Was ist dekonstruktivistische Architektur?

Woran erkenne ich ein Gebäude des architektonischen Stils des „Dekonstruktivismus“? Das ist eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage, der wir uns in diesem Artikel stellen wollen. Man kann den Dekonstruktivismus als eine Epoche im Bauen ansehen, der irgendwann nach der Zeit der modernen und auch der postmodernen Architektur begann. Ein kurzer Blick zurück: historisch betrachtet ist die alles dominierende Bauform des 20. Jahrhunderts die Moderne, mit ihren klaren Linien, scharfen Kanten, einem Hang zur Internationalität, dem Versuch zeitlos und daher unhistorisch zu bauen und einem strengen Rationalismus. Vom DDR-Plattenbau über das Seagram Building in New York bis zum Loos-Haus in Wien kann man grob vereinfacht von Gebäuden der Moderne sprechen.

Schon nach dem 2.Weltkrieg als die Moderne die alles beherrschende Form des Bauens wurde, entstanden Häuser, die sich diesem Trend entgegen stellten. Bis in die 1970er Jahre hinein war jedoch die Epoche vollkommen wirkmächtig und wenig hinterfragt. Erst in den darauf folgenden Jahren kam es zu Abweichungen und Neuerungen, wie beispielsweise der Postmoderne.
Der Dekonstruktivismus jedoch entstand erst in den 1980ern.  Der Begriff bezieht sich auf eine philosophisch-hermeneutische Methode, die insbesondere in Schriften von Jaques Derrida ausgearbeitet wurden. Ihm ging es um die Dekonstruktion von sprachlichen Systemen, um dort tieferliegende Bedeutungen herauszufiltern. In der Architektur muss man diesen interpretativen Gestus nun in ein gestalterisches Element verwandeln. Dabei orientiert sich die Architektur an der bildenden Kunst, mit ihrem Prinzip der Demontage, das verborgenen Strukturen und Inhalte aufzeigen soll und die Fragmentierung in der heutigen Gesellschaft Ausdruck verschaffen möchte. Vereinfacht könnte man zusammenfassend sagen, der Dekonstruktivismus kann als „Architektur des Aufzeigens von Brüchen“ gedeutet werden.
An dieser Stelle muss allerdings ein Kompromiss der hier vorliegenden Darstellung angezeigt werden. In diesem Artikel verwenden wir das Wort dekonstruktivistisches Bauen weiter, als es architekturgeschichtlich eigentlich vollkommen Korrekt wäre, denn man kann von einer Zweiteilung sprechen; zum einen vom eigentlichen Dekonstruktivismus und zum anderen vom deformativen Bauen.
Die erste Variante ist die etwas ältere Form, welche Kanten, Brüche und Falten beinhaltet und etwas rau wirkt. Die zweite Form zeigt biomorphe Formen und ineinander fließende Flächen an und ist eine Variante des Gestalten von Häusern die heute noch verwendet wird und zunehmende Popularität genießt. Insgesamt kann man sagen dass diese Form der Architektur ein Phänomen der Advangarde ist, die Bildungsbürger gern als Distinktionsmedium benutzen, um zu zeigen was sie kennen und wie viel kulturelles Kapital mal wieder im Einsatz ist (wundern sie sich nicht, verehrter Leser, dieser Artikel macht im Grunde nichts anderes, wenngleich er versucht auch darüber aufzuklären). Gleichzeitig ist es aber eine sehr kostspielige Form des Bauens, die weiterhin darauf ausgelegt ist, Aufmerksamkeit zu erheischen und daher auch als eine Spektakel-Architektur beschrieben werden kann. Jedoch sind diese Faktoren im ökonomischen System unserer Tage durchaus sehr erfolgreich, bedenkt man, dass sich Bauherren für den Erfolg ihres Anliegens auch – allerdings positiv konnotierter – Aufmerksamkeit wünschen und für ein neues Landmarken-Gebäude (also einem Bauwerk, was grob formuliert, heraussticht) gern auch den teuren Namen des Stararchitekten bezahlen und für eine ungewöhnliche Form das Budget auch etwas spreizen. 

Wie kann man sich aber die dekonstruktivistische Architektur genau vorstellen. Ohne Bezug zur Moderne geht dies, wie schon erwähnt, nicht. Die dekonstruktivistische Architektur ist als Gegenpol zur Moderne zu lesen, man kann sogar davon sprechen das sie versucht das Bauen neu zu erfinden, denn sie nimmt sich die Bedingungen von Form, Statik und Funktion und versucht diese zu zerlegen. Die mit der Moderne verbunden Grundsätze der Architektur: den rechten Winkel, das Aufrechte, das Prinzip vom Stütze und Last, Gravitation und Statik sollen hier aufgehoben werden. Dabei ist nicht unbedingt Harmonie erwünscht, sondern der Bruch ist das Ziel: schiefe Wände, scharf geschnittene Formen, Spalten treten auf. Anders als die serielle Produktion der Moderne, die auf billige Reproduktion angelegt wird (was selbstredend natürlich nicht für alle Bauwerke zu verallgemeinern ist, ein Meisterwerk der Moderne, das New Yorker Seagram Building, war das teuerste Hochhaus seiner Zeit) lehnt der Dekonstruktivismus ab. Jedes Bauwerk ist wie ein einzelnes Kunstwerk. Wobei dabei auch in Kauf genommen wird, das sich der Bezug zur Umwelt nicht herstellt. So wirken diese Gebäude wie Mitten in der Stadt gelandete Raumschiffe (siehe dazu der UfA-Kristallpalast in Dresden, der auch noch um 180 Grad falsch eingeparkt wurde. In der Zeit unmittelbar nach seiner Eröffnung war ich Zivildienstleistender in der Nachbarschaft und ich erinnere mich an keinen einzigen alten Menschen, den ich zu betreuen hatte, der auch nur ansatzweise positiv vom neuen Gebäude sprach). Man könnte sagen, der Dekonstruktivismus ist eine Art Anti-Haltung, eine Demontage der modernen Architektur. Er bringt nicht die Häuser zum Schweben (so wie moderne Bauten, beispielsweise bei der Unité in Marseille) sondern sie scheinen in Permanenz einzustürzen. Er sucht bewusst einen Kunstcharakter und trägt symbolhafte Züge in sich.

Dem Dekonstruktivismus geht es visuell um Dynamik, die auch eine Dynamik des Sozialen erzeugen soll, mit einem Durchbrechen des Gewohnten, ohne dabei aber eine spezifische Idee eines neuen Lebens zu haben (wie dies die Moderne noch tat). Es geht diesem Stil nicht um den Aspekt der Problemlösung, sondern um Desillusionierung und Problemveranschaulichung. Man baut das schroffe Gegenteil zum Bestehenden und dabei werden die Gebäude zu Parasiten der europäischen und ebenso modernen Stadt. Es ist eine Architektur die bestehende Muster aufbrechen möchte, die soziale Bewegungen hinterfragt und Aushandlungsprozesse auch als Benutzer der Architektur (nicht nur als Betrachter) erfordert. Gleichwohl ist es eine sehr teure Architektur, dies zusammen mit dem Bruch, den diese Architektur im Stadtbild aufwirft, macht sie nicht umstritten.

Wer mehr zum Thema erfahren möchte, den empfehle ich Hildegard Kretschmers sehr gutes Einführungsbuch zum Thema „Die Architektur der Moderne“. Ebenso Thema, allerdings in verstärkt soziologischer Perspektive ist Heike Delitz Beitrag „Expressiver Außenhalt“ im Sammelband „Die Architektur der Gesellschaft“ von der Autorin gemeinsam mit Joachim Fischer herausgegeben.

