Geschichte Toledos

Eine Legende besagt das Toledo von den nachkommen Noahs gegründet wurde. Wie dem auch sei, dauerhaft besiedelt wurde Toledo wohl von den Kelto-Iberern, genauer dem Stamm der Karpentaner, von deren Leben einige archäologische Funde erhalten geblieben sind. Im Jahre 192 v.Chr. eroberten die Römer den Ort des heutigen Toledo und nannten ihn Toletum. Das hier gefundene Eisenerz ließ die Siedlung gedeihen, die schon bald das Recht hatte, Münzen zu prägen. Villen entstanden und ein Aquädukt (das heute vollkommen verschwunden ist) belieferte die Bewohner mit Wasser. Das Ende des römischen Reiches und der Einfall der Barbaren konnte noch durch verstärkte Schutzmauern herausgeschoben, aber nicht verhindert werden. Doch für die Stadt war die nachfolgenden Herrschaft der Westgoten kein Unglück, sondern ein Glücksfall, denn seinen ersten historischen Höhepunkt erlebte Toledo 554 bis 712 als es Königsresidenz der westgotischen Herrscher, die Stadt wurde so etwas wie das Rom Spaniens. Den Reichtum der gotischen Oberschicht lässt sich im Staatlichen Archäologischen Museum im Madrid nachvollziehen, denn dort ist der „Schatz von Guarrázar“, die gotischen Weihekronen ausgestellt. Da die westgotischen Herrscher zum Katholizismus konvertierten wurde Toledo auch zu einem religiösen Zentrum seiner Zeit. Von den insgesamt 18 Konzillen, die hier in knapp 300 Jahren stattfanden, wurde beispielsweise das 4. vom Enzyklopädisten Isidor von Sevilla geleitet, einer der herausragendsten Persönlichkeiten der Spätantike.

712 eroberten die muslimischen Mauren die Stadt und behielten sie für 373 Jahre in ihrem Besitz. Fortan wurde, der nun Tulaytula genannte Ort, Teil des Kalifates von Cordoba und später Hauptstadt eines eigenständigen Taifas. 1085 eroberte der kastillischen König Alfons VI. Toledo. Obwohl aus dieser Zeit fast keine Bauten mehr übrig sind, ist die Stadtstruktur doch von ihrem orientalischen Charakter geprägt. Kurz nach seiner Wiedereingliederung in die christliche Welt wurde Toledo von Papst Urban II. als „primatus in totis Hispaniarum regni“ bestätigt, daher als wichtigster Ort der Kirche auf der iberischen Halbinsel. Jedoch war dieser Titel lange Zeit umstritten, erst im 13.Jahrhundert fand ein verstärkter Ausbau der Stadt statt. Diese Zurückhaltung, die sich auch im stark verspäteten Bau einer Kathedrale ausdrückt (erst 1226 legte man den Grundstein für eine Kathedrale, da Toledo Sitz eines Erzbistums wurde) ist wohl der politischen Situation der Reconquista (der Wiedereroberung der muslimischen Gebiete durch christliche iberische Truppen) geschuldet. Toledo lag lange Zeit an der südlichen Grenze der christlichen Gebiete. Man empfand es wohl als zu unsicher, größere Projekte in der Stadt zu starten.

Für das Zusammenleben von Christen, Mauren und Juden bis in das 15. Jahrhundert hinein hatte dies jedoch keine Konsequenzen, galt die Stadt als gelungenes Beispiel für religionsübergreifende Verständigung und deren wechselseitiger, kultureller Durchdringung. Im 12. und 13. Jahrhundert waren Toledo ein Zentrum für die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische und Romanische und damit ein wichtiger Ort der Wissensverbreitung vom Morgen- ins Abendland. Mit der Ausweisung der Juden 1492, im sogenannten Alhambra-Edikt und der Taufe bzw. Vertreibung der Mauren 1502 ging diese Ära zu Ende.

Architektonisch jedoch reichte der orientalische Einfluss weiter. Zum einen haben sich Bauten aus maurischer Tradition erhalten, wie die im 13. und 14. jahrhundert gebauten ehemaligen Synagogen St. Maria la Blanca und El Tránsito. Zum anderen sind die charakteristischen Neubauten jener Tage im Stil des Mudejar gehalten, womit man eine Bauepoche bezeichnet, die sich aus dem Traditionen der islamischen Architektur speist und diese in das Bauen der christlichen Welt aufnimmt. Toledo ist noch heute ein Zentrum dieses typisch iberischen Baustils.

Durch die Verlegung der Hauptstadt nach Madrid im Jahre 1561 büßte die Stadt naturgemäß an Bedeutung ein, blieb zwar Sitz der Generalinquisition (ein zweifelhafter Ruhm), verlor aber die Beachtung für das spanische Herrscherhaus, was mit dem heutigen Vorteil verbunden ist, keine gravierenden stadtplanerischen Veränderungen seit mehr als 400 Jahren erfahren zu haben. Künstlerischen Ruhm verdankt die Stadt ihrem wohl prominentesten Zugezogenen, dem Maler El Creco, der von 1577 bis zu seinem Tode im Jahre 1614 in Toledo lebte. Die Stadt geriet danach langsam in Vergessenheit und erst in der Zeit der Romantik, mit ihrer Rückbesinnung auf mittelalterliche Tradition und Kultur geriet Toledo wieder in den Fokus der ersten neuen Bewunderer. So ist zum Beispiel die Eröffnung des „El Greco-Museums“ um 1905 ein zeichen für diese Wiederentdeckung.

Zeitgeschichtliche Bedeutung erlangte Toledo im Jahre 1936, als im beginnenden spanischen Bürgerkrieg ein franquistisches Militärkommando das Alcázar einnahm, sich dort verschanzte und den Angriffen der republikanischen Truppen standhaft erwehrte. Diesen gelang es nicht, dass Alcázar zu erobern. So mussten sich die Republikanischen Truppen nach 70 Tagen Belagerung aus der Stadt zurückziehen, da die Truppen Francos den Aufständischen zur Hilfe gekommen waren. Die erfolgreiche Belagerung des Alcázars von Toledo galt später als Gründungsmythos, der auf den Bürgerkrieg folgenden Diktatur Francos in Spanien.

In den letzten Jahren erlebte Toledo einen starken Zuzug, was wohl auch in der Nähe und der guten Anbindung an Madrid zu tun hat, auch wenn die Stadt schon lange ihr Stadtgebiet erweitert hat und sich insbesondere entlang des Tajos nach Nordwesten hin ausdehnt.
Heute ist Toledo nicht nur ein Touristenmagnet, der aber trotz zahlreicher Besucher immer noch ruhige Ecken bieten kann und der eine Unmenge an architektonischen Schmuckstücken zählt und der nicht zuletzt auch durch einladende Bars und Restaurants kulinarische Genüsse offeriert.

 

Cullera

Die spanische Levanteküste ist ein eigenwilliger Platz. Nähert man sich vom Lande aus , so erkannt man das Meer nicht etwas an der blauen Weite, die sich irgendwann mit dem Horizont vermischt, sondern man sieht als erstes Hochhäuser und man weiß, kurz hinter diesen Urlaubsburgen kommt das Meer. In den meisten Fällen ist hier, in den letzten 60 bis 70 Jahren, die Küstenlandschaft radikal umgestaltet worden. Eine früher von Dünen, Lagunen, kleinen und verarmten Fischerdörfern sowie einsame Felsen beherrschte Gegend wurde seit den späten 1950er Jahren von einem wahren Tsunami des Bauens überschwemmt. Die Folge sind die heutigen Hochhaussiedlungen, die sich vom direkten Strandzugang bis ins Hinterland ziehen. Nur sehr wenige Fleckchen sind von dieser Welle nicht erfasst wurden. Doch trotz der historischen Kürze der Zeit und der Tendenz schnell und viel und nicht unterschiedlich und innovativ zu bauen kann man nicht sagen, dass diese Küstenorte alle gleich wären, wenngleich man dies auf den ersten Blick nicht annehmen würde.

