Madrids Straßen

Einleitung | Gran Via | Die drei Paseos: | del Prado | del Recoletos | de la Castellana

Einleitung und kleiner Überblick

Madrid kann eine recht hohe Anzahl von Prachtstraßen für sich gelten machen. Diese äußerst repräsentativen Schneisen durch die Architektur und Landschaft verliehen der spanischen Hauptstadt den Glanz, der europäische Metropolen ausmacht. Wer auf der niemals müden Gran Via entlang spaziert, der wird sich unweigerlich fühlen, in einer pulsierenden Weltstadt zu sein, egal ob man sich Samstagnachmittags an den bummelnden Einkäufern oder den Schlange stehenden Musicalbesuchern vorbeischiebt, oder an einem Montag morgen die letzten Feiernden des Wochenendes begegnet, die sich in der langsam geschäftig werdenden Stadt verlieren.

Oder man entdeckt einen der drei Paseos für sich, von der eleganten Präsentation historisierender Pracht und Kunst auf dem Paseo del Prado bis hin zum hinauf ragenden Ende der Castellana, die stetig aufwärts führend bei den Wolkenkratzern des CTBA endet. Die unterschiedlichsten Straßen finden sich in Madrid. Kleine und enge Gassen in der Latina, oder in Chueca erinnern an die mittelalterliche Stadt und sind heute beliebte Ausgehpassagen mit Bars, Restaurants und Geschäften. Die größeren Boulevards, besonders im noblen Osten der Stadt, wie Calle Serrano oder Principe de Vergara durchschneiden das quadratische Nobelviertel Salamanca und sind Heimat von Luxusmarken und edlen Boutiquen. Die Hortaleza, die Fuencarral und die Calle San Bernardo ziehen sich wie kleine Ausfallstraßen durch die nördliche Innenstadt und auf, sowie rechts und links von ihnen gibt es viel zu entdecken, die neusten Bars, trendige Restaurants, einschlägige Clubs oder hipster-magnetisierende Bekleidungsgeschäfte. Alle drei genannten Straßen münden in die Calle de Alberto Aguilera, wo das verwinkelte und alte Madrid der Gassen endet und die planvolle Stadt der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts beginnt. Hier liegt die erste Ringstraße (gelb auf der Karte eingezeichnet) von Madrid und nicht wie man vermutet am Autobahnring M-30, der verkehrsreichsten Straße des ganzen Landes. Die M-30 heißt nicht umsonst 30, weil es schon zwei weitere historisch vorher angelegte Ringstraßen, weiter innerhalb der Stadt liegende Boulevards gibt, die gleichfalls einen Ring um das Innerste der Stadt bilden. Der innerste Ring ist dabei schon in der Zeit Philip IV als Umrundung der Stadt entstanden. Man kann ihn heute noch erahnen, wenn man sich vom Bahnhof Atocha nach Osten bis hinter dem Retiro aufmacht um über den Plaza de Colon auf den Boulevards zu kommen, der an jeder größeren Kreuzung seinen Namen zu ändern scheint (erst Genova, dann Sagasta, dann Carranza, schließlich Alberto Aguilera). Bis man in den im Westen etwas orientierungslos wird, denn hier ist er bis hinunter zur Puerta de Toledo etwas unklar. Das gilt eigentümlicherweise auch für den zweiten Ring (dunkelgelb auf der Karte), der im Norden mit der Avenida de la Reina Victoria beginnt und sich in einem größeren Bogen im Osten (über die Calle de Raimundo Fernández Villaverde, Calle de Joaquín Costa, Calle de Francisco Silvela, Calle del Doctor Esquerdo und Calle de Pedro Bosch) bis zur Calle Méndez Álvaró zieht. Im Westen gibt es eigentlich nur die M-30, welche im vielleicht aufregendsten urbanen Bauprojekt der letzten Jahrzehnte in Madrid unterirdisch geführt wird und Platz für den Madrid-Rio Park macht.

Das hier eine Autobahn unter der Erde verschwindet ist zwar kostspielig, aber keinesfalls bedauerlich, denn Schnellstraßen (wie übrigens Tunnel auch) meint man im Großraum Madrid genug zu besitzen. Es gibt freie und zu bezahlende Schnellstraßen und an Tagen, wo die „Operacion Salida“ ausgerufen wird (also beispielsweise vor Ostern, oder zum Beginn der Sommerferien) sollte man sich überlegen, ob die zahlungspflichtigen Autobahnen, die ein R statt eines M in der Bezeichnung tragen, nicht eine bessere Alternative sind, die Stadt zu verlassen, so wie das scheinbar in diesen Momenten auch jeder andere Autobesitzer Madrids zu planen scheint.
Straßen gibt es also genug und in allen möglichen Variationen in Madrid. Als nächstes sollen die oben schon angedeuteten besonderen Prachtstraßen etwas näher beschrieben werden.

Gran Via

Daten: Länge: 1,3km | Breite: 25-35m | Richtungsverlauf: Ost-West| grün auf der Karte verzeichnet

1910 begann man in der spanischen Hauptstadt, einen neuen Prachtboulevard zu errichten, welcher der Stadt ein weltstädtisches Gesicht einer Metropole geben sollte schließlich wollte man auch etwas vom Glanz Paris haben. König Alfons XIII. selbst hatte großen Einfluss darauf genommen, den nördlichen Teil der Innenstadt, mit ihrem verwinkelten Gässchen aus dem Mittelalter zu durchbrechen und eine Verbindung von der Calle Alcalá zur nordwestlichen Stadtausfahrt herzustellen. Zwar sollte die Gran Vía erst 30 Jahre später komplett fertiggestellt sein (von der Calle Alcalá bis zum Plaza de España), doch bis heute erfreut sie sich großer Popularität. Anders als der Paseo de la Castellana (die Nord-Süd Achse der Stadt) ist die Gran Vía keine Straße der Bürogebäude, sondern eine Geschäfts- und Vergnügungsmeile mit Bars, Restaurants, Kinos, Musical-Theatern und den üblichen Bekleidungsgeschäftsketten.

Architektonisch ist die Gran Vía wie eine Reise von den Boulevards Paris bis hin zu den Hochhäusern New Yorks und drückt so auch das wechselnde Lebensgefühl und die unterschiedliche Ideologie der Zeit ihres Entstehens aus. Sie startet mit eleganten Häusern des Belle-Époque Zeitalters, was den historischen Stil der ersten Jahre ihrer Bauzeit repräsentiert. Ein erstes Mal durchbrochen wird dies durch das Telefónica-Hochhaus. Das 1929 fertiggestellte (89m hohe) Hochhaus gilt als einer der ersten Wolkenkratzer Europas. Die Architekten Ignacio de Cárdenas und Louis S. Weeks schufen hier ein Wahrzeichen der Madrider Innenstadt, das besonders im Bürgerkrieg im Brennpunkt der Luftangriffe stand (auch weil es wegen seiner Höhe einen ziemlich guten Markierungspunkt abgab). Der Palacio de la Música von Secundino Zuazo, der sich etwas weiter in Richtung des Platzes Callao befindet ist der architekturhistorische Wendepunkt der Gran Vía. Das 1928 beendete Gebäude steht genau zwischen dem historischen Stil des Belle-Epoche der ersten Häuser und dem nun einsetzenden sachlichen Stil, der bis zum Monumentalen getrieben werden konnte. Hier am Callao angekommen, einem von Madrids geschäftigsten Plätzen, sticht das vielleicht berühmteste Gebäude der Straße in die Augen, das Edificio Carrión mit dem Kino Capitol. 1933 beendet, unter der Leitung der Architekten Luis Martínez Feduchi und Vicente Eced, ist es zwar mit seiner Getränkemarkenwerbung in den letzten Jahren bekannt geworden, aber seine architektonische Qualität liegt hinter dem blinkenden Schildern. Im Stil der modernen Sachlichkeit erbaut und von den runden, sich über Eck ziehenden horizontalen Fensterbänken, bei Erich Mendelsohns sich inspirieren lassend, ist das Edificio Carríon ein elegantes Meisterwerk, das man nicht zuletzt deshalb auch in einigen spanischen Filmen wiederfindet, wie in „El dia de la bestía” (von Alex de la Iglesia) und das 2010 gleichfalls das Logo der 100 Jahresfeier zum Geburtstag der ganzen Straße zierte. Von hier verläuft die Gran Vía – für eine solch breite Straße ungewöhnlich – recht steil bergab bis hin zum Plaza de España. Dort thronen die monumentalen Hochhäuser der frühen Franco-Zeit. Sowohl das 117m hohe im rötlichen Ton gehaltene Edeficio España, als auch der weiße Torre de Madrid (124m) sind beide von den Architektengebrüdern Joaquín und Julián Otamendi. In den 1950er Jahren errichtet, sollen die Hochhäuser die Potenz des „neuen Spaniens” unter Franco zeigen. Auch wenn hier die Gran Via endet ist ihre Erweiterung die Calle de la Princesa der Ausgang aus der Innenstadt, der nochmals einen monumentalen Abschluss am Plaza Moncloa findet mit einer Art eigenem Forum des Franco-Regimes. Dies beinhaltet zum einen das von Luis Gutiérrez Soto geplante Luftfahrtministerium, dass eine zeitgenössische Version des Escorials darstellen soll. Zum anderen ist noch der triumphale Arco de la Victoria, der seit 1956 daran erinnert das das Franco Regime den spanischen Bürgerkrieg gewann.

Im Jahr 2010 wurde stadtmarketingtechnisch hoch professionell ausgedacht, der 100. Geburtstag der Gran Via gefeiert. Das man dafür so viel Aufwand betrieben hat, zeigt schon die Stellung und das Renommee das die Straße in ganz Spanien genießt. Anders als bei Nachbarschaftsfesten, wo die Straße der Ort des Festes ist und die Bewohner des Ortes dort mit ihren Gästen feiern, ist es bei den Festlichkeiten zu „100 Jahre Gran Vía” so gewesen, dass die Straße zelebriert wurde. Ein ganzes Jahr lang stand die Gran Vía im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. TV-Berichte, Ausstellungen und insbesondere, der Ort an für sich, wurden in immer neuen Events in den Vordergrund gehoben. Einen ganz besonderen Anlass erzielte man in Madrid zu San Isidro, dem traditionellen Fest der Stadt. An diesem Tag, dem 15.5. wurde ein blauer Teppich auf der Straße verlegt, um den Autoverkehr für einen Samstag zu verbannen und nur die Menschen auf diesem Teppich laufen zu lassen. Drei verschiedene Bühnen zeigten Konzerte jedweder musikalischer Richtung und zur großen Freude insbesondere aller Restaurantbetreiber, wurde der Genuss, einmal auf der breiten Straße ohne Autoverkehr zu laufen, auch nicht von Imbiss- oder Getränkebuden gestört. Madrid hat es damit geschafft ein Event zu veranstalten, dass die Stadt, ihre Einwohner und Besucher das ganze Jahr beschäftigte, Kommunikation generierte und damit etwas zum Mythos und vielleicht auch zur Aura der Gran Via und damit auch zur Stadt beitrug. In wie weit sich dieses Ereignis ins kulturelle Gedächtnis eingräbt bleibt abzuwarten. Erfreulich ist dabei, dass sich die kommerzielle Nutzung dieses Projektes angenehm zurückhaltend präsentierte und die vielen Ausstellungen und Reportagen durchaus einen Bildungsgedanken in sich trugen, der einen guten Blick auf das letzte Jahrhundert spanischer Geschichte in Madrid zuließ.

In den letzten Jahren wurde die Gran Via dem immer starker werdenden Fußgängerverkehr angepasst und die Bürgersteige gegenüber der Fahrbahn erheblich verbreitert, während der Autoverkehr zunehmend für reine Durchfahrten gesperrt wurde. Das trägt nicht nur dem allgemeinen Trend Rechnung, Innenstädte wieder in die Hände von Fußgängern und Radfahrer zu legen. Ihre Stellung für den Autoverkehr verliert die Gran Via zunehmend und man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass es von Jahr zu Jahr mehr Fußgänger werden, welche die Gran Via zu jeder Tageszeit zu einer quriligen Großstadtmagistrale machen. Doch im Gewirr der Musicalbesucher, afrikanischen Handtaschen und Fußballtrikothändler, Schuhputzer, Selfiestangen tragenden Touristen, gestressten Madrilenen, Flaneuren aller Art und Flagshipstore Bummlern verliert die Straße auch etwas. Das gilt besonders für die Restaurants der Straße. Seit 1981 hier das erste McDonalds Spanien eröffnete, hat sich die Gran Via in ein Sammelbecken von Bar- und Restaurantketten gewandelt, was die Straße zwar einerseits zu einem Musterbeispiel der globalisierten Welt des weltweiten Marktplatzes macht, andererseits aber auch etwas unspannend werden lässt, denn eine traditionelle spanische Bar findet sich auf der ganzen Gran Via nicht mehr.

Die drei Paseos: Prado, Recoletos und Castellana

Madrids Nord-Süd Achse ist ein gewaltiger Straßenzug, der sich vom Hauptbahnhof der Stadt Atocha im Süden bis zum neuen Wolkenkratzergebiet im Norden dem CTBA zieht. Diese über acht Kilometer lange Schneise am früheren östlichen Ende der Stadt, die heute Mitten in Madrid liegt, unterteilt sich in drei unterschiedliche Straßen, deren Gemeinsamkeit im ersten Wort ihrer Namen liegen. Es sind die Paseos … del Prado, …del Recoletos und …de la Castellana (alle in unterschiedlichen blau Tönen auf Karte verzeichnet).

