Berlin

Geschichte Berlins (in Arbeit) | urban facts | Berlin der 1920er (in Planung) | Hochhäuser Berlins (in Planung)

Für einen Dresdner ist Berlin immer eine gedankliche und auch emotionale Herausforderung. Als Kind habe ich keine Stadt so verachtet wie Berlin, oder genauer „Berlin. Hauptstadt der DDR“, wie der Ostteil der Stadt offiziell hieß. Die ständige Betonung das diese Häusersammlung Hauptstadt war, fand ich arrogant und angeberisch. Der Westteil von Berlin existierte für mich nicht in dieser Weise, der war irgendwie unerreichbares Ausland und da man dort nicht hinfahren konnte, diente er maximal als fantastische Projektionsfläche des Paradieses. Nicht ganz unprägend war in meiner Berlin-Verachtung, dass ständige Gewinnen des BFC Dynamos von DDR- Fußballmeisterschaften, deren eigentlicher Gewinner Dynamo Dresden sein sollte. Auch unbeteiligte Personen mussten unter dem sächsischen Hass leiden, so wurde eine Mitschülerin ständig als „Preußen-Schwein“ beschimpft, obwohl sie einfach nur Berlin hieß. Paradoxerweise hatte damals Berlin aber auch eine gewisse Faszination, der Fernsehturm, U-Bahn oder einen Flughafen auf dem große Flugzeuge wie die IL-86 landen konnten. 

In meiner langsam anwachsenden, gesamtdeutschen Perspektive, erlosch auch meine Verachtung für Berlin als glänzende Hauptstadt der DDR, schon allein weil es keine DDR mehr gab und Dresden nun immerhin auch Hauptstadt war, wenn auch nur von Sachsen (trotzdem war ich strikt für Bonn, als entschieden wurde, welche Stadt mit B neue Hauptstadt Deutschlands werden sollte). Die nun etwas häufiger werdenden Besuche in Preußen (der Begriff Preußen und seine Geschichte haben und hatten für mich immer noch eine gewisse Faszination, was auch wiederum damit zu tun hat, dass man als Sachse lernte, dass Preußen einen Leiden ließen) hatten den Hauptzweck Konsumgüter zu erwerben, die man in der sächsischen Provinz so nicht bekam. Dabei nutzte man die Zeit ebenso, um sich die immer wieder gleichen (touristischen) Attraktionen (Ku’Damm, KaDeWe, Unter den Linden,…) anzuschauen, manchmal durchsetzt mit etwas Neuem. Später, mit der Zeit größerer Unternehmungen in meinem Leben, wurde Berlin zum Transitort, der wunderbare Tore zur Welt öffnete. So startete meine erste Flugreise von Tegel und ich glaube ich bin auf keinem Airport mehr gelandet als in Schönefeld (außer vielleicht in Tegel und natürlich in Barajas). So spielte Berlin eine immer größere Rolle in meinem Leben, doch Berlin wirklich erlebt habe ich selten, man kann fast sagen, nie.

Nun ist es an der Zeit dies langsam zu ändern, denn Berlin ist einer der faszinierendsten Plätze Europas. Nur wenige Städte auf der Welt können auf eine solch abwechslungsreiche Geschichte in den letzten 300 Jahren zurückblicken. Bedenkt man das Berlin davor praktisch unbedeutend war, ist das umso erstaunlicher. Heute ist Berlin Weltstadt, ohne wirklich etwas Weltstädtisches, wie New York, London oder Paris zu haben. Berlin ist ebenso Provinz, wie Metropole, Berlin ist irgendwie ganz anders als die anderen großen Hauptstädte des Kontinents. Aber all das macht auch die Faszination dieser wundervollen Stadt aus.

urban facts Prag

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum 1.294.513 / 1.430.000
Einwohnerentwicklung 2005-2015 +6,83%
Fläche 496km²
Bevölkerungsdichte 2.538 Einw/km²
Koordinaten 50° 5′ N – 14° 25′ O
Geographische Höhe 176m-397m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 526mm / 90 / 1902
Fluss Moldau
KfZ-Kennzeichen A

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Adriana Krnáčová (ANO 2011) Mitte
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Tschechiens, Eigener Kray und Statutarstadt
Anzahl Besucher im Jahr 5,5 Mio Übernachtungsgäste 2013 (85% Ausländer)
Platz in der Mercer-Studie (2015) 68. (höchstes Ranking für osteuropäische Stadt)
Global City Status Beta +
Flughafen Letiště Václava Havla Praha (PRG, 12,4 Mio. PAX 2008, 1937 eröffnet, seit 2005 mit 2 Terminals)
ÖPNV Metro Prag mit 3 Linien auf 59,5km bei 57 Bahnhöfen, eröffnet 1974, von 5 bis 24 Uhr in Betrieb, mehr als 1 Mio. Pax pro Tag; 2011: 530 Mio. PAX
Straßenbahnnetz mit 26 Tag und 9 Nachtlinien auf 141km (Gesamtlinienlänge 540km), als Pferdestraßenbahn seit 1875, als elektrische Straßenbahn seit 1891
ÖPNV Eigentümlichkeiten Teilweise liegen die Metro Stationen tief unter der Erde, so gilt die Station Náměstí Míru mit 53m unter der Erde als tiefstgelegenste Station der EU
Entfernung nach… Brünn: 205km (Auto: 2h; Bahn: 2h40min)

Wien: 290km (Auto: 3h; Bahn: 4h45min)

Dresden: 150km (Auto:1h40min; Bahn:2h15min)
nächster Ort über 500.000 Einwohner: Dresden 150km
nächster Ort über 1.000.000 Einwohner: Wien 290km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten 5:

Karls-Universität (gegründet 1348, älteste Universität Mitteleuropas; 46.000 Studenten)

Tschechische Technische Universität (gegründet 1863; 23.000 Studenten)
Tschechische Agrar-Universität (gegründet 1952; 22.000 Studenten)
Universität für Chemie und Technologie (aus TU 1953 ausgegründet; 4.000 Studenten)
Wirtschaftsuniversität (1919 gegründet; 19.000 Studenten) sowie zahlreiche Hochschulen und Akademien

Anzahl Museen und Galerien Mehr als 150 (laut wikipedia.cz)
Sportvereine der Stadt Die beiden bekanntesten Prager Clubs sind Sparta und Slavia, die jeweils neben Fußball, auch eine Eishockey Abteilung haben:
Sparta Prag: Fußball: 35xLandesmeister; 27x Pokalsieger; 3xMitropa-Cup; 1xHF EC1; Ø-Zuschauer: 8.786@Generali Aréna (12/13)
Eishockey: 8xLandesmeister; 2xSpengler-Cup; @Tipsport ArenaSlavia Prag: Fußball: 17xLandesmeister; 7x Pokalsieger; 1xMitropa-Cup; Ø-Zuschauer: 6.943@Eden Aréna (12/13)
Eishockey: 2xLandesmeister @O2 Arena
Dukla Prag: Fußball: Ø-Zuschauer: 2.189@Juliska
Bohemians 1905: Fußball: 1xLandesmeister; Ø-Zuschauer: 4.283@Dolicek (in der 2.Liga gibt es einen Club ähnlichen Namens)
Eishockey: Lev Prag (KHL-Team, 2012/13 erste Teilnahme, Play-Off VF;
Biersorte des Ortes: Staropramen
Erste urkundliche Erwähnung 1.Hälfte des 9.Jahrhunderts
Gegründet von: Slawen
Großstadt seit Genaues Jahr unklar; geschätzt gegen 1835
Das entscheidende Jahr 1945
Meisten Einwohner im Jahr Heute
Man trifft sich am: Wenzelsplatz
City Branding Die Goldene Stadt, Stadt der hundert Türme

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Karlsbrücke
Architektonisches Highlight St.Veitsdom (Peter Parler)
Höchstes Gebäude City Tower (109m); Fernsehturm (216m)
Meist fotografiertes Gebäude Prager Burg (Hradschin)
Tags: Siehe Tagliste.
Anzahl Starbucks 20
Konzernzentralen von Mit Beschäftigten? (vor Ort oder weltweit?)
Anzahl Pendler 318.000
Straftaten auf 100.000 Einwohner (2009) 6820 (ähnlicher Wert wie Wien)
Verfügbares Einkommen Ca. 1090€/Monat (höchster Schnitt in CZ)
Arbeitslosenquote 3,5%

 

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr 1230 1370 1600 1804 1837 1927 1950 1980 2012
Population 3.000 40.000 60.000 76.000 105.000 718.000 931.000 1180k 1241k

 

 

Geschichte Prags

Das Gebiet der heutigen Stadt Prag ist schon zur Zeit der Ur- und Frühgeschichte besiedelt. Bis zur Zeitenwende wohnten hier Kelten, später die germanischen Makromannen, ab dem 6.Jahrhundert stießen slawische Siedler dazu.  Für das heutige Prag entscheidend war die Gründung der Prager Burg im 9. Jahrhundert, nur ein Jahrhundert später kam die auf der anderen Seite der Moldau gelegene Burg auf dem Vyšehrad dazu. So wurde Prag Sitz des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden. Die Burgen gaben Schutz und so siedelten sich Handwerker und Händler an, sowohl tschechischer als auch deutscher Herkunft. Ab 1212 gehörten die böhmischen Länder zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. König Wenzel I. ließ Prag um 1230 befestigen und gab dem Ort an der Moldaubiegung das Stadtrecht. Rund 30 Jahre später wurde auf der Westseite der Moldau eine neue Stadt gegründet, die heutige Kleinseite, etwas später (1320) noch die Hradschin-Stadt, welche sich unmittelbar westlich von der Prager Burg befindet.
Als Karl IV. nicht nur böhmischer König, sondern 1355 auch Kaiser wurde, erlebte Prag einen großen Aufschwung. Seit 1348 war man Universitätsstadt (die erste deutschsprachige Universität überhaupt), Handel, Handwerk und Kultur blühten. Mit der Gründung der Prager Neustadt im selben Jahr wurde Prag zu einer der bedeutendsten Agglomeration Europas, denn es handelte sich weiterhin um vier getrennte Städte (Altstadt, Kleinseite, Hradschin-Vorstadt und Prager Neustadt). Mit dem ersten Prager Fenstersturz 1419 und den daraus folgenden Hussitenkriegen war es mit der blühenden Stadt jedoch fürs Erste vorbei. Erst der schwache deutsche Kaiser Rudolf II. machte Prag wieder zur Residenzstadt, was den Adel ermunterte, prächtige barocke Palais bauen zu lassen.
Im Jahr 1618 kam es dann zum zweiten Prager Fenstersturz, der den dreißigjährigen Krieg auslöste. Dieses Defenestrieren (also jemanden zum Zwecke des Protestes aus dem Fenster zu werfen) gilt als Beginn des protestantisch- böhmischen Aufstands gegen die katholischen Habsburger. Jedoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Dreißigjährige Krieg keineswegs nur eine religiöse Auseinandersetzung war, vielmehr ist er ein Krieg verschiedenster europäischer Staaten, um möglichst große Macht. 1620 kam es zur Schlacht am Weißen Berg, ganz in der Nähe von Prag, als die protestantischen Stände Böhmens, von den Streitkräften der katholischen Habsburger vernichtet wurden. Fortan bestimmten die Habsburger nicht nur das Baugeschehen, sondern auch die kulturellen Aktivitäten in der Stadt als auch im böhmischen Land. Das Tschechische ging mehr und mehr verloren bzw. wurde zurückgedrängt. So werden die nächsten zweihundert Jahre in der tschechischen Geschichte auch „temno“ (Finsternis) genannt.
Erst im Jahr 1784 schlossen sich die vier bisher selbständigen Prager Städte Hradschin (Hradčany), Kleinseite (Malá Strana), Altstadt (Staré Město) und Neustadt (Nové město) zusammen. In diese Zeit fallen auch die Anfänge der Widergeburt des tschechischen Nationalbewusstseins, insbesondere als eine Reaktion auf den Zentralismus Wiens. Wie so viele andere Städte in Europa auch, erlebte Prag im 19.Jahrhundert intensiv die Zeit der Industrialisierung. Lebten in Prag 1837 105.000 Einwohner (eine für die damalige Zeit erstaunlich hohe Zahl), so waren es 1925 schon 718.000. Wie in so vielen Städten zog vermehrt die Landbevölkerung in die Stadt, im Falle Prag war diese zumeist tschechischer Herkunft. So verloren die deutschen Bewohner 1855 ihre bevölkerungsmäßige Mehrheit in Praha. Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell erlebte die Stadt einen Boom. Hier entstanden die Opern von Bedřich Smetana und Antonín Dvořák. Literarische Dichterkreise wetteiferten miteinander und brachten Autoren wie Franz Kafka oder Rainer Maria Rilke hervor. Obwohl sowohl Deutsche, als auch Tschechen in Prag lebten, kann man das Leben in der Stadt nicht als Beispiel gelungener Integration heranziehen. Sahen die Tschechen Prag als ihren kulturellen Mittelpunkt, fühlten die Deutschen sich ehr wie in einer Enklave und schielten auf die deutschen Zentren wie Berlin oder Wien. Ein Beispiel für diese fehlende Integration war auch die Zweiteilung der Karlsuniversität in Prag in einen deutschen und einen tschechischen Bereich.
Nach dem 1.Weltkrieg sahen die Tschechen die Zeit gekommen einen eigenen Staat auszurufen (und sich von Österreich-Ungarn loszusagen), was am 28. Oktober 1918 geschah. Zwei Tage später schloss sich auch das Slowakische Nationalkomitee der neuen Tschechoslowakischen Republik an, deren neue Hauptstadt Prag wurde. Doch die Selbstständigkeit hielt keine 21 Jahre. Am 15. März 1939 besetzten deutsche Truppen die sogenannte Rest-Tschechei und bildeten daraus das Reichsprotektoriat Böhmen und Mähren, während sich östlich davon die unter deutschem „Schutz“ stehende Slowakische Republik gründete. Obwohl unter deutscher Besetzung erlitt Prag im 2.Weltkrieg keine größeren Verluste, was nicht nur dadurch bedingt war, dass die Stadt sehr lange außerhalb der Reichweite der alleierten Luftwaffe lag, sondern wohl auch daran, dass die Stadt – mit rund 90% tschechischer Bevölkerung – geschont werden sollte. Ebenso verzeichnete Prag keine kriegswichtige Industrie.
Mit dem Ende des 2.Weltkireges ging auch das Ende der deutschen Bevölkerung einher. Der durch die Taten Nazideutschlands verursachte Rachefeldzug kostete vielen Deutsch-Pragern das Leben.
Seit 1948 dominierte die Kommunistische Partei in der seit 1945 wieder bestehenden Tschechoslowakei, die recht bald in das politische System des Ostblocks eingegliedert wurde. Doch noch einmal sollte Prag in die Weltöffentlichkeit geraten, als es im Jahr 1968 zum sogenannten „Prager Frühling“ kam. Unter Führung Alexander Dubčeks versuchte die Kommunistische Partei, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu schaffen und leitete eine Phase der Reformen ein. Den Bruderstaaten im Ostblock ging dieses Bemühen jedoch zu weit und so marschierten am 21.August 1968 Truppen aus fünf Staaten des Warschauer Paktes ein. Am 23. August reiste die tschechische Führung nach Moskau und musste Zustimmen, den Großteil der Reformgesetzte rückgängig zu machen. Das Regime wurde jedoch viele Jahre später durch die samtene Revolution im November 1989 gestürzt. Nur wenige Wochen vorher war Prag fast täglich in den (west)deutschen Medien vertreten, als hunderte DDR-Bürger in die Botschaft der Bundesrepublik flüchteten, um von dort ihre Ausreise in die BRD zu erzwingen. Die Ausreise der Flüchtlinge, die wie von der DDR-Führung befohlen über ostdeutsches Territorium gelotst werden musste, führte dann in der DDR zu neuen Unruhen und leitete mit den Untergang der DDR ein. Nach der Spaltung der Tschechoslowakei wurde Prag am 1.1.1993 Hauptstadt Tschechiens.