Auch Cullera hatte einmal eine einsame Bucht, die Bahia de los Naranjos (Orangenbucht), die geschützt hinter dem Hausberg der Stadt lag, welcher diesen Küstenabschnitt umrahmte und ein kleines Kap schuf. Berg und Bucht bildeten so etwas wie eine markante Landmarke, denn es wirkt ein wenig wie eine Durchbrechung einer klaren Linie, die südlich von Valencia Land und Wasser trennt und sich bis zum Kap Sant Antoni, welches rund 50km südlich von Cullera hinter Denia befindet. Der eigentliche Ort Cullera jedoch lag nie am Meer, sondern etwas flussaufwärts, kurz vor der Mündung des Xuquer (oder auf Spanisch:  Júcar) Flusses ins Mittelmeer.
Schon in der Antike war der Ort des heutigen Städtchens bereits besiedelt. Historisch relevant ist, das 1231 Jaume I. die Burg am Hang des Felsens gründen ließ. Ein wichtiger Grund, war die strategisch höchst interessante Lage, die zwischen Mauren und Christen häufig umkämpft war. Ein Zeugnis der mittelalterlichen Seeräuber ist nicht nur die Cova de Dragut, in welcher eine eher für Kinder unterhaltsame Führung geboten wird, sondern insbesondere der Torre del Marenyet, ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, der die Küste vor Piratenangriffen schützen sollte.
Das heutige Cullera wird nicht mehr von dem kleinen Städtchen geprägt, das unterhalb einer Burganlage und des Klosters liegt und das tatsächlich ein paar versprengte Jugendstilhäuser und wenige reizvolle Gassen hat. Viel imposanter ist die mehrere Kilometer lange Hochhausreihe die sich in das schmale Stückchen Land zwischen Meer und Fels geschoben hat und die dem Ort, seine heutige Skyline gibt. Leider wird auch hier noch weitergebaut und immer mehr Häuser werden auf dem angrenzenden Felsenberg errichtet, ob dieser Bauboom erst aufhört wenn auch der letzte m² des Cullera-Berges verbaut ist, lässt sich nicht voraussagen, ist aber nicht zu hoffen.
Wie eben schon erwähnt, reihen sich die künstlichen Badeorte an der Costa Azahar am Strand entlang auf. Zweifellos ist diese Monotonie auch betrüblich und ein Beispiel dafür, wie sehr Massentourismus in eine reizvolle Landschaft eingreifen kann. Aber es wäre falsch davon auszugehen, dass nur ewig Gleiches hier zu finden wäre. Jeder dieser Orte hat eine eigene Atmosphäre. Um ihnen Beispiele zu geben: Benidorm ist so etwas wie die Hauptstadt und Hochhaus-Metropole mit den vielen ausländischen (zumeist britischen) Besuchern, Denia ist das scheinbar letzte verbliebene verträumte Hafenstädtchen mit den besten Restaurants der Küste, Gandia ist der Tummelplatz für partybegeisterte Jugendliche und Cullera?
Cullera ist ein bisschen von allem. Ähnlich wie Gandia lag die eigentliche Stadt nicht am Meer. Mittlerweile sind aber die Altstadt und die Neustadt am Meer miteinander verschmolzen. Trotzdem gibt es Monate, wo man beide Teile problemlos voneinander trennen kann, denn die Hochhäuser, die sich an der Promenade aufreihen sind von Oktober bis Mai fast unbewohnt.  Die Nähe zum alten Ortskern jedoch hat dazu geführt, das in letzter Zeit vermehrt ganzjährig in den Hochhäusern der ersten Linie (die „primera linia“ ist die spanische Bezeichnung für Häuser die direkt am Strand liegen und wo kein anderes Bauwerk mehr den Blick auf das Wasser versperrt) vereinzelt Menschen wohnen. Zu Ostern fegt dann das erste Mal der Besucherstrom über Cullera, die Restaurants auf der Promenade öffnen und die ersten Souvenirläden bieten die ewig gleichen Schnäppchen an, während die kleinen Waffelbäcker schon wieder erste Kalorien-Ignoranten begrüßen.  An den Wochenende im Mai und Juni kehrt dann wieder das normale quirlige Leben in die Bars und Restaurants zurück, die dann auch abends wieder öffnen. Hochsaison ist Juli und insbesondere August, wenn auf der Promenade die Menschen dicht an dicht aneinander vorbeilaufen, bis spät abends noch Kinder am Strand spielen, die afrikanischen Händler ihre nachgemachten Designertaschen, DVDs oder Klamotten verkaufen, die verloderten Parkplätze hinter den Hochhäuser stauben und jede Lücke wie ein Glücklos erscheint, der Ansturm auf die guten Plätze in den Bars und Restaurants beginnt und sich vereinzelte Jogger ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen, da wirkt Cullera nicht mehr nur wie ein Städtchen von knapp über 20.000 Einwohnern, sondern wie eine kleine Urlaubsmetropole. Schon in den 1980er Jahren hatte die Stadt eine Übernachtungskapazität von 100.000 Menschen. Anders als in den weiter südlich gelegenen Orten hat Cullera vergleichsweise wenige ausländische Touristen. Wenn dann verlieren sich einige Franzosen hierher. Dafür gibt es viele Einheimische, die aus der Region Valencia hier ihren Sommer verbringen, aber auch viele Madrilenen, für die Cullera eine der am schnellsten zu erreichenden Küstenorte ist. Sie bilden ein Gemisch an Menschen, das anders als in Gandia recht familienorientiert ist, ungleich zu Denia aber auch weit weniger begütert erscheint und auch wenn man sieht, dass hier nicht die wohlhabendsten Spanier Urlaub machen, so bleibt Cullera doch irgendwie sympathisch.

Literatur über Madrid

Gisela Noehles-Doerk „Madrid und Zentralspanien. Kunstdenkmäler und Museen“ aus der Reihe Reclams Kunstführer; 1986

Gisela Noehles Doerk gibt einen sehr fundierten Überblick über die Kunstschätze in und um Madrid. Sie behandelt ausführlich die Museen der Stadt Madrid und des Umlandes (bis hin nach Salamanca und Toledo), sie stellt übersichtlich die Geschichte Kastiliens und der beschriebenen Ortschaften dar und sie sammelt sehr viele nützliche Informationen zu Gebäuden und kleineren Ortschaften, welche nicht zum Standard „normaler“ Reiseführer gehören. Natürlich bleibt sie eng am Thema Kunst verhaftet und trifft keinerlei Aussagen zum Thema Essen, Übernachten, Shopping oder ähnliches. Wer diesbezüglich Informationen benötigt sollte sich unbedingt noch andere Lektüre besorgen. Jedoch habe ich noch keinen Führer über Madrid in deutscher Sprache gesehen, der über so viele Ecken in Madrid eine kurze und interessante Erklärung liefern kann. Einzig das Alter des Buches und die nicht vorhandene Neuauflage stören, da sich Madrid in den letzten 30 Jahren doch erheblich entwickelt hat.

 

Baedeker Reiseführer Madrid  (9.Auflage 2007; ISBN: 978-3-8297-1060-2)

Der Baedeker Madrid ist ein Reiseführer der insbesondere für den kulturell und kunstinteressierten Besucher der spanischen Hauptstadt gedacht ist. Dabei wird durchaus eine Menge geboten. Nach einem Überblick über die spanische Geschichte unter besonderer Betrachtung der Stadt Madrid finden sich weiterhin nützliche Tipps und viele Hintergrundinformationen (z.B. Wirtschaft, Berühmte Persönlichkeiten). Alphabetisch sind die Höhepunkte der Stadt aufgenommen, was nicht immer beste Übersichtlichkeit ermöglicht, denn es wird nicht zwischen Destinationen in und außerhalb der Stadt unterschieden. Jedoch sind die aufgenommenen Sehenswürdigkeiten und anderen Städte in  der Umgebung (wie Toledo oder Alcalá) gut beschrieben und man hat das Gefühl ausreichend informiert worden zu sein. Für eine Kurzreise ist auch die Anzahl der dargestellten Ziele absolut ausreichend. Allerdings sind verschiedene Sachen negativ zu bemängeln. Zum einen ist dies, ein recht arrogant klingender Unterton, welcher sich am deutlichsten bei politischen Beschreibungen wiederspiegelt. Den zum Zeitpunkt des Erscheinens amtierenden spanischen Ministerpräsidenten Zapatero als „hemdsärmelig“ zu bezeichnen ist nicht gerade feiner Stil, ich würde selbiges auch nur ungern in einem spanischen Reiseführer über Frau Merkel lesen, egal ob ich nicht ihre politische Richtung vertrete.
Zusammenfassend bietet der Baedeker einen sehr guten Überblick, der sich zwar nicht mit den sehr detaillierten Ausführungen des Reclam Kunstführers in puncto Sehenswürdigkeiten messen kann, aber lokale Besonderheiten wie Essen, Übernachten und Ausgehen beleuchtet, wenngleich immer unter der Prämisse einen gefüllten Geldbeutel zur Verfügung zu haben. Der etwas arrogante Tonfall und der ein oder andere Fehler fallen jedoch negativ auf. Der Preis von 17,95€ ist okay, jedoch sollte man auf Ausverkäufe älterer Auflagen achten, bei denen man kaum veränderte Führer schon für 5€ bekommt.