Geschichte von Cádiz

Cádiz in der Antike | Cádiz von den Westgoten bis Franco | Cádiz heute

 

Cádiz in der Antike

Die Geschichte von Cádiz ist für eine Stadt mit gerade einmal 120.000 Einwohnern herausragend. Sie geht zurück bis ins Jahr 1104 vor unserer Zeitrechnung. Der Legende nach soll sie Herakles gegründet haben. Noch bis heute findet sich diese Sage im Stadtwappen wieder. Auch wenn archäologische Nachweise für Besiedlung erst aus dem 8.Jahrhundert vor unserer Zeit stammen, bleibt sie eine der ältesten Städte Europas (und hat sich auch einem gleichnamigen Netzwerk angeschlossen). Die Römer behaupteten, dass die Phönizier aus Tyros eine Handels- und Militärsiedlung aufbauten und auch wenn sie mit dem Datum wohl rund 300 Jahre falsch lagen, so gilt es als gesichert, dass die Gründerväter von der anderen Seite des Mittelmeeres, der Levante kamen. Die Stadt lag sehr günstig auf einer Insel nahe einer Bucht. Dies entsprach den Vorlieben der Phönizier für Neuansiedlungen. Obwohl Cádiz westlich der Säulen des Herakles liegt (die Säulen des Herakles ist eine antike Darstellung der Straße von Gibraltar, zu ihr gehören der Felsen von Gibraltar auf europäischer als auch der Berg Jbel Musa auf afrikanischer Seite), also der Scheide zwischen Mittelmeer und Atlantik, ist seine Geschichte doch bis in die Neuzeit mit dem Mittelmeere verbunden, bevor mit der Entdeckung der Seewege über den Atlantik genau dies wieder zu einem neuen Vorteil für Cádiz wurde. Gadir, so der erste phönizische Name (wahrscheinlich für „Festung“) bekam einen Melqart-Tempel, der nicht nur Kultstätte war, sondern auch als Lager für kostbare Objekte diente. Man muss sich das Lager als gut gefüllt vorstellen, denn das sagenumwobene Reich Tartassos lag in der Nähe der Stadt. Auch wenn der genaue Standpunkt dieses Gebietes, schon seit seiner ersten Erwähnung durch Herodot, immer wieder Anlass zu Streit und Diskussionen bietet, so scheint doch klar, das es sich um ein iberisches Königreich gehandelt haben musste, dass reich an Silbervorkommen war und im heutigen Südspanien lag. Die Phönizier, traditionell ein geschäftstüchtiges Seefahrervolk, handelten mit dem Silber und brachten im Austausch Olivenöl und Schmuck in die Region. Das jemals Olivenöl nach Südspanien importiert wurde, mag man sich heute kaum vorstellen, wenn man sieht das Oliven das wichtigste Produkt der hiesigen Landwirtschaft sind. Ein kultureller Austausch setze ein, der Cádiz Stellung wirtschaftlich stärkte. Der Höhepunkt des Tartassischen Reiches reicht wohl bis in das Jahr 500 vor unserer Zeit zurück, als schon die Karthager in Cádiz an der Macht waren. Sie errichteten an der spanischen Küste eine Art von Monopol, so untersagte sie beispielsweise in einem Vertrag von 509, den Römern weite Teile des westlichen Mittelmeers zu befahren. Cádiz war für die Karthager ein sehr wichtiger Stützpunkt und der Ausgangspunkt für weitere Unternehmungen auf dem Atlantik (natürlich blieb es bei recht Küstennahen Unternehmungen). 237 v.u.Z. nutzte Feldheer Hamilkar Barkas die Stadt als Ausgangspunkt für Feldzüge auf der iberischen Halbinsel, sein Sohn Hannibal soll vor seinem Zug über die Alpen, um Rom zu zerstören, den berühmten Melqart-Tempel besucht haben. Doch, wie bekannt, verloren die Kathager den 2.Punischen Krieg gegen Rom und diese besetzten um 200 v.u.Z. die Stadt, deren lateinischer Name daraufhin Gades lautete. Auch unter römischer Herrschaft war Cádiz ein prosperierender Ort, Caesar verlieh ihr das römische Bürgerrecht. Unter  Augustus erhielt die Stadt den Namen Augusta Urbs Iulia Gaditana  und wurde im Kaiserreich zu einer sehr wohlhabenden Stadt, in welcher übrigens die Via Augusta endete, welche die wichtigsten Städte Iberiens verband.

Cádiz von den Westgoten bis Franco

Mit dem Untergang des römischen Reiches verlor Cádiz massiv an Bedeutung. Die Westgoten zerstörten die Stadt und erst die Mauren, die 711 die Insel einnahmen, bauten Djesirat Kadis, wie sie den Ort nannten, wieder auf, wobei sie allerdings 1146 auf der Suche nach einem Goldschatz den Melqart-Tempel zerstörten. Da Cádiz sich um einen wichtigen strategischen Punkt handelte, war der Ort umkämpft. 843 griffen die Normannen die Stadt an, 1262 schließlich eroberte Alfonso X. von Kastilien die Stadt, im Zuge der Requoncista und gliederte sie in sein Reich ein. Das war für Cádiz nicht zum Nachteil. Die atlantischen Eroberungen der spanischen Krone, die gegen Ende des 15.Jahrhunderts begannen, sollten seine strategische Bedeutung noch erhöhen und die Stadt wurde Hafen für die spanische Silberflotte, die ihren erbeuteten Reichtum aus Amerika hierher brachten. Doch damit wurde Cádiz auch zum Ziel von Angriffen. Barbareskenpiraten aber auch die Engländer attackierten sie. Francis Drake zerstörte 1587 große Teile der im Hafen befindlichen spanischen Armada. Weniger als 10 Jahre später, plünderten die Engländer wiederum die Stadt, machten wertvolle Beute und brannten die Schiffe nieder. Überhaupt lag Cádiz für viele Jahrzehnte im Brennpunkt englisch-spanischer Rivalität. 1625, als auch 1655 bis 57 und 1702 kreuzten die Engländer wieder vor und in der Stadt auf. Zu jenem letzten Datum, in welchem in Spanien der Erbfolgekrieg tobte, überlegten die Briten eine Basis an der wichtigen Straße von Gibraltar zu erobern. Zwar war Cádiz reicher als Gibraltar, aber letztendlich entschieden sich die Briten für die Einnahme der strategisch wichtiger gelegenen Stadt Gibraltar, die seit 1704 unter britische Flagge weht, woran man sich in Spanien bis heute nicht gewöhnen kann. Der spanische Erbfolgekrieg allerdings begünstigt auch einen weiteren Aufstieg der Stadt in Spanien, da sich Cádiz schnell zu den später siegreichen Bourbonen bekannte, während Sevilla dies nicht tat. Dadurch, und durch die zunehmende Versandung des Guadelquivir, an dessen Ufern Sevilla liegt, wurde von nun an Cádiz der wichtigere Atlantikhafen Spaniens. Daran änderte auch nicht das katastrophale Erdbeben von 1755 mit dem anschließenden Tsunami, der ja bekanntlich Lissabon in Schutt und Asche legte, in Cádiz aber weniger Schaden anrichtete. Während der napoleonischen Besatzung Spaniens und des spanischen Unabhängigkeitskrieges, blieb Cádiz der einzige Ort in Spanien, der nicht von den Franzosen okkupiert wurde. Die Zentraljunta der Aufständigen gegen Napoleon residierte in Cádiz. Obwohl die Franzosen die Stadt belagerten konnten sie sie nicht einnehmen, auch weil die Briten, einstmals schlimmster Feind, die Seeseite der Stadt schützten. In der Stadt wurde die Zeit genutzt und seit 1810 die erste spanische Verfassung ausgearbeitet, welche am 19.März 1812 veröffentlich wurde. Da dies der Tage des Josef von Nazareths ist, im spanischen Pepe benannt, wurde die Verfassung nur Pepa genannt. Nach der Restauration unter den Bourbonen wurde sie 1814 von Ferdinand VII. wieder außer Kraft gesetzt. 1820 revoltierten die Spanier und setzten die Verfassung wieder ein, welche bis 1823 wieder in Kraft trat, doch nach einer französischen Intervention, welche die Regierung, wiederum erst zur Flucht nach Cádiz und dann zur Aufgabe zwang, wurde sie wieder außer Kraft gesetzt und die absolute Monarchie wiederum etabliert. Auch wenn die Stadt politisch immer mal wieder im Mittelpunkt stand, so brach mit dem Verlust der spanischen Kolonien zum Jahrhundertwechsel für sie eine schwere Zeit an, denn die Geschäfte im Hafen von Cádiz liefen damit immer schlechter. Allerdings wurde dieser Hafen noch einmal wichtig, als 1936 die Truppen Francos im spanischen Bürgerkrieg die Stadt eroberten und sie zum wichtigsten Umschlagplatz der aus Marokko kommenden faschistischen Armee machten.