Praha (Prag)

Geschichte Prags | urban facts Prag

Praha (oder auf Deutsch: Prag) ist eine besondere Stadt. Für Dresdner, wie mich, beispielsweise ist sie die am nähesten gelegene Hauptstadt und Millionenstadt (2015 hatte Prag 1,25 Millionen Einwohner). Aber sie ist auch eine der am meisten besuchten Städte Europas und liegt unter den Top 10 der höchst frequentierten Destinationen von Städtetouristen. Von daher ist Prag eine äußerst touristische Stadt mit allen Nachteilen, die dieses Image mit sich bringt. Wohl jeder kennt mindestens eine Person, die schon mal in Prag „Opfer“ mehr oder weniger dubioser Geschäftsgebaren wurde, sei es im Hotel oder der Pension, im Restaurant oder aber im Taxi, dem Autor selbst fallen bei dieser Gelegenheit mindestens zwei Geschichten aus eigener Erfahrung ein. Sich davon aber einen Prag-Besuch verleiden zu lassen, wäre töricht, denn  die „Goldene Stadt“ ist zweifellos eine der schönsten Städte Europas. Auch soll damit nicht gesagt werden, dass die Prager Bürger schlechte Gastgeber wären, denn es gibt mindestens ebenso viele angenehme und schöne Geschichten zu erzählen, wie Unangenehme und auf jedes touristische Restaurant mit unklaren Servicezuschlägen im Stadtzentrum kommen fünf angenehme Restaurationen etwas abseits davon.

Die Hauptstadt Tschechiens ist nicht nur das kulturelle, politische und wirtschaftliche Herz des Landes, in der Moldaustadt wohnen auch weit mehr als 10% der Bürger der Republik. Der Name Praha geht wohl auf das Wort „práh“ für Schwelle oder Balken zurück und könnte im Zusammenhang mit dem Moldaufluss stehen, wo Holzschwellen benutzt wurden, um den Lauf des Gewässers zu begradigen. Natürlich gibt es auch eine mythische Geschichte zum Stadtnamen. In jener ist es die sagenhafte premyslidische Stammmuter Libuše, welche ihr Gefolge in den Wald schickte, um Holz für eine Türschwelle zu gewinnen. An jener Stelle, wo die Bäume gefällt wurden entstand Praha. Wie auch immer man zu Entstehung des Namens der Stadt steht, die Geschichte Prags ist äußerst interessant.

Champalimaud Center for the Unknown

Denkt man an Lissabon, denkt man nicht automatisch an moderne, zeitgenössische Architektur. Die Stadt scheint sich eher dem langsamen Verfall zu widmen. Wenn man schon baut, so hört man sich als Besucher der Stadt sagen, sei es doch wichtiger, die historische Baubustanz zu retten, statt neuen, vermeintlich teuren Projekten zu frönen. Aber – und das ist gut so – hört man nicht immer auf die Besucher. Es gibt zahlreiche sehr innovative neue Gebäude in Portugals Hauptstadt, insbesondere am Tejo-Ufer in Belém ist man bestrebt, neben den historischen – unter UNESCO-Schutz stehenden – Bauwerken, wie dem Mosterio dos Jerónimos und dem Torre de Belém eine neue anspruchsvolle Seafront zu bauen. Dabei ist schon ein neuer Radweg entstanden, der vom Terreiro do Paço bis nach Belém führt, vorbei am neuen Yachthafen und unter der Brücke des 25.Aprils. Insbesondere in Belém sind das Museo de Coches und das Centro Cultural de Belém zu benennen, die Alt und Neu zu einer attraktiven Mischung machen sollen.

Das auffallendste und gleichzeitig innovativste Objekt, dieser Neubauten hört auf einen eigenwilligen Namen, das „Champalimaud Center for the Unknown“.  Dabei handelt es sich um einen Komplex für biomedizinische und neurologische Forschung in welchem geforscht, aber auch Menschen behandelt werden. Am 5.Oktober 2010 wurde es an historischer Stelle eröffnet, denn hier, direkt am Tejo, starteten einst die Seefahrer Portugals ihre Reisen in das Unbekannte.

Der Besitzer und Auftraggeber des Komplexes ist die Champalimaud Stiftung, die auf den letzten Willen des portugiesischen Industriellen António de Sommer Champalimaud zurückgeht, der 2004 in Lissabon verstarb. Die Forschungsabteilung der Stiftung, beschäftigt sich intensiv mit neuesten Methoden in der neurologischen und der onkologischen Forschung. Dafür wird auch jedes Jahr ein Preis ausgelobt, der António Champalimaud Vision Award.

Das Bauwerk, das auf der Idee des indischen Architekten Charles Correa basiert, besteht aus zwei Baukörpern, die zusammen rund 60.000 m² Grundfläche ermöglichen. Neben einem ambulanten Versorgungszentrum existieren auch ein Auditorium, Konferenz- und Lehrräumen, sowie ein Ausstellungsbereich. Ein Cafe, das nach Charles Darwin benannt ist, ist für die Öffentlichkeit zugänglich und erfreut sich großer Popularität.
Gelangt man zum Champalimaud Center, so sieht das Gebäude aus einiger Entfernung zwar innovativ und wie eine wohlgeformte Schiffsskulptur aus, aber es verbirgt noch etwas seinen wirklichen Charme. Einen ersten Einblick bekommt man im Amphitheater im Außenbereich, der unter anderem für die Preisverleihung benutzt wird.  Der spektakulärste Teil des kurvig, aber sehr elegant, angelegten Komplexes befindet sich zwischen den beiden Baukörpern in einer Art von Innenhof. Hier verbindet zum einen, eine Glasbrücke die beiden Häuser, die nicht nur die Verbindung von Forschung und Anwendung funktionalisiert, sondern auch als Symbol für den Aufbruch ins Unbekannte gelesen werden kann. Noch stärker wird dies im hinteren Bereich des Innenhofes deutlich, der mit einem kleinen Teich im Stil eines Open-Pools abschließt (der eine kleine Insel beherbergt, die vielleicht schon das Unbekannte ist, oder doch nur der Rücken eines Fisches sein soll?). Dadurch scheint der Hof und auch das Bauwerk fließend in den Tejo über zu gehen, der wiederum an dieser Stelle in die Weiten des Atlantik mündet. Das ist nicht nur ein großartiges Panorama, sondern gleichzeitig wird dem Betrachter bewusst, dass die unbekannten Herausforderungen, die einst im 15. Jahrhundert die Seefahrer als Pioniere ansteuerten, heute in ganz anderen Herausforderungen liegen. So schafft es Correa, den historischen Ort mit der Funktion des Gebäudes, in einen ästhetisch wundervoll gelungenen Zusammenhang zu setzen. Auch gelingt es ihm mit dem Center for the Unknown, den öffentlichen Bereich sehr attraktiv zu gestalten (als Ziel eines kleinen Ausfluges), ohne den nicht-öffentlichen Teil einzuschränken, in welcher zur gleichen Zeit Patienten behandelt oder neue Forschungsergebnisse diskutiert werden können. Man kann Correa sehr gut verstehen, wenn er meint, er wäre glücklich, dass dieses Haus kein Museum moderner Kunst wäre, sondern ein Gebäude, was Menschen mit großen gesundheitlichen Problemen versucht zu helfen.  Die Architektur selbst soll – neben den Heilmitteln – gesundheitsfördernd und entspannend wirken und steht man hier am Ufer des Tejo, selbst wenn Wind und Regen auf einen einpeitschen, so kann man wirklich daran glauben. Nur sehr selten ist ein Forschungsgebäude oder Gesundheitszentrum von solch außergewöhnlicher Schönheit, was gerade in einem von der Wirtschaftskrise so stark betroffenen Land wie Portugal, als eine Botschaft gewertet werden muss, an einem Ort der die großen Momente einer Nation zitiert, aber trotzdem auf die Zukunft ausgerichtet ist. Das Champalimaud Center for the Unknown ist eines der wohl schönsten Bauwerke, das in den letzten Jahren in Europa gebaut wurde.

Dieser kurze Film gibt weitere Informationen und Einblicke zum Gebäude (leider nicht mit einer deutschen IP abrufbar!):

Brücken-Datenbank

Neben einer Beschreibung einiger interessanter Brücken bzw. der gängigsten Bautypen von Brücken auf tommr.net, welche Sie hier finden, widmet sich diese Seite einzig der Sammlung von Bildern von Brücken. Diese sind nach dem gleichen Muster geordnet, wie auf der Seite der Brückenbeschreibungen.

