der regionalen Raumplanung, Verkehrsplanung und Wirtschaftsförderung übernehmen. Jedoch verliert dieser immerhin 3.653 km² große Bereich erheblich an urbanen Charakter, da er insbesondere in den fünf Landkreisen sehr in den ländlichen Bereich ausfranzt. So hat die kleine Gemeinde Kaiserbach im Osten des Rems-Murr-Kreises nur noch 2.500 Einwohner die sich mit einer Dichte von 89 Einwohner auf den km² verteilen, was in etwa der Bevölkerungsdichte des Landes Brandenburg entspricht. Noch größer ist der Rahmen der Metropolregion Stuttgart, die sich auf über 15.000 km² ausdehnt und rund 5,3 Mio. Einwohner hat. Bei einer Bevölkerungsdichte von 342 Einwohner ist die Metropolregion eher eine theoretische Größe, die für die (wirtschaftliche) Leistungsstärke der Region vielleicht Auskunft geben kann, für die Beschreibung Stuttgarts sicherlich weitaus weniger.
Eine andere Annäherung schlägt die wunderbare Internetseite citypopulation von Thomas Brinkhoff vor. Sie berechnet für Stuttgart lediglich die besiedelten Räume, also nur jene Gebiete die tatsächlich bebaut sind und kommt so für das urbane Gebiet Stuttgart (u. a. mit den Vorstädten Esslingen und Ludwigsburg) auf die Bevölkerungszahl von 1,35 Mio. Dies würde bei Bronger wohl am besten zur Definition des Kerngebietes passen. Nimmt man den Bereich der urbanen Agglomeration, bei Bronger die verstädterte Region, dazu, kommt man auf über 2 Millionen Einwohner. In der folgenden Tabelle werden die Daten zusammen gefasst:

Einheit

Einwohner

Fläche

Einwohner / km²

Stadtkreis Stuttgart

628.032

207 km²

3.029

Region Stuttgart

2.735.425

3.653 km²

749

Metropolregion Stuttgart

5.300.000

15.400 km²

342

Urbanes Gebiet Stuttgart

1.353.500

292 km²

4.633

Urbane Agglomeration Stuttgart

2.333.000

621 km²

3.759

Auffällig ist, dass bei den Berechnungen von citypopulation.de die Einwohnerdichte für die erweiterten Gebiete höher sind als für das reine Stadtgebiet bzw. die Kernstadt. Wer daraus ableitet das in den Vororten eine dichtere Besiedlung herrscht, als in der Kernstadt liegt damit aber nicht (automatisch) richtig. Vielmehr wurden – wie bereits erwähnt nur tatsächlich besiedelte Gebiete in die Berechnung einbezogen. Damit fallen aber die zahlreichen Grünanlagen, größere Parks und Stadtwälder aus den Berechnungen heraus (am Beispiel Dresden wäre dies die immerhin 50 km² große Dresdner Heide oder aber auch der sehr zentral gelegene Große Garten). Dies ist durchaus diskutabel, den größere Parks sind teilweise elementare Bestandteile der Stadt und Orte urbanen Lebens und insofern weit mehr als die „grüne Wiese“. Trotzdem ist mit den letztgenannten Berechnungen am besten angegeben wie die Größe einer Stadt berechnet werden kann, weshalb auch auf tommr.net darauf zurückgegriffen werden soll.

Mehr zum Thema bei:

Dirk Bronger (2016): „Metropolen, Megastädte, Global Cities. Die Metropolisierung der Erde“
Diese Buch gibt einen sehr guten Überblick über das Feld Megastädte und Global Cities und erörtert Fragen angefangen von er Größe der Städte bis hin zu ihrer funktionalen Verflechtung in das staatliche, als auch globale Umfeld. Zahlreiche Statistiken zeigen sehr interessante Fakten auf. Einzig die schreckliche Fehlerhaftigkeit ist sehr störend, (in vielen Tabellen finden sich beispielsweise Tippfehler, gegen Ende des Buches wird das immer schlimmer)

citypopulation.de bietet einen beeindruckenden Blick auf Städte und ihre demographische Größe weltweit.

 

Fußnoten:

1 Schon in den 1950er Jahren hat der Geograph Kingsley David modellhaft drei Typen von Stadtgrenzen und Bevölkerungsstand genannt.
Eine „overbounded city“ ist eine Stadt dessen Grenzen weiter als das städtische Gebiet reichen, als Beispiel würde hier Chongqing gelten. Eine „underbounded city“ ist im Gegenteil eine viel zu eng begrenzte Stadt, deren urbanes Gebiet über die Stadtgrenzen hinausreichen. Dies trifft für einen Großteil insbesondere von Großstädten zu. Ein Idealfall wäre die „truebounded city“, wo die Grenzen der Stadt und des urbanen Raumes gleich sind. Ein annäherndes Beispiel dafür ist das spanische Zaragoza.

2 Polyzentrische Agglomerationen können jedoch ein Wahrnehmungsproblem haben, in der Form das sich niemand als Teil dieser Agglomeration ansieht. Hier wäre zu fragen, ob es überhaupt eine gemeinsame Wahrnehmung als städtisches Gebiet gibt. Im Ruhrgebiet ist dies sicherlich vorhanden.

3 Sowohl Postdam, als auch Alcalá de Henares haben aber eine eigene Geschichte, die unabhängig vom Ballungsgebietsstadt ist, in welcher sie sich jetzt befinden. Im Fall von Alcalá ist diese Geschichte um viele Jahrhunderte älter!

Geschichte von Los Angeles

Every city has ist boom, but the history of Los Angeles is the history of booms” [Carey Mc Williams]

Am 4. September 1781 gründeten 44 Siedler in der Nähe der franziskanischen Mission San Gabriel die Gemeinde Los Angeles. Tatsächlich war es aber die folgenden Jahre recht einsam im Süden des heutigen Kaliforniens. Auf großen Farmen wurde Landwirtschaft betrieben und es gab etwas Handel mit von der Ostküste der USA kommenden Schiffen. Dem ein oder anderen Seemann muss die Gegend angenehm vorgekommen sein und er sah im wohltemperierten Klima dieses so weit abgelegenen Ortes die Möglichkeit, selbst Geld zu machen. Ein Beispiel dafür ist Abel Stearns, der in den 1820er Jahren aus Massachusetts hier landete und sich schnell zum Katholizismus der damaligen Einwohner bekehren ließ, denn Kalifornien gehörte bis 1848 zu Mexiko (und vor dessen Unabhängigkeit zu Spanien, mehr Details gibt es im Beitrag zur Geschichte Kaliforniens). Stearns ließ ein Warenhaus bauen, eröffnete eine Pferdekutschenverbindung und wurde in den 1840er Jahren Besitzer weiter Landflächen, die er zur Viehzucht nutzte. Der steigende Wohlstand im Norden Kaliforniens, durch den Goldrausch von 1849, erhöhte die Absatzmärkte von Vieh. Der Wirtschaftszweig florierte bis eine große Dürre in den 1860ern abertausende von Tieren dahinraffte und die ursprünglichen Rancheros in große wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte.
Sonst blieb das Örtchen Los Angeles von den Auswirkungen des Goldrausches im Norden des Bundesstaates kaum beeinflusst und hatte bis zu seiner Erlangung des Stadtrechts 1850 nicht mehr als 2.000 Einwohner. Trotzdem trug das seiner Zeit eher unbekannte Städtchen den Beinamen „Höllenstadt“, weil es einer der gefährlichsten Orte der USA war. So soll es im Los Angeles County pro Tag einen Mord gegeben haben und das bei einer Gesamtbevölkerung von 3.600 Einwohnern.
Der Ruf verschlechterte sich noch mit den chinesischen Massakern von 1871, als 20 Chinesen von einem wütenden weißen Mob getötet wurden. Ein rassistischer Hass auf die Chinesen war damals ein weitreichendes Phänomen in Kalifornien, wo es durch die pazifische Anbindung in jeder größeren Ansiedlung auch einige Asiaten gab, die häufig in ihren eigenen Vierteln lebten, wie ab den 1880er Jahren auch in Los Angeles. Das Chinatown befindet sich heute noch etwas nördlich der Innenstadt (für das es aber auch schon eine suburbanisierte Form gibt, das New Chinatown). Der größere Teil der Bevölkerung war über das landesweit Aufmerksamkeit erhaltene Massaker schockiert. Die kriminellen Machenschaften und die Rufschädigung wollte und konnte man nicht auf sich sitzen lassen und so gründete man Einrichtungen, wie das „Rebuild LA Committee“, welche sich für eine bessere urbane Zukunft von Stadt und Region einsetzten. Tatsächlich startete ab den 1880er Jahren ein Boom in Los Angeles. Noch 1880 war die Stadt auf Rang 187 im US-Zensus der größten Städte. Nur 40 Jahre später war es schon die größte Stadt im Westen des Landes. Wie konnte das passieren?

Anders als in San Francisco, in dessen Umgebung man Gold fand, waren schnelle Reichtümer aus der Erde hier nicht zu finden, sieht man von den begrenzten Erzvorkommen im Death Valley ab, das aber erstens weit entfernt war und zweitens bei weitem keine so große wirtschaftliche Strahlkraft hatte, wie das Gold und später das Silber das in San Francisco gehandelt wurde. Der schon angesprochene Niedergang der Vieh-Ranchs ab den 1860er Jahren, führte zu einer Umverteilung der Besitzverhältnisse, die für die weitere Entwicklung nicht unwichtig wurde. Neues Kapital kam aus San Francisco, wo die Besitzer der Silberbergwerke und der neuen transkontinentalen Eisenbahn erheblichen Reichtum angehäuft hatten und den nun ruinierten Weidelandbesitzer ihr Land abkauften. Es stand zur Debatte, was man mit den Landflächen am besten anstellen könnte. Es wurde Schafwirtschaft betrieben und später Weizen angebaut. Auch wenn man damit einige Zeit gute Profite einstrich, war dies keine Boomwirtschaft und die Gewinne waren überschaubar. Es musste sich also etwas ändern.
Die Voraussetzungen für den schnellen Aufstieg der Stadt lagen in der Eisenbahn und dem Bau einer zweiten kontinentalen Eisenbahnverbindung Kaliforniens von Los Angeles aus in Richtung New Orleans. Die Stadt sollte zu einem neuen Verkehrsknotenpunkt werden. Tatsächlich waren die ersten Jahre der Anbindung, keinesfalls als erfolgreich zu bezeichnen. Die lokale Landwirtschaft litt unter billig herangebrachten Produkten aus dem Osten. Die Eisenbahn sah sich in der Verantwortung, die Landwirtschaft in der Region zu stärken, wollte man weiterhin zahlreiche Güter von und nach Los Angeles transportieren und damit Geld machen. Der Anbau von Zitrusfrüchten war eine geeignete Lösung. Sie zog zahlreiche neue Investoren an, welche gleichzeitig den Wert des Landes steigerten. Mindestens ebenso wichtig war, dass man gleichzeitig ein angenehmes Image als mediterranes Paradies aufbauen konnte, wo die Früchte der Sonne wachsen. Daraus konnte wiederum der einsetzende Tourismus der Region gestärkt werden. Mit dem gestiegenen Interesse und sich verteuerndem Land, setze schließlich der Wirtschaftszweig ein, der den Boom in Los Angeles maßgeblich prägte, der Immobilienhandel. Innerhalb der Stadt, angefangen bei der lokalen Zeitung Los Angeles Times, über Banken und Landentwicklungsunternehmen, machten sich wirtschaftliche Akteure daran, ein Image der Stadt zu erschaffen, dass auf den Pfeilern: Sonnenschein und ewig gutes Wetter, keine lästigen Gewerkschaften (entsprechende Gesetze dazu wurden erlassen), sowie der Lebensweise traditioneller (konservativer) Werte abzielte. Das Wesen und die Arbeit der frühen franziskanischen Missionen wurde gepriesen und gefeiert, Südkalifornien und Los Angeles stellten das heile Traumland dar, in Zeiten der Massenverstädterung und des Elends der Arbeiterklasse, war hier eine gesunde Alternative am entstehen. Der Aufbau dieses Images war ein großes Zugpferd für die in Scharen kommenden sogenannten WASPs, weiße Protestanten angelsächsischer Herkunft, welche aus dem Mittleren Westen der USA immigrierten und sich hier ein besseres Leben erhofften.
Die Isolation Kaliforniens des am Rande liegenden Nirgendwo, wurde so allmählich aufgehoben und ersetzt durch das Bild eines reichen und gesunden Südkaliforniens, das noch heute ein Grundpfeiler der kalifornischen Identität ist. Mit Mike Davis, dessen Buch „The City of Quartz“ eine brillante Studie der Stadtgeschichte LAs ist, kann man erstaunt feststellen, dass Los Angeles tatsächlich damals schon eine Imagepflege betrieben hat, wie man sie in den letzten 30 Jahren nur von postindustriellen Städten kennt, die ein (neues) Bild von sich entwerfen müssen (weil die Industriestadt in Nordamerika und Europa ausgedieht hat). In LA tat man das in einer Zeit, als die Stadt noch gar keine Industrie hatte! Schnell wurden neue Städte und Siedlungen gebaut, die sich zu den drei bestehenden Städten Los Angeles, sowie San Buenaventura und San Bernadino zugesellten, wobei klar war das Los Angeles der Kern des neuen urbanen Gebietes war.
Die Landwirtschaft erlebte den erhofften großen Aufschwung und bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich Südkalifornien zum ertragreichsten Gebiet der USA. Durch den nicht versiegenden Strom von neuen Siedlern, erhielt die Bodenspekulation auftrieb, ein Geschäftsfeld das von damals bis heute maßgeblich zum Aussehen und zur Ausbreitung des heutigen LAs beigetragen hat. Schon 1860 stellten übrigens Beobachter fest, in der Stadt gebe es eine höhere Dichte an Immobilienmaklern als irgendwo sonst auf der Welt.
Die konjunkturelle Schwächeperiode der 1890er Jahre zeigte die wirtschaftlichen Schwachpunkte der Region auf, die ganz auf Bauwirtschaft und Immobilien gegründet war. Konsequenterweise wurde in deren Folge ab 1900 verstärkt auf ein bisher nicht vorhandenes industrielles Wachstum gesetzt, dessen Beispiel der nordostamerikanische American Manufacturing Belt gab. Bis 1920 wandelte sich Los Angeles so, zur einer Industriestadt, wenngleich noch auf bescheidenem Niveau. Es etablierte sich die Ölindustrie, bedingt durch Ölfunde im Umland, die neu entstehende Filmindustrie, welche im klimatisch vorteilhaften LA perfekte Bedingungen antraf und die Flugzeugindustrie, die vor allem auf private Initiativen von Unternehmern wie der Loughead Brüder (Lockheed) und Donald Douglas entstand.

Von essentieller Wichtigkeit für den weiteren Aufstieg der Stadt war daher das Schaffen geeigneter Infrastruktur. Mit der Fertigstellung des Los Angeles Aqueducts 1913 und weiterer Trinkwasserverbindungen wurde die wachsenden Stadt mit notwendigem Trinkwasser versorgt. Der Ausbau des Hafens war eine weitere Notwendigkeit und so wurde 1907 der Port of Los Angeles eröffnet.
Zum Wachstum der Stadt gehörte das damals überragend dichte Nahverkehrsnetz der „Red Cars“, das eine intensive, aber nur kurze Geschichte hatte, denn keine andere Stadt der Welt erfuhr so zeitig eine massenhafte Automobilisierung wie Los Angeles, die wiederum zu einer kontinuierlichen Abschaffung der gerade erst eingerichteten Straßenbahnen führte, deren Zahl sich von 1924 bis 34 halbierte, während die großen Boulevards, Figeroua, Pico, Western, Olympic, Wilshire und Sunset breit ausgebaut wurden, um die neue Verkehrslast bewältigen zu können. Schon 1925 gab es in keiner anderen amerikanischen Großstadt so viele Autos wie in LA und die Stadt entwickelte sich von da an, zur weltweit massivsten Autofahrerstadt. 1924 zählte man 310.000 Autos, die täglich in die Stadt hineinfuhren und die Kreuzung Adams/Figueroa Street war mit fast 70.000 Fahrzeugen pro Tag, der verkehrsreichste Punkt der USA. Damals kam ein Auto bereits auf 1,6 Einwohner! Eine Rate auf welche die USA insgesamt erst in den 1950er Jahren kommen sollte. 1940 schließlich wurde der Arroyo Seco Parkway eröffnet, der erste Autobahnabschnitt, der Downtown und Pasadena verband und damit den ersten Teil des komplexen und ständig vollen Autobahngewirrs der Region darstellt (heute gibt es in Greater LA mehr Autos als in ganz Russland!).
Tatsächlich führte die Möglichkeit und die breite Nutzung des wachsenden Individualverkehrs zu einer Abwertung der Downtown innerhalb von Los Angeles. Wurden 1920 noch 90% des Einzelhandels hier durchgeführt, sank diese Rate bis 1950 auf lediglich 17%. Die Autostadt LA ist damit fast schon genetisch mit der Suburbanisierung und ihrer ständig weiteren Dezentralisierung verbunden. Mit dem Bedeutungsverlust der Downtown folgte der Aufstieg der Westside, die sich als Zentrum einer neuen städtischen Elite der Filmwirtschaft etablierte.