Cádiz heute

Heute ist Cádiz eine Stadt, die erfolgreich versucht sich für Touristen attraktiv zu zeigen. In den letzten Jahren wurden Sehenswürdigkeiten wieder aufgefrischt, oder im Fall des römischen Amphitheaters aufbereitet und für Besucher geöffnet. Obwohl die Stadt eine rund 3000 Jahre alte Geschichte hat, ist außer jenem Theater aus römischer Zeit, fast nichts mehr in Erinnerung, was antiken Ursprung hat, weshalb Cádiz nicht mit Städten wie Tarragona oder Cartagena mithalten kann, die reichhaltige Ruinen aus der Antike beheimaten. Das macht Cádiz aber keinesfalls unattraktiv oder weniger interessant, denn die komprimierte Lage an der Bucht, der Hafen, dass fast an allen Seiten zu findende Meer, die engen Gassen und kleinen Plätze und der Mix aus Besuchern und Einheimischen machen Cádiz zu einer äußerst sehenswerten, hübschen und lebenswerten Stadt.

urban facts Cádiz

Allgemeine Daten:

Einwohner (Metroregion Bahia de Cádiz) 121.739 (642.784)
Einwohnerentwicklung 2001-2011 -9,5 %
Fläche 12,1 km²
Bevölkerungsdichte 10.061 Einw. / km²
Geographische Höhe 11m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 524mm / 52 / 3016
KfZ-Kennzeichen CA (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister José María González Santos (Bürger für Cádiz)
Verwaltungstechnische Bedeutung Provinzhauptstadt
Flughafen Nächster Flughafen in Jerez de la Frontera rund 40km nördlich von Cádiz: Aeropuerto de Jerez (XRY; eröffnet 1937; 0,75 Mio; PAX 2014; 2007 noch 1,6 Mio. ; 1 Landebahn, 1 Terminal)
ÖPNV Straßenbahn mit 2 Linien ist derzeit in Bau, soll nach Chiclana und nach Jerez führen
Entfernung nach… Sevilla 120km (Auto: 1h15min; Bahn: 1h29min)
Madrid 650km (Auto: 5h45min; Bahn: 4h 10min)
Barcelona 1115km (Auto: 10h; Bahn: 7h 30min)
Valencia 775km (Auto: 7h; Bahn: 6h 15min)

nächster Ort über 500.000: Sevilla 120km
nächster Ort über 1000.000: Madrid 650km

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universidad de Cádiz (UCA; gegründet 1978; rund 20.000 Studenten; Schwerpunkte Medizin und Maritime Studien)
Anzahl Museen 6
Größten jährlichen Feste Carneval de Cádiz (weit über Spaniens Grenzen hinaus bekannt)
Semana Santa (Karwoche)
Sportvereine der Stadt FC Cádiz (Fußball; derzeit Segunda B (=3.Liga); 12 Spielzeiten in Primera Division;Ø-Zuschauer: 4.062 (14/15)@Rámon de Carranza (25.033 Plätze)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Diario de Cádiz (gegründet 1867; Auflage: 18.469 täglich)
Erste urkundliche Erwähnung 1104 v.u.Z.
Gegründet von: Phönizier
Großstadt seit 1950
Das entscheidende Jahr 1812 (erste Verfassung Spaniens wird in Cádiz ausgerufen)
Meisten Einwohner im Jahr 1980 (160.000)
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute -25%
City Branding La tacita de plata (das Silbertässchen)

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Kathedrale von Cádiz
Architektonisches Highlight Puente de la Pepa (längste Brücke Spaniens)
Höchstes Gebäude Freilichtungsmasten von Cádiz 160m hoch
Meist fotografiertes Gebäude Balneario de la Palma
Tags: Hafenstadt, Badestrand, antike Wurzeln, Uni
Arbeitslosenquote 19,3% (5/2015)

Cádiz

Geschichte von Cádiz | urban facts Cádiz

Cádiz gehört zu den ältesten Städten Europas. Laut römischer Überlieferung wurde die Stadt 1104 v.u.Z. gegründet. Auch wenn Archäologen nur Überreste aus dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeit nachweisen konnten, so bleibt es doch immer noch ein Ort mit gewaltiger Geschichte. Doch Cádiz kann von seiner antiken Vergangenheit nicht sehr viel zeigen, denn außer den spärlichen Resten eines römischen Amphitheaters ist nicht viel geblieben. Das heutige Cádiz erinnert viel mehr an seine strategisch ausgezeichnete Lage, die den Ort insbesondere militärisch höchst begehrenswert machte.  Cádiz liegt auf einer Landzunge, die bis zum 17. Jahrhundert eine Insel im Atlantik war, welcher nur rund 100km weiter südöstlich in der Straße von Gibraltar ins Mittelmeer fließt. Die Stadt musste deshalb besonders geschützt werden und ihr Festungscharakter und die Knappheit an Boden ist heute immer noch ersichtlich und macht einen großen Teil des Reizes der Stadt aus. Auch wenn diese strategische Bedeutung als Militär- und Hafenstadt in unseren Tagen weniger wichtig geworden ist und nur hauptsächlich die Fähren von den Kanaren oder große Kreuzfahrtschiffe in den Hafen der Stadt anlaufen, ist die Stadt immer noch der Mittelpunkt eines Ballungsraumes von über 500.000 Menschen. Sie ist eigene Provinzhauptstadt, obwohl das nur 30km entfernte Jerez de la Frontera fast doppelt so groß ist und sie ist ein Anziehungspunkt für Besucher, die hier eine wunderschöne Großstadt finden, mit einem ganz eigenen und höchst ansprechenden Flair. Besonders die Altstadt von Cádiz hat sich mit ihren engen Gassen und schönen Plätzen eine besondere Atmosphäre bewahrt, die sich irgendwo zwischen Hafen, Kreuzfahrttouristen, Besuchern, Bettlern, Einheimischen, Meer, historischen Plätzen, Universität und Strand einfangen lässt.  

Kloster Santa Maria de la Valldigna

Gebäudeart Jahr Architekt Ort
Kloster Gegründet 1298 mehrere Simat de la Valldigna

 

Klöster scheinen heute einer Zeit anzugehören, die sich aus der Vergangenheit nicht bis in die Gegenwart erstreckt. Es waren die Orte von spiritueller, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Zusammenkunft, die im Mittelalter ihren Höhepunkt erlebten und die heute noch von ehemaliger Ausstrahlung zeugen. Kloster gibt es nicht nur in der christlichen Tradition, sondern auch in buddhistischer und hinduistischer Religion. In Europa entstanden die ersten Klöster um das Jahr 500. Die Abtei Saint-Maurice im Schweizer Wallis gilt zum Beispiel als das älteste Kloster des Abendlandes und feierte erst kürzlich sein 1500-jähriges Bestehen.
Klöster waren von Anfang an nicht nur Orte, wo der Glaube in festgelegten Reglungen praktiziert wurde, sondern auch Zentren von Handwerk und Landwirtschaft, sowie von Wissenssammlungen. Man kann sagen, sie waren gerade im Mittelalter Kulturzentren ihrer jeweiligen Region. Die Bibliotheken der Klöster waren wohl die einzigen Orte der damaligen Zeit, die Wissen aus der Antike sammelten und vervielfältigten. Kulturtechniken, wie Lesen und Schreiben, waren nur in den Klöstern anzutreffen. Aber auch landwirtschaftliches Wissen wurde in den Klöstern verbreitet. Deshalb versuchten auch immer wieder weltliche Herrscher in unterentwickelten Gegenden Klöster anzusiedeln.
Auch Jaume II. (auf Deutsch: Jakob), der Herrscher der Krone von Aragón, besann sich dieser Strategie, als er durch die Gegend kam, an welcher heute das Kloster steht, die zum damaligen Zeitpunkt noch Alfándec hieß. Dieses Land, südlich des Jucar-Flusses war erst eine Generation zuvor von Jaumes Vater, den Mauren entrissen wurden. Der König beauftragte den Ordensbruder der Zisterzienser Bononat, dass „dieses Tal würdig“ sei, ein Kloster zu beherbergen. Seit jener Zeit heißt das Tal Valldigna (also in etwa „würdiges Tal“) und am 15. März 1298 übergab Jaume II. dem Abt des Zisterzienserordens von Santas Creus Ländereien in Alfándec, um dort ein neues Kloster zu gründen. Tatsächlich funktionierte so die damals rasante Ausbreitung der Konvente. Das Mutterkloster Santas Creus war dann verantwortlich für den Neuaufbau einer Anlage und eines funktionierenden Klosterlebens. Dieses konnte dann bei entsprechender Größe wiederum ein Mutterkloster werden. Im Fall von Valldigna erwarb das Kloster 1381 Besitz nördlich der Stadt Valencia und schuf dort das Tochterkloster Sant Bernat de Rascanya.

