Kalifornien

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Der Goldene Staat liegt hinter den Bergen, wo es nicht mehr weiter westlicher geht und die Sonne abends im Meer so schön verglüht, dass man meinen könnte, die Atmosphäre wäre hier eine andere, weil sie noch kräftiger in die Farbschatulle gegriffen hat, um mit einer besonders großen Portion kitschigen Sonnenuntergang anzugeben. Kalifornien ist das Ziel von großen Hoffnungen und nicht gerade kleinen Erwartungen und vielleicht die Region in der Welt von der sich die meisten Menschen weltweit „das gute Leben“ versprechen. Ein bisschen so, wie die letzte und krönende Szene der Serie „Godless“: der Cowboy reitet durch die Ewigkeit des amerikanischen Festlandes, erklimmt einen letzten Berg und es eröffnet sich die Sicht auf den Ozean und die untergehende Sonne. Er ist da, im gelobten Land, in Kalifornien. Ich habe diese Szene erst gestern gesehen und ich bin mir sicher, sie haben ähnliches über Kalifornien auch schon gelesen, gesehen oder gehört. Es ist nicht zu verleugnen, da ist ein Reiz, der sich mit dem Thema Kalifornien auflädt, etwas Kitschiges, etwas Fernes, etwas Beginnendes und doch auch etwas Finales.

Es gibt nur einen einzigen amerikanischen Ort in der deutschen Sprache der hierzulande noch einen eigenen Eigennamen hat und nicht dem englischsprachigen Namen entspricht und das ist Kalifornien (gehen sie es ruhig durch geneigte Leser: New York, Florida, New Orleans…). Warum das so ist und wir nicht auch einfach California sagen ist mir nicht bekannt, aber die Tatsache hinterlässt ein Gefühl der Einzigartigkeit und tatsächlich ist dieser, der 31. Bundesstaat der USA etwas (ganz) Besonderes. In vielerlei Hinsicht.
Seine Naturschönheiten sind atemberaubend. Von den Redwoodbäumen an der nördlichen Pazifikküste über die hoch aufragende Sierra Nevada, die nicht nur den ersten Nationalpark der Welt, den Yosemite beinhaltet, sondern auch die gigantischen Sequoia-Bäume, hin zur Mojave Wüste im Süden mit dem Death Valley oder dem Joshua Tree. Und dabei darf man die Einsamkeit der Big Sur Küste nicht vergessen oder die Lebhaftigkeit von San Francisco und der Bay Area und natürlich nicht den eigenwilligen Glanz der Megacity Los Angeles.
Kalifornien hat eine sehr junge Geschichte, doch ist es tatsächlich dieser Region gelungen, ein elementarer Bestandteil unserer alltäglichen Lebenswelt zu werden. Nicht nur tragen wir Jeans, die hier patentiert wurden, wir schauen Filme und Serien, welche die Städte und Landschaften Kaliforniens zeigen, sondern auch einen Einblick geben, wie das Leben an der pazifischen Küste ist (oder vielleicht auch nur sein soll). Die unsere Körper und unseren Geist mit der Welt verbindenden Smartphones, die Geisel und die Inspiration der letzten 15 Jahre Lebenswelt wurden hier erfunden. Es ist tatsächlich schwer, sich eine andere Region auf der Welt vorzustellen, die auf unser tägliches Leben so viel Einfluss hat wie Kalifornien.

Fakten

Fläche: 423.970 km² (3. größter Bundestaat der USA)
Einwohner: 39.536.653 (2017) (Bevölkerungsreichster Bundestaat der USA)
Zeitzone: Pacific Standard Time (UTC -8)
Spitzname: The Golden State

Hauptstadt: Sacramento 495.234 (1,7 Mio,)
wichtigste Städte:
Los Angeles 3.976.322 (12,1 Mio.),
San Diego 1.406.630 (2,9 Mio.),
San Jose 1.045.785 (1,89 Mio.),
San Francisco 870.887 (4,6 Mio.),
Fresno 522.053 (972.297)
Sprachen: Englisch, Spanisch

Geschichte Kaliforniens

Eine kurze Geschichte Kaliforniens (4.269 Wörter) finden Sie hier.