Bogenbrücken

Brücke

Gebaut:

Überquert

1.Spannweite
2.Gesamtlänge

1.Brückentyp
2.Architektonische Epoche

1.Entwerfer:
2.Bogenhöhe:
3.Lichte Höhe:

Alte Mainbrücke Würzburg

1476-1703

Main

 

1:Segmentbogenbrücke
2: Barock

 

Aquädukt von Segovia

Ca. 100

Urbanes Gelände

5,1m

1: Rundbogenbrücke
2: Antike

 

Besalu (Stadtbrücke)

12. Jh.

Fluvia

 

1: Spitzbogenbrücke
2: Romanik

 

Bixby Creek Bridge

1932

Bixby Creek

1: 98m
2: 218m

1: Stahlbetonbogenbrücke
2: Moderne

1: Harvey Stover
2: 79m
3: 85m

Clyde Arc Glasgow

2005

Clyde

1: 96m
2: 169m

1: Aufgehängte Fahrbahn

1: Halcrow Group

Puentes del Invernadero y del Matadero

 

Manzanares

 

1: Aufgehängte Fahrbahn

 

Puente de Segovia in Madrid

1582-84

Manzanares

 

1: Rundbogenbrücke
2: Renaissance

1: Juan de Herrera

St. Quirze de Pedret

 

Llobregat

 

1: Spitzbogenbrücke
2: Gotik

 

Puente del Tercer Milenio

2005-2008

Ebro

2: 216m

1: Stabbogenbrücke

1: Juan José Arenas
2: 35m

Puente de Toledo in Madrid

1718-1732

Manzanares

 

1: Rundbogenbrücke
2: Churriguerismus

1: Pedro de la Ribera

Zubizuri in Bilbao

1990-1997

Nervion

1: 75m
2: 75m

1: Stabbogenbrücke

1: Santiago Calatrava

 

 

Hängebrücken

Brücke Gebaut: Überquert 1.Spannweite
2.Gesamtlänge
Architekturstil 1.Entwerfer:
2.Pylonenhöhe:
3.Lichte Höhe:
Amposta Hängebrücke 1914-1921 Ebro 2: 134m steinverkleidete Pylone 1: José Eugenio Ribera
3: 24m
Bay Bridge:
E= East Bay Bridge
W= West Bay Bridge
1933-1936
E: Neubau 2005-2013
Bucht von San Francisco E:
1: 384m
2: 3102m
W:
1: 704m
2: 3141m
E: selbstverankerte (unechte) einhüftige Hängebrücke
W: Doppelstock Zwillingshängebrücke
E:
1: T.Y. Lin /Moffatt Nichol Engimeers
2: 160m
3: 55m
W:
1: Charles H. Purcell
2: 158m
3: 69m
Forth Road Bridge in Queensferry 1958-1964 Firth of Forth 1: 1006m
2: 2517m
  1: Freeman Fox & Partners
2: 156m
3: 44m
Golden Gate Bridge 1933-1937 Golden Gate 1: 1280m
2: 2737m
Art Deco 1: Irving Morrow
2: 227m
3: 67m
Ponte de 25 Abril in Lissabon 1962-1966 Tejo 1: 1012m
2: 2277m
Doppelstockbrücke 1: David B. Steinman
2: 190m
3: 70m

Schrägseilbrücken

Brücke Gebaut: Überquert 1.Spannweite
2.Gesamtlänge
Architekturstil 1.Entwerfer:
2.Pylonenhöhe:
3.Lichte Höhe:
Puente de Alamillo 1989-1992 Seitenarm des Guadelquivir 2: 250m Einhüftige mit Harfenssystem 1: Santiago Calatrava
2: 140m
Pont de l’Assut de l’Or 2008 Urbanes Gelände 2: 180m Einhüftige mit Harfenssystem 1: Santiago Calatrava
2: 125m
Puente de Castilla-La Mancha 2011 Tajo 2: 318m Einhüftige mit Fächersystem 1: Ramón Sánchez de León
2: 192m
Köhlbrandbrücke in Hamburg 1970-1974 Köhlbrand, Seitenarm der Elbe 1: 325m
2: 3618m
Zweihüftige A-Träger mit Fächersystem 1: Egon Jux
2: 135m
3: 53m
Mariánský most in Ustí nad Labem 1993-1998 Elbe 2: 179m Zweihüftige (oder einhüftig?) mit Fächersystem 1: Roman Koucký
2: 60m
Niederwartha Straßenbrücke 2006-2011 Elbe 1: 192m
2: 366m
Einhüftiger A-Träger mit Fächersystem 2: 77,25m
Pasarela del Voluntariado 2008 Ebro 2: 270m Einhüftige Pylone mit Fächersystem 1: Javier Manterola
2: 75m
Puente de la Pepa in Cádiz 2007-2015 Bahia de Cádiz 1: 540m
2: 3095m
Zweihüftige A-Träger mit Fächersystem 1: Javier Manterola
2: 185m
3: 69m
Rheinkniebrücke in Düsseldorf 1965-1969 Rhein 1: 319m
2: 1519m
Einhüftige freitragende Pylone mit Harfensystem 1: Fritz Leonhardt
2: 114m
Theodor-Heuss-Brücke 1953-1957 Rhein 1: 260m
2: 1271m
Zweihüftige freitragende Pylone mit Harfensystem 1: Fritz Leonhardt
2: 44m

Balkenbrücken

Brücke Gebaut: Überquert 1.Spannweite
2.Gesamtlänge
Architekturstil 1.Entwerfer:
2.Trägerhöhe:
3.Lichte Höhe:
Forth Bridge bei Queensferry 1882-1890 Firth of Forth 1: 521m
2: 2523m
Ausleger-Fachwerkbrücke 1: John Fowler, Benjamin Baker
2: 100m
3: 46m
Pasarela de Principado de Andorra in Madrid 2009 Manzanares   Gitterträgerbrücke 1: Juan Luis Bellod und  Peter Tanner
Puente monumental de Arganzuela 2011 Manzanares 1: 278m
2: 556m
Auslegerbrücke 1: Dominique Perrault
Elbebrücke Mühlberg 2006-2008 Elbe 1:144m
2:690m
Stahlverbundbrücke 1: Leonhardt, Andrä und Partner

 

 

Bewegliche Brücken

Brücke

Gebaut:

Überquert

1.Spannweite
2.Gesamtlänge

Architekturstil

1.Entwerfer:
2.Trägerhöhe:
3.Lichte Höhe:

Puente Colgante in Getxo

1893

Ría del Bilbao

1: 160m
2: 160m

Schwebefähre als Hängebrücke

1: Alberto Palacios
2: 61m
3: 45m

Hochbrücke Rendsburg

1913

Nord- Ostsee Kanal

1: 140m
2: 2486m

Schwebefähre als Stahlfachwerk-auslegerbrücke

1:Friedrich Voß
2:68m
3: 42m

Puente Transbordador Nicolás Avellaneda

1914

Riachuelo

 

Schwebefähre als Stahlfachwerkbrücke

 

Puente de la Mujer

2001

Hafenarm in Puerto Madero/Buenos Aires

1: 102m
2:102m

Drehbrücke in Form einer Schrägseilbrücke

1: Santiago Calatrava
2: 39m
3: unbegrenzt

Pont Chaban-Delmas

2013

Garonne

1: 106m
2: 433m

Hubbrücke

1:Michel Virlogeux, Charles und Thomas Lavigne
2:77m
3: 53m

 

urban facts Lissabon

Allgemeine Daten:

Einwohner Stadt:
Ballungsraum Grande Lisboa:
Metropolregion Lissabon:
545.245 (2011)
2.242.326 (2013)
2.821.697 (2011)
Einwohnerentwicklung Stadt 2001-2011 -3,44%
Fläche: Stadt Lissabon
Grande Lisboa
Metropolregion Lissabon
84,92 km²
1381 km²
2921 km²
Bevölkerungsdichte in Stadtgebiet 6421 Einw./km²
Koordinaten 38° 43′ N – 9° 10′ W
Geographische Höhe 0-226m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 774mm / 117 / 2806
Fluss Tejo (mündet hier in den Atlantik nach 1007km)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Fernando Medina Maciel Almeida Correia (PS – Sozialdemokraten; seit 2015)
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt Portugals seit 1255
Anzahl Besucher im Jahr 3,54 Mio (2015)
Platz in der Mercer-Studie 41. (2015; hinter Barcelona, aber vor Madrid)
Flughafen Flughafen Lissabon-Portela (LIS; eröffnet 1940; 18 Mio; PAX 2014; Drehkreuz von TAP; 2 Landebahnen, 2 Terminals; 7km N der Innenstadt)
ÖPNV Metro Lisboa: in Betrieb seit 1959; 4 Linien auf 45,5km Länge mit 55 Stationen; 2006 mit 418 Mio. PAX
weiterhin existieren vier S-Bahn Linien, sowie 5 Straßenbahnlinien (von ehemals 27) bei 26km Streckenlänge; als Pferdebahn 1873 eröffnet, seit 1901 elektrisch betrieben
Bus: 80 Linien auf 680km Netzlänge
Elevadores: drei Standseilbahnen und der Aufzug Elevador de Santa Justa
ÖPNV Eigentümlichkeiten Im ÖPNV bezahlt man größtenteils Ticketlos, in dem man eine Karte mit Geld auflädt, in touristischer Hochsaison sind die traditionellen Straßenbahnlinien wie die 28 restlos überfüllt
Entfernung nach… Madrid 625km (Auto: 5h15min; Bahn: lediglich einmal täglich verkehrender Nachtzug: 11h)
Porto 310km (Auto: 2h40min; Bahn: 2h45min)

nächster Ort über 500.000: Sevilla 390km
nächster Ort über 1000.000: Madrid 625km

 

Kultur / Geschichte:

Universitäten Universidade de Lisboa: geründet 1913 (nach 400 Jahren Pause, Wiedergründung der alten Universität von Lissabon aus dem Jahr 1288) und vereint mit TU Lissabon 2013; 46.900 Stundenten 2013/14 verteilt auf 18 Fakultäten
Universidade Novo de Lisboa: gegründet 1973 mit über 19.000 Studenten (2014)
Universidade Católica (gegründet 1968, mit über 11.000 Studenten (2014)
sowie weitere private Universitäten; 2008 studierten insgesamt 125.000 Menschen in Lissabon)
Anzahl Museen 30 (laut dt. wikipedia)
Sportvereine der Stadt SL Benfica: geründet 1904; 2xEC1 (5x Finalist, sowie 3xFinalist UEFA-Cup bzw. Euro-League); 34x  port.Meister; 25x port. Pokalsieger; Ø-Zuschauer 2014/15: 42.390 @ Estádio da Luz (65.647); Mitgliederstärkster Verein der Welt: 270.000 (2014)
Sporting CP: 1xEC2 Sieger (1xUEFA-Cup Finalist); 18x port.Meister; 16x port. Pokalsieger; Ø-Zuschauer 2014/15: 34.988 @ Estádio José Alvalade XXI
Erste urkundliche Erwähnung 205 v.u.Z. als römisches Olisipo, aber wohl schon weitaus länger besiedelt
Gegründet von: Phöniziern oder Griechen
Großstadt seit Ca. ab Ende des 16. Jahrhunderts
Der entscheidende Tag 1.11.1755: Erdbeben und Tsunami zerstören weite Teile der Stadt
Meisten Einwohner im Jahr 1981: 807.937
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute 32,5%
Man trifft sich am: Marques de Pompal oder Praca de Comercio
Kneipenviertel: Bairo Alto
City Branding Stadt der 7 Hügel, Königin des Meeres, Stadt des Lichts

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Mosteiro dos Jerónimos
Architektonisches Highlight Torre de Belém
Höchstes Gebäude Vasco da Gama Turm (145m)
Meist fotografiertes Bauwerk Brücke des 25.April
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Anzahl Starbucks 9 in Metropolarea Lissabon
Konzernzentralen von 7 der 10 größten börsennotierten Unternehmen Portugals haben Sitz in Metroregion Lissabon
Kaufkraftindex im Land 2,3 Mal höher als im Landesdurchschnitt (2011)
Arbeitslosenquote 2.Trimester 2015 12,7% für Metroregion Lissabon (leicht über Landesdurchschnitt)

 

 

Geschichte Lissabons

Antike Wurzeln, Römerzeit und maurische HerrschaftChristliche Eroberung und Aufstieg zur europäischen Metropole |Von der spanischen Regentschaft bis zum Erdbeben von 1755Lissabon vom 18. Jahrhundert bis heute

Antike Wurzeln, Römerzeit und maurische Herrschaft

Der Ort an dem heute Lissabon liegt, geht wohl zurück auf griechische Siedlungsspuren (auch wenn einige Forscher und das hiesige Stadtmuseum behaupten die Phönizier hätten hier schon ca. 1000 Jahre vor Christus gesiedelt, jedoch wurde dies bisher nicht archäologisch bewiesen). Die Bucht des Tejo hatte sich dabei als sehr gut geeigneter Naturhafen angeboten. Die Römer, welche seit 205 v. Chr. die Macht in der Region übernahmen, nannten den Ort Olisipo. Er bekam ab 48 v. Chr. die Rechte einer römischen Stadt. Olisipo lag in der römischen Provinz Lusitania, einem Gebiet das dem heutigen Portugal geografisch ähnelt und den westlichen Teil der iberischen Halbinsel abdeckte. Schon hier sehen einige den Beginn der Eigenentwicklung die später den eigenständigen Staat Portugals darstellt. Im Fall von Lissabon ist jedoch zu sagen, dass der wichtigste Ort und die Hauptstadt Lusitanias, Merida war, was heute in der spanischen Provinz Extramadura liegt.
Ab 409 drangen immer wieder barbarische Stämme auf die iberische Halbinsel vor und schließlich übergab 468 der römische Stadtkommandant Lusidius die Stadt an die Sueben. Nur wenige Jahre später zerstörte ein Erdbeben die Stadt beträchtlich und die Westgoten übernahmen die Führungsrolle, wie auf der gesamten iberischen Halbinsel. Sie erneuerten die römischen Verteidigungsmauern des Ortes. Gleichzeitig waren es die Westgoten, die die für die ungehinderte Entwicklung des Christentums in der Region verantwortlich waren. Doch schon 718 unterwarfen die Mauren Lissabon und fast die gesamte Halbinsel. Die Stadt wurde ein Teil des Emirats von Córdoba, das der Region zu einem großen Aufschwung verhalf; Handel, Landwirtschaft, Kunst, Wissenschaft und Seefahrt erblühten. Der heute noch sichtbarste Einfluss stellen die Azulejos dar, die blauen Fließen an den Häusern, die eine maurische Tradition besitzen. Auch der heutige Stadtname „Lisboa“ stammt vom maurischen „Al-Ashbourna“ ab, von dem es abgeleitet wurde.

