Patagonien

Die Faszination PatagoniensDie Größe PatagoniensDie Spezifik PatagoniensDie Geschichte PatagoniensPatagonien in wenigen FaktenLiteratur und Fotos zu PatagonienKarte Patagoniens

Die Faszination Patagoniens

Wann ich das erste Mal von Patagonien hörte kann ich nicht mehr sagen, wohl aber dass sich unter dem Namen für mich immer eine ferne und raue Welt verbarg, deren Besonderheit wohl darin lag, dass sie so weit weg lag. Ich erinnere mich an Fernsehberichte (vielleicht der von Klaus Bednarz, aber sicher bin ich mir nicht mehr), in denen Punta Arenas beschrieben wurde, die südlichste Großstadt der Welt und der Ausgangspunkt für Antarktisexpeditionen. Für mich bedeutete dies, der Endpunkt einer möglichen Reise meinerseits, denn Expeditionen ins ewige Eis kamen (und kommen) mir unangenehm kalt und noch dazu nicht ungefährlich vor. Obwohl Australien viel weiter weg von Dresden aus liegt, schien es mir keinen entfernteren Ort zu geben als die Südspitze Südamerikas. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich sehr gern einen Globus bei meiner Oma betrachtete und entsprechend drehte. Die Südspitze Amerikas waren auf ihm immer am schwierigsten zu sehen und die vielen Fjorde, Inseln und Wasserstraßen ließen nicht wirklich klar werden, welcher Punkt bereist werden konnte und welcher Ort verlassen auf den ersten Menschen wartete. Es waren die gezackten Linien von Wasser und Land die zu verschwimmen schienen, welche diese Gegend so reizvoll und gleichzeitig geheimnisvoll machten. Patagonien und Feuerland waren gewissermaßen die größten Ausläufer meines Fernwehs.
Im Jahr 2000 kaufte ich das Buch „In Patagonien“ von Bruce Chatwin und auch hier bin ich mir nicht sicher, ob die Kaufmotivation aus einer Lobpreisung des Autors und seines Textes  (vom wem, diese kam ist mir nicht mehr erklärlich) oder dem Interesse des Gegenstandes galten. Jedoch muss ich, zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht wirklich weit mit dem Buch gekommen bin. Der Kassenzettel als Lesezeichen wanderte nicht weiter als ins erste Drittel. Vielleicht war die Beschreibung dieses fernen Landes mir dann doch zu fern.

Die Größe Patagoniens

Patagonien ist keine wirklich klar definierte Region. Da es in zwei Ländern, nämlich Chile und Argentinien liegt, gibt es auch kein einheitliches Verwaltungsorgan Patagoniens. Ebenfalls gibt es in keinem der Länder eine Provinz die Patagonien umreisen würde, außerdem sind die politischen Mitsprachemöglichkeiten der Provinzen in beiden Ländern sehr unterschiedlich. In Argentinien werden die Provinzparlamente und Gouverneure gewählt, während sie in Chile von der Zentralregierung eingesetzt werden. Einen Patagonier, scheint es daher so nicht zu geben.
Während man mit natürlichen Grenzen klar sagen kann, dass die Region im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifischen Ozean grenzt, ist die Ausdehnung nach Norden, als auch nach Süden nicht deutlich definiert. Orientiert man sich an geografischen Grenzen, so wird Patagonien im Norden an den Flussläufen des Rio Negro in Argentinien und des Rio Bío Bío in Chile festgemacht. Genauso kann man jedoch argumentieren, dass die nördliche Ausbreitung in Argentinien erst mit dem Rio Colorado endet (der etwas nördlicher der Rio Negro verläuft), während man das Ende Patagoniens in Chile mit dem Reloncaví Fjord begrenzen kann, was weitaus südlicher als der Bío Bío liegt. Eine Karte von 1862 spart sogar die Insel Chiloé in Chile aus. Auch im Süden der Region stellt sich die Frage, ob die Magellanstraße Patagonien von Feuerland trennt, oder ob Feuerland ein Teil Patagoniens ist. Im Regelfall wird letzteres heute so gesehen (um bei Bruce Chatwin zu bleiben, den ich mittlerweile gelesen habe, er bereist Feuerland und verschwendet nicht ein Wort darüber, dass es vielleicht gar nicht zu Patagonien gehören könnte).
Wie auch immer man zu den genauen Verläufen der Region stehen mag (siehe dazu unten in den statistischen Daten mehr), viel wichtiger ist ihre grobe geografische Zweiteilung, welche durch die Anden erfolgt. Der westliche Teil ist daher gebirgig und verregnet, während der östliche Teil trocken, flach und sehr vegetationsarm ist. Gemeinsam ist beiden, der Mangel an menschlicher Besiedlung. Nur rund 2 Menschen leben hier auf einem Quadratkilometer, so wenige wie in keinem anderen Gebiet Südamerikas und das bei einer Größe, die mit über 1 Million Quadratkilometer die Fläche von Deutschland und all seiner Nachbarländer (ausgenommen Frankreich) übersteigt.