Die Architektur, die man heute noch antrifft lässt die Spuren der Geschichte von Santa Maria de la Valldigna erkennen. Die ältesten Teile stammen aus der gotischen Zeit des 14. Jahrhunderts und sind um den zentralen Kreuzgang herum angeordnet. Zwei Erdbeben prägten den weiteren Verlauf. 1396 und auch 1644 zerstörten diese Naturereignisse zahlreiche Gebäude, die dann teilweise größer und prächtiger wieder aufgebaut wurden. Mit der Desamortisation 1835 (also der Überführung von Kirchengütern in Nationaleigentum) unter dem damaligen spanischen Finanzminister Juan Álvarez Mendizábal wurde auch Santa Maria de la Valldigna säkularisiert. Die Ordensbrüder wurden entlassen und die Gebäude, sowie das Land verkauft. Leider bekam dies der Substanz überhaupt nicht gut. Teile des Kreuzganges wurden beispielsweise nach Torrelodones verkauft, andere Bauwerke des Geländes so vernachlässigt das sie einstürzten. Umso erfreulicher ist es, dass 1991 die Communidad Valenciana das Gelände erwarb und schrittweise an der Restaurierung des Real Monasterios de Santa Maria de la Valldigna arbeitet. So können heute Besucher täglich das Areal kostenlos besuchen und wie die nächste Bildergalerie zeigen soll, lohnt sich dieser Besuch.  

urban facts Glasgow

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2014 599.650 (1,75 Mio.)
Einwohnerentwicklung 2013-2014 + 0,5% (2001-11: +2,7%)
Fläche 175 km²
Bevölkerungsdichte 3298 Einw./km²
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 1.205mm / 165 / 1.239
Fluss Clyde (176 km lang)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Frank McAveety (Labour) ist Vorsitzender des Glasgow City Council
Verwaltungstechnische Bedeutung Council Area
Platz in der Mercer-Studie 55. (2015; London hat Platz 40. Birmingham 54.)
Flughafen Glasgow Airport (GLA; eröffnet: 1966; 7,7 Mio. PAX 2014; 1 Terminal, 1 Bahn 05/23; 8km W der Stadt gelegen)
Glasgow Prestwick Airport(PIK; eröffnet: 1934; 0,9 Mio. PAX 2014; 2 Bahnen, 1 Terminal; 53km SW der Stadt)
ÖPNV Glasgow Subway: 3.älteste U-Bahn der Welt; 1896 eröffnet; 10,5km Streckenlänge bei 15 Stationen auf einer Ring-Linie (seit Eröffnung, nie verlängert wurden)
Entfernung nach… Edinburgh 68km (Auto: 1h; Bahn: 52min)
London 649km (Auto: 6h15min; Bahn: 4h 32min)
nächster Ort über 500.000: Edinburgh 68km
nächster Ort über 1000.000: Birmingham 466km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten 4: University of Glasgow (23.500 Studenten, gegründet 1451; 4.älteste Universität der englischsprachigen Welt)
University of Strathclyde (26.000 Studenten, gegründet 1796 als Anderson’s University)
Glasgow Caledonian University (17.000 Studenten, gegründet 1993)
University of the West of Scotland (18.000 Studenten, gegründet 2007)
Dazu noch zahlreiche Colleges, in Glasgow studieren rund 168.000 Studenten
Anzahl Museen und Galerien Laut wikipedia: 32 (davon 13 kostenlos)
Sportvereine der Stadt Celtic F.C. (42x schottischer Meister; 35x Pokalsieger; 1x EC der Landesmeister; Ø-Zuschauer: 48.300 @ Celtic Park
Rangers F.C. (54x schottischer Meister [WR]; 34x Pokalsieger; 1x EC der Pokalsieger; Ø-Zuschauer: 45.000 @ Ibrox Park)
Queens Park F.C. (einziger Amateurverein in schottischen Ligafußball; 10x Pokalsieger [letztmals 1893] Ø-Zuschauer: 750 @ Hampden Park {gleichzeitig Nationalstadion Schottlands]
Partick Thistle F.C. (1xPokalsieger; Ø – Zuschauer: ca.2.500 @ Firhill Stadium)
Erste urkundliche Erwähnung Im 6.Jahrhundert
Gegründet vom: Christlichen Missionar St. Mungo
Großstadt seit: Zwischen 1811 (77.000) und 1821 (147.000)
Meisten Einwohner im Jahr 1931: 1.088.000
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis 2014 55%
City Branding Veraltet: Second City of the Empire

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 George Square
Architektonisches Highlight Glasgow School of Art (Charles Rennie Mackintosh)
Höchstes Gebäude Wyndford Road Housing (71m)
Tags: Hafenstadt, Universitätsstadt, Industriestadt, Handelsstadt, Arbeiterstadt, Sport, Einbruch / Aufbruch
Anzahl Starbucks 16
Konzernzentralen von Weir Group (engineering; 14.000 Beschäftigte weltweit)
William Grant & Sons (Whisky)
Kriminalität Glasgow hat eine hohe Kriminalitätsrate, die sich jedoch in den letzten Jahren stark verbesserte; 2007 kamen 4,5 Morde auf 100.000 Menschen, 2012 sind es noch 2,7 (trotzdem ist dies der höchste Wert in UK; Schnitt = 1,0) und 71% höher als in anderen schottischen Städten
Arbeitslosenquote 8,9% (2013)

 

Bevölkerungsentwicklung 1891 – 2001:

1891 1911 1921 1931 1951 1961 1971 1981 1991 2001
783k 784k 1034k 1088k 1079k 1055k 897k 881k 681k 579k

 

Glasgow

urban facts

Die größte Stadt Schottlands zeichnet sich durch eine Anzahl höchst unterschiedlicher Aspekte aus. Sie ist eine Arbeiterstadt durch und durch, war aber schon vor der industriellen Revolution, in welcher sie zu dieser wurde, ein religiöses und akademisches Zentrum Britanniens. Jedoch war es der gesellschaftliche Umbruch des 19. Jahrhunderts, der die Stadt am Fluss Clyde zur Industriemetropole wachsen ließ. Ideal mit dem Schiff zu erreichen, wurde die Stadt zentraler Handelsumschlagsplatz. Die zahlreich vorhandenen Kohle- und Eisenvorräte des Larnakshire, sowie die Textilherstellung und der Schiffsbau zogen zahlreiche Menschen aus dem schottischen Umland, insbesondere aber auch aus dem armen Irland nach Glasgow. Als „zweite Stadt“ des britischen Empires wuchs der Reichtum der Bürgerschaft. Auf der anderen Seite herrschten miserable Verhältnisse für die Arbeiterschaft, trotzdem zog es immer mehr Menschen hierher.
Der Niedergang der Stadt begann schon nach dem 1.Weltkrieg. Verstärkt wurde dieser Abstieg ab den 1960er Jahren mit dem Wegbrechen der Schwerindustrie und seit jener Zeit erlebte Glasgow auch einen massiven Schwund an Einwohnern. Glasgows Erbe sind aber immer noch Armut und Segregation. Hier scheint sich nur wenig seit den Anfängen der industriellen Revolution getan zu haben. Einige Viertel der Stadt haben eine Lebenserwartung von unter 55 Jahren! Zum großen Teil durch Alkohol- oder (und) Zigarettensucht und schlechte Ernährung bedingt, was sich schon als Fachterminus „Glasgow Effekt“ eingebürgert hat. Einige Stadtteile leiden unter einer sehr hohen Kriminalitätsrate, welche Glasgow zu einer der gefährlichsten Städte Europas machte. Auch wenn die Kriminalität seit 10 Jahren rückläufig ist, so bleibt sie doch über dem nationalen Durchschnitt. Erwähnt muss aber auch werden, dass der „Normaltourist“ in der Innenstadt nichts von der hohen Kriminalitätsrate spürt.

Seit den 1990er Jahren versucht sich Glasgow sein Image und Stadtbild wieder aufzufrischen und kann heute, wie beispielsweise auch Bilbao, als eine ehemalige Industriestadt gesehen werden, die mit neu belebtem Wirtschaftssektoren (zumeist im Dienstleistungs- und Bankenbereich), kulturellen Angeboten und neuer Architektur an Attraktivität gewinnt. Glasgow bietet eine große Vielfalt von Museen an, wovon 13 sogar kostenlos besucht werden können. Zu den spektakulärsten Neubauten gehört das von Zaha Hadid konzipierte Riverside Museum, direkt am Clyde. Zahlreiche Musikbands stammen aus der Stadt (wie Franz Ferdinand, Travis, Tears for Fears oder Texas: eine umfangreiche Liste findet sich hier) und an der Qualität der Straßenmusiker ist zu erkennen, dass die größte Stadt Schottlands wohl bald neue Talente hervorbringen wird.

Nicht zu vergessen, aber interessanterweise in der Darstellung der Stadt Glasgow selbst kaum erwähnt (nicht ein Hinweis in der Touristeninformation), ist sie auch eine Hochburg des Fußballs. Drei reine Fußballstadien mit jeweils über 50.000 Plätzen sind – nach meinem Wissen – weltweit einzigartig. Zwei zutiefst verfeindete Klubs lieferten sich (bis zum Lizenzentzug der Rangers) jedes Jahr mindestens vier Derbies, das sogenannte „Old Firm“, nämlich der katholische Club Celtic und der protestantische Club Rangers.

