urban facts Tarragona

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2014 135.492 (Metroregion: 456.000)
Einwohnerentwicklung 2012-2014: +1,1%
Fläche 55,2km²
Bevölkerungsdichte 2419 Einw. / km²
Geographische Höhe 0 – 68m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 504 / 51 / 2509
KfZ-Kennzeichen T (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Josep Fèlix Ballesteros Casanova (PSC – Sozialdemokraten) seit 2007
Verwaltungstechnische Bedeutung Provinzhauptstadt
Transit Flughafen: Aeroport de Reus  (REU; errichtet 1935; 1,3 Mio; PAX 2011; angesteuert zumeist von Billigairlines; 1 Landebahn, 1 Terminal; 7km NW von Tarragona)
ÖPNV 18 Buslinien und 4 Nachtbuslinien
Entfernung nach… Barcelona 100km (Auto: 1h; Bahn: 1h)

Valencia 255km (Auto:2h20min; Bahn: 2h15min)
nächster Ort über 500.000: Barcelona (100km)
nächster Ort über 1000.000: Barcelona (100km)

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universitat Rovira i Virgili URV (gegründet:1991; 11.500 Studenten
Anzahl Museen 9 ohne Weltkulturerbe Plätze (bei wikipedia – SPA gelistet)
Größten jährlichen Feste Festes de Santa Tecla (23.9.); ebenso Karneval von Tarragona, der gefeiertste Karneval Kataloniens
Sportvereine der Stadt Fußball: Gimnastic (gegründet 1886 als ältester Sportclub Spaniens; Fußballabteilung aber erst: 1914; in Spielzeit 15/16 in Segunda Division – 2.Liga; 4 Spielzeiten in 1.Liga; @Nou Estadi (15.000)
Biersorte des Ortes: Rosita
Erste Erwähnung 5. Jahrhundert v.u.Z.
Gegründet von: Iberieren
Großstadt seit 1977
Meisten Einwohner im Jahr 2012: heute

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Amphitheater
Architektonisches Highlight Kathedrale
Höchstes Gebäude Roma 23 (54m; eröffnet 2001)
Tags: Antike Wurzeln, Hafenstadt, Industriestadt, Universitätsstadt, Badestrand
Anzahl Starbucks 0
Arbeitslosenquote 11,85% (5.15)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1497 1515 1553 1717 1787 1857 1877 1887 1900 1910
637 765 960 4.915 9.909 19.760 24.709 29.043 25.207 15.009

 

1920 1930 1940 1950 1960 1970 1981 2000 2006 2012
29.632 32.379 37.130 40.084 45.273 78.238 111.639 114.097 131.153 133.954

 

Geschichte Tarragonas

Die Geschichte Tarragonas ist außergewöhnlich und reicht weit in die Vergangenheit zurück. Iberische Stämme siedelten wohl schon 500 v.u.Z. auf dem Gebiet des heutigen Tarragonas, auch wenn sie bevorzugt im etwas weiter südlich gelegenen Ebrodelta beheimatet waren. Sie trieben Handel mit Griechen und Phöniziern. Erstmals historisch bedeutend wurde der Ort, während der punischen Kriege zwischen Karthago und Rom. Nach römischer Geschichtsschreibung waren die Einwohner eher den Römern zugetan und unterstützten sie. Die Römer nannten den Ort Tarraco und machten ihn zu einem Teil ihres damals noch schmalen Besitzes auf der iberischen Halbinsel. Als 197 v.u.Z. zwei römische Provinzen auf der iberischen Halbinsel geschaffen wurden (hispania citerior und hispania ulterior)  saß der Statthalter der neuen Provinz hispania citerior (also des „diesseitigen oder näheren Spaniens“) in Tarraco. Zusammen mit Carthago Nova (Cartagena), Saguntum (Sagunto) und Ilrida (Lleida) wurde es zu einem der bedeutendsten Orte des östlichen Iberiens. So kam beispielsweise Kaiser Augustus im Jahr 27 v.u.Z. in die Stadt, um von hier die Feldzüge in Kantabrien zu überwachen. Die Handelsstraße Via Augusta, welche weiter Richtung Süden (also in Richtung Saguntum) führt, wurde unter seiner Zustimmung ausgebaut und nach ihm benannt. Die Neuordnung der spanischen Provinzen führte dazu, dass aus der Provinz Hispania citerior, Hispania Tarraconensis wurde, was auch mit der enormen Bedeutung des Ortes für die gesamte Region zu tun hat. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit um die Zeitenwende und war die reichste Hafenstadt an der westlichen Mittelmeerküste. Einen weiteren Bauboom erlebte Tarraco im 2.Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Durch eine Reform des Reiches ausgelöst, begannen städtische Eliten ihren Reichtum in repräsentativen Bauten zeigen zu wollen. Sowohl das Amphitheater als auch das Provinzialforum fallen in diese Zeit. Danach setzt aber ein schleichender Niedergang ein. Interessant ist das Jahr 259, als während der valerianischen Christenverfolgung Bischof Fructuosis und zwei seiner Diakone im Amphitheater hingerichtet wurden, gleichzeitig ist dies ein Beleg für die erste christliche Gemeinde im Ort, wobei erst ab dem 5.Jahrhundert Überlieferungen von christlichen Gebäuden in Tarraco sprechen. Der Einfall der Franken im Jahr 260 änderte die Stadtstruktur. Nicht nur wurden einige Gebäude zerstört, auch tieferliegende Siedlungen am Meer wurden mehr und mehr aufgegeben.

Endgültig von den Westgoten besetzt wurde die Stadt 476, unter deren König Eurich und damit endet der spektakulärste Teil der tarragonesischen Geschichte. Die Westgoten übernahmen die städtischen Strukturen und stellten fortan eine dünne Oberschicht. Die politische Bedeutung schmälerte sich aber, als zur neuen westgotischen Hauptstadt Toledo ernannt wurde. Allerdings blieb die Stadt ein kirchliches Zentrum. Jedoch nur bis 716, als schließlich die Mauren unter al-Hurr die Stadt eroberten. Tarragonas Bedeutung in den folgenden Jahrhunderten wurde immer geringer und es soll Zeiten gegeben haben, wo der Ort mehr oder weniger nicht mehr besiedelt war. 1136 eroberte Raimund Beranger III. die Stadt und vergrößerte damit sein katalanisches Territorium. Die Stadt wurde zum Hauptsitz der katalanischen Kirche erhoben, was nicht nur mit der ehemals wichtigen kirchlichen Stellung zu tun hatte, sondern insbesondere damit, dass die Katalanen nicht mehr abhängig vom Erzbischofftum Narbonne sein wollten. 1171 wurde mit dem Bau einer neuen Kathedrale begonnen, die jedoch erst 1331 fertiggestellt wurde.
Viele Jahrhunderte später, 1811, stand die Stadt wieder im Fokus. Die französischen Revolutionsarmee erstürmte die Stadt am 8.Juni. Die Bewohner Tarragonas als auch die spanischen Truppen leisteten jedoch erbitterten Wiederstand, was wiederum die Franzosen veranlasste, ein Massaker zu verüben, dass insbesondere auch die Zivilbevölkerung sehr schwer traf. Von den 4000 Toten an jenen Tagen, waren 2000 Zivilisten.

Heute ist Tarragona ein sehr anziehender Touristenort, der viel von seiner antiken Geschichte erzählen kann. So ist sind auch die antiken Reste der Stadt Tarraco seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe. Aber die Stadt ist ebenso ein wirtschaftliches Zentrum im Süden Kataloniens, zusammen mit der etwas kleineren Nachbarstadt Reus (105.000 Einwohner), die den Flughafen der Region beherbergt. Der Hafen Tarragonas ist ein wichtiger Handelsort und hat ebenso mit dem Wohlstand der Region zu tun, wie die hauptsächlich petrochemischen Industrien im Südwesten der Stadt.

Tarragona

Geschichte Tarragonas | urban facts Tarragona

Städte am Mittelmeer tendieren dazu eine außergewöhnlich reiche Historie zu besitzen und wenn man Glück hat, kann man diese noch heute in Augenschein nehmen, so wie in Tarragona. Die katalanische Stadt liegt rund 100km südwestlich der Hauptstadt Barcelona, direkt am Mittelmeer. Sie ist heute vor allem ein bei (Bade-) Touristen beliebtes Ziel und hat einen wichtigen Hafen. Die katalanischen Traditionen werden hier mit den Castells, den menschlichen Türmen (hier ein Link), im wahren Wortsinne, hochgehalten. Und als Provinzhauptstadt ist man 2.größte Stadt Kataloniens (in ständiger Auseinandersetzung mit Lleida), wenn man einige Vororte von Barcelona nicht mit einberechnet.
Beeindruckend wird Tarragona durch seine lebendig gehaltenen römischen Ruinen, die an vielen Stellen der Stadt sichtbar sind und besucht werden können. Seit 2000 stehen sie unter UNESCO-Welterbeschutz und laut Vergabekommission sind nur in Rom selbst, mehr römische Überreste zu sehen. Anders, als beispielsweise in Cartagena, dass eine ebenso reiche Ansammlung von Bauten sogar von mehreren antiken Völkern sein eigenen nennen kann, hat man in Tarragona aber nie das Gefühl in einer etwas runtergekommen Stadt zu sein. Ganz im Gegenteil, Tarragona ist ausgesprochen charmant. Die hüglige Lage am Meer ist sehr reizvoll, die Architektur der Stadt interessant und obwohl die Eisenbahn mitten am Meer entlang führt (ein katalanisches Phänomen, dass sich einige Badeorte teilen) hat Tarragona viele sehr schöne Plätze, Gassen und Winkel zu bieten, die nebenher noch recht geschichtsträchtig sind, denn der geschichtsinteressierte Leser wird es wissen, Tarragona war insbesondere in der Zeit des römischen Reiches ein ausgesprochen wichtiger Ort und gilt als die erste Hauptstadt einer römischen Provinz.

