Brocken

höchste Erhebung des Harz | Höhe: 1141m | 12km SW von Wernigerode | Dominanz 224km (Fichtelberg) | Koordinaten: 51°47`57„ N, 10° 36`56„O

Der 1141m hohe Brocken im Harz ist in vieler Hinsicht ein, wenn nicht der bedeutendste deutsche Berg. In der an Mittelgebirgen reichen deutschen Landschaft ist er die am weitesten nördlich stehende Erhebung, welche die Marke von 1000m übersteigt.  Durch seine exponierte Lage sind seine klimatischen Bedingungen für Mitteleuropa als außergewöhnlich zu bezeichnen. Auf dem Brocken wurde schon eine Windgeschwindigkeit von 263km/h gemessen, oder eine Tiefsttemperatur von -28ᵒC (das Thermometer erreichte hier übrigens noch nie +30ᵒC), das Jahr 1958 brachten 330 Tage mit Nebel auf dem Brocken. Trotzdem, manchmal vielleicht auch gerade deshalb, ist der Brocken ein Besuchermagnet und einer der am meisten besuchten Ausflugsziele Deutschlands. Das war nicht immer so, denn in der Zeit der deutschen Teilung war der Brocken (dessen Gipfel auf DDR Seite lag) Sperrgebiet und konnte nicht einfach betreten werden (so gesehen war der Brocken einer der Orte die für DDR Bürger unerreichbar erschienen und das obwohl er in der DDR lag).

Historisch ist der Brocken schon seit der Bronzezeit von den Menschen zumindest bewusst wahr genommen worden. Für die Himmelscheibe von Nebra war er ein Punkt, der für die exakte Ausrichtung der Platte notwendig war, um astronomische Phänomene zu beobachten(wobei die Himmelscheibe eine ganze Reihe von Interpretationsmöglichkeiten herausfordert).  Spätestens in der frühen Neuzeit wurde der Brocken erstmals bestiegen und im 18. Jahrhundert kam es in Mode den Berg zu erklimmen, wovon das Wolkenhäuschen zeugt, das 1736 zum Schutz der Wanderer errichtet wurde. Ein erstes Gasthaus soll um 1800 erbaut worden sein. Im darauffolgenden 19. Jahrhundert begann man damit den Brocken zu vermessen (schon 1850 wurde seine Höhe korrekt auf 1142m festgelegt) oder den Brocken als Mittel zur Landesvermessung zu benutzen, so wie Carl Friedrich Gauß, der ihn für die Gaußsche Landesaufnahme verwendete. Seit 1895 befindet sich eine Wetterwarte hier. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde der Tourismus auf dem Berg zu einem immer größer werdenden Faktor und als 1859 das Gasthaus auf dem Gipfel niederbrannte wurde 1862 gleich ein Neubau mit Hotel eingeweiht. Seit 1899 konnten dann Reisende sogar mit der Eisenbahn auf den Brocken reisen, als die Brockenbahn eingeweiht wurde und der Bahnhof Brocken mit einer Höhen von 1125m zum höchstgelegenen Bahnhof Deutschlands wurde. 1935 gelang auf dem Brocken erstmals eine Fernsehübertragung mit einem mobilen Sender, zwei Jahre später wurde ein Fernsehturm eingerichtet, einer der ersten auf der Welt. Nachdem zweiten Weltkrieg und mit der deutschen Teilung gelangte der Brocken erst in Besitz der sowjetischen Besatzungszone und später zur DDR (wobei er bis 1947 von der US-Army besetzt wurde). Bis 1961 war der Brocken noch für Besucher erreichbar, mit dem Bau der Mauer wurde er aber zu militärischem Sperrgebiet. Die strategisch günstige Lage wurde genutzt, um Abhöranlagen zu installieren und war damit der westlichste Vorposten der Warschauer Vertragsstaaten. Nachdem Fall der Mauer kam es am 3.12.1989 zu einer reich frequentierten Sternwanderung um eine Öffnung des Brockens für die Allgemeinheit zu fordern. Dieser Forderung wurde nachgegeben um ab 1990 schrittweise die Grenzsicherungsanlagen abgebaut. 1991 wurde bereits die Brockenbahn wiedereröffnet und machte den Berg wieder zu einem Besuchermagneten unter den deutschen Gipfeln.

Meißen

Einwohner: 27.936 | Fläche: 30,9 km² | Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises | an der Elbe gelegen | 25km NW von Dresden | 75km O von Leipzig

Inhaltliche Gliederung dieses Beitrags: Meißen und die Entstehung der Mark Meißen | Das Meissner Porzellan | Meißen als Symbol: von der Industrialisierung bis heute

Ein des sächsischen Landes nicht Kennender könnte bei oberflächlicher Betrachtung des Dresdner Umlandes schnell zu dem Schluss kommen, Meißen wäre ein rund 25km elbaufwärts gelegener Vorort der Landeshauptstadt. Nichts würde der geschichtlichen Bedeutung dieser Stadt weniger gerecht, denn Meißen gilt gemeinhin als die Wiege Sachsens, als Urkeim der sächsischen Geschichte und mit dem Dom und der Albrechtsburg auf dem Felsen über der Elbe als das in der Landschaft platzierte Symbol des heutigen Freistaates.