Paseo del Prado

Daten: Länge: 1,1km | vom: Plaza del Emperador Carlos V (S) zum Plaza de Cibeles (N) führend

Der Paseo del Prado ist der historisch erste Abschnitt der Nord-Süd Achse, der zum Zeitpunkt seiner Entstehung aber eher der Ostabschluss der Stadt Madrid war. Früher lag hier ein kleines Tal, dass man noch heute in seiner geographischen Lage erkennt, wenn man vom Retiro-Park abwärts zum Paseo del Prado läuft, ihn überquert und dann die Calle Atocha wiederum steil aufwärts spaziert. Besondere Bedeutung bekam die in diesem Abschnitt entstehenden Straße, als im Laufe des 18. Jahrhunderts das Schloss, der Palacio Real neu aufgebaut werden musste, da das alte Bauwerk 1734 ein Opfer der Flammen wurde. Die königliche Familie verlegte daraufhin ihren Sitz in den heute nicht mehr existierenden Palacio Buen Retiro, von dem quasi nur der Park übrigblieb. Die Nähe der höchstmöglichen Gesellschaft verleitete die feine Madrider Gesellschaft den Paseo zum Flanieren zu benutzen, zum Sehen und Gesehen werden, ob nun mit Kutsche, Pferd oder nur zu Fuß. José de Hermosilla legte 1767 einen Plan für das Projekt „Salón de Prado“ vor, dass eine breite Allee beinhaltete, die von runden Plätzen mit Brunnen unterbrochen wurden, ideal für das städtische Bedürfnis nach aristokratischem Flanieren. Da er aber verstarb, setzte Ventura Rodríguez seine Pläne um und ließ den Kybele Brunnen, (im spanischen „Cibeles“), den Neptunbrunnen (beide je 1782), den Vierjahreszeitenbrunnen, der auch als Apollobrunnen (1802) bekannt ist und den Artischockenbrunnen (1781) bauen. Damals war vollkommen unklar und sicherlich unvorstellbar, dass Cibeles und Neptuno heute für die Siegesfeierlichkeiten der beiden großen Fußballklubs Real und Atletico Madrid benutzt werden und dann als Sammlungspunkt für ausgelassene Feierlichkeiten dienen. Die Arbeiten am neuen „Salón de Prado“ fanden in einer Epoche statt, in welcher der Paseo so etwas wie der erste Ort der Umgestaltung Madrids hin zu einer europäischen Metropole der Aufklärung wurde. Im Geiste dieser Bewegung wurde der Botanische Garten angelegt. 1785 entstand nördlich vom Park ein Bau, der eine wissenschaftliche Akademie aufnehmen sollte, ein Kabinett der Naturgeschichte und ein chemisches Labor. Letztendlich wurde es 1808 fertiggestellt, doch die französische Besetzung Spaniens verhinderte seine Nutzung. Erst 11 Jahre später, am 19. November 1819 wurde der Bau eröffnet, allerdings in vollkommen anderer Nutzung, als Kunstmuseum „Prado“. Heute ist er der Mittelpunkt einer ganzen Ansammlung von Museen, die allesamt Weltruhm genießen. Ganz im Süden des Paseos, entlässt die erst kürzlich umbenannte Metro-Station „Estacion de las Artes“, jede Menge Kunstbegeisterte aus dem Untergrund, welche hier in die bis heute entstandene „Museumsmeile“ einbiegen können. Ob nun in das „Reina Sofia“ (das allerdings nicht mehr auf dem Paseo liegt, aber in unmittelbarer Nachbarschaft), das Caixa Forum, das Thyssen-Bornamiza oder eben den Prado, dem Kunstliebhaber bietet der Paseo del Prado so viel an, wie er es sonst kaum noch in Europa in so einer zusammengeballten Dichte finden kann. Der Ausdruck von Eleganz und Stil, gern im historisierenden Stil (lediglich das Caixa Forum bildet da eine gewisse Ausnahme bei den Bautwerken der Straße) ist das äußerliche Credo des Paseos del Prados. Das zeigt sich architektonisch nicht nur in den Luxushotels am Plaza Neptuno, sondern auch am Bauwerk der Börse oder der spanischen Staatsbank, der Banco de España, die am nördlichen Ende des Paseos thront und Madrids vielleicht repräsentativste Straße abschließt.

Paseo de Recoletos (oder auch nur kurz: Recoletos)

Daten: Länge: 0,7 km | vom Plaza de Cibeles (S) zum Plaza de Colón (N) führend

Immer noch elegant wird am Plaza de Cibeles aus dem Paseo del Prado der Paseo del Recoletos. Sein in der Straßenmitte führender Fußgängerboulevard macht diesen Teil der großen Paseo Nord-Süd-Achse zu einem sehr einladenden Abschnitt für einen Spaziergang. Es finden sich Wasserspiele und Denkmäler, Straßencafes laden zum Verweilen ein und viele Menschen nutzen diesen Mittelteil der Straße zum schlendern (auch weil die an den Straßenseiten angebrachten Fußwege ärgerlich eng sind). So finden auf diesem mittleren Fußgängerboulevard im Laufe des Jahres auch immer wieder kleinere Märkte statt, wie die Bücherstände im Frühjahr und Herbst des Jahres, bei denen man fast vergisst hier eigentlich im Mitten des Madrider Verkehrs zu stehen. Geschichtlich ist Recoletos eng mit dem Paseo del Prado verbunden und quasi eine Erweiterung des Boulevards, den man im kleinen Abroñigal Flusstal baute. Benannt ist dieser Abschnitt nach dem Augustiner-Rekolleten-Kloster welches in dieser Gegend seit 1592 existierte. Die Straße endet schließlich im großen Plaza Colón, dessen Größe nur noch von der auf ihm aufgestellten spanischen Flagge überboten wird.

Paseo de la Castellana (oder auch nur kurz: Castellana)

Daten: Länge: 6,3km | vom Plaza de Colón (S) zur M30 (N) führend

Der Paseo de la Castellana ist die mit Abstand breiteste Straße der Stadt (ausgenommen die Autobahnen der Stadt) und sie bildet den Hauptteil der Nord-Süd Achse Madrids. Anders als auf der Gran Via ist die Castellana aber eine Straße des Autoverkehrs. Nur ausgewiesene Enthusiasten würden die Straße von ihrem Beginn am Plaza de Colón bis zu ihrer Einmündung in die Autobahn M-30 im Norden komplett spazierend abgehen, zumal die Castellana auch anders als die beiden anderen Paseos keinen breiten mittleren Fußgängerweg mehr hat. So finden sich auf der Castellana auch keine Theater (ausgenommen vielleicht vom Estadio Bernabeu, dem Stadion von Real Madrid) sondern hauptsächlich Banken, Botschaften, Bürokomplexe und Hochhäuser. Noch dazu ist die Straße Schauplatz jährlicher Großveranstaltungen, angefangen von der Drei Königsparade am 5.Januar, einem besonders von den Kindern der Stadt überaus geschätzter Termin über Festveranstaltungen zum Nationalfeiertag bis hin zu Sportevents wie der letzten Etappe der Radrundfahrt Vuelta de España.
Die Straße beginnt am Plaza Colón und endet nach rund 6km im Norden der Stadt an der Autobahn M30. Ihre Geschichte ist aber abgekoppelt von den beiden anderen Paseos und beginnt weitaus später. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt stark nach nördlicher Richtung hinaus, ungefähr bis auf die Höhe des heutigen Komplexes Nuevos Ministerios, wo damals noch eine alte Pferderennbahn stand, die in ihrer schieren Größe das Wachstum der Stadt an dieser Stelle bremste und verlegt wurde. Dafür wurden hier seit 1933 die neuen Ministerien gebaut, ein großzügiger Verwaltungskomplex, der von Secundino Zuazo geplant wurde, aber im Bürgerkrieg gestoppt wurde und schließlich 1942 fertiggestellt wurde. Daran anschließend sollte eine Hauptstraße weiter nach Norden führen, für die schon in den 1930er Jahren Pläne angefertigt wurden. Erst nach dem Bürgerkrieg wurden diese Überlegungen im sogenannten Plan Bidagor umgesetzt. Damit bildet der Paseo de la Castellana (im Volksmund auch nur Castellana) die entscheidende städtebauliche Nord-Süd Achse der spanischen Hauptstadt. Die Castellana wurde dabei als moderne Straße geplant, deren erster Ausdruck das Hochhaus und Verwaltungszentrum AZCA wurde, dem ersten Komplex von Wolkenkratzern in Spanien. Es dauerte aber bis in die 1980er Jahre als die Bauwerke in den Himmel schossen, trotzdem sind hohe Häuser zu einem Erkennungszeichen der weiterführenden Castellana geworden, die sich über den Plaza de Cuzco zum Plaza de Castilla zieht und dort mit den Torres KIO einen vermeintlichen Abschluss findet. Erst nach der Jahrtausendwende entstand noch weiter nördlich das CTBA, ein weiterer – noch höherer – Wolkenkratzerkomplex. (Mehr Informationen zu den Hochhäusern in Madrid finden sich hier)
Wie es sich für eine gute Verkehrsstraße gehört endet die Castellana im Norden einfach damit in die Ringautobahn M-30 zu fließen, was urbanistisch gesehen, äußerst unspektakulär verläuft, aber nur nochmal den Charakter dieser Straße als Autostraße verdeutlicht.

Bahnhöfe in Madrid

Estacíon de Atocha | Estacíon de Delicias | Estación del Norte | Estacíon de Chamartín

Madrid ist weltweit gesehen, vielleicht eine der besten, an den Zug-Fernverkehr im Hochgeschwindigkeitsbereich angebundenen Städte des Globus. Momentan können 18 spanische Städte mit dem Schnellzug AVE angefahren werden. Dies verteilt sich allerdings auf zwei Bahnhöfe. Im Norden der Stadt liegt Chamartin und am südlichen Ende der Innenstadt Atocha. Beide Bahnhöfe sollen in den folgenden Zeilen etwas genauer vorgestellt werden. Zwei andere Bahnhöfe, die für die (Bahnhofs-) Geschichte der Stadt nicht unwichtig sind (aber heute teilweise andere Funktionen haben), sollen ebenso kurz vorgestellt werden.

 

Estacíon de Atocha Erst Kopf-, jetzt Durchgangsbahnhof 88 Mio. PAX (2012)

 

Der Bahnhof Atocha ist heute so etwas wie der Hauptbahnhof Madrids und der am zentralste gelegene Bahnhof der spanischen Hauptstadt, wobei zentral bedeutet, dass er am südlichen Ende des Paseo del Prado am Ende der Innenstadt steht. Der Bahnhof geht zurück auf die erste spanische Bahnlinie von Madrid nach Aranjuez, welche 1851 eingeweiht wurde. Diese Privatbahn startete am Embarcadero Atocha, einem einfachen Gebäude, das zu jener Zeit noch außerhalb der Stadtmauern von Madrid lag, ein typischer Ort für die ersten Eisenbahnbauten. Der spanische Bahnverkehr war in jenen Jahrzehnten der ersten Eisenbahnwelle, geprägt von privaten Unternehmen, die unterschiedliche Linien betrieben und damit aber auch unterschiedliche Bahnhöfe in der Stadt errichteten. Den Ausgangspunkt Atocha nutzte ab 1856 die Gesellschaft MZA (Madrid-Zaragoza-Alicante), die zusammen mit dem größten Rivalen, der Compañía de los Caminos de Hierro del Norte de España (CCHNE) bald die größten Eisenbahnunternehmen Spaniens werden sollten. Die CCHNE ließ später den Bahnhof Norte in Madrid bauen, worauf weiter unten noch näher eingegangen werden soll. Schon in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es Überlegungen, wie und insbesondere wo, ein einheitlicher Großbahnhof in Madrid errichtet werden könnte und schon damals hielt man den Standort Atocha für den geeignetsten, jedoch war die Zeit für einen einzigen Bahnhof noch lange nicht gekommen. 1864 brannten große Teile des ersten Bahnhofsgebäudes ab, dass wie seinerzeit üblich, aus vielen Holzbauteilen stammte. Bei ersten Reparaturen wurden Eisenteile eingesetzt, jedoch machte sich bald die Notwendigkeit eines vollkommenen Neubaus bemerkbar. Dafür wurden zwei Entwürfe eingereicht, wobei der Plan von Alberto de Palacio y Elissague umgesetzt wurde. 1882 wurde schließlich der neue Bahnhof unter dem Titel „Estación del Mediodía“ eingeweiht. Der Kopfbahnhof hatte eine mittig liegende 152m lange und 27m hohe Bahnsteighalle. Ähnlich dem kurz vorher fertiggestellten Bahnhof Delicias, wurden rechts und links Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude der zentralen Halle angefügt, die im regional typischen Stil mit roten Ziegeln gefertigt wurde. Stiltechnisch wurde der in jenen Jahren in Madrid vorherrschende Eklektizismus angewandt. Der Bahnhof bot rund 2000 Reisenden Platz, eine für damalige Zeiten sehr hohe Zahl. Das Wachstum der Stadt um die Jahrhundertwende bezog sehr schnell die Umgebung der Station mit ein.  Nicht nur im näheren Umkreis entstehen neue Gebäude, auch die beiden Luxushotel „Ritz“ und „Palace“, die wenige hundert Meter weiter nördlich an der Prachtstrasse Paseo del Prado errichtet wurden, nutzten die günstige Lage zum nahen Bahnhof aus. Zunehmende Erweiterungen der Anlage wurden aber immer komplizierter, da auch die Nachbarschaft des Bahnhofs immer weiter zugebaut wurde. Das Metronetz der Stadt bekam 1921 einen Anschluss an den Bahnhof, während Straßenbahnen natürlich schon viele Jahre vorher (Innen-) Stadt und Bahnhof verbanden.
1933 begannen die Bauarbeiten an einem Eisenbahntunnel der quer durch die Stadt von Süden nach Norden führen und so einen Anschluss der Züge nach Nordspanien ermöglichen sollte. Dieser Bau jedoch wurde von riesigen Problemen begleitet, nicht nur vom spanischen Bürgerkrieg, der auch am Bahnhof Atocha seine Spuren der Zerstörung hinterließ. Nach seinem Ende wurden die Bahnen Spaniens verstaatlicht, so dass ab 1941 der Bahnhof Atocha zur staatlichen Gesellschaft RENFE gehörte. Nach über 30 Jahren Bauzeit wurde 1967 der Tunnel nach Norden eröffnet, der wegen seiner erheblichen Bauprobleme, auch „Túnel de la risa“, (daher:  „Tunnel des Gelächters“) genannt wurde. Er machte aus dem Kopfbahnhof Atocha einen Durchgangsbahnhof und führte zu einer Konzentration auf die Nord-Süd Achse, die schon bald zu wenig Kapazitäten für den rollenden Verkehr aufwies. Dies führte in zweiter Instanz aber zum Niedergang anderer Madrider Bahnhöfe (Delicias, Norte) bei gleichzeitiger Steigerung der Kapazität von Atocha, weshalb der Bahnhof in den 1980er Jahren komplett erneuert werden musste. Der spanische Architekt Rafael Moneo ließ die ehemalige Bahnsteighalle zu einem botanischen Garten mit Shops und Verwaltungseinrichtungen umbauen, gleichzeitig wurde eine neue Bahnsteighalle etwas weiter südlich eingeweiht und sowohl den S-Bahnverkehr (Cercanias) als auch den Fernverkehr beherbergt. 1992, mit der Eröffnung der der AVE-Linie nach Sevilla, kam schließlich der neue Bahnhof „Madrid Puerta de Atocha“ dazu, der als Haltepunkt für den neuen Hochgeschwindigkeitsverkehr dient. So sehr man die Umgestaltung des alten Bahnhofs bewundern kann, so sehr ist verstört doch aber insbesondere die Bahnsteighalle des neuen Teils, die bestenfalls als zusammengebastelt bezeichnet werden kann.
Seine schlimmsten Stunden erlebte der Bahnhof am 11.März 2004, als islamistische Terroristen Bomben in eingefahrenen S-Bahnen zündeten und damit 191 Menschen töteten und über 2.000 Verletzten. Diese Attacke führten weiterhin zu einem politischen Erdbeben, bei den nur wenig später stattfindenden Wahlen in Spanien. Eine ausführliche Darstellung der Ereignisse  findet sich auf wikipedia (hier). In Erinnerung an die Opfer der Gewalt wurde im Bahnhof ein Raum der Stille eingerichtet.
Mit den weiteren AVE-Linien nach Katalonien und in die Levante, hat Atocha heute seine Rolle als Hauptbahnhof ausgebaut. Momentan wird ein dritter Tunnel nach Norden gebaut, um es auch AVE Schnellzügen zu ermöglichen von Süd nach Nordspanien zu fahren und trotzdem in Atocha zu halten. Heute reisen rund 240.000 Menschen täglich von der Estacíon de Atocha ab.

