Geschichte Bilbaos

Wie bei so vielen Städten hat auch Bilbao eine Geschichte die vor dem Geburtsdatum der Stadt beginnt. Am 15. Juni 1300 war es Diego López de Haro, der die Stadt Bilbao offiziell gründete, doch tatsächlich stand an dieser Stelle, wo der Fluss Nervión an seiner rechten Seite eine flache Uferlandschaft im ansonsten steilen Tal lies, schon eine Siedlung. Der Atlantik war von hier nicht weit entfernt und konnte bequem erreicht werden, während am rechten Flussufer ein Hafen leicht zu errichten war. Ebenso waren die Eisenminen von Mirivilla leicht zu erreichen und eine Verbindung zum spanischen Hinterland war ebenso vorhanden. Ein guter Platz zum Handeln und um Geschäfte zu machen. Das wussten schon die Römer, die hier angeblich schon in der Antike siedelten. Der König von Kastilien, der die Herrschaft über das Baskenland hatte, erkannte ebenso das Potential des Ortes und bestätigte 1301 den Gründungsbrief der Stadt. Schon zehn Jahre später wurden Bilbao weitreichende Rechte verliehen. Alle kastilischen Produkte, die zum Meer geschafft wurden, mussten über Bilbao gebracht werden. Insbesondere das baskische Eisen der Region wurde zum wichtigsten Handelsgut nicht nur der Stadt, sondern der ganzen Region Biskaya.
Bis zum 16. Jahrhundert baute Bilbao seine Funktion als wichtigster Handelsort von Biskaya aus. Die Stadt wuchs an Bevölkerung und Fläche, gegen 1500 hatte man rund 1.200 Einwohner, was selbst zur damaligen Zeit noch eine überschaubare Größe war. Das ursprüngliche Bilbao hatte drei Straßen: die obere Straße Somera oder auch Goiencalle, die Hauptstraße Artecalle und die Tendería. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden vier weitere Straßen angelegt und noch heute kann man  von der Altstadt als  „siete calles“, den „sieben Straßen“ sprechen. Auch hat sich der Grundriss der „casco Viejo“ bis heute erhalten mit seinen engen Gassen, auch wenn die Häuser nicht mehr aus jenen Tagen stammen. Schon um 1379 wurde die Kathedrale von Santiago begonnen, welche auf dem Gelände der ehemaligen Santiago Kapelle gebaut wurde. 1511 wurde das Konsulat von Bilbao gegründet, eine dreihundert Jahre lang, sehr einflussreiche Institution der Stadt, welche für die Jurisdiktion der Schifffahrt bis zum Meer, als auch für den Auf- und Ausbau der Hafenanlagen zuständig war. Auch diesem „Consulado de Bilbao“ war es zu verdanken, dass die Stadt der wichtigste Handelsort der Region blieb. Die hier ansässige Handelsflotte verschiffte das baskische Eisen und die kastilischen Wolle nach Europa.  Freilich war Bilbao nicht vor Katastrophen gefeit, 1571 brannte ein großes Feuer viele Häuser nieder und 1593 wurde unter anderem das Rathaus als auch die Brücken der Stadt überflutet.
Doch durch die Einkünfte aus dem Handel entwickelte sich eine begüterte Bürgerschaft, die wiederum den Ausbau der Stadt voran trieb. Gleichzeitig ließen sich holländische und britische Händler in Bilbao nieder und um das Jahr 1700 hatte Bilbao bereits 6.000 Einwohner. Der Aufschwung setzte sich bis in das nächste Jahrhundert fort, auch wenn immer wieder Krisen, wie die Matxinada (1718) oder die Zamakoleda (1804) die Stadt in Aufruhr versetzten. Um 1800 hatte Bilbao bereits mehr als 10.000 Einwohner.