Architektonisch ist Glasgow äußerst sehenswert. Von den repräsentativen Bauten am George Square, über die zahlreichen Jugendstilbauten von Macintosh bis hin zur zeitgenössisch-spektakulären Architektur am Clyde bietet die Stadt sehr viel (nur damit dann wiederum Mitten durch die Innenstadt eine der verkehrsreichsten Autobahnen Schottlands führt, die wiederum sehr an Duisburg erinnert). Wie in anderen Städten auch, wurde das ehemalige Hafengebiet am Fluss in ein neues Areal mit zeitgenössischer Architektur verwandelt. Hier verfolgt man die Hoffnung, der Stadt eine weitere glanzvolle Facette zu geben. Tatsächlich wächst Glasgows Wirtschaft heute wieder erheblich, ebenso nimmt die Zahl der Einwohner wieder zu (allerdings unter dem schottischen Schnitt) und man kann gespannt sein, wie die Entwicklung der Stadt weitergeht. 

Denia

Wie eigentlich jeder Küstenabschnitt in Spanien sind auch die Gestrande des Mittelmeers der Communidad Valenciana, oder nennen wir sie, des Landes Valencia mit zahlreichen Hotelbettenburgen übersät.  Die meisten und höchsten stehen dabei in Benidorm, aber auch Orte wie Calpe, Cullera oder Gandia haben zahlreiche Bauwerke von stattlicher Höhe ganz in die Nähe des Strandes bauen lassen. Dieser künstliche Bauboom der letzten 50 Jahre lies Orte am Meer entstehen, die eigentlich gar keine maritime Vergangenheit haben (wie Cullera oder Gandia) oder die nur kleine Fischerdörfchen waren, die in relativer Abgeschiedenheit lagen. Der Massentourismus der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts hat diese Gegend grundlegend verändert. Positiv formuliert kann man sagen, nicht immer ist dies gelungen. Oftmals musste die Natur gewaltig unter den Ausbauten leiden, selten wurden ästhetische Maßstäbe oder überhaupt irgendein Maß angewendet, wenn es galt Ferienwohnungen und Hotels hochzuziehen.

Jede dieser sich fast wie an einer Perlenkette langziehenden Ortschaften und Städte der spanischen Levante hat Besonderheiten, doch nur in seltenen Fällen sind diese so reizvoll wie in Denia. Das mag vielleicht daran liegen, dass das Städtchen, dass ungefähr auf halber Strecke zwischen Valencia und Alicante liegt, eine viel längere und spannendere Geschichte hat als die meisten seiner Nachbarn. Oder auch daran, dass die Stadt tatsächlich einen althergebrachten Hafen für Fischerei, Yachten und Fähren hat, der wohl verhinderte, das hohe Gebäude direkt in die Stadt gesetzt wurden (dafür ziehen sich nordwestlich der Stadt unendlich lange Häuserzeilen direkt am Strand entlang, ohne dass man darauf geachtet hätte, die Dünen zu schützen, oder eine Promenade zu bauen). Es könnte auch daran liegen, das Denia eine kleine, aber verwinkelte Altstadt hat, die unter einer Burg liegt und nicht zuletzt liegt der Ort unterhalb des Hausberges Montgo, der mit seinen 752m Höhe über die gesamte Küstenlandschaft des südlichen Golfes von Valencia thront und bei guter Sicht problemlos auch vom 100km entfernten Valencia aus zu sehen ist. Der Fährhafen mit seinen Verbindungen auf die Balearen Inseln Ibiza und Formentera macht Denia aber auch zu einem Ort mit dem Hauch von Fernweh nach noch mehr Meer.

Denias Geschichte reicht zurück bis in das 1.Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, als erstmals ein römischer Flottenstützpunkt namens „Dianium“ erwähnt wurde. Die Römer nutzten wohl den natürlichen Hafen und bauten den Ort aus, ohne das er jedoch weitreichende Bedeutung gehabt hätte. Die Westgoten, welche den Römern in Iberien nachfolgten, herrschten hier nur kurz. Mit der arabischen Invasion kam auch Denia unter maurische Herrschaft, doch das sollte zu einer Blütezeit des Ortes führen. Denn nachdem Zerfall des Kalifats von Cordoba, das bis 1031 bestand und alle muslimischen Besitzungen auf der iberischen Halbinsel unter sich vereinte, wurde die Region um Denia zu einem eigenen Taifa-Reich. Dieses Reich umfasste auch die balearischen Inseln und sogar kurzzeitig die Stadt Valencia. Unter der Herrschaft von Iqbāl ad-Daula ʿAlī, der 1045 an die Macht kam, gelangte das relativ kleine Königreich zu wirtschaftlichem Wohlstand und wissenschaftlicher Blüte. Philologen, Astronomen und weitere Gelehrte arbeiteten am Hof und galten als die führenden Gelehrten ihrer Zeit. Dieser Reichtum erregte den Neid der Nachbarn und  Alis Schwager al-Muktadir, der Herrscher von Saragossa, besetzte Dénia 1076 und schloss es seinem Reich an. Damit war das Taifa-Reich Denia auch schon wieder Geschichte. 1244 eroberte Jaume I. (Jakob I.) von Aragón im Zuge der Reconquista, die Stadt und machte sie zum Sitz seiner Markgrafschaft. Im Königreich Valencia blieb Denia noch lange ein recht bedeutender Ort, der jedoch nachdem spanischen Erbfolgekrieg  abnahm und sich zunehmend verlor. Im 19. Jahrhundert konnte der Ort jedoch durch die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere von Rosinen, einigen Wohlstand erlangen, ab den 1960er Jahren setzte auch in Denia ein Massentourismusboom ein, der die Stadt nachhaltig veränderte. Jedoch wurde hier etwas schonender in die Landschaft eingegriffen als in den, aus dem Boden schießenden, Nachbarstädten.
Denia ist heute ein fast schon lieblich zu nennendes Küstenstädtchen. Es ist deutlich internationaler, als seine nördlichen Nachbarn, aber auch nicht so zugebaut, wie die Städte, die weiter südlich liegen. Durch den recht hohen Anteil von anderen europäischen Siedlern, die hier den Winter oder gar das ganze Jahr leben, sind die Preise auch etwas höher. Man findet in der Stadt zahlreiche, sehr gute Restaurants, dessen Spitzenplatz sicher das Restaurant von Quique Dacosta einnimmt, einem der bekanntesten Köche Spaniens.

Hier noch einige, wenige Daten und Fakten zu Dénia:

Allgemeine Daten:

Einwohner 41.672 (2014)
Fläche 66,2 km²
Geographische Höhe 12m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden alles pro Jahr 345mm / 41 / 3001

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Vicent Grimalt (PSPV-PSOE)
Touristen: In den Sommermonaten leben zeitweise bis zu 200.000 Menschen in der Stadt
Entfernung nach… Valencia 105km (Auto:1h 10min; Bahnverbindung fehlt)

Alicante 90km (Auto: 1h; Bahn: 3h)

 

Kultur / Geschichte:

Größten jährlichen Feste Bous a Mar als Teil des Stadtfestes (im Juli); Stiertreiben ins Meer
Moros i Cristians (im August) Parade mit historisierender Verkleidung und Musik
Erste urkundliche Erwähnung Im 1. Jahrhundert v.u.Z.
Gegründet von: Römern

 

Wirtschaft / Merkmale:

Tags: Hafenstadt, Badestrand, antike Wurzeln
Arbeitslosenquote 24,9% (Mai 2015)

 

 

Geschichte Liverpools

Liverpools Gründung und das MittelalterLiverpools Aufstieg im 17. und 18. Jahrhundert: Erfolg durch Handel aller Art Liverpool im 19. Jahrhundert: Urbanisierung, Eisenbahn, Armut und AuswanderungBis zum 1.Weltkrieg: Liverpool als zweite Stadt des Empires  | Das 20. Jahrhundert: Arbeitslosigkeit, Mersey Sound und Abwanderung | Liverpool heute

Liverpools Gründung und das Mittelalter

Der englische König John begann sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf Reisen durch das nordöstliche Gebiet seines Reiches. Er besuchte Chester, an dessen Hafen Reisen nach Irland möglich waren. Doch John plante eine größere Expedition und war so auf der Suche nach einem geeigneten Anlegeplatz. Dabei war die Mündung des Flusses Mersey ins Gespräch gekommen. Dort befand sich eine kleine Bucht, welche als „Liver“ oder „Lever“ bekannt war. Eine Bezeichnung die auf schwerfälliges und träges Wasser hinwies. König John erwarb dort das Land und ließ im Jahr 1207 eine Stadt gründen; Liverpool. In dieser Stadt sollten freie Menschen leben (in feudalen Zeiten war dies keine Selbstverständlichkeit). Die ersten Siedler kamen, ein Markt wurde abgehalten und den Bürgern wurde versprochen eine eigene Gerichtsbarkeit abzuhalten. Zünfte durften gegründet werden eine kleine Burg wurde errichtet.
Die kleine Stadt entwickelte sich, jedoch war sie nur eine von vielen „royal boroughs“ des Mittelalters. Die Fischerei war die hauptsächliche Einkommensquelle der Stadt. Im Jahre 1515 wurde das erste Rathaus errichtet. Strategisch lag die Stadt gut geschützt durch die schwierig zu bewältigende Hafeneinfahrt an der Mersey.