Geschichte Alicantes

Der Küstenstreifen an dem Alicante liegt, ist schon seit ca. 7000 Jahren besiedelt. Jäger und Sammler sind um 5000 v.u.Z. aus Mitteleuropa nach Süden vorgestoßen und ließen sich unter anderem hier nieder. Diese Stämme errichteten am Benacantil Berg, auf dem heute die Burg steht, erste Siedlungen. Um rund 1000 v.u.Z. bereisten griechische und phönizische Händler das westliche Mittelmeer. Auf der Suche nach Handlungsstützpunkten mit den einheimischen Stämmen wurde wohl von den Griechen am Fuße des Berghanges die Ortschaft Leukon Teijos gegründet, übersetzt, die Stadt des Lichts. Die an einer Bucht strategisch günstig gelegene Stadt, wurde später von Karthagern übernommen, die sie von nun an Akra Leute nannten und eine Fortifikation auf dem Benacantil erbauten. Doch erst die anschließende römische Eroberung brachte dem Ort einen weiteren Schub und größere regionale Bedeutung, verbunden mit ihm einen weiteren, neuen Namen, Lucentum. Neben Steinmetzen lebten Fischer hier, die gepökelten Fisch für den Verkauf nach Rom vorbereiteten. Rund 700 Jahre herrschten die Römer über die Stadt bevor sich nach dem Niedergang des römischen Reiches die Westgoten die spanische Halbinsel sicherten. Doch nur kurze Zeit später überrannten die Mauren ganz Iberien und besetzten 711 die Stadt. Sie nannten sie von nun an Al Lucant und sollten bis 1296 hier herrschen. Allerdings war der Ort eher unbedeutend in maurischen Herrschaftsgebiet.
Im Zuge der Reconquista eroberte Jaume II. die Stadt für die Krone Aragons (zwischenzeitlich wurde es schon 1240 von Alfonso X. aus Kastilien in Besitz genommen) und ließ es dem Königreich Valencia zufallen. Als eine „Vila Reial“ konnte sich die Stadt im Parlament der Cortes Valencianes repräsentieren. Eine weitere einschneidende Entwicklung war die im 17. Jahrhundert vorgenommene Vertreibung der bis dato weiter hier lebenden Mauren, die nach der Reconquista noch geduldet wurden und deren wirtschaftlicher Einfluss in der Region erheblich war. Insbesondere die blühende Landwirtschaft kam fast völlig zum erliegen. Der spanische Erbfolgekrieg, der 1701 bis 15 tobte, brachte zwar keine erhebliche Zerstörung, jedoch sank die Bedeutung der Stadt weiter, da nun auch das Königreich Valencia nicht mehr existierte. Das Schuhhandwerk und die Fischerei sorgten für das Einkommen der Bürger. Erst mit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg die wirtschaftliche Bedeutung Alicantes wieder an, als der Hafen der Stadt zu einem bedeutenden Umschlagplatz wurde und die Bevölkerung anwuchs. Wie viele Städte der Levante war Alicante im spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 bis 39 lange in republikanischer Hand, die republikanische Regierung soll im städtischen Hafen 1939 an Bord gegangen sein um vor den einrückenden Truppen Francos endgültig aus Spanien zu fliehen.
Mit den 1960er Jahren begann man in der gesamten Region den Tourismus zu fördern und natürlich wurden auch die Strände von Alicante zu Anziehungspunkten für Touristen aus Europa. Neue Gebäude schossen in die Höhe (wobei bei weitem nicht in den Dimensionen die man in Benidorm finden kann) und die Stadt erhielt einen neuen Flughafen, der seit 1967 Touristen in die Stadt und das Umland bringt. Heute reisen rund 10 Millionen Personen über den Flughafen. Die meisten kommen dabei aus Großbritannien (5 der 10 verkehrsreichsten Routen Alicantes führen nach Großbritannien, nur 2 zu anderen spanischen Destinationen). Mit den Touristen erlebte Alicante auch einen weiteren Bevölkerungsboom und wurde zu einer der am schnellsten wachsenden Stadt Spaniens (1950 erreichte man die Großstadtmarke von 100.000 Einwohner, in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends übersprang man schon die 300.000 Einwohner). Der Schwung der Bevölkerungszunahme ist in den letzten Jahren abgeklungen. Heute hat Alicante 332.000 Einwohner, wobei einige hier dauerhaft lebende Nordeuropäer sich nicht offiziell gemeldet haben und die Zahl wohl etwas höher ist als offiziell dargestellt. Ob länger bleibende Urlauber oder Tagestouristen, Alicante ist auch heute noch sehr populär. Ereignisse wie das hier startende Volvo Ocean Race oder die Johannisfeuer im Juni ziehen viele Neugierige in die Stadt.

urban facts Alicante

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) im Jahr 2013 332.000 (462.000) (Metroregion: 771.000)
Einwohnerentwicklung 2010-2014: -0,7%
Fläche 201km²
Bevölkerungsdichte 1700 Einw. / km²
Geographische Höhe 0 – 170m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 311 / 38 / 2851
KfZ-Kennzeichen A (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Gabriel Echávarri (PSOE – Sozialdemokraten)
Verwaltungstechnische Bedeutung Provinzhauptstadt
Transit Flughafen: Aeropuerto de Alicante – Elche(ALC; errichtet 1967; 10,06 Mio; PAX 2014; 6.größter Flughafen Spaniens; 1 Landebahn, 1 Terminal; 9km SW der Stadt)
Bahnhof: Alicante terminal; errichtet: 1858; AVE Schnellzugverbindung nach Madrid in 2h12min
Fähren nach: Algerien (Algier) und auf Balearen
ÖPNV Straßenbahn: errichtet 1999; 5 Tramlinien (L1-L5), 4Linien städtisch, eine als Zug bis nach Benidorm führend, von dort Verbindung als L9 bis Denia
Entfernung nach… Valencia 165km (Auto:1h50min; Bahn: 1h30min)
Murcia 80km (Auto: 55min; Bahn: 1h10min)
Madrid 420km (Auto: 3h50min; Bahn: 2h12min)
Barcelona 525km (Auto: 5h; Bahn: 5h)
nächster Ort über 500.000: Valencia (165km)
nächster Ort über 1000.000: Madrid (420km)

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universidad de Alicante (gegründet:1979; 27.000 Studenten
Anzahl Museen 15 (bei wikipedia – SPA gelistet)
Größten jährlichen Feste Hogueras de San Juan (20-24.6.); Johannisfeuer, bei denen, ähnlich wie in Valencia haushohe Figuren verbrannt werden
Sportvereine der Stadt Fußball: Hercules CF (gegründet 1922; in Spielzeit 15/16 in Segunda B – 3.Liga; 20 Spielzeiten in 1.Liga; Ø-Zuschauer: 7.300 (13/14) @José Rico Pérez (30.000)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Diario Informacion (gegründet: 1941; 18.000 Stück täglich)
Erste Erwähnung 324 v.u.Z.
Gegründet von: Griechen
Großstadt seit 1950
Meisten Einwohner im Jahr 2012: 334.000

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Burg Santa Bárbara
Architektonisches Highlight Rathaus
Höchstes Gebäude Estudiotel Alicante 117m (errichtet: 1962)
Tags: Hafenstadt, Badestrand, antike Wurzeln, Universitätsstadt
Anzahl Starbucks 2: eins davon auf Flughafen
Arbeitslosenquote 18,27% (5.15)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1250 1350 1418 1609 1646 1717 1735 1754 1768 1786
2.500 3.250 1.539 5.040 6.174 11.019 12.604 14.394 17.213 17.345

 

1797 1803 1857 1860 1877 1887 1897 1900 1910 1920
19.313 21.447 27.550 31.162 34.926 40.115 49.463 50.495 55.116 63.382

 

1930 1940 1950 1960 1970 1981 1991 2001 2006 2014
71.271 89.198 101.791 121.838 181.550 245.963 265.473 288.481 322.431 332.067

Alicante

Geschichte Alicantes | urban facts Alicante

Alicante (oder Alacant, wie es auf Valencianisch heißt, wo man aber in der Mehrzahl der Bevölkerung Spanisch spricht) gehört sicherlich nicht in die erste Reihe der wichtigsten Städte des westlichen Mittelmeeres, das sind wohl eher Barcelona und ferner Marseille und Valencia. Jedoch ist Alicante  ein durchaus beachtenswerter Ort, der in Reiseführern als eine sehr sehenswerte Stadt angepriesen wird, mit einer für die Gegend typischen, langen Geschichte. Alicante ist aber auch, durch seinen Flughafen, ein Verteiler für die Urlaubsorte, die sich wie eine Kette nördlich und südlich der Stadt an der Küste der Costa Blanca entlang ziehen und Ziel zahlreicher Tagestouristen aus diesen Orten ist. Alicante ist eine Stadt mit rund 330.000 Einwohnern, die nicht nur die zweitgrößte der Communidad Valenciana und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist, sondern auch die 11.größte Spaniens. Nimmt man das nur rund 25km entfernte (und durchaus hübschere) Elche dazu, bildet sich eine Metropolregion von rund 770.000 Einwohnern mit mehr Einwohnern als beispielsweise die Regionen von Saragossa oder Murcia haben.

Möchte man die Stadt charakterisieren, so kann man sagen, dass Alicante kein reiner touristischer Badeort ist, wie beispielsweise das rund 40km entfernte Benidorm, oder eine überall hervorstechende historische Vergangenheit hat, wie das rund 125km entfernte Cartagena, aber es ist auch keine dreckige Industrie- oder große Verwaltungsstadt. Alicante scheint von allem etwas zu haben, ohne dabei ein alles überstrahlendes Highlight zu setzen. Vergleicht man die Stadt mit den Urlaubsorten in seiner Nachbarschaft so fallen dennoch einige Sachen auf. Natürlich finden sich auch in Alicante zahlreiche Touristen, zumeist Mittel- und Nordeuropäer. Neben ihnen sieht man aber auch eine nicht unerheblich große Gruppe an Immigranten aus Südamerika oder den arabischen Ländern, die man in den Touristenburgen nicht oder weniger stark sieht und die unter anderem zeigen, dass in der Hafenstadt Alicante eine Fährverbindung nach Algier existiert. Den jugendlichen Charme der Stadt machen 27.000 Studenten aus, die zeigen das Alicante eben nicht eine weitere große Touristenstadt der Costa Brava ist, sondern eine interessante Großstadt am Meer, dass ebenso auf ein großes in ganz Spanien bekanntes Fest verweisen kann, die Johannisfeuer, oder besser: Hogueras de San Juan, welche eine ähnliche Berühmtheit erlangen wie Fallas in Valencia und auch einen ähnlichen Charakter haben. Ein Blick nach Alicante ist also durchaus lohnenswert.