 

Estacíon de Delicias Kopfbahnhof heute Eisenbahnmuseum

 

Der Bahnhof Delicias ist der einzige der vier beschriebenen Stationen, der überhaupt keinen regelmäßigen Zugverkehr mehr aufweisen kann, trotzdem ist er ein historischer Platz. Hier wurde am 30.März 1880 der erste große mit einer gewölbten Bahnsteighalle ausgestattete Bahnhof Madrids eröffnet. 1879 begannen die Arbeiten unter der Leitung des französischen Baumeisters Emile Cacheliévre. Beeindruckend ist noch heute die rationalistische Bauweise der Haupthalle, deren Giebel als unverkleidete Stahlkonstruktion erbaut wurde. Es ist der erste Bau mit einer Stahl-Glas Bauweise in Madrid. Die 22m hohe, 35m breite und 170m lange Halle beherbergt fünf Gleise. Ihre Konstruktion folgt dem gleichen Prinzip der Weltausstellungshalle von Henri de Dion, welche nur ein Jahr vorher in Paris eröffnet wurde. Dabei werden die armierten Stützpfeiler in betonierte Pfeiler eingelassen, wodurch eine Bahnsteighalle ohne Abspannungen, Verstrebungen oder Wiederlager möglich wurde. Rechts und links sind Seitengebäude angeschlossen, die etwas an die damals gern benutzte Neomudejar-Architektur erinnern. Sie dienten zur Passagierabfertigung und als Diensträume. Die ersten hier abfahrenden Züge gingen nach Ciudad Real und von da in Richtung portugiesische Grenze, wobei zu einem Großteil auch Waren abgefertigt wurden. Doch nur 10 Jahre später sollte der Ausbau, des in der Nähe befindlichen Bahnhofs Atocha fertig sein, der eine weitaus größere Zahl an Zugverbindungen hatte. Obwohl auch Delicias Zugang zu diesem Netz hatte, war der Bahnhof nie so bedeutend wie Atocha. Und dieser Zugang führte noch zu einer kleinen Besonderheit. Da das Schienennetz rund sieben Meter tiefer als die namensgebende Straße Paseo de Delicias lag, liegt der Bahnhof etwas versteckt und ist von der Straße nicht sichtbar.
Nach dem spanischen Bürgerkrieg und der Integration des Streckennetzes in den Staatskonzern RENFE wurde der Bahnhof elektrifiziert, 1969 aber für den Personenverkehr und 1971 für den Güterverkehr endgültig still gelegt. Glücklicherweise wurde das Gebäude nicht Opfer des zur damaligen Zeit weltweit vorherrschenden Zeitgeistes der Schleifung von Bahnhöfen, sondern fand eine neue Nutzung. Seit 1984 dient das Bauwerk als Eisenbahnmuseum der Stadt Madrid.

Estación del Norte Erst Kopf-, jetzt Durchgangsbahnhof Kein Fernverkehr mehr

 

Die Estación del Norte heißt heute „Príncipe Pío“ und wie auch der geänderte Name vermuten lässt, hat der Bahnhof heute eine andere Funktion als noch zu seiner Entstehung. Der Nordbahnhof wurde auf Veranlassung der Bahngesellschaft Compañía de los Caminos de Hierro del Norte de España (CCHNE) oder auch kurz nur der „Norte“ erbaut. Diese verband Madrid mit dem Norden Spaniens bis hin nach Irún. Die Estación del Norte diente dabei als zentraler Bahnhof in Madrid, wobei der Name lediglich die Richtung der anfahrenden Züge anzeigt, denn eigentlich liegt der Bahnhof im Westen der Stadt (diese Besonderheit wiederholt sich beispielsweise in Valencia, wo die Estación del Norte im Süden der Stadt liegt). 1861 wurde der erste Bahnhof im Tal des Flusses Manzanares eröffnet, wenngleich die Linie damals nur bis nach El Escorial ging. Im Jahr 1882 wurde schließlich ein neues Abfertigungsgebäude für Passagiere eröffnet, es entstand parallel zum Paseo de la Florida. Im Jahr 1928 wurde dann ein weiteres repräsentatives Empfangsgebäude erbaut, dass den Bahnhof zur Stadt hin, zur Cuesta San Vicente abschloss und von zwei Türmen gekrönt wurde. 1925 wurde der Bahnhof mit der Metro verbunden, was gleichzeitig bedeutete, dass man den recht steilen Aufstieg aus dem Tal zur Innenstadt bequem vermeiden konnte. Heute ist diese Metrolinie noch als Linie „R“ vorhanden und verbindet „Príncipe Pío“ mit „Opera“. Als RENFE alle privaten spanischen Eisenbahngesellschaften übernahm, wurde die „Estación del Norte“ zum zweitwichtigsten Eisenbahnstopp in Madrid. Alle Züge nach Kantabrien, Altkastillien oder Portugal starteten hier. Zum Verhängnis wurde dem Nordbahnhof aber, als man im tatsächlichen Norden Madrids mit dem Bahnhof „Chamartín“ einen neuen Bahnhof baute, welcher dann auch noch mit dem seit Ewigkeiten geplanten Nord-Süd Tunnel mit „Atocha“ verbunden wurde. Nach dessen Fertigstellung wurde die „Estación del Norte“ zunehmend unwichtiger und 1993 verließ ein letztes Mal ein Fernzug den Bahnhof in Richtung Galizien. Daraufhin folgte ein grundlegender Umbau der Station. Unter der Leitung von Javier Bustinduy Fernández wurde ein großes Loch unter der Bahnsteighalle ausgehoben, um den Metrolinien 6 und 10 eine Haltestelle zu geben, die dann Príncipe Pío hieß. Weiterhin wurde die alte Bahnverbindung zum Bahnhof „Atocha“ neu eingerichtet und größtenteils untertunnelt, womit Príncipe Pío auch an das S-Bahnnetz angeschlossen wurde. Im Jahr 2000 wurde das alte Empfangsgebäude von 1882 und eine Bahnhalle zu einem Einkaufszentrum und Kino umgebaut, das nun auch den Namen „Príncipe Pío“ trug. Durch den Ausbau der M30 unter den in der Nähe liegenden Fluss Manzanares, mit Projekt Madrid Rio, wurde gleichzeitig ein unterirdischer Tunnelbusbahnhof in Principe Pio gebaut, der 2007 eröffnet wurde und Anschlüsse insbesondere in den Westen und Nordwesten der Region bereithält. Lediglich das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1928 liegt immer noch ungenutzt an der  Cuesta San Vicente und verfällt trotz vielfältiger Nutzungsideen.   

Estacíon de Chamartín Durchgangsbahnhof 21,3 Mio. PAX (2010)

 

Der Bahnhof Chamartín liegt in Madrids Norden und ist so etwas wie der 2.Hauptbahnhof der Stadt. Er ist von seiner Bedeutung allerdings klar Atocha untergeordnet. Von hier verkehren heute zahlreiche Fernzüge in den Norden Spaniens, der Nachtzug nach Lissabon, sowie die Hochgeschwindigkeitsverbindung nach Valladolid und Leon. Die Geschichte dieses eigentlichen Nordbahnhofes ist eng verbunden mit dem Problem, das Atocha im Süden der Stadt liegt und man dort keine Züge in Richtung Norden und Nordwesten Spaniens fahren lassen konnte. Deshalb wurde schon in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts ein Tunnel durch die Stadt geplant, welcher unter der „Paseo Castellana“ entlangführt. Die Arbeiten für den Tunnel wurden 1933 begonnen und auf dem Friedhof des Dorfes „Chamartín de la Rosa“ wurde die Fläche für einen neuen Bahnhof angelegt, doch durch den Bürgerkrieg und seine Folgen  änderte sich für Jahrzehnte nichts. Erst als der Tunnel fertig wurde, nahm auch der Bahnhof Gestalt an. Wobei erst sehr langsam, anfangs war nur ein Gebäude neben dem Gleis vorhanden. Chamartín wurde daher von Anfang an als Durchgangsbahnhof konzipiert, nicht als Endbahnhof einer Linie. Mit der Zeit wurde mehr und mehr Verkehr nach Chamartín verlegt, wobei er trotzdem für den Großteil des Fernverkehrs die Ausgangs- oder Endstation war. Diese Verlegung bedeutete aber auch, dass insbesondere der Bahnhof „Estacíon del Norte“ an Bedeutung verlor.
Zwischen 1970 und 75 wurde ein neues, großes und repräsentatives Bauwerk der Estacíon de Chamartín errichtet, das gleichzeitig auch einen Einkaufsbereich hatte und die Funktion eines neuen Hauptbahnhof übernehmen könnte. Der Komplex wurde so angelegt, dass die Empfangshalle wie ein Reiter über den Bahnsteigen schwebt, diese aber nur überdacht sind und keine eigene Halle haben. Eine Straßenauffahrt zum Haupteingang hin zeigt, dass man Autos in dieser Zeit keinesfalls mehr vernachlässigen konnte. Gleichzeitig entstand ein Hotelbau im Bahnhofskomplex.
Mit dem fertiggestellten Neubau wurden in den 1980er Jahren, zahlreiche Linien nach Chamartín verlegt. Als Atocha 1986 für Umbauten geschlossen wurde, war Chamartín der mit weitem Abstand bedeutendste Bahnhof der Stadt. Erst als 1992 Atocha wieder ans Netz ging und noch dazu von dort der erste Hochgeschwindigkeitszug AVE nach Sevilla führte, verringerte sich aber wieder sein Rang. Alle weiteren neuen AVE Linien starteten in Atocha und erst 2007 wurde die erste AVE Linie von Chamartín aus eröffnet. Damit wurde die Frage nach der Tunnelverbindung nach Atocha wieder aktuell. Zwar wurde 2004 schon ein zweiter Tunnel eröffnet, der den ersten entlasten sollte, trotzdem waren diese Strecken nicht für AVE-Züge geeignet, da diese eine eigene (die europäische) Spurweite haben. Also wird derzeit an einem dritten Tunnel zwischen Chamartín und Atocha gebaut, um auch das Hochgeschwindigkeitsnetz in Spanien zu vereinen

Transitort Madrid

Metro Madrid | Flughafen Barajas | Madrids große Bahnhöfe

Madrids Bedeutung in Spanien ergibt sich nicht nur aus seiner politischen Rolle als Hauptstadt. Anders als Paris, London, Moskau oder Berlin liegt Madrid direkt im Zentrum seines Landes, dem Staatsgebiets Spaniens und spielt somit auch als zentrale Verkehrsachse eine dominante Rolle. Der verkehrsreichste Flughafen Spaniens liegt in Madrid und fungiert als Drehkreuz der größten Airline des Landes iberia. Ebenso verkehren alle Hochgeschwindigkeitszüge (AVE) Spaniens von oder nach Madrid und der Streckenausbau wird von der Hauptstadt aus betrieben (was übrigens dazu führt dass es zwischen Madrid und 18 spanischen Städten AVE Verbindungen gibt, nicht aber zwischen der 2. und der 3. größten Stadt des Landes). Alle wichtigen Autobahnen führen von Madrid weg, die A1 bis A6 sind quasi im Uhrzeigersinn von der Stadt ausgehend in alle Himmelsrichtungen verteilt (mit der A7, der Mittelmeerautobahn, die nicht mit der Hauptstadt verbunden ist, beginnt die weitere Zählweise, anders als A1 bis 6 ist die 7 auch teilweise kostenpflichtig). Im folgenden soll etwas genauer ein Blick auf die Einrichtungen des Transits in Madrid geschaut werden.

Bisherige Artikel:
Metro Madrid, die achtlängste U-Bahn der Welt.
Madrids große Bahnhöfe, hier werden vier große und historisch bedeutende Bahnhöfe vorgestellt.