Das 19. Jahrhundert – dass insbesondere in Westeuropa den Durchbruch der Industrialisierung brachte – ließ Spanien eher unberührt, ausgenommen jedoch waren Katalonien und das Baskenland und hier insbesondere Bilbao, die Teil der Industriellen Revolution und ihren damit verbundenen Umwälzungen wurden. Doch davor kam es zu konflikthaften Auseinandersetzungen im jungen Jahrhunert, als französische Truppen das Baskenland 1808 besetzten und Napoleons Bruder als neuen König einsetzten, begannen in Bilbao zahlreiche Auseinandersetzungen und die Stadt wurde zu einem Zentrum des Widerstandes gegen die französische Fremdherrschaft. Als dann die Karlistenkriege, ein innerspanischer Konflikt, immer wieder im Laufe des 19. Jahrhunderts aufflammten, lag das Baskenland zumeist in deren Zentrum und immer wieder wurde versucht die Stadt zu erobern.
Im 2.Teil des Jahrhunderts setzte dann die Industrialisierung ein. 1862 wurde eine erste Bahnlinie in Betrieb genommen. Eisen, Stahl und die Schiffsbauindustrie wurden zu Schlüsselfaktoren des industriellen Aufschwungs jener Tage. Im Handelszentrum Bilbao gründeten sich erste Banken, wie die Banco de Bilbao 1851 (die heute als BBVA eine der größten Banken der Welt ist). Rasant vergrößerte sich die Stadt. Ein erster Expansionsplan projektierte die Abando Gegend (1876), die heute als Stadtzentrum gelten kann, später wurde eine weitere Vergrößerung in Richtung Basurto geplant (1905). Neue architektonische Bauten  zierten die Stadt, wie der Plaza Nueva, der schon 1819 begonnen wurde und die Stadt mit dem Vorort San Nicolás verband, oder das neue Rathaus von Joaquín de Rucoba (1892) und nicht zu vergessen das Arriaga Theater vom gleichen Architekten, der sich am Pariser Opernhaus orientierte.
Mit Beginn des 20.Jahrhunderts intensivierte sich die industrielle Entwicklung. 1900 wurde die Euskalduna Schiffswert gegründet (wo heute das gleichnamige Konferenzzentrum steht) und nur zwei Jahre später gründeten sich die Hochöfen der Altos Hornos de Vizcaya (AHV), der für lange Zeit größte Konzern Spaniens.  Gleichzeitig entstanden politische Bewegungen. Die Arbeiterbewegung erhielt raschen Zulauf, auch gespeist von den teilweise erbärmlichen Lebensbedingungen, die sie in den schnell wachsenden Städten wie Bilbao vorfanden. Eine andere Entwicklung betraf das aufkommende nationale Empfinden der Basken, das in Bilbao sein Zentrum fand. Menschen wie Sabino Arana Goiri versuchten sowohl die baskische Sprache als auch die baskischen Kultur  eine eigene Bewegung zu geben, die im Baskenland auch immer erfolgreicher wurde. So wurden in Bilbao die Baskische Nationalistische Partei EAJ-PNV gegründet, 1917 kam die Gesellschaft für baskische Studien (Eusko Ikaskuntza) und 1918 die Königliche Akademie der baskischen Sprache (Euskaltzaindia) hinzu. In den 1920er Jahren wurden die ebenso rasch wachsenden Vororte Begoňa, Deusto und Lutxana eingemeindet, damit zog sich Bilbao nun an beiden Seiten des Flusses kurvenreich fließenden Flusses entlang.
Im spanischen Bürgerkrieg stand Bilbao schnell im Fokus. Während sich weite Teile des Baskenlandes rasch den faschistischen Gruppen Francos ergaben. Bilbao wurde mit Bomben angegriffen und ab 1937 belagert und musste sich schließlich im selben Jahr ergeben. Nach harten Nachkriegsjahren begann die wirtschaftliche Entwicklung in den 1950er Jahren wieder zu boomen. Bilbao wurde zu einer der führenden Industriestädte Spaniens und die guten Verdienstmöglichkeiten lockten zahlreiche Einwanderer aus anderen Teilen des Landes an, was dazu führte, dass Bilbao nicht mehr nur eine baskische Metropole wurde. Gleichzeitig wuchsen auch die Vororte, die sich entlang des Flusses bis zum Meer bildeten und das Ballungsgebiet „Gran Bilbao“ entstand, was rund eine Millionen Einwohner zählte und damit zur fünftgrößten Stadtregion Spaniens wurde. Doch der Aufschwung wehrte nicht ewig, spätestens seit den 1980er Jahren gerieten die Eisen- und Stahlindustrie in tiefe ökonomische Krisen. Symbolhaft für den Niedergang stand die Schließung der Euskalduna Schiffswerft 1988, bei der sich die Arbeiter lange gegen die Schließung wehrten. In nur 10 Jahren (von 1981 bis 1991) verlor die Stadt 61.000 Bürger, oder fast 15% der Einwohner.  Ein Plan musste her, wie die Stadt den Niedergang abwenden konnte.
Das neue Bilbao wurde ökonomisch zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft hingeführt. Doch dabei bleib es nicht. Mit dem Projekt Bilbao 2000 wurde ganz Gran Bilbao in die Veränderungen einbezogen, alte ungenutzte Industriebrachen wurden beseitigt und neu bebaut. Das Symbol dieser Entwicklung ist das Guggenheim Museum, dass 1997 eröffnet wurde. Ein glanzvoller und höchst ungewöhnlicher Museumsbau des Kanadiers Frank O. Gehry, der damit nicht nur sein berühmtestes Gebäude schuf, sondern gleichzeitig ein Highlight des Dekonstruktivismus. Das Museum wurde zum Werbebanner für eine Stadt, die plötzlich vom immer stärker werdenden Strom der Städtetouristen erfasst wurde und deren Stadtumbau vielerlei Facetten hatte. Stararchitekten wie Santiago Calatrava, der ein neues Terminal des Flughafen plante, und Norman Foster, der die Metro projektierte, schufen eine Atmosphäre des Aufschwungs und der Veränderung in Bilbao, die sich auch an vielen kleineren Projekten zeigt. Man sprach seither vom Bilbao-Effekt, der einsetzt, wenn eine Stadt sich ein neues modernes Wahrzeichen gibt und damit sein Markenimage neu anlegt und insbesondere auf dem touristischen Markt neue Wege einführt. So zeigt sich Bilbao heute als trendige Stadt, mit zahlreicher moderner Architektur, die aber ebenso ihre Herkunft nicht verleugnet, sei es als Industriestadt oder als größte Metropole des Baskenlandes.

urban facts Bilbao

Daten und Fakten zur Stadt Bilbao:

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) 345.141 (875.000) 10. Platz in Spanien
Einwohnerentwicklung 2010-2015 -2,2%
Fläche 41,28 km²
Bevölkerungsdichte 8331 Einw./km²
Geographische Höhe 19müNN (6-689müNN)
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 1134 mm / 124 / 1610
Fluss Nervión; geht in Ria de Bilbao über
KfZ-Kennzeichen BI (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Juan María Aburto (EAJ/PNV – konservativ-baskisch)
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt der baskischen Provinz Bizkaia
Anzahl Besucher im Jahr 1,5 Mio. Übernachtungen 2015
Global City Status 2012 High Sufficiency (11. Kategorie =Dresden, Hangzhou, Straßburg, u.a.)
Flughafen BIO (4,1 Mio. Passagiere 2008; Terminal von S.Calatrava)

Aeropuerto de Bilbao; BIO; gegründet 1928 (1948 für Öffentlichkeit); 4,27 Mio; PAX 2015; ; 2 Landebahnen, 1 Terminal (von Santiago Calatrava, 2000 eröffnet); 12km O der Innenstadt

