mein Dresden

Wenn man Dresdner sagen hört: „mei Drähsdn“ dann mischt sich in diese Aussage Liebe zur eignen Stadt (die gern mal verblendet bzw. anderes ausblendet) und Stolz, diese Stadt irgendwie als ein Eigentum zu betrachten. Beides ist nachvollziehbar, wenngleich nicht immer sympathisch. Vollkommen anders wird es in dieser Rubrik nicht zugehen. Hier soll es bei „mein Dresden“, um Gebäude der Stadt gehen, mit denen ich etwas verbinde, was mich wiederum an diese Stadt bindet. Das sollen Persönliche Erinnerungen sein, die sich umklammern mit einem genaueren Blick auf das Bauwerk. Dafür müssen nicht gleich die markanten Wahrzeichen der Stadt, wie Zwinger und Semperoper betrachtet werden. Vielmehr ist mir wichtig, dass zu zeigen, was für mich Dresden ausmacht.

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Dresden

Geschichte Dresdens | urban facts | mein Dresden | Dresdner Bahnhöfe (in Planung) | Mythos Dresden (in Planung)
in der Nähe: Altenburg (110km W) | Chemnitz (75km NO) | Leipzig (110km NW) | Meißen (25km NW) | Mühlberg (70km NW) | Torgau (95km NW) | Ústì nad Laben (70km SO)

Wenn ich über Dresden schreibe, muss ich einige persönliche Hinweise vorn an stellen. Ich bin Dresdner, wurde hier geboren und wohne größtenteils hier. Mein Blick auf die Stadt ist immer emotional aufgeladen. Ich kenne keine Stadt, die mich so zur Verzweiflung bringt, die aber immer auch durch ihre Schönheit und Vertrautheit, mir ebenso großen Wohlgefallen bereitet. Ich denke, ich kenne keine Stadt besser als Dresden und obwohl sich Städte ständiger Wandlung unterziehen, bin ich ebenso überrascht, dass geradezu ewig alte Klischees immer wieder auftauchen, aber auch, wie Neues in der Stadt zu sehen ist, das mich teils befremdet, teil angenehm überrascht.
Deshalb wird die Auseinandersetzung mit Dresden etwas anders verlaufen. Natürlich wird ein Blick auf die Stadtgeschichte nicht fehlen und auch die Daten und Fakten von urban facts werden zu finden sein. Daneben wird es persönliche Blicke auf Gebäude und Gebäude-Ensemble in Dresden geben, die vielleicht etwas pathetisch „mein Dresden“ genannt werden. Letztendlich soll auch versucht werden, die städtische Eigenlogik Dresdens einzufangen, was sicherlich ein höchst schwieriges Unterfangen ist.

Lleida

Die katalanische Stadt Lleida (auf spanisch: Lerida) wirkt von Ferne, durch das flache Land des Segre Tals kommend, durchaus gigantisch. Das liegt an der Burg und der Alten Kathedrale, die über der Stadt thronen. Beim zweiten Blick legt sich der anfängliche Optimismus ein wenig, obwohl Lleida zweifellos einen Reisestopp wert ist. Die Provinzhauptstadt hat mit rund 140.000 Einwohnern ungefähr so viele Bewohner wie Tarragona und ist (wenn man die Vorstädte Barcelonas ignoriert) streitet mit dieser um den Status der 2. größten Stadt Kataloniens. Sie ist ein regionaler Verkehrsknotenpunkt mit einem AVE Schnellzugbahnhof und hat seit 2010 sogar einen eigenen Flughafen, dessen Verkehr allerdings sehr überschaubar ist (2 Flüge pro Woche auf die Balearen).

Lleida hat auch eine bewegte Geschichte und ist eine der ältesten Städte Spaniens. Schon in der Bronzezeit soll die Gegend besiedelt gewesen sein, bekannt wurden die beiden iberischen Stammesführer Indíbil, König der Ilergetes und Mandoni, König des Ausetanier, die sich hier im 3.Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erfolgreich gegen eine phönizische und später römische Invasion gewehrt haben. Sie gelten als die mächtigsten der iberischen Stammeskrieger jener Zeit. Letztendlich wurde Lleida (das zur damaligen Zeit Iltrida oder auch Ilerda genannt wurde) aber doch Teil des römischen Reiches und Teil der Provinz Hispania Tarraconensis, wo es keine unbedeutende Stellung hatte, da es auch als Handelsknotenpunkt gut erreichbar war. Als ein municipium hatte es sogar das Recht eigene Münzen zu prägen. Schon damals baute man eine Steinbrücke über den Segre (der übrigens der längste Nebenfluss des Ebros ist). Nachdem die Westgoten und die Mauren die Stadt beherrschten, wurde Lleida 1149 von Raimund Berengar IV. von Barcelona erobert und zum Teil des Königreiches Aragon gemacht. 1297 wurde hier die erste Universität auf dem Boden der Krone Aragons gegründet (die drittälteste Spaniens), welche 1717 nach Cervera verlegt wurde und sich hier 1991 wieder gegründet hat. Im spanischen Bürgerkrieg wurde die Stadt Opfer zahlreicher frankistischer Bombenangriffe, da sie als wichtige Verteidigungslinie für Barcelona fungierte. Am 2.November 1937 beispielsweise zerbombte die deutsche Legion Condor die Stadt und tötete dabei 300 Menschen, darunter 48 Kinder einer Schule.1938 schließlich fiel Lleida an die Truppen Francos. Einen großen Bevölkerungsschub entwickelte Lleida in den 1960er Jahren, als insbesondere viele Menschen aus dem verarmten Andalusien sich hier ansiedelten. Heute ist die Stadt Heimat für Menschen aus 146 Nationen.