Meißen und die Entstehung der Mark Meißen

Im Jahr 929 gründete der deutsche König Heinrich I. von Sachsen die Burg „Misna“ nachdem er einige erfolgreiche Feldzüge gegen die Slawen im Osten der Saale gefochten hatte. Deutsche Ritterheere stießen im 10. Jahrhundert immer weiter nach Osten vor, in ein sehr dünn besiedeltes Land, dass sich noch durch eine große Wildnis auszeichnete. Um das neu gewonnene Territorium zu sichern, wurden von Magdeburg bis nach Meißen Festungen gebaut und in den wichtigsten Zentren kirchliche Institutionen etabliert. Auf der Synode von Ravenna 968 wurde daher das Bistum Meißen begründet (gemeinsam mit denen von Merseburg und Zeitz). Erster Bischof wurde der Benediktiner Burchard, der aus dem Kloster Emmeram in Regensburg stammte. Die ottonischen Kaiser erhoben die drei Bistümer, um Kultur und Glauben zu formen, aber vor allem, um die Herrschaft in den Gebieten östlich der Saale zu festigen. Gerade im 19. Jahrhundert wurde insbesondere das Datum 929 als Gründungsjahr Sachsens zelebriert, denn es symbolisierte nicht nur das Sachsen aus deutscher Hand entstanden ist, sondern gleichfalls ein Sieg des Christentums über die slawischen Heiden war. Tatsächlich ist der Beginn der sächsischen Geschichte jedoch vielschichtiger, kleinteiliger und nicht mit einem Datum festzulegen. Beispielsweise entsteht eine wirklich einschneidende deutsche Besiedlung des Gebietes erst im 12. Jahrhundert.
Was tatsächlich bemerkenswert ist, ist die Gründung der Markgrafschaft Meißen. Zuerst sicherte ein Netz von Burgwarden (freie Edelleute, die sich mit sorbischen Kriegern umgaben) die neuen deutschen Besiedlungen. Als diese jedoch militärisch nicht mehr notwendig waren, erschuf der deutsche Kaiser Otto I. das Markgrafenamt, einem ihm ergebenen Herren, der gleichzeitig militärischer Befehlshaber und oberster Verwaltungsbeamte in der Region war. Im Jahr 1046 wurde erstmals schriftlich die Mark Meißen erwähnt, so dass man annehmen kann, dass dieser auf der hiesigen Burg seinen Sitz hatte. 1089 übernahm der Wettiner Heinrich I. von Eilenburg diese Position und begründete die bis 1918 reichende Herrschaft dieses Adelsgeschlechts über Sachsen. Neben dem Markgrafen saß auch der Burggraf auf der Meißner Burg. Dieser war für den unmittelbaren Schutz der Anlage zuständig. Die dritte wichtige Person auf dem Burgberg, war der Bischof des Bistums. Durch die Anwesenheit dreier mächtiger Herrscher, war dieser Ort das unumstrittene Zentrum der Region.
Bis ins 12. Jahrhundert hinein bleiben die Verhältnisse hier am Rande des deutschen Reiches alles andere als einladend. Nur einzelne ehemalige slawische Siedlungen stachen aus den weiten Waldlandschaften heraus. Kolonisten wurden in dieses menschenleere Gebiet gerufen und in der Mitte des Jahrhunderts begann die Erschließung des Landes. Dörfer wurden von so genannten Lokatoren gegründet, welche Bauern anwarben und ihnen für mehrere Jahre beim Aufbau von Dorfstruktur und Ackerbau behilflich waren, während sie später einen Teil der Erträge bekamen. Diese Grundherren wiederum wurden vom Markgrafen belehnt, der wiederum Treue und militärische Gefolgschaft einforderte. Für die Namen der neuen Siedlungen übernahm man in der Regel die slawischen Begriffe („Misna“ ist ein slawischer Name des Baches am Burgberg, Dresden ist die eingedeutschte slawische Bezeichnung für „Auwaldbewohner“). Bis 1300 verzehnfachte sich die Bevölkerung in der Mark Meißen, wobei die verbliebenen slawischen Bewohner mit den neuen Siedlern zusammenlebten, bis eine Unterscheidung marginal wurde und alle in eine sächsischen Bevölkerung aufgingen.
Unterhalb der Burg entwickelte sich schon vor 1200 eine kleine Stadt, die zu Beginn unter dem Schutz des Burggrafen stand. Dieser darf nicht mit dem Markgrafen verwechselt werden, der als reichsunmittelbarer Landesfürst auftrat. Dem Burggrafen gehörten einzelne Gebiete um den Burgberg herum, sowie auch die 1200 gegründete Stadt Lommatzsch. Als 1426 Burggraf Heinrich II. in der Schlacht bei Aussig gegen die Husiten starb, übernahmen die Wettiner Markgrafen die burggräflichen Gebiete.
Im Triebischtal, östlich der Burg, siedelten sich noch unter burggräflicher Herrschaft Menschen an, unter ihnen auch Juden. Als 1205 der Markgraf eine Rechtsstadt mit Mauer, Markt und Kirche anlegen ließ, sollten die älteren Ansiedlungen außerhalb der neuen Mauern liegen (das Gebiet liegt am heutigen Neumarkt). Interessanterweise versuchte auch der Bischof zu jener Zeit eine eigene Stadt namens Cölln zu gründen und zwar am anderen Ufer der Elbe, was aber nur von sehr bescheidenem Erfolg war. Dies zeigt eindrücklich, wie Stadtgründungen von mächtigen Eliten vorangetrieben worden, wobei es auch immer einen experimentellen Charakter haben konnte, denn die Versuche der Kirche eine eigene Stadt an dieser Stelle zu gründen misslang. Erfolgreicher war der Versuche aber beispielswiese in Bischofswerde, wo noch heute der Name der Stadt auf den Gründer verweist, wenngleich die Stadt heute auf a endet. Der Markgraf von Meißen wiederum ließ es sich nicht nehmen noch weitere Städte zu erheben, so wie Dresden, Pirna, Großenhain und Oschatz.
Um 1250 wurde mit dem Bau des Meißner Doms begonnen, in dessen Fürstenkapelle (welche 1410 erbaut wurde) vier Generationen wettinischer Herrscher liegen (bis die Grablege, in Folge der Reformation, nach Freiberg verlegt wurde). Die Mark Meißen wuchs nicht nur an Einwohnern, sondern auch an Fläche und erreichte bald den Kamm des Erzgebirges und das Pleißeland, trotzdem war die Stadt Meißen nicht die Hauptstadt der Mark, wenn man es nach heutigen Maßstäben bemisst. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war der Herrscher eines Territoriums in diesem ständig unterwegs, denn nur dort wo er war, konnte der Markgraf regieren. Trotzdem war Meißen der wichtigste Ort für den Markgrafen, hier verbrachte er Ostern und Pfingsten, wo ihm der Dom einen geeigneten Rahmen für die Festtage gab.
Im Jahr 1423 wurde dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren, die Kurwürde des Herzogtums Sachsen-Wittenberg übergeben. Seitdem war er – und seine Nachfahren – nicht mehr nur Markgrafen, sondern Kurfürsten, was gleichzeitig darin mündete, dass die territorial sich weiterhin ausdehnende Markgrafschaft Meißen nun zum „Kurfürstentum Sachsen“ wurde. Trotzdem hält sich „Meißen“ als Begriff für das sächsische Land noch lange. Die Stadt und der Burgberg sollten schon bald ein prächtiges Schloss bekommen, das eines Kurfürstentums würdig war. Um 1470 beauftragten die beiden Brüder Albrecht und Ernst, die in Personalunion das Kurfürstentum regierten, den Baumeister Arnold von Westfalen mit dem Bau einer Residenz im spätgotischen Stil. Doch schon während der Bauarbeiten wurde klar, dass hier niemals ein Fürst wohnen würde. Nach der Leipziger Teilung Sachsens, zwischen den beiden Brüdern, im Jahr 1485, verlegte Albrecht seine Residenz nach Dresden, während Ernst Wittenberg ausbauen ließ. Das Schloss wurde zu einem gebauten Machtsymbol ohne wirkliche Residenzfunktion. Vielleicht weil es nicht bewohnt wurde, wurden zukünftige Baumaßnahmen hier nachdem historischen Vorbild der Spätgotik weitergeführt, auch nachdem dieser Baustil nicht mehr in Mode war. Erst Kurfürst Johan Georg II. (regierte von 1650 bis 1680) ließ das Schloss „Albrechtsburg“ nennen, in Erinnerung an seinen Ahnen Albrecht, den Begründer der albertinischen Linie nach der Leipziger Teilung, die das heutige Sachsen ausmacht.
Hierin zeigt sich deutlich das Meißen mehr zu einem Symbol für Sachsen geworden war, als zu einem tatsächlichen Handlungsort. Trotzdem geht natürlich die sächsische Geschichte nicht spurlos an der Stadt vorbei. Als die Reformation Luthers eine Transformation des Glaubens bringt, ist es Moritz von Sachsen, der im alten (und nun nicht mehr genutzten) St.Afra Kloster eine von drei neuen Fürstenschulen errichten lässt. Später sollte hier unter anderem Gotthold Ephraim Lessing studieren.
Die Einwohner Meißens lebten zumeist von der Tuchmacherei, die insbesondere in den Zeiten des 30-jährigen Krieges in existentielle Nöte kam.

Das Meissner Porzellan

Mit der Stadt verbunden ist heute aber ein ganz anderer Wirtschaftszweig, das Meissner Porzellan (seit 1972 wird die Markenbezeichnung „Meissen“ mit Doppel-S geschrieben, damit man auf den intentionalen Märkten besser zu finden ist).  Die Geschichte des Meißner Porzellan beginnt mit der Wende zum 18. Jahrhundert herum. In dieser Zeit transformierten sich die europäischen politischen Systeme in absolutistische Staaten, mit einem dominanten Monarchen und einer in der Regel aufwendigen Hofhaltung (die uns so beeindruckende Paläste und Gärten hinterließen). In diesen Jahrzehnten durfte es an Luxusgütern nicht fehlen und eines davon war Porzellan, dass man für viel Geld aus Japan oder China heranholen musste. So war es auch am sächsischen Hof, dessen Regentschaft 1694 Kurfürst Friedrich August I., genannt „August der Starke“ übernahm. Ein gewinnbringender Gedanke war die Idee, Porzellan nicht zu importieren, sondern selbst produzieren zu können. Die Legende besagt das Johann Friedrich Böttger, ein Apothekergehilfe aus Berlin, der versprochen hatte Gold herzustellen, aus diesem Zwecke vom Kurfürsten eingesperrt wurde bis er dies für seine Majestät tat und schließlich die Porzellan Herstellung in Europa erfand. Diese Legende hört sich zwar spanend an, Tatsache ist nur, dass Friedrich August einen sehr hohen Finanzbedarf hatte, weil er neben seiner Regentschaft als Kurfürst von Sachsen, auch noch polnischer König wurde und sich als solcher in den Nordischen Krieg mit Schweden verwickeln ließ. Eine Expertenkommision wurde 1702 gegründet, bestehend aus Montanwissenschaftlern aus Freiberg, Ehrenfried Walter von Tschirnhaus und eben jenen genannten Böttger, welche zusammen das so beliebte „weiße Gold“ des Porzellans suchten und schließlich nach zahlreichen Experimenten eine erfolgreiche Formel fanden. So wurde 1710 die Porzellanmanufaktur gegründet und diese wurde auf der Albrechtsburg in Meißen eingerichtet, was mehrere Gründen hatte. Zum einen war das Wissen um den Herstellungsprozess sehr kostbar (denn damit konnte man als Einziger europäischer Produzent auftreten) und man wollte den Zugang zu der Manufaktur gut beobachten können, falls Diebe eindringen wöllten. Diese Bewachungsform war auf dem Burgberg gut möglich. Zum anderen war Meißen an der Elbe gelegen und man konnte die Waren einfach und günstig verschiffen. Die Manufaktur entwickelte sich zu einer wahren Geldmaschine, denn die Meissner Porzellan entwickelte sich in Windeseile zu einem Markenbegriff für Luxus (übrigens ist es tatsächlich eine der ältesten Marken der Welt, die heute noch besteht). Meissner Porzellan eroberte die Anwesen der europäischen Elite und füllten die Staatskassen Sachsens. In Meißen selbst zeigte sich der Prunk des Porzellans nicht, dafür wurde in Dresden ein eigenes Porzellanschloss gebaut, das Japanische Palais, dessen Bauarbeiten 1728 begonnen wurde. Es sollte chinesisches und japanische Porzellan ausstellen und als Höhepunkt, stolz die eigenen Leistung der sächsischen Porzellanherstellung präsentieren. Bald schon wurden einzelne Stücke auch als diplomatische Geschenke an andere Fürstenhäuser verschenkt und selbst Erich Honecker brachte bei seinem Staatsbesuch 1981 in Japan dem Gastgeber Meißner Porzellan mit. Noch heute ist die Porzellanmanufaktur im Besitz des Freistaates Sachsens, wenngleich sich der Markt für diese Art von Luxusgütern in den letzten Jahren abgekühlt hat und der Betrieb zu nicht unerheblichen Verlusten führte.