ÖPNV Metro Bilbao: 2 Linien mit 40 Stationen auf 43km Länge; 1995 eröffnet; Ø tägliche Nutzer: 175.000 (2009); eine Fahrt kostet 1,50€
7 Nahverkehrszuglinien (betrieben von 3 Firmen)
Bilbobus mit 43 Buslinien
EuskoTran: eine Straßenbahnlinie, eröffnet 2002
Entfernung nach… Vitoria- Gasteiz 60km (Auto:50min; Bahn: nicht möglich)
Madrid 395km (Auto: 3h35min; Bahn: 5h5min)
Zaragoza 300km (Auto: 2h40min, Bahn: 4h30min)
Barcelona 600km (Auto: 5h15min; Bahn: 6h50min)
nächster Ort über 500.000: Zaragoza 300km
nächster Ort über 1000.000: Madrid 395km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten Universität Deusto (Gegründet 1886, private Uni, Träger ist die jesuitische Ordensgemeinschaft; ca. 10.000 Studenten 2014/15)
Universität des Baskenlandes (gegründet 1968; rund 45.000 Studenten, jedoch mit unterschiedlichen auf das ganze Baskenland verteilten Campus; 50% der Fächer werden in baskischer Sprache unterrichtet)
Anzahl Museen 6 (laut Auflistung wikipedia.es)
Größten jährlichen Feste Asta Nagusia (span: „Semana Grande“) = die „großartige Woche“; 9 Tage lang am 1.Samstag nach dem 15.8. beginnend: Musik, Folklore, Kultur
BBK Live Festival (3-tägiges Musikfestival in erster Juli Hälfte, seit 2006, über 100.000 Gäste)
Sportvereine der Stadt Athletic: Fußball – achtfacher span. Meister und 23facher Pokalsieger; 2x EC Finalist (EC3 und UEFA EL) Ø-Zuschauer 2015/16: 41.825@San Mámes; nimmt nur baskische Spieler unter Vertrag
Bilbao Basket: Basketball – gegründet 2000; Ø-Zuschauer: 9.063@Bilbao Arena (reguläre Saison 15/16)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) El Correo: gegründet 1910, hauptsächlich Spanisch sprachig, Teile in Baskisch: Auflage 73.000 (2015)
Deia: gegründet 1977, baskisch orientiert, zweisprachig, Auflage: 19.700 (2009)
Biersorte des Ortes: La Salva
Erste urkundliche Erwähnung 1300
Gegründet von: Diego Lopez V., dem „Señor de Vizcaya“, dem Abgesandten des Königs von Pamplona
Großstadt seit Gegen 1915
Das entscheidende Jahr 1997: Eröffnung des Guggenheim Museums
Meisten Einwohner im Jahr 1981: 433.000
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute 20,3%
Kneipenviertel: Casco Viejo
City Branding Tor zur baskischen Kultur; Beispielhafte Stadt für urbane Transformation = „Bilbao-Effekt“

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Guggenheim Museum (Frank O. Gehry)
Architektonisches Highlight Puente Colgante
Höchstes Gebäude Torre Iberdrola 165m
Meist fotografiertes Gebäude Guggenheim Museum
Anzahl Starbucks 1
Konzernzentralen von BBVA – Bank (135.000 Beschäftigte; 5.größtes IBEX35 Unternehmen)
Iberdrola – Energie (28.000 Beschäftigte; 3. größtes IBEX35 Unternehmen
Pro-kopf Einkommen 30890€ (2015)
Arbeitslosenquote 14,7% (Januar.2016)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1430 1510 1715 1800 1830 1910 1940 1960 1981 2000
1.000 1.200 6.000 10.500 30.000 80.000 195.186 297.972 433.030 354.273

 

Bilbao

urban facts Bilbao | Geschichte Bilbaos | Das Baskenland | Architektur Bilbaos | Puente Vizcaya

Bilbao ist aus sehr vielen Perspektiven eine höchst interessante Stadt. Zum einen ist sie Nordspaniens größte Stadt und hat mit ihren Vororten rund eine Millionen Einwohner. Zum anderen ist sie das wirtschaftliche, kulturelle und industrielle Zentrum des Baskenlandes und entwickelt eine ganz eigene Atmosphäre, die sich so in Spanien nicht wieder findet. Dann liegt Bilbo (wie die Stadt auf Baskisch heißt) auch im grünen Teil der iberischen Halbinsel liegt, was ein vollkommen anderes Klima und eine andere Vegetation bedeutet (als Beispiel sei genannt, dass es in Bilbao rund doppelt so viel regnet, wie in London). Nicht zuletzt soll darauf hingewiesen werden, dass nach dem Stadtumbau der letzten Dekaden, sogar ein ganzer Effekt benannt wurde.

Es gibt wohl nur sehr wenige Städte in Europa, die in den letzten 20 Jahren einen so großen Umbruch erfahren haben wie Bilbao. Dies geschah, etwas überspitzt formuliert, mit nur einem einzigen Gebäude, dem Guggenheim-Museum. Dieses 1997 eröffnete architektonische Meisterwerk von Frank O. Gehry, machte aus der schmutzigen Industriestadt Bilbao, fast über Nacht, eine Kunst- und Kulturstadt. Dieses Phänomen fand sogar Eingang in den Wörterkanon der Sozialwissenschaften, als sogenannter „Bilbao-Effekt“. Darunter versteht man die Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten. Aus einem hässlichen Entlein, die Industriestadt Bilbao, die stark unter Arbeitslosigkeit und Deindustrialisierung litt, macht man einen schönen Schwan, die trendige Kulturstadt, die massenhaft urbanen Tourismus anzieht. 1995 zählte die Stadt rund 25.000 Besucher, 2009 waren es 615.000!
Doch was genau ist passiert? Entlang des Flusses Nervión entwickelten sich seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts verstärkt industrielle Produktionsstätten. Bilbao wurde neben Barcelona zu der Industriestadt in Spanien. Doch im Laufe der 1970er Jahre schwanden der Industrie massiv die Kräfte. Bilbao verlor erst Arbeitsplätze, dann auch noch Einwohner. Da besann man sich in der größten Stadt des Baskenlandes, dass nur weitreichende Veränderungen den Ort wieder attraktiver machen könnten. Alte Industrieanlagen wurden abgerissen und der Hafen vom Flussgelände ans Meer verlegt. Der frei gewordene Platz wurde mit neuer Architektur urbanisiert. Hauptaugenmerk war dabei das Guggenheim-Museum, eines der aufregendsten Gebäude der letzten Jahre, eines der Hauptwerke des Dekonstruktivismus und gleichzeitig ein spektakuläres Haus, dass allein schon durch sein andersartiges Aussehen den Betrachter fasziniert. Durch eine entsprechende Vermarktung entwickelte sich ein Besucherstrom aus ganz Europa, um sich das Gebäude anzusehen und in seinen Ausstellungshallen, Meisterwerke der zeitgenössischen Kunst zu bewundern (wenngleich die Kunst sich immer hinter ihrem Behälter anstellen muss oder anders gesagt: der Star ist das Bauwerk, nicht sein Inhalt).
Doch mit dem Museum allein ist es nicht getan. Weitere international renommierte Stararchitekten verewigten sich in der Stadt und formten das neue Bilbao, 1995 wurde eine U-Bahn von keinem geringeren als Norman Foster gestaltet, Santiago Calatrava projektierte die ZubiZuri Brücke und den Terminal des Flughafens und das Architekturbüro von Cesar Pelli plante den 165m hohen Büroturm der Konzernzentrale eines großen Energieunternehmens. Dazu gesellen sich einige historisch höchst interessante Bauwerke, wie die „Puente Colgante“ die 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Bilbao wirkt daher heute wie eine alte Industriestadt, die im ständigen Wandel zum modernen Zentrum unterliegt.