Abschließend ein paar Bilder aus Lleida:

urban facts Tarragona

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2014 135.492 (Metroregion: 456.000)
Einwohnerentwicklung 2012-2014: +1,1%
Fläche 55,2km²
Bevölkerungsdichte 2419 Einw. / km²
Geographische Höhe 0 – 68m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 504 / 51 / 2509
KfZ-Kennzeichen T (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Josep Fèlix Ballesteros Casanova (PSC – Sozialdemokraten) seit 2007
Verwaltungstechnische Bedeutung Provinzhauptstadt
Transit Flughafen: Aeroport de Reus  (REU; errichtet 1935; 1,3 Mio; PAX 2011; angesteuert zumeist von Billigairlines; 1 Landebahn, 1 Terminal; 7km NW von Tarragona)
ÖPNV 18 Buslinien und 4 Nachtbuslinien
Entfernung nach… Barcelona 100km (Auto: 1h; Bahn: 1h)

Valencia 255km (Auto:2h20min; Bahn: 2h15min)
nächster Ort über 500.000: Barcelona (100km)
nächster Ort über 1000.000: Barcelona (100km)

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universitat Rovira i Virgili URV (gegründet:1991; 11.500 Studenten
Anzahl Museen 9 ohne Weltkulturerbe Plätze (bei wikipedia – SPA gelistet)
Größten jährlichen Feste Festes de Santa Tecla (23.9.); ebenso Karneval von Tarragona, der gefeiertste Karneval Kataloniens
Sportvereine der Stadt Fußball: Gimnastic (gegründet 1886 als ältester Sportclub Spaniens; Fußballabteilung aber erst: 1914; in Spielzeit 15/16 in Segunda Division – 2.Liga; 4 Spielzeiten in 1.Liga; @Nou Estadi (15.000)
Biersorte des Ortes: Rosita
Erste Erwähnung 5. Jahrhundert v.u.Z.
Gegründet von: Iberieren
Großstadt seit 1977
Meisten Einwohner im Jahr 2012: heute

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Amphitheater
Architektonisches Highlight Kathedrale
Höchstes Gebäude Roma 23 (54m; eröffnet 2001)
Tags: Antike Wurzeln, Hafenstadt, Industriestadt, Universitätsstadt, Badestrand
Anzahl Starbucks 0
Arbeitslosenquote 11,85% (5.15)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1497 1515 1553 1717 1787 1857 1877 1887 1900 1910
637 765 960 4.915 9.909 19.760 24.709 29.043 25.207 15.009

 

1920 1930 1940 1950 1960 1970 1981 2000 2006 2012
29.632 32.379 37.130 40.084 45.273 78.238 111.639 114.097 131.153 133.954

 