Die europäische Stadt im Mittelalter

Das ausgehende Mittelalter (insbesondere das 13. Jahrhundert) ist die Zeit, in der es zu einer wahren Stadtgründungswelle in Europa kommt. Wir wollen an dieser Stelle an die Überlegungen des Mediävisten Jaques LeGoff anknüpfen, dessen hervorragendes Buch „Die Geburt Europas im Mittelalter“ wärmstens empfohlen wird (die Argumentation wird hier größtenteils aufgenommen).

Das 13.Jahrhundert ist eine vergleichsweise friedliche und ökonomisch prosperierende Zeit in Europa, wobei mit diesem Begriff der Teil des Kontinentes verstanden wird, auf dessen Territorien sich damals, der Katholizismus als wesentliche Religion durchgesetzt hatte.
Die Stadt des Mittelalters bewahrt sich zwar in großen Teilen den Standort der antiken Stadt, jedoch hat sich ihr Erscheinungsbild geändert. Die militärische Funktion ist kleiner geworden, so wie die ökonomische Funktion angewachsen ist.

Was ist in jener Stadt zu finden?
Der Markt stellt den Mittelpunkt der Mittelalterlichen Stadt dar. Neu ist, dass die vielen Läden der Handwerker Einzug gehalten haben und damit die Stadt zu einem Orten der Produktion machten, die bisher fast ausschließlich auf dem Land von statten ging. Zu einer Stadt gehört natürlich auch die obligatorische Stadtmauer, welche die Stadt aber nicht definiert. Denn was die Stadt ausmacht sind seine Bewohner, die Bürger. Diese sorgten sich um die Reinlichkeit in der Stadt und bauten neue Gebäude, die zunehmend ästhetischen Maßgaben nach eiferten oder gar neu definierten. So entstand in der Stadt eine neue Vorstellung von Schönheit. Die Stadtmauern hielten quasi eine Gemütsverfassung der Bewohner fest, die sich in materiellen Gegebenheiten und geistigen Vorstellungen manifestierte. Die Stadtmauer war nicht nur ein Schutzwall, sondern sie war auch das Symbol für die Stadt. Gern wurden in den aufkommenden Stadtsiegeln die Mauer der Stadt aufgenommen. Wichtig waren dabei natürlich auch die Stadttore, die zwischen Innen und Außen vermittelten. Die Dialektik zwischen privilegiertem Innenraum und dem Äußeren spielte im Mittelalter eine große Rolle.
Städte wurden zu Orten der Bewunderung. Berge und Küsten, die heute Besucher anziehen, hatten keinen Reiz für die Bewohner des Mittelalters. Städte allerdings schon. Hier wohnten vergleichsweise viele Bewohner auf engen Raum, wirtschaftliche Aktivitäten im größeren Ausmaß wurden hier getätigt, neue und teilweise imposante Bauwerke schmückten die Straßen und unterschiedliche Gewerbe waren zu finden. Schließlich hatte auch jede Stadt, die etwas auf sich hielt einen legendären Mythos, der die Genese in der Vergangenheit erklärte. So wurden die Städte, neben den Klöstern zu den ersten Orten, einer wenngleich noch sehr rudimentären, Geschichtsschreibung.

Im Mittelalter kann man grob verschiedene Stadttypen unterscheiden:
Die Bischofsstadt:  Die Anwesenheit eines Bischofs war ein wichtiges urbanes Zeichen. Als Verantwortlicher für die Riten sammelten sich unter ihm die Gläubigen in den Kirchen. Dabei wurden erstmals auch die Toten in das Stadtleben einbezogen und Friedhöfe innerhalb der Siedlungen angelegt, was eine revolutionäre Neuerung war, denn noch in der Antike galt dem toten Leichnam Abscheu.
Großstädte: Das 13. Jahrhundert sah ein nicht zu unterschätzendes Bevölkerungswachstum, wobei die großen Städte Europas nicht die Dimensionen des Orient erreichten. Bedeutende Städte hatten bereits 10- oder gar 20.000 Einwohner. Barcelona und Palermo waren mit 50.000 Einwohner außergewöhnlich, London, Gent, Genua und Cordoba (allerdings auf islamischen Boden gelegen) hatten schon 60.000, Bologna und Mailand über 70.000 Einwohner. Florenz und Venedig überschritten wohl schon die heutige Grenzmarke zur Großstadt mit über 100.000 Einwohnern und Paris mit seinen mindestens 200.000 Einwohnern im Jahr 1300 sprengte alle Dimensionen in Europa.
Hauptstädte: Hauptstädte waren Orte die von einer übergeordneten politischen Gewalt zum Sitz erhoben wurde. Dies war im Mittelalter eine große Besonderheit und hat nicht viel mit einer heutigen Hauptstadt zu tun. Die Wichtigkeit politischer Behörden war sehr gering und den Status Hauptstadt einer administrativen Einheit zu sein, war wenig bis gar nicht ausgeprägt, zumal die Höfe nicht unbedingt an einem einzigen Ort beheimatet sein mussten und eher durch die Lande reisten.
Stadtstaaten: Stadtstaaten demgegenüber waren Städte, die sich zu eigenständigen Staaten entwickelten. Ein Phänomen, dass man insbesondere in Italien beobachten konnte. Die italienischen Städte durchliefen vom 10. bis zum 14. Jahrhundert eine Entwicklung, die sich in drei Phasen aufteilen lässt. Nach der Errichtung einer aristokratischen Kommune, bei dem man Grafen oder Bischöfen die Macht genommen hatte folgte die Aufspaltung des an der Macht kommenden Adels. So griff man in der zweiten Phase zumeist auf einen auswärtigen Amtsträger zurück, dem einige Befugnisse übertragen wurden. In einer dritten Phase setzte sich die Stadtregierung schließlich aus Zünften und Kooperationen der handwerklichen und kaufmännischen Elite der Bevölkerung zusammen. Dabei kam es immer wieder zu zahlreichen Auseinandersetzungen der Familienclans, welche die Regierungsgewalt übernahmen. Die italienischen Städte sind jedoch eher Ausnahme als Regel. Im Rest Europas lebte die Aristokratie zumeist auf Burgen auf dem Lande, wobei sie sich durchaus Zweitwohnsitze in den Städten leisteten.

Soziale Gruppen in der Stadt
Die Stadt steht nicht komplementär zum Feudalsystem des Landes, sondern sie profitierte von ihm. Sie nutze die Produkte des Landes, ebenso zog sie Bauern als neue Bewohner an und die handwerklichen und ökonomischen Entwicklungen der Stadt, ist ohne den landwirtschaftlichen Überschuss an Lebensmitteln nicht zu denken. Dabei ist der Regierungstyp unterschiedlich zum Feudalsystem des Landes. Die Städte kämpften zumeist um Freiheitsrechte, die sie teilweise auch bekamen. Damit wurden sie zu Kommunen, die ein Maß an Selbstverwaltung entstehen ließ. Diese Administration wiederum führte zum Einsatz von Juristen, die als erste Rechtsgelehrte alltägliche Probleme zu lösen hatten. Erst später, mit der Einbeziehung der Universitäten wurden daraus Experten des Rechtes, die sich um Ausarbeitung von umfangreichen Rechtskatalogen kümmerten. Ein weiterer Aspekt der Stadt ist es, dass sie verstärkt Steuern und Abgaben von ihren Bürgern eintrieben, zumeist um kommunale Projekte zu finanzieren. Die Gleichheit der Stadtbürger wurde dabei aber schnell ausgehebelt und es bildete sich eine Schicht von Eliten, die sich finanziell und politisch von den anderen Stadtbürgern absetzte. Diese neu entstehende Oberschicht, war unabhängig vom Adelsgeschlecht, aber auch sie kannte bürgerliche Genealogien, dass heißt Generationenübergreifende Familienbande, die zu höherem Status führten. Ebenso konnten einige Berufe einen höhere Reputation genießen und die Zahl der als unerlaubt geltenden Berufe ging zurück. Der Gastwirt beispielsweise, der seit der Antike einen sehr schweren Stand hatte wurde rehabilitiert. Nur die Prostitution und der Wucherer blieben verabscheuungswürdig. Die Prostitution jedoch wurde geduldet und der Wucher so umgedeutet, dass lediglich der verstärkt von Juden betriebene Gebrauchsdarlehen sich Vorwürfe gefallen lassen musste.
Auf der anderen Seite der Skala standen die Kaufleute, die zumeist im großen Maßstab mit wertvollen Produkten handelten. Diese Patrizier bildeten zumeist die städtische Führungsschicht. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass der Reichtum der Städte weniger von diesem Personenkreis, als vom Gewerbe entsprungen ist. So sieht man beispielsweise in Flandern, wo das Tuchmachergewerbe florierte, führte es auch zum Wachstum der dortigen Städte. Erst die Textilverarbeitung schuf die Kaufmannsgilde.
So war die soziale Ungleichheit die sich gerade auch in der Stadt zeigte, eine sichtbare Belastung der Zeit. Dennoch war die Stadt ein einheitliches, wenngleich prä-demokratisches Gebilde. Aber gerade im Vergleich zur weit ins Umland hineinreichenden muslimischen Stadt oder mit der chinesischen Stadt, die kein Zentrum und keine Autonomie besaß, entwickelte sich die europäische Stadt intensiver, vielfältiger und auch demokratischer als andere Beispiele dieser Zeit. Ausgehend von Kerngebieten, die entweder ein Markt, oder eine Burg waren entwickelten sich die Städte insbesondere im 13. Jahrhundert mit großer Geschwindigkeit.