Der Wandel bleibt dabei nicht auf die eigentliche Stadt Bilbao beschränkt, die mit rund 41km² und rund 350.000 Einwohnern nicht sonderlich groß ist und eher wie hineingepresst in das Tal des Nervíon liegt. Dieser vermischt sich in Höhe der Altstadt mit Meereswasser und der Fluss wird bis zu seiner Mündung in 16km Entfernung immer breiter. Entlang des Flusses, der ab hier auch Rìa de Bilbao genannt wird, entstanden zahlreiche weitere Orte, die den Ballungsraum Bilbao ausmachen. Interessant ist das an der linken (oder westlichen) Flussseite zumeist die Industrie und die Arbeiterstädte angesiedelt wurden (z.B. Barakaldo), während die rechte Flussseite eher wohlhabende Städte (wie Getxo) entstanden. Summiert man die gesamte Metropolregion auf, so kommt man bei 500km² auf 910.843 Einwohner. Somit ist die Metropolregion die fünftgrößte in Spanien. Interessant ist, dass die eigentliche Stadt Bilbao nur rund 38% der Gesamtbevölkerung der Metropolregion ausmacht. Ein Ziel der Stadtentwicklung, welche die gesamte Region stärker mit einbeziehen möchte, ist es, die Orte am Fluss zu verbinden. Dafür wurde unter anderem das gemeinnütze Unternehmen Ria Bilbao 2000 gegründet, um nicht genutzte ehemalige Industrieflächen wiederzubeleben. Das Unternehmen kann viele Erfolge verzeichnen. Sehr interessante Bauwerke entstanden, wie das Azkuna Zentroa, oder auf Spanisch, die Alhóndiga, ein außergewöhnliches Kulturzentrum, das 1909 als Warenhaus für Wein eröffnet wurde und zum Ende des 20. Jahrhunderts von Philippe Starck umgebaut wurde. Ein weiteres wichtiges Element der Verbindung der Vororte mit dem Zentrum ist die Metro, die größtenteils von Norman Foster gestaltet wurde und auf zwei Metrolinien, die Vorstädte und Bilbao-Zentrum vereint. So kann man von Bilbao nicht nur als der eigentlichen Stadt, sondern als gesamter Region im Unterlauf und der Mündung der Flusses Nerviòn sprechen.

Bilbao liegt im „grünen Spanien“, also an der regenreichen Atlantikküste, genauer am Golf von Biskaya, der für sein stürmisches Wetter bekannt ist. Er hat seinen Namen übrigens von der baskischen Provinz Vizcaya bekommen, in welcher Bilbao liegt. Neben dem ständigen Regen, bedeutet dies, zumeist milde Temperaturen (im Sommer ist ein Temperaturgefälle von 15 Grad zwischen dem rund 400km entfernten Madrid und Bilbao keine Seltenheit), ständig grüne Hügel, die irgendwie das Baskenland auszumachen scheinen und ein Ambiente, dass eine ganz andere Seite von Spanien zeigt. Die Zeit scheint hier etwas mitteleuropäischer zu sein, es wird eher gegessen und in den Bars und Geschäften hört man fast die sonst im Lande quälend dahinfetzende spanische Schlagermusik nur sehr wenig. Auch die Hitze des Sommers ist, wie schon erwähnt, hier auch nur ein seltener Gast. Historisch gesehen entwickelte sich hier vor über 100 Jahren die baskische Nationalbewegung, auch wenn die Stadt wegen ihres eher großstädtischen Flairs auf dem ersten Blick viel weniger baskisch wirkt als beispielsweise Donostia-San Sebastián. Sehr stark vermischt sich baskisches und „Rest-spanisches“, was auch an der hohen Einwanderungswelle lag, von Menschen aus anderen Landesteilen, die in den wirtschaftlich florierenden Zeiten der 1950er, 60er und 70er, Arbeit im Baskenland fanden. Das führt auch dazu, dass nur rund 25% der Einwohner der Stadt Baskisch sprechen. Erschwerend kommt der Fakt hinzu, dass die Sprache keinerlei Ähnlichkeit mit anderen romanischen Sprachfamilien hat und so sehr schwer zu erlernen ist.

Zur Attraktivität Bilbaos zählt ebenso die baskische Küche, die sich vollkommen zu Recht eines großen Ruhmes erweist. Es sei jedem ans Herz gelegt, einen Abend lang von Bar zu Bar zu ziehen und von den dort ausgelegten Pinxos (kleinen Häppchen) zu probieren und diese mit einem Gläschen Xakoli (einem baskischen Wein) abzurunden.