Die Spezifik Patagoniens

Diese Fakten machen dann auch das Wesen Patagoniens aus. Wie auch immer man zu dieser Region steht, auffallend ist ihre Leere an Menschen und teilweise auch an Vegetation, gepaart mit ihrer Weite. Drei bekannte Straßen führen durch Patagonien. Die Ruta National 3, die von der Bahia Lapataia im Nationalpark Tierra del Fuego entlang der Atlantikküste nach Norden verläuft, die Ruta National 40 die am argentinischen Rand der Anden entlang führt, wie auch die Carretera Austral in Chile, die sich durch die Anden schlängelt. Allen drein ist gemeinsam, dass sie über viele Kilometer durch das Nichts führen, es kann manchmal Stunden dauern, bis man zur nächsten Ortschaft gelangt oder das sich die Landschaft verändert. Die beiden letzten Straßen bestehen weiterhin zu einem nicht unerheblichen Teil aus Schotterpiste, was die Fortbewegungszeit erheblich streckt. Eine bei Reisenden beliebte Busfahrt auf der RN 40 von El Calafate nach Bariloche dauert ungefähr 25 Stunden, bei einer Distanz von rund 1.500km. Einheimische tendieren daher lieber dazu, die besser ausgebaute RN3 zu nehmen. Die Carretera Austral in Chile hat den Nachteil in der Fjordlandschaft der Anden zu enden und nicht die südlich gelegenen Orte Punta Arenas und Puerto Natales mit dem Rest des Landes zu verbinden. Wer von dort in den Norden Chiles möchte, muss die Fähre nehmen, oder über Argentinien fahren, oder sich in ein Flugzeug setzen, eine inner-chilenische Straße gibt es nicht.
Das zweite Markenzeichen der Region ist der Wind. Umso südlicher man kommt, umso mehr scheint es zu stürmen. Wer beispielsweise nur für einen Tag nach Punta Arenas kommt, um sich einer sehr beliebten Tour zu den Pinguininseln anzuschließen, der muss damit leben, dass diese sehr häufig abgesagt werden müssen, da der Sturm eine Ausfahrt der Boote unmöglich macht.
Sturm und Leere scheinen die Essenzen zu sein, die Patagonien ausmachen. Und diese werden je nach Sichtweise unterschiedlich bewertet. Man kann in dieser Einsamkeit bei teilweise tagelang grauenhaftem Wetter verzweifeln, wie der Kapitän der HMS Beagle, Prinkle Stockes, bei deren erster Erkundungsfahrt. 1828 notierte er in sein Tagebuch: „Nothing could be more dreary than the scene around us. … The weather was that in which … the soul of a man dies in him.” (zitiert aus Moss; Patagonia S. 93). Diese wenig erfreuliche Einschätzung des patagonischen Winters schrieb er im Juni 1828 nieder. Drei Monate später schoss er sich in den Kopf und verstarb einige Tage später. Selbstverständlich kann man auch ganz anders urteilen, nicht zuletzt die immer zahlreicher werdenden Touristen, die von Hotspot zu Hotspot ziehen (so wie der Autor dieser Zeilen). Diese lassen sich von der atemberaubenden Landschaft der Torres del Paine begeistern, der Ruhe des Perito Moreno Gletschers, die bin in die Seele vordringt, sie steigen auf den Cerro Campanario und haben plötzlich ein traumhaftes Märchenpanorama aus Bergen und Seen vor sich liegen, oder sie lassen sich von der Tierwelt der Halbinsel Valdes im Atlantik verzücken. Vielleicht begeistert sich der ein oder andere Reisende, gerade wenn er aus Europa kommt, auch am Gefühl am anderen Ende der Welt zu sein, oder den Platz anzusehen, wo die Atombombe mit ihrer Zerstörungskraft wohl als letztes hingelangt, ein Motiv das schon Bruce Chatwin erwähnte und das ich tatsächlich vor nicht langer Zeit wieder hörte. Keine Kondensstreifen erscheinen in Patagonien am Himmel, denn es gibt einfach keine Flugrouten mehr, die so weit unten im Süden entlang laufen. Überhaupt wird für Mitteleuropäer der Begriff Süden hier umgedeutet. Steht er in Deutschland für die Wärme und den Lebensgeist des Mittelmeers, so wird in Südamerika daraus die große Freiheit, die Einsamkeit, die Leere, der Rand des Globus und das Ende der Welt, so wie Keimzeit es in ihrem Lied „Kling Klang“ besingen. Aber vielleicht ist ja auch gerade hier der Anfang unserer Erde.

Die Geschichte Patagoniens

Die Geschichte Patagoniens muss mit dem Einheimischen beginnen, den indigenen Völkern, die hier Jahrtausende lang lebten, gern einmal auch kriegerisch gegeneinander vorgingen, aber nie in existenzbedrohende Zeiten kamen. Das änderte sich erst mit den ankommenden Europäern.
Vor 14.000 – 10.000 Jahren kamen die ersten Menschen nach Patagonien. Sie wanderten wohl aus Asien bis hierher, lebten aber noch in steinzeitlicher Zivilisation. Tatsächlich sollte sich dies auch für viele Jahrtausende nicht ändern. In Patagonien wurden weder große Städte noch Tempelanlagen gebaut, es gab kein Rad und auch keine Töpferwaren, auch ist keine Schrift der Ur-Patagonier bekannt. Die hier lebenden Stämme waren hauptsächlich Jäger und Sammler. Lediglich die weit im Norden der heutigen Region siedelnden Mapuche entwickelten einige Siedlungen und eine eigene Schrift. Tatsächlich lebten ganz unterschiedliche Völker in den tiefen Weiten des amerikanischen Südens. Chris Moss fasst es so zusammen:

„Those people – Tehuelche, Mapuche, Chonos, Selknam, Yahgan and Halakwalup – struggeld for millennia to survive in inhospitable climes, developing a rudimentary folk culture. During the last five centuries five of these groups have been wiped out – most of them during the past 150 years – and the Mapuche, despite resistance and some successes, have largely been forced into reservations and onto poor land with no tribal or agricultural value.”  (Moss; S.4)