Geschichte Tarragonas

Die Geschichte Tarragonas ist außergewöhnlich und reicht weit in die Vergangenheit zurück. Iberische Stämme siedelten wohl schon 500 v.u.Z. auf dem Gebiet des heutigen Tarragonas, auch wenn sie bevorzugt im etwas weiter südlich gelegenen Ebrodelta beheimatet waren. Sie trieben Handel mit Griechen und Phöniziern. Erstmals historisch bedeutend wurde der Ort, während der punischen Kriege zwischen Karthago und Rom. Nach römischer Geschichtsschreibung waren die Einwohner eher den Römern zugetan und unterstützten sie. Die Römer nannten den Ort Tarraco und machten ihn zu einem Teil ihres damals noch schmalen Besitzes auf der iberischen Halbinsel. Als 197 v.u.Z. zwei römische Provinzen auf der iberischen Halbinsel geschaffen wurden (hispania citerior und hispania ulterior)  saß der Statthalter der neuen Provinz hispania citerior (also des „diesseitigen oder näheren Spaniens“) in Tarraco. Zusammen mit Carthago Nova (Cartagena), Saguntum (Sagunto) und Ilrida (Lleida) wurde es zu einem der bedeutendsten Orte des östlichen Iberiens. So kam beispielsweise Kaiser Augustus im Jahr 27 v.u.Z. in die Stadt, um von hier die Feldzüge in Kantabrien zu überwachen. Die Handelsstraße Via Augusta, welche weiter Richtung Süden (also in Richtung Saguntum) führt, wurde unter seiner Zustimmung ausgebaut und nach ihm benannt. Die Neuordnung der spanischen Provinzen führte dazu, dass aus der Provinz Hispania citerior, Hispania Tarraconensis wurde, was auch mit der enormen Bedeutung des Ortes für die gesamte Region zu tun hat. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit um die Zeitenwende und war die reichste Hafenstadt an der westlichen Mittelmeerküste. Einen weiteren Bauboom erlebte Tarraco im 2.Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Durch eine Reform des Reiches ausgelöst, begannen städtische Eliten ihren Reichtum in repräsentativen Bauten zeigen zu wollen. Sowohl das Amphitheater als auch das Provinzialforum fallen in diese Zeit. Danach setzt aber ein schleichender Niedergang ein. Interessant ist das Jahr 259, als während der valerianischen Christenverfolgung Bischof Fructuosis und zwei seiner Diakone im Amphitheater hingerichtet wurden, gleichzeitig ist dies ein Beleg für die erste christliche Gemeinde im Ort, wobei erst ab dem 5.Jahrhundert Überlieferungen von christlichen Gebäuden in Tarraco sprechen. Der Einfall der Franken im Jahr 260 änderte die Stadtstruktur. Nicht nur wurden einige Gebäude zerstört, auch tieferliegende Siedlungen am Meer wurden mehr und mehr aufgegeben.

Endgültig von den Westgoten besetzt wurde die Stadt 476, unter deren König Eurich und damit endet der spektakulärste Teil der tarragonesischen Geschichte. Die Westgoten übernahmen die städtischen Strukturen und stellten fortan eine dünne Oberschicht. Die politische Bedeutung schmälerte sich aber, als zur neuen westgotischen Hauptstadt Toledo ernannt wurde. Allerdings blieb die Stadt ein kirchliches Zentrum. Jedoch nur bis 716, als schließlich die Mauren unter al-Hurr die Stadt eroberten. Tarragonas Bedeutung in den folgenden Jahrhunderten wurde immer geringer und es soll Zeiten gegeben haben, wo der Ort mehr oder weniger nicht mehr besiedelt war. 1136 eroberte Raimund Beranger III. die Stadt und vergrößerte damit sein katalanisches Territorium. Die Stadt wurde zum Hauptsitz der katalanischen Kirche erhoben, was nicht nur mit der ehemals wichtigen kirchlichen Stellung zu tun hatte, sondern insbesondere damit, dass die Katalanen nicht mehr abhängig vom Erzbischofftum Narbonne sein wollten. 1171 wurde mit dem Bau einer neuen Kathedrale begonnen, die jedoch erst 1331 fertiggestellt wurde.
Viele Jahrhunderte später, 1811, stand die Stadt wieder im Fokus. Die französischen Revolutionsarmee erstürmte die Stadt am 8.Juni. Die Bewohner Tarragonas als auch die spanischen Truppen leisteten jedoch erbitterten Wiederstand, was wiederum die Franzosen veranlasste, ein Massaker zu verüben, dass insbesondere auch die Zivilbevölkerung sehr schwer traf. Von den 4000 Toten an jenen Tagen, waren 2000 Zivilisten.

Heute ist Tarragona ein sehr anziehender Touristenort, der viel von seiner antiken Geschichte erzählen kann. So ist sind auch die antiken Reste der Stadt Tarraco seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe. Aber die Stadt ist ebenso ein wirtschaftliches Zentrum im Süden Kataloniens, zusammen mit der etwas kleineren Nachbarstadt Reus (105.000 Einwohner), die den Flughafen der Region beherbergt. Der Hafen Tarragonas ist ein wichtiger Handelsort und hat ebenso mit dem Wohlstand der Region zu tun, wie die hauptsächlich petrochemischen Industrien im Südwesten der Stadt.