Die Migrationströme die sich sich in Los Angeles ansiedelten bekamen im Laufe der Jahre neue Quellen. Mexikanier, aber auch Japaner und Süd- bzw. Osteuropäer immigrierten in die bis dato fast ausschließlich von WASP dominierte Stadt (Indianer spielten schon lange keine Rolle mehr). Los Angeles entwickelte sich zu einem multi-ethnischen Schmelztiegel an der Westküste, der aber mit scharfen ethnischen Separierungen einherging. Tatsächlich waren diese Separierungen ein Ergebnis der Immobilienindustrie. Es waren insbesondere weiße Hausbesitzer, die sich in eigenen „Communities“ versammelten, die darauf bedacht waren, dass der Preis für Grund und Boden wertvoll blieb, was augenschienlich heißen musste, dass nur andere Weiße als geeignete Nachbarn akzeptiert waren. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich Eigentümergemeinschaften, denen nicht nur darum ging Verbesserungen in und für die Nachbarschaft zu erzielen, sondern vor allem auch darum Nicht-Weiße oder Latinos aus ihrem Gebiet herauszuhalten.
Durch die schon erwähnte Dezentralisierung LAs wurde aus dem Wachstum der Stadt, dass Wachstum des Umlands von Los Angeles, wo schon in den ersten zwei Dekaden des 20.Jahrhunderts 40 neue Städte gegründet wurden, die sich polyzentrisch um die Stadt verteilten. Damals war dies noch zum Großteil dem Auffinden von Ölvorkommen geschuldet. Das Ergebnis das schon in jener Zeit zu Tage trat, lässt sich in den Worten von Edward W.Soja und Allen J. Scott folgendermaßen beschreiben: „Die Ölraffinerie, das Automobil, der Flughafen, das Filmstudio, die Gemeinden an den Stränden und in den Bergen, die Arbeitersiedlungen der Immigranten, das Industriegebiet und der Allzwecktourismus – sie alle spannten die Stadt gleichsam auf und ließen damit eine umfassende Pluralität urbaner Orte und Erfahrungen entstehen“ (aus: Schwentker; S. 288).
Die Stadt Los Angeles gemeindete ab den 1920er Jahren zahlreiche umliegende Gebiete (wie bspw. Venice oder Watts) ein und erhielt so ihre heutige Form. Einige Gemeinden konnten sich jedoch ihre Eigenständigkeit erhalten, so wie Beverly Hills und Santa Monica, was den etwas eigenwilligen Grundriss der Kernstadt in der heute riesig ausfransenden urbanen Agglomeration Los Angeles ausmacht. Den flächenmäßig größten Zuwachs machte die Stadt aber schon 1915, als es das San Fernando Valley kaufte und damit ihre Größe verdoppeln konnte. Zum Zeitpunkt des Kaufs noch ein übersichtliches Gebiet mit Farmen, wurde das Tal besonders nach dem 2. Weltkrieg zu einem der zentralen Baustellen des neuen „LA suburbia“ mit ihren typischen Einfamilienhäusern, kleinem Garten und Pool, breiten Boulevards und Einkaufszentren.
Der Wachstumsboom setzte aber bereits in den 1920er Jahren ein, als außergewöhnlicher Bevölkerungsschub Los Angeles erfasste. Die Bevölkerung des LA Countys verdoppelte sich von einer auf zwei Millionen Menschen in dieser Dekade, in welcher Los Angeles 1928 zum ersten Mal Ausrichter von Olympischen Spielen wurde. Auch wenn die Große Depression ab 1929 den Zuzug milderte, verschwand er in den 1930er Jahren nicht. Bis 1940 wurde bereits der komplette Südwesten des LA Countys (das LA County hat eine Größe von 12.308 km², das entspricht fast 80% des Landes Schleswig-Holsteins) besiedelt. Insbesondere Industriearbeiter zogen in die Region, in welchem der sekundäre Wirtschaftssektor das gleiche Wachstum erreichte, wie das in jenen Jahren noch expandierende Detroit. 1935 war Los Angeles die fünftgrößte Industrieregion in der USA, ein Fakt, den man mit der Stadt bis heute eigentlich gar nicht verbindet. Neben den Produzenten der Träume in Hollywood (deren tatsächliches Arbeitskraftpotential nicht zu überschätzen ist), der Ölindustrie und dem Flugzeugbau waren ebenfalls die Zulieferindustrie für Fahrzeuge, der Reifenbau, die Möbelherstellung und die Kleidungsindustrie große hier ansässige Branchen. Die neuen und zumeist billigen Industriearbeitsplätze wurden zum Teil auch von der „dust bowl“ Migrationen besetzt, den sogenannten Okies, welche aber hauptsächlich ins Great Valley zogen, oder aber von ausländischen Immigranten und schwarzen Amerikanern.
Der 2. Weltkrieg und die einsetzende Kriegsproduktion führten zu einem erneuten kräftigen Wachstum. Man kann davon sprechen das Los Angeles eine ganz eigene Form des Keynesianismus bekam, denn staatliche Militärausgaben wurden im großen Maße in Südkalifornien investiert (und somit die Region quasi vom Bundesstaat subventioniert). Militärbasen und die Luftfahrtindustrie entwickelten sich zu blühenden Wirtschaftszweigen, die noch bis weit nach dem 2. Weltkrieg die Wirtschaft ankurbelten und in deren Nachgang zum Aufstieg der Raumfahrtindustrie führte. Dieser neue industrielle Schub beflügelte natürlich auch den weiteren Ausbau der Stadt und damit auch das Kerngewerbe der Stadt, den Immobilienboom.
Bis 1970 wuchs nicht nur das Los Angeles County von drei auf sieben Millionen Einwohnern an, sondern auch die schon darüber hinausgewachsene Agglomeration von Vorstädten breitete sich auf andere benachbarte Countys aus. Insbesondere das südlich gelegene Orange-County verzehnfachte seine Einwohnerzahl in diesen drei Dekaden auf 1,4 Millionen Einwohner. Los Angeles erlebte eine Suburbansierung, daher eine sich in der Fläche ausbreitende Verstädterung die das städtische Kerngebiet räumlich weit hinter sich lässt, wie sie in dieser Form niemals vorher auftauchte. Der Häuserbau ging quasi durch die Decke (wobei man dies eher horizontal sehen müsste). Allein im San Fernando Valley entstanden 1947 über 10.000 neue Wohnhäuser. Hier machte sich der Unternehmer Henry J. Kaiser einen Namen und ein Vermögen, als er preiswerte Fertighäuser vielen, von staatlichen Programmen begünstigten, Kriegsveteranen verkaufen konnte. Das 1950 begonnene Lakewood, östlich von Long Beach war eine nur innerhalb von drei Jahren entstandene Mustersiedlung der Suburbanisierung auf der 17.500 Häuser für 57.000 neue Einwohner entstanden.

Los Angeles schien die Träume aller Immobilien-Käuferschichten erfüllen zu können, ausgenommen vielleicht man gehörte einer der großen Minderheiten an, wie den Mexikanern oder Schwarzen. Diese lebten zunehmend abgekapselt in ihren eigenen Vierteln, wie beispielsweise in East Los Angeles, in dem noch heute 87% der 124.000 Einwohner sich zur ethnischen Gruppe der Latinos zählen (ein interessanter Fakt ist, das East LA eine unincorporated area ist, also ein gemeindefreies Gebiet, dass sich nicht selbst verwalten darf). Wie schon erwähnt, war es nicht einfach möglich für Minderheiten sich in rein Weißen Gebieten anzusiedeln, da diese Mittel und Methoden (auch die Zuhilfenahme des Ku Klux Klans) wählten, um möglichst die Reinheit (in rassischer Sichtweise) und damit die finanzielle Attraktivität ihres Viertels zu bewahren.
Diese Spannungen bleiben nicht ohne Konflikte. Schon 1943 kam es zu den Zoot Suit Unruhen, zwischen in LA stationierten Soldaten und zumeist mexikanisch-stämmigen Jugendlichen. Seit der Zeit des 2.Weltkriegs zogen in einem bisher in dieser Größenordnungen nicht gekannten Ausmaß schwarze Amerikaner nach Los Angeles, da sie hier, beispielsweise in der Luft- und Verteidigungsindustrie, nicht von Rassendiskriminierung betroffen waren. Rund 600.000 Afro-Amerikaner siedelten sich in der Wachstumsmaschine Los Angeles an, wo es für die nicht-Weißen Neuankömmlinge jedoch räumlich immer weniger Platz gab. Sie zogen meistens nach South Central LA, wo viele weiße Siedler daraufhin ihre Wohnquartiere aufgaben und in die gerade nach dem 2.Weltkrieg wie Pilze aus den Boden schießenden Vororten umzusiedeln.
Die Gestaltung der Stadt obliegt somit zunehmend den Besitzern von Wohneinheiten (aber keinesfalls den wenngleich nicht zahlreichen Mietern), welche für die Verbreitung des sich ausufernden Großraums LA verantwortlich sind. Die immer weiter in die Fläche hinauswachsende Stadt wird zu dem Markenzeichen des Großraums Los Angeles. Den neuen Hausbesitzern wird administrativ dazu der Weg geebnet, indem neue Vorort-Ansiedlungen steuerlich besser gestellt wurden, als größere städtische Verwaltungseinheiten. Das führte wiederum zu einem weiteren Entstehen und Auswachsen neuer Siedlungen im Großraum Los Angeles, während die Kernstadt potentiell kräftige Steuerzahler an diese neuen, sogenannten „minimal cities“ im Umland verlor und gleichzeitig mit finanziell schwächeren Gruppen bzw. niedrigeren Steuerzahlern zurückblieb. Ein weiterer Effekt dieser Entwicklung war die Manifestierung einer Ideologie des Anti-Bürokratismus und des Anti-Wohlfahrtstaates, die besonders von den Wohneigentumsgemeinschaften getragen wurde, denen es um die Maximierung der lokalen Vorteile ging. Dies trieb letztendlich auch die Segmentierung der urbanen Landschaft voran und ließ eine Bevölkerung in der Kernstadt zurück, die allerdings wiederum immer stärker auf öffentliche Funktionen angewiesen war.
Ein weiterer Faktor für die Zersiedlung der Stadtregion war die zunehmende Bedeutung der Hochtechnologie, wie der Elektrotechnik, die sich geografisch vom zentralen Industriekern der Stadt entfernte und sich beispielsweise im Orange County ansiedelte, wo wiederum zumeist Weiße Arbeitskräfte wohnten. Diese Trennung der Ethnien wurde (und ist) für Los Angeles zu einem Dauerproblem. Ein weiteres Beispiel lässt sich 1965 bei den Watts Rebellion aufzeigen, den bis dato gewalttätigsten städtischen Aufruhr in der US-Geschichte mit 34 Toten und über 1.000 Verletzten in sechs Tagen Ausnahmezustand.
Der Boom der Region LA schwächte sich in den 1970er Jahren etwas ab. Weitere Zuwächse gab es nun weniger in der Stadt Los Angeles oder im County, als mehr in den benachbarten Countys, weshalb Soja und Scott vom Übergang „einer Phase der großflächigen Suburbanisierung der Stadt zu einer Periode der breit angelegten Suburbanisierung der gesamten Region“ (S. 294) sprechen. Gelegentlich wird dieser Prozess als „Posturbanisierung“ bezeichnet. Was auch immer man für einen Begriffe gebraucht, einzigartig an der Entwicklung von Los Angeles ist nicht der Fakt, dass der Großraum sich zu einer Megacity entwickelte, sondern das dieses massive Wachstum auch nach 1960 nicht verschwand. Los Angeles wurde zur letzten boomenden Mega-City der voll industrialisierten Welt der USA oder Europas, wo städtische Großräume nur noch langsam weiter wuchsen oder sogar wieder abnahmen (freilich im Gegensatz zu den neuen Boomstädten in Asien oder Lateinamerika, die von da an erst zu boomen begannen und in Anzahl und Einwohnerzahl der 1.Welt heute den Rang abgelaufen haben).
In der Innenstadt, der Downtown von Los Angeles, kam es ab den 1970er Jahren zu einer Neugestaltung, im bis dahin nicht wirklich als Kern der Stadt empfunden Bereich. Neue ökonomische Branchen wie Versicherungen oder die Finanzwirtschaft investierten in einem Hochhausboom in Downtown. Die Stadt bekam in wenigen Jahrzehnten die größte und höchste Skyline der Westküste. Parallel dazu entstand an der Westside, dem alternativen Stadtzentrum ein weiterer Verdichtungsraum aus Hochhäusern, die Century City (das auf dem ehemaligen Außenstudiogelände der 20 Century Fox Filmstudios gebaut wurde). Die 1980er Jahre, in welchem die Stadt ein zweites Mal die Olympischen Sommerspiele ausrichten durfte (allerdings bewarb sich für die Spiele seinerzeit auch niemand anderes, weil es ein sehr unsicheres finanzielles Unterfangen war, weshalb man bei den Spiele von 1984 erstmals massiv auf eine Kommerzialisierung des Ereignisses abzielte), waren geprägt von einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, obwohl Jobs in der Industrie im Niedergang waren. Es verstärkte sich der Trend der Separierung zwischen einem gut bezahlten und hochqualifizierten Arbeitsmarkt und der rasant anwachsenden Gruppe von Niedriglohnjobs. In diesen fanden sich Mexikaner wieder, insbesondere sogenannte „Illegale“, daher Menschen, die ohne gültige Papiere eingewandert sind. Der wirklich lesenswerte Roman „America“ von T.C. Boyle erzählt recht eindrucksvoll vom Leben in LA in den 1990er Jahren und der Frage der illegalen Einwanderung und Migration. Zweifellos ist die Migrationswelle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch vielfältiger geworden, als je zuvor und macht Los Angeles heute zu einer, wenn nicht der, ethnisch vielfältigsten Metropolen der Welt. Waren 1970 noch 70% der Einwohner angelsächsischer Herkunft, so waren es 1990 bereits 60% nicht-angelsächsischer Herkunft. Dabei spielt gleichfalls die Zuwanderung aus Asien eine Rolle, die rund 10% der Einwohner im LA County stellen, während in den letzten Jahrzehnten aber eine Re-Latinisierung (es darf nicht vergessen werden, dass die ersten Einwohner der Stadt bekanntlich Spanier und dann Mexikaner waren) maßgeblich für die Veränderung von Los Angeles ist, mit einem gewaltigen Anteil an neuen Einwohnern aus Mexiko und weiteren Ländern Lateinamerikas.
Das Bild der Stadt in den letzten dreißig Jahren ist jedoch nicht wirklich immer ein Glanzvolles gewesen. Der immer noch zunehmenden Autoverkehr führte schon seit den 1970er Jahren zu Problemen mit Smog, neben dem fast endlosen Staus der Stadt (in keiner Stadt der Welt steht man häufiger als in LA). Deshalb investiert man seit den 1990er Jahren wieder verstärkt in den schienenbezogenen Nahverkehr mit dem Bau eines neuen Stadt- bzw. U-Bahnsystems. Obwohl dabei viele Milliarden Dollar investiert wurden, ist der Erfolg überschaubar. Zum einen liegt dies daran, dass ein Untergrundbahnsystem in einem Erdbeben gefährdeten Gebiet äußerst kostenintensiv ist, zum anderen aber auch an der starken Zersiedlung des Stadtgebiets und dem damit verbundenen Umstand das nicht nur lange Distanzen zurückgelegt bzw. gebaut werden müssen, sondern auch das Haltestellen zu Fuß in einer ausgetretenen Siedlungsstruktur einen geringeren Einzugsbereich haben.
Gleichfalls sind es soziale Konflikte, die in Los Angeles immer wieder hochkochen, wie bei den Unruhen von 1992. Auslöser, dieser wiederum größten Rassenunruhen in der Geschichte der USA, war der Freispruch von vier (weißen) Polizisten, die den Afroamerikaner Rodney King auf offener Straße misshandelten und dabei gefilmt wurden. Nach dem als skandalös empfundenen Urteil kam es vom 29.April bis zum 2.Mai zu solch gewalttätigen Ausschreitungen, dass 53 Menschen dabei starben und weit über 2.000 verletzt wurden.
Ein weiteres Problemfeld der Stadt ist die hohe Bandenkriminalität, die einige Stadtteile – insbesondere nachts – zu einer wenig empfehlenswerten Destination machen. So ist zum Beispiel die Mordrate in Compton sechsmal höher, als die des Bundesdurchschnitts der USA (die bekannterweise auch nicht die niedrigste der Welt ist).
Trotzdem etabliert sich Los Angeles im 21. Jahrhundert als Wirtschafts- und Kulturstandort nicht nur der Westküste der USA, sondern im verstärkten Maße auch im pazifischen Maßstab. Während Disneyland oder die Filmstudios immer noch die großen Magneten für Besucher sind, etablieren sich Museen und Galerien, nicht nur in der Westside, sondern auch in Downtown. Auch wenn die Stadt versucht sich herauszuputzen, so wie bei der Walt Disney Concert Hall, bleibt Los Angeles keine wirklich schöne Stadt, aber der kurze Blick in die Geschichte hat gezeigt, dass sie eine wahrlich spannende City ist und wohl auch bleiben wird.