 

Barbara Borngässer, David Sánchez und Felix Scheffler „Madrid und der Prado. Kunst und Architektur“

 

Ein informativer und wunderbar bebilderter Band über die Geschichte Madrids ist „Madrid und der Prado. Kunst und Architektur“ aus dem Postdamer Verlag H.F. Ullmann. Das zweisprachige in Deutsch und Englisch vorliegende Buch versucht die Geschichte der spanischen Hauptstadt insbesondere anhand seiner Bauwerke zu erzählen. Das gelingt dem Buch wirklich sehr anschaulich, insbesondere die vorhandenen Fotografien sind auf einem hohen Niveau und der Text liest sich sehr informativ. Einen besonderen Platz findet das Museum des Prados im Buch, das ein eigenes rund 100 seitiges Kapitel bekommt und die wichtigsten Werke beschreibt. Mittlerweile ist das rund 400 Seiten starke Werk auch im Softcover erschienen und mit 12€ nicht nur jeden Cent wert, sondern wegen der verkleinerten Form auf Reisen tatsächlich transportabel. Im Umfang und seinem Detailreichtum ist es sicherlich nicht an Gisela Noehles-Doerk Buch heranreichend, aber es ist der beste aktuelle Kunst und Architekturreiseführer, der in deutscher Sprache momentan über Madrid vorliegt.

Pedro López Carcelén „Illustrated Atlas of the History of Madrid“

 

Wer sich für die Geschichte Madrids interessiert der wird bei Pedro López Carcelén Atlas zur Stadtgeschichte fündig. Leider liegt dieses rund 80 Seiten starke Werk nur in spanischer oder englischer Sprache. Dafür findet man aber ein wunderbar gezeichnetes Buch, dass schon in der Ur- und Frühgeschichte anfängt, in welcher es Madrid noch gar nicht (oder nur der Legende nach) gab. Zahlreiche Stadtzeichnungen erläutern die Anfänge der Stadt, insbesondere in arabischer Zeit und im Mittelalter und geben Aufschluss darüber wie und in welche Richtung sich die Stadt entwickelt hat. Das ist sehr indormativ, aber nicht Detailversessen und man bekommt einen sehr guten Einblick, wie sich dieser eher kleine Marktflecken zu einer der größten Städte Europas gemausert hat.

Die Skyline der Stadt

Historie der Skyline | Elemente der Skyline | Städte und ihre Skylines

Die Silhouette einer Stadt ist so etwas wie ihre optische Zusammenfassung oder vielleicht besser ihr Erkennungszeichen. Heute wird gern von der Skyline gesprochen, auch wenn das ein Begriff ist, der erst mit den Hochhäusern, den Skyscrapern, entstanden ist und vor 1890 eigentlich nicht auftaucht. Für diese kleine Abhandlung über die Ansicht einer Stadt, werden wir die beiden Wörter Skyline und Silhouette gleichbedeutend benutzen, auch wenn sie unterschiedliche Herkünfte und auch Bedeutungen haben.

Auf dieser Seite soll ein Blick auf die Skylines von Städten gerichtet werden. Wie sind sie historisch einzuordnen, nach welchen Elementen fügt sich eine Skyline zusammen und wie kann man unterschiedliche Stadtsilhouetten kategorisieren und was sagt das über die jeweilige Stadt aus.

Historie der Skyline

Eine Skyline lässt eine vertraute Ansicht der Stadt für die Bewohner entstehen. Gleichzeitig ist sie so etwas wie eine Zusammenfassung für Besucher des Ortes. Städte einzuordnen und ihren Inhalt, daher ihre Wahrzeichen zu unterscheiden ist kein zeitgenössisches Phänomen, so war schon das Erkennen der Bestandteile der Silhouette für den Rom-Reisenden zu einer Art von Ritual (das Unterscheiden und Benennen aller Kuppeln) geworden. Heute fungieren die bildlichen Abbildungen der Skylines als Label für die jeweilige Stadt, als Einladung, Versprechen und Erkennungszeichen.

Historisch entstehen die ersten Stadtansichten im Mittelalter. Im 12. Jahrhundert wird damit begonnen, das königliche Siegel mit der Ansicht von Städten des Herrschaftsgebietes zu verzieren. Später, ab der Renaissance, gibt es solche Stadtbilder auch auf Münzen und Medaillen, heute finden wir sie hauptsächlich auf T-Shirts, Postkarten oder auf den Seiten der Präsentationsmedien der Orte. Bis in die Renaissance hinein, handelte es sich bei den Stadtansichten aber zumeist um ideale Bilder, die aber gewisse Realitätsbezüge aufwiesen. Deren Sinn bestand weniger in einer genau perspektivischen Darstellung der Stadt als in einer funktionalen Schau. In der Weltchronik von Hartmann Schedel aus dem Jahr 1493 etwas wurden für die Städte Mainz, Neapel, Aquileia, Lyon und Bologna dasselbe Bild genommen (was noch dazu eine Vorlage einer älteren Darstellung der Stadt Candia, dem heutigen Heraklion war). Ziel war nicht die exakte Wiedergabe der Stadt, sondern das Aufzeigen einiger Charakteristika, wie den Reichtum der Stadt, die günstige Lage am Ufer eines Gewässers und die sichere Stadtbefestigung, welche Ruhe und Ordnung verlieh.
Das Panorama der Stadt, das Aufzeigen der repräsentativen Elemente des Ortes – ihrer Schauseite war das Anliegen der frühen Stadtdarstellungen. Das geht zurück auf die Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts, welche im Bildhintergrund historische Ereignisse und auch Städte dokumentierte. Reiche Bürger oder ganze Städte bzw. deren Administrationen konnten aus Lokalpatriotismus selbst ein eigenes Portrait bestellen, dass dann im Hintergrund den Ort abbildete.
Ein erster Versuch sich ganz, auf eine möglichst realistische Abbildung der Stadt zu beschränken, ist das wunderbare Buch, die „Städte der Welt“ von Georg Braun und Franz Hogenberg.  In diesem 6-bändige Werk (welche nacheinander von 1572 bis 1617 veröffentlicht wurden) das im lateinischen Original „Civitas Orbis Terrorum“ heißt, finden sich 250 Kupferstiche mit kolorierten Tafeln, die versuchten eine realistische Perspektive auf eine Ansammlung von Städten zu geben. Dabei wurde jede Ansicht auch mit einer Beschreibung der Stadt versehen und der Autor Georg Braun lud Leser dazu auf, ihm Ansichten ihrer Städte zu senden, damit er diese in späteren Auflagen verwenden konnte. Es war diese frühe Form der „Kunst des Städtelobs“ (S. Füssel S.9), welche das Stadtmarketing unserer Zeit vorbereitete.
Ebenfalls in der Zeit der Renaissance entstanden die ersten Stadtsillhouetten, beginnend mit der Ansicht von Florenz  aus dem Jahr 1480. Die wichtigsten Gebäude der Stadt wurden dabei als Silhouette gegen den leeren Himmel dargestellt. Heute sind Stadtsilhouetten eher als eine Auswahl der wichtigsten Gebäude gebräuchlich, die zumeist zweifarbig, vor einem Hintergrund als eine Anzahl von Wahrzeichen platziert werden. Sie besitzen weder einen einheitlichen, oder gar natürlichen Standpunkt, noch sind die abgebildeten Gebäude in einem realistischen Maßstab zueinander angeordnet (ein Beispiel, die offizielle Stadtsilhouette, die von der Stadt Dortmund herausgegeben wird: http://www.dortmund.de/media/p/lokalpolitik/grafikstadtsilhouette.pdf).
Mit der Entstehung der militärischen Artillerie und von komplizierten Verteidigungsanlagen,  wuchs auch ein politisches und militärisches Interesse an Stadtansichten und damit auch ein genaueres und maßstabsähnliches Bild von der Stadt. Im 17. und 18. Jahrhundert betonten Ansichten, die Verteidigungsgürtel eines Ortes. Eine erste systematische Dokumentation ließ der spanische König Philip II. (1556-98) von den wichtigsten Städten seines Landes einrichten. Dies waren weniger Pläne, als perspektivische Ansichten oder Vogelperspektiven, die einen Überblick über die jeweilige Stadt boten. Im Vordergrund jener Abbildungen stand zumeist der Teil der Stadt, der mit der souveränen Herrschaft identifiziert wurde (Paläste oder Rathäuser).
Heute in Zeiten von google Maps, wo sich Stadtplan und fotografische Aufnahme von Wahrzeichen treffen sind die Möglichkeiten der Darstellung von Städten, ihres Anblicks, höchst vielfältig und schwankt zwischen Marketing, Ästhetik und Genauigkeit. Die hier vorliegende Darstellung hat sich zum Ziel gemacht, nicht willkürliche Zusammensetzung von Wahrzeichen aufzuzeigen (diese finden sich dann eher in den Fotogalerien der Städte), sondern tatsächliche Perspektiven, die fotografisch aufgenommen wurden, zu präsentieren. Dieser vermitteln ein viel besseres Bild, was eine Stadt ausmacht, wie sie sich wirklich für Besucher und Einheimische zeigt und auch was sie nach alle den Jahrhunderten ihrer Geschichte, heute präsentieren oder auch nicht verbergen kann.