Tarragona

Geschichte Tarragonas | urban facts Tarragona

Städte am Mittelmeer tendieren dazu eine außergewöhnlich reiche Historie zu besitzen und wenn man Glück hat, kann man diese noch heute in Augenschein nehmen, so wie in Tarragona. Die katalanische Stadt liegt rund 100km südwestlich der Hauptstadt Barcelona, direkt am Mittelmeer. Sie ist heute vor allem ein bei (Bade-) Touristen beliebtes Ziel und hat einen wichtigen Hafen. Die katalanischen Traditionen werden hier mit den Castells, den menschlichen Türmen (hier ein Link), im wahren Wortsinne, hochgehalten. Und als Provinzhauptstadt ist man 2.größte Stadt Kataloniens (in ständiger Auseinandersetzung mit Lleida), wenn man einige Vororte von Barcelona nicht mit einberechnet.
Beeindruckend wird Tarragona durch seine lebendig gehaltenen römischen Ruinen, die an vielen Stellen der Stadt sichtbar sind und besucht werden können. Seit 2000 stehen sie unter UNESCO-Welterbeschutz und laut Vergabekommission sind nur in Rom selbst, mehr römische Überreste zu sehen. Anders, als beispielsweise in Cartagena, dass eine ebenso reiche Ansammlung von Bauten sogar von mehreren antiken Völkern sein eigenen nennen kann, hat man in Tarragona aber nie das Gefühl in einer etwas runtergekommen Stadt zu sein. Ganz im Gegenteil, Tarragona ist ausgesprochen charmant. Die hüglige Lage am Meer ist sehr reizvoll, die Architektur der Stadt interessant und obwohl die Eisenbahn mitten am Meer entlang führt (ein katalanisches Phänomen, dass sich einige Badeorte teilen) hat Tarragona viele sehr schöne Plätze, Gassen und Winkel zu bieten, die nebenher noch recht geschichtsträchtig sind, denn der geschichtsinteressierte Leser wird es wissen, Tarragona war insbesondere in der Zeit des römischen Reiches ein ausgesprochen wichtiger Ort und gilt als die erste Hauptstadt einer römischen Provinz.

Geschichte Alicantes

Der Küstenstreifen an dem Alicante liegt, ist schon seit ca. 7000 Jahren besiedelt. Jäger und Sammler sind um 5000 v.u.Z. aus Mitteleuropa nach Süden vorgestoßen und ließen sich unter anderem hier nieder. Diese Stämme errichteten am Benacantil Berg, auf dem heute die Burg steht, erste Siedlungen. Um rund 1000 v.u.Z. bereisten griechische und phönizische Händler das westliche Mittelmeer. Auf der Suche nach Handlungsstützpunkten mit den einheimischen Stämmen wurde wohl von den Griechen am Fuße des Berghanges die Ortschaft Leukon Teijos gegründet, übersetzt, die Stadt des Lichts. Die an einer Bucht strategisch günstig gelegene Stadt, wurde später von Karthagern übernommen, die sie von nun an Akra Leute nannten und eine Fortifikation auf dem Benacantil erbauten. Doch erst die anschließende römische Eroberung brachte dem Ort einen weiteren Schub und größere regionale Bedeutung, verbunden mit ihm einen weiteren, neuen Namen, Lucentum. Neben Steinmetzen lebten Fischer hier, die gepökelten Fisch für den Verkauf nach Rom vorbereiteten. Rund 700 Jahre herrschten die Römer über die Stadt bevor sich nach dem Niedergang des römischen Reiches die Westgoten die spanische Halbinsel sicherten. Doch nur kurze Zeit später überrannten die Mauren ganz Iberien und besetzten 711 die Stadt. Sie nannten sie von nun an Al Lucant und sollten bis 1296 hier herrschen. Allerdings war der Ort eher unbedeutend in maurischen Herrschaftsgebiet.
Im Zuge der Reconquista eroberte Jaume II. die Stadt für die Krone Aragons (zwischenzeitlich wurde es schon 1240 von Alfonso X. aus Kastilien in Besitz genommen) und ließ es dem Königreich Valencia zufallen. Als eine „Vila Reial“ konnte sich die Stadt im Parlament der Cortes Valencianes repräsentieren. Eine weitere einschneidende Entwicklung war die im 17. Jahrhundert vorgenommene Vertreibung der bis dato weiter hier lebenden Mauren, die nach der Reconquista noch geduldet wurden und deren wirtschaftlicher Einfluss in der Region erheblich war. Insbesondere die blühende Landwirtschaft kam fast völlig zum erliegen. Der spanische Erbfolgekrieg, der 1701 bis 15 tobte, brachte zwar keine erhebliche Zerstörung, jedoch sank die Bedeutung der Stadt weiter, da nun auch das Königreich Valencia nicht mehr existierte. Das Schuhhandwerk und die Fischerei sorgten für das Einkommen der Bürger. Erst mit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg die wirtschaftliche Bedeutung Alicantes wieder an, als der Hafen der Stadt zu einem bedeutenden Umschlagplatz wurde und die Bevölkerung anwuchs. Wie viele Städte der Levante war Alicante im spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 bis 39 lange in republikanischer Hand, die republikanische Regierung soll im städtischen Hafen 1939 an Bord gegangen sein um vor den einrückenden Truppen Francos endgültig aus Spanien zu fliehen.
Mit den 1960er Jahren begann man in der gesamten Region den Tourismus zu fördern und natürlich wurden auch die Strände von Alicante zu Anziehungspunkten für Touristen aus Europa. Neue Gebäude schossen in die Höhe (wobei bei weitem nicht in den Dimensionen die man in Benidorm finden kann) und die Stadt erhielt einen neuen Flughafen, der seit 1967 Touristen in die Stadt und das Umland bringt. Heute reisen rund 10 Millionen Personen über den Flughafen. Die meisten kommen dabei aus Großbritannien (5 der 10 verkehrsreichsten Routen Alicantes führen nach Großbritannien, nur 2 zu anderen spanischen Destinationen). Mit den Touristen erlebte Alicante auch einen weiteren Bevölkerungsboom und wurde zu einer der am schnellsten wachsenden Stadt Spaniens (1950 erreichte man die Großstadtmarke von 100.000 Einwohner, in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends übersprang man schon die 300.000 Einwohner). Der Schwung der Bevölkerungszunahme ist in den letzten Jahren abgeklungen. Heute hat Alicante 332.000 Einwohner, wobei einige hier dauerhaft lebende Nordeuropäer sich nicht offiziell gemeldet haben und die Zahl wohl etwas höher ist als offiziell dargestellt. Ob länger bleibende Urlauber oder Tagestouristen, Alicante ist auch heute noch sehr populär. Ereignisse wie das hier startende Volvo Ocean Race oder die Johannisfeuer im Juni ziehen viele Neugierige in die Stadt.