Christliche Eroberung und Aufstieg zur europäischen Metropole

Immer wieder versuchten christliche Truppen den Ort zu besetzen, der durch seine günstige Lage, eine hohe strategische Bedeutung besaß. Aber die Angriffe scheiterten oder aber die Besetzungen fielen nach kurzer Zeit wieder an die Mauren zurück. Erst Dom Afonso I. gelang es 1147 die Stadt endgültig von den Mauren zu befreien und sie in das von ihm geschaffene Königreich Portugal einzugliedern. Die rund viermonatige Belagerung von Lissabon, die Dom Afonso mit einem Heer von Kreuzfahrern durchführte sicherte ihm die Herrschaft über Portugal und eine reiche Beute, als die Besitztümer der Mauren geplündert wurde. Afonso nannte sich von da an „König von Portucale“. Die Reconquista wurde bis 1249 auf portugiesischem Gebiet weiter betrieben, bis auch die Algarve vollständig unter christlicher Kontrolle stand. Lissabon wurde zur Hauptstadt des Königreiches Portugal, als 1256 Afonso III. den Königssitz von Coimbra in die Stadt verlegt.
Das 14.Jahrhundert brachte zahlreiche Rückschläge für Lissabon. 1344 zerrüttete ein weiteres Erdbeben die Stadt und nur vier Jahre später begann eine große Pestwelle, welcher in wenigen Monaten wohl rund ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen. Der 1367 auf den Thron gekommene Fernando ließ eine neue Befestigungsanlage bauen, welche schon 1373 fertig gestellt wurde. In jener Zeit wurde auch die Igreja do Carme Kirche gebaut, die heute nur noch in Ruinen zu sehen ist, aber das einzige Bauwerk mit gotischen Ursprung in Lissabon ist.  1383 wurde Lissabon Schauplatz einer Art von (früher) bürgerlicher Revolution, als die Witwe des König Fernandos I. die Macht übernahm (gemeinsam mit ihrem Liebhaber). Große Unruhen entstanden, die Handwerkerzünfte probten den Aufstand. Bürgertum und niederer Adel unterstützten João I. (den nicht ehelichen Sohn von Fernandos Vater Dom PedroI.) und machten ihn zu ihrem neuen König (welcher dann eigenhändig den Liebhaber der ehemaligen Königin umbrachte). Letzendlich war dies auch ein Versuch die portugiesische Unabhängigkeit zu bewahren, denn Fernando war Kinderlos geblieben und die Krone hätte in die Hände Kastiliens fallen können. João war Großmeister des Ritterordens von Avis und sah sich dem Ziel der Verbreitung des Christentums in alle Himmelsrichtungen verpflichtet.
Unter seinem Sohn Dom Infante Henrique el Navigador wurde dieses Ziel in die Tat umgesetzt. Der in Deutschland unter dem Namen Heinrich der Seefahrer bekannte König entwickelte die Flotte der Portugiesen entscheidend weiter. Dies führte unter anderem zur Gründung der Seefahrerschule in Sagres. Die hier ausgebildeten Kapitäne konnten schnell erste Erfolge erzielen. Von Belèm (das wenige Kilometer westlich der Stadt liegt und heute zu Lissabon gehört) aus starteten zahlreiche erfolgreiche Expeditionen in den Atlantik. 1432 wurden die Azoren entdeckt und dem Land einverleibt, 1434 das Kap Bojador umsegelt, was bis dato als unmöglich galt. 1444 begann, mit der Entdeckung des Senegals, der Gewürz- und Sklavenhandel. Die wohl erfolgreichste Zeit Portugals steht eng mit König Manuel I. in Verbindung. Dieser führt die Expeditionen weiter und seine Kapitäne leisten weltbewegendes. 1488 umsegelt Diaz als erster Europäer das Kap der guten Hoffnung und bereitet Vasco da Gamas Mission zur Entdeckung des Seewegs nach Indien vor. Dieser erreicht 1498 Calcutta. 1500 landete Cabral in Brasilien und beansprucht es für Portugal. Heute erinnert das Seefahrerdenkmal an die Pioniere der europäischen Welteroberung. Durch all diese Erfolge wurde Lissabon zu einer der reichsten und wohlhabendsten Städte der Erde und Portugal zur Weltmacht. 1503 wurde die Casa da Índia gegründet, die zentrale Verwaltungsbehörde für alle Aktivitäten in Übersee, der Hafen der Stadt war einer der größten in Europa geworden. Gegen 1530 hatte Lissabon zwischen 50.000 und 65.000 Einwohner und war auch in ihrer Größe eine europäische Metropole. Noch König Manuel I. veranlasste einen Umzug seines Hofes in die Unterstadt, der sogenannten Baixa. Hier ließ er zahlreiche Gebäude bauen, die sich durch eine besonders reichhaltige Verzierung auszeichnen, welche Motive aus der Seefahrt aufnahm. Dieser Stil wird „Manuelinik“ genannt und ist noch heute im Kloster Mosteiro dos Jerónimos und in der Festungsanlage Torre de Belém zu bewundern und beide unter UNESCO-Welterbeschutz stehen.

Von der spanischen Regentschaft bis zum Erdbeben von 1755

Doch auch Leid und Not ereilten Stadt und Land. 1531 sorgte ein weiteres Erdbeben für Zerstörung, 1536 wurde die Inquisition eingeführt (schon 1506 kam es zu einem Pogrom gegen getaufte Juden), 1568 raffte eine weitere schwere Pestepidemie tausende Lissaboner dahin.  Der portugiesische Kolonialismus endete mit der Herrschaft König Sebastiãos 1578, der in einer verlorenen Schlacht in Marokko fiel. Da kein Thronfolger existierte, übernahm der spanische König Philip auch das Königreich Portugal. 60 Jahre regierten die Spanier auch Portugal. In diese Zeit fiel auch die größte Niederlage der gewaltigen spanischen Armada von 1588 gegen England. Die Armada bestehend aus 130 Schiffen lief damals in Lissabon aus. 1640 führte der Herzog von Bragança den Wiederstand gegen die spanische Fremdherrschaft an. Unterstützt von Frankreich wurden die Statthalter gestürzt und das Familienoberhaupt der Braganças wurde König João IV. Spanien erklärte daraufhin Portugal den Krieg, doch mit Hilfe Englands konnte man die staatliche Eigenständigkeit verteidigten und sich schließlich 1669 mit Spanien auf einen Friedensvertrag einigen. Damit begann eine Phase in dem Portugal immer mehr in die Abhängigkeit Englands gelangte. Bestes Beispiel dafür ist der Methuen-Vertrag (nach dem britischen Botschafter in Lissabon genannt) der nur britische Textilien als ausländische Ware auf dem portugiesischen Markt erlaubte. Lissabons Blütezeit war aber Mitte des 17. Jahrhunderts eingetrübt. In einem Gewirr schmaler Gässchen waren nur die beiden Hauptplätze Terreiro do Paço am Tejo und den einwärts gelegenen Rossio größere Auflockerungen, der mittelalterlichen Stadt. Goldfunde um die Jahrhundertwende 1700 in Brasilien führten zu einer weiteren wirtschaftlichen Hochzeit und zu einem starken Anstieg der Bevölkerung in der Stadt. Lissabon wuchs nun unkoordiniert auch am Tejoufer entlang und soll eine Bevölkerungszahl von rund 250.000 erreicht haben.
Die größte Katastrophe seiner Geschichte erfuhr die Stadt am 1.November  1755, am Allerheiligentag. Ein Erdbeben apokalyptischen Ausmaßes vernichtete große Teile der Stadt, ihm folgte nur wenige Minuten später eine gewaltige Tsunamiflutwelle, welche Menschen und Häuser wegspülte. Von 25.000 Gebäuden sollen nur ca. 3.000 verschont geblieben wurden sein. Besonders die dichtbesiedelte Baixa wurde vollkommen zerstört. Die genauen Opferzahlen sind unbekannt gehen aber von 10% der Bevölkerung (daher rund 25.000) bis zu Größen von 60.000 Toten aus. Das Erdbeben wurde als schwere Erschütterung in ganz Europa aufgenommen. Ein tiefe Verunsicherung machte sich breit, wieso Gott am Allerheiligentag eine solche Katastrophe zulassen konnte und warum es Lissabon traf und nicht eine andere Stadt. Die Gelehrten der Aufklärung (wie Voltaire) warten erschüttert über ein Desaster solchen Ausmaßes, dass das weitere  Denken der damaligen Zeit nicht unwesentlich bestimmte. Die Melancholie die sich im Nationalgesang des Fado ausdrückt, als auch das Konzept des Saudade, einer sehnsuchtsvollen Traurigkeit sollen auch im Erdbeben des Lissabons ihren Ursprung gefunden haben.
Die vollkommen zerstörte Stadt wurde vom Grafen Marquês de Pombal mit strenger Hand wieder aufgebaut. Er ließ schon zwei Tage nach dem Beben die Arbeiten beginnen. Statt eines Wiederaufbaues der mittelalterlichen Baixa wurde diese schachbrettartig angelegt, wodurch sich breite Straßen und großzügige Plätze realisieren ließen. Der Architekt Eugenio dos Santos de Cervalho plante acht parallel verlaufende Straßen, mit der Rua Augusta als populärster Weg. Jede Straße ist einer Handwerkszunft gewidmet und alle Häuser der Baixa folgen einem funktionalem Aufbau. Das Erdgeschoss war Ladenfläche, zweite und dritte Etage dienten als Büro- oder Lagerfläche und in den Stockwerken darüber wurde gewohnt.

Lissabon vom 18. Jahrhundert bis heute

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts konnte man in Lissabon die ersten Errungenschaften der modernen Stadt beobachten. So wurde 1780 die erste Straßenbeleuchtung installiert. 1800 eröffnete das erste Postamt. 1851 wurde die erste Eisenbahnlinie nach Carregado eröffnet und 1873 konnte man die erste Pferdestraßenbahn, der Vorgänger der heutigen Straßenbahn in Betrieb nehmen. Politisch begann das 19. Jahrhundert mit der Fremdherrschaft des napoleonischen Frankreichs, das bis 1811 andauerte. Mit Hilfe der Briten wurden letztendlich die Franzosen besiegt, jedoch erhöhte dies nur den britischen Einfluss, was allerdings nicht hieß, das Portugals Industrialisierung auch nur annähernd so rasant verlief, wie das des Empires. Der König weilte statt dessen in Brasilien von wo er der Verfassung 1820 ein liberaleres Gesicht gab, da es im ganzen Land Portugal zu Aufständen kam. 1833 kam es zum Miguelistenkrieg bei dem sich Konservative und Liberale gegenüber standen. Die Liberalen unter Thronfolger Pedro siegten und dessen Bruder Miguel wurde ans Cabo de São Vicente verbannt.
Die zunehmende Distanz zu anderen wirtschaftlich erfolgreicheren Nationen in Europa sorgte für Unmut in der Bevölkerung, die 1910 zur Ausrufung der Republik führte. Das Königshaus floh nach Großbritannien. Die Republik wird jedoch alles andere als stabil. 44 Regierungswechsel in nur 16 Jahren destabilisierten das Land weiter. Im Jahr 1926 putschte das Militär unter Gomes da Costa. Im weiteren Verlauf gewann General Carmona immer mehr an Macht und übernahm 1932 das Amt des Ministerpräsidenten und wird zum Diktator António de Oliveira Salazar. Er ruft den „Estado Novo“ aus, eine konservativ- autoritäre Diktatur unter Führung der União Nacional, der Einheitspartei Salazars. Lissabon , als Hauptstadt des Regimes wurde aber weiterhin ausgebaut, auch auf Kosten des restlichen Landes. 1959 wurde die Christo-Rey Statue eingeweiht, im gleichen Jahr die erste Metro-Linie eröffnete und 1966 die Hängebrücke unter dem Tejo, die nach Salazar benannt wurde.
Mit der Nelkenrevolution von 1974 wurde nicht nur die Brücke umbenannt, sondern auch die gesamte politische Struktur des Landes gestürzt. Hauptsächlich linksorientierte Interessen setzten sich in Portugal durch und führten zu einer kommunistisch-sozialistischen Verfassung. Die Kolonien wurden in die Freiheit entlassen, was zu einer großen Fluchtwelle aus Angola und Mosambik führte, insbesondere nach Lissabon. 1976 wurde die Verfassung nach dem Sieg der Sozialisten modifiziert und 1986 wurde Portugal schließlich Mitglied in der Europäischen Union.
Die Stadt Lissabon erlebte seit dem Ende des 20. Jahrhunderts große Modernisierungsschübe. 1995 war sie Kulturhauptstadt Europas und für die Expo 1998 wurde nicht nur die längste Brücke Europas über die Tejo-Bucht eingeweiht (die Vasco da Gama Brücke), sondern mit dem Expo-Gelände Parque dos Nações ein vollkommen neuer und moderner Stadtteil errichtet. Auch politisch wurden in Lissabon wichtige Weichen für ganz Europa gestellt, nach der Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000 wurde 2007 unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Socrates der Vertrag von Lissabon unterzeichnet, der einen Grundlagenvertrag aller EU-Staaten darstellt.