Empfohlene Literatur:

Davis, Mike „City of Quartz“; 1992

Edward W.Soja und Allen J. Scott „Los Angeles 1870 – 1990“, in: Wolfgang Schwentker (Hrsg.) „Megastädte im 20. Jahrhundert“; 2006

urban facts Los Angeles

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum)

Stadtgebiet: 3.976.322 (2016)
Metro Area: 12.828.837

Einwohnerentwicklung

Stadt +4,8% (2010-2016)
Metro Area: +3,7% (2000-2010)

Fläche

Stadt: 1.302 km² (davon 1.214km² Land und 88 km² Wasser)
Metro Area: 12.562 km²

Bevölkerungsdichte

Stadt: 3.275 Einw./km²
Metro Area: 1.025 Einw/km²

Koordinaten

34°03´N
118°15´W

Geographische Höhe

93m
tiefster Punkt: 0m
höchster Punkt: 1.547m (Mt. Lukens) jeweils im Stadtgebiet

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

379 mm / 35,7 / 3254

Fluss

Los Angeles River (mündet hier nach 77km in den Pazifik)

Infrastruktur:

Bürgermeister

Eric Garcetti (seit 2013, Demokrat)

Verwaltungstechnische Bedeutung

Charter City

Anzahl Besucher im Jahr

42,9 Mio. im LA County (2016)

Platz in der Mercer-Studie

58. (2017)

Global City Status

Alpha (3. höchste Kategorie)

Flughafen

Los Angeles International Airport (LAX; eröffnet 1937; 80,9 Mio; PAX 2016; 2.größter Flughafen USA; 4. größter weltweit ; 4 Landebahnen, 9 Terminals; 20km SW der Innenstadt)

ÖPNV

Metro: 6 Linien (2 U- 4 S-Bahn) auf 137km mit 80 Stationen, eröffnet 1990 (U-Bahn 1993)
Bus: 191 Linien auf 2306km Linienlänge (3 Arten: Metro Local – Orange, Metro Rapid – Rot, Metro Express – Blau)

ÖPNV Eigentümlichkeiten

LA hatte ab 1873 bereits eine erste Pferdebahn und in den 1930er Jahren ein großes Straßenbahnnetz mit rund 1.900km Liniennetz, 1963 komplett stillgelegt bedingt auch durch großen amerikanischen Straßenbahnskandal

Entfernung nach…

San Diego LL: 180km (Auto: 1h50min; Bahn: 3h)
San Francisco LL: 560km (Auto: 5h 45min; Bus: 7h45min)
Chicago LL: 2800km (Auto: 29h, Bus: 43h)
New York LL: 3940km (Auto: 40h, Bus: 66h)

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten

3 staatliche Unis:
California State University Los Angeles (CSULA; gegründet: 1947; 21.000 Studenten)
California State University Northridge (CSUN; gegründet 1958; 33.000 Studenten)
University of California, Los Angeles (UCLA; gegründet: 1919; 43.000 Studenten)
privat (Auswahl):
University of Southern California (USC; gegründet 1880; 36.000 Studenten)
Loyola Marymount University (LMU; gegründet: 1911; 8.800 Studenten)

Anzahl Museen

99 allein in City of LA + 133 im LA County

Sportvereine der Stadt

Football:
LA Rams: gegründet 1937 in Cleveland, von 1946-94 in LA, dann in St.Louis, seit 2016 wieder in LA; 1x Superbowl Sieger (99); Ø-Zuschauer: 59.379 (nach 4 Heimspielen 2017) @ LA Memorial Coliseum (93.607)
LA Chargers: gegründet 1960 in LA, von 1961 bis 2016 in San Diego, seit 2017 wieder in LA; 1x runner up im Superball 1994; Ø-Zuschauer: 25.308 (nach 5 Heimspielen 2017) @ StubHub Center (27.000)
ab 2020 spielen beiden Mannschaften im neuen Football Stadion in Inglewood
Basketball:
LA Lakers: gegründet 1946 als Detriot Gems, von 47-59 in Minneapolis, seit 1960 in LA, 16 Meisterschaften, Ø-Zuschauer (2016-17): 18.949 @ Staples Center (19.060)
LA Clippers: gegründet 1970 als Buffalo Braves, 1978-84 San Diego Clippers und seit 1985 in LA, Ø-Zuschauer: 19.088 (16/17) @ Staples Center (19.060)
Eishockey:
LA Kings: gegründet 1966 in LA; 2x Stanley Cup Sieger, Ø-Zuschauer (16/17): 18.204 @ Staples Center (18.118)
Anaheim Ducks: gegründet 1993: 1x Stanley Cup Sieger; Ø-Zuschauer (16/17): 15.942 @ Honda Center (17.147)
Baseball: LA Dodgers: gegründet 1883 als Brooklyn Atlantics, seit 1932 Brooklyn Dodgers, 1958 Umzug nach LA; 6x WorldSeries Sieger, Ø-Zuschauer (2017): 46.492 (bei 81 Heimspielen!) @ Dodger Stadium (56.000)
Fußball: LA Galaxy: gegründet 1995, 1x CONCACAF CL Sieger, 5x Meister, 2x Pokalsieger; Ø-Zuschauer (2017): 22.246 @ Stub Hub Center

Tageszeitung der Stadt (Auflage)

LA Times (Erstausgabe: 1881; Auflage: 629.000 Mo-Sa; 945.000 So)

Erste urkundliche Erwähnung

4.9.1781

Gegründet von:

(Neu-)Spanier

Großstadt seit

1900

Meisten Einwohner im Jahr

heute

City Branding

LA, City of Angels, La La Land, City of Flowers and Sunshine, The Big Orange, Southland

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Hollywood

Architektonisches Highlight

Wal Disney Concert Hall

Prachtstraße

Rodeo Drive

Höchstes Gebäude

Wilshere Grand Center (334m)

Meist fotografierte Gebäude

Downtown LA

Konzernzentralen von

Unterhaltungsindustrie:
20 Century Fox, Dreamworks, Paramount Pictures, The Walt Disney Company, Warner Bros.
Weitere Konzerne:
Mattel (Spielzeug), Unocal (Petrochemie),

Anzahl Pendler

471.000 pendeln ins LA County täglich ein (2013)

Straftaten auf 100.000 Einwohner

408 (Gewaltverbrechen) dabei 6,7 Morde; 2269 (Diebstahl) auf je 100.000 Einwohner (2013)

Verfügbares Einkommen im Haushalt

64.300 $

Arbeitslosenquote

8 %

Bevölkerungsentwicklung:

1781

1800

1820

1836

1850

1870

1880

1890

1900

1910

44

315

650

2.228

1.610

5.728

11.183

50.395

102.479

319.198

1920

1930

1940

1950

1960

1980

1990

2000

2010

576.673

1.238.043

1.504.277

1.970.358

2.479.015

2.966.850

3.485.557

3.694.820

3.792.621

 

Los Angeles

urban facts Los Angeles
Geschichte von Los Angeles
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urban facts LA | Geschichte von Los Angeles | Hochhäuser in Los Angeles

Nein, Los Angeles ist keine wirklich schöne Stadt. Vielleicht liegt dies daran das sie eine Größe erreicht hat, die nur schwer zu überschauen ist, vielleicht auch daran, dass sie dadurch fast schon zwangsläufig zu einer Autostadt geworden ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Downtown so isoliert in der riesigen Fläche von LA – wie man gemein hin sagt – liegt, dass man nicht das Gefühl hat im Kern der Stadt zu sein, sondern nur auf einem anderen irgendwie hingeklatschten Stückchen Erde zu sein. Los Angeles wirkt eher wie eine Stadt der vielen Städte und tatsächlich macht das dieses Moloch, diesen urbanen Großraum, die Megacity, die Weltstadt, zu einem unglaublich interessanten Ort, der eine kurze Geschichte hat, die immer nur eine Richtung kannte, den Boom.

Los Angeles großes Plus ist die Vielfältigkeit. Hier stehen die Traumfabriken von Hollywood, mit ihren Bilderwelten, die den ganzen Globus unterhalten. Die Stadt ist vielleicht der Größte Schmelztiegel aller Ethnien, den auf der Welt gibt. Insgesamt 224 Sprachen sprechen die Einwohner der Stadt. Mit bis zu 17 Millionen Einwohnern (je nachdem wo man die Grenzen des riesigen Ballungsraums zieht) ist Los Angeles vielleicht die flächenmäßig größte Megacity der Welt. Die Stadt war die erste Autofahrerstadt auf dem Globus und hält auch heute noch den wenig schmeichelhaften Titel der staureichsten City auf dem Planeten. Es gehört quasi zur DNA der Stadt, das Auto benutzen zu müssen, was nicht so sehr mit der Lauffaulheit der Angelenos zu begründen ist (ganz im Gegenteil, im Schatten von Hollywood herrscht ein großer Körperkult), sondern weil es strukturell einfach anders kaum geht. Die zahlreichen Stadtteile und Städte reihen sich aneinander und sind so vielfältig, dass sie nicht anders erreicht werden können (außer man bringt sehr viel Zeit und mancher Orts auch Mut mit). In der Stadt der vielen Städte kann man dann jedoch die unterschiedlichsten Gesichter treffen. Während sich am Hollywood Boulevard die trink- und feierwütigen Touristen treffen, kann man in Melrose nette Bars und Kneipen finden, man kann in die Parallelgesellschaften von Beverly Hills im Rodeo Drive abtauchen (sehr reich), oder in Watts (sehr arm) besorgt nach rechts und links schauen, um nicht – aus europäischer Sichtweise – in ein noch übler aussehenden Straßenzug zu gelangen. In Downtown kann man unter den Wolkenkratzern entlang spazieren, nur um sich wenige Blocks weiter zwischen so vielen Obdachlosen wieder zu finden, dass man erstaunt ist nur 5 Minuten und nicht 5 Stunden gelaufen zu sein. Während der Reichtum der Stadt, wie in Bel Air gern hinter den höchsten Hecken der Welt versteckt, ist die Armut der Stadt viel schneller zu sehen.

Los Angeles, Kalifornien, der Magnet für Millionen – wird wohl nie zu den schönen Städten zählen, immer aber zu den Interessanten.

Geschichte San Franciscos

Vorgeschichte: Indianer, Forts und Missionen

Städte an der amerikanischen Westküste haben immer eine – im europäischen Vergleich – sehr kurze Geschichte, allerdings kann man am Beispiel San Franciscos gut beobachten, wie reichhaltig, vielfältig und sprunghaft auch eine Stadthistorie sein kann, die gerade erst einmal rund 170 Jahre hinter sich gebracht hat. Dabei sind die Anfänge menschlichen Lebens in dieser Gegend natürlich weitaus älter. Vor rund 5000 Jahren siedelten hier der Indianerstamm der Ohlone. Da die Gegenden reich an natürlichen Nahrungsquellen waren standen die Einwohner unter keinem großen Druck sich zivilisatorisch weiter zu entwickeln und so hatten sie keine festen Siedlungen gebaut, als zum ersten Mal Europäer in diesen Teil der Welt vordrangen. Einer der ersten war Francis Drake, der britische Weltumsegler und Pirat, welcher auf der von ehemals fünf Schiffen einzig verbliebenen „Golden Hind“ die Welt umrundete und wohl nördlich der Einfahrt zum Golden Gate Station machte. Tatsächlich war es ihm, wie vielen weiteren Seefahrern in seiner Nachfolge, entgangen, dass es einen schmalen Zugang zu einer weiten Bucht gab, einem der wohl besten Naturhäfen der Welt, dessen größter Nachteil es war, lange nicht entdeckt worden zu sein und die heute den Namen San Francisco Bay trägt.

Es war erst das Missionswesen der in diesem Teil der Neuen Welt umher zivilisierenden Spanier, welche die Bucht erstmals wahrnahmen und das auch erst, nachdem sie schon rund 200 Jahre lang mehr oder besser zumeist weniger intensiv an den Küsten Kaliforniens segelten. Tatsächlich wurden ab 1769 Missionen in Alta California (übersetzt das „obere Kalifornien“, der heutige zur USA gehörende Bundestaat, „Niederkalifornien“ gehört zu Mexiko) gegründet, welche nicht nur dafür da waren, dass der katholische Glauben sich entlang des Pazifiks ausbreiten konnte, sondern mit denen der spanische Besitzanspruch auf das ungenutzte Land verdeutlicht werden sollte. Im Zuge der Etablierung eines Netzes aus etwa einem Tagesmarsch entfernten Missionen wurde 1776 der ersten Außenposten an der Bucht von San Francisco erbaut, wobei man sich auf der sandigen Spitze der Halbinsel niederließ, die heute das Stadtgebiet von San Francisco ausmacht. Unter Leitung von Juan Bautista de Anza wurde ein Presidio erbaut, dessen Nachfolger heute das Fort Point unter der Golden Gate Brücke ist. Drei Meilen südlich davon wurde eine Mission errichtet. Der Begründer des kalifornischen Missionswesens, Junipero Serra, plante sie nach Heiligen zu bennen, so bekam diese Einrichtung den Namen des Heiligen Franzi von Assisi. Als mit der San Carlos, erstmals ein Schiff durch das Golden Gate fuhr, und das benötigte Baumaterial brachte, konnte am 17. September 1776 das Presidio eingeweiht werden. Drei Wochen später folgte die Mission.

Die ersten Jahrzehnte in diesem damals entlegenen Winkel der Welt, müssen langweilig und einsam gewesen sein und schon gegen Ende des 18.Jahrhunderts war Berichten zufolge das Fort in einem heruntergekommen und erbärmlichen Zustand. Auch die Zusammenarbeit von Fort und Mission war wohl häufig von Unwägbarkeiten geprägt und insbesondere die Soldaten beschwerten sich darüber, dass ihre Versorgung durch die Mission alles andere als zufriedenstellend war. An dieser Situation änderte sich auch nicht viel, als Mexiko seine Unabhängigkeit erklärte und Kalifornien nun zum neu entstanden Staat gehörten. Seit 1824 Republik, hatte das neue Land kaum Ressourcen das Gebiet wirklich zu besiedeln und in die eigene Infrastruktur aufzunehmen. Eine einigermaßen wirksame Strategie war die Verteilung von Land an Farmer und Rancher, die Viehwirtschaft betrieben. Dadurch entstand ein kleiner Handelsplatz in der Bucht von San Francisco, die ihren Namen nach dem Titel der Mission erhielt. Der Warenaustausch folgte dem Prinzip des hide an tallow trade. Da es zu damaliger Zeit mehr Rinder gab, als die relativ kleine Bevölkerung essen konnte, gleichzeitig aber ein Mangel an anderen Waren vorlag, sogar an einer Zahlungseinheit, wurde das Fell des Rindes als Währung benutzt. Eine sehr hübsche Anekdote darüber stammt vom Presidio von Monterey, dem damals wichtigsten Ort Kaliforniens. Da selbst hier das Kanonenpulver so knapp war, soll es vorgekommen sein, das einkommenden Schiffen erst Schießpulver abgekauft werden musste, bevor man diese mit Kanonen-Salut offiziell begrüßen konnte. Sogar Richter konnten Geldstrafen in Formen von Rinderfällen aussprechen.
Schon damals wurde jedoch den Ersten bewusst, dass Kalifornien Potential haben könnte und wenn, dann würde es in der Bucht von San Francisco sein, dessen Herz und Mittelpunkt sie darstellte. Hier entwickelte sich seit den 1830er Jahren der kleine Hafen von Yerba Buena zu einem Anlaufpunkt, der am nordöstlichen Ende der Halbinsel entstanden war. Der englische Walfänger William Richardson war wohl der erste Bewohner von Yerba Buena, als er hier 1835 das erste Haus baute. Nachdem er die Tochter des Kommandanten des hiesigen Presidios ehelichte, wurde er Mexikaner. Bald darauf, zu etwas Wohlstand durch Fährtätigkeiten auf der Bucht gekommen, ließ er ein zweites Haus bauen, die Casa Grande, die heute der ältesten Straße der Stadt, der Grant Street ihren Namen gab. In den folgenden Jahren kamen einige weitere Häuser dazu und eine kleine Siedlung entwickelte sich, die sich allerdings keinerlei Schönheit rühmen konnte. Hütten und Adobehäuser gaben mit der Zeit mehreren hundert Menschen Platz zum wohnen. Die Einwohner jener Tage, die „Old Saw“ waren ein Gemisch aus Mexikanern, Amerikanern, Indianern, Holländern, Hawaiianern und Spaniern. Jeder ging seinen mehr oder meist weniger legalen Geschäften nach und Yerba Buena war eine Ansammlung an Betrügern, Vagabunden, Exzentrikern und Hedonisten, vor allem aber Händlern, während sich an den Gefilden der Bucht die durch Viehwirtschaft reich gewordenen mexikanisch-spanischen Familien, die „Caballeros“ niederließen. Diese wenigen Familien lebten durch die Arbeit ihrer Knechte und spannten ein enges soziales Netz untereinander. Diese Familien stellten mit einigem Missfallen fest, dass es immer mehr Amerikaner waren, die aus dem Osten in ihr Gebiet einwanderten. Man beschloss sie, mit Billigung des mexikanischen Staates, zu benachteiligen. Doch in dem dünn besiedelten Landstrich ließen sich trotzdem immer mehr Yankees nieder und schon bald kippte die Stimmung und es kamen Forderungen auf, die sich ein von Mexiko unabhängiges Territoriums wünschten, dass lieber zur USA gehören sollte.
1846 erreichten 70 Soldaten des Kriegsschiffs Portssmith Yerba Buena und eroberten kampflos die Siedlung für die USA. Es sollten noch zwei Jahre vergehen bis der amerikanisch-mexikanische Krieg mit dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo beendet wurde und ein riesiges Gebiet, das unter anderem den heutigen Bundesstaat Kalifornien umfasste, von Mexiko an die USA übergeben wurde.
Dem damaligen Ortvorsteher von Yerba Buena Lt. Washington A. Bartlett, ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Stadtgeschichte zu verdanken. Am 30. Januar 1847 ließ er die Siedlung Yerba Buena in San Francisco umbenennen und erhoffte sich damit einen Popularitätsgewinn des Ortes, war doch die breite Bucht gleichen Namens schon überregional bekannt. Viel schneller als erwartet sollte San Francisco zu einem Zentrum werden, nicht nur der Bucht oder Kaliforniens, sondern sogar des gesamten neuen Westens der USA, doch am neuen Namen lag dies weniger.