Elemente der Skyline

Die städtische Skyline ist, wie gerade erwähnt, das Ergebnis eines kumulativen historischen Prozesses. Dabei spielen hohe Bauwerke eine besondere Rolle, denn ihre Sichtbarkeit in der Masse der Gebäude einer Stadt sticht heraus. Sie bedienen sich daher des Vorteils ihrer besseren Sichtbarkeit. Früher hatten hohe Gebäude zumeist den Aspekt, eine symbolische Funktion zu besitzen. Sie sollten – zumeist als öffentliche Gebäude – die Bedeutung und die Selbstdarstellung des Ortes verkünden und eine Hierarchie der öffentlichen Institutionen augenfällig machen. Jedoch gab es auch schon im Mittelalter private Bauten, die in die Höhe wuchsen, obwohl dies eher selten war. Ein Beispiel sind die Geschlechter-Türme, wie der Asinelli-Turm, aus dem frühen 12. Jahrhundert in Bologna. Diese hohen privaten Bauten wurden aber von der Öffentlichkeit mit ebenso hoher Skepsis gesehen und deshalb war es zumeist den Gotteshäusern und etwas weniger emporragend, den Rathäusern vorbehalten, markant hervorzutreten, denn welchem Individuum oder welcher Familie sollte es vorbehalten sein sich über die Gemeinschaft zu stellen? Vor der Säkularisierung der westlichen Welt beherrschten daher zumeist sakrale Gebäude die Stadtsilhouette, im europäischen Regelfall waren dies Kirchtürme. Diese standen seit dem 9. Jahrhundert in Italien eher frei neben den Kirchen, während nördlich der Alpen vermehrt Kirchen mit zwei Türmen gebaut wurden, die sich direkt der Basilika anschlossen. Auffällige und gewaltige Kuppeln gab es seit Brunellschis Kuppel für den Dom in Florenz seit der Renaissance. Im orthodoxen Osten sind sie schon eher vorhanden, besonders in Byzanz schon im 6. Jahrhundert, man denke nur an die Hagia Sophia. Nimmt man nun die markante Stadttore, überragende Stadtmauern oder Türme von Rathäusern sowie georgafische Faktoren wie Gewässer oder Berge hinzu, hat man schon die grundlegenden Elemente einer Skyline bis zur Industrialisierung aufgezählt.
Die Industrialisierung wandelte die Skyline dann aber maßgeblich. Schornsteine, Wassertürme, später Sende- oder Fernsehtürme und natürlich Hochhäuser tauchten neu im Bild auf. Und mit dieser Umwandlung entstand auch eine Privatisierung der Skyline, denn die wachsenden Wolkenkratzer waren zumeist auf private Initiativen hin gebaut wurden. In den USA wurden die neuen Hochhäuser zum Monument von kommerziellen Erfolg und Reichtum. Moderne amerikanische Unternehmen sahen den Büroturm als Symbol für Wohlstand und so wurde der Wolkenkratzer zum Zeichen der Großstadtambitionen. Die Existenz des Hochhaus hatte und hat aber auch funktionale Zwänge und war nicht eine rein symbolische Protzerei, wobei die Unterschiede fließend waren und sind. In den Innenstädten wurden und werden Grundstücke immer wertvoller (gerade auch nach der historisch einsetzenden funktionalen Teilung der Stadt, in Wohngebiete, Gewerbegebiete und einem innenstädtischen Geschäfts- und Tourismuskern, der insbesondere eine starke Wertsteigerung erfahren hat), was das Ausnutzen der vorhandenen Fläche in die Höhe geradezu notwendig macht. Dergleichen hat die mit der Industrialisierung verbundene Urbanisierung eine gewaltige flächige Ausbreitung ehemals übersichtlicher Orte hervorgerufen. Städte sind nun kaum mehr in ihrer Gesamtheit auszumachen und wenn dann nur aus großer Entfernung. Und auch dabei besteht das Problem, dass durch den Prozess der Suburbaniserung, also dem Wegziehen in die Vorstädte, die Stadt zu einem urbanen Komplex wird, der über die eigentlichen verwaltungstechnischen Grenzen hinaus geht.

Die Abbildung der Skyline wird daher zu einem Suchen in der Vielzahl der Möglichen Blicke, Anblicke und Perspektiven, die auf die Stadt möglich sind. Daher ist eine kurze theoretische Übersicht nicht unangebracht, um vier gestalterische Elemente der Skyline zu unterscheiden, welche nach Spiro Kostoff (in „Das Gesicht der Stadt“), aufgezählt werden können:

  • Die Höhe: diese ist zumeist relativ im Kontrast mit der Umgebung. Städtische Verordnungen können beispielsweise Höhen von Bauwerken beschränken, wie dies schon im augusteischen Rom oder im elisabethanischen London der Fall war. Aber es kann auch da wiederum Ausnahmen geben. So durfte beispielsweise das Rathaus von Los Angeles dreimal höher werden, als die angesetzte Maximalhöhe der restlichen Gebäude von 46m. (LA hatte bis 1956 diese Höhenbeschränkung, was erklärt, dass die Stadt heute nur eine sehr junge Hochhausskyline hat. Washington hat noch heute eine Begrenzung der Bauwerke auf 39,6m, wobei natürlich einige historische Monumente, die entsprechend zur Geltung kommen sollen höher sind)
  • Die Form: hier spielt der Umfang von hohen Gebäuden eine Rolle, welche dann die Stadt Silhouette formen, ein Fernsehturm nimmt eine vollkommen andere Form in der Skyline ein, als eine gewaltige Kuppel oder aber ein mehrstufiges Hochhaus.
  • Die Annäherung oder Perspektive: wo steht man wenn man auf die Skyline blickt? Bei kleineren Städten gab es früher drei Möglichkeiten: die Ansicht von einer Landstraße aus, Ansicht vom Fluss oder Meer aus oder die Ansicht von einem Aussichtspunkt.
    Überhaupt hat sich mit der flächenmäßigen Vergrößerung der Städte das Problem aufgetan, dass die gewählte Perspektiven zumeist nur Ausschnitte erlauben. Die Stadtsilhouette verliert daher den Anspruch einen Zusammenfassung zu sein und ist dann mehr eine Kenntlichmachung eines Teilaspektes. Valencia zum Beispiel hat sich neben dem historischen Stadtkern, der zumeist Kirchen und Häuser des Mittelalters und der Neuzeit beherbergt, ein zweites Viertel, die Stadt der Wissenschaft und Künste, vom heimischen Architekten Santiago Calatrava anlegen lassen, was etwas außerhalb der Innenstadt steht und ein vollkommen anderes Bild abgibt, denn es handelt sich hier um ein neues eigenes Viertel mit öffentlichen Einrichtungen, dass eine ganz andere, eher der Zukunft zugewandte Facette darstellen möchte, das moderne Valencia von morgen, schon heute. Interessanterweise gibt es aber keine Perspektive, keinen Ort, der beide Viertel bildlich vereinen könnte.
  • Städte können eigene farbliche Gesamtwirkung haben, aber die Ausbreitung der Elektrizität machte eine neue nächtliche Skyline sichtbar, welche wiederum die Ansicht auf die Stadt ändert. So ist Dubai ein buntes Farbenmeer in der Nacht, während Edinburgh bei Tage eine graue, aber erhabene Wüste an den Hügeln und Ufern des Firth of Forth ist.