Fazit
Die Städte waren anfangs auf kleinem Raumkonzentrierte Gesellschaften in Mitten von weiten, schwach bevölkerten Gebieten. Sie sind Orte der Produktion und des Tausches, wobei sich beide Formen unter dem Einfluss der Geldwirtschaft vermischen. Kulturell trennt sie sich vom ländlichen Gebiet, weil Städte die Praxis kreativer und schöpferischer Arbeit begünstigten. Geschäfte machen und Geld zu erwirtschaften war etwas zutiefst städtisches, ebenso wie ein Aufkommender Sinn für Schönheit und dem Hang zum Luxus. Reiche bilden in der Stadt keine Hierarchie mehr untereinander aus, sondern sitzen Seite an Seite und regieren eine einheitliche und solidarische Masse, wobei dies das Ideal abbildet, das in der Realität immer wieder an seine Grenzen stieß, gerade da sich die Oberschicht in Steuerfragen gern begünstigte. Doch von der Grundidee her waren alle Städter gleich, ganz anders auf dem Lande, wo der Grundherr über den Leibeigenen verfügen konnte. Der Städter war Nutznießer einer Gemeinschaftskultur, die sich überall im städtischen Raum ausbildet, auf den Marktplätzen, in Schulen, Tavernen, beim Theaterspiel (das seit dem 13.Jahrhundert von den Klöstern kommend, auch in der Stadt wieder auflebte) und auch bei der Predigt. „Die mittelalterliche Stadt ist eine Persönlichkeit, die die Vielzahl der Persönlichkeiten prägt, aus denen es besteht. Das urbane Europa hat bis heute so manche ihrer Grundzüge bewahrt.“ (S.154)

Madrid Rio

Der Park Madrid Rio ist ein städteplanerisches Vorzeigeprojekt, wie an die Stelle des platzfordernden Straßenverkehrs urbane Räume geschaffen werden können. Ausgangspunkt ist der Autobahnring M30, der besonders im Westen Madrids, sich sehr nahe an die Innenstadt annähert, da er dort am Flussufer des Manzanares gebaut wurde. Nicht nur wurde durch die Autobahn die Stadt zerschnitten, sondern auch die Abgas- und Lärmbelastung war in Sichtweite des Palacio Reals oder der Almudena Kathedrale schwer erträglich. Mit anderen Worten, eine Autobahn die mitten durch die Stadt führt, hat in den letzten Jahrzehnten an Glanz und öffentlicher Bewunderung durchaus eingebüßt und wird heute zumeist als störend empfunden. Die Frage war, was tun? In Madrid hat man die Autobahn und große Teile der Auf- und Zufahrten zu dieser, unter den Fluss gelegt, um oberhalb das Flussufer neu zu modellieren und es in eine Parklandschaft umzugestalten. Dabei ist man sehr gründlich vorgegangen und der neu entstandene urbane Raum kann sich sehen lassen und wird von den Madrilenen gern angenommen.

Der Umbau der Autobahn vollzog sich in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends. Seit 2007 wurden die dafür gebauten Tunnel sukzessive freigegeben, welche sich zu einem richtigen Tunnelsystem ausweiten und den gesamten westlichen Teil der M30 Stadtumfahrung ausmachen. Dieses unterirdische Gewirr von Straßen ist bei der Durchfahrt beeindruckend und man kann feststellen, dass in Madrid die Neigung Kreuzungen durch Tiefbaumaßnahmen zu vermeiden durchaus auch seine Vorteile hat.

Oberirdisch ist Madrid Rio allerdings noch weitaus beeindruckender und führt vom unteren Ende des Parque del Oeste (des Westparks) über rund 8km lang bis zum Parque Lineal Manzanares. Auf der kompletten Strecke kann man Fahrrad fahren, skaten, joggen oder einfach nur flanieren. Deshalb soll an dieser Stelle ein Rundgang entlang des Weges beschrieben werden.
Wer am Parque del Oeste, der sich entlang des Hanges von Moncloa (Metrostation) bis zum Fluss zieht, auf Madrid Rio stößt, der stellt fest, dass der erste Teil des Ufers nicht ausgebaut ist. Die Autobahn führt hier noch oberirdisch hinter einer kleinen Wohnsiedlung und vor dem Waldgebiet des Casa del Campo entlang, die Uferpromenade ist zwar breit, besteht aber zumeist nur aus trockenem Lehm. Von weitem schon sieht man den Mast der Seilbahn Teleferico den man unterquert, kurz danach gelangt man an die neu ausgebauten Flussufer (zu empfehlen wäre hier ein kleiner Abstecher auf den nur wenige Meter weiter links befindlichen Paseo de la Florida und der Kirche Antonio de la Florida, denn diese wurde von Francisco de Goya ausgemalt). Nur wenige hundert Meter weiter erreicht man die Puente del Rey aus dem Jahr 1828. An dieser kann man die Gelegenheit nutzen, um zum Casa del Campo zu gehen (rechterhand), Madrids Waldparkgebiet, dass auf 1700ha nicht nur den Zoo, einen Gondelteich („Lago“) und einen Freizeitpark beherbergt, sondern auch eine Oase der Ruhe in der sonst recht lauten Stadt darstellt. Casa del Campo ist auch zum Joggen, Wandern und Picknicken wunderbar geeignet. Linkerhand taucht der Bahnhof Principe Pio auf, der ehemalige Nordbahnhof, der jetzt auch ein Einkaufszentrum und ein unterirdischer (was sonst) Busbahnhof ist. Entscheidet man sich weiter entlang des Flusses zu spazieren, kann man bald eine großartige Aussicht auf den Palacio Real, die Kathedrale Almudena oder die Hochhäuser des Plaza España genießen und auch die ersten Restaurants und Kiosks lassen nicht auf sich warten, die zu angemessenen, wenngleich nicht billigen Preisen, Speis, Trank und Rast anbieten. Das nächste Highlight ist die alte Puente de Segovia, die aus dem Jahr 1594 stammt und unter Leitung von Juan de Herrera errichtet wurde. Sie ist noch eine Zeugin des habsburgischen Madrid, des hier so genannten „Madrid de Austrias“, einer Epoche der habsburgischen Herrschaft Spaniens, die maßgeblich Madrids Gestalt beeinflusste (siehe: Geschichte Madrids). Schwenkt man nach links ab, kann man über die Calle Segovia stadtaufwärts in eben jenen ältesten Stadtteil spazieren. Der nächste Teil des Madrid Rio führt dann am rechten Flussufer entlang, Kinderspielplätze bieten Gelegenheit, für die jüngere Generation Abwechslung zu finden. Bald erreicht man die wunderliche Brücke Pasarela de Principado de Andorra, welche wie ein Dreieck über den Fluss führt, kurz danach türmst sich schon das riesige Estadio Vicente Calderon auf, die Heimat von Atletico de Madrid. Doch lange wird das Stadion hier nicht mehr stehen. Der Klub baut schon am östlichen Stadtrand eine neue Arena, die auf dem ehemaligen Estadio Olímpico aufbaut (ein Link zum geplanten Bau ist hier: https://youtu.be/FbUOcCXPoLo ), einem angefangenen Sportfeld das die Madrider Hoffnungen auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele unterstreichen sollte, was aber bekanntermaßen nie wirklich Erfolg brachte. Am Vicente Calderon taucht auf der linken Seite auch einmal kurz die Autobahn aus dem Untergrund auf. In Zukunft – nach dem Abriss des Stadions und der dahinterliegenden Brauerei Mahou, sollen hier neue Häuser und ein Park entstehen und die Autobahn auch hier unter die Erde verschwinden.
Als nächstes unterqueren wir die Puente de Toledo, die ein wundervolles Beispiel des auf der iberischen Halbinsel vorzufindenden Barockstils des Churriguerismus ist und 1732, nach den Plänen von Pedro de Ribera fertiggestellt wurde. Gleich dahinter  erreicht man die Puente de Arganzuela, das ganze Gegenteil der feingliedrigen Toledo-Brücke. Genau genommen handelt es sich bei der Arganzuela Brücke um zwei Fußgängerbrücken, welche sich auf einem kleinen Hügel treffen. Das imposante Bauwerk von Dominique Perrault ist sicherlich eines der auffälligsten Neubauten des neuen Flussufers. Während die Parklandschaft am linken Flussufer sich etwas weitet und Platz für Spielwiesen und einen „Strand“ (für Kleinkinder) macht, bleibt es am rechten Ufer etwas enger. Der Wechsel von einer Seite zur Anderen wird aber durch eine Vielzahl von Übergangsmöglichkeiten erleichtert, so wie den Zwillingsbrücken Puente de Invernadero bzw. Puente de Matadero. Letztere führt direkt zum Kulturzentrum Matedero, einem ehemaligen Schlachthof (wie der Name in der Übersetzung verrät), dessen Besuch unbedingt zu empfehlen ist. Neben zahlreichen Veranstaltungen von Theater über Konzerten, Diskos bis hin zu Ballett findet der interessierte Besucher hier auch Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, eine Cafeteria und eine Bar, sowie einen Fahrradverleih. Gleich dahinter endet der Madrid Rio in seiner bisherigen Form, er führt nun nur noch auf der rechten Seite des Flusses entlang und bald schon wird er zu einem Provisorium, das direkt neben der 5-spurigen Autobahn entlang führt, die hier wieder oberirdisch verläuft. Aber die wenigen Meter auf sich zu nehmen lohnt sich, denn schon bald geht der Parque Madrid Rio nach 8km endgültig in den Parque Lineal de Manzanares über, der 2003 eröffnet wurde und in der Gesamtplanung vom Katalanen Ricardo Bofill stammt. Auf 130ha kann man hier unter anderen zwei Aussichthügeln besuchen. Der weiter nördlich gelegene hat die Form einer Pyramide und trägt eine Skulptur von Manolo Valdés mit einem riesigen Kopf der auf die Stadt schaut. Der etwas weiter südlich gelegene Aussichtshügel ist etwas höher und erlaubt eine fantastische Aussicht auf Madrid oder in der entgegengesetzten Richtung auf das Tennisstadion Casa Magica, ebenfalls von Dominique Perrault, wo jedes Jahr Anfang Mai ein Tennis Masterstunier stattfindet.