Meißen als Symbol: von der Industrialisierung bis heute

Meißen selbst blieb ein eher beschauliches Städtchen, wobei seit dem 19. Jahrhundert das Triebischtal zunehmend industrialisiert wurde. Hier entstand nicht nur der Neubau der Porzellanmanufaktur, sondern auch zahlreiche weitere Betriebe. Da der Platz in dem einstmals engen und romantischen Tal begrenzt war, siedelten sich neuere Unternehmen auch rechtselbisch an und 1901 wurden die Dörfer Cölln und Niederfähre zur Stadt eingemeindet, wo auch der Bahnhof der Stadt entstand. Meißen wurde sogar bis zum 2.Weltkrieg zu einem Zentrum für den Kachelofenbau in Deutschland.
Allerdings ist der weit über das Elbtal bekannte Ruf der Stadt nicht mit Industrie verbunden, sondern profilierte sich besonders ab dem 19. Jahrhundert damit, die symbolische Wiege Sachsens und eine angesehene Porzellanstadt zu sein. Dazu gehörte es auch, die Porzellanmanufaktur wie bereits erwähnt, in ein eigenes Fabrikgebäude im Triebischtal zu verlegen, um den Burgberg mit Albrechtsburg und Dom zu einem strahlenden Punkt sächsischer Identifizierung zu machen. So wurde bis 1881 die Albrechtsburg restauriert und mit einem Bildprogramm meißnisch-sächsischer Geschichte versehen. Eine weitere, durchaus öffentlich begeistert aufgenommene Aufgabe, war die Herstellung der beiden Domtürme der Kirche, die seit einem Blitzschlag von 1547 fehlten. So gründete sich ein Dombauverein, konservativer Prägung, und verkaufte Lose, die das entsprechende Geld für den Aufbau der beiden gotischen Spitzen erbringen sollte. Tatsächlich gelang es rasch entsprechende Einnahmen zu generieren und von 1903 bis 1908 wurden zwei Türme dem Bild der Stadt hinzugefügt und wirkten schon zur Weihe 1912 als seien sie bereits ewig da. Und so zeigt die Silhouette Meißens auch heute noch große sächsische Geschichte an, deren symbolische Wiege sie gleichsam beherbergt und die bei einem Spaziergang durch die steilen Gassen der Altstadt auf den Berg beschnuppert werden kann.

Palm Springs

Einwohner: 47.689 | Fläche: 244 km² | liegt im Riverside County im US-Bundesstaat Kalifornien

Rund zwei Stunden landeinwärts von Los Angeles liegt Palm Springs, das eine gewisse Berühmtheit dadurch erreichte, dass Hollywood Stars der 1950er und 60er Jahre hier zu erholungszwecken lebten.  Im trocknen Coachella Valley gelegen, ist Palm Springs Umgebung schon von den Ureinwohnern besiedelt worden, da sie hier im Winter heiße Quellen fanden, deren Benutzung im Sommer bei der einsetzenden Hitze sicherlich nicht stattfand. Die hier lebenden Cahuilla nannten die Quellen „Se-Khi“, was „kochendes Wasser“ übersetzt heißt. 1876 wurde den verbliebenen Indianern ein Reservat eingerichtet, dass dann auch „Agua Caliente“ (also „heißes Wasser“) heißt. Da es zu einigen Teilen auf dem Gebiet des heutigen Stadtzentrums von Palm Springs liegt und von den Indianern verpachtet wird, gelten die Einwohner dieses Reservats als wohlhabendster Stamm Kaliforniens.

Der Name der Stadt, Palms Springs, hat mit der spanisch-sprachigen Geschichte der Gegend zu tun. Die Spanier nannten den Ort nämlich „La Palma de la Mano de Dios“ (die „Handfläche Gottes“). Als 1858 die erste englische Karte der Region erschien wurde der Ort Palm Springs genannt, was als eine Mischung aus spanischer und indianischer Benamung angesehen werden kann (denn Palm ist die Handfläche und Springs sind die Quellen).

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts siedelten die ersten Neu-Kalifornier in der Gegend, die wegen ihrer Tallage als Handelsweg genutzt wurde. Da man um die Jahrhundertwende der trockenen und heißen Wüstenluft heilende Wirkung zusprach (wenngleich nicht im Sommer), entwickelte sich Palm Spirngs zu einem Kurort und die ersten Resorts und Hotels öffneten ihre Pforten. Schon im Jahr 1922 sollen über 20.000 Gäste den Ort besucht haben, der ab den 1930er Jahren auch die ersten Hollywood Stars anzog, offiziell aber sogar erst 1938 als Stadt gegründet wurde. Die Stars leisteten sich hier moderne, zeitgenössische Bauwerke und besonders nach dem 2.Weltkrieg wurde Palm Springs zu einem Ort, wo moderne Wohnhäuser von den angesagten Architekten gebaut wurden, dies wurde sogar unter dem Titel „Desert Modern“ bekannt. Bis in die 1960er Jahre verdoppelte sich die Anzahl an Wohnhäusern in Palm Springs und nicht nur Prominente zogen her, sondern auch Pensionäre, die den klimatisch sehr angenehmen Winter hier verbrachten. Bis in die 1970er Jahre hinein blieb Palm Springs so in den Sommermonaten eine Geisterstadt, da die Temperaturen im Juli und August höllenhaft heiß werden konnten (weit über 40°C sind normal) und noch keine Klimaanlagen für Abkühlung sorgten. Durch die wirtschaftliche Krise in den 70er Jahren zogen sich aber zahlreiche Eigentümer aus der Stadt zurück, insbesondere die Prominenten und die Chicagoer Mafia begann gleichfalls hier zu investieren, was dem Image der Stadt nicht förderlich war.
Doch Palm Springs konnte seit der Jahrtausendwende wieder einen Aufschwung bewerkstelligen und zieht heute nicht nur „Spring Breaker“ an, die schon seit den 1950er Jahren ausgelassen die Frühjahrsferien feiern, sondern gleichzeitig weiterhin Pensionäre. Gleichzeitig machen Homosexuelle aus Palm Springs das Provincetown des Westens (allerdings ist Provincetown um längen schriller und lebendiger). Die Stadt schaffte es ebenso durch zahlreiche über das Jahr verteilte Veranstaltungen immer wieder Gäste anzuziehen und so kommen jährlich über 1,5 Millionen Menschen in diese Oase mitten im trockenen Südosten Kaliforniens.