Liverpools Aufstieg im 17. und 18. Jahrhundert: Erfolg durch Handel aller Art

Im englischen Bürgerkrieg litt Liverpool. Mehrmals wechselten die Seiten bzw. Fronten hier und die Stadt wurde letztendliche eine Garnisonsstadt der parlamentarischen Truppen.  Im Laufe des 17. Jahrhunderts stieg der Anteil am irischen Handel der durch Liverpool lief. Die Stadt hatte um 1650 rund 4.000 Einwohner und ihr Einfluss, als auch ihr Wachstum vergrößerten sich ständig. Schon 1674 musste ein neues Rathaus gebaut werden, dem auch die Börse innewohnte. Die StadtChester wurde überflügelt und Liverpool stieg zu einem überregionalen Handelsplatz auf, der sich schon bald mit Bristol messen konnte. Berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit bereisten die Stadt, so wie Daniel Dafoe, welcher bemerkte: „In a word, there is no town in England, London excepted, that can equal Liverpool for the fineness of its streets and the beauty of the buildings.“
Um den Handel weiter voranzutreiben beschloss man eine spektakuläre Investion zu tätigen. Der alte „Pool“ war längst zu klein für die zahlreichen Schiffe und er war von den Gezeiten bestimmt. Unter dem Ingenieur Thomas Steer wurde 1708 ein Dock entwickelt, welches durch Schleußen von den Gezeiten geschützt, immer voll Wasser war und somit das Be- und Entladen entscheidend verbesserte. Es wurde zu einem weltweit kopierten Muster für den Dockbau.
Der Liverpooler Hafen wuchs, schon 1734 wurde ein zweites Dock errichtet. Wichtig für Liverpools Position war dabei das Hinterland Lancanshires. In den Manufakturen Manchesters, Boltons und Wigans wurden zahlreiche Güter hergestellt, die in Liverpool verschifft wurden. Diese gingen nicht mehr nur nach Irland und später nach Spanien oder Frankreich. Zunehmend stärker wurde auch der Atlantikhandel. Dabei hatte Liverpool auch die wenig schmeichelhafte Ehre, eine der Hauptstützpunkte des Sklavenhandels zu werden. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die Stadt den Handel mit Afrika. Dieser Dreieckshandel sah vor, das englische Waren wie Töpfe und Krüge (zumeist aus zweiter Hand) nach Afrika geschafft wurden, dort wurden sie gegen Sklaven getauscht, welche nach Amerika deportiert wurden. Die Bedingungen an Bord waren katastrophal. Die Mortalitätsrate auf der Überfahrt konnte 20% erreichen (auch die Bedingungen für die Seeleute waren keineswegs komfortabel). Erst durch die Einführung der Pflicht einen Arzt mit an Bord zu haben wurde diese Rate auf rund 5% gesenkt. Die Schwarzen wurden dann an Plantagenbesitzern verkauft und Zucker, Rum oder Tabak aufgeladen und nach Europa gebracht. Die Sklaven selbst kamen im Normalfall nie bis nach England. Die Händler, die diesen Handel betrieben, fuhren nie mit bei diesen Routen, obwohl gläubige Menschen hatten sie auch kein moralischen Probleme mit dieser Form des Handels und so wehrten sich auch die Liverpooler Händler am stärksten gegen die zu Beginn des 19. Jahrhunderts verabschiedeten Abolitionistengesetze.

Doch nicht nur von See aus war Liverpool immer schneller zu erreichen. Ab 1761 wurde ein ständiger Kutschenverkehr nach London, Manchester oder Glasgow angeboten. Kanäle wurden errichtet um die Güter sicherer und schneller in die Stadt zu bringen. Durch den Liverpool Leeds Kanal konnte man sogar bald mit der anderen Seite der englischen Küste durch das Land reisen und musste nicht die gesamte Insel umrunden.

Liverpool im 19. Jahrhundert: Urbanisierung, Eisenbahn, Armut und Auswanderung

Im Jahr 1800 erreichte Liverpool 60.000 Einwohner. Doch bei weitem nicht alle davon waren wohlhabend. Es entwickelte sich ein Proletariat, dessen Arbeits- und Wohnbedingungen, freundlich ausgedrückt, miserabel waren. Zahlreiche irische Immigranten gehörten dazu, welche in den sich entwickelnden Fabriken oder im Hafen arbeiteten. Doch Liverpool bot  nicht nur Arbeitsplätze für die aus dem Land zuziehenden Schichten. Es bot ebenso reichlich Abwechslung. Theater wurden errichtet, sogar Badeanstalten am Meer, welche die Menschen zum Sprung in die kalte Irische See einluden gab es, jedoch waren diese nur von kurzer Dauer, denn der ständig wachsende Hafen verbrauchte viel Platz und so wurde recht bald das nördlich der Stadt gelegene Southport zum eleganten Badeort für die Oberschicht. Wissenschaftliche und literarische Gesellschaften gründeten sich, wie der Athenaeum Club 1798 oder der berühmte Lycaeum. Pferderennen wurden veranstaltet. Ein Rennkurs in Aintree erlangte dabei großer Popularität. 1839 wurde dort erstmals ein großes nationales Rennen ausgetragen. Das „Grand National“ war geboren, noch heute das bedeutendste Hindernisrennen im britischen Pferdesport. Die Vororte wie Everton, Kirkdale oder Bootle zogen begüterte Schichten an, die alte mittelalterliche Struktur der Stadt mit dem „town field“, das zeitlebens als landwirtschaftliches Gebiet genutzt wurde zerbrach. Bald wurden dort Ziegel hergestellt, um den Bauboom weiter zu treiben.

Liverpools Geschichte ist neben dem Trockendock aber auch mit einer anderen infrastrukturellen Erfindung von Weltruhm verbunden, der Eisenbahn. Schon vor 1820 kam die Idee auf, die expandierenden Textilunternehmen um Manchester schneller mit dem Hafen in Liverpool zu verbinden. Zwar gab es schon Eisenbahnverbindungen, insbesondere für den Transport von Kohle, aber ein so großes Projekt, wie eine Verbindung zwischen diesen beiden Städten gab es noch nicht. Es wäre ein erster Schritt in einer landesweiten Vernetzung aller Städte. Ein Plan sah vor, die 33 Meilen mit je einer Fahrspur je Richtung zu verlegen, sowie entsprechende Tunnel und Brücken zu bauen. 1828 mitten in den Bauarbeiten entbrannte eine Diskussion, ob Dampflokomotiven stark und zuverlässig genug wären, um die Strecke regelmäßig und pünktlich zu bedienen und ein Wettkampf wurde ausgetragen, um die beste Maschine zu küren, welche zukünftig die Linie bedienen durfte. Am 6.Oktober 1829 wurde der erste Wettkampf zwischen Lokomotiven, vor einer begeisterten Menge ausgetragen, bei dem sich klar die „Rocket“ von George Stephenson durchsetzte. Nur ein Jahr später wurde die neue Eisenbahnlinie eröffnet und hunderttausende von Zuschauern sollen die Strecke gesäumt haben. In einer Art von Prozession fuhren die ersten Züge von Liverpool nach Manchester. Allerdings nicht unfallfrei, so kam Parlamentsmitglied Huskinson in einer Pause, zum Nachfüllen von Wasser, unter die Räder. Trotzdem wurde die Fahrt nach Manchester fortgesetzt, auch um die dort wartende Bevölkerung nicht zu enttäuschen. Trotz des Unfalls wurde die Eisenbahnverbindung von und nach Liverpool ein voller Erfolg und die erste längere Passagierverbindung ein Musterbeispiel für den daraufhin einsetzenden Eisenbahnboom.