Der Goldrausch und San Franciscos kometenhafter Aufstieg

Schon die ersten Europäer, die nach Amerika kamen, verband der Traum vom Ort mit unendlichen Goldschätzen und der damit verbundenen Suche nach dem El Dorado. Es war 1849, als dieses sagenumwobene Glücksversprechen gültig wurde, als unweit von San Francisco Gold gefunden wurde (unweit in den Maßstäben des riesigen Landes, der Ort des ersten Fundes liegt 115 Meilen von der Stadt entfernt). Die Aussicht auf schnellen Reichtum zog Menschen wie ein Magnet an.
Begonnen hatte alles mit dem Zimmermann James Marshall, der von John Augustus Sutter angeheuert wurde, ihm eine Sägemühle zu bauen. Sutter wurde in mexikanischer Zeit mit reichlich Land ausgestattet und hatte sich hier im nördlichen Kalifornien ein Fort und weite Landstriche gesichert, die er in Erinnerung an seine alte Heimat „New Helvetia“ nannte. Er ließ ein Fort bauen, wo heute die kalifornische Hauptstadt Sacramento steht. Am 24. Januar 1848 schaute Marshall in den neugeschaffenen Mühlgraben und entdeckte dabei einen Goldklumpen. Nach einigen Untersuchungen war man sicher: es ist tatsächlich Gold! Sofort bemühte man sich den Fund geheim zu halten, doch das hatte nur wenig Erfolg. Am 15. März schon kam in der jüngst nach San Francisco gezogenen Zeitung „Californian“ eine kleine Meldung heraus, dass man Gold gefunden haben könnte. Diese mediale Zurückhaltung war darin begründet, dass es solche Meldung nicht gerade selten gab, tatsächlich aber bis zu jenem Zeitpunkt eigentlich nie etwas dahinter stand. Das Konkurrenzblatt, der „Californian Star“, sendete sogar einen Reporter in das Gebiet des American River, einem Zufluss zum im Golden Gate mündenden Sacramento River, um herauszubekommen, ob etwas dran war an den Gerüchten. Doch die dortigen Arbeiter konnten den Reporter überzeugen, nichts sei hier zu holen. Die Gerüchte jedoch hielten sich und als schließlich der Herausgeber des Star, Sam Brennan, durch die Straßen der Stadt lief und laut „Gold! Gold! Gold! Am American River“ brüllte (nicht ohne vorher seinen Laden an Sutter’s Fort mit ausreichend Schaufeln, Spaten und weiterem Material zum ausgraben bestückt zu haben) da waren die Einwohner vom Goldfieber gepackt und die Stadt schien für kurze Zeit ausgestorben, da jeder in die Region reiste um sein Glück zu finden. Werkzeuge wurden den Händlern aus den Händen gerissen und diese setzten sofort neue Bestellungen ab. Somit zog die Nachricht immer weitere Kreise, dass in Kalifornien Gold gefunden wurde. Im Dezember diskutierte der Kongress in Washington die Goldfunde und der damalige Präsident Polk gab schließlich öffentlich die Goldfunde bekannt. Spätestens jetzt gab es kein Halten mehr und eine riesige Menge Goldsuchenden, die sogenannten „fortyniners“ (49er – noch heute im Namen des Footballteams von San Francisco wird an sie erinnert), strömten nach Kalifornien.
Als erstes kamen sie nach San Francisco. Die Wege hierin waren aber alles andere als einfach. Es gab drei Routen von der dicht besiedelten amerikanischen Ostküste aus. Die schnellste und teuerste führte mit dem Schiff an den Isthmus von Panama, dort über das Land vom Atlantik zum Pazifik und an Ozean angekommen, mit dem Schiff nach Norden. Billiger, aber länger und weiter, war die Schiffspassage über ganz Südamerika mit der Umfahrung von Feuerland, was nicht nur zeitraubend war, sondern gleichfalls anspruchsvoll und gefährlich. Und schließlich die Route quer über den riesigen nordamerikanischen Kontinent, der allerdings gleichfalls viele Entbehrungen mit sich brachte, sei es durch Krankheiten, nicht immer glimpfliche Begegnungen mit Indianern oder die Passage des staubtrockenen Great Basins sowie anschließend der hoch aufragenden und verschneiten Gebirgsgipfel der Sierra Nevada. Letztendlich sind rund 200.000 Menschen in den ersten drei Jahren des Goldrausches nach Kalifornien gegangen und rund 50% sind über den Seeweg gekommen. San Francisco wurde mit einem Schlag überrannt und zwar von zwei Phänomenen. Zum einen von Menschenmassen, die das Golden Gate kreuzten und hier ihr Glück suchten und zum anderen vom Reichtum derer, die ihr Glück in Form von Gold schon gefunden hatten. Die Stadt wurde zu einer Boomtown, in welcher sich spätere Western-Autoren sich ihrer Klischees bedienten. Die vielen errichteten Zelte und die wenigen Holzgebäude wurden zur Heimat von Glückspielern. Die Spekulation trat um sich und das nicht nur um Immobilien. Was gerade nicht in San Francisco verfügbar war, wurde extrem teuer gehandelt, denn Finanzen waren ja fast unbegrenzt vorhanden und manch ein Reederer soll einfach Schiffe mit Waren auf gut Glück in die Bucht gesendet haben, in der Hoffnung hier alles extra-teuer verkaufen zu können, denn die Gewinne die man in San Francisco erzielen konnte, schienen gigantisch.
Die eigentlichen Goldsucher waren an der sogenannten Mother Lode dabei ihr Glück zu suchen, einem rund 120 Meilen langen Streifen, der von Fort Suttner nach Süden reichte. In der Anfangszeit konnten, die rund 120.000 Goldsucher noch mit normalen Gerät nach Gold suchen, bevor es ab 1850 bis 53 nur noch mit schwereren Bergbaumaschinen möglich war, das Edelmetall in ausreichenden Mengen zu abzubauen, dies dann aber umso profitabler. Jeder Sucher konnte sich ein Stück abstecken auf dem er Gold suchte, wenn er dies tatsächlich praktisch dort auch tat. Dies war ein ziemlich ordentlicher und selbstregulierter Vorgang. Zahlreiche Goldgräberstädtchen entwickelten sich, Boomtowns, die jedoch schon nach Abflauen des Rausches wieder aufgegeben worden. Trotzdem war das Leben rau, hart und reich an Entbehrungen. Gleichfalls war es zunehmend rassistisch, denn schon seit 1850 wurde es nur noch Amerikanern erlaubt, nach Gold zu suchen, wohlgemerkt zu einer Zeit, als Kalifornien noch nicht mal ein amerikanischer Bundesstaat war. Schwarzen oder Indianern blieb nur die Möglichkeit, für einen Goldsucher zu arbeiten.
Vom Goldrausch getragen entwickelte sich San Francisco zum unumstrittenen Zentrum des am 9.September 1850 ausgerufenen Bundesstaates Kalifornien und die Stadt schien stündlich zu wachsen. Zeitgenössische Schätzungen gehen davon aus, das die Stadt in nur vier Monaten von 6.000 auf 30.000 Einwohner wuchs. Die allermeisten neuen Siedler waren Männer. Erst 1880 soll sich der Frauenanteil in San Francisco bei der Hälfte eingepegelt haben. Neuer Wohnraum wurde an allen Ecken gewonnen. Alte Schiffe wurden verarbeitet, Teile der Bucht aufgeschüttet, um neue Wohnungen, Hotels oder Shops zu bauen. Teile des heutigen Financial Districts beispielsweise wurden erst 1851 dem Wasser der Bucht abgerungen. San Francisco muss in jenen Jahren wie eine große matschige Baustelle ausgesehen haben in der jeder versuchte innovativ seinen Teil des großen Kuchens abzubekommen. Ein deutscher Migrant, geboren als Löb Strauß im oberfränkischen Buttenheim, hatte die Idee den Arbeitern besonders strapazierfähige Hosen zu nähen und produzierte sogenannte Duck-Pants. Als er 1872 den Schneider Jacob Davies (ein geborener Lette) kennenlernte, erzählte ihm dieser von einer Idee einer robusten Hose mit Nieten und bat ihm um 68 Dollar für die Einreichung eines Patents. Strauß, der sich in Amerika Levi Strauss nannte, willigte ein und daraus wurden die heutigen Jeans.
Doch Geld wurde in San Francisco in den 1850er Jahren mit fast allem gemacht, am meisten aber mit Landbesitz (oder mit einer Glücksspiellizenz). Der Macht der Landspekulation und des Grundbesitzes ist auch das recht uneinfallsreiche Grundgerüst der Stadt „zu verdanken“, dass aus rechtwinkligen Straßengittern besteht, die sich an keinerlei morphologischen Besonderheiten der bergigen Halbinsel orientieren (was heute dazu führen kann, dass man das Gefühl hat an der nächsten Straßenecke beginnt ein Abgrund, aber tatsächlich geht die Straße nur steil nach unten). Auf den Flächen der Straßengittern zog Leben ein, dass in vollen Zügen genossen wurde. Schon 1853 wurden 573 Orte gezählt, die Alkohol verkauften. Bei einer Quote von einem Laden pro 60 Einwohner konnte man in San Francisco schon fast von einer Trunksucht reden, die gepaart wurde mit einer Leidenschaft für das Glücksspiel aller Art. Und so schrieb der gebürtige Kalifornier und Philosoph Josiah Royce später über San Francisco, dass die Männer die sich nicht dem Glückspiel hingaben, zu wenige waren um bemerkt zu werden. Aber es entstanden auch Restaurants, Hotels und Theater und San Francisco wurde zu einem beliebten Stopp für wandernde Theatergruppen. Gleichzeitig entwickelte sich ein lebhafter Zeitungsmarkt, den San Francisco war in den 1850er Jahren noch immer abgeschnitten vom großen Rest der USA und viele Leser dürsteten nach Informationen und Geschichten aus dem Rest des Landes und der Welt. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass durch das rasante Wachstum viele Menschen noch in Zelten wohnten und Krankheiten sich schnell ausbreiten konnten. Lungenentzündungen oder Cholera waren keine selten zu findenden Erkrankungen in jenen Jahren. Ein anderes Problem stellte die hohe Kriminalität dar, die sich einer anfangs kaum vorhandenen polizeilichen Staatsmacht gegenüber sah. Bandenkriminalität, die berühmteste Gang waren die Sydney Ducks, war ein großes Übel und ein Schwerpunkt waren Brandstiftung. Sechs schwere Feuer zerstörten rund 3000 Gebäude und auch, wenn alles wieder schnell aufgebaut wurde, waren die Schäden natürlich beträchtlich. Als Gegenmaßnahme wurde ein Komitee der Wachsamkeit („Committee of Vigilance“) gegründet, ein Prototyp für alle späteren Bürgerpatrolien und Nachbarschaftswachen in den USA. Und das Komitee war keinesfalls zimperlich. Wenn sie einen Kriminellen habhaft wurden, verurteilten sie diesen und ließen ihn hängen, was ihnen den nicht unbegründeten Vorwurf der Lynchjustiz einbrachte.

Nach dem Rausch: Krisen, Komitees und neue Anschlüsse

Ab 1853 ebbte der Goldrausch ab und war schließlich ebenso schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Die Stadt geriet ab der Mitte der 1850er Jahre in eine wirtschaftliche Krise. Die Immobilienpreise sanken dramatisch, rund ein Drittel aller Geschäfte in der Stadt standen leer. Erschwerend kam hinzu, dass Korruption gang und gebe war und der Glaube an staatliche Administration nicht existierte. Als 1856 ein Stadtverordneter, einen Zeitungsmacher erschoss, welcher gegen diesen (wahr oder/ und unwahr) angeschrieben hatte, bildete sich sofort ein neues Komitee aus Bürgern. In nur 3 Tagen schrieben sich 5.000 Menschen in das neue Wachsamkeits-Korps ein und schnell entwickelte sich daraus eine schlagfertige paramilitärische Truppe, die praktisch die Aufgaben der Stadtverwaltung nach ihrem Dünken übernahm. Im Namen des Komitees wurden vier Menschen gehängt und zahlreiche andere deportiert. Nachdem es nach eigenen Dünken in der Stadt aufgeräumt hatte, löste das Komitee sich bereits im Juli wieder auf und transformierte sich zu einer Partei. Damit kam wieder Ruhe in die Stadt und gegen Ende der 1850er Jahre setzte tatsächlich wieder ein beträchtliches Wachstum an der Bucht ein.
Rund 50.000 Menschen lebten da bereits in San Francisco und das nur 10 Jahre nachdem die Stadt überhaupt gegründet wurde. Wofür Boston 200 Jahre brauchte oder New York 190, schaffte San Francisco also in einer Dekade. Die Stadt wurde zu einer Metropole, die vielleicht noch multikultureller und vielsprachiger war, als die Städte der Ostküste. Der weitere Aufstieg setze sich in den 1860er Jahren fort, getragen von Silberfunden in der Sierra Nevada, die in San Francisco gehandelt wurden. 1870 erreichte man bereits die Zahl von 150.000 Einwohnern. Fünf Jahre später wurde das Palace Hotel eröffnet, dass mit seinem Reichtum, Service und seinen Dimensionen sogar dafür ausgelegt war, dass die Stadt noch viel weiter wuchs (bevor sich solch ein Hotel rentierte). Die Ausbreitung der Stadt gestaltete sich weiterhin rund um ihrem Ausgangspunkt an der Nordostecke der Halbinsel, während die direkte Pazifikküste noch unbewohntes Hinterland war. Doch es war klar das bei anhaltenden rasanten Wachstum schon bald auch dieser Teil bewohnt werden würde. Hier sahen innovative Bürger die Möglichkeit, einen Teil der Fläche zur Stadtverschönerung zu benutzen. 1868 wurde ein drei Meilen langer und eine halbe Meile breiter Streifen sich vom Ocean Beach nach Osten ziehender Streifen unter Schutz gestellt. Hier sollte der Golden Gate Park entstehen, ein urbanes Mammutprojekt. Die Größe der Aufgabe lag nicht nur in den Dimensionen für einen solchen Park (seine Fläche ist größer als der Central Park in New York), sondern auch darin, dass es sich hier um eine Dünenlandschaft handelte. Der Vater des Projekts William Hammond Hall musste sich also einerseits um das Problem der ständigen Versandung kümmern, als andererseits auch um eine ausreichende Bewässerung des Parks. Das Letztere wurde durch zwei Windmühlen gelöst, die noch heute am Westende des Parks zu sehen sind und Wasser in diesen pumpen. Die ständige Versandung wurde durch eine Mauer gelöst, auf der heute der Küsten Highway 1 entlang läuft. Die Bauarbeiten starteten in den 1870er Jahren und zogen sich bis ins nächste Jahrhundert. Im Park wurde 1894 die San Francisco Midwinter International Exhibtion eröffnet, welche 2,5 Millionen Besucher anzog. Lediglich der Japanische Garten wurde danach erhalten, denn man legte Wert darauf die Parklandschaft zu erhalten. So blieb gleichfalls nur der Name des geistigen Vaters der Ausstellung M.H. de Young in Erinnerung, nach welchem heute das zentrale Kunstmuseum im Park benannt ist, welches allerdings erst 2005 öffnete.

San Franciscos Bedeutung und seine Einzigartigkeit als abgeschiedene Metropole im Westen der USA änderten sich mit der Eröffnung der Transkontinentalen Eisenbahnverbindung 1869, die eine schnelle Verbindung in den Osten des Landes ermöglichte. Durch staatliche Förderung entstanden zwei Eisenbahngesellschaften, Union Pacific und Central Pacific, welche eine Linie durch die Weiten des Westens und die gewaltige Gebirgslandschaft der Sierra Nevada bauen ließ. Obwohl daran viele chinesische Arbeitskräfte beteiligt waren, wurden hauptsächlich vier Männer, die später sogenannten Big Four, davon steinreich. Mark Hopkins, Leland Stanford, Collis Huntington und Charles Crocker sollten mit der Eisenbahn nicht nur großartige Einnahmen erzielen, sondern sie erhielten großen Einfluss auf das Geschehen im Westen der USA, war doch die Eisenbahngesellschaft (1884 wurde sie zur Southern Pacific) zum wichtigsten Landbesitzer in Kalifornien geworden und wurde zu einem der wichtigsten Akteure, wenn es um politische Entscheidungen im Staat ging.
Für San Francisco war der neue Anschluss keinesfalls so fantastisch, wie es sich die Zeitgenossen ausmalten, denn nicht nur verlor die Stadt etwas von ihrer Einzigartigkeit am Rande des riesigen Landes, sie selbst wurde auch gar nicht ans Netz angeschlossen, denn die Verbindung endete am anderen Ende der Bucht in Oakland. Schnell neidete man der kleinen Nachbarstadt den Bahnhof und befürchtete diese könnte dem großen San Francisco den Rang ablaufen. Doch tatsächlich wurde die Bucht, wie der gesamte Westen nun als Markt für billigere Produkte aus dem Rest des Landes attraktiv. Gleichfalls kamen weitere Neuankömmlinge, doch für sie war es jetzt viel schwieriger geworden einen guten Job zu bekommen, denn tatsächlich schlitterte die Stadt in die ökonomische Krise der 1870er Jahre welche das gesamte Bundesgebiet der USA betraf. Der Westen konnte durch seinen neuen Anschlüsse diesen Krisen nun nicht mehr entrinnen. Ein markantestes Symbol der Krise war der Kollaps der Bank of California am 26. August 1875, dessen einflussreicher Besitzer Billy Ralston am nächsten Tag beim Schwimmen ertrank.