Von all den aufgezählten Kulturen können die Telhuelche als die typischen Patagonier gelten, wobei sie kein eigenes Volk darstellen, sondern sich in viele Ethnien unterteilen. Dabei ist die Abgrenzung in nördliche und südliche Telchuelche die einfachste Unterteilung. Die Telhuelche lebten in Gruppen von ca. 20 Familien unter einem Anführer, der rund 60 Menschen befehligte, wobei die Gemeinschaft weitgehend herrschaftsfrei organisiert war, außer man nahm in Kriegszeiten Sklaven. Den Gruppen stand ein weitreichendes Jagdrevier zur Verfügung. Im Laufe des 17. Jahrhunderts kam es zu einer ersten großen Veränderung im Leben der Telhuelche mit der Einführung des Pferdes. Dieser Prozess war eine Folge der „Aurokanisierung“ Patagoniens. Damit ist ein Vordringen der Aurokanier bzw. Mapuche in den Raum Nordpatagoniens gemeint. Dieses andere Volk der südamerikanischen Ureinwohner wurden 1641 von den Spaniern anerkannt und hatten ihr eigenes Territorium bekommen (allerdings sollten sich die Spanier nicht wirklich lange daran halten). Da die Spanier ihr vordringen nach Norden erschwerten, wanderten sie ab dem 17. Jahrhundert nach Süden und brachten ihre Sprache, aber auch ihre Kultur mit und wandelten die Gewohnheiten der dort lebenden indigenen Völker um. So kam auch das Pferd nach Patagonien und die Telhuelche wurden zu einem Reitervolk. Damit waren sie in der Lage, tiefer in die bisher unbesiedelten Steppen zu ziehen. Eine weitere Folge war, dass sich die lokalen Gruppen auf bis zu 500 Mitglieder erweiterten und die herrschaftsfreie Gruppenstruktur zunehmend von Häuptlingen dominiert wurde. Spätestens im 19. Jahrhundert geriet die nomadische Lebensweise der Telhuelche in Konflikt mit den neuen europäischen Siedlern in Patagonien, die Land für ihre Zwecke einzäunten, Krankheiten einschleppten und später auch rücksichtslose Jagd auf die Ureinwohner machten (Kopfprämien waren keine Seltenheit, auch unternahm die Armee Säuberungsaktionen, die unter dem Deckmantel der „Eroberung des Südens“ der Öffentlichkeit verkauft wurden). Gab es 1800 wohl noch rund 10.000 Telhuelche waren sie ab 1965 praktisch ausgestorben. Trotzdem zählt der argentinische Staat heute immer noch 27.000 Telhuelche, wobei es sich dabei ausnahmslos um Mestizen handelt. Sie arbeiten als Gauchos oder in den Erdölfeldern des Südens.
Der Name Patagonien rührt wie so manch anderer Begriff (z.B. Stiller Ozean oder Feuerland) von der ersten Weltumseglung unter Fernando Magellan in den Jahren 1521-23. Sein Chronist Antonio Pigafetta notierte „pathagoni“ in seinen Aufzeichnungen, als die Expedition als erste Europäer überhaupt, im tiefen Süden Amerikas auf Menschen stieß. Was Pigafetta nicht tat, war eine Ethnologie des Wortes mitzuliefern. So gibt es verschiedene Theorien, wie es zu diesem Namen kam. Die Wahrscheinlichste ist, dass es sich dabei um einen Superlativ des portugiesischen Wortes „Patagon“ handelt, übersetzt „Fuß“. Patagonien, das Land der Riesenfüssler.  Die Einschätzung Pigafettas und der Crew war sicherlich vorgeprägt von den damaligen Überlieferungen. Zu jener Zeit waren die Fahrten in die neue Welt noch wie Reisen in ferne, höchst unbekannte Orte und die Menschen, auf die man traf, waren für die Europäer zwar unzivilisiert, aber keinesfalls ungefährlich (Magellan selbst, sollte auf den asiatischen Molukken einen Angriff von Ureinwohnern zum Opfer fallen). 1512 wurden Erzählungen in Spanien publiziert, die von den Riesen berichteten, die halb Tier, halb Mensch in einsamen Gegenden der Welt lebten. Sicherlich waren diese Berichte Pigafetta bekannt und obwohl die Einheimischen kaum größer waren, als die Seefahrer selbst, nahm man doch an, die angesprochenen Hünen entdeckt zu haben, die man aus den Schilderungen anzutreffen vermutete. Noch Jahrhunderte hielt sich die Wahrnehmung, in den Weiten Patagoniens lebten großgewachsene Wilde. Es ist ein menschlicher Zug, dass Seefahrer, die an den Rand ihrer Welt fuhren, diese Riesen wieder zu sehen glaubten, während im Laufe der Jahre immer mehr Zweifel aufkamen, dass die Patagonier irgendwelche Giganten waren. Hielt sich dieses Thema in Spanien länger, waren es die englischen Seefahrer, die darauf hinwiesen, dass Patagonier keinesfalls so groß gewachsen waren, wie vermutet. Aber der Name Patagonien hatte sich schon festgesetzt und blieb bestehen, auch wenn die Einwohner vermutlich kleinere Füße hatten als gedacht.
Patagonien blieb noch für viele Jahrzehnte das Land der Ureinwohner. Diese bekriegten sich zwar untereinander und kamen sehr gelegentlich mal mit ein paar neuen Siedlern in Konflikt, aber gerade diese hatten keine größeren Ambitionen sich hier nieder zu lassen. Zuweit weg war Patagonien, zu rau war es hier und auch zu unfruchtbar. Zwar erkannten die Spanier, die sich als neue Herrscher sahen, dass insbesondere die Südspitze eine große strategische Bedeutung hatte, aber ihre Bemühungen sind allesamt von größerer Tragik bestimmt als von Erfolg.
Ein gutes Beispiel sind die Siedlungen Nombre de Jesus und  Rey Felipe, welche von Pedro Sarmiento de Gamboa mit einigen hundert Kolonisten 1584 angelegt wurden. Beide Orte entstanden an der Magellanstraße, wo eine strategische Absicherung der eigenen Ansprüche wichtig erschien. Doch während Sarmiento bei einer Transitfahrt in einen schweren Sturm geriet und schließlich zurück nach Europa steuerte, nur um dort von den Engländern gefangen genommen zu werden und jahrelang in der Alten Welt verbringen musste, verblieben die übrigen Siedler auf sich gestellt in den Neuen Welt. Die widrigen Bedingungen machten das Leben zur Hölle. Drei Jahre später zog es den Briten Thomas Cavendish durch die Magellanstraße. Er stieß auf die Siedlung Rey Felipe, aber alles was er fand, waren dreihundert verhungerte Menschen. Er nannte den Ort Port Famine, übersetzt Hungerhafen, so wie der Platz auch heute noch bekannt ist.
Der tatsächliche Misserfolg der Kolonisierung Patagoniens stand im Wiederspruch mit den ausufernden Geschichten, in welcher die Region als Quelle eines verborgenen Reichtums vermutet wurde. Die Erzählungen beziehen sich dabei zumeist auf eine Expedition von Francisco César, der 1529 im Rahmen einer Reise von Sebastian Caboto vom Rio de la Plata aus ins Landesinnere vordrang. Obwohl César lebend zurückkehrte (nicht so ein Großteil seiner Weggefährten), begann schnell ein Mythos aufzuleben, welcher behauptete, dass es in den Tiefen des Landes eine oder gar mehrere Städte gäbe, die an Herrlichkeit und Reichtum auf der Welt nicht zu übertreffen wären. Dieser geheimnisvolle Ort wurde als die Stadt Cesars bezeichnet. Hier – so wurde gemutmaßt – hätten sich die Männer der Expedition niedergelassen und mit dem Gold, das man hier vermutete, einen Ort geschaffen, der ähnlich wie das sagenumwobene El Dorado alle zeitgenössischen Träume des Wohlstands beinhaltete. Friedlich sollten hier Europäer und Ureinwohner gemeinsam leben. Noch bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war dieser Mythos lebendig und die Cesaren, so wurden die Einwohner jener verborgenen Städte genannt, wurden irgendwo in Patagonien vermutet, gut in der endlosen Weite Patagoniens versteckt. 
Erst im 19. Jahrhundert nimmt die Besiedlung mit vorwiegend europäischen Kolonisten Fahrt auf. Die Anfang des Jahrhunderts entstandenen Staaten Chile und Argentinien waren darauf bedacht, Menschen in der Region anzusiedeln, auch um den eigenen Anspruch auf ihr Territorium zu festigen. Nicht unbedingt am zahlreichsten, aber heute noch am besten im Gedächtnis, ist dabei die Kolonisierung durch die Waliser. Mit dem „Gwladfa“ Projekt kamen zahlreiche Waliser nach Patagonien. In ihrer Heimat hoffnungslos verarmt und unterprivilegiert, suchten sie nach einem besseren Leben und Freiheit. Sie starteten 1865 und landeten südlich der Halbinsel Valdes an, in einer Bucht die sie New Bay nannten und die heute noch Golfo Nuevo heißt. Von dort siedelten sie sich in der Chubut-Region an, welche nach dem hier befindlichen Fluss benannt ist. Doch das gelobte Land entpuppte sich als karge Einöde und die ersten zivilisatorischen und wirtschaftlichen Erfolge ließen lange auf sich warten. Bei Chris Moss findet sich die eindrucksvolle Passage eines Neu-Siedlers:

„I have never been so disappointed by anything. The region is nothing like we read and heard about it before… It’s an almost infinite plain, without trees or rocks, only different types of grasses and bushes, some reaching above head-height, so it is very difficult to move around and only the luckiest comes out of it with their skin intact.” (Moss S. 130f).