Städte und ihre Skylines

Wie schon beschrieben geht es uns auf dieser Seite nicht um eine Aneinanderreihung von Wahrzeichen der Stadt, sondern auf den Blick auf eine solche. Dieser soll von einem Standort gewählt und fotografiert werden, der eine An- bzw. Ein-sicht auf die betreffende Stadt möglich macht. Wie präsentieren sich Städte heute und was sagt dies über sie aus.
Dabei kann man verschiedene Formen der Skylines unterscheiden. So können entweder Hochhäuser den Blick auf die Stadt dominieren, oder es wurde versucht den Bau dieser zu beschränken und bewusst den Blick auf historische Gebäude zu lenken. Natürlich kann auch die Industrialisierung an sich ihre Spuren hinterlassen, in Form von großen und kaum übersehbaren Fabriken mit ihren Schloten. Zumeist sehr pittoreske Silhouetten bieten sich bei herausragender geografischer Beschaffenheit, so wie es beispielhaft bei Rio de Janeiro zu nennen ist, wo sich Berge und Meer scheinbar malerisch in das Bild der Stadt Mengen.

Nach allen theoretischen und historischen Betrachtungen, nun ein konkreter Blick auf die Skylines einiger Städte, die bei tommr.net Beachtung finden. Damit soll sich auch zeigen, wie unterschiedlich mit diesen Schauseiten, den Visitenkarten der Städte verfahren wird, wie unterschiedlich als Städte aussehen können. Kurz zusammengefasst kann man neben traditionellen Silhouetten, auch dynamische Silhouetten unterscheiden. Traditionelle Skylines versuchen ihre historischen Ansichten zu schützen und Hochhäuser nicht zentral oder gar nicht bauen zu lassen. Das Gegenteil dazu wären dynamische Skylines, die besonders in den letzten 100 Jahren eine erhebliche Veränderung erfahren haben. Zuerst wurden Kirchtürme von Hochhäusern abgelöst und diese dann von höheren Wolkenkratzern und so weiter. Anders als eine geschützte Silhouette ist eine Dynamische stets der Erneuerung unterworfen, ganz dem modernen Motto von schneller, höher weiter. Die meisten Städte versuchen aber einen Mittelweg zu wählen, wo die Skyline punktuell weitert wird und in einen gewissen Einklang mit der historischen Bausubstanz gestellt wird, was in manchen Ecken zweifellos mehr gelingt als in anderen.  In der folgenden Fotoschau werden wir dies mit einigen Aufnahmen aufzeigen.

urban facts Berlin

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum / Metroregion 3.613.496 / 4.469.439 / 6.117.535
Einwohnerentwicklung 2013-14: Stadt / Ballungsraum + 1,4% / +1,4%
Fläche: Stadt / Ballungsraum / Metroregion 891,68 km² / 3.743 km² / 30.546 km²
Bevölkerungsdichte: Stadt /Ballungsraum / Metroregion 3.891 Einw/km² / 1.194 Einw./km² / 200 Einw./km²
Geographische Höhe 34-122m
Koordinaten 52° 31′ N – 13° 24′ O
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 570 / 106 / 1845
Fluss Spree mündet in Berlin nach 400km in die Havel
KfZ-Kennzeichen B

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Michael Müller (SPD) – seit 2014
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Deutschlands und eigenes Bundesland
Anzahl Besucher im Jahr 2014 28,7 Mio. Übernachtungen, ca. 100 Mio. Tagestouristen, 3 beliebteste Destination Europas
Platz in der Mercer-Studie 2015 14. (4. beste deutsche Stadt)
Global City Status Beta +
Flughafen Momentan noch zwei Flughäfen in Betrieb, da neuer Zentralflughafen noch in Bau:
Tegel (TXL; eröffnet: 1948; 21 Mio; PAX 2015; 4.größter Flughafen Dtl. ; 2 Landebahnen, 5 Terminals; 11km NW vom Rathaus)
Schönefeld (SXF, eröffnet: 1946; 8,5 Mio. PAX 2015; 8. Größter Flughafen Dtl.; 1 Bahn; 20km S vom Rathaus)
ÖPNV S-Bahn: 15 Linien auf 331km Streckenlänge, erste Stadtschnellbahn die als S-Bahn bezeichnet wurde; 413 Mio. PAX 2013
U-Bahn: eröffnet 1902; 10 Linien mit 146km Streckenlänge; größtes U-Bahn Netz Dtl.; 2011: 507 Mio. PAX
Straßenbahn: 22 Linien auf 189km Streckenlänge bei 808 Haltestellen, 3. Längstes Straßenbahnnetz der Welt; 181 Mio. PAX 2014; erstmals 1865 (als Pferdebahn)
Bus: 152 Stadtbuslinien bei 390 Mio. PAX 2011; erstmals 1825 (als Pferdebus)
ÖPNV Eigentümlichkeiten Tagesticket 7€ (7,60€ mit Umland)
Entfernung nach… Leipzig 190km (Auto: 1h50min; Bahn: 1h13min)
Dresden 195km (Auto: 1h55min; Bahn:1h56min)
Hannover 285km (Auto:2h40min; Bahn: 1h36min)
Hamburg 290km (Auto: 2h35min; Bahn: 1h42min)
Kopenhagen 440km (Auto: 5h50min; Bahn: 7h16min)
Warschau 575km (Auto: 4h55min; Bahn: 5h30min)
nächster Ort über 500.000: Leipzig 190km
nächster Ort über 1000.000: Hamburg 290km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten 31 Unis oder Hochschulen mit ca. 160.000 Studenten, davon vier Universitäten
Humboldt-Universität (HU); gegründet als Universität zu Berlin 1809; mit 33.000 Studenten (2015);
Freie Universität (FU); gegründet 1948; ca. 33.000 Studenten (2015)
Technische Universität (TU); gegründet 1879 als Technische Hochschule Charlottenburg; ca. 34.000 Studenten (2015)
Universität der Künste (UdK); gegründet 2001 (Universitätstitel vergeben); 3.500 Studenten, größte Kunsthochschule Europas
Anzahl Museen und Sammlungen 175 mit ca. 12 Millionen Besuchern jährlich (2006)
Größten jährlichen Feste Berlinale (Februar); größtes Kino-Publikumsfestival der Welt (ca. 490.000 Kinobesucher); seit 1951
Karneval der Kulturen (Pfingsten); erstmals 1996; ca. 750K Besucher pro Jahr
Sportvereine der Stadt Fußball:
Hertha BSC: gegründet 1892; 2xDt.Meister (letztmals 1931); Ø-Zuschauer: 50.214 (2014/15) @Olympiastadion
1.FC Union Berlin: gegründet 1966; 1xDDR Cupsieger; Ø-Zuschauer: 19.129 (14/15) @ Alte Försterei
Eishockey: Eisbären Berlin: gegründet 1954 als SC Dynamo Berlin, seit 1992 Eisbären; 7xDt.Meister; 15xDDR-Meister;1xDt.Pokalsieger: Ø-Zuschauer: 13.092 (15/16) @ Mercedes-Benz-Arena
Basketball: ALBA Berlin; gegründet 1991; 8xDt.Meister; 9xDt.Pokalsieger; 1xKorac-Cup; Ø-Zuschauer: 9.906 (15/16)@ Mercedes-Benz-Arena
Handball: Füchse Berlin: gegründet 1891; 1xDt.Pokalsieger; 1xEHF-Pokalsieger; Ø-Zuschauer: 8.050 (15/16) @ Max-Schmeling Halle
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Überregional:

taz. die tageszeitung; seit 1978; Auflage: 52.000; linksalternativ
Die Welt; seit 1946; Auflage: 187.000; konservativ
Neues Deutschland; seit 1946; Auflage: 28.000; sozialistisch

Regional:
Berliner Zeitung; seit 1945; Auflage: 110.000;
Berliner Morgenpost; seit 1898; Auflage:90.000
Tagespiegel; seit 1945; Auflage: 111.000

Alle Auflagezahlen sind vom 4.Quartal 2015; Quelle wikipedia.de

Biersorte des Ortes: Berliner Pilsner: gegründet 1902;
Berliner Kindl; geründet 1872
Schultheiss; gegründet 1842
alle zur Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei gehörend, die Teil der Radeberger Gruppe ist
Erste urkundliche Erwähnung 1237
Gegründet von: Unklar; auch ob Cölln oder Ur-Berlin älter ist
Großstadt seit 1747
Das entscheidende Jahr 1961; durch den Mauerbau wird die Stadt in zwei Teile getrennt
Meisten Einwohner im Jahr 4.478.000 (1942)
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute -22,53%
Man trifft sich am: Alexanderplatz; Bahnhof Zoo,…
Kneipenviertel: Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Mitte…
City Branding Be.Berlin; Spree-Athen