Albufera

Lagune | Größe: 21 km² | innerhalb eines geschützten Naturparks (seit 1986) mit Gesamtgröße von 21.120ha (211km²)

Rund 10km südlich von Valencia erstreckt sich die Albufera, eine Frischwasserlagune am Golf von Valencia. Der Name stammt vom arabischen „al-buhayra“ und heißt übersetzt „kleines Meer“. Tatsächlich ist die Albufera ein kleiner rund 20km² großer, aber durchschnittlich nur rund ein Meter tiefer See, der nur durch einen schmalen Küstenstreifen vom großen Mittelmeer getrennt ist.

Obwohl schon jahrhundertelang vom Menschen verändert, hat die Gegend der Albufera sich bis heute eine reichhaltige Flora und Fauna erhalten können. Vier Döfer umgrenzen die Lagune: El Perellonet, Pinedo, El Palmar und El Saler. Sie alle liegen im Schutzgebiet des Naturparks, der fast 10mal so groß wie die Albufera selbst ist und bis an den Felsen von Cullera heran reicht, wo heute im flachen Land die Reisfelder wachsen.
Die Lagune entstand durch die Ablagerungen des Turia Flusses vor rund einer Million Jahren. Die Sedimente trennten einen Teil des Meeres ab und ließen nur einen kleinen Meeresarm offen.
In der Zeit der Vorgeschichte hat die Albufera schon Menschen angezogen, die hier dem Fischfang nachgingen. In der Antike pries man den See, den man damals Nacaros nannte. Die angrenzenden Dörfer hatten hier die Möglichkeit, eine ganze Reihe von unterschiedlichen Arten zu fangen, außerdem gewannen sie Salz, ein gerade im Mittelalter sehr begehrter Rohstoff. Mit dem vermehrten Anbau von Reis ab dem 18. Jahrhundert veränderte sich jedoch die Lagune. Nicht nur wurde Land für den Anbau gewonnen und die Albufera damit verkleinert (auf älteren Karten ist die einstige Ausbreitung noch zu erahnen), sondern durch das benötigte Frischwasser, dass vom Xuquer-Fluss über Kanäle herangeführt wurde, veränderte sich auch die Wasserqualität und das Salzwasser verschwand allmählich. Als die Stadt Valencia 1927 das Gebiet der Albufera aus den königlichen Besitz abkaufte, war der See auf rund 3000ha von einst 30.000ha zusammengeschrumpft. Interessanterweise wird heute mit der Flutung der Reisfelder im Winter fast wieder die alte Größe der Albufera erreicht, auch wenn die Albufera selbst ihre einstige Größe wohl nie zurückerlangen wird. Mit der Entwicklung des Massentourismus in den 1960er Jahren war fast das Ende der Albufera besiegelt wurden. An den Stränden wurden zahlreiche Hochhäuser gebaut (besonders unerqicklich in El Perellonet), die Dünenlandschaft mit Promenaden eingeebnet, Industriebetriebe entstanden und kippten ihre Abwässer in die Lagune. Viele Wasserpflanzen und einige Fischarten verschwanden aus dem Ökosystem.  Erst eine Bürgerbewegung in den späten 1970er Jahren und der politische Umbruch in Spanien mit dem Ende der Franco-Diktatur bremsten diese Entwicklung. 1979 stoppte der nun frei gewählte Stadtrat von Valencia weitere Ausbaupläne im Umland der Albufera und 1986 eröffnete die Regierung der Comunidad Valenciana den „Parc Natural de l’Albufera de Valencia“, den ersten in der gesamten Comunidad. Seit dieser Zeit wird hart daran gearbeitet, den Naturschutz der Albufera zu gewährleisten. So ist der Naturpark Mitglied des Natura 2000 Netzwerkes der Europäischen Union und ebenso ein besonderes Vogelschutzrevier, wovon man sich besonders im Frühjahr und Herbst selbst überzeugen kann wenn über 250 verschiedene Vogelarten hier sind. Einige kommen hier zum Überwintern, andere kommen um sich für den Weiterflug zu stärken und wiederum andere Arten brüten und nisten hier.

Links:
Der Naturpark bietet vielfältige Informationen (in Valenciano, Spanisch und Englisch) auf dieser Seite an:
http://albufera.valencia.es/en

Peñíscola

Einwohner: 7444 | zur Comarca Baix Maestrat der Provinz Castellón gehörend | rund 115km NO von Valéncia

In der langen Reihe der Orte die sich entlang der Küste des Golfes von Valencia ziehen, fällt Peñíscola (oder auf Valenciano: Peníscola) heraus. An den sonst flachen Sandstränden ragt ein rund 60m hoher Felsen empor, auf dem sich die historische Altstadt von Peñíscola befindet. Diese strategisch begünstigte Lage wurde wohl schon rund 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung erstmals als Siedlung genutzt. In der Antike entstand hier eine Burg, die Griechen, Phönizier und Römer (nacheinander) bewohnten und natürlich immer wieder veränderten. Auch die Mauren siedelten hier, die heutige Burganlage wurde aber maßgeblich vom Templerorden gebaut. Von 1297 bis 1307 ließ jener eine spätromanische Burg bauen, die äußerst schlicht gehalten ist, sich wegen ihrer hervorragenden Lage aber bei den Touristen der Stadt hoher Beliebtheit erfreut. Zusätzliche Beleibtheit erfuhr der Ort, weil hier nicht nur der Hollywood Abenteuerfilm „El Cid“ mit Charlton Heston und Sophia Loren, sondern auch Teile der 6.Staffel der Serie „Game of Thrones“ gedreht wurden.