Schlussendlich verstanden es die Waliser schon, sich das Land nutze zu machen. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten der „Eroberung des Südens“ hatten sie weitestgehend friedliche Kontakte mit den Ureinwohnern und in Puerto Madryn erinnert ein Denkmal an die gute Nachbarschaft. Allerdings sind heute sind nicht nur diese Ureinwohner verschwunden, auch die walisischen Ortschaften haben ihre vorwiegend walisische Identität verloren.  
Natürlich siedelten in jener Zeit auch viele andere Menschen in Patagonien an. Feuerland wurde bald von britischen Missionaren besucht, in Punta Arenas gab es viele Kroaten und auch Franzosen und Deutsche versuchten ihr Glück zu finden. Die wohl ungewöhnlichsten Neuankömmlinge waren die amerikanischen Banditen Butch Cassidy und Sundance Kid, welche aus dem zunehmend kleiner werdenden rechtsfreien Raum des nordamerikanischen Wilden Westens nach Patagonien gingen, angeblich um hier Land zu kaufen und Rinder zu züchten. Zusammen mit der Amerikanerin Etta Place lebten sie einige Jahre in Patagonien. Jedoch hatten sie ihre kriminelle Energie nicht völlig verbraucht und so überfielen sie 1905 eine Bank in Rio Gallegos und tauchten danach in den Weiten Patagoniens ab. 1908 sollen sie bei einem Überfall in Bolivien erschossen wurden sein, was eine entsprechende Aufarbeitung in Hollywood gefunden hat. 1969 kam „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ mit Paul Newman und Robert Redford in die Kinos (in Deutschland als „Zwei Banditen“) und wurde ein gewaltiger Kassenerfolg. Nocheinmal über zwanzig Jahre später (1991) wurden die Gräber der beiden Räuber in Bolivien geöffnet und eine DNA Analyse durchgeführt, wobei festgestellt wurde, dass es sich bei den getöteten Räubern in Bolivien nicht um Butch Cassidy und Sundance Kid handelt.
Schließlich zog auch das 20.Jahrhundert über das Land. Politische Regime kamen und gingen und verursachten teilweise großes Leid. Öl wurde gefunden und ist heute ein Wirtschaftsfaktor der Region. Die wundervolle Natur wurde als solche entdeckt und den Menschen zugänglich gemacht. Nationalparks wurden gegründet und neben ihnen Städte etabliert, welche den Menschen Einlass zu den Schönheiten Patagoniens bieten soll. Als 1946 der argentinische Nationalpark „Los Glaciares“  eröffnet wurde, verwandelte sich ein winziger Umschlagplatz für Wolltransporte, El Calafate, in eine Stadt für Touristen, die von hier aus zum Gletscher Perito Moreno reisen wollen. Ähnlich verhält es sich mit Patagoniens jüngstem Dorf, El Chaltén am Fuße des FitzRoy Massives. Das Dorf, das hauptsächlich Trekking-Touristen beherbergt, trägt dabei den indianischen Namen des Berges und gilt als jüngste Siedlung Patagoniens.

Patagonien in wenigen Fakten

Fläche: 1.043.076 km² (bestehend aus den argentinischen Provinzen: Neuquén, Rio Negro, Chubut, Santa Cruz, Tierra del Fuego und der chilenischen Palena Provinz sowie den Regionen Aisén, Magallanes)
Einwohner: 2 Millionen
Einwohner / km² 1,9
Wichtigste Städte: Neuquén 224.000
Comodoro Rivadavia 173.000
Punta Arenas 115.000
San Carlos de Bariloche 108.000
Sprachen: Spanisch
Markanteste Berge: Mount FitzRoy (3406m), Torres del Paine (3050m)
Bekannteste Nationalparks: PN Torres del Paine (UNESCO Schutz seit 1978), PN Tierra del Fuego, PN Los Glaciares (UNESCO Schutz seit 1981), Peninsula Valdés (UNESCO Schutz seit 1999)
Artikel zur Region Patagonien: Punta Arenas | Ushuaia |Feuerland | Beagle-Kanal | Magellanstraße

     

Literatur und Fotos über Patagonien

Chris Moss: Patagonia. A Cultural History. 2008. Oxford University Press: Chris Moss kulturelle Geschichte Patagoniens ist das beste mir bekannte Buch über den südlichsten Teil Südamerikas, dass leider nur in Englisch erschienen ist. Moss beleuchtet die Geschichte der Region, aber auch, was über sie geschrieben wurde, was Menschen über sie empfinden und er zeigt, dass es sehr unterschiedliche Perspektiven über Land und Leute gibt. Dieser Artikel beruht in vielen Teilen diesem wunderbaren Buch.

Bruce Chatwin. In Patagonien. 1981 (dt.). Reinbek: Chatwins Reisebericht über Patagonien ist das Standartwerk jedes Reisenden in der Region und wohl eines der am meisten gelesenen Reisebücher überhaupt. Obwohl es Chatwin meisterhaft versteht Orte, Geschichten und Menschen zu verknüpfen, ist das Buch heute nur noch bedingt zu empfehlen. Chatwins Bericht ist in die Jahre gekommen und beschreibt das Patagonien des 1970er Jahre. Weiterhin ist seine Erzählung nicht frei von einer gewissen erzählerischen Arroganz, die das Lesevergnügen mindert. A must have, you don’t must have!

Durch die Fülle an Fotos wurden diese auf eine eigene Bildergalerie-Seite Patagonien ausgelagert. Diese finden Sie hier.

Karte Patagoniens

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Punta Arenas

123.401 Einwohner | 42km² | südlichste Großstadt der Welt | Hauptstadt der Region Magallanes y de la Antártica Chilena | 247 km SO von Puerto Natales | 2119 km LL SSO von Santiago de Chile | 261km SW von Rio Gallegos

Der tiefe Süden der Welt ist ein magisch aufgeladener Ort, der allein deshalb schon seinen Reiz zieht, weil er gerade für Europäer das andere Ende unseres Planten darstellt. Da macht es sich gut, wenn man dieses Extrem noch etwas aufladen kann. So sind zahlreiche Orte damit beschäftigt sich als „Ende der Welt“ darzustellen, oder auch als südlichste „Stadt der Welt“. Punta Arenas in Chile ist mit ziemlicher Sicherheit nicht die südlichste Stadt der Welt, aber sie ist die südlichste Großstadt unserer Erde mit immerhin 123.000 Einwohnern. Vergessen wird dabei aber auch gern, das Punta Arenas auf der Brunswick Halbinsel liegt, die noch zum südamerikanischen Festland gehört und nicht, wie alle anderen Kandidaten auf den Inseln Feuerlands. Vergleicht man weiterhin die Stadt mit dem argentinischen Ushuaia, was nur rund 250km Luftlinie, aber 630km Straße entfernt ist, so ist Punta Arenas der weitaus urbanere Ort. Kein wildzusammengewürfelter Pionierbaukasten, sondern eine gefällige Stadt, an der hier sehr weiten Magellanstraße.