Lisboa (Lissabon)

Geschichte Lissabons | urban facts Lissabon | Bücher zu Lissabon | Champalimaud Center for the Unknown

Ganz im Südosten Europas, dort wo gleich danach die Weiten des Atlantiks beginnen, liegt die westlichste Großstadt des Festlandkontinents: Lissabon. Je nach Perspektive liegt die Stadt am Ende, oder aber am Anfang von Europa. Klar erscheint aber, dass dieser Ort etwas besonderes hat, was man so nicht wieder findet, ein Flair, dass es zu einem der aufregendsten und schönste Städte macht. Was macht diese besondere Atmosphäre aus?
Es ist zum einen die geographische Lage. Lissabon liegt am nördlichen Ufer des Flusses Tejo (im Deutschen kann genauso die spanische Bezeichnung Tajo verwendet werden). Auf seinem 1000km weiten Weg, vergrößert sich der längste Fluss der iberischen Halbinsel, östlich der Stadt zu einer großen, mehrere kilometerbreiten Bucht, die sich aber südlich der Stadt wieder auf rund 2km verengt und kurz danach letztendlich in den Atlantik mündet. Lissabons Lage war für den Bau eins Hafen von großem Vorteil, weshalb wohl schon die Phönizier hier erstmals siedelten und eine äußerst abwechslungsreiche Geschichte der Stadt beginnen lassen sollten.

Die Geografie Lissabons selbst ist ein einziges Auf und Ab. Lissabon soll an 7 Hügeln liegen, man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, es müssten eigentlich mehr sein. Diese Berge sind zwar nicht allzu hoch (226m ist die höchste Erhebung), aber sie sind kurz und teilweise äußerst steil. Wer einmal „Erklärt Perreira“ von Antonio Tabucchi gelesen hat und von der Mühe, die der etwas fettleibige Perreira hat, die sommerheißen Straßen hoch und runter zu laufen, der kann sich sein verschwitztes Hemd besonders gut vorstellen, wenn er selbst von der Baixa in die Chiado laufen muss. Überhaupt ist Lissabon ein Quell an literarischer Inspiration. Nicht nur ist es die Stadt von Fernando Pessoa, einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts oder des Nobelpreisträgers José Saramago, es ist auch Handlungsort vieler literarischer Werke, sei es nun auf der Reise dahin in einem Nachtzug (von Pascal Mercier), Todesfall (von Robert Wilson) oder weil es ein Hoffnungsort für Flüchtlinge gewesen ist (von Erich Maria Remarque). Weitere Beispiele ließen sich problemlos finden.

Lissabon inspiriert noch immer und zieht Millionen von Touristen pro Jahr an. Allerdings hat die Hauptstadt Portugals ein massives Wohnungsproblem, dass aber schon so lange besteht, dass es zum Stadtbild dazugehört. Rund 40.000 Wohnungen sollen in Lissabon leer stehen und verfallen und das fällt jedem Besucher schnell auf. Ursache dieses Problems ist eine schon in der Salazar-Diktatur eingeführte Mietpreisbremse, die es bis in die Gegenwart ermöglichte, dass einige eingesessene Mieter noch immer für wenige Euro im Monat wohnen können. Dies führt zu einem Verfall der Bausubstanz, da der Vermieter kein Geld in die Häuser investiert und diese langsam verfallen. Wohnungen die aber frei auf den Markt kommen sind entweder teuer, oder aber ihr Geld nicht wert. Das alles führt zu einer starken Suburbanisierung von Lissabon. Obwohl die Stadt mit Umland nördlich des Tejos, als Grande Lisboa stetig wachsend rund 2 Millionen Einwohner hat (nimmt man noch die Vorstädte südlich des Tejos dazu kommt man auf fast 3 Millionen Einwohner, was 30% von ganz Portugal sind) verliert die eigentliche Stadt stark an Einwohnern. So ist sie von 1980 bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts von über 800.000 auf unter 500.000 Bewohner geschrumpft). Als Besucher gewöhnt man sich schnell an die vielen leer stehenden Häuser, teilweise noch mit einer beeindruckenden Ausstrahlung, man empfindet sie hier sogar weniger als störend und mehr als prägend für den Charakter der Stadt. So hat man in Lissabon das Gefühl an einem Ort zu sein, wo die Zeit auf eine eigenartige Weise langsamer zu laufen scheint, wo man immer noch auf wunderbar alte Läden treffen kann, die noch Seifen oder Konserven verkaufen und wo noch uralt, aber wunderschön gelbe Straßenbahnen sich mühevoll den Berg hochquälen, vollgestopft mit Touristen, ohne diese es aber die Straßenbahnen wohl schon gar nicht mehr geben würde. Oder man sitzt an einem der zahlreichen Kiosks, in den vielen Parks der Stadt, oder an einem der zahlreichen Ausichtsspunkten und schaut auf den Tejo, der den Atlantik schon erahnen lässt, auch weil die Möwen kreischen und hofft, das die startenden Flugzeuge, die über den Menschen lautstark Richtung Himmel fliegen noch recht lange auf einen warten können.

Lissabon erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, insbesondere bei Besuchern und es fällt nicht schwer zu prophezeien, dass diese Stadt mehr als nur ein touristischer Geheimtipp ist und zu den Top-Destinationen in Europa gehört. Wie das die Stadt verändert, wird sich zeigen und obwohl man Lissabon bessere Straßen und ein paar mehr gemachte Häuser wünschen würde, hofft man auch, dass in dieser Stadt die Zukunft nicht ganz so schnell zur Gegenwart wird, wie in anderen Orten unseres Kontinents.

Brücken

Einführung | Natürliche Brücken | Bogenbrücken | Hängebrücken | Schrägseilbrücken | Balkenbrücken | Bewegliche Brücken

Brücken verbinden. Sie überqueren ein Hindernis, seien es nun Flüsse, Schluchten, Straßen, Zugtrassen oder gar Meeresarme. So können Menschen zusammengeführt werden, Kommunikation kann stattfinden, Handel und kultureller Austausch sind leichter möglich.
Schon aus prähistorischer Zeit sind Brücken bekannt. Zumeist waren dies simple Holzkonstrukte, teilweise wurden schon erste Steine eingesetzt. Bereits im alten Babylon soll es eine 100 bis 200m lange Brücke über den Euphrat gegeben haben. Gerade das Militär war erfinderisch beim Überqueren von Hindernissen. So hat Xerxes um 480 v.u.Z. den 1,5km breiten Hellespont damit überwunden, dass er 600 Schiffe aneinander binden ließ. Die Römer waren in der Menschheitsgeschichte die großen Neuerer des Brückenbaus. Sie entwickelten Techniken, um sichere Fundamente im Flusslauf zu bauen und entwickelten Steinbogenbrücken, die enorme Kräfte aufnehmen konnten und dadurch ungeahnte Reichweiten erreichten. Es sei an die Viadukte zur Versorgung von Wasser, die Aquädukte erinnert, wie man sie heute noch in Segovia (Spanien) oder bei Nimes (Frankreich) findet. Von den einst acht im antiken Rom gebauten Steinbrücken existieren heute immer noch sechs. Aber auch in China war der Brückenbau schon früh hoch entwickelt. Bereits im 7. Jahrhundert wurden hier, so wie bei der Zhaozhoubrücke, Bögen gebaut, die nur noch teilweise einer Kreiskurve entsprachen. Erst in der europäischen Renaissance wurden der Brückenbau, im Anschluss an die römische Baukunst (da viel des antiken Wissens im Mittelalter verschollen war, konnte man sich einige alte Bauwerke bzw. dessen Festigkeit in jenen Tagen nicht erklären und nannte diese Brücken: Teufelsbrücken) wieder aufgenommen und stetig verbessert.
Vollkommen neue Brückenbautechnologien und Materialien kamen aber erst mit der industriellen Revolution auf. So wurde 1779 die erste Gusseiserne Brücke in England gebaut. Mit der Weiterentwicklungen verschiedener Baustoffe wurden bald Fachwerkauslegerbrücken, Hängebrücken oder Schrägseilbrücken möglich und damit vollkommen neue Formen der Überquerungsbauten. Mit dem Baustoff Beton kam eine weitere Möglichkeit hinzu, Brücken nicht nur neue Formen zu geben, sondern auch Distanzen zu überqueren, die bisher unerreichbar erschienen. Die Spannweiten der Brücken, also die Länge die zwischen zwei tragenden Bauelementen überspannt wird, vergrößerten sich zunehmend und erreichen heute bis zu zwei Kilometer!
Brücken sind zu einem deutlich wahrnehmbaren Zeichen menschlichen Bauens geworden, auch wenn wir im täglichen Leben eher dazu geneigt sind, sie zu benutzen, aber sie dabei zu ignorieren. Ob Brücken nun ingenieurtechnische Meisterleistungen oder eine architektonische Kunstform sind, ist für die folgende Darstellung nicht relevant. Wichtiger ist es, sich Brücken zu nähern, indem sie etwas genauer betrachtet werden. Wie können Brücken unterschieden werden? Was macht eine Brücke so besonders? In der hier vorliegenden Darstellung wird Wert darauf gelegt, die Formunterschiede der Bauwerke kenntlich zu machen, aber auch ihre historische Bedeutung zu erkennen. Das wird in einem „work in progress“ Modus dargestellt, dass heißt ähnlich eines Sammlers werden immer mal wieder neue Bilder und Beschreibungen von Brücken ergänzt, um den Überblick zu verbessern. Dabei werden verschiedene Abschnitte gewählt, welche sich im Regelfall an die Konstruktionsform der Brücken, weniger am Material, orientieren.

Natürliche Brücken

Natürliche Brücken wurden, wie der Name sagt, von natürlichen Prozessen, hauptsächlich Erosion geformt und stehen zumeist in der Landschaft herum. Eine Brückenfunktion erfüllen sie zwar, aber zumeist an Orten, wo gar keine Überquerung notwendig ist. Trotzdem faszinieren sie uns, da es sich um Naturwunder handelt, die von Menschen erst nachgeahmt wurden und deren Nachbau eine hohe zivilisatorische Leistung ist. Natürliche Brücken sind deshalb eher als Attraktionen zu bezeichnen, die nicht der Überquerung, sondern der Anschauung, des Genusses und des Betrachtens dienen.

Das Prebischtor ist die größte natürliche Sandsteinbrücke Europas. Es befindet sich im Elbsandsteingebirge auf tschechischer Seite. Mit einer Spannweite von 26m und einer lichten Höhe von 16m ist es das meistbesuchte Naturdenkmal der Böhmischen Schweiz. Es darf heute nicht mehr betreten werden, womit es keinerlei Brückenfunktion mehr hat. Doch die touristische Anziehung wurde schon früh entdeckt. Seit 1826 steht hier ein Wirtshaus, 1881 ließ Fürst Edmund von Clary-Aldringen unterhalb des Tors, das Hotel Falkennest errichten, um den Tourismus im Gebirge zu fördern.