Eben jene Burg hat aber auch eine interessante Geschichte, denn sie diente Papst Benedikt XIII. ab 1411 als Residenz. Allerdings war damit Peñíscola nicht unbedingt der Mittelpunkt der katholischen Welt, denn jene Jahre sind bestimmt vom großen katholischen Schisma. Damit ist eine Spaltung in der lateinischen Kirche gemeint, in welcher es bis 1417 zwei (phasenweise sogar drei) Päpste gab. Benedikt XIII., ein Aragonese, der nach seinem Namen Pedro de Luna, auch Papa Luna genannt wurde, war 1394 zum Nachfolger von Clemens VII. gewählt. Unglücklicherweise war Clemens aber nicht der einzige Papst jener Jahre, weshalb auch Papa Luna nicht als uneingeschränkter Papst galt. Natürlich war die Situation des Schismas alles andere als erfreulich und so gab es einflussreiche Kräfte, insbesondere der deutsche König Sigismund, die für eine Lösung des Konfliktes eintraten, worauf das Konzil von Konstanz einberufen wurde, um die Päpste ab zu berufen und einen einzigen Neuen zu wählen. Papa Luna floh auf die Burg von Peñíscola und sah sich hier, auf der „Arche Noah der wahren Kirche“ als rechtmäßiges Oberhaupt der katholischen Welt. Allerdings waren seine Einflussmöglichkeiten minimal und seine Bedeutung schwand ins Bodenlose, als das Konzil ihn 1417 offiziell absetzte. So starb er 1423 im Glauben noch immer der einzig wahre Papst zu sein. Die von ihm benannten Kardinäle wählten sogar noch einen Nachfolger (wobei auch das nicht frei von Streitereien), Clemens VIII., dieser jedoch fand nie irgendwelche Beachtung in der Kirchenwelt, denn das Schisma war 1417 bereits beendet worden.
Die Weltgeschichte zog danach wieder an andere Orte und die nächsten Jahrhunderte blieb es ruhig in Peñíscola, bis in den 1950er Jahren der Massentourismus begann. Immer mehr Besucher strömten in und an die felsige Altstadt am Mittelmeer. Das Örtchen hat heute rund 7500 Einwohner, zählt man aber in den Sommermonaten die her verweilenden Menschen, so tummeln sich hier bis zu 150.000, die insbesondere in den Hochhäusern hinter den 5km langen Sandstränden Richtung Norden untergebracht sind. Richtung Süden jedoch hört die Bebauung auf, denn hier startet die fast 20km lange Serra d’Irta. Dieses Karstgebirge steht unter Naturschutz und bildet so den längsten unbebauten Küstenabschnitt in der gesamten Communidad Valenciana. So ist Peñíscola in gewisser Weise das letzte große touristische Highlight der valencianischen Küste bevor man nach Katalonien kommt.

Hallig Nordstrandischmoor

Größe: 1,75 km² | Länge: 2,6 km | Breite: 800m | Einwohner: 21 | 4,5km von Lüttmoor entfernt im Wattenmeer der Nordsee gelegen

Eine Hallig ist keine gewöhnliche Insel. Jede Sturmflut überspült die ungeschützten Eilande. Lediglich die Warften, künstlich angelegte Erdhügel auf denen die Einwohner ihre Häuser haben, werden bei diesen Sturmfluten nicht überflutet, wenn alles andere im Wasser verschwindet. Etwas 30mal im Jahr tritt dieses Wetterphänomen auf und Mensch und Tier müssen auf den Warften ausharren, bis das Wasser zurückgeht.

Die Hallig Nordstrandischmoor liegt im Wattenmeer Schleswig-Holsteins, rund 3,5km vom Festland in Lüttmoor entfernt. Sie entstand in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 als eine gewaltige Sturmflut die einstige Insel Strand, in drei Teile zerriss. Aus ihr entstanden zwei Inseln, die neuen Inseln: Pellworm und Nordstrand, sowie die Hallig Nordstrandischmoor. Heute ist die Hallig 175 ha groß und hat 21 Einwohner, die sich auf vier Warften verteilen. Vier Bewohner sind noch Schulkinder, die das Schulgebäude der Hallig besuchen. Die Einwohner sind hauptsächlich Wattbauern, wobei es auch ein Gasthaus und eine Pension auf Nordstrandischmoor gibt. Zu erreichen ist die Hallig mit einer Lorenbahn (wobei sie bei Sturmflut nicht funktional ist) oder in einer rund einstündigen Wanderung durch das Watt (aber natürlich nur bei Ebbe), bei der man die artenreiche und einzigartige Landschaft des Wattenmeeres kennenlernen kann.

Onda

25.983 Einwohner | 190 müNN | 20km W von Castellón de la Plana | Sprache: hauptsächlich Valencianisch

Möchte man vom Mittelmeer kommend einen Ausflug in der wunderschönen Serra d’Espadá machen, kommt man kaum an Onda vorbei. Die erste Begegnung mit der Stadt gestaltet sich dabei als recht traurige Angelegenheit, denn auf den Durchfahrtsstraßen zeigt sich Onda von seiner trostlosen Seite, kleine Gewerbegebiete wechseln sich mit ausdruckslosen Wohnhochhäusern ab und man meint, die Stadt zu verlassen, sei kein schlechter Gedanke. Aber mit etwas Glück bemerkt man die Burg der Stadt, die auf einem Hügel steht und trotz ihres eher flachen Charakters das Terrain überragt. Und ein kleiner Stopp in Onda, der rund 25.000 Seelen zählenden Stadt wird sich tatsächlich lohnen. Denn die historische Altstadt zeigt sich als liebenswerte valencianische Kleinstadt.

Historisch hat Onda, wie soviele Städte der Region eine weitreichende Geschichte, die sich auch in ihrem Stadtbild noch zeigt. Bei Ausgrabungen sind in der Gegend noch Fundstücke aus der iberischen Zeit gefunden wurden. Erste Zeugnisse, die heute noch in der Burg zu sehen sind, stammen aus der Antike. Aber erst unter der maurischen Herrschaft wurde Onda zu einer bedeutenderen Siedlung. Im 11. Jahrhundert wurde die Medina befestigt und im 12. und 13. Jahrhundert folgte der Bau der Burg, was Onda zu einem wichtigen Ort im nördlichen Teil des Taifas Valencia machte. 1242 wurde Onda vom christlich aragonesischen König Jaume I. erobert und zum Königreich Valencia angegliedert und 1248 wurde ihr die „Carta de Puebla“ verliehen, das Stadtrecht. Die Ritterorden übernahmen die Aufsicht der Burg und bauten diese aus, weshalb diese später auch – etwas euphemistisch – die Burg der 300 Türme genannt wurde.