San Francisco bis zur Jahrhundertwende: Painted Ladies und Cable Cars

Mit der wirtschaftlichen Krise der 1870er Jahre erlebten die Arbeiter und Beschäftigten der Stadt erstmals die Auswirkungen ökonomischer Probleme. Die Arbeitslosigkeit griff um sich, ein Phänomen, dass bis dato nahezu unbekannt war. Schnell war ein Sündenbock für die Probleme gefunden, es waren die nach dem Eisenbahnbau unbeschäftigten Chinesen, welche die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft erwarben und für die Krise verantwortlich gemacht wurden. Bisher waren sie als exotische Minderheit wahrgenommen wurden, die in ihrem Viertel - Chinatown - lebten und nicht groß auffielen, die aber in den 1870er Jahren durch harte Arbeit, in der Zigarettenindustrie und der Textilverarbeitung zu Marktführern an der Bay wurden und die 1872 rund die Hälfte aller Fabrikjobs in San Francisco besetzten. Eine „anti-chinesische“ Stimmung machte sich breit, die auch durch administrative Reglungen weiter befeuert wurde. Viele Chinesen erfuhren Gewalt am eigenen Leib. Den Höhepunkt erreichten die rassistische Wut im Sommer 1877, als ein Mob Geschäfte und Häuser in Chinatown anzündeten. Erst ein erneut gegründetes Sicherheitskomitee konnte die Gewalt eindämmen. Aus der sich erhebenden Arbeitermasse entstand gleichfalls eine politische Bewegung, die Ungleichheiten in Kalifornien anprangerte und aus welcher sich die Workingsmen’s Party formierte, die zweifellos notwendige politische Reformen anmahnte, gleichzeitig aber nicht ihre rassistischen Tendenzen ablegte. Trotzdem wurde sie 1877 in den California Constitutional Convent gewählt, konnte dort aber keine wirklich wichtigen politischen Änderungen durchsetzen.
Die äußere Gestalt San Francisco wurde gleichfalls ab den 1870er Jahren verändert und ist noch heute sichtbar, denn bis zur Jahrhundertwende setzte die Epoche der Hausbauten im Viktorianischen Stil ein. Diese Redwood-Häuser prägen heute noch das Bild von San Francisco und obwohl sie in ihrer Ornamentierung so individualistisch wirken, sind sie doch meistens Produkte von großangelegten Projekten einiger Baufirmen, die in Katalogen ihre Entwürfe anboten und die dann reihenweise diese Häuser über die hügelige Landschaft San Franciscos setzten. Diese liebevoll Painted Ladies genannten Wohnhäuser gelten heute als Sehenswürdigkeit der Stadt, auch wenn viele von ihnen das Erdbeben von 1906 nicht überstanden.
Die Stadt erlebte trotz wirtschaftlich angespannten Zeiten bis zur Jahrhundertwende ein weiteres stetiges bis rasantes Wachstum und um die Jahrhundertwende wohnten bereits fast 350.000 Menschen in San Francisco. Die Stadt expandierte nun vor allem in der Fläche. Sie vergrößerte sich vom nordöstlichen Teil der Halbinsel aus und umschloss schon bald den im Westen der Stadt angelegten Golden Gate Park und dehnte sich weiter nach Süden aus. Die zahlreichen – nicht gerade flachen – Hügel der Stadt wurden durch ein neues Transportmittel erschlossen und zu beliebten Wohnquartieren gemacht, durch die cable car. Diese Kabelstraßenbahn in San Francisco – die heute ein bekanntes weiteres Wahrzeichen der Stadt ist – geht zurück auf den Schotten Andrew Hallidie. Dieser wurde aufgeschreckt durch die zahlreichen und teilweise grausamen Unfälle, die sich mit Pferdebahnen auf den steilen Hängen der Stadt ereigneten und ersann einen Plan. Ein unter der Straße angebrachtes Kabel, dass von einer Dampfmaschine angetrieben wurde, sollte die Straßenbahnwagen führen. 1873 eröffnete die erste Linie, die Clay-Street-Line und bald wurde seine Erfindung ein boomender Erfolg, der sich nicht nur in San Francisco ausbreitete, sondern in den USA und auch weltweit weitere Anwender fand. Allerdings war das Transportsystem spätestens seit den 1920er Jahren technisch veraltet und wurde überall aufgegeben, außer in San Francisco, wo noch immer 3 Linien in Betrieb sind und für den allerdings nicht gerade zimperlichen Preis von 7 Dollar pro Fahrt bestiegen werden können.
Auf den Hügeln der Stadt ließen sich die Reichen nieder und zeigten ihr Vermögen mit prunkvollen Villen. Nob Hill wurde zur elegantesten Adresse des amerikanischen Westens. In der Stadt etablierten sich vier große Tageszeitungen, welche die öffentliche Meinung in Kalifornien prägten und San Francisco zu so etwas wie einem Medienzentrum des Westens machten. Chinatown entwickelte sich derweil zu so etwas wie einer frühen Touristendestination. Verwaltet von den Six Companies war es die Heimat von rund 50.000 Chinesen in der Stadt, wo man als Tourist in die exotische Welt Asiens eintauchen konnte (was übrigens auch heute noch funktioniert). Die Zeitungen verwiesen gern auf den halb-legalen, moralisch anrüchigen Charakter des Viertels, waren doch hier auch Opium-Höhlen zu finden, welche nur ein Teil des sündigen Lebens in San Francisco um die Jahrhundertwende ausmachten, der auch bei weitem nicht auf Chinatown begrenzt war.
San Francisco war in jener Zeit das unumstrittene Zentrum in einem zunehmend wohlhabender werdenden Kalifornien. Jeder vierte Kalifornier lebte hier und die Stadt war nach New York der wichtigste Umschlagplatz des Außenhandels. Gleichwohl war die Politik des Bundesstaats, als auch der Stadt geprägt von Vetternwirtschaft und Korruption. 1901 riefen die immer stärker werdenden Gewerkschaften zu einem Streik auf, da sie einen Teil des Kuchens abhaben wollten, der bisher nur unter den Einflussreichen verteilt wurde. Tatsächlich kam es im September zu einem Generalstreik, der die Rolle der Gewerkschaften noch weiter stärkte und schließlich zum Gewinn des Bürgermeisterpostens für die Union Labour Party führte, in welcher der in der Stadt geborene Abu Ruef seine Fäden zog, der später allerdings ebenso wegen Korruption angeklagt wurde und letztendlich 14 Jahre im Gefängnis St.Quentin verbrachte.

Das Erdbeben von 1906

San Franciscos wohl einschneidenstes Ereignis war das Erdbeben vom 18.April 1906. Auf Grund der Lage an der San Andreas Verwerfung ist die Stadt bis heute ein Gebiet, dass mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von solchen Naturkatastrophen betroffen ist. Das letzte größere Beben lag schon fast 40 Jahre zurück, als um kurz nach 5 Uhr morgens die Einwohner der Stadt aus dem Schlaf gerissen wurden. Heutigen Schätzungen zur Folge lag die Stärke bei rund 7,8 auf der Richterskala und brachte zahlreiche Häuser, besonders im Financial District und North Beach zu Fall, was wohl insbesondere daran lag, dass in dieser alten Sumpfregion der Untergrund weniger fest ist. Das Beben war in fast ganz Kalifornien zu spüren und tatsächlich waren die Schäden durch die Erschütterungen in einigen Städten sogar verheerender als in San Francisco. Was die zerstörerische Wirkung des Bebens aber potenzierte, war ein darauf einsetzendes Feuer, das für 80% der zerstörten Häuser verantwortlich war. Geborstene Gasleitungen entfachten einen wahren Feuersturm, der vom Stadtzentrum startend sich über die Stadt wälzte. Zu allem Unglück war schon beim Beben der Feuerwehrchef der Stadt ums Leben gekommen, was die Koordination der Rettung stark einschränkte. Auch die gebrochenen Wasserleitungen trugen dazu bei, dass die Feuerwehr nur schwer arbeiten konnte und gegen Abend breiteten sich die Brände immer weiter aus. Die viktorianischen Holzhäuser boten dafür eine gute Angriffsfläche und man kann von Glück sprechen, dass sich die Winde drehten und so weiter westlich gelegene Teile der Stadt vom Feuer verschonten. Bürgermeister Schmitz rief die Armee, die im Presidio stationiert war zur Hilfe, die sowohl den Brand bekämpfte, als auch Plünderungen verhinderte. Doch auch mit ihrer Hilfe konnten die letzten Flamen erst drei Tage nachdem Beben endgültig gelöscht werden. Nach offiziellen Angaben starben rund 3.000 Menschen, während mindestens 10mal, nach anderen Schätzungen 100mal so viele Menschen Obdachlos wurden (was bei damals rund 400.000 Einwohner, dreiviertel der Bevölkerung ausmachen würde). Die Armee errichtete Zeltstädte um die Opfer unterzubringen, die auch dank der raschen Solidarität der Nachbarstädte bald mit dem Notwendigsten versorgt werden konnten. Tatsächlich erinnerte diese Situation ein wenig an die rasche Besiedlung zu Zeiten des Goldrausches, als viele Menschen gemeinsam in Zelten oder unter freiem Himmel schliefen mussten und Klassen oder Standesgrenzen keine größere Rolle spielten, sondern nur die Verbesserung der Situation in Angriff genommen wurde. Rund 28.000 Gebäude waren zerstört und – so die Legende – der Wiederaufbau startete, als die Ruinen noch rauchten. Schnell wurden aus 20.000 in der Stadt tätigen Bauarbeitern 60.000.

Wiederaufbau und neuer Glanz - San Francisco bis zum 2.Weltkrieg

Es stellte sich kurz die Frage, eine historische Chance zu nutzen. Durch die zahlreichen Zerstörungen war es möglich San Francisco besser und schöner aufzubauen als zuvor. Das starre grid-Muster aus Blöcken hätte man für eine Gestalt der Stadt verändern können, welche die Landschaft einschließt. Tatsächlich hätten Ideen dazu bereitgestanden. Die Bewegung des „City Beautiful“ hatten den bekannten Architekten Daniel Burnham mit einem Masterplan für die Stadt beauftragt. Burnhams Idee war es, die Hügel von Besiedelung zu befreien, lange Boulevards anzulegen, die Sichtachsen zu einem neuen neoklassischen Stadtzentrum erlaubten und neue Straßen zu bauen, welche sich der Oberfläche der Stadt besser anpassten und aus dem rechtwinkligen Muster ausbrachen. Burnham veröffentlichte seinen Masterplan 1905 in einem Buch, doch tatsächlich war die große Chance für den Start seiner Idee – die weitreichende Zerstörung der Stadt, insbesondere der Innenstadt – der eigentliche Todesstoß für ein Konzept das zahlreiche Anhänger in der Stadt hatte. Nach dem Beben war der wichtigste Punkt der schnelle Wiederaufbau, es ging darum, dass Leben so zügig wie möglich wieder zu normalisieren und nicht um einen teuren und zeitaufwendigeren Plan für die Anlage einer neuen Stadt. San Francisco verpasste es damit zu einer Planstadt zu werden und behielt damit „it’s birthmark as an instant city“, wie Tom Cole schreibt, bei.
Zu einem Symbol des Wiederaufbaus der Stadt wurde das neue Rathaus, denn das Alte stürzte beim Erdbeben ein. Auch wenn es erst 1912 bewilligt wurde, war es so etwas wie ein kleines Überbleibsel der City Beautiful Bewegung, denn es war im Beaux-Artes Stil von den Architekten Bakewell und Brown als zentraler Bau mit großer Kuppel geplant. 1915 wurde die City Hall eröffnet worden und wurde zum Zentrum eines neuen „Civic Centers“, das gleichfalls im historisierenden Stil noch ein Civic Auditorium bekam und eine Bibliothek, sowie das California State Building, die sich alle um das Rathaus herum positionierten. 1932 kam schließlich noch das Opernhaus der Stadt dazu, wo übrigens 1945 51 Nationen die Gründungscharta der Vereinten Nationen unterzeichneten.
Ein Höhepunkt der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts war die Weltausstellung, die „Panama-Pacific International Exposition“, im Jahr 1915, die allerdings etwas unter den Umständen des 1.Weltkriegs in Europa litt. Ein Hauptanliegen der Schau war der Durchbruch des Panamakanals, welcher den Anlass zur Feier gab (der Kanal konnte mit einem großen Modell studiert werden). Eine heute noch eindrucksvolle Hinterlassenschaft des Ausstellungsgeländes ist der Palast der feinen Künste von Bernard Maybeck.
Trotzdem erlebte San Francisco in jenen Jahren auch Spannungen, so wie beim Bombenanschlag beim Preparedness Day 1916, als 10 Menschen getötet wurden. Das hatte jedoch keine Auswirkungen auf die Bevölkerungszahl die bis 1920 rasant anwuchs. Die Stadt lebte in den 1920er Jahren in großer Prosperität bis auch hier die Weltwirtschaftskrise 1929 zuschlug und insbesondere den Hafen der Stadt und die (bis dahin) dort beschäftigten Arbeiter stark traf. Die schlechte ökonomische Situation führte zu weiteren Spannungen, so wie zum „Bloody Sunday“am 5.Juli 1934 als ein Streik gewaltsam von Streikbrechern aufgelöst werden sollte und zwei Menschen starben und über 100 verletzt wurden.
Die 1930er Jahre waren aber das Jahrzehnt, dass der Stadt zahlreiche heute noch bekannte Wahrzeichen bescherte. Dem Nachlass einer großen Freundin der Feuerwehr, Lillie Coit ist der nach ihr benannte Coit Tower auf dem Telegraph Hill entstanden, welcher an die städtische Feuerwehr erinnern soll und gleichzeitig wohl einen der besten Blicke auf die Stadt ermöglicht.
Ein fast noch bekannteres Wahrzeichen und gleichzeitig ein heutiger Touristenhotspot ist die eher ungemütliche Insel Alcatraz mit ihrem Gefängnis. Schon seit 1886 wurde die Insel vom Militär genutzt, aber im Jahr 1934 zu einem Hochsicherheitsgefängnis des Bundes umgebaut. Hier saßen so klangvolle Namen wie „Machine Gun“ Kelly oder Al Capone ein. Angeblich war die Insel ausbruchsicher, da die Strömung es nur schwer zulässt von ihr an Land zu entkommen und man große Gefahr läuft, über das Golden Gate ins Meer gespült zu werden. Tatsächlich beflügelte diese Tatsache noch weiter die Fantasie und nach der kostenbedingten Schließung des Gefängnisses wurde es zu einem beliebten Drehort für zahlreiche Filme, unter anderem „Der Gefangene von Alcatraz“ mit Burt Lancaster oder „Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood. Nach einer Besetzung durch Indianer in den 1970er Jahren wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und mittlerweile von 1,3 Millionen Menschen per annum besucht.
Kein Besuchermagnet, aber für die Wasserversorgung der ständig wachsenden Stadt zentral, war der Bau des Hetch Hetchy Water Projects. Das 1934 fertiggestellte Projekt sicherte zwar die Wasserversorgung der Stadt, war aber aus einem anderen Grund äußerst umstritten, denn für das Wasser wurde das Hetch Hetchy Valley aufgestaut, das als eines der schönsten Naturgebiete Kaliforniens galt.
Die heute noch am sichtbarsten und vielleicht schönsten Leistungen der 1930er Baumaßnahmen sind die zwei Brücken, welche von der Stadt über die Bucht führen. Da ist zum einen der etwas weniger beachtete Bay Bridge, die vom Stadtzentrum über die Yerba Buena Island nach Oakland führt. Sie ersetzt die zahlreichen Fähren, die zwischen den beiden Fähren fuhren und das Ferry Terminal in San Francisco zur stärkst frequentierten Transitstation der USA machte. Als im November 1936 die Brücke eröffnete, konnte man über eine doppelte Hängebrücke fahren, eine Konstruktion die eine absolute Weltneuheit war und eine Investitionssumme von 80 Millionen Dollar kostete, eine für damalige Zeit enorme Summe. Für die weltweite Imagination San Franciscos war aber die 1937 eröffnete Golden Gate Bridge noch wichtiger, die als eine der schönsten Brücken der Welt gilt. Dabei war die Hängebrücke sehr umstritten, denn die reizvolle Landschaft an der Durchfahrt des Golden Gates sollte nicht mit einem so gigantischen Bauwerk verschandelt werden, immerhin war die Brücke die damals Größte ihrer Art. Letztendlich war aber die Gestalt und die Farbgebung der Brücke so gut gewählt, dass das Bauwerk zu den schönsten Brücken der Welt gezählt wird.
Im Februar 1939 eröffnete erneut eine Weltausstellung in San Francisco. Auf der künstlich aufgeschütteten Insel Treasure Island, welche sich an die Yerba Buena Island anschloss, wurde die Golden Gate International Exposition eröffnet, welche zwar nicht an die Strahlkraft und Innovation der Panama-Pacific Exposition heranreichte, aber immerhin auch 17 Millionen Gäste erreichte. Im Herbst des gleichen Jahres startete der 2.Weltkrieg, bei dem die USA erst später eingriffen, dann aber San Francisco zu einem der wichtigsten Plätze der Kriegsökonomie werden ließ. Und so erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich nur noch mit den Zeiten des Goldrausches vergleichen ließ. Mehr als 1,5 Millionen Soldaten fuhren unter der Golden Gate Bridge hinaus in den Krieg während die Anzahl der Fabriken in der Stadt um ein Drittel zunahm und die Zahl an Arbeitskräften sich verdoppelte, wobei erstmals eine größere Menge Schwarzer sich in der Stadt niederließ und die Stadt insgesamt eine Einwohnerzahl von 775.000 erreichte, einen Höchstwert, der erst im Jahr 1990 wieder erreicht wurde.