Bahnhöfe in Madrid

Bahnhöfe in Madrid

Metro Madrid

Metro Madrid

Metro Madrid

Das bedeutendste Nahverkehrsmittel der Stadt ist die Metro, deren Stationen fast überall in Madrid anzutreffen sind. Mit einer Gesamtlänge von 293km gehört sie zu den längsten U-Bahnen der Welt und ist eine der am schnellsten wachsenden Metros der Welt, nimmt man die letzten 20 Jahre als Maßstab. Heute fahren jährlich 560 Millionen Passagiere auf den 13 Linien auf denen man insgesamt 301 Bahnhöfe erreichen kann. Fast alle Stationen liegen im Stadtgebiet, jedoch führen einige Linien auch in die Vororte, wobei sie fast ausschließlich unter der Erde verlaufen. Das Netz des öffentlichen Nachverkehrs wird weiterhin von der S-Bahn artigen Cercanias abgedeckt, die weiter entfernte Gebiete in der Metropolregion ansteuert oder von den 3 Linien der Metro Ligero, einer Art Straßenbahn, die 2007 ihren Dienst aufgenommen hat und unmittelbare Vororte im Norden und Westen bedient.

Geschichte der Metro

Seit 1871 gab es erst Pferdestraßenbahnen, später elektrisch betriebene Straßenbahnen, die insbesondere im Stadtzentrum zu einer sehr hohen Verkehrsdichte führten. So kam schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts der Vorschlag auf, eine U-Bahn zu bauen, so wie sie seinerzeit in London in Betrieb ging. Doch erst 1913 kam es zu einem ernstzunehmenden Vorschlag der  Ingenieure Miguel Otamendi, Carlos Mendoza und Antonio González Echarte. Sie stellten ein Plannetz aus vier Linien vor mit insgesamt 14km Länge auf. Die Streckenführung entspricht den heutigen Linien 1 bis 4. Mit Hilfe Königs Alfons konnte die Finanzierung geklärt werden und 1917 wurde die „Compañia Metropolitano Alfonso XIII“ gegründet. Die Bauarbeiten bereiteten erhebliche Probleme, da durch den im restlichen Europa tobenden 1.Weltkrieg kaum Material zu beschaffen war. So mussten auch die ersten Wagen aus Paris abgekauft werden, da es keine Firma gab, die eigene Madrider Wagen herstellen konnte.
Am 17. Oktober 1919 eröffnete der König Alfons XIII. offiziell den ersten Abschnitt der Linie 1. Dieser war 4 Kilometer lang und führte von Sol nach Cuatro Caminos am damaligen nördlichen Stadtrand, wo sich auch das Depot für die Züge befand. Der fahrplanmäßige Betrieb begann zwei Wochen später, wobei schon schnell klar wurde, dass die Madrilenen die Metro sehr gut annehmen würden. Bereits zwei Jahre später folgte die erste Verlängerung, die zum Bahnhof Atocha führte. Ebenfalls 1921 installierte man die ersten Rolltreppen, deren Benutzung zu Beginn aber noch kostenpflichtig war, heute zählt die Madrider U-Bahn die meisten Rolltreppen aller Metros weltweit. Eine zweite Linie eröffnete 1924 und führte von Sol zur östlich gelegenen Stierkampfarena Ventas. Ein Jahr später kam eine bis heute noch bestehende Kuriosität dazu. Die Linie R (was als Abkürzung für Ramal (dt.: „Zweig“) steht). Sie führt von Opera ins Manzanares Tal zum damaligen Nordbahnhof (heute Principe Pio) und hat auf ihrer Streckenlänge von 1,1km keinerlei Zwischenhalte. Damals erleichterte sie den Transport erheblich, da die Steigung vom Tal in die Innenstadt erheblich ist und die Straßenbahnen diesen Weg nur unter großen Mühen und mit sehr langsamer Geschwindigkeit bewältigten. Mit dem Ausrufen der Republik 1931 änderte sich der Betreiberfirmenname in „Compañia Metropolitano de Madrid“. 1932 und 1936, nur wenige Wochen vor Beginn des Bürgerkrieges kam es zu Streckenerweiterungen. Die Linie 3 zwischen Sol und Embajadores im Süden ging in Betrieb. Trotz der Kämpfe um Madrid kam es bis zur Übernahme der franquistischen Truppen 1939 kaum zu Betriebsstörungen. Doch auch in der Zeit Francos erlebte die U-Bahn einige Ausdehnungen. 1951 bestand die U-Bahn aus vier Linien mit einer Streckenlänge von 27,6km.
In den 1950er Jahren erlebte Madrid einen enormen Bevölkerungsanstieg. Trotz großer staatlicher Pläne für einen Ausbau der Metro, kam es aber erst 1961 zur Einweihung eines neuen Teilstückes, dass damals unter dem Titel S (suburbano) eröffnet wurde und von Plaza España nach Carabanchel im Südwesten führte. Diese heute zur Linie 10 gehörende Strecke hatte erstmals 90m lange Bahnsteige (statt der üblichen 60m), um mehr Passagiere aufzunehmen. Bis 1966 wurden auch die Bahnsteige der Linie1 auf 90m verlängert, was zur einzigen Schließung einer Station führte, nämlich zum Wegfall des Halts Chamberí. Dieser Bahnhof kann heute als Museum besichtigt werden (LINK). Mit der 1968 eröffneten Verlängerung der Linie 5 ebenfalls nach Carabanchel wurde letztmals eine Kleinprofillinie mit 60m Bahnsteiglänge gebaut. Ein neuer bis 1974 endgültig erstellter Plan legte ein neues Konzept vor, dass von Großprofillinien mit 115m Bahnsteiglänge ausging. Die neuen Großprofillinien (das sind alle Linien ab Nummer 6) haben nicht nur längere Bahnsteige, sondern auch breitere Tunnel und werden von anderen Zugwagentypen durchfahren. Die erste Strecke dieses Großprofils wurde 1974 eröffnet mit der Linie 7 von Pueblo Novo nach Las Musas.
Bis in die 1970er Jahre hinein war die private Metrogesellschaft ein gewinnbringendes Unternehmen. Jedoch häuften sich die Probleme. 1974 wurden erstmals Verluste eingefahren. Daraufhin erhöhte man die Fahrpreise, was auch zu einer Abnahme der Passagierzahlen führte. Zusätzlich sorgten Vandalismus und Taschendiebstähle für einen zunehmend schlechten Ruf der Metro Madrids. Durch den Tod Francos und der Transformation zu einem modernen demokratischen Staat veränderte sich die politische Landschaft in Spanien, was auch Konsequenzen für die U-Bahn der Hauptstadt hatte. Die neue Regierung übernahm die Kontrolle über die Metro und verstaatlichte sich schließlich 1979 komplett. Zu diesem Zeitpunkt war das Streckennetz 64km lang. Es wurde nun verstärkt investiert, sowohl in Sicherheitsmaßnahmen, als auch in die Infrastruktur. Bis 1982 wurde der erste Teil der Ringbahn, Linie 6 eröffnet, die Linie 9 von Sainz de Baranda bis Pavones und der erste Abschnitt der Linie 8 (die heutige Linie 10) von Nuevos Ministerios bis Fuencarral. Damit wurde drei Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Spanien, das Bernabeu Stadion an das Netz angeschlossen. Mit einem neuen Abschnitt der Linie 9 (von Plaza Castilla bis Herrera Oria, die Strecke hatte noch keine Verbindung mit der restlichen Linie 9 und wurde übergangsweise 9B genannt) erreichte die Metro 1983 eine Gesamtlänge von 100km. 1985 ging die Metro in das öffentlich-rechtliche Konsortium Consorcio Regional de Transportes de Madrid über. 1989 erfolgte eine Umbenennung in Metro de Madrid.
In den 1990er Jahren wurden gigantische Ausbaupläne vom Konsortium vorgestellt, die das Ziel hatten, dass jeder Einwohner der Stadt nur maximal 600m entfernt von einer Station leben sollte. Mit dem schnellen Ausbau der Metro wurde sogar Wahlwerbung gemacht und die rechts-konservative Partido Popular gewann die Wahlen, mit dem Versprechen auf einen schnellen Ausbau. Dabei wurde ein neues Finanzierungsmodell erdacht. Es wurde eine Gesellschaft gegründet (namens: „Arpegio“), die sämtliche Finanzierungsaktivitäten durchführen sollte. Der Gesellschaft wurde staatlicher Grund und Boden vermacht. Sobald dort neue Metrolinien hingeführt wurden, stieg der Wert des Grundbesitzes rapide an und mit dem dann folgenden Verkauf des Landes wurde ein Teil des weiteren Ausbaus finanziert. So wurde nach der Seouler U-Bahn, die Madrider Metro die schnellst wachsendste ihrer Art auf der Welt. Die Ausbaukosten wurden dabei niedrig gehalten und lagen bei rund 31 Mio.€ pro km (die neu angelegte Londoner Jubilee Line soll ungefähr 10mal teurer gewesen sein). 1995 wurde der Ring der Linie 6 geschlossen, seitdem ist es die meistfrequentierte Linie. 1998 wurde die Linie S nach Norden verlängert und dort mit der Linie 8 verbunden und die neue Strecke als Linie 10 (die jetzt von Nord nach Süd die Stadt kreuzte) neu eröffnet. Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Linie zum Flughafeneingeweiht, die die Bezeichnung der Linie 8 bekam. Jährlich kamen nun neue Abschnitte hinzu, die Linie 7 wurde auf das zweieinhalbfache ausgebaut, die Linie 9 wurde nach Arganda del Rey verlängert und verließ damit erstmals die Stadtgrenzen. Den Höhepunkt der Ausbauarbeiten gelang am 11.3.2003, wo 47km neue Streckenlänge an einem Tag übergeben wurden (die Verlängerung der Linie 10 in die südlichen Vororte und die daran anschließende Vortort Ringmetro „MetroSur“, die Linie 12). Die Linie 11, im Süden der Stadt, kam hinzu und bis 2007 erfolgte sowohl Stationsausbauten als auch zahlreiche Verlängerungen der Linien. Auch 2007 wurden noch drei weitere straßenbahnähnliche Linien, die Metro Ligero an das Netz angeschlossen (die allerdings getrennt bezahlt werden müssen). Diese führen in weniger dicht besiedelte Gegenden, zumeist in Vororte.

Madrider Metro heute

Heute ist die Madrider U-Bahn die 8.größte Metro der Welt (das ist insofern äußerst beeindruckend, als die Metropolregion Madrid wohl nur zu den weltweiten Top 50 gehört). Die einzelnen Stationen erzählen noch heute die Geschichte ihrer Herkunft. Die Ältesten sind meist noch recht eng, während die neusten Stationen, weiträumig, lichtdurchflutet und behindertengerecht gestaltet sind. Bis 2020 bestehen weitere Ausbaupläne für die Metro, sowohl was ihre innere Verzweigung in der Stadt, als auch ihre Herauswachsen in Vororte betrifft. Alle Stationen sind sauber und gepflegt, wobei die schmalen älteren Bahnhöfe schnell für große Menschen gefährliche Tiefen haben. Die Taktung beträgt in der Hauptverkehrszeit 2 bis 4 Minuten und die Züge verkehren von 6:00 bis 1:30 Uhr. Die Einzelfahrt beginnt ab einem Preis von 1,50€ (10 Fahrten kosten 12,20€). Tickets können aber nur innerhalb des Metronetztes verwendet werden, eine Kombination mit Bus, S-Bahn oder Straßenbahn ist nicht möglich. Trotz zahlreicher Preiserhöhungen in den letzten Jahren ist das Benutzen der Metro immer noch vergleichsweise billig und vor allem ist es sehr schnell. Betrachtet man noch, die außerordentliche Sauberkeit in Zügen und Stationen so kann man feststellen, dass die Metro de Madrid zu den besten ihrer Zunft gehört, was die Stadt durchaus Stolz machen sollte.

Madrid Rio

Der Park Madrid Rio ist ein städteplanerisches Vorzeigeprojekt, wie an die Stelle des platzfordernden Straßenverkehrs urbane Räume geschaffen werden können. Ausgangspunkt ist der Autobahnring M30, der besonders im Westen Madrids, sich sehr nahe an die Innenstadt annähert, da er dort am Flussufer des Manzanares gebaut wurde. Nicht nur wurde durch die Autobahn die Stadt zerschnitten, sondern auch die Abgas- und Lärmbelastung war in Sichtweite des Palacio Reals oder der Almudena Kathedrale schwer erträglich. Mit anderen Worten, eine Autobahn die mitten durch die Stadt führt, hat in den letzten Jahrzehnten an Glanz und öffentlicher Bewunderung durchaus eingebüßt und wird heute zumeist als störend empfunden. Die Frage war, was tun? In Madrid hat man die Autobahn und große Teile der Auf- und Zufahrten zu dieser, unter den Fluss gelegt, um oberhalb das Flussufer neu zu modellieren und es in eine Parklandschaft umzugestalten. Dabei ist man sehr gründlich vorgegangen und der neu entstandene urbane Raum kann sich sehen lassen und wird von den Madrilenen gern angenommen.

Der Umbau der Autobahn vollzog sich in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends. Seit 2007 wurden die dafür gebauten Tunnel sukzessive freigegeben, welche sich zu einem richtigen Tunnelsystem ausweiten und den gesamten westlichen Teil der M30 Stadtumfahrung ausmachen. Dieses unterirdische Gewirr von Straßen ist bei der Durchfahrt beeindruckend und man kann feststellen, dass in Madrid die Neigung Kreuzungen durch Tiefbaumaßnahmen zu vermeiden durchaus auch seine Vorteile hat.