Ebro

Länge: 910km | Lage: NO Spanien | Quelle: Pico Tres Mares (1880m) | Mündung: Ebro-Delta ins Mittelmeer

Der Ebro ist der zweitlängste Fluss der iberischen Halbinsel (nach dem Tajo). Er entspringt in Kantabrien auf einer Höhe von fast 2000m und fließt dann in südöstlicher Richtung zum Mittelmeer, wobei er die spanischen Communidades des Nordostens durchfließt. In seinem Verlauf bildet er ein mächtiges Tal und trennt die Ausläufer der Pyrenäen vom Iberischen Gebirge (span. „Sistema Iberico“), weshalb seine ungefähre Lage auch gut vom Flugzeug ausgemacht werden kann. Der Ebro nimmt dabei viel Wasser seiner zahlreichen Nebenflüsse auf, wie beispielsweise des Aragón, eines nicht sehr großen, aber für eine ganze Region namensgebenden Flusses.  In Saragossa prägt er das Bild der Stadt, zusammen mit der Kathedrale del Pilar und den Brücken der Altstadt. In Katalonien durchfließt er nochmals ein Gebirge, die Serra del Montsant bevor er ab Amposta in ein Mündungsdelta einfließt.
Dieses Ebrodelta ist das zweitgrößte Mündungsdelta des Mittelmeers (nach dem Nil) und hat eine Fläche von rund 320km². Dabei ist das Delta vor etwa 4.000 Jahren entstanden, als kleine Bewässerungskanäle angelegt wurden und sich Sedimente des Ebro ablagerten. Dadurch entstand ein flaches Sumpf- und Marschland mit zahlreichen Dünen. Heute ist es eines der größten Reisanbaugebiete Spaniens, ca. ¾ der Fläche werden mit dieser Getreideart bepflanzt. Nach der Reisernte wird das Gebiet zu einem beliebten Quartier für Zugvögel im Herbst.

Der Ebro hat aber auch geschichtliche Bedeutung. In der Antike wurde im „Ebro-Vertrag“ der Fluss als Grenze zwischen den römischen und dem karthagischen Einflussbereich festgelegt. Der Vertrag soll 226/225 v.u.Z. ausgehandelt wurden sein. Allerdings ist sich die heutige Forschung nicht wirklich sicher, ob mit dem damals „Iber“ genannten Fluss auch wirklich der Ebro gemeint ist, was allerdings am wahrscheinlichsten ist (jedoch wurden auch die südlicher gelegenen Flüsse Jucar und Segura ebenfalls so genannt). Noch heute ist der Vertrag und seine Deutung wichtig, wenn man über den 2.Punischen Krieg zwischen Karthago und Rom spricht, bei welchem dann Hannibal an der iberischen Ostküste mit seinen Truppen Richtung Alpen und Rom zog.
Über 2000 Jahre später war der Fluss wiederum Schauplatz einer militärischen Auseinandersetzung. 1938 fand hier die Schlacht am Ebro statt, bei welcher die republikanische Armee Spaniens versuchte, die franquistischen Truppen am Ebro zu zerstören. Es war die letzte Offensive der Truppen der zweiten spanischen Republik, die durch die Niederlage in jener Schlacht militärisch nicht mehr überlebensfähig war und Francos Katalonien-Offensive nicht mehr abwehren konnten. Das Ende der Spanischen Republik war damit besiegelt.

Isla de Tabarca

Größe: 0,3km² | Länge: 1,8km, Breite: 380m | Einwohner: 59 | gehört administrativ zur Stadt Alicante und liegt im Mittelmeer | 4,3km vom Kap Santa Pola entfernt

Die „Isla Plana o Nueva Tabarca“ wie die Insel offiziell heißt, ist die einzige ständig bewohnte Insel der Communitat Valenciana an Spaniens Ostküste. 2013 wohnten noch 59 Menschen auf dem Eiland, 10 Jahre zuvor waren es noch über 100 Bewohner. Angefangen hat die Besiedlung 1760 als König Carlos III. das kleine Stück Land im Meer befestigen ließ. Er wollte damit die berbischen Piraten vertreiben, die den felsigen Klecks im Meer, dass so nah am spanischen Festland lag, immer wieder als Stützpunkt für ihre Aktivitäten nutzten und ihr Unwesen in den Gewässern trieben. Es wurden 600 genuesische Fischer hier angesiedelt, die im tunesischen Hafen Tabarka gefangen gehalten und vom spanischen Staat freigekauft wurden. So kam die Insel zu ihrem Namen, wobei sie 1768, als die ersten Fischer ankamen noch Isla Plana, also flache Insel genannt wurde, weil ihre höchste Erhebung ein nicht nennenswerter Hügel vom 15m ist. Noch heute sind die italienischen Spuren auf der Insel zu finden, so auf Tafeln oder Straßennamen. Auf der Westseite der Insel wurde eine kleine Planstadt angelegt, die auch entsprechend befestigt wurde. Die Fischerei spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle, wichtig ist der Tourismus, denn besonders im Sommer werden durch Glasbodenschiffe oder Speedboote Besucher auf die Insel gebracht, die neben dem Hauptstrand auch den hervorragenden „Caldero Tabarcino“ verspeisen können, eine sehr wohlschmeckende Fischpfanne die zusammen mit Paella-Reis serviert wird.

Wer einen Tagesausflug auf die Insel starten möchte (für längere Aufenthalte sei gesagt, das man in unter einer Stunde die Insel umrunden kann) dem sei eine Bootsfahrt von Santa Pola aus empfohlen, obwohl am dortigen Fähranlegesteg sich die Mitarbeiter der Bootsbetriebe einen recht aggressiven Kampf um Passagiere liefern (beim Kauf am Kassenhäuschen wird man vom Nachbarstand angeschrien, ob man bitte schön nicht nochmal überlegen sollte, lieber dort zu kaufen).  Wenn man die Option Speedboot für 10€ für Hin- und Rückfahrt wählt, ist man in nur rund 15min auf der Insel.