San Francisco nach dem 2.Weltkriegs: Beatniks, Hippies and Milk

Die Nachkriegszeit und der bald darauf einsetzende Kalte Krieg machten San Francisco und die Umgebung der Stadt nicht nur zu einem wirtschaftlichen Zentrum, sondern auch zu einem kulturellen Hotspot der westlichen Welt. Das Begann bereits in den 1950er Jahren mit dem Beatnik-Movement, einer für die damaligen Zeit nonkonformistischen und rebellischen Bewegung, die als Vorläufer der Hippie-Bewegung gelten kann. In ihrer Mitte standen Schriftsteller, wie beispielsweise Jack Kerouac, der den Begriff der „Beat Generation“ erfand, der für den Konsum von Marihuana, freie Liebe und einer standhaften Nonkonformität gegenüber der Welt der 1950er Jahre stand. In Kaffees und dem legendären „City Lights Bookshop“ trafen sich die Beatniks und prangerten den Materialismus und die zunehmende Vereinnahmung der Gesellschaft von rechts an.
Dies hatte in den 1960er Jahren Nachfolger als neue linke Protestbewegung, die sich insbesondere auf dem Campus der Berkeley University auf der anderen Seite der Bucht einrichtete und Rassismus, Materialismus und Krieg kritisierte. Die Hippies, welche gleichfalls in den 1960er Jahren, insbesondere im Stadtteil Haight-Ashbury auftauchten waren viel weniger politisch, als das sie die Welt mit liebevollem Umgang und der Entsagung von Konsumismus (außer vielleicht von Drogen) begegnen wollten. Mit ihren langen Haaren und Bärten und zusammengewürfelten Klamotten setzen sie sich vom Rest der Stadt (des Landes und der Welt) ab und veranstalteten große „Be Ins“, wie den „Summer of Love“, der sich musikalisch in Scott McKenzies „San Francisco“ manifestierte und der Welt von einem neuen Lebensgefühl kündete. Doch die eher auf Disziplinlosigkeit angelegte Bewegung verwässerte sich schnell und wurde zu einem zeit-geistigen Modebegriff und schon zu Beginn der 1970er Jahre verwandelte sich Haight-Ashbury zu einem „New Age slum“ (so Cole S. 142). Und so wurde es wieder etwas rauer in San Francisco, in einer Stadt die aber weiterhin für Toleranz und Diversität stand. Im Viertel um die Castro-Street siedelten sich mehr und mehr Homosexuelle an, die ihren Liebe hier frei ausleben konnten. Hier wurde auch Harvey Milk zum ersten offen schwulen Stadtrat in den USA gewählt, der jedoch am 28. November 1978 gemeinsam mit dem Bürgermeister George Moscone vom einem ehemaligen konservativen Stadtrat, namens San White, erschossen wurde, weil dieser sich über die neue Politik in der Stadt erregte, seinen Posten zurückgab, diesen aber auf Betreiben von Milk und Moscone nicht wiederbekam. Als White mit einem recht milden Urteil von nur 7 Jahren Gefängnis wegen Totschlags davonkam, protestierten zahlreiche Schwule und deren Sympathisanten am 22. Mai 1979 in der sogenannten „White Night Riot“, bei der die Polizei rigoros von Gewalt Gebrauch machte.
So begannen die 1980er Jahre, die Dekade von AIDS, welche in der Stadt wütete und in welcher auch die nationale Wirtschaftskrise der USA nicht halt machte. So verlor der Hafen der Stadt mehr oder weniger seine Bedeutung mit der Erweiterung der Anlagen im gegenüberliegenden Oakland. San Francisco transformierte sich zu einer post-industriellen Stadt, die unter anderem sich als touristische Destination mit neuen Hotspots wie der Fisherman’s Wharf für Touristen attraktiv machte. Während im Stadtzentrum immer mehr Hochhäuser der Hochfinanz in den Himmel schossen und der Stadt einen neue Skyline und neue Blickwinkel bescherten, formierte sich quasi am anderen Ende der Interessen eine kraftvolle Umweltschutzbewegung, die unter anderem durchsetzte, dass schon 1973 sich eine Golden Gate National Recreation Area bilden konnte und die skeptisch auf die Auswüchse des Hochhausbaus und der Umgestaltung von einem urbanen Lebensraum zu einer Touristendestination blickten.
Das Erdbeben am 17.10 1989 beschloss ein nicht immer glückliches Jahrzehnt der 1980er, mit 63 Toten und über 3700 verletzten Menschen. Zwar war es nicht so dramatisch wie das Beben von 1906, aber mit 16.000 unbewohnbaren Wohnungen in der Bay Area und einer nicht mehr befahrbaren Bay Bridge hatte es erheblichen Einfluss in das Leben an der Bucht.
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der nächsten 20 Jahre veränderte abermals das Aussehen der Stadt, denn mit dem Erfolg des Sillicon Valley und vieler neuer wohlhabender Menschen durchflutete die Gentrifizierung die Straßen San Franciscos, die es für Familien der Unter- aber auch der Mittel-schicht immer schwieriger machten, in der Stadt zu leben. So soll es schon 2007 mehr Hunde in San Francisco gegeben haben als Kinder und auch heute noch muss man befürchten, dass San Francisco sich zu einer teuren Stadt für Wohlhabende entwickelt (denn die Immobilien-Preise hier sind bereits die höchsten in den USA). Trotzdem wäre es falsch in der Stadt nicht auch heute noch viele Überbleibsel der kurzen aber so wechselvollen Geschichte zu sehen.

Literatur: Dieser Artikel stützt sich maßgeblich auf Tom Coles „A short history of San Francisco“

 

Santa Barbara

Einwohner: 91.930 (2016) | Ballungsraum: ca. 220.000 | Fläche: 108km² (wobei lediglich 50km² Landfläche sind) | Hauptstadt des Santa Barbara County | 145km NW von Los Angeles

In Santa Barbara scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, sieht man einmal von der handvoll Obdachlosen am Strand ab. Die Hauptstadt der „amerikanischen Rivera“ liegt rund 2 Stunden nördlich von Los Angeles und ist damit genau so weit vom Moloch entfernt, dass man sich in einem gediegenen und ruhigen Städtchen wähnt. Die Kids skaten im Park, die malerischen Cafés sind aufgeräumt und gut besucht und die Shops laden zum Geld ausgeben ein. Diese Wohlfühlatmospähre hat jedoch ihren Preis, denn tatsächlich ist Santa Barbara einer der teuersten Wohnorte der USA. Die Wohnhäuser kosten hier doppelt so viel wie im Rest Kaliforniens und im noblen Vorort Montecito ist das Einkommen sogar dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt, was auch damit zu tun haben könnte, dass viele Prominente sich hier niedergelassen haben.

Wie in vielen anderen Orten in Kalifornien waren es die Indianer, die hier schon seit tausenden von Jahren lebten, wenngleich sie keine Ortschaften hinterließen. Der für Spanien segelnde Portugiese Jose Cabrillo war mit seiner Mannschaft der erste Europäer, der durch den Santa Barbara Kanal fuhr, wenngleich dieser Meeresarm, zwischen dem Festland und den vorgelagerten Kanalinseln erst 1602 vom spanischen Forscher Sebastian Vizcaino erstmals so genannt wurde. Entscheidend für die weitere Entwicklung war die Gründung einer Mission 1786, die als 10. franziskanische Einrichtung ihrer Art helfen sollte, dass damalige Gebiet von Alto California zu zivilisieren. Die Mission wurde am 4.Dezember eingeweiht, dem Tag der Heiligen Barbara. Die Geistlichen versuchten die lokalen Chumash-Indianer zu missionieren und bauten dabei gleichfalls ein erstes Trinkwassersystem auf. Tatsächlich mussten aber viele Eingeborene die Ankunft der neuen Siedler mit ihrem Leben bezahlen. Der Hauptgrund lag daran, dass sie durch eingeschleppte Krankheiten aus Europa nieder gerafft wurden, da sie anders als die Europäer, keine Antikörper in sich trugen.
 Das Santa Barbara, wie so viele Orte in Kalifornien, eine tektonisch ungünstige Lage hat, musste man 1812 erkennen, als ein Erdbeben und ein darauffolgender Tsunami das Örtchen zerstörten. Das neue Missionsgebäude wurde 1820 gebaut und gilt heute noch als beeindruckenstes Beispiel spanischer Kolonialarchitektur in Kalifornien, wobei ab 1822 die spanische von der mexikanischen Flagge abgelöst wurde bis Santa Barbara, wie der Rest von Kalifornien ab 1848 an die USA gingen (schon zwei Jahre vorher fiel die Stadt vollkommen unblutig an die Truppen  von John C. Frémont). Noch in mexikanischer Zeit, um 1833, wurde großer Besitz der Kirche verstaatlicht und an einige Familien übergeben, die darauf große „Ranchos“ anlegten, wo Rinder gezüchtet wurden. Im neuen US-amerikanischen Kalifornien kam es ab den 1850er Jahren zu zahlreichen Veränderungen, wenngleich nicht alle unbedingt günstig waren. So konnte der neue Straßengitterplan für die Stadt, erdacht von Salisbury Haley bestenfalls als ungünstig angesehen werden, da er die neuen Straßenblöcke so anlegen ließ, dass verpfuschte scharfe Kurven auftraten. Andererseits wurden bald die Holzhäuser von ortstypischen „Adobe“ bzw. Ziegelbauten abgelöst und innerhalb von 10 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Santa Barbara. Die neuen Siedler wurden zumeist vom Goldrausch angezogen und Santa Barbara entwickelte sich zu einem Quartier für Glücksspieler und Banditen. In den 1860er Jahren endete die Rancho Periode der Rinderzucht, als nach einer langen Dürre, das meiste Vieh starb. Dafür tauchten in den 1870er Jahren mit Mortimer Cook ein reicher Investor auf, der eine erste Bank im Ort eröffnete und mit der 1872 erbauten Stearns Wharf wurde Santa Barbara leichter auf dem Seeweg erreichbar. So konnte sich die Stadt als Kurort und Ressort langsam etablieren, einem Trend der im gesamten Süden Kaliforniens einsetzte und eine begüterte Schicht von Menschen anzog. Der Bau der Eisenbahn 1887 nach Los Angeles und 1901 nach San Francisco verstärkte diesen Trend. Nach der Jahrhundertwende wurde im Kanal erstmals Öl gefunden und der Offshore Abbau des Bodenschatzes begann, der bis heute übrigens anhält und auch noch gut sichtbar ist. Die Stadt wuchs rasch und neue Industriezweige siedelten sich hier an, wie Filmstudios als auch die Longhead Aircraft Company, der Vorläufer des bekannten späteren Flugzeugbauers Lockheed Corporation, der sich in den 1920er Jahren in Hollywood niederließ (und heute unter Lockheed Martin firmiert).
Am 29. Juni 1925 erlebte die Stadt ihren Schicksalstag, als es zu einem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala kam. Glücklicherweise kamen nur 13 Menschen bei dem Beben ums Leben, eine sehr niedrige Zahl, wenn man bedenkt, dass die komplette Innenstadt zerstört wurde. Der Wiederaufbau im Stil der spanischen Kolonialzeit prägt noch heute das Stadtbild. Bauwerke wie das Santa Barbara County Courthouse von Charles William Moore gelten als eines der schönsten Architekturen des „Spanish Colonial Revivals“. Am 23. Februar 1942, wenige Monate nachdem die USA in den 2.Weltkrieg eingestiegen sind, tauchte das japanische U-Boot I-17 vor der Stadt auf und bombardierte das Ellwood Ölfeld vor der Stadt. Obwohl die Schäden minimal blieben (ca. 500$), war der massenpsychologische Effekt in den USA dramatisch, war es doch der erste ausländische Angriff auf das amerikanische Festland seit 1812. Die Gefahr einer japanischen Invasion wurde breit diskutiert und führte zum Wegzug zahlreicher Einwohner und zu einer massiven Abwertung des Häusermarktes und das obwohl nie wieder ein japanisches Boot in die Nähe der kalifornischen Küste kam. Alle diese negativen Effekte waren jedoch nach dem 2.Weltkrieg schnell vergessen, als insbesondere Armeeveteranen sich in Santa Barbara niederließen und die Stadt einen neuen Einwohnerboom erlebte. Die Ölindustrie wurde in den folgenden Jahren jedoch zunehmend beschnitten, da es immer wieder zu auslaufenden Öl auf den Plattformen vor der Küste kam, das den Strand der Stadt und des Umlandes verschmutzte. Santa Barbara orientierte sich später an anderen Industriezweigen und so zogen Unternehmen der Luftfahrt ab den 1970er Jahren hierher. Einer der größten Arbeitgeber der Stadt ist heute die University of California – Santa Barbara, deren 25.000 Studenten der Stadt und der Umgebung (tatsächlich gehört das Unigelände nicht zur Stadt und liegt auch näher zum Vorort Goleta) einen jugendlichen und intellektuellen Charme verleihen. Seit den 1960er Jahren kam es immer wieder zu schweren Waldbränden in der Region, so wie auch aktuell im Winter 2017.

Und wären nicht die hohen Wohnungspreise, die viele Menschen zum ein- und auspendeln zwingen, wäre Santa Barbara tatsächlich ein fast perfektes Städtchen an der kalifornischen Westküste, mit ihren Bars im Funk District, dem Piers am Pazifik und den Bergen der Santa Ynez Mountains, welche die Stadt umranden, den Shops auf der State Street und der über der Stadt thronenden Mission, die als Königin der kalifornischen Missionen gilt.     

San Francisco

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urban facts

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Geschichte San Franciscos

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Hochhäuser in San Francisco

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Golden Gate und Bay Bridge

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San Francisco gehört zu den Städten auf der Welt, die sich eine fast schon magisch zu nennende Anziehungskraft erworben haben. Der Name erinnert aus europäischer Sicht, an die Ferne des Pazifiks, den Abschluss der Neuen Welt, an Reichtum und Schönheit. Dazu haben beigetragen, dass die Stadt besungen (am bekanntesten wohl von Scott McKenzie) und gezeigt (Hitchcocks Klassiker „Vertigo“ spielt hier) wurde. Der Goldrausch oder auch die Hippie-Bewegung lassen an San Francisco denken und nicht zuletzt ist es ein Bauwerk, das als Wahrzeichen und Ikone das Bild von ganz Kalifornien prägt; die Golden Gate Bridge. Sie ist die unumstößliche Landmark der Stadt und das obwohl die Brücke am Ende des Stadtgebiets, etwas abseits der City, steht.

San Francisco liegt auf einer Halbinsel, welche vom Pazifik, der weiten San Francisco Bucht und der Einfahrt zur Bucht begrenzt wird. Diese recht enge und in der Geschichte der Seefahrt lange unbekannte Einfahrt ist das Golden Gate. Die rund acht Kilometer lange und zwischen 1,5 und 3 km breite Durchfahrt bekam ihren Namen in der Zeit des Goldrausches, als der Wasserweg so etwas wie das Tor zum Glück war und viele Goldsucher hier in die Bucht einfuhren, um im weiteren Verlauf ihrer Reise zu den Schätzen Kaliforniens vorzudringen. Das seit 1937 eine der imposantesten und vielleicht schönsten Brücken der Welt über der Meerenge verläuft, hat die Aufmerksamkeit nur verstärkt. Die Innenstadt – The City – von San Francisco, liegt dann auch nicht an der Ozeanküste, sondern in der Bucht die den Namen der Stadt trägt. Wobei das eigentlich falsch herum gesagt ist, denn tatsächlich trägt die Stadt den Namen der Bucht. 1847 wurde das Örtchen Yerba Buena in San Francisco umbenannt, weil die Bucht, durch ihre hervorragende Lage und ihre Größe, einen weit bekannten Namen trug, von dem man sich, im damals noch unbedeutenden Straßen von Yerba Buena eine glänzende Zukunft erhoffte. Das daraus in nur wenigen Jahren das größte Zentrum der US-Westküste werden sollte, war 1847 sicherlich unvorstellbar und wird im Kapitel Geschichte San Franciscos genauer dargestellt.