Gegründet wurde Punta Arenas erst am 18.Dezember 1848. Die Besiedlung der Gegend hat jedoch eine weitaus längere Geschichte, selbst wenn man die eigentlichen ersten Siedler, die indigenen Völker ignoriert, die allerdings auch Nomaden waren und keine festen Ortschaften aufbauten. 60km südlich von Punta Arenas gründete Pedro Sarmiento de Gamboa 1584 die Siedlung Rey Don Felipe. Er arbeitete im Auftrag der Spanier, welche nicht zuletzt durch die Fahrten des Briten Francis Drake in der Gegend aufgeschreckt waren. Sarmiento sollte versuchen, dass von Spanien als rechtmäßiges Eigentum angesehene Territorium im fernen Süden zu kolonisieren und damit für die Krone zu schützen. Das Unternehmen war breit angelegt. Der spanische König Philipp II. ließ eine Flotte von 24 Schiffen auslaufen, die rund 2.500 Mann Besatzung über den Atlantik trugen. Doch die Expedition stand unter keinem guten Stern. Mit Sarmiento war Diego Flores Valdez gleichrangig als Kommandant der Flotte eingeteilt, beide gerieten aber in Streit. Stürme ließen acht Schiffe sinken und Valdez schließlich fuhr mit zwölf Schiffen zurück nach Spanien, während Gamboa mit nur vier Schiffen die Magellanstraße erreichte und dort am atlantischen Eingang der Straße in Punta Dungeness eine Siedlung namens Nombre de Jesús erbauen ließ. Später wurde weit westlich davon Rey Felipe gegründet. Nach ersten Arbeiten segelte Gamboa von dort zurück nach Nombre de Jesús, um weitere Hilfe beim Aufbau zu organisieren. Er kam jedoch in einen Sturm der ihn weit abbrachte und er entschloss sich nach Europa zurück zu kehren, wo er aber nicht in Spanien ankam, sondern erst in britische Gefangenschaft gelangte. Währenddessen hatten die Kolonisten noch größere Probleme, denn die widrigen Bedingungen ließen die Nahrungssuche immer schwieriger werden und so verhungerten fast alle Siedler in den neuen Siedlungen. Als 1587 der Brite Thomas Cavendish in der Magellanstraße segelte, bemerkte er die Aufbauten von Rey Felipe, wo er aber nur 300 verhungerte Menschen auffand und nannte den Ort fortan „Port Famine“, (auf Deutsch: Hunger-Hafen). Dessen Name hat sich auf Spanisch bis heute erhalten: „Puerto del Hambre“.  Sarmientos Plan war gescheitert.
Die Besiedlung des rauen Südens durch ehemalige Europäer war kein einfaches Unterfangen und nahm viele Jahrhunderte in Anspruch. Als sich 1818 Chile unabhängig machte, lag Patagonien und erst Recht Feuerland, in einer Art Niemandsland, dass so verlassen war (natürlich unter der Maßgabe der damaligen Zeit, die Ureinwohner nicht mitzurechnen, aber selbst mit ihnen war es hier noch leer), dass es niemanden zu gehören schien. So setzte der neue Staat Chile darauf, sich die südlichen Territorien einzuverleiben. Eine gewisse Eile war auch geboten, denn sowohl Briten, als auch Franzosen zeigten Interesse ihr jeweiliges Imperium hier zu erweitern und natürlich wollte auch der Nachbar Argentinien seinen Teil. Von der Insel Chiloé am Pazifik aus, sendete Chile den Schoner Ancud nach Süden und nach vier Monaten Reise landete dieser am 23. September 1843 auf der Halbinsel Brunswick an der Magellanstraße. Kapitän John Williams Wilson und seine 23-köpfige Crew nahmen die Region offiziell für Chile in Besitz. Einen Monat lang suchte man nach einem geeigneten Ort, um eine Siedlung zu gründen, damit die Ansprüche manifestiert werden konnten. Letztendlich war die Suche nicht wirklich erfolgreich und man kehrte an den ersten Anlandungspunkt zurück und errichtete dort Fuerte Bulnes. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die neue Siedlung geografisch und klimatisch wenig überzeugte und man zog 50km weiter nördlich. An einem von den Engländern Sandy Beach genannten Ort, gründete man am 18.Dezember 1848 Punta Arenas.
Die hier untergebrachte Armeeeinheit war mit der Lage aber nicht wirklich zufrieden und meuterte schon 1852, was zu einer Neuanlage des Ortes führte. So war dann auch die erste Nutzung der Ansiedlung eine Strafkolonie. In der klimatisch recht unwirklichen Gegend gab es kaum Menschen die hier freiwillig siedelten und Gefangene waren ein gutes Mittel etwas aufzubauen, konnte man ihnen doch einfach befehlen Straßen anzulegen. Die Lage änderte sich erst 1867 als Oscar Viel zum neuen Gouverneur der Region Magallanes ernannt wurde, der chilenischen Region, die beide Seiten der gleichnamigen Straße abdeckt. Er war sich der strategisch wichtigen Lage bewusst, die Punta Arenas hatte und ließ sie zum Freihafen erklären, denn bis zur Eröffnung des Panama-Kanals 1914 musste man, um vom Atlantik an die pazifische Küste Amerikas per Schiff zu kommen, den Weg über Patagonien wählen und die Magellanstraße war dabei die ungefährlichste Route, in einer Region die viele riskante Stellen für die Seefahrt kannte. So legte ab 1868 die Pacific Steam Navigation Company auf ihrer Strecke von Liverpool nach Valparaíso in Punta Arenas an. Weiterhin wurden Anreize für Immigranten – insbesondere aus Mitteleuropa – geschaffen, um die Gegend zu bevölkern. Diese bekamen beispielsweise Land zugewiesen. Aber auch das Auffinden von Steinkohle und erste Goldfunde steigerten die lokale Entwicklung. Erste Estancias wurden im Umland geschaffen, die sich anfangs auf Rinderzucht spezialisierten.