Bogenbrücken

Bogenbrücken haben eine lange Geschichte. Brücken aus Stein mit mehreren Bögen gehen weit in die Geschichte menschlicher Baukunst zurück. Stein hat eine hohe Druckfestigkeit, bei einer allerdings eher geringen Zugfestigkeit. Baut man einen Bogen, kann man den Nachteil der geringen Zugfestigkeit durch die Konstruktionsform ausgleichen, weshalb es in der Vergangenheit besonders viele Steinbogenbrücken gab. Notwendig ist dabei aber ein belastbares Gelände, in welchem die Brücke gebaut werden kann, da das Bauwerk neben vertikalen auch horizontale Kräfte aufnehmen muss. Mit dieser Konstruktionsform wurden schon im Altertum längere Brücken gebaut, als dies nur mit einem Balken möglich gewesen wäre. Aber nicht nur das Baumaterial, auch die Form des Bogens sind für die Erreichung von angemessenen Spannweiten wichtig. Ausgangspunkt war der Bogen in halbkreisform, der aber gestalterische Limits hatte, denn seine Spannweite besitzt jeweils nur den halben Wert der Spannweite der Höhe. Wollte man also die Spannweite vergrößern, so musste man auch die Brücke erhöhen, was wiederum größere Brückenrampen voraussetzt. So wurden weitere Bogenformen ausprobiert, wie der Segmentbogen, der in Europa erstmals im Mittelalter auftaucht, in Asien aber schon vorher gebaut wurde. Auch Spitz- und Korbbögen sind Erweiterungen der Bogenbrücke. Mit der Industrialisierung und dem Einsatz von neuen Materialien wie Gusseisen, Beton oder Stahl konnten ganz neue Konstruktionsformen gebaut werden. Riesige Brücken aus nur einem Bogen waren möglich, die sich wiederum darin unterscheiden können, wo die Fahrbahn innerhalb der Brücke angebracht ist (aufgehängt, versenkt oder aufgeständert). Ebenso wurden Sonderformen entwickelt, wie der Langersche Balken, eine Spannbetonbrücke. Das Patent zu dieser Form stammt vom Österreicher Josef Langer, der es 1851 einreichte. Der Konstruktionstyp besteht aus einem unten liegenden Träger und eines darüber reichenden Bogens, an welchen Stäbe angehängt sind. Bogen und Balkenträger sind gemeinsam verankert, wodurch auch letzterer Zugkräfte abfängt. Der Langersche Balken kann aus ein, zwei oder sogar drei Bögen bestehen. Nachteilig ist, dass durch die gegenseitige Verankerung von Bogen und Balken, die Brücke nicht im Freivorbau errichtet werden kann, sondern zumeist vorher zusammengefügt und dann vor Ort eingesetzt werden muss. Die Tragwirkung der Stabbogenbrücke liegt im Prinzip der Bogenbrücke begründet und beruht auf vertikalen Hängern.

Es folgen einige Beispiele:

Die steinerne Bogenbrücke ist schon von den Römern gebaut wurden, die dabei schon beachtliche Größen erreichten. Bekannt sind vor allem die römischen Aquädukte, wie das von Segovia, das auch heute fast 2000 Jahre nach seiner Errichtung noch die Stadt beherrscht. Gebaut wurde es wohl um das Jahr 100 herum. Es war Teil einer Leitung, dass frisches Quellwasser aus den Bergen der Sierra de Fuenfría in die Stadt bringen sollte. Die Brücke besteht aus insgesamt 167 Bögen (wenn man die 44 Doppelbögen zweifach zählt). Diese Bögen liegen teilweise übereinander womit die Brücke an ihrer höchsten Stelle 28m erreicht. Die einzelnen Bögen haben eine Spannweite von etwa 4,5m. Die Steine wurden mit der antiken Art von Beton (opus caementitium) zusammengesetzt. Bis heute hat das Aquädukt noch seine Stabilität erhalten (noch bis 1974 wurden seine Wasserleitungen genutzt) und gilt als das bedeutendste Bauwerk der Antike auf der iberischen Halbinsel. Seit 1985 steht es deshalb, gemeinsam mit der Altstadt von Segovia unter UNESCO-Welterbeschutz.

Die romanische Brücke im katalanischen Besalu über den Fluss Fluviá. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und hat nicht nur einen kantigen Verlauf, sondern beinhaltet auch je ein Wachtor in der Mitte und am Ende der Brücke. Hier zeigt sich das Verbindungen, besonders im Mittelalter, auch immer der Kontrolle unterworfen war. Schön zu sehen ist bereits, dass hier bereits ein erster Spitzbogen zu sehen ist.  Die Brücke liegt heute sehr malerisch am Eingang des Ortes und ist das Wahrzeichen der mittelalterlichen Stadt in der Garrotxa.

Die alte Mainbrücke war die erste Brücke Würzburgs. An dieser Stelle des Mains stand wohl schon seit 1150 eine Brücke, welche jedoch durch Hochwasser und das Flößereiwesen beschädigt wurde. Ab 1476 wurde dann die heutige Steinbogenbrücke begonnen, allerdings erst 1703 endgültig fertiggestellt, bei einer Länge von 185m und acht Öffnungen. Von deutschen Truppen 1945 gesprengt, wurde sie 1950 wiedererrichtet und ist seit 1992 autofrei. Im Barockzeitalter wurden auf der Brücke Sandsteinfiguren von Heiligen und Herrschern erstellt, die der Verzierung dienen und ein typisches Merkmal jener Zeit sind.

Eine neuartige Variante der Bogenbrücke ist der Clyde Arc. Die 22m breite Straßenbrücke über den Clyde in Glasgow wurde 2006 eröffnet und erreicht eine Spannweite von 96m. Sie wurde von der Halcrow Group entworfen. Ihr Design besteht aus einem Stahlbogen, der sich quer von einem zum anderen Ende der Brücke spannt. An diesem sind Hänger befestigt, die das kurvige Deck halten. Mit über 20 Millionen britischen Pfund war die relativ kleine Brücke kein Schnäppchen, sollte aber dazu beitragen die westlich der Innenstadt gelegenen Stadtteile am Fluss wiederzubeleben.

Die Zubizuri Brücke in Bilbao ist eine 1997 eröffnete Fußgängerbrücke. Eigentlich ist ihr NamePuente del Campo Volatin, aber der baskische Name Zubizuri, welcher auf Deutsch „Weiße Brücke“ übersetzt heißt ist der gebräuchlichere Name. Von der Konstruktion her ist es ein Langerscher Balken, also eine Stabbogenbrücke. Das besondere an dieser Brücke ist der gebogene Fußweg der über den Fluss Nervion führt und der von einem noch stärker geschwungenen weißen Träger gehalten wird. Diese dynamische Form wurde von einige Kritikern sehr positiv hervorgehoben, als Versuch das neue aufstrebende Bewusstsein der Stadt Bilbao zu offenbaren. Allerdings gab es auch Kritik, so mussten die Glasböden der Brücke ausgetauscht werden, da Passanten darauf ausrutschten. Noch gewichtiger war ein Streit zwischen Calatrava und der Stadt Bilbao, die am linken Ufer eine neue Anschlussbrücke bauen ließen, da damit die Fußgänger praktischerweise gleich zu zwei benachbarten Hochhäusern weitergehen konnten, das die Zubizuri Brücke nicht erlaubt. Da dabei aber kleine Eingriffe in Calatravas Brücke einhergingen, verklagte dieser die Stadt um bekam letztendlich 2009 eine Entschädigungszahlung von 30.000€ zugesprochen.

Stabbogenbrücken können aber auch aus Beton ausgeführt werden, wie hier die Puente del Tercer Milenio in Saragossa. Die Brücke wurde für die Expo 2008 gebaut und soll den Bahnhof Delicias mit dem Expo Gelände auf einer neuen Ringstraße verbinden. Die Stabbogenbrücke wurde vom Ingenieur Juan José Arenas entworfen. Der Bogen aus Beton misst erstaunliche 216m Länge bei einer maximalen Höhe von 35m über der Fahrbahn. Die je zweimal 32 Hänger sind einander kreuzend angebracht. Die Fahrbahn ist 43m breit und hat nicht nur 6 Fahrspuren für Autos sondern auch einen wettergeschützten Fußweg.

Hängebrücken

Hängebrücken sind von ihrer Grundidee tatsächlich schon jahrhundertealt und eine Weiterentwicklung von Seilbrücken mit durchhängenden Gehweg, so wie man sich die schwankenden Gebilde über tiefe Täler in hohen Gebirgen vorstellt.
Moderne Hängebrücken jedoch bestehen heute aus Pylonen, über welche Tragseile geführt werden, an welchen wiederum Träger befestigt sind, welche die Fahrbahn halten. Dieses Konstruktionsprinzip hat erstmals James Finley formuliert, der um 1800 erste solche Brücken – mit recht begrenzten Erfolg – in den USA baute. Für die ersten Hängebrücken wurden noch Ketten als Tragseile verwendet, so wie beispielsweise bei der ersten europäischen Hängebrücke der Menai-Brücke von Thomas Telford in Wales aus dem Jahr 1820. Diese noch als Kettenbrücken bekannte Konstruktionsform  war jedoch bald veraltet, da sich Drahtkabel als deutlich leistungsstärkere Tragseile herausstellten. Obwohl der Bau der Hängebrücken immer wieder mit Rückschlägen verbunden war, so stürzte 1850 die Hängebrücke von Angers ein, als ein Bataillon Soldaten sie überquerte, wobei 226 Menschen starben, setzte sich der Bau besonders in den USA durch. Dort war es besonders John E. Roebling, welcher vollkommen neue Dimensionen bei der Spannweite der Brücken erdachte. Die, nach seinem Tod, von seinem Sohn fertiggestellte Brooklyn Bridge in New York City aus dem Jahr 1883 ist wohl das bekannteste Werk seines Schaffens. Schon bald wurden die Pylonen der Brücken nicht mehr aus Stein gebaut, bzw. mit Stein verkleidet, sondern ganz aus Stahl errichtet, so wie bei der Williamsburg Bridge (ebenfalls New York City) aus dem Jahr 1903. Immer größere Weiten konnten solche Brücken überspannen und in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts wurden immer größere Spannweiten erreicht mit immer höheren Pylonen. Das wohl bekannteste Beispiel jener Zeit ist die Golden Gate Bridge in San Francisco, die zwei Rekorde aufstellte: 1280m Spannweite und 227m hohe Pylone! Aber auch in jener Zeit, gab es noch Rückschläge zu überstehen. Lange wurde die Aerodynamik der Brücken, besonders des Fahrbahnträgers, nicht vollständig berücksichtigt, was 1940 zum Einsturz der Tacoma-Narrows Brücke, bei starkem Seitenwind führte. Die Reaktion darauf war es, die Fahrbahnträger mit massiven Fachwerken zu versteifen, was als amerikanische Variante bekannt wurde. Eine andere Lösung stellte Fritz Leonhardt vor, der Hohlkastenträger im Windkanal testete. Dadurch wird das Deck weitaus dünner und wirkt eleganter. Dies ist als europäische Variante bekannt.  

Die Hängebrücken San Franciscos, die Golden Gate Bridge und die Bay Bridge werden in einem eigenen Artikel beschrieben. Dieser findet sich hier.

Die Hängebrücke von Amposta führt über den Ebro und wurde 1921 eröffnet. Sie geht auf Berechnungen von José Eugenio Ribera zurück und misst eine Länge von 134m. Ihre noch recht traditionelle Ausführung sieht man bei den zwei Pylonen aus Stein, die wie neoklassische Triumphbögen gestaltet sind.

Die Forth Road Bridge ist ein typisches Beispiel für eine imposante moderne Hängebrücke. Sie wurde 1964 eröffnet und war damals die größte ihrer Art in Europa. Auf einer Gesamtlänge von 2500m überquert sie den Firth of Forth in Queensferry bei Edinburgh in Schottland. Die Planer von Freeman Fox & Partners ließen zwei 156m hohe Pylone mit x-förmiger Verstrebung bauen. Dadurch wird eine Spannweite von 1006m überbrückbar, bei einer lichten Höhe von 44m. Das Tragwerk wurde mit einem Versteifungsträger erweitert, so wie es sich in der Tradition des amerikanischen Brückenbaus aus den Ergebnissen des Einsturzes der Tacoma Bay Brücke ergab. Der Fahrträger hat daher eine Höhe von 8,4m und eine Breite von 23,8m. Trotz dieser Dimensionen wurde wesentlich weniger Stahl benötigt als üblich, was hauptsächlich auf die Anwendung von Hohlkästen bei den Pylonen zurückzuführen ist.  Obwohl die Autobahnbrücke für 120 Jahre Haltbarkeit geplant ist, musste man schnell feststellen, dass die immer höher werdende Belastung durch steigende Verkehrszahlen an ihr nagen. Deshalb wird in untermittelbarer Nachbarschaft schon eine zweite Autobahnbrücke gebaut, die 2016 eröffnen soll. Hierbei handelt es sich aber um eine Schrägseilbrücke. Mit der schon seit 1890 bestehenden, legendären Firth of Forth Bridge, die sich ebenfalls gleich in der Nachbarschaft befindet, finden sich dann drei sehr unterschiedliche, aber allesamt beeindruckende Querungen auf engstem Raum.