Joshua Tree

Sie kennt die Antwort, aber die freundliche Rezeptionistin fragt trotzdem:
-Und was führt sie nach Twentynine Palms?
-Joshua Tree.
-Natürlich, der Joshua Tree Nationalpark.
Ich frage mich, ob sie alle Gäste fragt, warum in alles in der Welt man nach Twentynine Palms kommt, einer 30.000 Seelen Kleinstadt am Nordrand des Nationalparks Joshua Tree, mitten in der Mojave Wüste, oder ob sie sogar einen Schritt weitergeht und abzählt wie viele Gäste den Park nennen und wer etwas anderes? Zu sehen gibt es in der Stadt Twentynine Palms zwar mehr als 29 Palmen, aber wirklich anziehend ist sie eher weniger. Ihr Name rührt daher, dass 1852 Col. Henry Washington das San Bernadino Land untersuchte und an dieser Stelle die genannte Anzahl an Bäumen fand, man könnte auch von einer Oase sprechen und damit war ein Name in der Welt, obwohl es bis 1927 brauchte, um hier überhaupt eine Poststelle zu eröffnen und damit so ein bisschen wie urbanes Leben zu haben. Klimatisch recht angenehm gelegen, wenn nicht gerade Sommer ist (dann muss es hier die Hölle sein), scheint der Stolz des Städtchens die örtliche Militärbasis zu sein, die offiziell: „Marine Corps Air Ground Combat Center“ heißt und über deren Heldentum im letzten Irakkrieg wahrscheinlich nicht nur in der Motellobby unserer Rezeptionistin informiert wird. Nach einem Blick auf das Rathaus der Stadt, das als solches eigentlich nicht zu identifizieren ist (sondern genauso unspektakulär wie jedes andere Haus hier aussieht), fahren wir weiter zu unserem eigentlichen Ziel.
Ich gebe zu, als U2 Hörer bin ich doch irgendwie gespannt, was man hier so finden kann, im „Joshua Tree Nationalpark“, nachdem die Band ihr recht legendäres 1987er Album benannten, aber keines der Fotos im Booklet tatsächlich hier gemacht wurden. Mir geht folgender Song durch den Kopf, als wir Richtung Parkeingang fahren:

Tatsächlich wird mir spätestens nach der Einfahrt zum Park und der obligatorischen Gebühr von 25$ klar, dass der Song gar nicht vom U2 „Joshua Tree“ Album ist (peinlich). Ich versuche Songs dieses Albums in meinem Kopf zu summen, funktioniert aber nicht, es bleibt beim „Unforgettable Fire“, dem Soundtrack meiner „Joshua Tree“ Entdeckung.

Seinen Namen verdankt der Park seinen Bäumen, den Josua-Palmlilien, einer Art von Yucca-Palmen. Die Bäume wiederum verdanken ihren Namen den ersten hier durchquerenden Mormonen, die in den aufragenden Pflanzen die biblische Gestalt Joshuas sahen, der mit ausgetreckten Armen den Israeliten den Weg ins gelobte Land wies. Neben diesen einzigartigen Palmen ist der Park durch seine Gesteinsformationen bekannt, der ihn zu einem Paradies für Kletterer machen.

Die ersten Menschen, die in dieser Gegend siedelten waren wohl die Pinto-Indianer, die zwischen 8000-4000 v.u.Z. hier lebten und eine Jäger und Sammler Gemeinschaft waren. Einige Überreste dieser Kultur fanden sich im nach ihnen benannten Pinto-Basin, dem tiefsten Ort des Parks (305m über dem Meeresspiegel), wo die Großlandschaft der Mojave Wüste in die Colorado-Wüste übergeht. Später lebten noch weitere Stämme hier, bevorzugt in der Oase von Mara, die heute als das schon erwähnte Twentynine Palms bekannt ist. Noch heute leben Nachfahren von vier Stämmen in zwei Reservaten, welche sich in der Nähe des Parks befinden (eins im Coachella Tal und das andere bei Twentynine Palms). Und so kamen auch die ersten Europäer in diese Gegend, als sie die Absicht hatten Indianer zu missionieren (was über einen langen Zeitrahmen betrachtet eigentlich nie gut für die letzteren Ausging). Der Spanier Pedro Fages verfolgte im Jahr 1772 Indianer (Einheimische) hierher, da diese von der Mission San Diego fortgelaufen (entflohen) waren. Bis in die 1870er Jahre waren es aber meistens nur Durchreisende oder Expeditionen, die sich in diesen Teil der Mojave-Wüste verloren. Doch zu jenem Zeitpunkt siedelten sich Rinderfarmer an, die hier ihr Vieh grasen ließen. Um genügend Wasser in dieser sehr trocknen Gegend zu haben, bauten die ersten Farmer den Barker Damm im Jahr 1900, der sich heute noch im Park befindet. Auch Bergbau wurde betrieben und Gold und Silber abgebaut, tatsächlich wurde bis in die 1970er Jahre hier abgebaut und 1950 wurde sogar die Fläche des schon 1936 von Präsident Roosevelt als National Monument geschützten Gebietes verkleinert, um weitere Erdarbeiten erledigen zu können. Letztendlich wurde aber 1994 der Nationalpark Joshua Tree gegründet mit einer Fläche von ca. 3.200km², welche weit größer ist, als der bis dahin geschützte Bereich.

Heute ist der Park zumeist reine Natur. Es gibt neuen Campingplätze, wovon aber nur drei Wasser haben und nachdem Prinzip „wer zuerst kommt, hat einen Platz und kann hier übernachten“ funktionieren. Viele Kletterer kommen im Park auf ihre Kosten, wobei die Kletterrouten bedingt durch die überschaubare Höhe der Felsen relativ kurz sind (verglichen beispielsweise mit dem Yosemite Nationalpark). Durch den geringen zivilisatorischen Einfluss ist bei einigen Campern auch die Beobachtung der Sterne sehr populär, da es im Park kaum Lichtsmog in der Nacht gibt. Da viele Teile des Parks wild gehalten werden, verteilen sich die Besucher des Joshuas Trees recht großflächig (anders als beispielsweise im Yosemite Tal) und man kann als Besucher die wunderschöne Wüstenlandschaft mit seinen Palmen, Felsen, Bergen und Tälern ausgiebig genießen.

Und nach einem Tag im wundervollen Joshua Tree senkt sich die Sonne Richtung Horizont und bemalt das Land und den Himmel mit Farben, wie sie in Kalifornien scheinbar fast jeden Tag vorkommen.

Death Valley

Das Death Valley, das „Tal des Todes“, hat einen verheißungsvoll abenteuerlichen Namen, ziemlich gefährlich muss es sein da unten! Berüchtigte Hitze, kaum Vegetation, Fehlen von Wasser, nicht wirklich lebenswert, könnte man meinen, was ja keinesfalls heißt nicht besuchenswert. Das Death Valley zieht durch seine Unwirklichkeit und Lebensfeindlichkeit an. Tatsächlich entstammt der Name einer Gruppe Pioniere, die mit rund 100 Wagen im Jahr 1849 hier unterwegs waren. Sie fuhren entlang des Old Spanish Trails der von New Mexiko aus nach Kalifornien führte. Die Gruppe, die sogenannte Bennett-Arcane Party (oder auch die Death Valley 49ers) wollte ihr Glück im (Wilden) Westen finden, angezogen vom Goldrausch der Kalifornien als ein neues El Dorado erscheinen ließ. Um schneller ans Ziel zu gelangen, suchte man eine Abkürzung und geriet ins Death Valley, konnte aber keinen geeigneten Ausgang mehr aus ihm finden. So irrte man wochenlang durch das Tal und war gezwungen, die eigenen Fuhrochsen zu verspeisen, da natürliche Nahrung hier kaum zur Verfügung stand. Um die Ochsen zu braten musste man das Holz der Wagen als Brennholz benutzen. Ohne die Wagen gelang es schließlich, über den Wingate Pass das Tal zu verlassen. Nach den wochenlangen Strapazen drehte sich eine Frau auf dem Pass um und richtete ihren Blick zurück und rief abschließend „Goodbye Death Valley“ ins Tal hinein. Dies notierte William Lewis Manly, ein Teilnehmer der Pioniergruppe, und schrieb es in seiner Autobiographie „Death Valley in ˈ49“ nieder und so bekam das Tal seinen Namen. Übrigens starb niemand der Pioniere im Tal, wie man eigentlich hätte erwarten können.