urban facts Alicante

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2013 332.000 (462.000) (Metroregion: 771.000)
Einwohnerentwicklung 2010-2014: -0,7%
Fläche 201km²
Bevölkerungsdichte 1700 Einw. / km²
Geographische Höhe 0 – 170m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 311 / 38 / 2851
KfZ-Kennzeichen A (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Gabriel Echávarri (PSOE – Sozialdemokraten)
Verwaltungstechnische Bedeutung Provinzhauptstadt
Transit Flughafen: Aeropuerto de Alicante – Elche(ALC; errichtet 1967; 10,06 Mio; PAX 2014; 6.größter Flughafen Spaniens; 1 Landebahn, 1 Terminal; 9km SW der Stadt)
Bahnhof: Alicante terminal; errichtet: 1858; AVE Schnellzugverbindung nach Madrid in 2h12min
Fähren nach: Algerien (Algier) und auf Balearen
ÖPNV Straßenbahn: errichtet 1999; 5 Tramlinien (L1-L5), 4Linien städtisch, eine als Zug bis nach Benidorm führend, von dort Verbindung als L9 bis Denia
Entfernung nach… Valencia 165km (Auto:1h50min; Bahn: 1h30min)
Murcia 80km (Auto: 55min; Bahn: 1h10min)
Madrid 420km (Auto: 3h50min; Bahn: 2h12min)
Barcelona 525km (Auto: 5h; Bahn: 5h)
nächster Ort über 500.000: Valencia (165km)
nächster Ort über 1000.000: Madrid (420km)

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universidad de Alicante (gegründet:1979; 27.000 Studenten
Anzahl Museen 15 (bei wikipedia – SPA gelistet)
Größten jährlichen Feste Hogueras de San Juan (20-24.6.); Johannisfeuer, bei denen, ähnlich wie in Valencia haushohe Figuren verbrannt werden
Sportvereine der Stadt Fußball: Hercules CF (gegründet 1922; in Spielzeit 15/16 in Segunda B – 3.Liga; 20 Spielzeiten in 1.Liga; Ø-Zuschauer: 7.300 (13/14) @José Rico Pérez (30.000)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Diario Informacion (gegründet: 1941; 18.000 Stück täglich)
Erste Erwähnung 324 v.u.Z.
Gegründet von: Griechen
Großstadt seit 1950
Meisten Einwohner im Jahr 2012: 334.000

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Burg Santa Bárbara
Architektonisches Highlight Rathaus
Höchstes Gebäude Estudiotel Alicante 117m (errichtet: 1962)
Tags: Hafenstadt, Badestrand, antike Wurzeln, Universitätsstadt
Anzahl Starbucks 2: eins davon auf Flughafen
Arbeitslosenquote 18,27% (5.15)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1250 1350 1418 1609 1646 1717 1735 1754 1768 1786
2.500 3.250 1.539 5.040 6.174 11.019 12.604 14.394 17.213 17.345

 

1797 1803 1857 1860 1877 1887 1897 1900 1910 1920
19.313 21.447 27.550 31.162 34.926 40.115 49.463 50.495 55.116 63.382

 

1930 1940 1950 1960 1970 1981 1991 2001 2006 2014
71.271 89.198 101.791 121.838 181.550 245.963 265.473 288.481 322.431 332.067