Wer nun genug gelaufen ist, dem ist der Rückweg zu den wenige hundert Meter entfernten Metrostationen „San Fermín“ oder „Hospital 12 de Octubre“ zu empfehlen, um mit der Linie 3 zurück in die Innenstadt zu fahren.

Hochhäuser in Warschau

Warschau gehört zu den wenigen Städten in Europa die mit einer Hochhausskyline aufwarten können. Sechs Häuser erreichen die Wolkenkratzer-Marke von 150m, womit man sich in Europa schon hinter London, Paris, Moskau, Frankfurt und Istanbul einreiht. Nach einem kurzen historischen Überblick sollen hier die wichtigsten und höchsten Gebäude vorgestellt werden.

Historischer Überblick

Der Hochhausbau in Warschau geht bis in die 1930er Jahre zurück und beginnt mit dem Prudential Hochhaus, dass 1934 schon ein stattliche Maße von 66m erreichte. Nach der verheerenden Zerstörung des 2.Weltkrieges, konnte das Haus in den 1950er wieder aufgebaut werden. Weitaus wichtiger war zu jener Zeit aber ein anderer Bau für die weitere Entwicklung der Hochhausstadt Warschau. Historischer Ausgangs- und in gewisser Weise Inspirationspunkt ist der Kulturpalast. Dieser Kollos der modernen sozialistischen Architektur wurde in den 1950er Jahren als Geschenk der Sowjetunion, in der Stadtmitte erbaut. Mit seinen 231m überragte er damals den Rest des Stadtbildes um ein Vielfaches und wurde zu einem Wahrzeichen Warschaus, das bei vielen Einheimischen allerdings zu missfallen führte. Um die solitäre Wirkung dieser Landmarke zu mildern, wurden schon in den 1970er Jahren weitere Hochhausbauten geplant und auch ausgeführt. Diesen waren schon stilistisch dem Internationalen Stil der Architektur verpflichtet. Für die damalige Zeit war das im Ostblock einzigartig und recht ungewöhnlich. Warschau hatte damit schon vor der politischen Wende 1989 vier weitere Hochhäuser, welche die Marke von 100m übersprangen. In den 1990er Jahren und insbesondere nach der Jahrtausendwende kam es zu einem regelrechten Hochhausboom in der Stadt, die das wirtschaftliche Zentrum Polens ist und das, trotz vieler Freiflächen, auch in der Höhe zeigen möchte. Dabei finden sich architektonisch der zeitgenössischen, dekonstruktiven Formensprache gehuldigte Bauwerke, wie beim Złota 44 Wolkenkratzer von Daniel Libeskind zu sehen. Noch ist ein Ende des Hochhausbooms in Warschau nicht abzusehen. Allein zwei Wolkenkratzer sind im Bau und auch wenn keiner die Höhe des Kulturpalastes überragt, scheint das doch nur eine Frage der Zeit zu sein.

Fotos und tabellarische Aufstellung der wichtigsten Hochhäuser

Name Strukturelle Höhe Höhe mit Antenne Jahr Architekt
Kulturpalast 231m 237m 1955 Lew Rudnew
Złota 44 192m 192m 2015 Daniel Libeskind
Warsaw Trade Tower 184m 208m 1999 Wyszyński, Majewski, Hermanowicz & RTKL
Rondo 1B 164m 194m 2005 SOM
Hotel Inter-Continental 164m 164m 2004 Tadeusz Spychała
Cosmopolitan Twarda 2/4 160m 160m 2014 Helmut Jahn
Warsaw Financial Center 144m 165m 1998  A. Epstein & Sons International und Kohn Pedersen Fox
Oxford Tower 140m 150m 1979 Jerzy Skrzypczak, H. Świergocka-Kaim, Wojciech Grzybowski
Centrum LIM 140m 170m 1989 Jerzy Skrzypczak, Andrzej Bielobradek und Krzysztof Stefański
Twarda Tower 128m 128m 2002  Apar-Projekt and Arca A&C
ORCO-Tower 115m 115m 1996 Lorenzo Martinoia, Jacek Sokalski und Amadeo Strada
Millennium Plaza 112m 122m 1999 Vahap Toy
Intraco I 107m 138m 1975 Byggnadsproduktion AB
Łucka City 106m 112m 2004 Maria Berko-Sas und Marek Sedzierski
Novotel Warszawa Centrum 106m 111m 1974 Sten Samuelson
Złote Tarasy 105m 105m 2007  The Jerde Partnership
Blue Tower Plaza 100m 120m 1991 Lech Robaczyński und Marzena Leszczynska
Prudential Tower 66m 66m 1934 Marcin Weinfeld, Stefan Bryła und Wenczesław Poniż
In Bau:
Warsaw Spire 220m 220m ???? Jaspers & Eyers Partners

Beschreibung der Hochhäuser

Der Kulturpalast oder auf polnisch (Pałac Kultury i Nauki) ist das dominanteste und höchste Gebäude der Stadt Warschau und gleichzeitig auch das Höchste Polens. Zu seiner Einweihung 1955 war er mit 231m Höhe der zweithöchste Wolkenkratzer Europas. Architekt Lew Rudnew war schon verantwortlich für den Bau des Hauptgebäudes der Lomonossow-Universität in Moskau, dem damals höchsten Haus Europas. Da der Kulturpalast ein Geschenk der Sowjetunion an Polen war, wurde er auch mit den Planungen des Kulturpalast beauftragt. Auch hier orientierte sich Rudnew am damaligen Baustil des sozialistischen Realismus, der im Hochhausbau Ähnlichkeiten zu amerikanischen Hochhäusern der 1930er Jahre aufweist. Der Kulturpalast, der nur 9m kleiner als das Hauptgebäude der Lomonossow ist, wurde anfangs sogar nach dem sowjetischen Diktator Josef Stalin benannt. So wurden neben ästhetischen Bedenken insbesondere sein symbolischer Gehalt zum Grund, warum das Bauwerk nie sonderlich populär bei den Einheimischen wurde. Auf den 123.000m² Nutzfläche fanden und finden sich noch heute einige bemerkenswerte Einrichtungen, wie Kinos, Theater und Museen. In der 30.Etage ist eine Aussichtsetage eingerichtet, von der Warschauer sagen, dass sie den schönsten Blick auf die Stadt ermöglichen, insbesondere weil man von dort nicht den Kulturpalast sehen könne. Tatsächlich ist die Auffahrt jedoch äußerst populär und gerade am Wochenende mit einiger Wartezeit verbunden. Architekturgeschichtlich und Städteplanerisch ist der Einfluss des Kulturpalastes auch nicht zu unterschätzen, denn fast alle weiteren Hochhausbauten  versuchen seine Dominanz im Stadtbild einzudämmen. So liegen die meisten Hochhäuser der Stadt in unmittelbarer, allerdings stadtauswärtsgerichteter Nachbarschaft zum Kulturpalst.

Złota 44 ist Warschaus neuestes Hochhaus und gleichzeitig der erste Wolkenkratzer des in Lodz geborenen Stararchitekten Daniel Liebeskind in seinem Geburtsland. Das in der Formensprache des Dekonstruktivismus gehaltene 192m hohe Bauwerk ist ein reiner Wohnturm, der nach seiner Adresse benannt wurde und in unmittelbarer Nachbarschaft des Kulturpalastes steht. Seine Form ergibt sich aus einem nach oben gezogenen Würfel mit einer Glasfassade, welche die Form eines Segels annimmt. Die Bauarbeiten, die 2007 begannen, wurden von zahlreichen finanziellen Schwierigkeiten begleitet. 2009 wurden die Bauarbeiten gestoppt und erst ein Jahr später wieder aufgenommen. Auch der beabsichtigte Fertigstellungstermin 2012 konnte nicht gehalten werden und so ist für 2015 die Eröffnung geplant.

Der Warsaw Trade Tower gilt für viele als zweithöchstes Gebäude der Stadt, erreicht seine 208m aber nur mit einer Antenne, was für Warschauer Hochhäuser nicht untypisch ist. Die strukturelle Höhe beträgt 184m. Die polnischen Architekten Wyszyński, Majewski, Hermanowicz & RTKL schufen einen Bau mit 43 Geschossen der im aufstrebenden Stadtteil Wola liegt. Nach oben hin verjüngt sich der Turm, ebenso verändert sich seine quadratische Steinfassade in eine geschwungene Glashaut. Es erinnert damit, an die noch bis in die 1990er Jahre hin beliebte Form, die an die Postmonderne anknüpft und verschiedene Stilformen und Verkleidungen in einem Haus vereinigt. Heutiger Hauptmieter des 1999 eröffneten Bauwerks ist der Versicherungskonzern AXA.

Das Rondo 1B wurde 2006 eröffnet, nach rund 3 Jahren Bauzeit. Geplant wurde es vom renommierten amerikanischen Büro SOM. Bei SOM war Larry Oltmanns für den Bau verantwortlich. Auf 40 Etagen erschließen sich 70.000m² Nutzfläche bei einer strukturellen Höhe von 164m, mit Antenne misst der Bau 194m.

Das Hotel Intercontinental ist das dritthöchste Hotel Europas und erreicht 164m, Das 5-Sterne Haus der Intercontinental Gruppe wurde 2004 eröffnet und hat 326 Gästezimmer, 77 Suiten und 12 Konferenzräume sowie diverse Serviceeinrichtungen wie Spa, Sauna, Restaurants und als Highlight einen Pool in 150m Höhe mit Blick über die Stadt. Es soll sich dabei um das höchste Schwimmbad Europas handeln. Die Pläne für das Haus stammen von Tadeusz Spychała, einem polnisch-österreichischen Architekten, der die Eröffnung des Hotels leider nicht mehr miterlebte. Die äußerliche Besonderheit des Hauses, die freistehende Nordostecke wurde auf Drängen der Anwohner eingesetzt, da diese vorher massiv gegen eine Verschattung ihrer Wohnungen protestierten.