Oberirdisch ist Madrid Rio allerdings noch weitaus beeindruckender und führt vom unteren Ende des Parque del Oeste (des Westparks) über rund 8km lang bis zum Parque Lineal Manzanares. Auf der kompletten Strecke kann man Fahrrad fahren, skaten, joggen oder einfach nur flanieren. Deshalb soll an dieser Stelle ein Rundgang entlang des Weges beschrieben werden.
Wer am Parque del Oeste, der sich entlang des Hanges von Moncloa (Metrostation) bis zum Fluss zieht, auf Madrid Rio stößt, der stellt fest, dass der erste Teil des Ufers nicht ausgebaut ist. Die Autobahn führt hier noch oberirdisch hinter einer kleinen Wohnsiedlung und vor dem Waldgebiet des Casa del Campo entlang, die Uferpromenade ist zwar breit, besteht aber zumeist nur aus trockenem Lehm. Von weitem schon sieht man den Mast der Seilbahn Teleferico den man unterquert, kurz danach gelangt man an die neu ausgebauten Flussufer (zu empfehlen wäre hier ein kleiner Abstecher auf den nur wenige Meter weiter links befindlichen Paseo de la Florida und der Kirche Antonio de la Florida, denn diese wurde von Francisco de Goya ausgemalt). Nur wenige hundert Meter weiter erreicht man die Puente del Rey aus dem Jahr 1828. An dieser kann man die Gelegenheit nutzen, um zum Casa del Campo zu gehen (rechterhand), Madrids Waldparkgebiet, dass auf 1700ha nicht nur den Zoo, einen Gondelteich („Lago“) und einen Freizeitpark beherbergt, sondern auch eine Oase der Ruhe in der sonst recht lauten Stadt darstellt. Casa del Campo ist auch zum Joggen, Wandern und Picknicken wunderbar geeignet. Linkerhand taucht der Bahnhof Principe Pio auf, der ehemalige Nordbahnhof, der jetzt auch ein Einkaufszentrum und ein unterirdischer (was sonst) Busbahnhof ist. Entscheidet man sich weiter entlang des Flusses zu spazieren, kann man bald eine großartige Aussicht auf den Palacio Real, die Kathedrale Almudena oder die Hochhäuser des Plaza España genießen und auch die ersten Restaurants und Kiosks lassen nicht auf sich warten, die zu angemessenen, wenngleich nicht billigen Preisen, Speis, Trank und Rast anbieten. Das nächste Highlight ist die alte Puente de Segovia, die aus dem Jahr 1594 stammt und unter Leitung von Juan de Herrera errichtet wurde. Sie ist noch eine Zeugin des habsburgischen Madrid, des hier so genannten „Madrid de Austrias“, einer Epoche der habsburgischen Herrschaft Spaniens, die maßgeblich Madrids Gestalt beeinflusste (siehe: Geschichte Madrids). Schwenkt man nach links ab, kann man über die Calle Segovia stadtaufwärts in eben jenen ältesten Stadtteil spazieren. Der nächste Teil des Madrid Rio führt dann am rechten Flussufer entlang, Kinderspielplätze bieten Gelegenheit, für die jüngere Generation Abwechslung zu finden. Bald erreicht man die wunderliche Brücke Pasarela de Principado de Andorra, welche wie ein Dreieck über den Fluss führt, kurz danach türmst sich schon das riesige Estadio Vicente Calderon auf, die Heimat von Atletico de Madrid. Doch lange wird das Stadion hier nicht mehr stehen. Der Klub baut schon am östlichen Stadtrand eine neue Arena, die auf dem ehemaligen Estadio Olímpico aufbaut (ein Link zum geplanten Bau ist hier: https://youtu.be/FbUOcCXPoLo ), einem angefangenen Sportfeld das die Madrider Hoffnungen auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele unterstreichen sollte, was aber bekanntermaßen nie wirklich Erfolg brachte. Am Vicente Calderon taucht auf der linken Seite auch einmal kurz die Autobahn aus dem Untergrund auf. In Zukunft – nach dem Abriss des Stadions und der dahinterliegenden Brauerei Mahou, sollen hier neue Häuser und ein Park entstehen und die Autobahn auch hier unter die Erde verschwinden.
Als nächstes unterqueren wir die Puente de Toledo, die ein wundervolles Beispiel des auf der iberischen Halbinsel vorzufindenden Barockstils des Churriguerismus ist und 1732, nach den Plänen von Pedro de Ribera fertiggestellt wurde. Gleich dahinter  erreicht man die Puente de Arganzuela, das ganze Gegenteil der feingliedrigen Toledo-Brücke. Genau genommen handelt es sich bei der Arganzuela Brücke um zwei Fußgängerbrücken, welche sich auf einem kleinen Hügel treffen. Das imposante Bauwerk von Dominique Perrault ist sicherlich eines der auffälligsten Neubauten des neuen Flussufers. Während die Parklandschaft am linken Flussufer sich etwas weitet und Platz für Spielwiesen und einen „Strand“ (für Kleinkinder) macht, bleibt es am rechten Ufer etwas enger. Der Wechsel von einer Seite zur Anderen wird aber durch eine Vielzahl von Übergangsmöglichkeiten erleichtert, so wie den Zwillingsbrücken Puente de Invernadero bzw. Puente de Matadero. Letztere führt direkt zum Kulturzentrum Matedero, einem ehemaligen Schlachthof (wie der Name in der Übersetzung verrät), dessen Besuch unbedingt zu empfehlen ist. Neben zahlreichen Veranstaltungen von Theater über Konzerten, Diskos bis hin zu Ballett findet der interessierte Besucher hier auch Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, eine Cafeteria und eine Bar, sowie einen Fahrradverleih. Gleich dahinter endet der Madrid Rio in seiner bisherigen Form, er führt nun nur noch auf der rechten Seite des Flusses entlang und bald schon wird er zu einem Provisorium, das direkt neben der 5-spurigen Autobahn entlang führt, die hier wieder oberirdisch verläuft. Aber die wenigen Meter auf sich zu nehmen lohnt sich, denn schon bald geht der Parque Madrid Rio nach 8km endgültig in den Parque Lineal de Manzanares über, der 2003 eröffnet wurde und in der Gesamtplanung vom Katalanen Ricardo Bofill stammt. Auf 130ha kann man hier unter anderen zwei Aussichthügeln besuchen. Der weiter nördlich gelegene hat die Form einer Pyramide und trägt eine Skulptur von Manolo Valdés mit einem riesigen Kopf der auf die Stadt schaut. Der etwas weiter südlich gelegene Aussichtshügel ist etwas höher und erlaubt eine fantastische Aussicht auf Madrid oder in der entgegengesetzten Richtung auf das Tennisstadion Casa Magica, ebenfalls von Dominique Perrault, wo jedes Jahr Anfang Mai ein Tennis Masterstunier stattfindet.

Wer nun genug gelaufen ist, dem ist der Rückweg zu den wenige hundert Meter entfernten Metrostationen „San Fermín“ oder „Hospital 12 de Octubre“ zu empfehlen, um mit der Linie 3 zurück in die Innenstadt zu fahren.

Neue Architektur in Madrid

Madrids Status als europäische Metropole, hat auch mit einem regelrechten Bauboom zu tun. Mitte des ersten Jahrzehntes unseres Jahrhunderts konnte man hören, dass es in Europa keine Stadt gab, in der mehr neue Gebäude errichtet wurden als hier. Dabei sind vor allem Wohnhäuser in der Peripherie der Stadt in die Höhe geschossen, zumeist mit Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Das enorme Wachstum der Madrider Metro speiste sich im Übrigen aus einer Symbiose aus Wohnungsbau, Grundstücksspekulation und infrastrukturellem Ausbau. Unbebautes Land in den Vorstädten wurde aufgekauft und eine Metrolinie dahin geführt. Dadurch steigerte sich der Wert des Landes und es wurde mit Gewinn verkauft. Mit den Einnahmen daraus wurde die Metrolinie weiter gebaut und das Spiel mit der nächsten Station wiederholt. Als die Immobilienblase 2008 platze war damit auch das Wachstum der Metro beendet. Allerdings auf einem sehr ausgebauten Niveau, die Madrider U-Bahn ist die 5.größte der Welt.
Das wohl vorzeigenswerteste urbanistische Projekt des letzten Jahrzehnts ist Madrid Rio, bei dem die am Ufer des Flusses Manzanares liegende Stadtautobahn unter die Erde verlegt wurde und oberhalb ein Park entstand. Dazu soll ein eigener Beitrag vorbereitet werden.
Das Hochhausviertel Cuatro Torres Business Area (CTBA), dass das Stadtbild im Norden von Madrid entscheidend verändert hat ist ebenfalls neueren Datums und wurde um 2010 fertiggestellt. Dazu erfahren sie mehr im Artikel zu den Hochhäusern in Madrid.

Aber auch Verwaltungsorgane, Kultureinrichtungen, Unternehmen und sogar der Wohnungsbau haben einige recht interessante Bauwerke geschaffen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass dafür immer mehr auch auf international renommierte Architektenbüros zurückgegriffen wird, die teilweise für ihre Auftraggeber spektakuläre Bauten planen. Madrid verzeichnet sich damit auf einer Karte der globalisierten Architektur. Konkret ist dabei das Museum der katalanischen Caixa Bank zu nennen, das Caixa Forum, das vom schweizer Duo Herzog & deMeuron geplant wurde. Das Büro aus Basel lieferte auch die Pläne für das neue Hauptquartier der Bank BBVA, die in einen Neubau im Nordosten der Stadt ziehen werden, der von einem spektakulären Hochhaus dominiert wird.  Die große Bedeutung der Kultur in der Stadt zeigt sich ebenfalls in Anbauten zu bestehenden Museen. Am eindrucksvollsten ist hierbei sicherlich Jean Nouvels Erweiterung des Museums Reina Sofia, der mit seiner gigantischen Dachkonstruktion einen neuen urbanen Raum schafft. Andere weltweite tätige Büros ließen gleichfalls ihre Spuren in Madrid, ob nun im Wohnungsbau, mit dem eigenwilligen, aber originellen, Edificio Mirador des niederländischen Büros MVRDV, oder beim Unternehmenssitz wie dem Endessa Hauptquartier der Amerikaner von Kohn Pedersen Fox.

Selbstverständlich ist die Hauptstadt Spaniens auch ein reiches Betätigungsfeld für einheimische Architekten. Herausragend sind auch an dieser Stelle nur einige zu nennen, wie der Anbau des Prado-Museums von Pritzker Preisträger Rafael Moneo.  Andere sehr sehenswerte Beispiele sind die neue Stadtteilbücherei in Usera von Ábalos & Herreros oder das Veranstaltungsgebäude Teatros de Canal von Juan Navarro Baldeweg sowie das Barcelo Zentrum des Duos Nieto Sobejano. Auch das spanische Büro von Rafael de la Hoz hat einige spektakuläre Bauwerke in Madrid hinterlassen. Schon in den 1980er Jahren lieferte es mit dem Edificio Castelar einen wundervollen Neubau auf dem Paseo de Castellana ab. Mittlerweile hat der gleichnamige Sohn das Büro des Vaters übernommen und unter seiner Leitung sind die Firmenzentralen von Repsol, der in seinen Ausmaßen gigantische Telefonica Campus oder der Neubau der Handelskammer entstanden, so das man davon sprechen kann, dass das Büro Rafael de la Hoz fleißig mitgestaltet wenn neues Bauwerkes das Gesicht Madrids verändern.

Hochhäuser in Madrid

Lage und historische Entwicklung | Überblick über Madrids Hochhäuser | Beschreibung der Hochhäuser | Karte

Lage und historische Entwicklung

Madrid ist für europäische Verhältnisse durchaus eine Hochhausstadt. Unter den europäischen Städten steht sie auf Platz sieben, was die Anzahl der Wolkenkratzer betrifft (dafür reichen schon 5 Häuser mit über 150m Höhe aus). Die vier höchsten Wolkenkratzer Spaniens stehen alle in Madrid und zwar alle nebeneiander, was eher ungewöhnlich, aber ein Merkmal der Stadt ist. Madrid besticht darin, dass viele Hochhäuser in zusammengefassten Gebieten stehen. Herausragend ist das Viertel CTBA („Cuatro Torres Business Area“ = „Vier Türme Geschäftsgebiet“), das am nördlichen Rand der Stadt liegt, sowie das davon rund 3 km stadteinwärts gelegene Gebiet AZCA. Dazwischen finden sich immer wieder vereinzelte Hochhäuser, die entweder an der Straße „Gran Via“ im Zentrum, oder an der „Paseo de la Castellana“ liegen, die aus dem Zentrum nach Norden herausführt (und zwar an AZCA vorbei bis nach CTBA). Durch Madrids Größe und die Zergliederung der Hochhäuser in einander entfernte Gebiete, ist eine einheitliche Hochhausskyline, wie man sie aus Frankfurt kennt, nicht vorhanden, die Stadt wird daher nicht von seinen Hochhäusern dominiert, sondern sie tauchen in ihrer Silhouette (zumeist am Rande) auf.

Historisch gesehen begann die Geschichte der Hochhäuser in Spaniens Hauptstadt sehr früh. Mit dem Edificio Telefónica bekam die Stadt bereits 1929 sein erstes, vielgeschossiges Haus mit einer für damalige europäische Verhältnisse erstaunlichen Höhe von 89m (nur wenige Meter niedriger als das höchste europäische Gebäude zu damaliger Zeit, das Liverpooler Royal Liver Building). Es entstand auf Madrids neuer Prachtstraße der Gran Via, die sich von Ost nach West durch die Innenstadt zog. Am westlichen Ende der Straße, wenn diese auf dem Plaza España mündet, wurden in den 1950er Jahren zwei weitere monumentale Hochhäuser gebaut, welche zum Glanz der franquistischen Hauptstadt beitragen sollten. Sowohl das 117m hohe, im rötlichen Ton gehaltene, Edificio España, als auch der weiße Torre de Madrid (124m) sind beide von den Architektengebrüdern Joaquín und Julián Otamendi erdacht und versinnbildlichen die Zurschaustellung der Potenz des „neuen Spaniens” und der weltstädtischen Metropole Madrids unter Franco.
Für die Hochhausentwicklung der Stadt tritt in den Folgejahren eine zweite Straße auf den Plan, der Paseo de la Castellana (früher noch Avenida del Generalísimo genannt). Dieser führt von der Innenstadt am Plaza Colon über 6km nach Norden. Neben Botschaften, Banken und Geschäftshäusern, gibt es zwei Dominanten die diese lange Straße heute prägen. Auf der Hälfte der Strecke gelegen ist dies AZCA, das erste Hochhausviertel Spaniens. Die Pläne dafür reichen zurück bis Jahr 1946 (Plan Bidagor). Sie sahen vor den schnell wachsenden Madrider Norden, ein hochaufschießendes modernes Zentrum zu geben. Das sogenannte AZCA (ein Akronym für Asociación Mixta de Compensación de la Manzana A de la Zona Comercial de la Avenida del Generalísimo de Madrid) sollte mit U-Bahn Anschluss und zahlreichen Geschäfts- und Wohnhäusern auf einem mehr als 200ha großem Areal Platz für die Stadt der Zukunft bieten. Auch ein Botanischer Garten und eine neue Oper wurden in die Planungen aufgenommen, jedoch nie verwirklicht. Die Bauarbeiten begannen in den 1970er Jahren und erreichten mit dem 1988 fertig gestellten Torre Picasso ihren Höhepunkt. Damit hatte Madrid ein neues höchstes Haus und seinen ersten Wolkenkratzer. Im Laufe der Jahre jedoch verfällt der Glanz von ASCA etwas. Zwar sind auch heute noch viele Büros vermietet und die Geschäfte ziehen immer noch Konsumenten in Scharen an, aber eine merkwürdige Leere macht sich in den Fußgängerpassagen zwischen den Hochhäusern breit, die nur spärlich von Skateboardern oder Spaziergängern genutzt werden und eher als Durchgang fungieren, denn als urbaner Ort. An den überdachten Flächen liegen manchmal Bettler herum und in den Tiefgeschossen finden sich nicht nur Diskotheken, sondern auch weitere Geschäfte mit einschlägigem Ruf.  Hochhaustechnisch wurde dieses kleine Manhattan Spaniens zu Beginn des 21. Jahrhunderts abgelöst, als 3km weiter nördlich am Ende der „Castellana“ das schon erwähnte CTBA gebaut wurde, dessen Hochhausdimensionen alles auf der iberischen Halbinsel in den Schatten stellt. Gleich alle vier Wolkenkratzer überflügelten die bis dato in Spanien unerreichte Gebäudehöhe von 200m. Dieses neue Finanz- und Wirtschaftsgebiet entstand auf dem ehemaligen Trainingsgelände von Real Madrid, dass der Verein äußerst gewinnbringend veräußern konnte (durch die Einnahmen aus dem Verkauf, der erst durch eine – mindestens bei Fußballfans umstrittene – Umwidmung von Parkflächen in Bauland gelang, konnte der Verein sich komplett entschulden und danach sein „Galacticos“ Programm starten d.h. den Kauf der damalig sehr teuren Stars wie Zidane, Beckham oder Figo finanzieren). Die Türme können als die neuen Markierungspunkte von Madrid gelten, denn von fast jedem Aussichtspunkt sind sie bis weit hinaus ins Land auszumachen. Problemlos kann man sie bei guter Sicht von El Escorial Schloss (45km von Madrid entfernt) oder der Sierra Guadarrama (rund 60km von Madrid entfernt) CTBA erkennen, wobei durch die gestaffelte Anordnung nicht immer alle vier Wolkenkratzer zu sehen sind.