Tatsächlich waren die Pioniere von 1849 nicht die ersten Besucher im Tal. Die amerikanischen Ureinwohner sollen schon vor rund 9000 Jahren in der Region gelebt haben. Damals gab es im Death Valley noch einen kleinen See und das Klima muss milder gewesen sein änderte sich aber in den nächsten Jahrhunderten. Neue Stämme zogen in die Region, die sich den schwieriger werdenden Bedingungen anpassen mussten. Vor rund 2000 Jahren siedelten sich dann die Koso hier an, ein westlicher Stamm der Gruppe der Shoshone-Indianer. Je nach Jahreszeit lebten sie entweder im Tal (im Winter, wenn sich unten etwas Wasser sammelte) oder auf den benachbarten Bergen (wo sie im Sommer Nahrung fanden und selbst anbauten).
Nach den bereits erwähnten, durchstreifenden, Pionieren wurde in den 1880er Jahren Erze und Mineralien im Tal gefunden, was zur kommerziellen Nutzung des Death Valleys führte. Besonders begehrt waren Borax-Kristalle, welche beschwerlich ins rund 260km entfernte Örtchen Mojave gebracht wurden. Da die eingesetzten Eseltracks nicht mehr als 3 km/h erreichten, dauerte ein Trip rund 30 Tage lang. So baute man eine Eisenbahnlinie, die allerdings erst 1913 fertig gestellt wurde, dass Death Valley jedoch in den 1920er Jahren zum weltweit größte Abbauort für Borax machte. Zwar wurde immer wieder gleichfalls versucht Erze abzubauen, aber die ungünstigen klimatischen Bedingungen und die wenig ergiebigen Funde, machten solche Unternehmungen schnell zunichte.
Seit den 1930er Jahren setzte ein erster touristischer Impuls im Valley ein, der besonders im Winter wegen des dann angenehm warmen Klimas kam. 1933 erklärte US-Präsident Herbert Hoover das Death Valley zu einem geschützten „National Monument“ und förderte damit einerseits den Tourismus, verhinderte anderseits eine Ausweitung des Bergbaus im Tal. Nachdem die Regeln für den weiteren Abbau immer weiter verschärft wurden, war die Schließung der Billie Mine im Jahr 2005 das Ende des Abbaus in Death Valley. Zu jener Zeit war das Tal schon ein Nationalpark. 1994 wurde ein 5.300 km², später auf 13.650 km² ausgeweitetes, Gebiet dazu ernannt (und damit zum größten Nationalpark der USA außerhalb Alaskas) und seit 2013 ist es ebenso ein Lichtschutzgebiet in welcher der nächtliche Lichtsmog auf einem Minimum gehalten wird und man hervorragend Sterne beobachten kann. Heute strömen über eine Millionen Gäste pro Jahr durch das weite Tal.

Diese werden nicht nur vom Titel des Nationalparks und dem bedrohlichen Namen angezogen. Ein Faktor ist sicherlich auch die klimatische Situation des Parks, der im Sommer zu einer bedrohlichen Herausforderung werden kann, denn das Death Valley ist einer der heißesten Orte unseres Planeten. Am 10.Juli 1913 wurden hier 56,7ᵒC gemessen, was der höchste Messwert ist, der jemals erzielt wurde. Tageshöchstwerte von über 49ᵒC (oder 120ᵒ Fahrenheit) sind im Sommer keine Seltenheit. So wurde im Death Valley auch das höchste jemals gemessene Minimum einer Nacht gemessen, nämlich am 12. Juli 2012 als das Thermometer nicht unter 41,7ᵒC fiel. Im Winter jedoch können die Nachttemperaturen auch durchaus unter den Gefrierpunkt fallen, so liegt die niedrigste gemessene Temperatur im Tal bei -9,4ᵒC.
Gleichzeitig ist das Death Valley auch eines der trockensten Orte Amerikas, was überrascht, weil es nur wenige hundert Kilometer vom Pazifischen Ozean entfernt liegt. Jedoch regnen die feuchten Winde sich zuvor an fünf Bergrücken ab, bevor sie das Gebiet des Nationalparks erreichen. Der höchste Punkt der USA, außerhalb Alaskas, der Mt. Whitney (mit 4421m) ist tatsächlich nur 137km Luftlinie entfernt, was umso erstaunlicher ist, da im Tal das Badwater Basin liegt, das mit 86m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkte der USA ist.
Tatsächlich war bis vor rund 10.000 Jahren hier noch Wasser vorhanden, in Form eines Sees. Dieser, heute ausgetrocknete, See geht auf den Lake Manly zurück (benannt nach dem oben erwähnten Pionier), der vor ca. 150.000 Jahren seine größte Ausdehnung im Tal gefunden haben muss, bei einer Länge von 150km und einer Tiefe von 180m. Der Lake Manly trocknete aus, durch Klimaschwankungen entstanden aber immer wieder kleinere Seen bis vor 10.000 Jahren die Zufuhr von Schmelzwasser aus der Sierra Nevada vollkommen abgeschnitten wurde und nur noch die Salze und Mineralien übrig blieben, die man heute noch im Badwater Basis sehen kann. Damit gehört das Death Valley zur Landschaft des Great Basins, oder auch des „Großen Beckens“, einer etwa 500.000km² großen Großlandschaft östlich der Sierra Nevada, in welcher zwar Flüsse hineinfließen, aber alle Gewässer letztendlich vertrocknen und das Basin mit seinen zahlreichen Tälern und Gebirgsketten nicht mehr verlassen können und vertrocknen.

Malmö

urban facts Malmö

Zugegeben; Malmö ist ein dieser Städte die man „Mit-besucht“. Durch die Öresundbrücke seit 2000 mit Kopenhagen verbunden, sind die beiden Städte nur etwas mehr als eine halbe Stunde Bahn- oder Autofahrt voneinander entfernt. Die drittgrößte schwedische Stadt aber einfach mal so mitzunehmen ist vielleicht sogar etwas unfair, denn Malmö bietet ist tatsächlich ziemlich sehenswert.

1170 wird erstmals eine Landungsstelle erwähnt, die der dänischen König und seine Gefolgschaft benutzte, um weiter ins Landesinnere nach Lund zu gelangen. Damals war die heutige Provinz Schonen noch zu Dänemark gehörend. Der Name Malmö ist wohl dem altschwedischen Wort Malmöughe abzuleiten und bedeutet so etwas wie Sandhaufen. Im 13. Jahrhundert wuchs hier ein Fischerdorf, dass sich durch die guten Fischgründe mit Heringen sehr rasch entwickelte und schon 1353 zur Stadt erhoben wurde. Bald schon übernahm Malmö die Funktionen, die Lund bis dato inne hatte und wurde zur wichtigsten Stadt in Schonen. Aus dieser ersten Epoche der Stadt ist heute noch das Malmöhus slot zu sehen. Zu Zeiten der Hanse war Malmö im deutschen Sprachgebrach übrigens als Elbogen bekannt, denn der Küstenverlauf bei der Stadt erinnert an einen Ellenbogen.