Das Cosmopolitan Twarda 2/4 ist ein Nobelwohnhochhaus, das ebenso zum Hochhausbezirk der Stadtmitte von Warschau gehört. Es erreicht eine Höhe von 160m und wurde im Sommer 2013 fertiggestellt. Das Projekt geht bis in das Jahr 2006 zurück, als der polnische Architekt Stefan Kuryłowicz für die Fundation Shalom ein Wohnhochhaus entwarf. Nach einem Projektpartnerwechsel wurde Helmut Jahn beauftragt den Wohnhochhausturm neu zu planen, der dann ab 2010 in Bau ging. Das Haus bietet Platz für 252 Wohneinheiten und vier Penthäuser in den obersten Etagen.

Das Warsaw Financial Center steht an der Kreuzung von Emilii Platter und Swietokrzyzka und liegt damit an der Ecke des Hochhausblockes der Emilii Plater Straße. Das Stahlbeton Bürohochhaus wurde 1998 fertiggestellt. Zwei Büros zeichneten sich verantwortlich für den Entwurf, A. Epstein & Sons International und Kohn Pedersen Fox. Sie schufen ein 144m hohes Haus, dass mit dem aufgesetzten Mast sogar eine Höhe von 165m erreicht. Das Gebäude besteht aus einem 6-geschossigen Sockel, der in etwa die Höhe der umliegenden Nachkriegshäuser hält und einem aufgesetzt wirkenden Turm. Der verglaste Turmschaft schießt rechteckig in die Höhe und wird von einem bogenförmigen Grantteil quasi eingerahmt.

Der Oxford Tower gehört zu den Hochhäusern im Internationalen Stil, die noch vor der politischen Wende 1989 gebaut wurden, hier genauer gesagt in den 1970er Jahren. Die Pläne von Jerzy Skrzypczak, H. Świergocka-Kaim und Wojciech Grzybowski wurden von einer schwedischen Baufirma ausgeführt, die das Haus 1979 übergab. Südlich des Zentralbahnhofes sollten noch weitere Hochhäuser entstehen, wie das nur 150m entfernte Centrum LIM, um die Dominanz des Kulturpalastes in der Stadtsilhouette abzuschwächen, letzteendlich blieb es aber bei den beiden Häusern, insbesondere weil die Mittel begrenzt waren. Das 140m hohe Bürohaus trägt noch eine 10m hohe Antenne und erlebte nach seiner Eröffnung zahlreiche Namenswechsel. Heute steht eine Sanierung des Gebäudes an, gleichzeitig soll in unmittelbarer Nachbarschaft ein weiteres Hochhaus, quasi als Zwillingsturm, das Oxford II entstehen.

Das Centrum LIM ist das jüngere der beiden südlich des Zentralbahnhof errichteten Hochhäusern. Es wurde 1989 eingeweiht und erreicht ebenso eine Höhe von 140m, hat allerdings eine größere Antenne, die bis zu einer Höhe von 170m aufragt. Die Architekten Jerzy Skrzypczak, Andrzej Bielobradek und Krzysztof Stefański ließen einen dunkelgrün verglasten Turm bauen, der 42 Etagen enthält und aus einem dreigeschossigen Flachbau aufragt, dass ein Einkaufszentrum beherbergt. Der Name LIM setzt sich übrigens aus den drei Gesellschaftern des Hauses zusammen, der polnischen Airline LOT, dem Baukonzern Ilbau und der Hotelkette Marriott, welche in den oberen 20 Stockwerken ein Hotel betreibt.

Der Twarda Tower der Büros Apar-Projekt and Arca A&C weißt einige bauliche Besonderheiten auf, besonders der an der Südfassade entlang gehende schräg verlaufende Aufzug. Der für Warschau typische Aufbau einer Antenne wurde zugunsten eines Hubschrauberlandeplatzes eingespart. Kurios ist auch, dass es keine 13.Etage gibt, sondern dem 12. gleich das 14.Stockwerk folgt. Der 128m hohe Bau bietet insgesamt 42.000m² Nutzfläche. Eine auf dem Dach geplante öffentliche Aussichtsterrasse wurde allerdings nicht baulich umgesetzt.

Der ORCO-Tower liegt offiziell schon im Stadtteil Ochota, befindet sich aber noch an der Kreuzung Jerozolimskie und Chalubinskiego auf der anderen Straßenseite des Centrums LIM. Der 1996 abgeschlossene Bau von Lorenzo Martinoia, Jacek Sokalski und Amadeo Strada ist im postmodernen Glasbaustil der verschachtelten geometrischen Elemente gehalten. Der 115m hohe Büroturm gehört der ORCO Gruppe, welche auch Namensgeber des Gebäudes ist.

Der Millennium Plaza liegt schon etwas weiter westlich der Warschauer Innenstadt in etwa in einer Höhe mit dem Warsaw Trade Tower und der neu entstehenden Warsaw Spire. In einem eher durch 6-geschossige Häuser bebauten Gebiet ragt der 112m (mit Aufbauten 122m) Büroturm heraus. Der Investor war ein türkisches Unternehmen, das die 45 Millionen Baukosten stemmte und der erste Namensgeber des Hauses war (nach der Firma Reform Investment wurde es Reform Tower benannt). Architekt Vahap Toy ließ einen stark an türkische Traditionen orientierten Bau projektieren, mit zahlreichen Orientalen Zierelementen. Bis zum 6.Geschoss befinden sich ein Einkaufszentrum und eine Konferenzetage. Obwohl 1999 fertiggestellt wurde es 2002 schon an eine niederländische Firma verkauft, die dem Haus den neuen Namen Millenium gaben.

Das Intraco I ist eines der ersten Hochhäuser Warschaus und wurde schon 1975 fertiggestellt. Seine Architektur im Stile des damals dominanten Internationalen Stils stammt vom schwedischen Architektur- und Bauunternehmen Byggnadsproduktion AB. Das schlichte aber sehr elegante Haus erreicht 107m, mit Antenne sogar 138m. Anfangs war es ähnlich dem etwa gleichaltem Novotel verkleidet und erhielt 1999 eine komplett neue Vorhangfassade. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch ein 39.Stockwerk aufgesetzt, dass aber nur über eine Treppe erreichbar ist, da die Aufzuganlagen nicht weiter ausgebaut werden konnten.

Die Łucka City gilt als Warschaus hässlichstes Hochhaus. Tatsächlich ist man erstaunt, dass dieser Koloss erst 2004 eröffnet wurde und nur etwas mehr als 10 Jahre alt ist. Die Architekten Maria Berko-Sas und Marek Sedzierski lieferten einen monumentalen 106m (mit Antenne 112m) Bau, der 342 Wohnungen beinhaltet, sowie Serviceeinrichtungen, Büros und unterirdische Parkplätze. Kritisiert an diesem sehr uninspiriert wirkenden Haus werden besonders die fehlende Filigranität und Leichtigkeit.

Das Novotel Warszawa Centrum war das erste Hochhaus in Warschau, dass dem Kulturpalast folgte. Die staatliche Touristikagentur Orbis beauftragte die schwedische Firma Skanska mit dem Bau eines Hotelhochhauses. Architekt Sten Samuelson lieferte einen modernen Zweckbau, der sich 106m in die Höhe schraubte, 1974 eröffnet wurde und eines der ersten Hotels der Stadt mit westlichen Standards war. Wegen seiner dunkelgelben Fassade hatte man aber schnell den Eindruck, dass diese stark verschmutzt sei. Das Ganze änderte sich mit einer grundlegenden Sanierung 2002, als die französische Kette Novotel das Haus übernahm und dem Haus einen weißen Anstrich verpasste.

Die Złote Tarasy (die „Goldenen Terrasen“) sind ein Multifunktionskomplex mit zwei Bürogebäuden und einem Einkaufszentrum. Das Architekturbüro The Jerde Partnership entwickelte auf 225.000m² Grundfläche ein 200 Shops und Restaurants umfassendes Einkaufszentrum und ein Multisaal Kino. Abgerundet wird dieser Teil von einer spektakulär gewölbten Glaskuppel. Die zwei zum Komplex gehörenden Bürotürme Lumen und Skylight schließen sich in nördliche Richtung an und stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Złota 44. Mit einer Höhe von 105m scheinen sie aber in der dominanten Nachbarschaft fast unterzugehen. Insgesamt kostete das Projekt rund 500 MillionenEuro und war die teuerste Baustelle der jüngeren Stadtgeschichte.

Das Blue Tower Plaza befindet sich auf historischen Grund, denn bis 1944 stand hier die Große Synagoge Warschaus, die nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto von den deutschen Besatzern dem Erdboden gleich gemacht wurde. Die ersten Planungen für die Neubebauung entstanden schon in den 1950er Jahren, eigentliche Bauarbeiten für ein 80m hohes Haus wurden 1965 aufgenommen. Es entstand ein Bauwerk mit goldeloxierter Aluminiumfassade, dass jedoch nie fertiggestellt wurde, weil es Probleme mit dem Fundament gab. Die Warschauer nannte die Baustelle scherzhaft, das „Goldene Hochhaus“, der Weiterbau verzögerte sich, da es neben Eigentumsstreitigkeiten auch Diskussionen gab, ob man auf dem Gelände der Synagoge ein Hochhaus bauen sollte. Nach erneutem Anfang der Arbeiten 1974 und einem weiteren Stopp 1980 übernahmen 1986 die Architekten Lech Robaczyński und Marzena Leszczynska von der Firma Wadeco die Arbeiten. Die Fassade wurde in ein verspiegeltes Himmelblau verändert, um das Bild in der Skyline der Stadt zu mäßigen, denn der Blue Tower Plaza kommt von allen Hochhäusern der historischen Altstadt am nähsten. 1991 waren die Bauarbeiten fertiggestellt.