Überblick über Madrids Hochhäuser

In der folgenden Übersicht sehen Sie alle Hochhäuser dieses Kapitels, die sie in der aufgeführten Reihenfolge weiter unten im Text mit einer kleinen Beschreibung finden können. Alle Gebäude mit einer Höhe von 100m sind in dieser Aufstellung vorhanden, sowie einige wenige weitere interessante Bauwerke geringerer Höhe

Name des Hochhauses Höhe Architekt Gebiet / Straße
Torre CEPSA 250m Norman Foster & Partner CTBA
Torre de Cristal 249m César Pelli CTBA
Torre PwC 236m Rubio & Álvarez-Sala CTBA
Torre Espacio 224m Pei Cobb Freed & Partners CTBA
Torre Picasso 157m Minoru Yamasaki AZCA
Torre de Madrid 142m „Julio und Joaquim Otamendi" Gran Via
Torre Europa 121m Miguel Oriol e Ybarra AZCA
Edificio España 117m „Julio und Joaquim Otamendi" Gran Via
Torres de Colon 116m Antonio Lamela Castellana
Torres KIO 114m „Philip Johnson und John Burgee" Castellana
Torre BBVA 107m Francisco Javier Sáenz de Oiza AZCA
Torre Titania 104m „Pablo Muñoz und Pedro Vilata" AZCA
Torre del Complejo Cuzco 100m Antonio Perpiña Castellana
Torre de Valencia 94m Francisco Javier Carvajal Retiro
Edificio Telefonica 89m „Ignacio de Cárdenas und Louis S. Weeks" Gran Via
Torre Mahou 85m „Arce und  Malibran und Salata" AZCA
Torres Blancas 71m Francisco Javier Sáenz de Oiza Avenida de America
Edificio Mirador 63m MVRDV Sanchinarro
Torrespania 232m Emilio Fernández Martínez de Velasco Retiro

Beschreibung der Hochhäuser

Das höchste Haus Spaniens bzw. Madrids wurde 2008 fertiggestellt und hat seither schon vier Mal seinen Namen geändert.  Ursprünglich war das Gebäude für den Mineralölkonzern Repsol geplant, der das Haus aber für über 800 Mio. € an die Bank Caja Madrid veräußerte, die ihren Firmensitz darin errichtete. Diese wiederum fusionierte zur skandalumwitterten Bankia-Bank. Seit 2014 heißt das Bauwerk nun Torre CEPSA.  Es ist mit 250m Höhe das höchste Bürohaus Spaniens und wurde von Sir Norman Foster + Partners konzipiert. Bei einem ersten Blick erinnert es ein wenig an ein CD-Regal. Das Gebäude kann wie ein großes Tor gesehen werden, indem sich die Büroetagen wie in einen Rahmen befinden, in welchem der Serviceteil untergebracht ist. Der elegante Bau steht aus Richtung Stadt kommend gleich am Beginn des CTBA Viertels.

Der Torre de Cristal von Cesar Pelli ist mit 249,5m nur 60cm kleiner als der Torre CEPSA. Er wirkt wie ein gemeißelter Block aus Kristall, der durch die verschiedenen Winkel seiner Fassade die Sonne auf immer andere Weise reflektiert. Obwohl die Form auch an einen ägyptischen Obelisken erinnert, hat sie doch eine komplett zeitgenössische, dekonstruktivistische Form, die wie eine  ¼ Kilometer hohe Plastik ausschaut. In Richtung seiner Spitze neigt sich die Fassade verstärkt. Unter dem Dach befindet sich ein Wintergarten.

Auch der Torre PwC hat nicht mehr seinen ursprünglichen Namen, sondern hieß zu seiner Einweihung 2008 noch Torre Sacyr Vallehermoso. Mit 236m Höhe ist der Turm der dritthöchste des Viertels CTBA, der Stadt und des Landes. Das Gebäude wird unterschiedlich genutzt, beherbergt unter anderem auch ein Fünf-Sterne Hotel. Der Bau besteht aus drei gleichseitigen, an jeweiligen nach außen schauenden Seite abgerundeten, Dreiecken, welche dem Gebäude drei horizontale „Falten“ bieten, die wiederum natürliches Licht ins Innere des Gebäudes lassen. Die dunkle Fassade ist doppelt verglast und bietet eine bräunlich Optik, die wohl einen besonders edlen Ausdruck vermitteln möchte.

Der Torre Espacio ist mit seinen 224m (bis Spitze 236m) Höhe der viertgrößte der vier Hochhäuser der “Cuatro Torre Business Area” im Norden von Madrid, erreichte aber als Erster 2006 eine strukturelle Höhe von über 186m und überflügelte damit den bisherigen Rekordhalter in Spanien, das Gran Bali Hotel in Benidorm. Er war der erste fertiggestellte Bau des CTBA und schon beim Erreichen seiner Endhöhe gab es ein großes Fest mit Feuerwerk, was dann auch den Brand, der bei den Bauarbeiten ausgebrochen war, aber keine größere Zerstörung anrichtete, vergessen ließ. Das Architekturbüro Pei Cobb Freed &  Partners gaben dem Bauwerk eine bemerkenswerte Form, die skulpturalen Charakter hat. Der Turm dreht sich gewissermaßen nach oben. Auf Bodenhöhe besteht sein Grundriss aus einem Quadrat, dass sich zu einer leicht geschwungenen Raute entwickelt und an dessen Dach sich ein elliptischer Grundriss aufzeigt.

Mit 151m ist der Torre Picasso von Minoru Yamakasi (Architekt des 2001 untergegangenen WTC in New York) das höchste Gebäude des AZCA Komplexes. Der 1988 fertiggestellte Bau war zu seiner Einweihung auch das höchste Hochhaus Spaniens. Die Planungen für den Bau reichen bis 1975 zurück, als Yamakasi den Zuschlag für seinen Entwurf bekam. Der Torre, der seinen Namen vom gleichnamigen Platz auf dem er steht hat, hat eine starke horizontale Betonung, da schmale Fensterbereiche von Etage 3 bis 43 durchgehend nach oben führen. Die ersten beiden Etagen haben keine Fenster, sondern nur einen gläsernen Rundbogen, der das Eingangsportal darstellt. Allerdings kann man diesen Bereich erst bei näheren Betrachten sehen, da das Bauwerk etwas unterhalb der gewöhnlichen Höhe der Freiflächen von AZCA liegt. Der Torre Picasso war in den vergangenen Jahren auch Kulisse für einige spanische Fernsehserien oder Filme, der berühmteste sicherlich Alejandro Amenábars „Abre los ojos“. Das Haus war leider auch Zielscheibe des ETA Terrors, welche versuchte das Bauwerk zum Einsturz zu bringen. Der Plan wurde 1999 von der Polizei vereitelt.

Der Torre de Madrid ist Madrids höchstes Bauwerk der Innenstadt. Er erreicht 142m Höhe (mit Antenne sogar 165m) und war damit bei seiner Fertigstellung 1957 das höchste Haus Westeuropas. Er beendet gleichzeitig den Ausbau der Gran Via und gibt ihr, obwohl schon auf dem Plaza España liegend (aber in der Sichtachse der Straße) einen monumentalen Abschluss. Die Brüder Julián und José María Otamendi planten den Bau, der zur damaligen Zeit das höchste Betonbauwerk des Landes war. Seine architektonische Form deutet schon die Moderne an, ist aber beim international Style noch nicht angekommen (vergleicht man es beispielsweise mit dem Seagram Building in New York, dass ein Jahr später fertiggestellt wurde) sondern bewegt sich noch in der Formensprache des Monumentalbaus (obwohl politisch diametral entgegengesetzt findet zu jener Zeit im europäischen Osten ein ähnlicher Hochhausbaustil statt, siehe die „Sieben Schwestern“ in Moskau oder den Warschauer Kulturpalast). Das Haus wird sowohl für Wohnen als auch für Büros genutzt.

Der Torre Europa misst mit 121m und ist damit das zweithöchste Gebäude von AZCA und steht am nordwestlichen Ende des Komplexes in Nachbarschaft zum Bernabeu Stadion. Es wurde 1985 fertiggestellt nach Plänen von Miguel Oriol e Ybarra. Die Büros verteilen sich auf 30 Etagen und werden von mehreren Mietparteien genutzt. 2002 plante die ETA auch an diesem Haus einen Anschlag.

Edificio España ist der kleine, aber ältere Bruder des Torre de Madrid und steht am nördlichen Kopfende des Plaza Españas. Auch dieses 117m hohe Bauwerk wurde von den Brüdern Julián und José María Otamendi geplant. Seine Fertigstellung gelang 1953 und wurde ein Symbolbau für die Prosperität des Franco-Regimes, die gerade zur damaligen Zeit nicht bei der Bevölkerung ankam. Es beherbergte ein Luxus-Hotel, Läden, Büros, Wohnungen und einen Pool auf dem Dach. Seit Jahren steht das Haus allerdings leer und wurde zu einem Symbol für die spanische Immobilienkrise. 2014 kaufte der Chinese Wang Jianlin (der übrigens 26. reichste Mann der Welt) das Haus und will es wiederbeleben. Architektonisch wird das Edificio España teilweise dem Neobarock zugerechnet, ist aber ein Kind des europäischen Hochhausbaus der 1940er und 50er Jahre, dass in monumentaler Wucht daherkommt. Es bildet mit dem Torre de Madrid eine Einheit, obwohl es viel breiter und pompöser, als sein Nachbar ist und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

Die Torres de Colon sind aus der Hand von Antonio Lamela und wurden 1976 fertiggestellt. Sie werden im Volksmund gern auch „der Stecker“ genannt, wegen ihrer eigenwilligen Dachgestaltung. Die beiden Türme nehmen in ihren Ausgangspunkt in einem dreigeschossigen Sockelbau, dann erheben sich zwei getrennte Turmschäfte, die im grünen Dach wiederum vereint werden. Die braune Glasfassade kontrastiert etwas mit der mächtigen Dachkonstruktion dieses eigenwilligen Hochhauses, das immerhin 116m erreicht.

Der Plaza Castillia wird dominiert von den Torres KIO, welche offiziell Puerta de Europa genannt werden. Diese 114m hohen Gebäude sind um 15° geneigt. Sie wurden geplant vom Architektenduo Philip Johnson und John Burgee, die damals eine der ersten ausländischen Stararchitekten waren, die in Madrid bauten. Der Bau wurde 1996 fertiggestellt. Ihren Spitznamen KIO haben die Gebäude von der ausführenden Baufirma gleichen Namens. Die beiden Türme spielten eine nicht unwichtige Rolle in Álex de la Iglesias Komödie „El dia de la Bestia“.

Der Torre BBVA wurde 1979-81 nach Plänen von Francisco Javier Saenz de Oiza erbaut und ist die architektonische Perle des AZCA Viertels. Das Hochhaus ist noch das Hauptquartier der Bank, diese lässt sich allerdings bis 2015 einen neuen Unternehmenssitz im Norden der Stadt errichten und hat den Turm bereits 2007 verkauft, benutzt ihn aber noch bis zum Umzug. Der Torre BBVA besticht durch seine Klarheit und Eleganz. Die Stahl-Glas Fassade in einem Ocker-Ton gehalten intensiviert noch seine Farbgebung im Laufe der Jahre durch Oxidation. Die Ecken des Bauwerkes sind abgerundet und Balkonböden umlaufen das gesamte Bauwerk. Zwei Stahlbetonkerne stützen die Struktur des Hauses, die alle fünf Stockwerke von Auslegerplatten gehalten werden, welche die zwischenliegenden Geschosse stützen und in jeder 5.Etage ein säulenfreies Geschoss ermöglichen. Unmittelbar unter dem Gebäude verläuft ein Tunnel der Metro.

Der Torre Titania ist das jüngste Hochhaus im AZCA Distrikt und wurde 2013 eröffnet. Er folgt dem Edificio Windsor nach, der an dieser Stelle stand und am 12. Februar 2005 ausbrannte und nachher abgerissen wurde. Das 104m hohe Hochhaus, der Architekten Pablo Muñoz und Pedro Vilata, wird von einer Kaufhauskette benutzt und gilt als eines der größten Einkaufszentren des Landes.