Wie bei vielen amerikanischen Städten ist San Francisco umgeben von einer großen Anzahl von Vorstädten und man ist tatsächlich überrascht das im eigentlichen Stadtgebiet „nur“ rund 800.000 Einwohner leben, was ungefähr so viel sind wie in València oder etwas mehr als in Frankfurt am Main. Nimmt man nur die Einwohner der Stadt ist San Francisco sogar nur viertgrößte Stadt in Kalifornien, hinter Los Angeles, San Diego und San Jose und die dreizehntgrößte in den USA. Tatsächlich ist die Wahrnehmung von Städten in Amerika aber zumeist an den Großraum gebunden (Urbanisierung und Suburbanisierung gehen hier Hand in Hand), welcher die Einwohnerzahl der Stadt auch um ein Vielfaches übersteigen kann. Das ist in dieser Form in Europa nicht üblich, wo der städtische Ballungsraum zumeist von einer Stadt dominiert wird. (Studie Ballungsraum und Stadt: wie viel % der Stadt gehören zum Ballungsraum, was unterscheidet Ballungsräume von Metroregionen etc.) Der Großraum San Francisco jedoch übersteigt die Einwohnerzahl der Stadt um ein Vielfaches. Bedenkt man das das Silicon Valley im Großraum San Francisco angesiedelt ist, wird schnell klar, dass die Bedeutung der Stadt weit über ihre eigentlichen Stadtgrenzen hinausgeht (das der städtische Großraum nicht einfach an den Stadtgrenzen halt macht, wird schnell klar, wenn man auf einem der Hügel der Stadt auf die Bay schaut, oder mit dem Flugzeug in San Francisco landet).
Es gibt mehrere Definitionsmöglichkeiten wie man Stadt und Großraum erfassen kann, dessen bekannteste ist die Bay Area. Obwohl die größte Stadt dieser Region San Jose ist, wird die Bay Area traditionell mit San Francisco verbunden. Die Bay Area hat 7,68 Millionen Einwohner, was fast das Zehnfache der Einwohnerzahl San Franciscos entspricht. Sie ist die 5.größte Metropolregion der USA. Anzumerken ist, dass die Bay Area eine Fläche von 18.040 km² abdeckt (was fast genau die Fläche Sachsens ist) und weit über die eigentlichen Grenzen der San Francisco Bucht hinausgeht bis weit hinein in sehr ländliche Gebiete. Einen etwas engeren Rahmen bietet die Metropolitan Statistical Area San Francisco-Oakland-Hayward, welche insbesondere San Jose ausschließt und auf 6.410km² rund 4,6 Millionen Einwohner hat. Wie auch immer man die regionalen Grenzen der Stadt und der Region zieht, San Francisco ist zweifellos eine Weltstadt mit vielen Gesichtern, auf welche als nächstes kurz eingegangen werden soll.

Scott McKenzies bekannter Song über die Stadt, gleichzeitig eine Hymne der Hippie-Zeit:

Das ständige Auf und Ab in San Francisco eignet sich hervorragend für Verfolgungsjagden:

Hitchcoks Meisterwerk "Vertigo" spielt in San Francisco, wie in diesem wundervollen Trailer zu sehen ist:

Das bekannteste Gesicht der Stadt ist die schon erwähnte Golden Gate Bridge. Tatsächlich ist die der Stadt am nächsten liegende Brücke aber die Bay Bridge, welche weniger touristische Beachtung bekommt, was jedoch ziemlich ungerecht ist, denn es ist ein ziemlich herausragender Brückenkomplex, der die Stadt mit dem östlichen Bay-Ufer verbindet. Die Brücke mündet an den Rand der Innenstadt, der City, die eine eindrucksvolle Skyline hat. Am bekanntesten ist dabei die Transamerica Pyramid, ein 260m hohes Gebäude, das nicht nur wegen seiner Höhe, sondern auch wegen seiner Form ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist. Abgelöst wurde es als höchstes Bauwerk erst kürzlich vom Salesforce Tower. In Downtown beginnt die bekannteste Straße der Stadt, die Market Street, welche sich auch als einzige nicht an das rechtwinklige Straßenraster hält, was die Stadt überzieht. Ein solches Gitternetz ist in amerikanischen Städten zwar nicht weiter ungewöhnlich, in San Francisco ist es aber tatsächlich bemerkenswert, da die Stadt sich über zahlreiche Hügel erstreckt, mit teilweise beeindruckenden Steigungsprozenten. So kann es durchaus vorkommen, dass man an einer Straßenkreuzung nach rechts schaut und meint, an einem Abgrund zu stehen, aber sieht dass es durchaus noch weiter geht. Es sind auch spektakulär verfilmte Autoverfolgungsjagden, welche die Hügel der Stadt noch weiter bekannt gemacht haben. Diese bergige Landschaft, die eigentlich von den Dünen des Pazifiks gefüttert wurde, macht einen weiteren Reizpunkt der Stadt aus. Immer wieder findet sich ein neuer Aussichtspunkt, mit einer weiteren Perspektive auf die Stadt. Da kann der Blick auch schnell auf den Golden Gate Park fallen, der nach Westen hin San Francisco mit dem Pazifik verbindet und einer der größten innerstädtischen Parks der Welt ist. Auf einer Länge von 5 km weist er eine Breite von rund 800m auf (=4,1km²). Die Küste am Pazifischen Ozean liegt am Rande der Stadt und bildet keinen urbanen Kern mehr (mehr ein Ausflugsziel). San Francisco liegt an der Bucht und viel weniger am Ozean, könnte man vereinfachend sagen. So sind auch die Piers und alten Hafenanlagen und das berühmte ehemalige Gefängnis Alcatraz an bzw. in der Bucht von San Francisco. Ein anderes Gesicht zeigt die Stadt in den zahlreichen Wandgemälden der Stadt, die sich besonders im Bezirk Mission wiederfinden. Über 400 sogenannte Murallas säumen Häuserwände. In den 1970er Jahren war die Blütezeit dieser Kunstbewegung, die sich politisch mit den Zuständen in den USA auseinandersetzt. Noch heute ziehen Schulklassen unter anderem durch die kleine Balmy Alley und bewundern die Bilder. Mission ist ebenfalls ein gut frequentiertes Ausgehviertel der Stadt mit zahlreichen Kneipen, Diners und Bars in allen Geschmacksrichtungen. Die Vielfältigkeit San Franciscos zeigt sich dann auch in weiteren Vierteln, wie Japantown oder Chinatown. Letzteres ist nach New York das größte Chinesen-Viertel in den USA. Hier kann man schnell abtauchen und sich kurz wie am anderen Ende des Ozeans fühlen und die Geschichte der Stadt und Kaliforniens einatmen, die eng auch mit asiatischer Einwanderung verbunden ist. Heute ist San Francisco die Stadt mit den meisten asiatisch-stämmigen Menschen Amerikas (im Vergleich zur Gesamtbevölkerung).
Doch nicht alles ist nur Prunkvoll in San Francisco, Reichtum und Armut sind manchmal höchst eng miteinander verbunden. Am besten zeigt sich das am Civic Center, wo das mächtige Rathaus und die Oper vom Stolz des hiesigen Bürgertums künden, man aber gleichzeitig nicht daran vorbeisehen kann, wie viele Obdachlose hier auf der Straße leben. Das ein Großteil von ihnen schwarze Hautfarbe hat, ist insbesondere deshalb bemerkenswert, da San Francisco einen für die USA verhältnismäßig geringen Anteil von 6% an afroamerikanischer Bevölkerung hat und es zeigt den nicht unerheblichen Unterschied auf, den die Zugehörigkeit zu einer ethnische Gruppe in den USA ausmacht. So streift man durch das Tenderloin Viertel, das direkt an Downtown grenzt und wird gewahr über die für europäische Augen fast schon unglaublich großen Unterschiede, die es zwischen Arm und Reich gibt und man wird sich bewusst, dass Kalifornien die mit Abstand meisten Obdachlosen der USA zählt. Ein nicht unerheblicher Grund dafür sind die hohen Immobilienpreise in der Stadt, die zu einem guten Teil vom Boom des Sillicon Valley ausgelöst sind. Viele der dort ausgezeichnet verdienden Menschen pendeln von und nach San Francisco und haben gerade in den letzten Jahren zu einem sehr hohen Niveau der Preise auf dem Wohnungsmarkt gesorgt, der auch nach der Immobilienkrise 2008, die so viele Städte in Kalifornien betraf, nicht nachließ.

Und noch ein letzter Punkt ist für San Francisco typisch, das Wetter. Die wärmsten Monate in der Stadt sind der September und der Oktober und gerade der Sommer ist für seinen Nebel bekannt, der dann über die Stadt hinwegzieht. Er entsteht wenn warme und feuchte Luft aus Westen an die Küste mündet und über dem kälteren Kalifornienstrom, der aus Norden kommt abkühlt und kondensiert. Dadurch können sehr unterschiedliche Mikroklimate entstehen. So kann über dem Golden Gate der Nebel für kühle Luft sorgen und die Brücke einhüllen, während im Stadtzentrum hochsommerliche Hitze herrscht. Durch die Klimafaktoren ist der Sommer hier kühler als in vergleichbaren Region dieser Breiten, aber sehr trocken, während der Winter mild und feucht ist und es fast nie zu Frost kommt.

urban facts San Francisco

Allgemeine Daten:

Einwohner (2016) 870.887 (Stadt SF)
4.679.166 (SF Metropolitain Area: San Francisco-Oakland-Hayward)
7,68 Mio. (SF Bay Area)
Einwohnerentwicklung 2010-2016 +8,15% (Stadt)
+7,93% (SF Metro Area)
Fläche 121,4 km² (Stadt ohne Wasserfläche von: 479 km²)
6.410 km² (SF Metro Area)
18.040 km² (Bay Area)
Bevölkerungsdichte 7.154 Einw/ km² (Stadt)
727 Einw/km² (SF Metro Area)
Koordinaten 37ᵒ47ˈN
122ᵒ25ˈW
Geographische Höhe 0-285m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 600 mm / 73 / 3.061
Gewässer San Francisco Bay

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Edwin Lee (Demokrat; seit 2011)
Verwaltungstechnische Bedeutung City und County
Anzahl Besucher im Jahr 24,6 Mio. (2015)
Platz in der Mercer-Studie 29. (2017) – höchster Platz einer US-City
Global City Status Alpha – (4.Kategorie: z.B. mit Zürich, Buenos Aires oder Lissabon)
Flughafen San Francisco International Airport (SFO; eröffnet 1927; 53,1 Mio; PAX 2016; 2.größter Flughafen der US-Westküste, 7. Größter der USA. ; 4 Landebahnen, 4 Terminals; 21km S der Innenstadt)
weitere Flughäfen in der Bay Area:
Metropolitan Oakland International (OAK; 1927;11,2 Mio; PAX 2015)
Norman Y. Mineta San José International Airport (SJC; 1965; 10,7 Mio; PAX 2015)
ÖPNV BART (Bay Area Rapid Transit): Stadtbahn System auf 5 Linien mit 42 Stationen auf 175km Gleislänge, 124 Mio PAX (2017), eröffnet: 1972
Muni Metro: 6 Linien mit 33 Stationen auf 59km Gleislänge, 56 Mio. PAX (2014), eröffnet: 1980; Vorläufer1912 als SF Municipal Railway
Cable Cars: Kabelstraßenbahn mit 3 Linien bei 62 Haltepunkten auf 17km Streckenlänge, eröffnet 1873, eine Fahrt kostet 7$
Straßenbahnlinien E,F: als eher touristisch genutzte Linien entlang der Market St und Embarcadero
O-Busse: 15 Linien mit ca. 300 O-Bussen, welche am steilsten Stück eine 22% Steigung bewältigen müssen, eröffnet: 1935
ÖPNV Kosten Außer BART werden alle ÖPNVs von der San Francisco Municipal Railway betrieben; eine Fahrt 2,75$, Tagesticket kostet 21$ (inkludiert Cable Cars)
Entfernung nach… Los Angeles LL: 559km (615km Auto: 5h50min, Bus: 7h)
Seattle LL: 1.093km (1.300km Auto: 12h30min, Bahn: 23h 10min)
Dresden LL: 9.257kmnächster Ort über 1000.000: San Jose LL: 67km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten University of San Francisco (USF; gegründet 1853 von Jesuiten; seit 1930 unter heutigen Namen privat, 11.000 Studenten)
University of California, San Francisco (UCSF, gegründet 1864, staatlich, nur Medizinstudiengänge)
San Francisco State University (SFSU; gegründet 1899, staatlich, 29.000 Studenten)
Golden Gate University (GGU; gegründet 1901, 5.500 Studenten=
in der Bay Area befinden sich noch die beiden renommierten Universitäten:
University of California, Berkeley (Cal, gegründet 1868; staatlich, 41.000 Studenten)
Stanford University (gegründet 1891; privat, 16.000 Studenten)
Anzahl Museen 52 (laut wikipedia.en)
Sportvereine der Stadt San Francisco 49ers (American Football): gegründet 1946; 5x Superball Sieger; Ø-Zuschauer: 70.178 (2016) @ Levi’s Stadium (75.000; in Santa Clara, ca. 70km S von SF)
San Francisco Giants (Baseball): gegründet 1883 als New York Gothams, seit 1885 Giants, Umzug 1958 nach SF; 8x Sieger der World Series; 23x National League gewonnen (Rekordsieger); Ø-Zuschauer: 40.785 (2017) @ AT&T Park (41.915)
Golden State Warriors (Basketball): gegründet 1946 als Philadelphia Warriors, seit 1962 in SF, seit 1971 im benachbarten Oakland, seit dem GSW; 5x NBA Meister; Ø-Zuschauer (2016/17): 19.596 @ Oracle Arena (19.596 in Oakland gelegen)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) San Francisco Chronicle (erscheint seit 1865; 165.000 Exemplare Mo-Sa; 227.000 So)
San Francisco Examiner (erscheint seit 1865; 65.000 Exemplare; sonntags 255.000)
Rolling Stone (gegründet 1967, erscheint 14-tägig, Auflage 1,5 Mio.)
Erste urkundliche Erwähnung 1847
Gegründet von: Mexikanern
Großstadt seit 1863
Das entscheidende Jahr 1849 (Gold Rush)
Meisten Einwohner im Jahr heute
Kneipenviertel: Castro (LGTB), Mission
City Branding bzw. Spitznamen SF”, “Frisco”, “The City by the Bay”, “Golden Gate City”, “San Fran”, “Fog City” oder etwas veraltet: “The Paris of the West”

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Golden Gate Bridge
Architektonisches Highlight TransAmerican Pyramid
Prachtstraße Market Street
Höchstes Gebäude Salesforce Tower (326m)
Meist fotografiertes Bauwerk Golden Gate Bridge
Anzahl Starbucks 50
Konzernzentralen von Internet: Salesforce, Dropbox, Airbnb, Uber, Lyft, Wikimedia, Twitter, Mozilla
weitere: Levi Strauss & Co., Gap, Dolby, Pacific Gas and Electric Company
Anzahl Pendler 265.000 inbound
103.000 outbound
Straftaten auf 100.000 Einwohner 6.152 (CA:2.998; US: 2.837)
Kaufkraftindex 53.573$ (für gesamten Ballungsraum SF; 2014)
Verfügbares Einkommen 64.990§ (Einkommen ohne Berechnung der höheren Preise in SF)
Arbeitslosenquote 2.9% (9.2017)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1848 1849 1852 1860 1870 1880 1890 1900 1910 1920
1.000 25.000 34.776 56.802 149.473 233.959 298.997 342.782 146.912 506.676

 

1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
634.394 634.536 775.357 740.314 715.674 678.974 723.959 776.733 805.235

 

Meißen

Einwohner: 27.936 | Fläche: 30,9 km² | Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises | an der Elbe gelegen | 25km NW von Dresden | 75km O von Leipzig

Inhaltliche Gliederung dieses Beitrags: Meißen und die Entstehung der Mark Meißen | Das Meissner Porzellan | Meißen als Symbol: von der Industrialisierung bis heute

Ein des sächsischen Landes nicht Kennender könnte bei oberflächlicher Betrachtung des Dresdner Umlandes schnell zu dem Schluss kommen, Meißen wäre ein rund 25km elbaufwärts gelegener Vorort der Landeshauptstadt. Nichts würde der geschichtlichen Bedeutung dieser Stadt weniger gerecht, denn Meißen gilt gemeinhin als die Wiege Sachsens, als Urkeim der sächsischen Geschichte und mit dem Dom und der Albrechtsburg auf dem Felsen über der Elbe als das in der Landschaft platzierte Symbol des heutigen Freistaates.