Alicante

Geschichte Alicantes | urban facts Alicante

Alicante (oder Alacant, wie es auf Valencianisch heißt, wo man aber in der Mehrzahl der Bevölkerung Spanisch spricht) gehört sicherlich nicht in die erste Reihe der wichtigsten Städte des westlichen Mittelmeeres, das sind wohl eher Barcelona und ferner Marseille und Valencia. Jedoch ist Alicante  ein durchaus beachtenswerter Ort, der in Reiseführern als eine sehr sehenswerte Stadt angepriesen wird, mit einer für die Gegend typischen, langen Geschichte. Alicante ist aber auch, durch seinen Flughafen, ein Verteiler für die Urlaubsorte, die sich wie eine Kette nördlich und südlich der Stadt an der Küste der Costa Blanca entlang ziehen und Ziel zahlreicher Tagestouristen aus diesen Orten ist. Alicante ist eine Stadt mit rund 330.000 Einwohnern, die nicht nur die zweitgrößte der Communidad Valenciana und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist, sondern auch die 11.größte Spaniens. Nimmt man das nur rund 25km entfernte (und durchaus hübschere) Elche dazu, bildet sich eine Metropolregion von rund 770.000 Einwohnern mit mehr Einwohnern als beispielsweise die Regionen von Saragossa oder Murcia haben.

Möchte man die Stadt charakterisieren, so kann man sagen, dass Alicante kein reiner touristischer Badeort ist, wie beispielsweise das rund 40km entfernte Benidorm, oder eine überall hervorstechende historische Vergangenheit hat, wie das rund 125km entfernte Cartagena, aber es ist auch keine dreckige Industrie- oder große Verwaltungsstadt. Alicante scheint von allem etwas zu haben, ohne dabei ein alles überstrahlendes Highlight zu setzen. Vergleicht man die Stadt mit den Urlaubsorten in seiner Nachbarschaft so fallen dennoch einige Sachen auf. Natürlich finden sich auch in Alicante zahlreiche Touristen, zumeist Mittel- und Nordeuropäer. Neben ihnen sieht man aber auch eine nicht unerheblich große Gruppe an Immigranten aus Südamerika oder den arabischen Ländern, die man in den Touristenburgen nicht oder weniger stark sieht und die unter anderem zeigen, dass in der Hafenstadt Alicante eine Fährverbindung nach Algier existiert. Den jugendlichen Charme der Stadt machen 27.000 Studenten aus, die zeigen das Alicante eben nicht eine weitere große Touristenstadt der Costa Brava ist, sondern eine interessante Großstadt am Meer, dass ebenso auf ein großes in ganz Spanien bekanntes Fest verweisen kann, die Johannisfeuer, oder besser: Hogueras de San Juan, welche eine ähnliche Berühmtheit erlangen wie Fallas in Valencia und auch einen ähnlichen Charakter haben. Ein Blick nach Alicante ist also durchaus lohnenswert.

Die europäische Stadt im Mittelalter

Das ausgehende Mittelalter (insbesondere das 13. Jahrhundert) ist die Zeit, in der es zu einer wahren Stadtgründungswelle in Europa kommt. Wir wollen an dieser Stelle an die Überlegungen des Mediävisten Jaques LeGoff anknüpfen, dessen hervorragendes Buch „Die Geburt Europas im Mittelalter“ wärmstens empfohlen wird (die Argumentation wird hier größtenteils aufgenommen).

Das 13.Jahrhundert ist eine vergleichsweise friedliche und ökonomisch prosperierende Zeit in Europa, wobei mit diesem Begriff der Teil des Kontinentes verstanden wird, auf dessen Territorien sich damals, der Katholizismus als wesentliche Religion durchgesetzt hatte.
Die Stadt des Mittelalters bewahrt sich zwar in großen Teilen den Standort der antiken Stadt, jedoch hat sich ihr Erscheinungsbild geändert. Die militärische Funktion ist kleiner geworden, so wie die ökonomische Funktion angewachsen ist.