Aber auch für Passagiere, die Europa in Richtung Westen verlassen wollten war Liverpool ein wichtiger Platz. Im Laufe des 19.Jahrhunderts entwickelten sich große Reederein, wie die Red Star Line. Sie boten zumeist Passagen nach New York an. Ihr Geschäft begann zu florieren, als die Arbeitslosigkeit um sich griff, gefolgt von einer Lockerung der Anti-Emmigrationsgesetze. In den 1840er und 1850er erreichte die Auswanderungswelle nach Amerika ihren Höhepunkt, fast ⅔ aller Passagiere wählten Liverpool als Startpunkt für ein neues Leben am anderen Ende der Welt. Einer Reise die oft unter vielen Entbehrungen und Krankheiten für die Ausreisenden erfolgte und der Möglichkeit, auch den noch so wenigen Besitz an Subjekte zu verlieren, die mit dem Schicksal der Menschen Geschäfte machten (die Frage ist, ob dies heute nicht auch noch so anzutreffen ist, wenn man an die Flüchtlinge nach Europa denkt).
Der Hafen jedoch wurde immer größer und auch vor Traditionen wurde kein Halt gemacht, so wurde das historische Old Dock 1827 verfüllt um Platz für neue Hafengebäude zu machen. Immer größere Schiffe konnten am Ufer der Mersey halt machen, die aufkommenden Dampfer nach Amerika wie Handelsschiffe aus aller Welt. Hafenkneipen und nach Amüsement trachtende Seeleute waren aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenken. So zogen die reichen Bürger an die Stadtgrenze oder gar in „Vorstädte“, während die Ärmeren in der Stadtmitte blieben. Zwar versuchten kirchliche Gemeinden das Leid zu mindern und unterstützten beispielsweise zahlreiche Schulprojekte, doch Armut war im Liverpool des 19. Jahrhunderts an jeder Straßenecke anzutreffen. Durch neue Grenzziehung und Eingemeindungen im Jahr 1835 (u.a. wurde Everton, Kirkdale und Toxteeth zu Liverpool geschlagen) gehörten auch wieder zahlungskräftigere Steuerzahler zur Stadt, die es ermöglichten das Liverpool wieder mehr Mittel zuflossen. Als jedoch in den 1840er Jahren Hungersnöte in Irland auftraten, erlebte Liverpool einen immensen Zuzug von der grünen Insel. Die meisten Migranten sahen die Stadt nur als Zwischenstation nach Amerika, konnten sich aber eine Überfahrt über den Atlantik nicht leisten. So sollen bis allein 1847 rund 300.000 Iren nach Liverpool gekommen sein. Der städtische Zensus zeigte innerhalb von 10 Jahren einen Bevölkerungsanstieg von 223.000 Einwohnern (1841) auf 376.000 Einwohner (1851). Die Konsequenzen daraus waren, dass Liverpool den ersten Gesundheitsbeauftragten einer Stadt in Großbritannien hatte, der 1846 leider feststellen musste, dass rund 50% der Bevölkerung in unhygienischen Behausungen wohnte.

Bis zum 1.Weltkrieg: Liverpool als zweite Stadt des Empires

Doch Liverpool war keineswegs nur arm. So sollten noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neues Gerichtsgebäude und ein neues Konzerthaus errichtet werden. An den jeweiligen Ausschreibungen beteiligte sich ein junger Architekt namens Harvey Lonsdale Elmes, der gerade einmal 23 Jahre alt war. Er gewann tatsächlich beide Wettbewerbe und wurde von den kühl kalkulierenden Autoritäten gefragt, ob er nicht beide Einrichtungen unter einem Dach bauen könnte. Elmes entwarf die „St. Georges Hall“, für die 1838 der Grundstein gelegt wurde. Leider verstarb er schon 1847. Sein Nachfolger Charles Robert Cockerell führte die Arbeiten weiter und unter ihm konnte 1855 das Bauwerk eröffnet werden. Von außen ist es eines der beeindrucktesten neo-klassizistischsten Gebäude Europas, im Inneren beherbergt es die „Great Hall“ einen Ball- und Konzertsaal, der mit aller Deutlichkeit klarmacht, wie wohlhabend die Stadt Liverpool war. Das Gebäude galt damals als eines der hervorragendsten Bauten der Welt und ist auch heute noch, gemeinsam mit seinen Nachbarn der William Brown Bibliothek oder der Walker Art Gallery und in Abstrichen der Lime Street Station, ein Zeugniss der Repräsentationsbemühungen des 19.Jahrhunderts. Auch in Sachen Transport ging man immer wieder neue Wege. So wurde 1886 der erste Eisenbahntunnel unter der Mersey nach Birkenhead eröffnet und noch vor dem Jahrhundertwechsel wurde an den Docks eine elektrische Hochbahn eröffnet, welche leider  heute nicht mehr existiert.
Derweil nahm die Bedeutung des Hafens immer noch zu. Zwar wurde die Anzahl der anlegenden Schiffe kaum noch erhöht, jedoch wurden diese immer größer. Um die Jahrhundertwende hatte Liverpool Bristol als zweitwichtigster Hafen des Königreichs abgelöst und hatte nun ähnliche Kapazitäten wie der Hafen in London erreicht. Der Hafen und die Schiffsindustrie boten viele Arbeitsplätze, aber weitere Industriezweige wuchsen nur langsam. So bleib Liverpool immer vor allem Handelsstadt und war weniger eine Industriestadt. Im Jahr 1901 erreichte man 648.000 Einwohner (allerdings auch durch weitere Eingemeindungen). Im Bildungsbereich wurde die Academy of Arts gegründet, aus der 1905 die University of Liverpool hervorging.

Das Pier Head am Hafen entwickelte derweil sich zum neuen Mittelpunkt der Stadt. Hier legten die Mersey Fähren ab und zahlreiche Pendler stiegen in die Hochbahn. 1907 wurde das Harbour Board Gebäude mit seiner beeindruckenden Kuppel hinzugefügt. Fast im Anschluss daran wurde das Royal Liver Building gebaut. Es war das Hauptgebäude der Royal Liver Friendly Society, einer Versicherung. Eröffnet 1911, war es ein Zeichen beeindruckender Baukunst. Architekt Aubrey Thomas führte das Hochhaus als eine Stahlbetonkonstruktion aus, eine damals noch neue Form des Bauens, die später für zahlreiche Wolkenkratzer genutzt wurde. So gilt das immerhin 90m hohe Gebäude auch als Vorläufer der Hochhausbeuten des 20. Jahrhunderts und als erstes Hochhaus des europäischen Kontinents. Der 13 stöckige Bau wird abgeschlossen durch zwei Glockentürme, welche jeweils eine Uhr tragen (die genau zum Zeitpunkt der Krönung von König George eingeschaltet wurden und daher auch „Great George“ genannt werden) und zwei Liver Vogel Statuen als Krönung. Die mythischen Wappentiere der Stadt schauen in entgegengesetzte Richtungen und sind mit dem Bauwerk vernetzt. Denn die Legende besagt, sie sind wie ein altes Ehepaar, wenn man die Stricke, die sie halten entfernen würde, sähen sie sich und würden sofort in jeweils andere Richtungen wegfliegen. Ein drittes Gebäude wurde kurz danach errichtet, es ist das Canard Building, der Hauptsitz der gleichnamigen Reederei. Alle drei Bauwerke zusammen werden die drei Grazien genannt und bilden eine der sehenswertesten Uferpromenaden Nordeuropas. Die stetig wachsende Stadt verlangte auch nach religiösen Orten und so wurde 1901 ein Wettbewerb für eine neue Kathedrale ausgetragen, die der junge Architekt Giles Gilbert Scott gewann. Eigentlich plante er ein an die mittelalterliche Gotik angelehntes Gebäude mit zwei Türmen, überarbeitete aber nochmals seinen Vorschlag zu einem Zentralbau mit einem Turm über der Vierung. Das Projekt hatte riesige Dimensionen und so schlug sich dies auch in der Bauzeit nieder, denn die Kirche wurde erst 1996 geweiht. Immer noch an Motiven der Gotik festhaltend, ist die Kathedrale jedoch ein äußerst beeindruckendes Gebäude geworden, das seine ganz eigene Form aufweist.