Der dänische Protestantismus wurde in Malmö geboren, denn hier wurde erstmals eine Predigt nach den Geboten Luthers durchgeführt, auch die erste Bibel in dänischer Sprache wurde hier gedruckt. Bald geriet die Stadt in den Interessensbereich der Schweden und wurde mehrmals Gegenstand von schwedischen Eroberungen bis sie schließlich 1658 endgültig schwedisch wurde. Sehr weit im Süden des Landes gelegen (zum Vergleich: die Entfernung Malmös per Luftlinie nach Mailand ist mit rund 1150km, deutlich kürzer als die ins nordschwedische Kiruna mit rund 1400km Luftlinie, gleiches gilt für die Entfernung zur schwedischen Hauptstadt Stockholm und zur deutschen Hauptstadt Berlin) stockte die Entwicklung Malmös. 1775 erhielt sie einen künstlichen Hafen, aber erst die industrielle Revolution schuf einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und ein rasches Anwachsen der Stadt. Große Werften siedelten sich hier an (der 135m hohe Kockumskran war ein Wahrzeichen der Stadt, wurde jedoch im Jahr 2002 demontiert), welche allerdings mit ihrem Niedergang in den 1980er Jahren, auch zum Niedergang der Stadt führten. Noch heute hat Malmö eine höhere Arbeitslosigkeit als Stockholm oder Göteborg, obwohl ein rascher wirtschaftlicher Wandel vollzogen wurde. 1998 bekam die Stadt eine Universität, in welcher heute bereits über 20.000 Studenten eingeschrieben sind. Gleichzeitig brachte die 2000 eröffnete Öresundbrücke den Vorteil schnell nach Kopenhagen zu gelangen, wo viele Schweden gut bezahlte Arbeit fanden. Von den 17.000 Fahrzeugen und rund 200 Zügen täglich, nutzen viele die Möglichkeit im etwas billigeren Malmö zu wohnen und jeden Tag über die Brücke auf Arbeit zu fahren. Der Unterschied zu Kopenhagen ist jedoch schnell auffällig, auch wenn man in Malmö gleichfalls viele neue Bauwerke in den letzten Jahren errichten ließ, unter anderem das neue Wahrzeichen der Stadt, den Turning Torso, das höchste Haus Skandinaviens, so sind sowohl die historischen, als auch die Neubauten in Malmö nicht ganz so auffällig wie in der Stadt auf der anderen Seite des Sunds. Ein weiterer Unterschied ist Malmös Migrationsquote von 40%. Um Vorurteile abzubauen, gibt es in der Bibliothek der Stadt eine sehr innovative Idee. Dort kann man sich mehrmals im Jahr „lebende Bücher“ ausleihen, also Menschen, die einer Minderheit angehören (u.a. einen Iman, eine muslimische Frau, eine Lesbe, ein Obdachloser…) und mit ihnen 45 Minuten lang reden.
Malmö bietet also doch schon eine ganze Menge und wenn man sich einen Tag von seinem Kopenhagen Besuch abknapst, um die Stadt zu erkunden wird man schnell feststellen, dass die Heimatstadt des großartigen Fußballers Zlatan Ibrahimovic (der bekanntermaßen eine ebenso großes Selbstvertrauen hat, wie ein Gespür dafür wo das Tor ist) durchaus eine sehr lebenswerte Stadt ist, die sogar einen zweiten, dritten,… Tag besuchenswert ist.

urban facts Malmö

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum)

301.706 (689.206)

Einwohnerentwicklung

2010-2015: 7,1%

Fläche

77,06 km²

Bevölkerungsdichte

3915 Einw./km

Koordinaten

55°36′N, 13°0′O

Geographische Höhe

16m üNN

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

604mm / 169 / 1895

Infrastruktur:

Bürgermeister

Katrin Stjernfeldt Jammeh (Sozialdemokratin) seit 2013

Verwaltungstechnische Bedeutung

Hauptstadt der Provinz Skåne län

Flughafen

Malmö Airport (MMX; eröffnet 1972; 2,2 Mio. PAX 2016; 2 Landebahnen; 20km O der Innenstadt)

Entfernung nach…

Kopenhagen LL:28km, 40km (Auto: 40min, Bahn: 40min)
Stockholm LL: 515km, 615km (Auto: 2h 50min; Bahn: 4h 15min)
Göteborg LL: 245km, 275km (Auto: 5h 50min; Bahn: 2h 20min)
Berlin LL: 345km, 470km (Auto: 7h 10min; Bahn: 7h 25min)

nächster Ort über 500.000: Kopenhagen 40km
nächster Ort über 1000.000: Berlin 470km

Kultur / Geschichte:

Universität

Malmö högskola (gegründet 1998; 24.000 Studenten)

Sportvereine der Stadt

Malmö FF (Fußball; gegründet: 1910; 20x schwed. Meister; 14x schwed. Pokalsieger jeweils Rekordchamp; 1x Finalist Europapokal der Landesmeister; Ø-Zuschauer 2017: 18.088 @ Swedbank Stadion (24.000)

Erste urkundliche Erwähnung

1170

Gegründet von:

Dänen

Großstadt seit

1915

Das entscheidende Jahr

1658: Malmö wird schwedisch

Meisten Einwohner im Jahr

heute

Arbeitslosenquote:

10,1% (2016, für gesamte Region Skåne län)

 

Neues Bauen in Kopenhagen

Wer Kopenhagen 2017 besucht, der sieht eine Stadt in fast rasendem Wachstum. In großer Geschwindigkeit entstehen neue Quartiere, ob nun im Norden oder Süden der dänischen Hauptstadt. Doch nichts ist schnell mal dahin gebaut. Die sich gerade erneuernde Metropole Kopenhagen ist zu einem Zentrum für ausgesuchte, funktionale und detailreiche aber trotzdem sehr ästhetische Architektur geworden. Kein alles andere in den Schatten stellender großer Leuchtturm wie beispielsweise das Guggenheim Museum in Bilbao findet sich hier, sondern eine Vielzahl etwas kleinerer, aber ebenso schönen neuen Wahrzeichen, welche die Stadt heute aufwerten und vollkommen gleichberechtigt neben den historischen Bauwerken stehen. Es ist ein Verdienst der Stadt, dass ihr Maßstab dabei immer stimmig gehalten wird. Die Eingliederung in das Stadtbild erfährt eine hohe Wertschätzung und ist deutlich zu erkennen. Kopenhagen ist dabei eine ökologisch sehr bewusste Stadt, was auch damit zu tun hat, dass das Fahrrad eine maßgebliche Rolle spielt, denn es ist zum wichtigsten Verkehrsträger der Stadt geworden, was angesichts der klimatischen Situation, besonders in der dunkleren Jahreszeit überrascht. Tatsächlich radelt der Kopenhagener aber bei Wind und Wetter und er kann dies durch ein hervorragend ausgebautes und organisiertes Radnetz bequem und sicher tun, welches das Fahrrad als Verkehrsmittel ernst nimmt, aber auch von den Radlern erwartet, sich an die Spuren und Regeln zu halten, schon allein deshalb, weil so viele von ihnen unterwegs sind und sonst Chaos ausbrechen würde.
Was die Stadt heutzutage ebenso ausmacht, ist Kopenhagens Liebe zum Detail, in einer Stadt dessen öffentliche Räume so behandelt werden, als seien sie das Wohnzimmer für alle Bürger. Sie laden ein zu verweilen und in Kopenhagen sagt man sich wohl, wenn wir schon nicht das Wetter des Mittelmeers haben, dann machen wir uns es wenigstens hübsch und lebenswert. Ein gutes Beispiel für das zeitgenössische Bauen in Kopenhagen ist das Nordhavn Projekt. Es ist eines der beiden großen neuen Stadtquartiere (das andere ist Ørestad, im Süden gelegen). Auf dem 200ha großen Gelände wird die alte Hafenstruktur aufrechterhalten. In den nächsten 50 Jahren sollen neue Häuser neben älteren historischen Bauwerken Platz finden. Dieser neue Stadtteil wächst auf mehreren Inseln (und spiegelt damit die Lage der Stadt, die gleichfalls auf Inseln liegt), nach Norden hin, wobei darauf geachtet wird das die Siedlungsstruktur umso grüner wird, umso mehr sie sich vom Kern entfernt, was an den Fingerplan von 1947 erinnert (siehe dazu mehr unter: Geschichte Kopenhagens). Verkehrstechnisch wird hier das Auto klar gegenüber der neuen U-Bahn und natürlich dem Fahrrad benachteiligt (schon jetzt ist das Parken im Zentrum der Stadt so teuer, dass man fast gezwungen ist, seinen Wagen weiter außerhalb zu lassen, kleiner Tipp: oberhalb der S-Bahn Station Svanemøllen wird es kostenlos). Der Zugang zum Wasser soll jedoch für die breite Öffentlichkeit bereitstehen. Dieses Miteinander mit dem angrenzenden Wasser spielt in Kopenhagen eine große Rolle. Immer wieder trifft man auch im Herbst noch auf Badende im bereits kühlem Nass und diese nutzen gern die neuen Stege in der Innenstadt, die gleichfalls auch anderen Wassersportlern, wie Kanufahrern einen Ausgangspunkt für sportliche Betätigung bieten. Genug der Worte, in einigen Bildern soll das neue Kopenhagen vorgestellt werden.