Was ist in jener Stadt zu finden?
Der Markt stellt den Mittelpunkt der Mittelalterlichen Stadt dar. Neu ist, dass die vielen Läden der Handwerker Einzug gehalten haben und damit die Stadt zu einem Orten der Produktion machten, die bisher fast ausschließlich auf dem Land von statten ging. Zu einer Stadt gehört natürlich auch die obligatorische Stadtmauer, welche die Stadt aber nicht definiert. Denn was die Stadt ausmacht sind seine Bewohner, die Bürger. Diese sorgten sich um die Reinlichkeit in der Stadt und bauten neue Gebäude, die zunehmend ästhetischen Maßgaben nach eiferten oder gar neu definierten. So entstand in der Stadt eine neue Vorstellung von Schönheit. Die Stadtmauern hielten quasi eine Gemütsverfassung der Bewohner fest, die sich in materiellen Gegebenheiten und geistigen Vorstellungen manifestierte. Die Stadtmauer war nicht nur ein Schutzwall, sondern sie war auch das Symbol für die Stadt. Gern wurden in den aufkommenden Stadtsiegeln die Mauer der Stadt aufgenommen. Wichtig waren dabei natürlich auch die Stadttore, die zwischen Innen und Außen vermittelten. Die Dialektik zwischen privilegiertem Innenraum und dem Äußeren spielte im Mittelalter eine große Rolle.
Städte wurden zu Orten der Bewunderung. Berge und Küsten, die heute Besucher anziehen, hatten keinen Reiz für die Bewohner des Mittelalters. Städte allerdings schon. Hier wohnten vergleichsweise viele Bewohner auf engen Raum, wirtschaftliche Aktivitäten im größeren Ausmaß wurden hier getätigt, neue und teilweise imposante Bauwerke schmückten die Straßen und unterschiedliche Gewerbe waren zu finden. Schließlich hatte auch jede Stadt, die etwas auf sich hielt einen legendären Mythos, der die Genese in der Vergangenheit erklärte. So wurden die Städte, neben den Klöstern zu den ersten Orten, einer wenngleich noch sehr rudimentären, Geschichtsschreibung.

Im Mittelalter kann man grob verschiedene Stadttypen unterscheiden:
Die Bischofsstadt:  Die Anwesenheit eines Bischofs war ein wichtiges urbanes Zeichen. Als Verantwortlicher für die Riten sammelten sich unter ihm die Gläubigen in den Kirchen. Dabei wurden erstmals auch die Toten in das Stadtleben einbezogen und Friedhöfe innerhalb der Siedlungen angelegt, was eine revolutionäre Neuerung war, denn noch in der Antike galt dem toten Leichnam Abscheu.
Großstädte: Das 13. Jahrhundert sah ein nicht zu unterschätzendes Bevölkerungswachstum, wobei die großen Städte Europas nicht die Dimensionen des Orient erreichten. Bedeutende Städte hatten bereits 10- oder gar 20.000 Einwohner. Barcelona und Palermo waren mit 50.000 Einwohner außergewöhnlich, London, Gent, Genua und Cordoba (allerdings auf islamischen Boden gelegen) hatten schon 60.000, Bologna und Mailand über 70.000 Einwohner. Florenz und Venedig überschritten wohl schon die heutige Grenzmarke zur Großstadt mit über 100.000 Einwohnern und Paris mit seinen mindestens 200.000 Einwohnern im Jahr 1300 sprengte alle Dimensionen in Europa.
Hauptstädte: Hauptstädte waren Orte die von einer übergeordneten politischen Gewalt zum Sitz erhoben wurde. Dies war im Mittelalter eine große Besonderheit und hat nicht viel mit einer heutigen Hauptstadt zu tun. Die Wichtigkeit politischer Behörden war sehr gering und den Status Hauptstadt einer administrativen Einheit zu sein, war wenig bis gar nicht ausgeprägt, zumal die Höfe nicht unbedingt an einem einzigen Ort beheimatet sein mussten und eher durch die Lande reisten.
Stadtstaaten: Stadtstaaten demgegenüber waren Städte, die sich zu eigenständigen Staaten entwickelten. Ein Phänomen, dass man insbesondere in Italien beobachten konnte. Die italienischen Städte durchliefen vom 10. bis zum 14. Jahrhundert eine Entwicklung, die sich in drei Phasen aufteilen lässt. Nach der Errichtung einer aristokratischen Kommune, bei dem man Grafen oder Bischöfen die Macht genommen hatte folgte die Aufspaltung des an der Macht kommenden Adels. So griff man in der zweiten Phase zumeist auf einen auswärtigen Amtsträger zurück, dem einige Befugnisse übertragen wurden. In einer dritten Phase setzte sich die Stadtregierung schließlich aus Zünften und Kooperationen der handwerklichen und kaufmännischen Elite der Bevölkerung zusammen. Dabei kam es immer wieder zu zahlreichen Auseinandersetzungen der Familienclans, welche die Regierungsgewalt übernahmen. Die italienischen Städte sind jedoch eher Ausnahme als Regel. Im Rest Europas lebte die Aristokratie zumeist auf Burgen auf dem Lande, wobei sie sich durchaus Zweitwohnsitze in den Städten leisteten.