Das 20. Jahrhundert: Arbeitslosigkeit, Mersey Sound und Abwanderung

Nach dem 1. Weltkrieg verbesserte sich die wirtschaftliche Situation der meisten Liverpooler nicht wirklich. Arbeitslosigkeit wurde zu einem Massenphänomen, die Arbeitslosenzahlen waren in Liverpool weitaus höher als beispielsweise in den Textilhochburgen in unmittelbarer Nachbarschaft. Noch kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde in der Stadt doppelt soviele Arbeitslose gezählt, wie im Landesdurchschnitt. Der Krieg traf die Stadt hart. Durch die deutschen Luftangriffe wurden rund 50% der Bauten der Stadt in Mitleidenschaft gezogen, rund 4.000 Menschen fielen den Attacken zum Opfer.  Im Anschluss daran, hatte die Stadt weiterhin ein sehr ernsthaftes Wohnungsproblem. Obwohl die Stadt schon im Jahr 1869 mit dem Bau sozialer Wohnungen begann (was für die damalige Zeit eine Pionierleistung war) war dieses Problem bis weit in die 1940er Jahre bei weitem nicht gelöst und so konnte George Orwell von den Liverpooler Verhältnissen als „teure Slums“ sprechen.  Dabei war die Stadt ein Gemisch verschiedenster Ethnien. Protestanten und zumeist irisch stämmiger Katholiken, welche nicht zusammen arbeiteten und schon gar nicht zusammen wohnten, Juden, Walisern, Chinesen und Schwarzen, welche alle in unterschiedlichen Vierteln lebten. Die immer zahlreicher werdende katholische Gemeinde baute sich schließlich eine eigene Kathedrale, die aber als sie 1967 geweiht wurde ganz anders aussah, als die urspünglichen Planungen des Architekten Edwin Lutyens. Dieser wollte eine Kirche vom Ausmaß des Petersdoms errichten. Die Bauarbeiten wurden auch in den 1930er Jahren begonnen, konnten aber schon einige Jahrer später aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt werden. Frederick Gibberd legte einen modernen Entwurf vor, der sich an die Vorgabe zu halten hatte, nicht mehr als eine Millionen Pfund für den Bau zu veranschlagen und in 5 Jahren fertiggestellt zu werden. So wurde 1962 die katholische Kathedrale begonnen und tatsächlich nur 5 Jahre später eingeweiht. Die im Volksmund als „Paddys Wigwam“ bezeichnete Kirche ist durchaus originell.

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg brachte zwar Liverpool nicht mehr die wirtschaftliche Stärke zurück, aber den Aufstieg zu einer der wichtigsten Zentren der Popkultur der Welt. In den 1950er Jahren begann die jungendliche Bevölkerung gefallen am Rock-n-Roll zu finden. Woraufhin Liverpool eine Explosion an neuer populärer Musik erlebte, den Mersey Sound, dessen zentrale Figuren die Beatles waren und deren wichtigster Ort der Cavern Club in der Matthew Street war. 293-mal spielte die wohl größte Band der Popmusik hier und noch heute ist der Cavern Club eine Pilgerstätte für Touristen und Beatlesfans aus aller Welt. Doch auch andere namhafte Bands kamen aus der Stadt, so waren Gerry and the Peacemakers in den 1960ern äußerst populär, wie auch Frankie Goes to Hollywood in den 1980ern.

Doch außerhalb der Bars und Clubs ging der Verfall der Stadt weiter. Die städtische Bevölkerung ging Jahr für Jahr zurück. 1937 hatte die Stadt die meisten Einwohner in ihrer Geschichte gehabt, man zählte 867.000 Bürger. Nur 54 Jahre später, 1991 waren es 481.000, ein Rückgang um fast die Hälfte. Die 1980er Jahre waren ein Paradebeispiel für den Verfall. 1981 kam es zu den Toxteth Riots, bei dem sich mehrheitliche schwarze Liverpooler gegen die Lokalpolizei auflehnten. Die Wohnungsprobleme sollten – wie bei der Idee vom modernen Bauen üblich – mit Hochhäusern behoben werden, doch wie in so vielen anderen Städten entwickelten sich daraus neue soziale Probleme und Brennpunkte.

Liverpool heute

Seit rund 20 Jahren wurde der Abwärtstrend gestoppt. Zahlreiche Maßnahmen ließen Liverpool wieder aufblühen. Die Öffnung des Docksystems für die Öffentlichkeit war eines dieser Beispiele, die schlussendlich dazu führte, dass die Stadt ihre historischen Hafenanlagen durch die UNESCO zum Welterbetitel anerkennen lies. Obwohl die Liverpool immer noch zahlreiche Probleme hat (das Durchschnittseinkommen ist niedriger als im Landesschnitt, die Gefahr durch falsche Ernährung an Herz-Kreislaufkrankheiten zu sterben ist allerdings weitaus höher als im Rest des Königreiches) sieht man positive Zeichen an vielen Ecken. Die Innenstadt wurde wiederbelebt, neue Studentenwohnheime entstanden, ebenso wie Wohnungen für Geschäftsleute. LIVERPOOL ONE ist ein neues riesiges Einkaufsareal, dass zahlreiche Shoppingtouristen anlockt, der Flughafen ist ein Drehkreuz für Billigfluglinien geworden und neue Gebäude laden zum Entdecken ein, wie das neue Liverpool Museum oder die Echo Arena. Als im Jahr 2007 die Stadt ihr 800 jähriges Bestehen feierte, war der Neuanfang an allen Ecken zu spüren. Die neue Stadtmitte rund um das Albert Dock mit seinen Museen (wie der Tate Liverpool), locken viele Menschen an, die gern vorbei an den drei Grazien in die zahlreichen Pubs der Stadt schlendern und dort bei der ortsüblichen Karaoke einen Beatles-Song zu schmettern. Liverpool 2011 ist eine sehr lebenswerte Stadt, immer noch sehr preiswert, teilweise schmutzig, doch an jeder Ecke kann man viel entdecken.

urban facts Liverpool

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2014 473.000 (816.000)
Einwohnerentwicklung 2001-2011 +5,5%
Fläche 112 km²
Bevölkerungsdichte 3889 Einw./km²
Geographische Höhe 0-70m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 859 / 282  / 1.442
Fluss Mersey (112km lang)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Joe Anderson (Labour Party)
Verwaltungstechnische Bedeutung Ist ein Metropolitan Borough der zeremoniellen Grafschaft „Merseyside“
Flughafen John Lennon Airport (LPL; 3,9 Mio. PAX 2014; -5% 13-14; angelegt 1930; 1 Bahn 09/27; 2285m lang; beliebteste Verbindung nach: Belfast)
ÖPNV S-Bahn: Merseyrail; 66 Stationen auf 120km Streckenlänge bei ca. 110.000 Pax pro Tag
Entfernung nach… Manchester 60km (Auto: 52min; Bahn: 51min)
London 350km (Auto: 3h55min; Bahn: 2h25min)
Glasgow 350km (Auto: 3h30min; Bahn: 4h)
Dublin ca.230km (je nach Fährverbindung)nächster Ort über 500.000: Manchester 60km
nächster Ort über 1000.000: Birmingham 150km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten 3:
University of Liverpool (20.000 Studenten, gegründet 1881);
John Moores University (24.000 Studenten; gegründet 1992);
Hope University (7.900 Studenten, Uni seit 2005)
Anzahl Museen 26 (laut engl. Wikipedia)
Sportvereine der Stadt Keine andere englische Stadt hatte je immer einen Vertreter in der höchsten englischen Fußballliga, die beiden Stadtrivalen sind:
Liverpool F.C.
  (18x Landesmeister; 7x FA-Cup; 7x League-Cup; 5x Europas-Landesmeistercup; 3x UEFA-Cup; Ø-Zuschauer: 42775 @ Anfield Road)
Everton F.C. (9x Landesmeister; 5x FA-Cup; Europäischer Pokalsiegercup 1x; Ø-Zuschauer: 36039 @ Goodison Park)
ferner in Birkenhead beheimatet: Tranmere Rovers ( Ø-Zuschauer: 5.500 @ Prenton Park)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) The Liverpool Echo (täglich ca.62.000 Exemplare (2014), seit 1879
Erste urkundliche Erwähnung 1207
Gegründet von: Englischen König John
Großstadt seit: 1811
Das entscheidende Jahr: 1708: das erste Trockendock der Welt macht Liverpool zu einer bedeutenden Hafenstadt
Meisten Einwohner im Jahr: 1937: 867.000
Kneipenviertel: Mathew Street, Concert Square
City Branding The Pool of Life, The Pool of Talent, The World in One City

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Albert Dock (UNESCO-Weltkulturerbe seit 2004)
Architektonisches Highlight Museum of Liverpool (3XN)
Höchstes Gebäude West Tower (140m; Aedas)
Meist fotografierte Gebäude Pier Head
Tags: Siehe Tagliste.
Anzahl Starbucks 11
Straftaten auf 100 Einwohner in 6 Monaten 7,38 (Platz 331 von 348 in UK)
Kaufkraftindex in UK 96,7
Verfügbares Einkommen im Haushalt 29.379£ (UK:36.266£)