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Brandenburger Tor
Architektonisches Highlight Berliner Philharmonie (Hans Scharoun)
Höchstes Gebäude Fernsehturm (365m); höchstes Haus: ParkInn Hotel 122m
Meist fotografiertes Gebäude Reichstag
Anzahl Starbucks 21
Konzernzentralen von Siemens (geteilter Firmenhauptsitz mit München); gegründet 1847; heute ca. 348.000 Mitarbeiter weltweit
Deutsche Bahn; gegründet 1994; ca. 300.000 Mitarbeiter, davon 21.000 in Berlin
Anzahl Pendler (2014) 294.000 Einpendler; 168.000 Auspendler; Saldo: 126.000
Straftaten auf 100.000 Einwohner (2014) 15.873 (2. Höchster Wert in Deutschland)
Kaufkraftindex in D 91,6%
Verfügbares Einkommen privater Haushalt 17.594€ (85,9% des dt. Durchschnitts)
Arbeitslosenquote 13,8% (1.2016)

Bevölkerungsentwicklung:

1220 1300 1400 1600 1618 1648 1680 1688 1710 1730
2.400 4.000 7.000 9.000 12.000 6.000 10.000 18.000 55.000 72.387

 

1747 1780 1800 1831 1855 1871 1877 1900 1905 1913
107k 140k 172k 248k 447k 826k 1007k 1888k 2040k 2079k

 

1919 1920 1925 1942 1945 1949 1965 1990 2000 2014
1928k 3879k 4025k 4472k 2807k 3328k 3274k 3433k 3388k 3469k

Berlin

Geschichte Berlins (in Arbeit) | urban facts | Berlin der 1920er (in Planung) | Hochhäuser Berlins (in Planung)

Für einen Dresdner ist Berlin immer eine gedankliche und auch emotionale Herausforderung. Als Kind habe ich keine Stadt so verachtet wie Berlin, oder genauer „Berlin. Hauptstadt der DDR“, wie der Ostteil der Stadt offiziell hieß. Die ständige Betonung das diese Häusersammlung Hauptstadt war, fand ich arrogant und angeberisch. Der Westteil von Berlin existierte für mich nicht in dieser Weise, der war irgendwie unerreichbares Ausland und da man dort nicht hinfahren konnte, diente er maximal als fantastische Projektionsfläche des Paradieses. Nicht ganz unprägend war in meiner Berlin-Verachtung, dass ständige Gewinnen des BFC Dynamos von DDR- Fußballmeisterschaften, deren eigentlicher Gewinner Dynamo Dresden sein sollte. Auch unbeteiligte Personen mussten unter dem sächsischen Hass leiden, so wurde eine Mitschülerin ständig als „Preußen-Schwein“ beschimpft, obwohl sie einfach nur Berlin hieß. Paradoxerweise hatte damals Berlin aber auch eine gewisse Faszination, der Fernsehturm, U-Bahn oder einen Flughafen auf dem große Flugzeuge wie die IL-86 landen konnten. 

In meiner langsam anwachsenden, gesamtdeutschen Perspektive, erlosch auch meine Verachtung für Berlin als glänzende Hauptstadt der DDR, schon allein weil es keine DDR mehr gab und Dresden nun immerhin auch Hauptstadt war, wenn auch nur von Sachsen (trotzdem war ich strikt für Bonn, als entschieden wurde, welche Stadt mit B neue Hauptstadt Deutschlands werden sollte). Die nun etwas häufiger werdenden Besuche in Preußen (der Begriff Preußen und seine Geschichte haben und hatten für mich immer noch eine gewisse Faszination, was auch wiederum damit zu tun hat, dass man als Sachse lernte, dass Preußen einen Leiden ließen) hatten den Hauptzweck Konsumgüter zu erwerben, die man in der sächsischen Provinz so nicht bekam. Dabei nutzte man die Zeit ebenso, um sich die immer wieder gleichen (touristischen) Attraktionen (Ku’Damm, KaDeWe, Unter den Linden,…) anzuschauen, manchmal durchsetzt mit etwas Neuem. Später, mit der Zeit größerer Unternehmungen in meinem Leben, wurde Berlin zum Transitort, der wunderbare Tore zur Welt öffnete. So startete meine erste Flugreise von Tegel und ich glaube ich bin auf keinem Airport mehr gelandet als in Schönefeld (außer vielleicht in Tegel und natürlich in Barajas). So spielte Berlin eine immer größere Rolle in meinem Leben, doch Berlin wirklich erlebt habe ich selten, man kann fast sagen, nie.

Nun ist es an der Zeit dies langsam zu ändern, denn Berlin ist einer der faszinierendsten Plätze Europas. Nur wenige Städte auf der Welt können auf eine solch abwechslungsreiche Geschichte in den letzten 300 Jahren zurückblicken. Bedenkt man das Berlin davor praktisch unbedeutend war, ist das umso erstaunlicher. Heute ist Berlin Weltstadt, ohne wirklich etwas Weltstädtisches, wie New York, London oder Paris zu haben. Berlin ist ebenso Provinz, wie Metropole, Berlin ist irgendwie ganz anders als die anderen großen Hauptstädte des Kontinents. Aber all das macht auch die Faszination dieser wundervollen Stadt aus.

urban facts Prag

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum 1.294.513 / 1.430.000
Einwohnerentwicklung 2005-2015 +6,83%
Fläche 496km²
Bevölkerungsdichte 2.538 Einw/km²
Koordinaten 50° 5′ N – 14° 25′ O
Geographische Höhe 176m-397m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 526mm / 90 / 1902
Fluss Moldau
KfZ-Kennzeichen A

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Adriana Krnáčová (ANO 2011) Mitte
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Tschechiens, Eigener Kray und Statutarstadt
Anzahl Besucher im Jahr 5,5 Mio Übernachtungsgäste 2013 (85% Ausländer)
Platz in der Mercer-Studie (2015) 68. (höchstes Ranking für osteuropäische Stadt)
Global City Status Beta +
Flughafen Letiště Václava Havla Praha (PRG, 12,4 Mio. PAX 2008, 1937 eröffnet, seit 2005 mit 2 Terminals)
ÖPNV Metro Prag mit 3 Linien auf 59,5km bei 57 Bahnhöfen, eröffnet 1974, von 5 bis 24 Uhr in Betrieb, mehr als 1 Mio. Pax pro Tag; 2011: 530 Mio. PAX
Straßenbahnnetz mit 26 Tag und 9 Nachtlinien auf 141km (Gesamtlinienlänge 540km), als Pferdestraßenbahn seit 1875, als elektrische Straßenbahn seit 1891
ÖPNV Eigentümlichkeiten Teilweise liegen die Metro Stationen tief unter der Erde, so gilt die Station Náměstí Míru mit 53m unter der Erde als tiefstgelegenste Station der EU
Entfernung nach… Brünn: 205km (Auto: 2h; Bahn: 2h40min)

Wien: 290km (Auto: 3h; Bahn: 4h45min)

Dresden: 150km (Auto:1h40min; Bahn:2h15min)
nächster Ort über 500.000 Einwohner: Dresden 150km
nächster Ort über 1.000.000 Einwohner: Wien 290km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten 5:

Karls-Universität (gegründet 1348, älteste Universität Mitteleuropas; 46.000 Studenten)

Tschechische Technische Universität (gegründet 1863; 23.000 Studenten)
Tschechische Agrar-Universität (gegründet 1952; 22.000 Studenten)
Universität für Chemie und Technologie (aus TU 1953 ausgegründet; 4.000 Studenten)
Wirtschaftsuniversität (1919 gegründet; 19.000 Studenten) sowie zahlreiche Hochschulen und Akademien