Warschaus erstes Hochhaus war das Prudential Hochhaus, das 1934 eröffnet wurde und 66m Höhe erreichte, eine für die Zwischenkriegszeit in Europa nicht zu unterschätzende Höhe. Die Architekten  Marcin Weinfeld, Stefan Bryła und Wenczesław Poniż erdachten einen Stahlskelettbau, der im Stil des Art Déco geformt wurde. Auftraggeber war die polnische Dependance der britischen Versicherung Prudential. Schon 1936 wurde auf dem Dach, die erste experimentelle Fernsehantenne Europas installiert, die immerhin 15m maß. Die Kämpfe des 2.Weltkriegs führten fast zur vollständigen Zerstörung des Hauses, das mehr oder weniger nur noch als Stahlgerüst existierte. Nach dem Krieg wurde es zu einem Symbol der Zerstörung der Stadt Warschau. Man beschloss den Wiederaufbau, der 1954 fertiggestellt wurde. Wieder war Architekt Marcin Weinfeld federführend beim Aufbau beteiligt. Aus dem Bau wurde nun ein Hotel, das nach der Stadt benannt war und eine neue Verkleidung im Stil des sozialistischen Realismus bekam. 2003 wurde der Hotelbetrieb eingestellt und zur Zeit wird das Haus umgebaut, um wieder die alte Art-Decó Fassade wieder zu bekommen.

Die Warsaw Spire ist momentan Warschaus höchste Baustelle und beinhaltet einen Komplex aus drei Häusern, dessen höchstes Bauwerk 220m Hoch sein und von 55m hohen Seitentürmen eingerahmt wird. Das belgische Büro Jaspers & Eyers plante die Bauwerke die 2015 oder 2016 fertiggestellt werden sollen.

Geschichte Warschaus

Wie bei vielen Städten in Mittelosteuropa reicht Warschaus Geschichte nicht so weit in die Vergangenheit, wie man es bei mediterranen Orten findet. Nichts desto trotz ist es eine bemerkenswerte Historie, die die Stadt an der Weichsel aufzeigen kann. Der folgende Text gliedert sich in mehrere Abschnitte:
Von der ersten Siedlung um Warschaus bis zur Gründung der NeustadtWarschau – Hauptstadt immer größerer GebieteBlütezeiten, schwedische Sintflut und unglückliche SachsenzeitPoniatowskiWarschau in Kongreßpolen und Rußland Warschau im 1.Weltkrieg und als Hauptstadt eines unabhängigen Polens sowie die Tragödie des 2.WeltkriegsWarschau im Ostblock und heute

Von der ersten Siedlung um Warschaus bis zur Gründung der Neustadt

Im 9. Jahrhundert wurde erstmals eine Siedlung mit Wallburg in dieser Gegend errichtet, aber schon im 11. Jahrhundert wieder aufgegeben. Eine weitere Ansiedlung war Jazdów, dass 1262 von den Litauern zerstört wurde, woraufhin die Bewohner mit frischen Mut eine neue Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Altstadt errichteten. Auch der Herzog von Masowien (der Region in welcher Warschau liegt) ließ hier ein Schloss errichten, wobei sein Hauptsitz in Płock verbleib, einer Stadt rund 100km stromabwärts der Weichsel. Zwischen 1281 und 1321 wurde Warschau dann zum ersten Mal urkundlich erwähnt, allerdings existiert diese Urkunde nicht mehr (was dann auch die Unklarheiten mit den Jahreszahlen erklärt). Im Jahr 1334 bekam Warschau das Stadtrecht nach Kulmer Recht (im Mittelalter wurden Städten und deren Bewohner unterschiedliche Rechte zu teil, die jeweilige Rechtsform wurden dann nach Städten benannt, welche diese Rechtsform schon länger hatten). Im Laufe des 14. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Gebäude in der Altstadt, so auch die gotische Johanniskathedrale und das spätere Königsschloss. 1350 wurde ein erster Mauerring um die Stadt gezogen, 30 Jahre später schon ein Zweiter, was das Wachstum des Ortes deutlich macht. In diese Zeit fällt auch die Gründung der nördlich gelegenen Neustadt, die 1408 zur Stadt erhoben wurde.

Warschau – Hauptstadt immer größerer Gebiete

1413 wurde Warschau die Hauptstadt das masowischen Herzogtums Czersk. Die Stadt profitierte weiterhin von der strategisch günstigen Lage zwischen Wilna und Krakau, den beiden Hauptstädten der polnisch-litauischen Union, wobei das Herzogtum Czersk-Warschau erst 1526 an Polen fiel (durch das Aussterben der Herrschaftslinie, dessen Ableben gerüchteweise auf Geheiß der polnischen Königin erfolgte). Doch die Eingliederung nach Polen brachte Warschau weiteren Aufschwung, denn König Sigismund I. gestand dem Bürgertum der Stadt zahlreiche Handelsprivilegien zu. Nach der Eroberung des Weichseldeltas durch Polen erhöhte sich die Bedeutung Warschaus nochmals, da der Fluss nun als Handelsweg besser genutzt werden konnte. Die Stadt gewann zunehmend auch größeren Einfluss in der Politik. Das polnische Parlament Sejm sollte ab 1569 in Warschau tagen, außerdem sollte der König Polens zukünftig vor den Toren der Stadt, in Kamion bzw. Wola gewählt werden. Immer mehr politische Institutionen gingen von Krakau nach Warschau über und 1596 entschloss sich Sigismund III. Wasa, nach dem Brand im Krakauer Wawel mit seiner Residenz komplett nach Warschau umzuziehen, was auch damit zu tun hatte, dass er auch gleichzeitig König von Schweden war und ebenso Ambitionen auf den Thron im Moskau hegte und Warschau dafür strategisch sehr günstig lag. Der eigentliche Umzug dauerte aber einige Zeit und wurde erst 1611 vollzogen. Hauptstadt blieb aber Krakau, da es keinerlei rechtliche Dokumente gab, die diese neue Rolle bestätigten. So blieb Warschau offiziell bis 1795 nur die Rolle als Königssitz.

Blütezeiten, schwedische Sintflut und unglückliche Sachsenzeit

Das alles tat aber der Blüte der Stadt keinen Abbruch. Schon im 16. Jahrhundert war die Stadt weit über die alten Stadtmauern hinaus gewachsen und zählte 50.000 Einwohner auf beiden Seiten der Weichsel. Zwischen 1568 und 73 entstand eine erste Brücke über den Fluss, 1548 erhielt Praga, der östlich gelegene Teil der Agglomeration Stadtrecht. Zahlreiche neue Paläste bereicherten das Stadtbild, da der Adel dem königlichen Hof nahe sein wollte und entsprechende Residenzen benötigte. König Sigismund Wasa III. ließ unterdessen die königlichen Schlösser in barocker Aufmachung umbauen. Auch kulturell erstrahlte die Stadt, so wurde beispielsweise schon 1661 die erste polnische Tageszeitung herausgebracht. Warschau war damals eines der führenden Zentren in Europa (auch weil große Teile Mitteleuropas noch Jahrzehnte unter den Folgen des 30-jährigen Krieges litten). Einen heftigen Rückschlag erlebte die Stadt durch den zweiten nordischen Krieg 1655 bis 57, als große Zerstörung die Stadt in weiten Teilen zerstörte. Die Jahre gelten in der polnischen Geschichtsschreibung als die „schwedische Sintflut“. Mit Jan Sobieski, der ab 1674 den Thron bestieg folgte aber eine neue Blütezeit. Unter dem Kunstmäzen wurde der Wilanow Palast im Süden der Stadt im Versailler Stil erbaut. Seiner Herrschaft folgte die sächsische Epoche, die man in Polen nicht in bester Erinnerung hat. Die sächsischen Kurfürsten, August II. und später August III. regierten neben ihrem wettinischen Stammland, auch Polen wurden aber in Kriege gezogen, aus denen sie nicht glücklich herauskamen (als Sachse ist man das gewohnt) und die zahlreiche Verwüstungen hinterließen. Jedoch fällt in diese Zeit der Bau der sächsischen Achse, die senkrecht zum Königsweg angelegt wurde und Palais und Gärten beinhaltete. 1740 entstand das Collegium Nobillium, der Vorläufer der Universität, die 1817 gegründet wurde. 1748 wurde die Warschauer Oper gegründet.

Poniatowski

Mit der Herrschaftsübernahme von Stanislaus August Poniatowski 1764 endete die Sachsenzeit und Warschau erlebte eine neue Phase des Aufschwungs. Der aufgeklärte Monarch ließ die Stadt zu einem Zentrum des Klassizismus werden. In seiner Zeit soll Warschau bereits mehr als 120.000 Einwohner gehabt und damit zu den größten Städten Europas gezählt haben. Stanislaus führte das Neue Staatstheater ein, ließ Straßennamen und Hausnummer vergeben (eine damalige Innovation), erließ ein weltweit erstes Bildungsministerium und ließ am 3.Mai 1791 die erste moderne Verfassung Europas verabschieden. Polen führte dies jedoch in die außenpolitische Krise und das wiederum führte zur 2. Polnischen Teilung um 1793 und nach schlimmen Massakern und Schlachten 1795 zur 3. Polnischen Teilung und zur Zerschlagung des Landes. 1796 besetzten preußische Truppen Warschau und machten es zur Hauptstadt der Provinz Südpolen. Viele Menschen verließen die Stadt und um 1800 soll Warschau weniger als 100.000 Einwohner gehabt haben.  1807 wurde im Frieden von Tilsit das Herzogtum Warschau gegründet, eine Art polnischer Rumpfstaat unter napoleonischer Protektion. Der „Code Civil“, also ein bürgerliches Gesetzbuch das von den Werten der französischen Revolution getragen ist, trat in Kraft und die polnische Sejm, daher das Abgeordnetenhaus, setzte sich wieder in Warschau zusammen. Symbol des Herzogtums wurde General Josef Antoni Poniatowski (ebenfalls aus der Poniatowski Dynastie stammend), der Oberbefehlshaber der Armee, die an französischer Seite kämpfte. Poniatowski verlor bei der Völkerschlacht bei Leipzig sein Leben und wurde in Warschau mit einem Staatsbegräbnis bedacht. Der Wiener Kongress, der nach der Niederlage Frankreichs und seiner Verbündete Europa neu aufteilte, änderte erneut die Machtverhältnisse. Das Herzogtum Warschau wurde aufgelöst und das Königreich Polen gegründet, dass aber vom russischen Zaren regiert wurde und in der Geschichte als Kongresspolen bezeichnet wird. Die Exekutivmacht hatte Großfürst Konstantin, ein Bruder des Zaren. Kongresspolen war es erlaubt eine recht liberale Verfassung zu benutzen.