Die Ponte 25 de Abril in Lissabon verbindet die Stadt mit dem südlichen Ufer des Tejos, kurz vor seiner Mündung in den Atlantik. Wie auch die Forth Road Bridge in Schottland ist die Brücke des 25.Aprils in amerikanischer Hängebrückenkonstruktion gebaut (und wurde auch vom Amerikaner David B. Steinman konstruiert, sowie von der American Bridge Company gebaut), daher ist der Fahrträger durch eine Fachwerkkonstruktion verstärkt. Der Vorteil dieser Bauweise ist es, dass schon zu ihrer Eröffnung 1966, die Möglichkeit bestand, die Brücke doppelstöckig zu benutzen. In den 1990er Jahren wurde die Brücke dahingehend erweitert, dass im Unterdeck eine zweigleisige Eisenbahnlinie angelegt wurde. Mit ihrer Gesamtlänge von 2277m (+937m anschließende Spannbetonkonstruktion auf Lissaboner Seite) bei einer Spannweite von 1012m ist sie die zweitlängste doppelstöckige Hängebrücke der Welt. Mit ihren 190m hohen Pylonen erreicht die Brücke eine Lichte Höhe von 70m über dem Tejo. Da die Pfeiler eine ähnliche Farbe, wie die Golden Gate Bridge aufweisen, werden beide Bauwerke gern miteinander verglichen. Allerdings sind die Riegel der Pfeiler in Lissabon nicht quer wie bei der Golden Gate Bridge, sondern schräg sich kreuzend angebracht. Insofern ist die Brücke des 25.April der San Francisco Bay Bridge, als auch die Firth of Forth Bridge (die aber ohne Doppelstockfahrträger) viel ähnlicher. Trotzdem ist die Ponte 25 de Abril nicht nur ein elementarer Bestandteil für den Verkehr der Region, sie ist auch zu einem Symbol für die Stadt geworden, da sie von vielen Punkten aus gut gesehen werden kann. Ebenso ist ihr Name geschichtsträchtig, denn , anfangs war sie nach dem Diktator Salazar benannt. Sie wurde nach der Nelkenrevolution 1974 in Ponte „25 de Abril“ umbenannt, da an diesem Tag linksgerichtete Teile der Armee sich gegen den autoritären Estado Novo erhoben und somit letztendlich den Weg freimachten, für heutige dritte demokratische Republik.

Schrägseilbrücken

Schrägseilbrücken sind heutzutage eine sehr gebräuchliche Form der Brückenarchitektur. Sie können mit überschaubarem wirtschaftlichen Aufwand breite Gewässer überqueren und sehr weite Entfernungen meistern, sie können aber ebenso nur als kleine Fußgängerbrücken benutzt werden. Da sie, anders als Hängebrücken, eine hohe Steifigkeit erreichen, sind sie auch für Eisenbahnen bestens geeignet. Schrägseilbrücken bestehen konstruktionsseitig aus einem (einhüftiger Schrägseilbrücke) oder mehreren (mehrhüftiger Schrägseilbrücke) Pylonen, der Fahrbahn und Seilen. Die Seile verbinden die Fahrbahn mit den tragenden Pylonen. Je nach Art der Aufhängung der Seile an den Pylonen spricht man entweder von einem Büschelsystem, wenn die Seile an der Spitze der Pylonen aufgehängt sind, oder einem Harfensystem, wenn die Seile sich über die Höhe der Pylonen verteilen und parallel verlaufen. Eine weitere Form wäre das Fächersystem, wenn die Seile sich zwar entlang der Höhe der Pylonen verteilen, aber nicht parallel verlaufen. Selbstredend können die Schrägseilbrücken, ähnlich der Hängebrücken, wiederum nach unterschiedlichen Pylonentypen unterschieden werden. Ihre konstruktiven Anforderungen lassen daher sehr unterschiedliche architektonische Formen zu.
Historisch ist die Schrägseilbrücke nach dem 2.Weltkrieg populär geworden, auch wenn seilverspannte Brücken schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts – wenngleich wenig – gebaut wurden. Zwei technische Neuerungen wirkten sich bei der Schrägseilbrücke besonders aus. Zum einen die Entwicklung des hochzugfesten und stark verspannten Stahls (zurückgehend auf Franz Dischinger) und das Konzept des orthotrophen Decks (von Fritz Leonhardt). Die Düsseldorfer Brückenfamilie von Fritz Leonhardt waren die ersten bedeutenden Schrägseilbrücken. Viele der heutigen Großprojekte werden als Schrägseilbrücken ausgeführt, so beispielsweise das gigantische Viaduc de Millau in Frankreich.

Ein Wahrzeichen der Stadt Hamburg und seines Hafens ist die Köhlbrandbrücke, die eben jenen Mündungsarm der Süderelbe in die Norderelbe überquert. Sie ist mit einer Gesamtlänge von 3628m die zweitlängste Brücke Deutschlands (Platz eins hält die Hochstraße Elbmarsch inne, ebenfalls in Hamburg, aber sonst, sehr unspektakulär, eine einfache 4km lange Hochbahn der A7). Der Entwurf von Egon Jux wurde 1974 fertig gestellt. Bei mittleren Tidenhochwasser erreichen die A-Pylonen eine Höhe von 135m über dem Wasser und lassen eine lichte Höhe von 53m für durchfahrende Schiffe. Da dies in Zukunft aber zu niedrig sein könnte, wird für 2030 schon eine neue Köhlbrandbrücke geplant, die dann eine Lichte Höhe von 72m erreichen soll.

Die Puente de la Pepa in Cádiz ist die nach der ersten spanischen Verfassung benannt ist. Die Brücke, die seit den 1980er Jahren geplant wurde, sollte eigentlich zum 200-jährigen Geburtstag der Verfassung fertiggestellt sein, also 2012. Jedoch konnte sie erst im Sommer 2015 eröffnet werden, da die Finanzkrise von 2008 die Baumaßnahmen verzögerte. Die Schrägseilbrücke wird von zwei 187m hohen Pylonen getragen, welche eine A-Form aufweisen. Die längste Spannweite beträgt 540m. Da große Schiffe, um den Hafen zu erreichen, die Brücke unterfahren müssen, hat sie eine lichte Höhe von 69m und ist damit eine der höchsten Brücken Europas. Auch die Gesamtlänge von rund 5km, die dann von weiteren Pfeilern getragen wird, ist für Spanien ein neuer Rekord. Der Entwurf stammt von Javier Manterola, einem ausgewiesenen Spezialisten im Brückenbau.  Die 34m breite Fahrbahn hat 4 Spuren, sowie zwei Gleise für eine Neubaustraßenbahnstrecke.

Die Alamillo Brücke überquert einen Seitenarm des Guadelquivirs in Sevilla seit 1992. Sie wurde von Santiago Calatrava projektiert und fällt durch ihren 142m hohen und 58 Grad schrägen Pylonen auf, der der Schrägseilbrücke die Gestalt einer Harfe gibt. Dabei ist das Bauwerk umstritten. Zum einen ist der Bau sehr teuer gewesen (eine zweite Brücke, gleichen Zuschnitts, am anderen Ende des Geländes wurde unbezahlbar), zum anderen ist die Brückenkonstruktion eher symbolischer Gestalt, denn es handelt sich mehr, um ein Monument, als um eine tragende Struktur. Es heißt das die Seile des Pylonen keinesfalls die Brücke tragen, sondern  das die Fahrbahn selbsttragend ist. Daher hat sich eine Debatte entsponnen, ob erfolgreiche Brückenkonstruktionen (die auch noch erhebliche finanzielle Mittel verschlingen) nur gut aussehen müssen bzw. nur als Symbol gehandelt werden können, oder ob ein erfolgreicher Brückenbau nicht auch ein funktionierendes strukturelles Gebilde sein sollte, dass seine Funktion nicht nur vorgibt. Jedenfalls fällt die Brücke im Stadtbild auf und Sevilla hat sich damit eine weitere Sehenswürdigkeit geschaffen. Calatrava gelang es mit der Alamillo Brücke seinen Ruf als außergewöhnlicher Brückenbauer zu festigen, der dabei mehr Wert auf eine künstlerisch architektonische Lösung, als auf eine besondere ingenieurtechnische Leistung legt.

Ebenfalls einen schrägen Pylonen, aber doch ganz anders ist die Pasarela de Voluntariado, eine Fußgängerbrücke in Saragossa von Javier Manterola. Er ließ dafür einen 75m hohen Mast spannen, der 30 Grad geneigt ist und an dem 46 Trägerkabel im Fächersystem hängen, die das gebogene 270m lange Deck halten. Diese sehr eigenwillige Schrägseilbrücke kostete rund 7,5 Millionen Euro und ist für ihren Brückentyp sicherlich sehr innovativ. Im Unterschied zur Alamillo Brücke ergibt sich hier nicht eine Linie zwischen Deck und Pylone, denn dieser ist seitlich angebracht. Diese dünne Nadel lässt die Brücke sehr leicht und schwebend wirken.

Die Mariánský most in Ústí nad Labem ist eine Schrägseilbrücke, deren Besonderheit in den Pylonen liegt. Sie wurde 1998 eröffnet und überquert auf einer Länge von 179m die Elbe. Erdacht wurde sie von Roman Koucký, der mit ihrem Design große Aufmerksamkeit erregte. Das Fachmagazin Structural Engineering International wählte die Brücke aus Stahlbeton in die Top 10 der schönsten Bauten der 1990er Jahre. Aus beiden Seiten der geneigten Pylonen (oder ist es nur ein Pylon?) tragen je 15 Kabel das Deck.

Balkenbrücken

Eine der wohl am häufigsten anzutreffenden Brückenformen ist die Balkenbrücke. Sie besteht aus einem Balken als Überbau. Im Regelfall ruhen die Balken auf Pfeilern. Lager verbinden den Über- mit dem Unterbau. Balkenbrücken lassen sich nach Bauform und verwendeten Material unterteilen. Es gibt drei (+ eine) Balkenformen: der Balken aus Vollmaterial, der Hohlkastenträger  oder Vollwandträger,  der  Fachwerkträger. Der Langersche Balken ist eine Kombination aus Bogenbrücke und Balkenbrücke und wird an dieser Stelle als Bogenbrücke gezählt. Vom Material her können beispielsweise: Spannbeton, nicht vorgespannter Stahlbeton, Stahlverbund, Stahlträger oder auch Holz verwendet werden.
Balkenbrücken können nun wiederum in unterschiedlichen Konstruktionstypen unterschieden werden:

Auslegerbrücken:

Eine Auslegerbrücke ist ein Übergang, bei dem Teile des Tragwerks als Kragträger ausgeführt werden. Ein Kragträger wiederum ist ein Träger, das nur ein Auflager hat; ein waagerechter Balken, an dem eine Last hängt. Man stelle sich hier ein großes Schild auf der Autobahn vor, welches die Fahrbahnen von einer Seite überspannt und am rechten Fahrbahnrand abgestützt wird; der obere waagerechte Träger, ist ein Kragträger. Die in der Geschichte ersten Formen der Auslegerbrücken sind noch heute in Teilen von Asien als simpler Flussübergang zu sehen. Dabei werden an beiden Uferseiten, Steine und Holz so fixiert, dass ein waagerechtes Ende in Richtung des Übergangs reicht. Wenn die beiden Enden sich nicht der Flussmitte treffen, dann kann noch beispielsweise ein Holzbalken so eingebaut werden, dass er beide Seiten verbindet. In Europa war diese Brückenbauform eher unüblich und erst im 19. Jahrhundert setzte sich die Auslegerbrücke in einigen Fällen durch. Dafür war eine besondere Erfindung notwendig. Diese wurde erdacht von Ingenieur Heinrich Gottfried Gerber, der einen Träger entwickelte, der folgerichtig nach ihm benannt wurde, den Gerberträger. Dieser ist mit zwei Gelenken versehen, so dass er statisch bestimmt ist und sich leichter berechnen lässt. So kann dieser Träger, in die Kragträger eingehängt werden und liegt selbst auf keinen Pfeilern auf. Im 19. und frühen 20.Jahrhundert wurde diese Erfindung bei großen Stahlfachwerkbrücken benutzt, da diese Konstruktionsform stabiler war, als Hängebrücken und damit besonders gut für Eisenbahnquerungen benutzt werden konnte. Spannbeton-Balkenbrücken lösten bald diese teuren Stahlfachwerkkonstruktionen ab. Jene neuen Brücken waren zumeist nur während des Baues als Auslegerbrücken exisistent, wenn sie quasi aufeinander zu wachsen. Wenn sie dann verbunden sind, wird das Tragwerk zu einem durchlaufenden Balkenträger.
Die Forth Bridge ist eines der beeindruckendsten Brückenbauwerke in Europa, nicht nur was ihre Form, sondern auch was ihre Dimensionen betrifft. Die Eisenbahnbrücke ist insgesamt 2523m lang und besteht aus 7 Steinbögen, 15 Balkenträgern und drei riesigen, zusammenhängenden Stahl-Fachwerkkonstruktionen. Die Brücke, die von John Fowler und Benjamin Baker entworfen wurde, musste zwei besonderen Tatsachen Rechnung tragen. Zum einen ist dies der historische Fakt, dass im Jahr 1879, die Taybrücke einstürzte. Die Brücke über den Tay, der einige Kilometer weiter nördlich liegt, war zu ihrer Eröffnung 1878, die längste Brücke der Welt, kollabierte aber nur anderthalb Jahre nach ihrer Eröffnung bei schwerem Sturm unter einem gerade überquerenden Zug, wobei 75 Passagiere getötet wurden. Die darauf einsetzende Sicherheitsdiskussion (der Planer der Taybrücke sollte eigentlich auch die Forth Brücke bauen, wurde dann aber des Auftrages enthoben) führten dazu, dass die Brücke über den Forth, die stabilste und sicherste Brücke der Welt werden musste. Zum anderen war die gewählte Stelle über den Forth zwar verhältnismäßig eng, aber auch sehr tief, lediglich eine kleine Insel in der Mitte des Flusses ragte heraus. Diese kleine Insel wurde für einen der drei Ausleger benutzt. Diese erreichen alle eine Höhe von 100m und eine Spannweite von zweimal 521m, was zur Eröffnung der Brücke Weltrekord darstellte. Die auf je vier Füßen stehenden rautenförmigen Fachwerkträger wurden als erstes errichtet und dann mit Einhängerträgern verbunden. Zwar war die Konstruktion von Auslegern ebenso wenig neu, wie das Verwenden von Stahl im Brückenbau, aber in diesen Dimensionen (das Volumen des Mauerwerks, Größe der Verbindungsstreben und die Masse an Stahl) war etwas ähnliches bis zur Eröffnung 1890, noch nie erbaut worden. So bleibt diese gigantische Brücke auch heute noch eine Sehenswürdigkeit, auch weil sie in ihrer Form eine außergewöhnliche Eleganz besitzt.
Die Puente monumental de Arganzuela im neu erschaffenen Park Madrid Rio ist eine sehr ungewöhnliche Auslegerbrücke. Genau genommen sind es zwei Brücken, die sich auf einer erhöhten Plattform treffen. Der Franzose Dominique Perrault konzipierte diese Fußgängerbrücke, aus 2x 278m Länge, die das Wahrzeichen des Parks geworden ist. Das beruht auch auf ihrer Helixform die sich um den Balken zu winden scheinen. Das Stahlbauwerk wurde 2011 eingeweiht und soll rund 12 Millionen Euro gekostet haben.