Anzahl Museen und Galerien Mehr als 150 (laut wikipedia.cz)
Sportvereine der Stadt Die beiden bekanntesten Prager Clubs sind Sparta und Slavia, die jeweils neben Fußball, auch eine Eishockey Abteilung haben:
Sparta Prag: Fußball: 35xLandesmeister; 27x Pokalsieger; 3xMitropa-Cup; 1xHF EC1; Ø-Zuschauer: 8.786@Generali Aréna (12/13)
Eishockey: 8xLandesmeister; 2xSpengler-Cup; @Tipsport ArenaSlavia Prag: Fußball: 17xLandesmeister; 7x Pokalsieger; 1xMitropa-Cup; Ø-Zuschauer: 6.943@Eden Aréna (12/13)
Eishockey: 2xLandesmeister @O2 Arena
Dukla Prag: Fußball: Ø-Zuschauer: 2.189@Juliska
Bohemians 1905: Fußball: 1xLandesmeister; Ø-Zuschauer: 4.283@Dolicek (in der 2.Liga gibt es einen Club ähnlichen Namens)
Eishockey: Lev Prag (KHL-Team, 2012/13 erste Teilnahme, Play-Off VF;
Biersorte des Ortes: Staropramen
Erste urkundliche Erwähnung 1.Hälfte des 9.Jahrhunderts
Gegründet von: Slawen
Großstadt seit Genaues Jahr unklar; geschätzt gegen 1835
Das entscheidende Jahr 1945
Meisten Einwohner im Jahr Heute
Man trifft sich am: Wenzelsplatz
City Branding Die Goldene Stadt, Stadt der hundert Türme

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Karlsbrücke
Architektonisches Highlight St.Veitsdom (Peter Parler)
Höchstes Gebäude City Tower (109m); Fernsehturm (216m)
Meist fotografiertes Gebäude Prager Burg (Hradschin)
Tags: Siehe Tagliste.
Anzahl Starbucks 20
Konzernzentralen von Mit Beschäftigten? (vor Ort oder weltweit?)
Anzahl Pendler 318.000
Straftaten auf 100.000 Einwohner (2009) 6820 (ähnlicher Wert wie Wien)
Verfügbares Einkommen Ca. 1090€/Monat (höchster Schnitt in CZ)
Arbeitslosenquote 3,5%

 

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr 1230 1370 1600 1804 1837 1927 1950 1980 2012
Population 3.000 40.000 60.000 76.000 105.000 718.000 931.000 1180k 1241k

 

 

Geschichte Prags

Das Gebiet der heutigen Stadt Prag ist schon zur Zeit der Ur- und Frühgeschichte besiedelt. Bis zur Zeitenwende wohnten hier Kelten, später die germanischen Makromannen, ab dem 6.Jahrhundert stießen slawische Siedler dazu.  Für das heutige Prag entscheidend war die Gründung der Prager Burg im 9. Jahrhundert, nur ein Jahrhundert später kam die auf der anderen Seite der Moldau gelegene Burg auf dem Vyšehrad dazu. So wurde Prag Sitz des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden. Die Burgen gaben Schutz und so siedelten sich Handwerker und Händler an, sowohl tschechischer als auch deutscher Herkunft. Ab 1212 gehörten die böhmischen Länder zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. König Wenzel I. ließ Prag um 1230 befestigen und gab dem Ort an der Moldaubiegung das Stadtrecht. Rund 30 Jahre später wurde auf der Westseite der Moldau eine neue Stadt gegründet, die heutige Kleinseite, etwas später (1320) noch die Hradschin-Stadt, welche sich unmittelbar westlich von der Prager Burg befindet.
Als Karl IV. nicht nur böhmischer König, sondern 1355 auch Kaiser wurde, erlebte Prag einen großen Aufschwung. Seit 1348 war man Universitätsstadt (die erste deutschsprachige Universität überhaupt), Handel, Handwerk und Kultur blühten. Mit der Gründung der Prager Neustadt im selben Jahr wurde Prag zu einer der bedeutendsten Agglomeration Europas, denn es handelte sich weiterhin um vier getrennte Städte (Altstadt, Kleinseite, Hradschin-Vorstadt und Prager Neustadt). Mit dem ersten Prager Fenstersturz 1419 und den daraus folgenden Hussitenkriegen war es mit der blühenden Stadt jedoch fürs Erste vorbei. Erst der schwache deutsche Kaiser Rudolf II. machte Prag wieder zur Residenzstadt, was den Adel ermunterte, prächtige barocke Palais bauen zu lassen.
Im Jahr 1618 kam es dann zum zweiten Prager Fenstersturz, der den dreißigjährigen Krieg auslöste. Dieses Defenestrieren (also jemanden zum Zwecke des Protestes aus dem Fenster zu werfen) gilt als Beginn des protestantisch- böhmischen Aufstands gegen die katholischen Habsburger. Jedoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Dreißigjährige Krieg keineswegs nur eine religiöse Auseinandersetzung war, vielmehr ist er ein Krieg verschiedenster europäischer Staaten, um möglichst große Macht. 1620 kam es zur Schlacht am Weißen Berg, ganz in der Nähe von Prag, als die protestantischen Stände Böhmens, von den Streitkräften der katholischen Habsburger vernichtet wurden. Fortan bestimmten die Habsburger nicht nur das Baugeschehen, sondern auch die kulturellen Aktivitäten in der Stadt als auch im böhmischen Land. Das Tschechische ging mehr und mehr verloren bzw. wurde zurückgedrängt. So werden die nächsten zweihundert Jahre in der tschechischen Geschichte auch „temno“ (Finsternis) genannt.
Erst im Jahr 1784 schlossen sich die vier bisher selbständigen Prager Städte Hradschin (Hradčany), Kleinseite (Malá Strana), Altstadt (Staré Město) und Neustadt (Nové město) zusammen. In diese Zeit fallen auch die Anfänge der Widergeburt des tschechischen Nationalbewusstseins, insbesondere als eine Reaktion auf den Zentralismus Wiens. Wie so viele andere Städte in Europa auch, erlebte Prag im 19.Jahrhundert intensiv die Zeit der Industrialisierung. Lebten in Prag 1837 105.000 Einwohner (eine für die damalige Zeit erstaunlich hohe Zahl), so waren es 1925 schon 718.000. Wie in so vielen Städten zog vermehrt die Landbevölkerung in die Stadt, im Falle Prag war diese zumeist tschechischer Herkunft. So verloren die deutschen Bewohner 1855 ihre bevölkerungsmäßige Mehrheit in Praha. Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell erlebte die Stadt einen Boom. Hier entstanden die Opern von Bedřich Smetana und Antonín Dvořák. Literarische Dichterkreise wetteiferten miteinander und brachten Autoren wie Franz Kafka oder Rainer Maria Rilke hervor. Obwohl sowohl Deutsche, als auch Tschechen in Prag lebten, kann man das Leben in der Stadt nicht als Beispiel gelungener Integration heranziehen. Sahen die Tschechen Prag als ihren kulturellen Mittelpunkt, fühlten die Deutschen sich ehr wie in einer Enklave und schielten auf die deutschen Zentren wie Berlin oder Wien. Ein Beispiel für diese fehlende Integration war auch die Zweiteilung der Karlsuniversität in Prag in einen deutschen und einen tschechischen Bereich.
Nach dem 1.Weltkrieg sahen die Tschechen die Zeit gekommen einen eigenen Staat auszurufen (und sich von Österreich-Ungarn loszusagen), was am 28. Oktober 1918 geschah. Zwei Tage später schloss sich auch das Slowakische Nationalkomitee der neuen Tschechoslowakischen Republik an, deren neue Hauptstadt Prag wurde. Doch die Selbstständigkeit hielt keine 21 Jahre. Am 15. März 1939 besetzten deutsche Truppen die sogenannte Rest-Tschechei und bildeten daraus das Reichsprotektoriat Böhmen und Mähren, während sich östlich davon die unter deutschem „Schutz“ stehende Slowakische Republik gründete. Obwohl unter deutscher Besetzung erlitt Prag im 2.Weltkrieg keine größeren Verluste, was nicht nur dadurch bedingt war, dass die Stadt sehr lange außerhalb der Reichweite der alleierten Luftwaffe lag, sondern wohl auch daran, dass die Stadt – mit rund 90% tschechischer Bevölkerung – geschont werden sollte. Ebenso verzeichnete Prag keine kriegswichtige Industrie.
Mit dem Ende des 2.Weltkireges ging auch das Ende der deutschen Bevölkerung einher. Der durch die Taten Nazideutschlands verursachte Rachefeldzug kostete vielen Deutsch-Pragern das Leben.
Seit 1948 dominierte die Kommunistische Partei in der seit 1945 wieder bestehenden Tschechoslowakei, die recht bald in das politische System des Ostblocks eingegliedert wurde. Doch noch einmal sollte Prag in die Weltöffentlichkeit geraten, als es im Jahr 1968 zum sogenannten „Prager Frühling“ kam. Unter Führung Alexander Dubčeks versuchte die Kommunistische Partei, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu schaffen und leitete eine Phase der Reformen ein. Den Bruderstaaten im Ostblock ging dieses Bemühen jedoch zu weit und so marschierten am 21.August 1968 Truppen aus fünf Staaten des Warschauer Paktes ein. Am 23. August reiste die tschechische Führung nach Moskau und musste Zustimmen, den Großteil der Reformgesetzte rückgängig zu machen. Das Regime wurde jedoch viele Jahre später durch die samtene Revolution im November 1989 gestürzt. Nur wenige Wochen vorher war Prag fast täglich in den (west)deutschen Medien vertreten, als hunderte DDR-Bürger in die Botschaft der Bundesrepublik flüchteten, um von dort ihre Ausreise in die BRD zu erzwingen. Die Ausreise der Flüchtlinge, die wie von der DDR-Führung befohlen über ostdeutsches Territorium gelotst werden musste, führte dann in der DDR zu neuen Unruhen und leitete mit den Untergang der DDR ein. Nach der Spaltung der Tschechoslowakei wurde Prag am 1.1.1993 Hauptstadt Tschechiens.