Kalifornien in der Kunst

Unser Bild des Lebens in der ersten Welt ist maßgeblich geprägt von Bild was uns direkt oder indirekt aus Kalifornien erzählt wird. Direkt spielt dabei Kalifornien eher die Rolle der sonnenbeschienen, ewigen Sommer habenden Strandgegend, wo Surfer Wellen reiten (wie in „Gefährliche Brandung“), gut gebaute Körper bräunen („Baywatch“) oder das leichte und angenehme Leben genießen (wie beispielsweise in „Two and a half Man“ oder noch witziger in „Arrested Development“). Dabei steht zumeist ein eher weißes Kalifornien im Mittelpunkt, was sich aber nicht mehr mit den demographischen Realitäten deckt, denn Kalifornien gehört zu den vier Majority-Minority-Staaten in welchen nicht-spanischsprachige Weiße, sogenannte „Caucasians“ mittlerweile nicht mehr 50% der Bevölkerung stellen (in Kalifornien waren es im Jahr 2000 rund 40%). Doch Hollywood, das bekanntlich in Los Angeles liegt, schafft es einen Glanz in Dinge zu bringen, die viel weniger glänzend schimmern, wenn man vor Ort ist. Bestes Beispiel ist Los Angeles selbst, dass wahrlich nicht zu den schöneren Städten auf unserem Planeten gehört. Die Patina der filmischen Inszenierung beflügelt eine Vorstellungswelt, welche die tatsächlichen Orte nicht mehr erbringen können. Wer die Watts Towers in „La La Land“ oder „In Search for a Kiss before Midnight“ gesehen hat, der kann bei einem Besuch vor Ort schnell ernüchtert sein und meinen sich im hintersten Viertel der Stadt wiederzufinden (was allerdings ein schnelles und falsches Urteil ist) und wer das wunderbar verlassene Griffith-Observatorium von „Am Ende der Gewalt“ kennt, der ist von den Menschenmassen die den Aufstieg auf den Berg, auf welchem es steht, auf sich nehmen, bestenfalls überrascht. Selbst der szenische Mullholland Drive, der über die Hügel West LAs führt, kann in der Realität mit seinen zahlreichen Hollywood Tour-Bussen nie an das ästhetische Traumbild in Wim Wenders Film heranreichen, der nach der Straße benannt ist.
Das soll aber keineswegs die Leistungen der hiesigen Filmindustrie schmälern. Ganz im Gegenteil ist es ein Verdienst unsere Vorstellungswelt zu aktivieren und uns (wenn auch gern in einer, wie eben versucht zu zeigen, Überspitzung der tatsächlichen Gegebenheiten) über Geschichten zu berichten. Es gibt einfach zu viele Filmproduktionen die sich die Historie, oder das aktuelle Leben in Kalifornien zum Thema machten, aber in filmischen Meisterwerken wie „There Will Be Blood“ kann man sich ein Bild von der frühen Ölindustrie in Südkalifornien machen, während Filme wie „American Beauty“ oder Serien wie „Six Feet Under“ zwar nicht explizit kalifornischen Alltag porträtieren, uns aber eine Reflexion erlauben, wie unser Sinn des Lebens aussehen kann und uns damit indirekt mit einem Bild von Kalifornien füttern.

Aber Kalifornien ist nicht Hollywood und die Region findet sich gleichfalls in anderen künstlerischen Produkten wieder, deren Einfluss allerdings weniger massenhaft konsumiert wurden und werden. John Steinbecks Roman „Früchte des Zorns“ ist sicherlich ein wundervolles Zeugnis über Flucht, Einwanderung und das Gefühl der Zweitklassigkeit,so das es heute zu einer Art Standartwerk über kalifornische Geschichte geworden ist. Eine interessante Version der 1990er Jahre über diesen Themenbereich bietet T.C. Boyles „América“, während Thomas Pynchon beispielsweise in „Vineland“ die gesellschaftlichen Veränderungen in Kalifornien bis in die 1990er Jahre beschreibt.

Doch auch in der Musik beschallt uns reichlich kalifornische Musik und das nicht nur wenn der Songtitel, wie bei „California Dreaming“ von The Mama & the Papas oder bei „California Here we come“ von Phantom Planet (beide Bands kommen übrigens aus Los Angeles) davon künden. In den 1930er Jahren war LA eine Stadt im Fieber von Lindy Hop und in den 40er Jahren etablierte sich der West Coast Blues Sound und mit dem Namen Dave Brubeck ist der Jazz der Westküste verbunden. In den 1960er Jahren schappten die psychodelischen Rocksounds von Jefferson Airplane durch die Bucht von San Francisco, während die Beach Boys sich gern am Strandleben „abpopten“. Als in den 1980er Jahren der Punk aufkam gründeten sich in LA Bad Religion und ebenfalls von hier eroberten Guns n‘ Roses die Bühnen der Welt, während Bands wie Green Day, No Doubt, The Offspring, Black Eyed Peas und natürlich die Red Hot Chilli Peppers seit den 1990er Jahren auch aus europäischen Radios erklingen. Nicht zu vergessen ist der West Coast Rap und Hip-Hop, der Szenehelden wie Snoop Dogg oder Dr. Dre hervorbrachte. Die folgenden 15 Songs sollen einen kleinen Überblick geben, wobei nur das erste Lied eines der vielen Beispiellieder ist für einen Song über Kalifornien, während die restlichen 14 Videos von kalifornischen Künstlern stammen:

Living in California

Ob Filme, TV-Serien, Bücher oder Musik. Sie lassen uns ein Bild Kaliforniens vorstellen in welchem Surfer Wellen reiten und Rettungsschwimmer vom Strand aus auf diese Aufpassen (die Surfer und Badegäste, nicht die Wellen), während auf der Promenade der nächste Arnold Schwarzenegger seine Muskeln aufpumpt und Musik hört, die über die gewalttätigen Nachbarschaften kündet und dazu tendiert Konfrontationen mit Waffen zu heroisieren. Derweil macht seine Freundin Joga-Übungen, um sich für potentielle Hollywood Agenten auch mental frisch zu halten. Zur selben Zeit brühten die nerdigen Erfinder des Sillicon Valley schon am nächsten Gadget das unser Leben revolutionieren wird und im Norden des Landes bewirten Winzer ihre gutsituierten Gäste mit köstlichem Wein aus dem Napa-Valley.

Das tatsächliche Leben in Kalifornien ist vor allem eins, es ist teuer! Acht von zehn Gebieten mit den höchsten Häuserpreisen der USA befinden sich in Kalifornien. Die Millionenstadt San Jose, am Rande des Sillicon Valley, gilt als überteuertste Stadt Nordamerikas und Häuser in Palo Alto kosten durchschnittlich 1,5 Millionen Dollar (wir reden nicht von Villen!). Die enormen Preise für Immobilien fördern natürlich auch die Obdachlosigkeit und es wird geschätzt das 20% aller Amerikaner, die auf der Straße übernachten müssen, in Kalifornien leben. Gleichzeitig ist Kalifornien der am schnellsten wachsende Bundesstaat der USA, der erst 1962 New York als bevölkerungsreichsten Staat ablöste, heute aber schon mehr als doppelt so viele Einwohner wie der Ostküstenstaat hat. Um rund 300.000 Menschen wächst Kalifornien pro Jahr (als der Bundesstaat in die USA aufgenommen wurde, hatte er nicht mal 100.000 Einwohner) und er hat mittlerweile rund 40 Millionen Einwohner (ungefähr soviel wie Argentinien). Jeder vierte Kalifornier ist nicht in den USA, jeder Zweite nicht im Bundesstaat geboren worden. Kalifornien ist ein klassisches Einwanderungsland! Und das quasi von Geburt an, denn indigene Ureinwohner bilden nicht mal mehr 2% der Gesamtbevölkerung ab. Das heutige Kalifornien ist ein ethnisch stark gemischter Staat, bei dem, wie schon erwähnt, die nicht-spanischsprachigen Weißen nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Tatsächlich sprechen 40% der Einwohner zu Hause nicht englisch miteinander. Eine besonders stark vertretene Bevölkerungsgruppe sind die lateinamerikanischen Kalifornier, die vor allem in Südkalifornien wohnen, was selbstverständlich mit der Nähe Mexikos zu tun hat. Im Norden, besonders in San Francisco, fallen zumeist die asiatisch-stämmigen Einwohner auf, denn mit rund 5,5 Millionen Einwohnern leben rund ein Drittel aller asiatisch-stämmigen US-Amerikaner im Golden State. Das Zusammenleben in Kalifornien war dabei nie sorgenfrei und stets von Auseinandersetzungen geprägt, angefangen beim Schwund der Indianer mit der ersten europäischen Besiedlung bis zur Proposition 187 im Jahr 1996. Trotzdem gilt Kalifornien als toleranteste Region der USA, nicht nur in religiöser Hinsicht (wenngleich sich hier gern auch religiöse Gruppen formieren, die das Gegenteil von tolerant sind), sondern gleichfalls in lebensweltlicher Sicht, wie bei der Behandlung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, oder aber auch bei der Legalisierung von leichten Drogen.

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