Die nachhaltigste Veränderung jedoch war die Einführung von Schafen. Im Laufe der 1870er Jahre erkannte man, dass es nördlich der Stadt zahlreiche Graslandschaften gab und Gouverneur Diego Doublé Almeyda orderte 300 Schafe von den Falklandinseln, um eine Zucht beginnen zu lassen. Die Schafzucht sollte bald große Erfolge feiern und gewaltig expandieren. Aus den 300 Schafen 1877 wurden 1885 schon 40.000, vier Jahre später 300.000 und 1906 bereits 1,8 Millionen. Patagonien wurde zu der zweitgrößten Wirtschaftsregion für Schafwolle in der Welt. Auch die Verkehrswege mussten nun ausgebaut werden, insbesondere der Hafen von Punta Arenas wurde zu einem wichtigen Umschlagplatz. Die Schifffahrt spielte eine große Rolle, denn eine durchgehende Straße in die nördlichen Teile Patagoniens oder in die Hauptstadt gab es damals nicht und auch heute muss man dafür über Argentinien fahren. So erreichte der Hafen von Punta Arenas zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast die Kapazitäten des chilenischen Haupthafens in Valparaíso. Ein kurzer zusätzlich einsetzender Goldrausch, der sich etwa bis 1910 hielt, führte zu weiterer Einwanderung. Überhaupt sieht man noch heute der Stadt ihre multikulturelle Geschichte an. Der Friedhof der Stadt, mit Stolz von den Einheimischen erwähnt, denn er soll auf einem Ranking der schönsten Friedhöfe Südamerikas auf einen der vordersten Plätze gekommen sein ( Ranglisten erfreuen sich in Punta Arenas großer Beliebtheit, der Verweis auf das nächste Café wird gern mit der Bemerkung verknüpft, dass jener Ort im Jahre soundso das beste Café ganz Chiles war) gibt einen Einblick auf die vielfältigen Nationen der Einwohner. Die Gräber tragen spanische, englische, französische oder deutsche Namen. Besonders viele Immigranten kamen aus Kroatien, noch heute gibt es kroatische Vereine in Punta Arenas.
Der damalige Reichtum ist auch zu Beginn des 21.Jahrhunderts noch sichtbar. Die zahlreichen Villen in der Stadt lassen Punta Arenas teilweise wie eine europäische Stadt wirken und haben nicht viel gemeinsam mit den Pioniersiedlungen anderer Städte Südpatagoniens. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Verteilung des Reichtums auf einige wenige Gewinner begrenzt war. Insbesondere die indigenen Völker verloren nicht nur ihr Land, sondern wurden von der neuen Zivilisationswelle förmlich ausgerottet, sei es indirekt durch neue, für sie unbekannte Krankheiten, für die keine körpereigenen Abwehrstoffe vorhanden waren oder direkt als Kampagnen der „Befriedung der Region“, die Gewalt an den Unzivilisierten rechtfertigte. Die Landwirtschaft erlebte schnell eine zunehmende Oligopolisierung. Einige wenige Züchter besaßen bald erhebliche Teile der lokalen Wirtschaft. Große Farmen umzäunten ihr Gebiet und raubten den indigenen Nomaden ihren Lebensraum. Ein Beispiel für eine steile Karriere jener Tage, ist der in Spanien geborene Buchmacher Jose Menéndez, der in Punta Arenas den russischen Migranten Elias Braun traf und gemeinsam mit ihm auf Feuerland eine riesige Estancia aufbaute. 1908 gründeten Braus Sohn Mauricio gemeinsam mit Menéndez die Sociedad Anónima Importadora y Exportadora de la Patagonia, kurz La Anonima, welche heute eine große Supermarktkette in Argentinien ist. Familien wie die Menéndez, Brauns und weitere hatten eine solche wirtschaftliche Machtfülle erreicht, dass sie ebenso die politischen Geschicke in Punta Arenas, als auch im Umland dirigieren konnten. Der Boom der Wolle lies jedoch nach dem 2.Weltkrieg stark nach und die sinkenden Woll-Preise führten viele Farmer in den Ruin und die Region in große wirtschaftliche Schwierigkeiten (worüber man bei Chatwin aufgeklärt wird, der Patagonien kurz nach der Machtergreifung Pinochets besuchte).
Trotzdem ist Punta Arenas noch die wichtigste Stadt des patagonischen Südens. Die chilenische Marine hat hier einen wichtigen Hafen erbaut und die Stadt entwickelt sich zum Zentrum für Reisende. Populär sind Fahrten zu den Pinguin-Inseln der Magellanstraße. Aber man kann von hier auch nach Feuerland oder zum nicht weit entfernten Nationalpark Torres del Paine reisen. Am vielleicht Wichtigsten ist aber Punta Arenas Bedeutung als Ausgangspunkt für Antarktis-Reisen. Von hier kann man in die unendlichen Weiten des kalten Kontinentes reisen. Immer wieder war Punta Arenas so etwas wie der Leuchtturm der Zivilisation, den es zu erreichen galt, sei es, weil man in den gefährlichen Wässern der Gegend in Gefahr geraten war, oder wie im Falle der Endurance-Expedition Sir Ernest Shackletons. Als dieser am 3.September 1916 endlich seine Crew wieder in die Zivilisation führte, nachdem ihr Schiff anderthalb Jahre vorher im Eis des antarktischen Weddellmeers eingeschlossen und schließlich untergegangen war, soll die ganze Stadt die Männer freudig begrüßt haben. Seit 2011 kann man sich auch zur seefahrerischen Vergangenheit der Region im Museum Nao Victoria informieren, wo Schiffsnachbauten präsentiert werden. Unter anderem auch die James Caird, mit welcher Shackelton verzweifelt im stürmischen Südatlantik nach Hilfe suchte oder die dem Museum namensgebende Nao Victoria, dass erste Schiff, dass die Welt komplett umsegelte und zur ersten Weltreiseexpedition unter Magellan gehörte. Zum Museum fahren sogenannte Taxi Collectivos (in diesem Fall Linie 28). Das sind Taxis, die wie Busse, eine bestimmte Linie abfahren und die man auf dieser Strecke besteigen kann. Ein nützliches Fortbewegungsinstrument, dass ich so nur in Chile kenne.
José Menéndez übrigens, widmete der Stadt ein Magellan-Denkmal auf Punta Arenas Hauptplatz, dem Plaza de Armas. Magellan gilt als einer der Gründerväter Chiles, wobei dieser seinerzeit sicherlich anderes im Sinn hatte. Unter dem Entdecker ist ein Ureinwohner platziert wurden. Die örtliche Legende behauptet, wenn man seinen Zeh berührt, würde man nach Punta Arenas zurückkehren.