Praha (Prag)

Geschichte Prags | urban facts Prag

Praha (oder auf Deutsch: Prag) ist eine besondere Stadt. Für Dresdner, wie mich, beispielsweise ist sie die am nähesten gelegene Hauptstadt und Millionenstadt (2015 hatte Prag 1,25 Millionen Einwohner). Aber sie ist auch eine der am meisten besuchten Städte Europas und liegt unter den Top 10 der höchst frequentierten Destinationen von Städtetouristen. Von daher ist Prag eine äußerst touristische Stadt mit allen Nachteilen, die dieses Image mit sich bringt. Wohl jeder kennt mindestens eine Person, die schon mal in Prag „Opfer“ mehr oder weniger dubioser Geschäftsgebaren wurde, sei es im Hotel oder der Pension, im Restaurant oder aber im Taxi, dem Autor selbst fallen bei dieser Gelegenheit mindestens zwei Geschichten aus eigener Erfahrung ein. Sich davon aber einen Prag-Besuch verleiden zu lassen, wäre töricht, denn  die „Goldene Stadt“ ist zweifellos eine der schönsten Städte Europas. Auch soll damit nicht gesagt werden, dass die Prager Bürger schlechte Gastgeber wären, denn es gibt mindestens ebenso viele angenehme und schöne Geschichten zu erzählen, wie Unangenehme und auf jedes touristische Restaurant mit unklaren Servicezuschlägen im Stadtzentrum kommen fünf angenehme Restaurationen etwas abseits davon.

Die Hauptstadt Tschechiens ist nicht nur das kulturelle, politische und wirtschaftliche Herz des Landes, in der Moldaustadt wohnen auch weit mehr als 10% der Bürger der Republik. Der Name Praha geht wohl auf das Wort „práh“ für Schwelle oder Balken zurück und könnte im Zusammenhang mit dem Moldaufluss stehen, wo Holzschwellen benutzt wurden, um den Lauf des Gewässers zu begradigen. Natürlich gibt es auch eine mythische Geschichte zum Stadtnamen. In jener ist es die sagenhafte premyslidische Stammmuter Libuše, welche ihr Gefolge in den Wald schickte, um Holz für eine Türschwelle zu gewinnen. An jener Stelle, wo die Bäume gefällt wurden entstand Praha. Wie auch immer man zu Entstehung des Namens der Stadt steht, die Geschichte Prags ist äußerst interessant.

urban facts Lissabon

Allgemeine Daten:

Einwohner Stadt:
Ballungsraum Grande Lisboa:
Metropolregion Lissabon:
545.245 (2011)
2.242.326 (2013)
2.821.697 (2011)
Einwohnerentwicklung Stadt 2001-2011 -3,44%
Fläche: Stadt Lissabon
Grande Lisboa
Metropolregion Lissabon
84,92 km²
1381 km²
2921 km²
Bevölkerungsdichte in Stadtgebiet 6421 Einw./km²
Koordinaten 38° 43′ N – 9° 10′ W
Geographische Höhe 0-226m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 774mm / 117 / 2806
Fluss Tejo (mündet hier in den Atlantik nach 1007km)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Fernando Medina Maciel Almeida Correia (PS – Sozialdemokraten; seit 2015)
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Portugals seit 1255
Anzahl Besucher im Jahr 3,54 Mio (2015)
Platz in der Mercer-Studie 41. (2015; hinter Barcelona, aber vor Madrid)
Flughafen Flughafen Lissabon-Portela (LIS; eröffnet 1940; 18 Mio; PAX 2014; Drehkreuz von TAP; 2 Landebahnen, 2 Terminals; 7km N der Innenstadt)
ÖPNV Metro Lisboa: in Betrieb seit 1959; 4 Linien auf 45,5km Länge mit 55 Stationen; 2006 mit 418 Mio. PAX
weiterhin existieren vier S-Bahn Linien, sowie 5 Straßenbahnlinien (von ehemals 27) bei 26km Streckenlänge; als Pferdebahn 1873 eröffnet, seit 1901 elektrisch betrieben
Bus: 80 Linien auf 680km Netzlänge
Elevadores: drei Standseilbahnen und der Aufzug Elevador de Santa Justa
ÖPNV Eigentümlichkeiten Im ÖPNV bezahlt man größtenteils Ticketlos, in dem man eine Karte mit Geld auflädt, in touristischer Hochsaison sind die traditionellen Straßenbahnlinien wie die 28 restlos überfüllt
Entfernung nach… Madrid 625km (Auto: 5h15min; Bahn: lediglich einmal täglich verkehrender Nachtzug: 11h)
Porto 310km (Auto: 2h40min; Bahn: 2h45min)

nächster Ort über 500.000: Sevilla 390km
nächster Ort über 1000.000: Madrid 625km

 

Kultur / Geschichte:

Universitäten Universidade de Lisboa: geründet 1913 (nach 400 Jahren Pause, Wiedergründung der alten Universität von Lissabon aus dem Jahr 1288) und vereint mit TU Lissabon 2013; 46.900 Stundenten 2013/14 verteilt auf 18 Fakultäten
Universidade Novo de Lisboa: gegründet 1973 mit über 19.000 Studenten (2014)
Universidade Católica (gegründet 1968, mit über 11.000 Studenten (2014)
sowie weitere private Universitäten; 2008 studierten insgesamt 125.000 Menschen in Lissabon)
Anzahl Museen 30 (laut dt. wikipedia)
Sportvereine der Stadt SL Benfica: geründet 1904; 2xEC1 (5x Finalist, sowie 3xFinalist UEFA-Cup bzw. Euro-League); 34x  port.Meister; 25x port. Pokalsieger; Ø-Zuschauer 2014/15: 42.390 @ Estádio da Luz (65.647); Mitgliederstärkster Verein der Welt: 270.000 (2014)
Sporting CP: 1xEC2 Sieger (1xUEFA-Cup Finalist); 18x port.Meister; 16x port. Pokalsieger; Ø-Zuschauer 2014/15: 34.988 @ Estádio José Alvalade XXI
Erste urkundliche Erwähnung 205 v.u.Z. als römisches Olisipo, aber wohl schon weitaus länger besiedelt
Gegründet von: Phöniziern oder Griechen
Großstadt seit Ca. ab Ende des 16. Jahrhunderts
Der entscheidende Tag 1.11.1755: Erdbeben und Tsunami zerstören weite Teile der Stadt
Meisten Einwohner im Jahr 1981: 807.937
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute 32,5%
Man trifft sich am: Marques de Pompal oder Praca de Comercio
Kneipenviertel: Bairo Alto
City Branding Stadt der 7 Hügel, Königin des Meeres, Stadt des Lichts

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Mosteiro dos Jerónimos
Architektonisches Highlight Torre de Belém
Höchstes Gebäude Vasco da Gama Turm (145m)
Meist fotografiertes Bauwerk Brücke des 25.April
Tags: Siehe Tagliste.
Anzahl Starbucks 9 in Metropolarea Lissabon
Konzernzentralen von 7 der 10 größten börsennotierten Unternehmen Portugals haben Sitz in Metroregion Lissabon
Kaufkraftindex im Land 2,3 Mal höher als im Landesdurchschnitt (2011)
Arbeitslosenquote 2.Trimester 2015 12,7% für Metroregion Lissabon (leicht über Landesdurchschnitt)