Gitterträgerbrücken:

Gitterträgerbrücken benutzen eine Vielzahl von Stäben, die diagonal übereinander gelegt werden und an den Kreuzungspunkten miteinander zu einem Gitter verbunden werden. Obwohl es sich dabei um eine enge Verwandtschaft zu Fachwerkträgern handelt, ist es doch eine eigene Konstruktionsform. Frühe Gitterträger wurden zumeist mit Holz errichtet. Ihren Ursprung haben sie in den 1820er Jahren in den USA. Später wurde – zuerst in Großbritannien –  Eisen statt Holz benutzt. Diese Technik wurde bis in die 1860er Jahre häufig angewandt, dann aber von stählernen Fachwerkträgerbrücken abgelöst und ist heute sehr ungewöhnlich geworden.
Die Puente del Principado de Andorra über den Manzanares in Madrid gehört zum Projekt Madrid Rio und wurde 2009 eröffnet. Ungewöhnlich an ihr ist nicht nur ihr Y-artiger Grundriss, weshalb sie anfangs auch Brücke Y genannt wurde, sondern auch die schon lange veraltete Konstruktionsform einer Gitterträgerbrücke, die heute so eigentlich nicht mehr gebaut wird. Der neue Name wurde zu Ehren des Fürstentums Andorra gewählt, zum einen, weil es dort eine Madrid-Brücke gibt und zum anderen, weil das Fürstentum, ähnlich des Brückengrundrisses, geografisch aus zwei Tälern besteht, die sich zu einem Tal vereinen.

Bewegliche Brücken

Unter bestimmten Umständen kann das Tragwerk einer Brücke die Durchfahrt der darunterliegenden Wege behindern. Insbesondere Kanäle und Flüsse, daher Wasserstraßen, haben eine Durchfahrtsfunktion und wenn diese überbrückt werden müssen, besteht die Frage, ob die Lichte Höhe des Brückenbaus, die Durchfahrt nicht behindert. Wenn dies der Fall sein sollte, helfen bewegliche Brücken aus, welche die entsprechende Licht Höhe erreichen, indem sie das Tragwerk oder Teile dessen, verschieben können, umso für eine Zeit entsprechenden Lichtraum zur Verfügung zu stellen. Eine historische Sonderform der beweglichen Brücke ist die Hubbrücke an Stadtmauern oder Burgen, welche den Zweck verfolgten die Brückenüberfahrt zu verhindern (um beispielsweise Feinde abzuhalten). Es gibt die unterschiedlichsten Formen von Beweglichen Brücken; Klappbrücken, Hubbrücken oder Drehbrücken.

Drehbrücken:

Bei Drehbrücken kann der Brückenpfeiler um 90 Grad gedreht werden, um die Fahrrinne des darunter liegenden Wasserweges frei zugeben.
Die Puente de la Mujer ist eine Drehbrücke im Stadtteil Puerto Madero in Buenos Aires. Die Fußgängerbrücke ist so etwas wie das architektonische Aushängeschild dieses jungen Bezirks. Die Brücke wurde von Santiago Calatrava entworfen und von 1998 bis 2001 gebaut. Calatrava entwarf eine 102m lange Schrägseilbrücke mit einem geneigten 39m hohen Pylon, der sich um 90 Grad horizontal drehen lässt und bei Schiffsdurchfahrten von einer im Wasser angebrachten Verankerung fixiert werden kann. Der Name der Brücke leitet sich übrigens dahingehend ab, dass im Stadtteil jegliche Straßennamen nur an Frauen vergeben werden.

Hubbrücken:

Hubbrücken sind in der Lage ihre Fahrbahn waagrecht in die Höhe zu heben. Damit ist allerdings auch die maximale Lichte Höhe auf die Höhe des Hubs beschränkt. 1894 wurde die erste Hubbrücke der Welt in Chicago eröffnet, die South Halsted Street Lift Bridge, die allerdings heute nicht mehr existiert.
Die Pont Chaban-Delmas ist eine Hubbrücke über die Garonne in Bordeaux, die es erlauben soll, dass Kreuzfahrtschiffe bis ins Stadtzentrum vordringen können. Dazu kann sie ihre Lichte Höhe auf 53m erhöhen und gehört so zu den größten Hubbrücken der Welt. Nur der mittlere Teil mit einer Länge von 117m kann über die vier 77m hohen Betontürme nach oben verschoben werden. Tatsächlich kann sich die Hubbrücke in nur 12min öffnen, im normalen Betrieb ist sie jedoch ein bis zwei stunden geöffnet, da ein Kreuzfahrtschiff auf der Garonne nicht mehr wenden kann und sicher sein muss, dass die Brücke offen ist. Die 2013 eröffnete Brücke wurde von Michel Virlogeux und dem Büro von Thomas Lavigne networfen.
Eine besondere und recht spektakuläre Form ist die Schwebefähre, bei der ein aufgehängter Förderkorb von einer Seite an die andere Seite des Ufers schwebt. Es gibt aber auch andere Formen der beweglichen Brücken, wie die Fluggastbrücke, die sich von einem Flughafenterminal zu einem geparkten Flugzeug bewegt.

Schwebefähren:

Schwebefähren unterscheiden sich von anderen beweglichen Brücken, da sie eine Mischform aus Brücke und Schwebebahn sind. Sie befördern einen Förderkorb bzw. eine Barke über ein entsprechendes Hindernis, was im Regelfall eine Wasserstraße ist. Insofern hat sie auch eine andere zeitliche Funktion als andere bewegliche Brücken. Der Schiffsverkehr muss sich dort der Öffnung der Brücke anpassen, während bei einer Schwebefähre der Förderkorb der Schwebefähre dem Schiffsverkehr anpassen muss. Auch schwebt dieser Korb nicht wirklich, sondern hängt an Seilen unter einem Brückenträger und fährt oberhalb des Wassers (Schwebefähren queren im Regelfall über Flüssen oder Kanälen) von einem Ufer zur anderen Seite. Man könnte daher verkürzt sagen, eine Schwebefähre ist ein Mittelding aus Fähre und Brücke. Insgesamt wurden weltweit 20 Schwebefähren gebaut, heute existieren aber nur noch acht von ihnen.

Die bekannteste Schwebefähre der Welt steht in Getxo, einige Kilometer nördlich von Bilbao und quert den hier schiffbaren Nervión. In Spanien wird sie Puente Colgante  genannt, also „Hängende Brücke“, was aber eine etwas irrtümliche Bezeichnung ist, denn ihre Konstruktion ist zwar einer Hängebrücke nachempfunden, aber ihre Übergangsfunktion wird nicht durch ein festes Tragwerk, sondern einen beweglichen Förderkorb realisiert. Sie wurde 1893 eingeweiht und war die erste Schwebefähre der Welt. Sie geht zurück auf Pläne von Alberto Palacio, der die Idee gemeinsam mit Ferdinand Arnodin entwickelte, der sich dann die Patentrechte sicherte und noch zahlreiche weitere Schwebefähren konstruierte. Die Anlage besteht aus 45m hohen Stahlfachwerktürmen, die mit einem 160m langen Traggerüst verbunden sind. An diesem ist dann die Transportbarke aufgehängt, die Lasten, wie Fußgänger und PKW bis zu 22 Tonnen tragen kann. Im spanischen Bürgerkrieg wurde die Konstruktion zerstört, 1941 aber wieder aufgebaut. Seit 1999 können die Türme über einen Aufzug erreicht werden und man kann über einen Panoramaweg die andere Seite erlaufen. Seit 2006 ist die Punte Colgante unter UNESCO Weltkulturerbeschutz stehend. Siehe hierzu folgenden ausführlichen Artikel.

Definitiv eine Brücke ist die Rendsburger Hochbrücke, doch sie ist auch gleichzeitig eine Schwebefähre. Die von 1911 bis 13 gebaute Stahlfachwerkbrücke überspannt den Nord-Ostsee Kanal und ist eines der bedeutendsten technischen Wahrzeichen Deutschlands. Mit einer Länge von 2486m war die Brücke 99 Jahre lang Deutschlands längste Eisenbahnbrücke und steht auf 51 rechteckigen Pfeilern. Schon die Ausgangslage ist erstaunlich, denn das Bauwerk musste zwei Gegebenheiten berücksichtigen. Um die Schiffsdurchfahrt im Kanal zu gewährleisten musste die Brücke, wie alle Überquerungen des Nord-Ostsee Kanals eine Lichte Höhe von 42m vorweisen. Auf der anderen Seite war der Bahnhof in Rendsburg nur 600m vom Kanalufer entfernt. Da es unmöglich ist auf so kurzer Strecke mit den entsprechenden Rampen die Höhe von 42m zu erreichen wurde eine Schleife gelegt, welche 4,5km Länge misst. Der innerhalb dieser Rampe entstandene Ortsteil von Rendsburg heißt übrigens Schleife. Summiert man die beiden Rampen zur Gesamtlänge hinzu (wobei einige Teile als Damm ausgeführt wurden) hat die Rendsburger Hochbrücke sogar eine Länge von 7,5km. Der Hauptteil der Brücke misst 317m und hat eine Stützweite von 140m. Hier operiert die Schwebefähre, die Autos und Personen viertelstündlich von 5 bis 23 Uhr transportiert. Die Gondel kann maximal 7,5 Tonnen tragen, ist 14m lang und hängt an 12 Seilen. Leider ereignete sich am 8.1.2016 ein folgenschwerer Unfall, als die Gondel mit dem  Frachtschiff Evert Prahm kollidierte. Die zwei Personen an Bord der Gondel wurden dabei verletzt und diese so stark beschädigt, dass sie bis heute nicht mehr Betriebsbereit ist. Da aber die Brücke und die Schwebefähre unter Denkmalschutz stehen, wird ein Wiederaufnehmen der Fähre erwartet.  

Von den weltweit 20 erbauten Schwebefähren sind nur noch acht aktiv. In Buenos Aires baut man daran, dass es bald wieder neun werden, denn dort wird momentan die Puente Transbordador “Nicolás Avellaneda” generalsaniert. 1908 bekam die Firma Ferrcarril del Sud die Genehmigung eine Schwebefähre über den Fluss Riachuelo zu bauen. Der Riachuelo am Südrand von Buenos Aires wird von vielen Schiffen des nahen Hafens benutzt. 1914 erfolgte dann die Einweihung des Bauwerks das den Stadtteil Boca in Buenos Aires und die Vorstadt Avellaneda verbindet, wobei das Bauwerk, wie die Vorstadt aber nach dem ehemaligen Präsidenten benannt ist. Die Schwebefähre ist eine Stahlfachwerk Konstruktion, an der eine 8x12m große Fährbarke aufgehängt war. 1940 wurde nur 100m weiter nördlich eine weitere Brücke gebaut, letztendlich wurde deshalb die Schwebfähre 1960 außer Betrieb genommen, jedoch nicht abgerissen, obwohl dies in den 1990er Jahren angedacht war. Heftige Proteste jedoch, verhinderten nicht nur den Abriss, sondern sorgten für einen Status im Denkmalschutz und eine Sanierung, die mit dem Betrieb der Fähre abgeschlossen sein wird.