Beagle-Kanal

Der Beagle Kanal ist ein natürlicher Wasserweg und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Dabei trennt sie die Isla Grande de Tierra del Fuego von den weiter südlich gelegenen Inseln des Feuerland Archipels. Neben der weiter nördlich verlaufenden Magellanstrasse und der im offenen Ozean verlaufenden Drakestrasse um Kap Hoorn ist der Kanal einer von drei schiffbaren Wasserwegen um Südamerika herum. Er ist rund 240 km lang und an seiner engsten Stelle 5km breit. Er startet an der Isla Nueva im Osten und führt bis zur Bahía Cook im Westen.

Schon die Yaghan siedelten vor rund 11.000 Jahren hier. Heute erinnern nur einige archäologische Fundstücke und die ihren Namen tragende Fähre von Puerto Williams nach Punta Natales an die ausgerotteten Yaghans.
Der heutige Name der Wasserstraße stammt aber von einem anderen Schiff, der HMS Beagle.  Zwischen 1826 und 1830 reiste das britische Forschungsschiff unter Leitung von Kapitän Pringle Stokes zusammen mit der HMS Adventure nach Südamerika. Ihre Aufgabe war es den Kontinent südlich von Buenos Aires bis zur pazifischen Halbinsel Chiloé zu vermessen. Natürlich war man dabei auch hoffnungsvoll gegebenfalls eine neue Verbindung zwischen den beiden Ozeanen zu finden. Stockes jedoch kam mit den harschen Bedingungen, weit weg von der Heimat nicht gut zurecht. Am 1.August 1828, mitten im Südwinter, schoss er sich in den Kopf. Zwölf Tage danach starb er. Er wurde im Dezember 1828 von Robert FitzRoy ersetzt, einem gut gebildeten Seefahrer, der aus gehobenen Hause kam (der Nachname FitzRoy übrigens verweist auf ein uneheliches Kind mit dem König (aus dem Französischen „fils“ – Sohn- und „roi“ – König)). Zwei Begebenheiten sind mit ihm verbunden. Zum einen ist dies die Entdeckung der zweiten West-Ost Passage nach der Magellanstrasse. FitzRoy benannte sie nach dem Schiff, dass er befehligte. Doch während der wissenschaftlichen Erkundungsfahrten geriet die Beagle immer wieder in Konflikt mit den einheimischen Yaghan. Nachdem Crewgegenstände gestohlen wurden, verschärften sich die Auseinandersetzungen zusehends. Ein Ureinwohner starb bei einer Schlägerei. Schließlich kam FitzRoy auf die Idee einige Yaghan als Geiseln zunehmen. Insgesamt kamen vier Personen in seine Hände, welche er sogleich christliche Namen gab. Aus diesem eher spontanen Plan wurde eine längere Geschichte, denn FitzRoy kam zu der Überzeugung, aus diesen „Wilden“, zivilisierte Christen zu machen und nahm sie daher mit nach England, wo sie auf einer Schule missioniert und erzogen werden sollten. Unter den Vieren war Jemmy Button, der seinen Namen übrigens daher bekam, da er für einen Knopf von seiner Familie losgelöst wurde.
Mit der zweiten Expedition der HMS Beagle kehrten nur drei der Ureinwohner wieder zurück nach Feuerland. Eine entführte Frau, der man den Namen Boat Memory gab, da sie FitzRoy und seine Männer als Preis für ein von den Einheimischen entführtes Boot betrachteten, starb wenige Wochen nach der Ankunft in London, an den Pocken. Ziel war es, tief im Süden der Welt, wo man aus europäischer Sicht noch wirkliche Wilde fand, eine christliche Mission zu starten, die von den drei Einheimischen geleitet wurde. Sie sollte Glauben und Zivilisation in diesem so abgelegenen Landstrich bringen. Das Vorhaben scheiterte aber mehr oder weniger schnell und alle drei gingen zu ihren Stämmen zurück. Nur Jemmy Button kehrte noch einmal in die Zivilisation zurück. Er soll Jahrzehnte später an einem Massaker an Missionaren beteiligt gewesen sein, wurde aber nie gefasst oder verurteilt. Mit an Bord der zweiten Forschungsreise war ein 22-jähriger Wissenschaftler, Charles Darwin. Obwohl immer wieder von Seekrankheit geplagt, nahm er begeistert Notiz von der neuen Welt. Seine Aufzeichnungen sind unter dem Titel „Die Reise der Beagle“ bekannt geworden. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen Band, eines vierbändigen Werkes mit dem nicht gerade kurzen Titel: „Narrative of the Surveying Voyages of His Majesty’s Ships Adenture and Beagle Between the Years 1826 and 1836 Describing Their Examination oft he Southern Shores of South America and the Beagle’s Circumnavigation oft he Globe“. Neben Darwin waren Philip Parker King (Kapitain der Adenture), Prinkle Stokes und Robert FitzRoy die Autoren dieser 1839 veröffentlichten Ausgaben. Letzterer war es auch, mit dem Charles Darwin, der „Philos“ an Bord gerufen wurde (wegen seiner weitreichenden philosophischen Bildung), zahlreiche Konversationen am Bord der Beagle unterhielt. Darwin brachte 1859 sein epochales Meisterwerk der Wissenschaftsgeschichte „Über die Entstehung der Arten“ heraus, welches die Evolutionstheorie begründete. Die insgesamt fünfjährige Reise mit der Beagle hat ihm die Grundlage geliefert für seine Evolutionstheorie. Diese veränderte das Bild des Menschen und das der Herkunft der Welt grundlegend. Nicht uninteressant ist der Fakt, dass sein langjähriger Gesprächspartner und Freund FitzRoy später zu einem fundamentalen Christen wurde, der diese Theorie rundum verachtete.
Bis weit in die 2.Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein waren Patagonien und Feuerland so etwas wie staatenloses Territorium, auf das nicht nur die Briten (von denen zahlreiche Missionare hier siedelten), sondern auch andere Mächte wie die Franzosen schielten. Jedoch waren es die neu entstanden Staaten Argentinien und Chile, welche sich schließlich das weite Land einverleibten. Seit 1881 teilt der östliche Beagle-Kanal Argentinien (im Norden) und Chile (im Süden). Schon bald waren aber die Argentinier mit der Grenzziehung nicht mehr zufrieden und forderten einige der südlich des Kanals gelegenen Inseln. Ausschlaggebend  dafür war, dass Argentinien den Hauptlauf des Kanals  und damit die Grenzlinie umdeutete. Sie argumentierten der Kanal biege östlich der Insel Navarino nach Süden ab, während die Chilenen der Meinung waren der Kanal verlaufe weiter gerade nach Osten. In der Zeit der Militärjunta Argentiniens Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, in welcher Chile übrigens ebenso von einem Militärdiktator (nämlich Pinochet) regiert wurde, eskalierte der Streit. Im Dezember 1982 erklärte Argentinien den Grenzvertrag für Null und Nichtig und dachte laut über eine militärische Invasion auf den mehr oder weniger unbewohnten Inseln nach. Erst die Vermittlung von Papst Johannes Paul II. löste den Konflikt und führte zu einem Freundschaftsvertrag, in welchem Argentinien 1985 die umstrittenen drei Inseln Lennox, Picton und Nueva am Ostende des Beagle-Kanals anerkannte.

Heute ist der Beagle Kanal ein gern von Kreuzfahrtschiffen angesteuertes Ziel. 1995 wurde kurz vor Ushuaia ein Flughafen aufgeschüttet, der die argentinische Stadt bedient. Eine reguläre Fahrverbindung zwischen beiden Ufern (daher Ushuaia und Puerto Williams) gibt es nicht, aber fast täglich verkehren Ausflugsschiffe (zum stattlichen Preis von 120US$ pro Fahrt).