Der Torre del Complejo Cuzco ist ein eher unscheinbarer Bau auf der Paseo de la Castellana, der unter vielen Namen auftaucht, da er gern auch nach den in ihm beheimateten Ministerien benannt wird. Mit 25 Etagen und einer Höhe von genau 100m ist der Madrids 14. höchstes Gebäude (zählt man die Torres KIO als zwei Bauwerke). Der 1973 eingeweihte Bau wurde von Antonio Perpiña geplant.

Das höchste Bauwerk unter 100m ist der Torre de Valencia mit 95m Höhe. Der 1973 beendete Bau ist ein Büro- und Wohnhaus, dass auf einem dreigeschossigen Sockel liegt, wobei die 25 Obergeschosse alle Wohnungen beinhalten. Architekt Francisco Javier Carvajal plante gegeneinander versetzte Baukörper, die bei näheren Hinsehen elegant wirken, aber aus der Ferne im sonst flachen Retiro-Viertel eher störend wirken.

Das Edificio Telefonica ist Madrids historischster Hochhausbau und eines der ersten Hochhäuser in Europa. Mit 89m Höhe war es zu seiner Fertigstellung 1929 nur einen Meter kleiner als das damals führende Royal Liver Building in Liverpool. Der Architekt des Hauses war Ignacio de Cárdenas, der sich allerdings auf eine Studie des Amerikaners Louis S. Weeks bezog. Obwohl amerikanisch inspiriert, zitiert das Haus durchaus europäische bzw. iberische Traditionen, wie beispielsweise beim Barock verspielten Aufbau über dem Haupteingang. Im Mittelpunkt der Geschichte stand das Hochhaus im spanischen Bürgerkrieg, wo es als Ausguck der republikanischen Truppen benutzt wurde, um die Armeen Francos zu beobachten. Außerdem war damals der Sitz der ausländischen Presse. Dies machte das Haus zu einem bevorzugten Ziel franquistischer Bombardements. Heute beherbergt es Räume des Telekommunikationsanbieters Telefonica, der im Erdgeschoss seinen Flagshipstore eingerichtet hat.

Der Torre Mahou wurde 1990 fertiggestellt und misst eine Höhe von 85m. Er wurde von Carlos Alberto Arce, Carlos Malibrán und Raúl Eduardo Salata geplant und gehört zum AZCA Distrikt. Das Bürohaus mit seiner violett-blauen Glasfassade hat unterschiedliche Mieter.

Die Torres Blancas gehören mit 71m nicht zu den höheren Häusern der Stadt, aber das Bauwerk von Francisco Javier Saenz de Oiza ist ein außergewöhnlich gelungenes Gebäude. Die Torres Blancas liegen im Osten der Stadt, an der Schnellstraße Richtung Barcelona und Flughafen. Sie sind ein Musterbeispiel für innovatives Bauen. Das Meisterwerk von Sáenz de Oiza ist ein Gebäude im Stil der organischen Architektur. Das Wohnhochhaus wurde 1969 fertiggestellt und steht in der Tradition großer Architekten, wie der Lehre Le Corbusiers; es soll selbstgenügsam sein, sich der Landschaft anpassen, Wohntypen in Villenform haben und rein aus Beton sein. Es nimmt aber auch Elemente von Wright auf, wie die Deckungsgleichheit von Form und Tragstruktur, die Übereinstimmung von allgemeiner Form und Details, biologische Analogien und Baumstruktur sowie die Vermeidung kartesianischer Geometrie. Auch die Torres Blancas, die allerdings nicht mehr ganz so weiß sind und wie ein riesiger Wohnbaum aussehen, wurden schon für einen Film verwendet. Sie sind in Jim Jarmuschs Film „The Limits of Control“ zu sehen.

In den Weiten der Neubaugebiete, die Madrids Rand überziehen sind immer wieder höchst ungewöhnliche Bauwerke zu sehen, die sich der Monotonie zeitgenössischer Wohnbebauung entgegenstellen. So auch das Edificio Mirador (auch bekannt als Residencial Sanchinarro, nach dem Bauort) der niederländischen Architekten von MVRDV. Das 63m hohe Wohnhaus bietet seinen Bewohnern nicht nur eine farbenfrohe Fassade an, sondern kreiert einen sehr ungewöhnlichen öffentlichen Raum auf 40m Höhe zwischen der 12. und der 18. Etage. Hier können sich die Bewohner in einem Gemeinschaftsgarten treffen.

Als letztes Bauwerk soll der Torrespaña erwähnt werden, der zwar kein Hochhaus, sondern ein Fernsehturm ist, aber mit einer Höhe von 232m durchaus eine bemerkenswerte Höhe erreicht (in der Liste der höchsten TV-Türme auf der Welt bedeutet dies allerdings nur Platz Nummer 70) und zur Silhouette der Stadt gehört. Der Turm wurde anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1982 erbaut. Der Architekt Emilio Fernández Martínez de Velasco konzipierte einen Stahlbetonturm, der ohne Antenne 220m misst aber leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Karte

Auf der folgenden Karte ist die Lage der Hochhäuser in Madrid verzeichnet. Die beiden Hochhausgebiete sind besonders (hüpfend) gezeichnet.

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Essen und Trinken in Madrid

Allgemeiner Überblick: Essen in Spanien | Madrider Eigenheiten | Orte 2015 | Orte 2016 | Orte 2017 | 2018

Essen in Spanien

Spanien ist ein Land, in dem man ausgezeichnet Essen kann und das von Region zu Region sehr unterschiedlich, aber zumeist immer sehr gut. Dabei ist das Essen gehen nicht unbedingt so zu verstehen, wie in Deutschland. Auf den ersten (und in einigen Fällen auch auf den letzten) Blick wirken spanische Kellner (und diese sind hier eindeutig in der Mehrheit gegenüber weiblichen Kollegen) recht unfreundlich, der Service kann gern mal dauern und an manchen Gläsern haben die Spülmaschinen ihre graumelierten Spuren hinterlassen. Nun kann man dagegen halten, dass man in Spanien dafür kein Trinkgeld gibt (bzw. nur wenn der Besuch richtig gelungen ist, wobei ich glaube, von Ausländern erwarten Spanier schon ein kleines Extra) und dass das Essen in der Regel sehr gut schmeckt. Doch um in Spanien richtig zu essen, sollte man vorher einiges wissen.

Das geht los mit den Essenszeiten. Alles ist etwas später (aber auch hier gilt, von Region zu Region sind sogar die Zeiten unterschiedlich, so erlebt eine Bar um Valencia um 15:30 ihrer Hochzeit, im Baskenland herrscht da aber schon an vielen Orten Küchenschluss). Mittagessen geht ab 13 Uhr los und kann sich bis nach 16 Uhr ziehen. Abendbrot gibt es nicht vor 20:30 Uhr und bis 23:30 Uhr sollte man dann eine Bar gefunden haben, wo man Speisen möchte, wenn man nicht hungrig zu Bett gehen will.

Typischerweise isst man in Spanien in einer Bar, diese kann sich auf das Ein oder Andere spezialisiert haben (oder auch nur so tun, als ob) und nennt sich dann je nachdem Cerverceria (Bier), Mariscoceria (Meeresfrüchte), Carneceria (Fleisch) oder wie auch immer. Essen im Restaurant funktioniert genauso, ist normalerweise etwas teurer, aber im Allgemeinen auch besser. Manche Einrichtungen haben aber auch zwei separate Teile, einen Restaurantbereich und einen Barbereich. In einer Bar ist man für gewöhnlich nie allein (sieht man eine leere Bar, sollte man vorsichtig sein) und so gestaltet sich dann auch der Lärmpegel. Ein weiterer Unterschied ist das Vorhandensein von Fernsehern. Ich kenne fast keine Bar ohne laufenden Bildschirm. Gerade bei Fußballspielen, die nur im Pay-TV ausgestrahlt werden, verwandelt sich so eine Bar auch gern zu einem kleinen Stadion. Auf Tischdekoration wird nicht viel Wert gelegt, die typische deutsche Kneipenkerze ist hier eher selten zu finden. Sattdessen wird der Tisch direkt vorm Gast eingedeckt, zumeist mit einem Papiertischtusch. Dadurch ist man nicht gezwungen den Tisch säuberlich zu verlassen, was auch gar nicht so einfach ist, denn gern isst man „para picar“, was nichts anders heißt als, dass eine Reihe von Tapas (bezeichnet nur die Darreichungsgröße der Gerichte, also in etwa „kleine Teller“) in der Tischmitte stehen und sich jeder davon nimmt. Das bringt, gerade in größeren Gruppen, den angenehmen Vorteil, dass man alles mal probieren kann.  Mittags bieten alle Gaststätten „Menu del Dia“ an (eine Erfindung aus der Franco-Zeit, was deshalb aber nicht automatisch schlecht ist). Für einen festgesetzten Preis (in Madrid angefangen von 9€ bis zu 15€, wobei die Grenzen da eigentlich nach oben offen sind) bekommt man ein Getränk nach Wahl, einen ersten Gang, einen zweiten Gang (pro Gang reicht die Auswahl zumeist zwischen 3 bis 5 Gerichten), Brot und eine Nachspeise und/oder Kaffee. Damit ist man normalerweise ausreichend gesättigt. Wie überall ist es so; in der einen Bar kann man viel Glück haben und es ist absolut vorzüglich, in einer anderen muss dem aber nicht so sein.

Madrider Eigenheiten

Madrid ist die Stadt nach Tokio mit dem höchsten Fisch und Meeresfrüchteverbrauch pro Person. Deshalb kann man selbige Speisen immer problemlos in der Stadt essen, obwohl diese mindestens 350km vom Meer entfernt ist. Allerdings ist das traditionelle Madrider Essen eher Fleisch basiert, zumeist auch recht kräftig. Es gibt weiterhin viele Bars, die auf Essen aus den zahlreichen spanischen Regionen spezialisiert sind, man bekommt daher also fast alles. Will man ein Bier bestellen, so hat man in Madrid die angenehme Eigenart, dass man (fast) immer mit dem Bier eine kleine Tapa serviert bekommt (meist Oliven oder Chips, aber auch mal ein kleines Montadito, also eine Scheibe Baguette mit Wurst). Mit Glück findet man eine Bar, die schon mal eine ganze Tortilla (spanisches Eieromelette)serviert, wenn man drei große Bier bestellt. Hier sind wir auch schon bei der Größe des Gerstensaftes. Prinzipiell ist das Glas Bier, nicht mit deutschen Maßstäben zu vergleichen. Möchte man ein gezapftes Bier, bestellt man eine „caña“ oder ein „doble“, eine „caña“ kann auch schon mal so klein wie ein Senfglass sein, ein „doble“ erreicht zumeist schon 0,3l. Bestellt man nur „Cerveza“ (spanisch für „Bier“) gibt es vielmals nur ein „tercio“, also ein Flaschenbier mit 0,33l. Wenn man – gerade auf Veranstaltungen – mal mehr trinken möchte, empfiehlt sich ein „Mini“. Hier ist der Name aber nicht Programm, denn das „Mini“ hat nach meinen Schätzungen einen Inhalt von 0,7l bis 1l, kostet dann aber auch entsprechend mehr.

In der folgenden Darstellung sollen einige besondere Bars erwähnt werden. Da Madrid als Metropole dauernd neue Reizpunkte setzt und gerade im Gastrobereich in der Stadt sich dauernd Änderungen ergeben, wird hier nach Jahren der Beobachtung eingeteilt.

2015…

.. scheint sich der Trend Burger zu essen in Madrid noch zu verstärken. Bestellte man vor 10 Jahren noch „Hamburgesa“ bekam man meistens ein Stück Hackfleisch, ohne Brötchen auf den Teller. Vor 5 Jahren eröffneten die ersten sehr amerikanisch gehaltenen Diner, die schnell zu sehr erfolgreichen Ketten wurden. Heute bekommt man – besonders in neu eröffneten Bars und Restaurants –sehr häufig Burger. Zumeist sind diese recht ausgefeilt und nicht gerade billig, aber teilweise auch eine Entdeckung.
Desweiteren scheinen sich immer mehr, besonders an das jüngere Publikum gerichtete neue Bars und Restaurants zu etablieren. Diese unterscheiden sich zumeist in zwei Bereichen, von einer traditionellen Bar. Sie sind entweder sehr preiswert (wie zum Beispiel die Ketten „La Sureňa“ oder „Mercado Provincal“) oder sie versuchen eine besondere, meist trendige und schicke Atmosphäre dem Gast anzubieten.
Im Folgenden ein paar Orte, die durchaus weiterempfohlen werden können:

Bar / Restaurant Adresse (dahinter Homepagelink) Empfehlung für: Bemerkungen
Madriz Hop Republic C/ del Cardenal Cisnero 21 Bier Recht kleine, aber feine Bierbar, 8 unterschiedliche Fassbiere aus alternativen Brauereien, eigenes Bier im Angebot
Carmencita C/ San Vincente Ferrer 51 Tostas Kleine Bar in der man gut und preiswert essen kann, besonders: Tostas
Goiko Grill 3xmal in Madrid Burger Der Burgerladen in Madrid, recht preisintesive Burger, aber die besten die man bekommen kann; jederzeit voll, am besten reservieren
Van Gogh Cafe C/ de Issac Peral 4 Gute Atmosphäre Traditionsreicher Laden in Moncloa, überall hängen Van Gogh Kopien an den Wänden, abwechslungsreiche und leckere Küche

2016…

…. ist für Bierliebhaber ein gutes Jahr. Immer mehr Bars bieten die unterschiedlichsten Biersorten an. Zumeist werden dabei Sorten von Mikro-Brauereien angeboten und eine gute Bar hat mindestens 6 unterschiedliche und teilweise wechselnde Biere vom Fass im Angebot. Ein IPA ist meistens zu finden.