Soziale Gruppen in der Stadt
Die Stadt steht nicht komplementär zum Feudalsystem des Landes, sondern sie profitierte von ihm. Sie nutze die Produkte des Landes, ebenso zog sie Bauern als neue Bewohner an und die handwerklichen und ökonomischen Entwicklungen der Stadt, ist ohne den landwirtschaftlichen Überschuss an Lebensmitteln nicht zu denken. Dabei ist der Regierungstyp unterschiedlich zum Feudalsystem des Landes. Die Städte kämpften zumeist um Freiheitsrechte, die sie teilweise auch bekamen. Damit wurden sie zu Kommunen, die ein Maß an Selbstverwaltung entstehen ließ. Diese Administration wiederum führte zum Einsatz von Juristen, die als erste Rechtsgelehrte alltägliche Probleme zu lösen hatten. Erst später, mit der Einbeziehung der Universitäten wurden daraus Experten des Rechtes, die sich um Ausarbeitung von umfangreichen Rechtskatalogen kümmerten. Ein weiterer Aspekt der Stadt ist es, dass sie verstärkt Steuern und Abgaben von ihren Bürgern eintrieben, zumeist um kommunale Projekte zu finanzieren. Die Gleichheit der Stadtbürger wurde dabei aber schnell ausgehebelt und es bildete sich eine Schicht von Eliten, die sich finanziell und politisch von den anderen Stadtbürgern absetzte. Diese neu entstehende Oberschicht, war unabhängig vom Adelsgeschlecht, aber auch sie kannte bürgerliche Genealogien, dass heißt Generationenübergreifende Familienbande, die zu höherem Status führten. Ebenso konnten einige Berufe einen höhere Reputation genießen und die Zahl der als unerlaubt geltenden Berufe ging zurück. Der Gastwirt beispielsweise, der seit der Antike einen sehr schweren Stand hatte wurde rehabilitiert. Nur die Prostitution und der Wucherer blieben verabscheuungswürdig. Die Prostitution jedoch wurde geduldet und der Wucher so umgedeutet, dass lediglich der verstärkt von Juden betriebene Gebrauchsdarlehen sich Vorwürfe gefallen lassen musste.
Auf der anderen Seite der Skala standen die Kaufleute, die zumeist im großen Maßstab mit wertvollen Produkten handelten. Diese Patrizier bildeten zumeist die städtische Führungsschicht. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass der Reichtum der Städte weniger von diesem Personenkreis, als vom Gewerbe entsprungen ist. So sieht man beispielsweise in Flandern, wo das Tuchmachergewerbe florierte, führte es auch zum Wachstum der dortigen Städte. Erst die Textilverarbeitung schuf die Kaufmannsgilde.
So war die soziale Ungleichheit die sich gerade auch in der Stadt zeigte, eine sichtbare Belastung der Zeit. Dennoch war die Stadt ein einheitliches, wenngleich prä-demokratisches Gebilde. Aber gerade im Vergleich zur weit ins Umland hineinreichenden muslimischen Stadt oder mit der chinesischen Stadt, die kein Zentrum und keine Autonomie besaß, entwickelte sich die europäische Stadt intensiver, vielfältiger und auch demokratischer als andere Beispiele dieser Zeit. Ausgehend von Kerngebieten, die entweder ein Markt, oder eine Burg waren entwickelten sich die Städte insbesondere im 13. Jahrhundert mit großer Geschwindigkeit.

Fazit
Die Städte waren anfangs auf kleinem Raumkonzentrierte Gesellschaften in Mitten von weiten, schwach bevölkerten Gebieten. Sie sind Orte der Produktion und des Tausches, wobei sich beide Formen unter dem Einfluss der Geldwirtschaft vermischen. Kulturell trennt sie sich vom ländlichen Gebiet, weil Städte die Praxis kreativer und schöpferischer Arbeit begünstigten. Geschäfte machen und Geld zu erwirtschaften war etwas zutiefst städtisches, ebenso wie ein Aufkommender Sinn für Schönheit und dem Hang zum Luxus. Reiche bilden in der Stadt keine Hierarchie mehr untereinander aus, sondern sitzen Seite an Seite und regieren eine einheitliche und solidarische Masse, wobei dies das Ideal abbildet, das in der Realität immer wieder an seine Grenzen stieß, gerade da sich die Oberschicht in Steuerfragen gern begünstigte. Doch von der Grundidee her waren alle Städter gleich, ganz anders auf dem Lande, wo der Grundherr über den Leibeigenen verfügen konnte. Der Städter war Nutznießer einer Gemeinschaftskultur, die sich überall im städtischen Raum ausbildet, auf den Marktplätzen, in Schulen, Tavernen, beim Theaterspiel (das seit dem 13.Jahrhundert von den Klöstern kommend, auch in der Stadt wieder auflebte) und auch bei der Predigt. „Die mittelalterliche Stadt ist eine Persönlichkeit, die die Vielzahl der Persönlichkeiten prägt, aus denen es besteht. Das urbane Europa hat bis heute so manche ihrer Grundzüge bewahrt.“ (S.154)