Meißen und die Entstehung der Mark Meißen

Im Jahr 929 gründete der deutsche König Heinrich I. von Sachsen die Burg „Misna“ nachdem er einige erfolgreiche Feldzüge gegen die Slawen im Osten der Saale gefochten hatte. Deutsche Ritterheere stießen im 10. Jahrhundert immer weiter nach Osten vor, in ein sehr dünn besiedeltes Land, dass sich noch durch eine große Wildnis auszeichnete. Um das neu gewonnene Territorium zu sichern, wurden von Magdeburg bis nach Meißen Festungen gebaut und in den wichtigsten Zentren kirchliche Institutionen etabliert. Auf der Synode von Ravenna 968 wurde daher das Bistum Meißen begründet (gemeinsam mit denen von Merseburg und Zeitz). Erster Bischof wurde der Benediktiner Burchard, der aus dem Kloster Emmeram in Regensburg stammte. Die ottonischen Kaiser erhoben die drei Bistümer, um Kultur und Glauben zu formen, aber vor allem, um die Herrschaft in den Gebieten östlich der Saale zu festigen. Gerade im 19. Jahrhundert wurde insbesondere das Datum 929 als Gründungsjahr Sachsens zelebriert, denn es symbolisierte nicht nur das Sachsen aus deutscher Hand entstanden ist, sondern gleichfalls ein Sieg des Christentums über die slawischen Heiden war. Tatsächlich ist der Beginn der sächsischen Geschichte jedoch vielschichtiger, kleinteiliger und nicht mit einem Datum festzulegen. Beispielsweise entsteht eine wirklich einschneidende deutsche Besiedlung des Gebietes erst im 12. Jahrhundert.
Was tatsächlich bemerkenswert ist, ist die Gründung der Markgrafschaft Meißen. Zuerst sicherte ein Netz von Burgwarden (freie Edelleute, die sich mit sorbischen Kriegern umgaben) die neuen deutschen Besiedlungen. Als diese jedoch militärisch nicht mehr notwendig waren, erschuf der deutsche Kaiser Otto I. das Markgrafenamt, einem ihm ergebenen Herren, der gleichzeitig militärischer Befehlshaber und oberster Verwaltungsbeamte in der Region war. Im Jahr 1046 wurde erstmals schriftlich die Mark Meißen erwähnt, so dass man annehmen kann, dass dieser auf der hiesigen Burg seinen Sitz hatte. 1089 übernahm der Wettiner Heinrich I. von Eilenburg diese Position und begründete die bis 1918 reichende Herrschaft dieses Adelsgeschlechts über Sachsen. Neben dem Markgrafen saß auch der Burggraf auf der Meißner Burg. Dieser war für den unmittelbaren Schutz der Anlage zuständig. Die dritte wichtige Person auf dem Burgberg, war der Bischof des Bistums. Durch die Anwesenheit dreier mächtiger Herrscher, war dieser Ort das unumstrittene Zentrum der Region.
Bis ins 12. Jahrhundert hinein bleiben die Verhältnisse hier am Rande des deutschen Reiches alles andere als einladend. Nur einzelne ehemalige slawische Siedlungen stachen aus den weiten Waldlandschaften heraus. Kolonisten wurden in dieses menschenleere Gebiet gerufen und in der Mitte des Jahrhunderts begann die Erschließung des Landes. Dörfer wurden von so genannten Lokatoren gegründet, welche Bauern anwarben und ihnen für mehrere Jahre beim Aufbau von Dorfstruktur und Ackerbau behilflich waren, während sie später einen Teil der Erträge bekamen. Diese Grundherren wiederum wurden vom Markgrafen belehnt, der wiederum Treue und militärische Gefolgschaft einforderte. Für die Namen der neuen Siedlungen übernahm man in der Regel die slawischen Begriffe („Misna“ ist ein slawischer Name des Baches am Burgberg, Dresden ist die eingedeutschte slawische Bezeichnung für „Auwaldbewohner“). Bis 1300 verzehnfachte sich die Bevölkerung in der Mark Meißen, wobei die verbliebenen slawischen Bewohner mit den neuen Siedlern zusammenlebten, bis eine Unterscheidung marginal wurde und alle in eine sächsischen Bevölkerung aufgingen.
Unterhalb der Burg entwickelte sich schon vor 1200 eine kleine Stadt, die zu Beginn unter dem Schutz des Burggrafen stand. Dieser darf nicht mit dem Markgrafen verwechselt werden, der als reichsunmittelbarer Landesfürst auftrat. Dem Burggrafen gehörten einzelne Gebiete um den Burgberg herum, sowie auch die 1200 gegründete Stadt Lommatzsch. Als 1426 Burggraf Heinrich II. in der Schlacht bei Aussig gegen die Husiten starb, übernahmen die Wettiner Markgrafen die burggräflichen Gebiete.
Im Triebischtal, östlich der Burg, siedelten sich noch unter burggräflicher Herrschaft Menschen an, unter ihnen auch Juden. Als 1205 der Markgraf eine Rechtsstadt mit Mauer, Markt und Kirche anlegen ließ, sollten die älteren Ansiedlungen außerhalb der neuen Mauern liegen (das Gebiet liegt am heutigen Neumarkt). Interessanterweise versuchte auch der Bischof zu jener Zeit eine eigene Stadt namens Cölln zu gründen und zwar am anderen Ufer der Elbe, was aber nur von sehr bescheidenem Erfolg war. Dies zeigt eindrücklich, wie Stadtgründungen von mächtigen Eliten vorangetrieben worden, wobei es auch immer einen experimentellen Charakter haben konnte, denn die Versuche der Kirche eine eigene Stadt an dieser Stelle zu gründen misslang. Erfolgreicher war der Versuche aber beispielswiese in Bischofswerde, wo noch heute der Name der Stadt auf den Gründer verweist, wenngleich die Stadt heute auf a endet. Der Markgraf von Meißen wiederum ließ es sich nicht nehmen noch weitere Städte zu erheben, so wie Dresden, Pirna, Großenhain und Oschatz.
Um 1250 wurde mit dem Bau des Meißner Doms begonnen, in dessen Fürstenkapelle (welche 1410 erbaut wurde) vier Generationen wettinischer Herrscher liegen (bis die Grablege, in Folge der Reformation, nach Freiberg verlegt wurde). Die Mark Meißen wuchs nicht nur an Einwohnern, sondern auch an Fläche und erreichte bald den Kamm des Erzgebirges und das Pleißeland, trotzdem war die Stadt Meißen nicht die Hauptstadt der Mark, wenn man es nach heutigen Maßstäben bemisst. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war der Herrscher eines Territoriums in diesem ständig unterwegs, denn nur dort wo er war, konnte der Markgraf regieren. Trotzdem war Meißen der wichtigste Ort für den Markgrafen, hier verbrachte er Ostern und Pfingsten, wo ihm der Dom einen geeigneten Rahmen für die Festtage gab.
Im Jahr 1423 wurde dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren, die Kurwürde des Herzogtums Sachsen-Wittenberg übergeben. Seitdem war er – und seine Nachfahren – nicht mehr nur Markgrafen, sondern Kurfürsten, was gleichzeitig darin mündete, dass die territorial sich weiterhin ausdehnende Markgrafschaft Meißen nun zum „Kurfürstentum Sachsen“ wurde. Trotzdem hält sich „Meißen“ als Begriff für das sächsische Land noch lange. Die Stadt und der Burgberg sollten schon bald ein prächtiges Schloss bekommen, das eines Kurfürstentums würdig war. Um 1470 beauftragten die beiden Brüder Albrecht und Ernst, die in Personalunion das Kurfürstentum regierten, den Baumeister Arnold von Westfalen mit dem Bau einer Residenz im spätgotischen Stil. Doch schon während der Bauarbeiten wurde klar, dass hier niemals ein Fürst wohnen würde. Nach der Leipziger Teilung Sachsens, zwischen den beiden Brüdern, im Jahr 1485, verlegte Albrecht seine Residenz nach Dresden, während Ernst Wittenberg ausbauen ließ. Das Schloss wurde zu einem gebauten Machtsymbol ohne wirkliche Residenzfunktion. Vielleicht weil es nicht bewohnt wurde, wurden zukünftige Baumaßnahmen hier nachdem historischen Vorbild der Spätgotik weitergeführt, auch nachdem dieser Baustil nicht mehr in Mode war. Erst Kurfürst Johan Georg II. (regierte von 1650 bis 1680) ließ das Schloss „Albrechtsburg“ nennen, in Erinnerung an seinen Ahnen Albrecht, den Begründer der albertinischen Linie nach der Leipziger Teilung, die das heutige Sachsen ausmacht.
Hierin zeigt sich deutlich das Meißen mehr zu einem Symbol für Sachsen geworden war, als zu einem tatsächlichen Handlungsort. Trotzdem geht natürlich die sächsische Geschichte nicht spurlos an der Stadt vorbei. Als die Reformation Luthers eine Transformation des Glaubens bringt, ist es Moritz von Sachsen, der im alten (und nun nicht mehr genutzten) St.Afra Kloster eine von drei neuen Fürstenschulen errichten lässt. Später sollte hier unter anderem Gotthold Ephraim Lessing studieren.
Die Einwohner Meißens lebten zumeist von der Tuchmacherei, die insbesondere in den Zeiten des 30-jährigen Krieges in existentielle Nöte kam.

Das Meissner Porzellan

Mit der Stadt verbunden ist heute aber ein ganz anderer Wirtschaftszweig, das Meissner Porzellan (seit 1972 wird die Markenbezeichnung „Meissen“ mit Doppel-S geschrieben, damit man auf den intentionalen Märkten besser zu finden ist).  Die Geschichte des Meißner Porzellan beginnt mit der Wende zum 18. Jahrhundert herum. In dieser Zeit transformierten sich die europäischen politischen Systeme in absolutistische Staaten, mit einem dominanten Monarchen und einer in der Regel aufwendigen Hofhaltung (die uns so beeindruckende Paläste und Gärten hinterließen). In diesen Jahrzehnten durfte es an Luxusgütern nicht fehlen und eines davon war Porzellan, dass man für viel Geld aus Japan oder China heranholen musste. So war es auch am sächsischen Hof, dessen Regentschaft 1694 Kurfürst Friedrich August I., genannt „August der Starke“ übernahm. Ein gewinnbringender Gedanke war die Idee, Porzellan nicht zu importieren, sondern selbst produzieren zu können. Die Legende besagt das Johann Friedrich Böttger, ein Apothekergehilfe aus Berlin, der versprochen hatte Gold herzustellen, aus diesem Zwecke vom Kurfürsten eingesperrt wurde bis er dies für seine Majestät tat und schließlich die Porzellan Herstellung in Europa erfand. Diese Legende hört sich zwar spanend an, Tatsache ist nur, dass Friedrich August einen sehr hohen Finanzbedarf hatte, weil er neben seiner Regentschaft als Kurfürst von Sachsen, auch noch polnischer König wurde und sich als solcher in den Nordischen Krieg mit Schweden verwickeln ließ. Eine Expertenkommision wurde 1702 gegründet, bestehend aus Montanwissenschaftlern aus Freiberg, Ehrenfried Walter von Tschirnhaus und eben jenen genannten Böttger, welche zusammen das so beliebte „weiße Gold“ des Porzellans suchten und schließlich nach zahlreichen Experimenten eine erfolgreiche Formel fanden. So wurde 1710 die Porzellanmanufaktur gegründet und diese wurde auf der Albrechtsburg in Meißen eingerichtet, was mehrere Gründen hatte. Zum einen war das Wissen um den Herstellungsprozess sehr kostbar (denn damit konnte man als Einziger europäischer Produzent auftreten) und man wollte den Zugang zu der Manufaktur gut beobachten können, falls Diebe eindringen wöllten. Diese Bewachungsform war auf dem Burgberg gut möglich. Zum anderen war Meißen an der Elbe gelegen und man konnte die Waren einfach und günstig verschiffen. Die Manufaktur entwickelte sich zu einer wahren Geldmaschine, denn die Meissner Porzellan entwickelte sich in Windeseile zu einem Markenbegriff für Luxus (übrigens ist es tatsächlich eine der ältesten Marken der Welt, die heute noch besteht). Meissner Porzellan eroberte die Anwesen der europäischen Elite und füllten die Staatskassen Sachsens. In Meißen selbst zeigte sich der Prunk des Porzellans nicht, dafür wurde in Dresden ein eigenes Porzellanschloss gebaut, das Japanische Palais, dessen Bauarbeiten 1728 begonnen wurde. Es sollte chinesisches und japanische Porzellan ausstellen und als Höhepunkt, stolz die eigenen Leistung der sächsischen Porzellanherstellung präsentieren. Bald schon wurden einzelne Stücke auch als diplomatische Geschenke an andere Fürstenhäuser verschenkt und selbst Erich Honecker brachte bei seinem Staatsbesuch 1981 in Japan dem Gastgeber Meißner Porzellan mit. Noch heute ist die Porzellanmanufaktur im Besitz des Freistaates Sachsens, wenngleich sich der Markt für diese Art von Luxusgütern in den letzten Jahren abgekühlt hat und der Betrieb zu nicht unerheblichen Verlusten führte.

Meißen als Symbol: von der Industrialisierung bis heute

Meißen selbst blieb ein eher beschauliches Städtchen, wobei seit dem 19. Jahrhundert das Triebischtal zunehmend industrialisiert wurde. Hier entstand nicht nur der Neubau der Porzellanmanufaktur, sondern auch zahlreiche weitere Betriebe. Da der Platz in dem einstmals engen und romantischen Tal begrenzt war, siedelten sich neuere Unternehmen auch rechtselbisch an und 1901 wurden die Dörfer Cölln und Niederfähre zur Stadt eingemeindet, wo auch der Bahnhof der Stadt entstand. Meißen wurde sogar bis zum 2.Weltkrieg zu einem Zentrum für den Kachelofenbau in Deutschland.
Allerdings ist der weit über das Elbtal bekannte Ruf der Stadt nicht mit Industrie verbunden, sondern profilierte sich besonders ab dem 19. Jahrhundert damit, die symbolische Wiege Sachsens und eine angesehene Porzellanstadt zu sein. Dazu gehörte es auch, die Porzellanmanufaktur wie bereits erwähnt, in ein eigenes Fabrikgebäude im Triebischtal zu verlegen, um den Burgberg mit Albrechtsburg und Dom zu einem strahlenden Punkt sächsischer Identifizierung zu machen. So wurde bis 1881 die Albrechtsburg restauriert und mit einem Bildprogramm meißnisch-sächsischer Geschichte versehen. Eine weitere, durchaus öffentlich begeistert aufgenommene Aufgabe, war die Herstellung der beiden Domtürme der Kirche, die seit einem Blitzschlag von 1547 fehlten. So gründete sich ein Dombauverein, konservativer Prägung, und verkaufte Lose, die das entsprechende Geld für den Aufbau der beiden gotischen Spitzen erbringen sollte. Tatsächlich gelang es rasch entsprechende Einnahmen zu generieren und von 1903 bis 1908 wurden zwei Türme dem Bild der Stadt hinzugefügt und wirkten schon zur Weihe 1912 als seien sie bereits ewig da. Und so zeigt die Silhouette Meißens auch heute noch große sächsische Geschichte an, deren symbolische Wiege sie gleichsam beherbergt und die bei einem Spaziergang durch die steilen Gassen der Altstadt auf den Berg beschnuppert werden kann.

Palm Springs

Einwohner: 47.689 | Fläche: 244 km² | liegt im Riverside County im US-Bundesstaat Kalifornien

Rund zwei Stunden landeinwärts von Los Angeles liegt Palm Springs, das eine gewisse Berühmtheit dadurch erreichte, dass Hollywood Stars der 1950er und 60er Jahre hier zu erholungszwecken lebten.  Im trocknen Coachella Valley gelegen, ist Palm Springs Umgebung schon von den Ureinwohnern besiedelt worden, da sie hier im Winter heiße Quellen fanden, deren Benutzung im Sommer bei der einsetzenden Hitze sicherlich nicht stattfand. Die hier lebenden Cahuilla nannten die Quellen „Se-Khi“, was „kochendes Wasser“ übersetzt heißt. 1876 wurde den verbliebenen Indianern ein Reservat eingerichtet, dass dann auch „Agua Caliente“ (also „heißes Wasser“) heißt. Da es zu einigen Teilen auf dem Gebiet des heutigen Stadtzentrums von Palm Springs liegt und von den Indianern verpachtet wird, gelten die Einwohner dieses Reservats als wohlhabendster Stamm Kaliforniens.

Der Name der Stadt, Palms Springs, hat mit der spanisch-sprachigen Geschichte der Gegend zu tun. Die Spanier nannten den Ort nämlich „La Palma de la Mano de Dios“ (die „Handfläche Gottes“). Als 1858 die erste englische Karte der Region erschien wurde der Ort Palm Springs genannt, was als eine Mischung aus spanischer und indianischer Benamung angesehen werden kann (denn Palm ist die Handfläche und Springs sind die Quellen).

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts siedelten die ersten Neu-Kalifornier in der Gegend, die wegen ihrer Tallage als Handelsweg genutzt wurde. Da man um die Jahrhundertwende der trockenen und heißen Wüstenluft heilende Wirkung zusprach (wenngleich nicht im Sommer), entwickelte sich Palm Spirngs zu einem Kurort und die ersten Resorts und Hotels öffneten ihre Pforten. Schon im Jahr 1922 sollen über 20.000 Gäste den Ort besucht haben, der ab den 1930er Jahren auch die ersten Hollywood Stars anzog, offiziell aber sogar erst 1938 als Stadt gegründet wurde. Die Stars leisteten sich hier moderne, zeitgenössische Bauwerke und besonders nach dem 2.Weltkrieg wurde Palm Springs zu einem Ort, wo moderne Wohnhäuser von den angesagten Architekten gebaut wurden, dies wurde sogar unter dem Titel „Desert Modern“ bekannt. Bis in die 1960er Jahre verdoppelte sich die Anzahl an Wohnhäusern in Palm Springs und nicht nur Prominente zogen her, sondern auch Pensionäre, die den klimatisch sehr angenehmen Winter hier verbrachten. Bis in die 1970er Jahre hinein blieb Palm Springs so in den Sommermonaten eine Geisterstadt, da die Temperaturen im Juli und August höllenhaft heiß werden konnten (weit über 40°C sind normal) und noch keine Klimaanlagen für Abkühlung sorgten. Durch die wirtschaftliche Krise in den 70er Jahren zogen sich aber zahlreiche Eigentümer aus der Stadt zurück, insbesondere die Prominenten und die Chicagoer Mafia begann gleichfalls hier zu investieren, was dem Image der Stadt nicht förderlich war.
Doch Palm Springs konnte seit der Jahrtausendwende wieder einen Aufschwung bewerkstelligen und zieht heute nicht nur „Spring Breaker“ an, die schon seit den 1950er Jahren ausgelassen die Frühjahrsferien feiern, sondern gleichzeitig weiterhin Pensionäre. Gleichzeitig machen Homosexuelle aus Palm Springs das Provincetown des Westens (allerdings ist Provincetown um längen schriller und lebendiger). Die Stadt schaffte es ebenso durch zahlreiche über das Jahr verteilte Veranstaltungen immer wieder Gäste anzuziehen und so kommen jährlich über 1,5 Millionen Menschen in diese Oase mitten im trockenen Südosten Kaliforniens.