Guardamar del Segura

15.589 Einwohner | 35km² | 35km S von Alicante | an Mündung des Segura ins Mittelmeer gelegen

In der langen Linie von Küstenorten die sich an Spaniens Mittelmeerküste entlang ziehen, ist Guardamar del Segura tatsächlich etwas Besonderes. Das liegt weniger daran, dass das Städtchen der südlichste Punkt Spaniens ist, wo noch Katalanisch bzw. seine Sprachform Valencianisch gesprochen wird, sondern an seiner – insbesondere für spanische Urlaubsorte – Eingebundenheit in die Natur. Höhere Häuser finden sich hier nicht am Strand (allerdings schon in einigen Urbanisationen im Umland), vielmehr ist Guardamar eingebettet in zahlreiche Grünanlagen in den Dünen. Wie fast überall an der Küste steigt die Einwohnerzahl der regulären 15.000 Bewohner im Juli und August auf rund 45.000.

Diese können dann einen etwas anderen Urlaubsort genießen. Zwar gibt es auch in Guardamar eine Strandpromenade, aber diese ist nicht wirklich durchgehend und unterhalb der Innenstadt befindet sich nur eine einzige Häuserreihe am Meer. Dahinter stehen aber nicht die üblichen quadratischen Reihen von Wohn- und Hotelhochhäusern, sondern es erstreckt sich eine Parklandschaft in den Dünen. Interessanterweise ist diese Naturbelassenheit, aber erst rund 100 Jahre alt. Damals stand das Örtchen vor einem großen Problem. Die Anlagerungen des Meeres und der Schwemmsand des gleich in Stadtnähe mündenden Segura-Flusses, sowie die Erosion des Bodens, der jahrhundertelang seiner Bäume beraubt wurde und nicht zu vergessen, der teilweise stark auftretende Ostwind, ließen die Dünen immer größer vor den Häusern auftürmen und es bestand die Gefahr, dass das Guardamar irgendwann einmal im Sand begraben würde. Also wurde der Plan gefasst, einen Park zu errichten. Francisco Mira y Botella, ein Landschaftsarchitekt aus der Region Alicante, begann um 1900 mit den ersten Baumpflanzungen, um die Bodenerosion zu stoppen und den Ort zu schützen. Pinien, Palmen und Zypressen wurden aufgeforstet und mit den Jahren entstanden die beiden Parks Alfonso XIII. und Reina Sofia, welche die 800 Hektar große Dünenlandschaft Pinada de Guardemar ausmachen. Heute kann man die beiden Parks wunderbar für Spaziergänge nutzen, um zu radeln oder zu joggen. Auch wird dieser Küstenschutz gegenwärtig weiter betrieben, so zu sehen an den direkt am Strand gebauten älteren Häusern, welche langsam vom Meer aufgefressen werden, wobei sich die Stadt hier an das spanische Küstenschutzgesetz hält und die Eigentümer sogar enteignet werden können.

Auch wenn der augenscheinlichste Teil Guardamars die begrünte Dünenlandschaft ist, muss wie in so vielen Orten am Mittelmeer auch darauf hingewiesen werden, dass das Gebiet der heutigen Stadt schon seit Jahrtausenden besiedelt wurde. Schon die Phönizier siedelten hier und Reste ihrer Kolonie „Alonis“ aus dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden bei archäologischen Grabungen gefunden. Nicht zu vergessen ist der bedeutendste Fund, welcher 1987 gemacht wurde, die „Dama de Guardamar“, eine Frauenbüste der Iberer, die rund 2300 Jahre alt ist und der noch bekannteren „Dama de Elche“ ähnelt. Heute ist sie im Archäologischen Museum in Alicante zu sehen.
Die Araber nannten die Gegend um die Mündung des Segura später: „Guald-al-ramal“ (=“Sandfluss“), was ein Ursprung des heutigen Ortsnamen wäre. Arabische Grenzbefestigung in Küstennähe wurde bei Ausgrabungen nachgewiesen, an denen nicht nur Soldaten, sondern wohl auch Gelehrte lebten. Um 1245 eroberte Alfonso X. das Gebiet der heutigen Stadt von den Mauren, für die Krone Kastiliens. Nach einem Aufstand ließ er 1265 die islamische Bevölkerung vertreiben und 1277 die rein christliche Siedlung Guardamar del Segura auf dem heutigen Schlossberg errichten. Dabei wurden Menschen aus den Regionen Valencia und Barcelona angesiedelt, was erklärt, dass Guadamar heute der südlichste Zipfel ist, in dem noch katalanisch gesprochen wird. Am 21.März 1829 führte ein schweres Erdbeben zu großen Zerstörungen und zahlreichen Todesfällen. Der mittelalterliche Ort auf dem Schlosshügel und die Burganlage wurden nahezu komplett zerstört. Beim Aufbau der neuen Stadt wurde darauf geachtet, niedrige Häuser mit großen Innenhöfen zu erbauen, die eine möglichst hohe Erdbebensicherheit ermöglichen. Weiterhin wurde die Stadt neoklassisch angelegt, mit einem strikten Grundriss nach Nord-Süd Richtung und drei exponierten Plätzen. Neben dem schon erwähnten Pinadar de Guadamar kam 1962 ein weiteres weithin sichtbares, aber kaum bemerktes Detail etwas außerhalb des Ortes hinzu, der Toretta de Guardamar, ein 370m hoher, abgespannter Stahlfachwerksendemast des US-Militärs. Seine Antenne dient der Übermittlung von Meldungen an abgetauchte US U-Boote und wird mittlerweile auch von der spanischen Marine betrieben. Er ist damit nicht nur die höchste gebaute Struktur auf der iberischen Halbinsel, sondern sogar in der Europäischen Union.