Geschichte Kopenhagens

Erstmals erwähnt wurde das heutige Kopenhagen im Jahr 1043. Damals war von einem Hafen („havn“) geschrieben wurden, die wohl eine kleinere Fischersiedlung in der Gegend beherbergte. Als der Bischof von Roskilde, der damaligen Hauptstadt Dänemarks, den Ort 1160 übernahm, ließ er eine Burg erbauen, den schon damals war die strategische Bedeutung des Ortes aufgefallen, war es doch am engen Öresund zwischen Seeland und Schonen der beste natürliche Anlegepunkt und noch dazu ein Ort mit reichlich Fischgründen, insbesondere Heringen. Nicht zu vergessen ist, dass Havn an einer engen Stelle des Øresunds lag und damit einen guten Übergang zwischen den beiden wichtigen Städten Roskilde und Lund schuf. So wuchs das Örtchen zu einem Handelsort heran und wurde auch bald so genannt, nämlich „Kaufmannshafen“, oder auf Dänisch: „Køpmannæhafn“. Mit rund 5.000 Einwohner bekam der Ort 1254 das Stadtrecht. Gleichwohl war Kopenhagens Lage auch Grund für Rivalität. Die im späten Mittelalter mächtige Hanse, ließ die Stadt im 13.Jahrhundert gleich zweimal Kopenhagen zerstören, wohl auch deshalb, weil die Dänen den Schiffsverkehr der Hanse störten. Doch der Konkurrent war nicht leicht abzuschütteln, Kopenhagen wurde immer wieder aufgebaut. 1413 machte Eric von Pommern die Stadt zu seiner Residenz und 1443 sogar zur dänischen Hauptstadt. Sie beerbte damit Roskilde. Dies und die Gründung der Universität Kopenhagens im Jahr 1479 (damit ist sie die zweitälteste Uni Skandinaviens und eine der Ältesten in Europa) machten die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum im Nordeuropa des 16. Jahrhunderts. Den Reichtum der dänischen Könige mehrte sich durch den Öresundzoll, den jedes Schiff zu zahlen hatte, welche den Meeresabschnitt passieren musste.

Bis zur Regierung von Christian IV. (1588-1648) veränderte sich der Grundriss der Stadt kaum. Inzwischen Protestantisch wuchs Kopenhagen, als im südlich gelegenen Zentraleuropa die Wirren des 30-jährigen Krieges mit Verlust, Tod und Niedergang über das Land wehten. Um 1650 sollen bereits 30.000 Menschen in Kopenhagen gelebt haben. Der König ließ die Stadt im großen Stil ausbauen. Schloss Rosenborg entstand nördlich der Stadt als Sommerresidenz (heute liegt es mehr oder weniger im Stadtzentrum), in der Nähe wurde außerhalb der Stadtmauern, das Quartier Nyboder erbaut, ein Wohngebiet für die Angehörigen der Marine. Auf der südlich der Stadt gelegenen Insel Amagar wurde die Stadt Christianshavn erbaut, welche jedoch schon nach 57 Jahren um 1674 eingemeindet wurde. Das Unheil der Gewalt kam erst mit dem zweiten nordische Krieg (1655 bis 1671) ins Land, im Detail mit dem dänisch-schwedischen Krieg, in welcher die Stadt 1658 von den Schweden belagert und ein Jahr später sogar angegriffen wurde, denn den Schweden lag daran ganz Dänemark zu beherrschen. Die darauf folgenden Aufbauarbeiten sahen auch die Erweiterung des nördlich der Stadt erbauten Kastellets vor, einer Einrichtung für ein Heer von 3.000 Mann. Zahlreiche Bastionen wurden angelegt, denn nach dem Krieg lag Kopenhagen nun am östlichen Rande Dänemarks, das auf der anderen Seite des Öresunds gelegene Malmö und die Provinz Schonen wurden von Schweden annektiert. Um als Handelsstandpunkt attraktiv zu bleiben, wurde der Nyhavn angelegt, an dessen nördlichem Ende der repräsentative königliche Platz Kongens Nytorv entstand. Bis zum Jahr 1690 wuchs Kopenhagen weiter stark an und hatte da bereits eine Einwohnerzahl von 60.000 erreicht.
Dieses Wachstum verlangsamte sich im 18. Jahrhundert beträchtlich. Die Pest (1711), und große Stadtbrände (1728 und 1795) warfen die Entwicklung der Stadt zurück. Jedoch wurden in jenem Jahrhundert die großen Schlossanlagen gebaut, die heute noch in und um die Hauptstadt stehen und Einheimische und Gäste gleichermaßen beeindrucken. 1709 wurde das Renaissanceschloss Frederiksberg in Hillerød (etwas 30km NO der Stadt) erweitert, etwas weiter östlich davon entstand das Schloss Fredensborg 1722. Das neue Schloss Christiansborg entstand nach dem Brand 1728, was heute das wichtigste Bauwerk des dänischen Staates ist, denn hier sitzt das Parlament, der oberste Gerichtshof, der Ministerpräsident und hier befinden sich ebenso die königlichen Empfangsräume (allerdings sollte der damalige Bau ein Feuer 1794 nicht überleben, sein Nachfolger fiel ebenso einem Feuer zum Opfer und das heutige Schloss stammt erst aus dem 20. Jahrhundert). Nicht zu vergessen ist Schloss Amalienborg, was als Zentrum des neuen Barock Viertels Frederiksstaden gebaut wurde.
 Kopenhagen wuchs zur Großstadt heran und erreichte 1800 die 100.000 Einwohnermarke. Doch die Auswirkungen der französischen Revolution sollten die Stadt treffen, denn Kopenhagen wurde auf Grund der dänischen Neutralität mit Schweden, Preußen und Russland von der englischen Flotte erst 1801 bombardiert und 1807 gar eingenommen. Die Briten plünderten die Stadt. Noch schlimmer war, dass durch die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß die Stadt ihre Bedeutung als wichtigster Hafen Nordeuropas an die Stadt Hamburg verlor und so auch der Wiederaufbau recht langsam von statten ging und erst ab den 1830er jahren ein langsamer Wirtschaftsaufschwung begann.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die industrielle Revolution auch in Dänemark ein. 1847 wurde eine erste Eisenbahnlinie zwischen Kopenhagen und Roskilde eröffnet. Die ländliche Bevölkerung suchte ihr Glück in der Hauptstadt und diese platzte mehr und mehr aus ihren Nähten, hatte sie doch noch eine mittelalterliche Verteidigungsanlage, innerhalb die meisten Menschen wohnten. In den immer beengter werdenden Platzverhältnissen verschlechterten sich die hygienischen Bedingungen dramatisch. 1853 kam es zu einer Cholera-Epidemie, an der 5.000 Menschen starben. Danach folgten zahlreiche Maßnahmen die Stadt für ihre neue Größe anzupassen, 1859 wurde die Frischwasserzufuhr verbessert und ein Gaswerk gebaut, das die Straßen nachts beleuchtete. 1868 schließlich wurden die Stadtmauern geschleift und Kopenhagen wuchs schnell über seine alten Grenzen hinaus. Die Viertel Østerbro (im N), Nørrebro (im W) und Vesterbro (im S) entstanden. Die Lage der alten Stadtgrenzen und ihrer Befestigungsmauern lässt sich heute noch erahnen, liegen doch der Tivoli, sowie die Parks Ørestedparken und Østre Anlæge an ihrer Stelle. Es bedurfte nur wenig Zeit bis Kopenhagen mit der Nachbargemeinde Frederiksberg zusammenwuchs. Noch heute ist die mittlerweile über 100.000 Einwohner zählende Stadt selbstständig wird aber von der Stadt Kopenhagen komplett umschlossen.
Im 2.Weltkrieg wurde Kopenhagen am 9.April 1940 kampflos von der deutschen Wehrmacht eingenommen. Seit dem Dänisch-Deutschen Krieg 1864, der mit erheblichen Territorialverlusten in Schleswig und Holstein für die Dänen endete, präferierte Dänemark eine strenge Neutralitätspolitik gegenüber Deutschland (wie bereits im 1.Weltkrieg), bei der das gesamte Land kampflos an Nazideutschland übergeben wurde. Einige dänische Widerstandskämpfer griffen in den Jahren des Krieges Industrieanlagen an und 1944 kam es zu einem landesweiten Generalstreik, in dessen Folge der SS-Korps Schalburg-Gruppe den Tivoli als Vergeltung zerstörte. Ein Bombardement alliierter Flugzeuge am 21. März 1945 führte zur unbeabsichtigten Zerstörung einer französischen Schule und deren Umfeldes, bei dem mehr als 900 Menschen ihr Leben ließen (ein Kampfflugzeug der Alliierten stürzte versehentlich über der Schule ab und die Explosion wurde von den anderen Flugzeugen als Zeichen betrachtet, die Gegend zu bombardieren). Betrachtet man aber die Ereignisse und Zerstörungen des 2.Weltkrieges insgesamt, so wurde Kopenhagen fast unbeschadet aus diesem schlimmsten aller Kriege. Dazu passte auch das es in ganz Dänemark keine wirkliche Nazifizierung gab, die dänische Regierung unter den gegebenen Umständen relativ selbstständig handeln konnte und man dabei beispielsweise sehr viele jüdische Bürger vor dem Holocaust retten konnte.
Nach 1945 benötigte man einen Plan, wie man mit einer wachsenden Stadt (Kopenhagen hatte 1940 bereits über 700.000 Einwohner und erreichte seinen Höchststand von 768.000 zehn Jahre später) umgehen wollte. Dazu wurde 1947 ein offizieller Stadtentwicklungsplan vorgestellt, der „Fingerplan“. Sein Name nimmt sich ein Beispiel an der Figur einer Hand, von der sich die einzelnen Finger lösen. Die Handfläche ist die Innenstadt und die Finger sind verkehrstechnisch gut angeschlossene Zentren mit Wohn- und Arbeitsgebieten, sowie Freizeiteinrichtungen. In den Leerräumen zwischen den Fingern sollten Grünflächen entstehen. Für die verkehrstechnische Anbindung wurde sich dem 1934 eingeführten S-bahnnetz S-tog bedient. Ziel dieses Stadtentwicklungsplans war der moderne Geist der räumlichen Trennung von Arbeits- und Wohnort bei einer gleichzeitigen Kontrolle des Außenwachstums der Stadt. Auch wenn der Fingerplan, der von Peter Bredsdorff entwickelt wurde, sich mehrfach neuen Realitäten anpassen musste, so ist er als basales Ordnungsprinzip für die Kopenhagener Stadtentwicklung nach dem 2.Weltkrieg elementar. Obwohl der Großraum Kopenhagen noch bis weit in die 1970er Jahre wuchs (während die eigentliche Stadt schon Bevölkerung verlor), hielt man an den grünen Zwischenräumen im Umfeld der Stadt fest. Ab den 1980er Jahren trafen sich vertiefende wirtschaftliche Strukturprobleme mehr und mehr die Stadt. Industriebrachen entstanden und Gründerzeitviertel verarmten. Erst Mitte der 1990er Jahre erholt sich Kopenhagen davon. 1996 kann als Startschuss für das Entstehen der neuen nordischen Metropole Kopenhagen gelten, war man in jenem Jahr doch europäische Kulturhauptstadt. Der Einwohnerverlust wurde gestoppt (1992 zählte man nur noch 464.566 Bürger Kopenhagens) und es erfolgte eine stetige Verbesserung des Anschlusses an das europäische Verkehrsnetz, in Richtung Westen mit der Großen Belt Überquerung und in Richtung Osten mit der unmittelbar an die Stadt grenzenden Öresundbrücke, die seit 2000 Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö verbindet. 2002 wurde die Kopenhagener Metro eröffnet, zu deren zwei Linien in den nächsten Jahren zwei weitere hinzukommen werden. Noch mehr zeigt sich das aber an den fast unendlich vielen Bauprojekten die in der Stadt wachsen und die neben zahlreichen Wohn- und Arbeitsquartieren auch einige neue bauliche Wahrzeichen der Stadt bescherten.                 