Bar / Restaurant Adresse (dahinter Homepagelink) Empfehlung für: Bemerkungen
Taproom C/ Guzman el Bueno 52 Bier 24 unterschiedliche Sorten Bier vom Fass! Obwohl kein Essen im Angebot zur Abendbrotzeit stark gefüllt, da der benachbarte Mexikaner  Fast Food anbietet, das auch hier verspeist werden kann. Sonst gute Hintergrundmusik und entspannte Stimmung.
Tuk Tuk C/ del Barquillo 26 Asiatisches Essen Hier wird asiatisches Streetfood serviert! Sehr interessante und leckere Gerichte von 8-13€; Reservierung erforderlich (auch in den drei anderen Filialen in M/Bilbao, C/Alcála und M/Santiago Bernabeu)
Vega C/ de la Luna 9 Vegan Wenn mal keine Tiere auf dem Teller sein sollen, dann ist das Vega eine der besten Adressen für vegane Küche in Madrid. Ausgesprochen leckere und innovative Speisen.
Morikaen C/Hiarión Eslava 17 Sushi Wirklich sehr leckeres Sushi und weitere japanische Speisen gibt es im Morikaen, wo sogar der König mal mit Freunden gegessen haben soll.

2017…

…ist das Jahr der ständigen Veränderung. Schon seit 2016 deutet sich ein großes Kommen und Gehen in der Madrider Restaurant und Bar Szene an. Momentan scheint an jeder Ecke eine neue Bar, ein Cafe, eine Bäckerei oder ein Restaurant zu öffnen. Leider schließen dafür aber auch zahlreiche Orte, denen man gern ein längeres Verweilen gewünscht hätte. Einen klaren Trend, welche Geschäfte schließen kann man noch nicht erkennen, aber die Schließungen machen nicht mal vor traditionsreichen Restaurants wie der Kette „Nebraska“ halt.

Bar / Restaurant Adresse (dahinter Homepagelink) Empfehlung für: Bemerkungen
SB Gastrobar C/San Bernado 115 Abendessen Die Gastrobar wirkt immer voll, hat aber ein schön dekoriertes und weiträumiges Obergeschoss, dass viel Platz bietet. Freundliche Bedienung serviert wohlschmeckendes Essen zu günstigen Preisen.

 

2018…

… wird zum Jahr in welchem die ständigen Veränderungen ziemlich unangenehm werden. In der Innenstadt von Madrid ist mittlerweile (fast) jedes Restaurant Produkt irgendeiner Restaurantkette, was zur immer-wieder-kehr von einer reiner Restaurants führt, wenn man nur mehr als 5min durch die Stadt schlendert. Selbst innerhalb der Resturantketten wird ziemlich gnadenlos alles auf effektiver und gewinnbringender getrimmt. Schön zu sehen ist das an der Kette der Kaffeehäuser Starbucks, die entweder zu kleinen take-away Bars umgebaut oder ganz geschlossen werden, weil man wohl erkannt hat, dass mit langem Sitzen, Plaudern oder Studieren ein zu geringer Profit gemacht wird. Dadurch verliert die Stadt wundervolle Cafes wie das Starbucks auf der Calle de las Infantas, wo man nicht nur ab und und an einen Prominenten sah, sondern auch wundervoll im ruhigen Kellergeschoss verweilen konnte. In diese Lücke scheinen neue Konzerne und ihre Marken zu springen, wie die kanadische Brand Tim Horton’s, bei der man meint, sie eröffne jede Woche eine neue Filiale in Madrid. Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn es nicht gerade diese überall aus den Häuserwänden schießenden Ketten wären, die traditionsreiche Einrichtungen verdrängen. So wurde das wunderbare Van Gogh Cafe (siehe Tipp 2015) von einem Taco Bell ersetzt (was umso mehr erstaunt, denn Taco Bells gibt es in Madrid nun bald an jeder Ecke, ohne das man je besonders viele Kunden darin entdecken würde).

urban facts Madrid

Einige Daten und Fakten zur Stadt Madrid

Allgemeine Daten:

Einwohner: Stadt / Ballungsraum / Metroregion 3.141.997 / 5.537.292 / 6.194.640
Einwohnerentwicklung:
Stadt
2014-15: -0,73%
Fläche:
Stadt / Ballungsraum /Metroregion
605 km² / 1.936 km² / 6.430 km²
Bevölkerungsdichte:
Stadt / Ballungsraum / Metroregion
5.208 Einw./km² | 2.724 Einw/km² | 963 Einw/km²
Koordinaten 40°25‘08‘‘N – 3°41‘31‘‘W
Geographische Höhe 667m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 436 mm / 63 / 2769
Fluss Manzanares (mündet hier nach 92km in den Jarama)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Manuela Carmena (Ahora Madrid – Bürgerbewegung) seit 2015
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt des Königreichs Spaniens, Hauptstadt der gleichnamigen Comunidad (abgespaltet 1982 von Castilla-La Mancha)
Anzahl Besucher im Jahr 7,5 Mio. Übernachtungsgäste 2013
Platz in der Mercer-Studie 51. Platz (2015)
Global City Status Alpha
Flughafen Aeropuerto de Madrid Barajas (MAD; 57.8 Mio. PAX 2018; 5.Platz in Europa; 25. Weltweit
4 Terminals und 4 Start- und Landebahnen; Drehkreuz von iberia und AirEuropa; 12km NO der Innenstadt
ÖPNV Metro de Madrid: 293km mit 288 Stationen und 2,5 Mio. PAX täglich; 1919 eröffnet mit heute 13 Linien; 5. längste U-Bahn der Welt
Cercanías (S-Bahn): 339km auf 8 Linien
Bus (EMT): ca. 3690 km bediente Linien bei 426 Mio. PAX (2007)
ÖPNV Preise Sammelticket für 10 Metro- bzw. Busfahrten kosten 12,20€ (2016)
Entfernung nach… Barcelona (620km; Auto: 6h; Bahn: 2h45min)
Valencia (352km; Auto: 3h15min; Bahn: 1h40min)
Sevilla (535km; Auto: 4h50min; Bahn 2h30min)
Lissabon  625km (Bahn: 10h45min (nur Nachtzug möglich); Auto: 5h35min)
nächster Ort über 500.000: Saragossa 315km
nächster Ort über 1.000.000: Barcelona 620km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten Acht staatliche Universitäten (in der Region) darunter:
Universität Complutense (1499 in Alcála gegründet; 1836 nach Madrid verlegt mit 91.000 Studenten)
Universidad Autónoma (1968 gegründet; 33.000 Studenten; sitzt in Cantoblanco)
Universidad Politécnica (1971 gegründet; 35.000 Studenten)
Universidad Carlos III (gründet 1989; 17.000 Studenten; sitzt in Getafe)
und sieben private Universitäten
Anzahl Museen allein mit der Madrid Card für Touristen hat man Eintritt zu über 50 Museen; unter den Top100 meistbesuchten Museen der Welt befinden sich 4 in Madrid
Größten jährlichen Feste San Isidro – in der Woche um den 15.Mai, Fest zu Ehren des Schutzheiligen der Stadt San Isidro
Sportvereine der Stadt Real Madrid: gegründet 1902
Fußball: 10x Champions League; 2x UEFA-Pokal; 32x Span.Meister.; 19x Span.Pokal; 3x Weltpokal; Ø-Zuschauer: 72.736 (2013/14)@ Santiago Bernabeu (80.354 Plätze)Basketball: 8x EC der Landesmeister; 4x EC der Pokalsieger; je 1x Korac-Cup und ULEB-Cup; 31x span. Meister und 24x span. Pokalsieger @ Palacio de Desportes (15.000 Plätze)Atlético Madrid: gegründet 1903; 1xWeltpokal; 1x EC der Pokalsieger; 2x europ. Supercup; 10x span. Meister; 10x span. Pokalsieger; Ø-Zuschauer: 47.475 (2013/14) @ Vicente Calderón (54.831 Plätze)Rayo Vallecano: gegründet 1924; 15 Spielzeiten in der Primera División; 1x im VF des UEFA-Cups; Ø-Zuschauer: 10.890 (2013/14)@ Campo de Fútbol de VallecasEstudiantes: gegründet 1948; Basketball: 3x span. Pokalsieger @ Palacio de Desportes
Tageszeitung der Stadt (Auflage) El Pais (Mitte-links, seit 1976), El Mundo (Mitte-rechts, seit 1989), ABC (rechtskonservativ, seit 1903) sind die drei auflagenstärksten Tageszeitungen Spaniens (über 200.000 Exemplare pro Tag) und werden alle in Madrid herausgegeben
Biersorte des Ortes: Mahou; alternativ: Cibelles
Erste urkundliche Erwähnung 856
Gegründet von: Arabern
Großstadt seit schon 1800 hatte Madrid rund 160.000 Einwohner (Daten vorher unklar); damals 12. größte Stadt Europas
Das entscheidende Jahr 1561 (der spanische Hof wird nach Madrid verlegt)
Meisten Einwohner im Jahr 2010: 3.273 Mio.
Man trifft sich am: Puerta del Sol
Kneipenstraße / Viertel: Malasaña; Latina; Huertas, Chueca (Gay)
City Branding ¡Madrid!

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Plaza Major
Architektonisches Highlight Torres Blancas (Javier Sáenz de Oiza)
Höchstes Gebäude Torre de Cristal (250m)
Meist fotografiertes Gebäude Edificio Metropolis am Beginn der Gran Via
Anzahl Starbucks 48 (mit Vorstädten)
Konzernzentralen von Telefonica (Telekommunikation; 120.000 Beschäftigte weltweit), Prosegur (Versicherungen, 158.000), ACS (Bau; 200.000), Repsol (Energie; 25.000), Ferrovial (Mischkonzern; 65.000)
Straftaten auf 1000 Einwohner 2014: 57,4; ESP-Ø: 45,1; EU-Ø: 61,3
Kaufkraftindex in EU pro Einwohner 2015 16.369€ (124% ESP und 120% EU)
Verfügbares Einkommen pro Haushalt 35.683€ (2010) – 12% über spanischen Ø
Arbeitslosenquote 11,04% (5.15)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1530 1560 1570 1600 1700 1800 1842 1877 1900 1920
3.000 9.000 34.000 84.000 100.000 160.000 157.397 400.917 540.109 728.937

 

1940 1950 1960 1970 1980 1991 2001 2010 2014 2015
1.096k 1.553k 2.177k 3.120k 3.158k 3.010k 2.938k 3.273k 3.165k 3.141k

 

Madrid

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In der Umgebung: Alcalá de Henares (30km O) | Toledo (70km S) | Avila (110km NO)

Madrid ist die größte Stadt der iberischen Halbinsel, Hauptstadt Spaniens, wirtschaftliches und politisches Zentrum des Landes. Durch die zentrale Lage ist es auch der Verkehrsknotenpunkt Spaniens mit dem passagierreichsten Flughafen und dem Startpunkt aller Hochgeschwindigkeitszugverbindungen. Die Autobahnen A1 bis A6 starten alle hier und ziehen sich strahlenförmig im Uhrzeigersinn ins Land. Darin begründet sich ebenso die Faszination dieser Millionenmetropole wie die Abneigung, die man in anderen Teilen des Landes für die Kapitale empfindet. Doch wie auch immer man zu Madrid und seiner Rolle steht, die Stadt hat eine bewegende, wenngleich im europäischen Maßstab gar nicht mal so lange Geschichte. Sie ist bekannt für ihre kulturellen Reichtümer und bietet neben den drei herausragenden Museen Prado, Reina Sofia und Thyssen-Bornamiza noch viel mehr für interessierte Besucher, die in Madrid hunderte Möglichkeiten finden können auszugehen, oder auch nur gut zu essen. Auch das Umland von Madrid bietet neben den zahlreichen Schlössern der spanischen Monarchie, wie El Escorial oder Aranjuez auch landschaftliche Schönheit, wie sie beispielsweise die nur rund 80km nördlich der Stadt gelegenen Sierra Guadarrama. Madrid erlebte besonders um die Jahrtausendwende einen regen Baumboom, was Neubauten oder auch die damals am zweitschnellsten wachsende Metro der Welt betraf und heute erlebte sie die spanische Krise, die Thema fast jeden Gesprächs an den Tischen der Restaurants und Bars der Stadt ist.

Madrid ist auch keine Stadt, die sich auf den ersten Blick erschließt. Die Hochhausskyline ist über das Stadtgebiet zerstückelt, die vier höchsten Wolkenkratzer befinden sich am nördlichen Stadtrand. Die drei bedeutendsten Straßen der Stadt geben grobe Orientierung. Die Gran Via führt nördlich der Innenstadt entlang und ist eine Mischung aus Broadway, und Einkaufsstraße. Der Paseo de la Castellana durchschneidet die Stadt von Süd nach Nord und ist so etwas wie eine breite Prachtstraße, auf welcher Demonstrationen und Paraden abgehalten werden können und die Botschaften und Konzernzentralen säumen. Die Calle Alcála führt vom heutigen hoch frequentierten Mittelpunkt der Stadt, der Puerta del Sol nach Osten. Anfangs noch ein breiter Boulevard wird sie immer mehr zu einer normalen Hauptstraße, für die an ihr vorbei ziehenden Stadtteile. Es ist gerade die Unterschiedlichkeit der Stadtteile, was Madrid ausmacht. Im historischen Stadtkern, dem „Madrid der Habsburger“ hat man das Gefühl in einer typisch kastilischen Stadt wie Segovia zu sein, im Salamanca Viertel der Oberklasse fühlt man sich an Paris erinnert und wenn man von Chamberí über den Plaza Cuatro Caminos nach Tetuan läuft, gelangt man innerhalb von nur zwei Straßenzügen von einem sehr bürgerlichen spanischen Viertel in einen internationalen Teil der bestimmt ist von Immigranten aus Lateinamerika. Diese Unterschiedlichkeit macht Madrid aus, die Vielfältigkeit und Offenheit, aber auch die Kreativität und der ständige Wandel. An der einen Ecke europäische Metropole, an der anderen nachbarschaftliches Wohnquartier.
Madrid voll zu ergründen oder auch nur darzustellen ist eine unlösbare Aufgabe, aber die Stadt bietet so viel, dass einiges davon hier gezeigt werden soll.


Folgende Themen über Madrid stehen zur Auswahl: Geschichte der Stadt, Hochhäuser Madrids, Essen und Trinken in Madrid, urban facts (einige Daten und Fakten zur Stadt), Neue Architektur in Madrid, Madrid Rio, Transitort Madrid, Literatur über Madrid.