Warschau in Kongreßpolen und Rußland

Wirtschaftlich folgten Zeiten des Aufbruchs. Die erste ständige Wertpapierbörse Polens wurde 1817 in Warschau gegründet. In jene Zeit fällt die erste Industrialisierungswelle in der Stadt und kulturell wurde beispielsweise 1825 mit dem Bau des großen Theaters begonnen. In jener Zeit lebte Frédéric Chopin, einer der berühmtesten Söhne der Stadt in Warschau. Nachdem Novemberaufstand musste er 1831 nach Paris fliehen. In jenem Aufstand im vorletzten Monat des Jahres 1830 wand sich die Bevölkerung gegen den zunehmend autoritär regierenden Großfürsten Konstantin, welcher aus der Stadt vertrieben wurde. Nach über einem Jahr Krieg mussten sich die aufständischen Polen jedoch der russischen Armee geschlagen geben. Neben Chopin flohen über 30.000 Menschen Richtung Westeuropa. Die dagebliebenen mussten mit strengen politischen Repressalien leben. Jedoch stoppte das den wirtschaftlichen Aufschwung nur wenig. 1840 wurde die erste Eisenbahnverbindung gebaut, schon bald darauf bestand eine Verbindung mit Wien. An jener Linie lag auch Lodz, dass in jenen Jahren einen rasanten Aufstieg erlebte. Die 80km südwestlich von Warschau gelegene Stadt wurde zur Textilmetropole Mitteleuropas. Das endgültige Ende Kongresspolens kam in der Nachfolge des Januaraufstandes 1863, welcher nach fast zwei Jahren Ende 1864 aufgegeben werden musste. Russland löste Polen auf und verleibte sich das Gebiet komplett ein. Warschau wurde dadurch zur drittgrößten Stadt Russlands (nach Moskau und St.Petersburg). Interessanterweise führte aber auch diese politisch sehr unangenehme Entwicklung zu weiterer wirtschaftlicher Blüte, da nun alle Zollschranken zu Russland fielen. Westlich der Königsstraße entstanden neue Häuser des Bürgertums, 1908 wurde die erste elektrische Straßenbahn eröffnet und zahlreiche Kultureinrichtungen wie die Philharmonie wurden errichtet. Intelektuelle wie Marie Sklodowska-Curie wohnten in der Stadt (wenngleich Curie Warschau verließ, weil sie als Frau hier nicht studieren konnte). Um nur ein paar andere weitere Beispiele zu nennen: Rosa Luxemburg wuchs in Warschau auf, der Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewics wirkte hier ebenso wie der Tenor Jan Kiepura oder der Autor Joseph Conrad. Warschau konnte sich um die Jahrhundertwende auch einer großen jüdischen Gemeinde erfreuen. Über ein Drittel der Warschauer waren Juden.

Warschau im 1.Weltkrieg und als Hauptstadt eines unabhängigen Polens sowie die Tragödie des 2.Weltkriegs

Im 1.Weltkrieg wurde das russische Warschau von deutschen Truppen besetzt. Die Besatzer errichteten ein provisorisches Königreich mit der Aussicht einen späteren unabhängigen polnischen Staat zu gründen. Die siegreichen Westmächte unterstützen nach dem Ende des 1.Weltkrieges diesen Plan. Doch bevor dieser umgesetzt werden konnte sah sich Polen in einen Krieg mit Sowjetrussland versetzt. 1920 stand die Rote Armee vor Warschau, verlor aber trotz großer Überlegenheit eine zentrale Schlacht an der Weichsel gegen die polnische Armee unter Marschall Piłsudski. Polen warte seine Unabhängigkeit und seine Hauptstadt Warschau blühte in den 1920er Jahren weiter auf. Doch neben der kulturellen Blüte gab es ebenso politische Unruhen. Das alles verhinderte aber nicht den weiteren Ausbau der Stadt mit neuen Bus- und Straßenbahnverbindungen und dem Anlegen des ersten polnischen Flughafens. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges hatte Warschau bereits 1.350.000 Millionen Einwohner. Als Hitler-Deutschland schließlich am 1.September 1939 Polen angriff, verschanzte sich die polnische Armee in der Hauptstadt, während diese von deutscher Artillerie beschossen wurde. Zehntausend Menschen sollen dabei ihr Leben verloren haben, 10% der bebauten Stadtfläche wurden schon in diesen ersten Kriegstagen zerstört. Doch alles kam noch weitaus schlimmer. Am 28. September marschierte die Wehrmacht in Warschau ein, womit eine fünfjährige Besatzungszeit begann. Ab November 1940 wurde die jüdische Bevölkerung der Stadt und der Umgebung in ein extra angelegtes Ghetto gesperrt. Das 3,1km² große Gebiet, westlich der Altstadt gelegen beherbergte in mancher Zeit 450.000 Menschen. Letztendlich diente es als Sammellager, um die Menschen weiter ins KZ Treblinka zu befördern und dort zu töten.
International bekannt wurde das Ghetto Warschau durch den Aufstand vom 19.April bis zum 16.Mai 1943. Seit 1942 wurde durch die Ermordung der jüdischen Bevölkerung das Warschauer Ghetto immer kleiner. Die verbliebenen restlichen rund 30.000 Bewohner beschlossen, den sicheren Tod vor Augen, bewaffneten Wiederstand gegen die SS zu leisten, welche die Aufgabe hatte, das Ghetto zu liquidieren. Der Aufstand dauerte mehrere Wochen und wurde niedergeschlagen. Das Ghetto wurde vollständig niedergebrannt, nur sehr wenigen jüdischen Kämpfern gelang die Flucht, alle anderen wurden an Ort und Stelle erschossen oder ins Gas von Treblinka geschickt.
Etwas mehr als ein Jahr später begann am 1.August 1944 der Warschauer Aufstand. Fast die gesamte verbliebene Stadtbevölkerung Warschaus kämpfte an der Seite der polnischen Heimatarmee mit dem Ziel die deutschen zu vertreiben, gleichzeitig aber auch die Übernahme durch die Rote Armee zu verhindern. Diese verweigerte den Aufständigen Unterstützung womit dieser am 2.Oktober zusammenbrach. 200.000 Menschen verloren bei diesen Kämpfen ihr Leben, die Wehrmacht reagierte mit größtmöglicher Brutalität und Destruktion. Fast alle Gebäude der Stadt an der westlichen Weichselseite (also der weitaus größeren) wurden zerstört. Als am 17. Januar endlich die Rote Armee in die Stadt einmarschierte, fanden sie lediglich ein unbewohntes Trümmerfeld vor.

Warschau im Ostblock und heute

Sehr schnell wurde nachdem Krieg ein sowjetfreundliches Regime etabliert. Eine der ersten Beschlüsse war Warschau detailgetreut wieder aufzubauen. Die Altstadt, die Neustadt und die Krakauer Vorstadt wurden ab 1946 bis 1953 in einer historischen Rekonstruktion wieder errichtet und letztendlich 1980 als Weltkulturerbe der UNESCO ausgezeichnet, was bisher nie wieder für eine Rekonstruktion geschah. Die Aufbauarbeiten stellen bis heute weltweit die größte geplante Rekonstruktion einer Bebauung dar. Für den Wiederaufbau wurden insbesondere Arbeiten des Malers Bernardo Bellotto, besser bekannt als Canaletto, zu Rate gezogen. Auch wenn 1970 das Königsschloss ebenso wieder errichtet wurde und bis heute weitere historische Gebäude (wie  der brühlsche und der sächsische Palast) wieder hergestellt werden sollen, bleibt die Stadt Warschau vor 1939 unwiederbringlich verloren. Viele neue Stadtteil entstanden im Stil der Moderne sozialistischer Prägung. Das sicherlich auffallendste Bauwerk dabei war der 1955 vollendete Kulturpalast. Das damals zweithöchste Gebäude Europas war ein Geschenk der Sowjetunion, wurde von den Warschauern allerdings nie wirklich geliebt. Warschau wurde auch Namensgeber des Warschauer Paktes, welcher als osteuropäisches Gegenstück zur NATO hier 1955 gegründet wurde. Nicht zu vergessen ist auch der Kniefall des damals regierenden westdeutschen Bundeskanzlers Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Denkmal  des Ghettoaufstandes, der international sehr beachtet wurde, für den Brandt aber in konservativen westdeutschen Kreisen heftig kritisiert wurde. 1979 besuchte der Papst Warschau, es war der erste Besuch von Johannes Paul II. in seinem Heimatland in der Funktion als Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Begeisterung der Polen für ihn ist heute, lang nach seinem Tode, noch ungebrochen. Mit der Gründung der freien Gewerkschaft Solidarność 1980 begann in Polen der politische Umbruch, der 1989 in den ersten freien Parlamentswahlen im Ostblock mündete.
Seit jener Zeit wächst die Stadt vor allem in die Höhe und beschert der Hauptstadt Polens eine der in Europa eher seltenen Hochhausskylines. Ebenso wurde 1995 die U-Bahn eröffnet. Heute ist Warschau das uneingeschränkte politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Im Jahr 2002 ist es administrativ wieder eine einheitliche Stadt, nachdem es vorher verwaltungstechnisch nur als Ansammlung von unabhängigen Gemeinden in einem losen Kommunalverband bestand. Noch immer sind die Spuren des Krieges deutlich zu sehen, aber überall in der Stadt hat man das Gefühl, das fleißig an der Zukunft der Stadt gebaut wird.