urban facts Kopenhagen

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum)

als Københavns Kommune: 591.481 (2016)
als Hauptstadt: 771.312
als Ballungsraum = Hovedstadsområdet : 1.280.371

Öresundregion: 3,8 Mio.

Einwohnerentwicklung

2014-15: +1,84%
2010-15: +8,94%

Fläche

86,2 km²

Bevölkerungsdichte

6.862 Einw./km²

Koordinaten

55°41′N, 12°35′O

Geographische Höhe

24m über dem Meeresspiegel

Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr

613mm / 113 / 1533

 

Infrastruktur:

Bürgermeister

Frank Jensen (Sozialdemokrat, seit 2010)

Verwaltungstechnische Bedeutung

Hauptstadt Dänemarks

Anzahl Besucher im Jahr

ca. 9 Mio. Übernachtungen (2013) in der Hauptstadtregion

Platz in der Mercer-Studie

4. Platz (2017)

Global City Status

Beta +
(5.Kategorie gemeinsam mit u.a.: Berlin oder Houston)

Flughafen

Flughafen Kopenhagen-Kastrup (CPH; eröffnet 1925; 29,0 Mio; PAX 2016; größter Flughafen Skandinaviens ; 3 Landebahnen, 2 Terminals; 8km S der Innenstadt)

ÖPNV

Metro: eröffnet 2002; 2 vollautomatische Linien auf 21km mit 22 Stationen und 50 Mio. PAX (2010); 2 Linien derzeit in Bau
S-Bahn (S-tog): eröffnet 1934, 7 Linien auf 170km Streckenlänge mit 84 Bahnhöfen, täglich 357.000 Fahrgäste (=130 Mio. PAX im Jahr)

ÖPNV Eigentümlichkeiten

S-tog und Metro sind Hauptlastträger des öffentlichen Nahverkehrs mit zusammen über 500k PAX pro Tag;
S-tog hat seit 2008 Wifi; Metro fährt Führerlos

Entfernung nach…

Aarhus: LL: 156km; Straße mit Fähre 186km (Auto: 3h16min; Bahn: 2h 50min)
Odense: LL: 140km; Straße: 165km (Auto: 1h 40min, Bahn: 1h15min)
Hamburg: LL: 288km; Straße mit Fähre: 330km (Auto: 4h 20min; Bahn: 4h 50min)
Berlin: LL: 355km; Straße mit Fähre: 435km (Auto: 6h 10min; Bahn: 6h 37min)
Stockholm: LL: 522km; Straße: 610km (Auto: 6h 10min, Bahn: 5h 10min)
nächster Ort über 500.000: Göteburg (SWE)
nächster Ort über 1.000.000: Hamburg (DE)

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten

4, u.a.:
Universität Kopenhagen (1447 gegründet als Universitas Hafniensis; 38.000 Studenten in 6 Fakultäten; 2. größte Uni Dänemarks)
Dänemarks Technische Universität (1829 gegründet; seit 1994 Uni; 10.600 Studenten (2015)

Anzahl Museen

54 laut wikipedia.dk

Sportvereine der Stadt

FC København (gegründet 1992; Vorgängervereine gehen bis ins Jahr 1876zurück; 12x Dän. Meister; 8x Dän. Pokalsieger; Ø-Zuschauer (2016/17): 13.161 @ Telia Parken (38.076 Plätze)
Brøndby IF (gegründet: 1964; 10x Dän. Meister; 6x Pokalsieger; Ø-Zuschauer (16/17): 12.712 @ Brøndby Stadion

Tageszeitung der Stadt (Auflage)

Berlinske (Erstausgabe: 1749; Auflage: 100.000; liberal-konservativ)
Politiken (Erstausgabe: 1884; Auflage: 99.000; liberal)

Biersorte des Ortes:

Carlsberg, Tuborg

Erste urkundliche Erwähnung

1258 (Stadtrecht)

Großstadt seit

1801

Das entscheidende Jahr

1443 wird Kopenhagen Hauptstadt von Dänemark

Meisten Einwohner im Jahr

1950 (768.905)

Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute

23%

Kneipenviertel:

Vesterbro, Nyhavn

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1

Meerjungfrau

Architektonisches Highlight

The Black Diamond

Hauptplatz

Kongens Nytorv

Höchstes Gebäude

Christiansborg (106m)

Meist fotografierte Gebäude

Nyhavn

Anzahl Starbucks

12; andere Kaffehäuser sind durchaus zahlreicher vertreten, z.B. Espresso House mit 21 Filialen

Konzernzentralen von

A.P. Møller-Maersk (weltgrößte Container-Reederei)
Novo-Nordisk (Pharma)
Lundbeck (Pharma)
NKT Holding (Pharma)

Kaufkraftindex in EU (oder Region)

23.442€ pro Kopf Kaufkraft (höchstes in Dänemark)

Arbeitslosenquote

4,2%

Bevölkerungsentwicklung:

1450

1500

1650

1700

1787

1801

1850

1880

1900

1911

4.500

10.000

30.000

65.000

90.032

100.975

129.695

234.850

400.575

462.151

1921

1930

1940

1950

1960

1970

1980

1990

2000

2010

561.344

617.069

700.465

768.105

721.381

622.773

498.850

466.728

495.699

528.208