Ushuaia

56.956 Einwohner | 23km² | südlichste Stadt der Welt | auf Feuerland gelegen am Beagle-Kanal | Hauptstadt der Provinz Tierra del Fuego | 210km SW von Rio Grande | 3094km SW von Buenos Aires

Ushuaia hat einen großen Vorteil und der liegt in der Lage der Stadt und der Bedeutung die dieser Lage zugesprochen wird, denn Ushuaia bezeichnet sich selbst als „südlichste Stadt der Welt“, oder noch lieber, als das „Ende der Welt“. Zwar gibt es auf der anderen, südlicheren Seite des Beagle Kanals noch einen chilenischen Ort – Puerto Williams – aber diese 2.000 Menschen-Siedlung, die als Militärbasis gegründet wurde, hat keinen Status einer Stadt.
Ushuaia mit rund 57.000 Einwohnern ist durchaus eine Stadt, wenngleich man dem Ort einen gewissen Pioniercharakter nicht absprechen kann, denn alles wirkt ein wenig, wie gerade irgendwo hingezimmert. Der französische Philosoph Jean Baudrillard weist auf den konstruierten Charakter von Ushuaia hin, für ihn ist es die Heimat einer chaotischen, zusammenhanglosen Cowboy-Film-Moderne mit Beton, Staub, Benzin und zwecklosem Verkehrs (tatsächlich ist die Hauptstraße der Stadt ziemlich häufig verstopft und man fragt sich wo die ganzen Autos herkommen). Er vergleicht Ushuaia mit New York, denn beide Städte sind konstruierte Orte, der erste als das Ende der Welt, der andere als deren Zentrum. Das dies nur eine kulturelle Konstruktion ist, zeigt nicht nur, dass sich die schon ausgerotteten Alakaluf-Indianer keineswegs bewusst waren an irgendeinem Ende der Welt zu leben. Sie lebten einfach dort und nirgendwo anders. Kommt man aber als Europäer nach Ushuaia, so kann man sich kaum dem Reiz des Endes der Welt entziehen. Dann von hier aus geht es ins große Nichts. Ein bisschen ist es wie am Flughafen sein und ehrfürchtig die Maschinen in die Welt hinausfliegen zu sehen. Hinter Ushuaia beginnt das Nichts, die Weite, die Freiheit und auch die Gefahr, die Unwirtlichkeit, das ewige Eis. Man imaginiert die Polarexpeditionen vor sich und schaut nach Süden.

Weniger noch als die wundervolle Lage am Beagle-Kanal, eingerahmt von den Bergspitzen der hier beginnenden (oder endenden?) Anden, profitiert die Haupteinnahmequelle der lokalen Wirtschaft, vom Tourismus. Ushuaia lädt dazu ein, ordentlich Geld auszugeben, denn dass muss der Reisende fast zwangsläufig, da Ushuaia einer der, wenn nicht der, teuerste Ort in ganz Argentinien und vielleicht Südamerika ist.
Aber Ushuaia hat nicht nur eine eindrucksvolle Lage auf dem Globus (im Übrigen ist diese im Vergleich zur Nordhalbkugel gar nicht mal so extrem, mit 54 48’57“S liegt Ushuaia ungefähr genausweit vom Äquator weg, wie Kiel, das norwegische Nordkapp beispielsweise liegt auf 71ᵒ N; die relativ gesehen, entfernte Lage vom Südpol ist auch der Grund, warum es keine Mitternachtssonne im Südwinter auf Ushuaia gibt), sondern vor allem eine beeindruckende Umgebung. Am Beagle-Kanal gelegen, welcher den pazifischen mit dem atlantischen Ozean verbindet, türmen sich auf beiden Seiten des Ufers die Reste der Anden auf, die hier „Cordillera Darwin“ heißen. Nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt liegt der Nationalpark Tierra del Fuego, dessen fast schon atemberaubende Schönheit zahlreiche Besucher anzieht (angemerkt sei, dass eine Wanderung auf dem 8km langen Senda Costera sehr zu empfehlen ist, da man hier, anders als am Mirador Lapataia fast für sich allein ist).

Ushuaias Geschichte ist vergleichsweise jung, obwohl an den Küsten Feuerlandes schon seit vielen Jahrtausenden die indigenen Völker der Alakaluf und der Yaghan siedelten, besonders letztere hatten sich in den Gestaden Ushuaias niedergelassen. Da sie aber Nomadenvölker waren, errichteten sie keine Siedlungen. Es waren britische Missionare, die sich hier im Laufe des 19. Jahrhunderts erstmals niederließen, um die Einheimischen zu bekehren. So stammt der Name Ushuaia aus der Yaghan Sprache und ist deren Bezeichnung für jenen Platz am Kanal. Nachdem 1869 der erste Gottesdienst in Ushuaia abgehalten wurde, drangen besonders die Argentinier darauf, den Ort auszubauen, um den eigenen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. Sie sahen die Gefahr einer fremden Okkupation dieses eher unbewohnten Landstriches, denn anfangs lebten hier tatsächlich eher Briten. Erst 1881 nach der Grenzziehung mit Chile begann eine verstärkte Besiedlung in der nun endgültig in Argentinien gelegenen Gegend. Die wurde auch durch Goldsucher erweitert, welche hier versuchten um die Jahrhundertwende reich zu werden, was aber nur den Wenigsten gelang. 1893 sollen 113 Männer und 36 Frauen in Ushuaia gelebt haben, wobei zu bedenken ist, dass die Ureinwohner – die im Zuge ihrer Missionierung und dem Raub ihres Lebensraumes, urbanisiert wurden – einfach nicht mitgezählt wurden. So wie man auch nie auf die Idee gekommen wäre, dass dies einen eigenen Staat hätten errichten können. Die Yaghan und Alakaluf fielen dann auch besonders den zahlreichen Epidemiewellen zum Opfer und waren schon Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet.
1896 wurde ein Gefängnis in Ushuaia eröffnet und die ersten Insassen hergebracht. Das Einrichten von Strafanstalten oder Kolonien ist ein beliebter Weg gewesen, abgelegene Landstriche zu bevölkern.  In dieser Zeit wurde Ushuaia vom argentinischen Staat auch zur Hauptstadt der Provinz Feuerland ernannt. Und die Gefangenen durften, oder besser mussten, bei der Kolonisierung der Gegend helfen. Sie bauten unter anderem eine kleine Zugstrecke, die heute als „tren del fin del mundo“, eine teure Touristenattraktion ist, damals aber zum Gütertransport diente. 1947 wurde das Gefängnis geschlossen, dafür aber ein Armeestützpunkt eingerichtet, der beim Falklandkrieg 1982 einige Bedeutung besaß. Noch in den 1970er Jahren beschrieb Bruce Chatwin Ushuaia als ruhiges und gottverlassenes Nest im Nirgendwo: „Die Einwohner dieser offensichtlich kinderlosen Stadt hatten blau angelaufene Gesichter und warfen Fremden unfreundliche Blicke zu.“ (Chatwin; In Patagonien; S. 164) Doch Chatwins Buch half auch mit, den Tourismus in diese Gegend der Welt zu bringen. Die Eröffnung des Flughafens auf einer künstlichen Insel im Beagle-Kanal in den 1990er Jahren machte aus Ushuaia so etwas wie eine kleine Resort-Stadt, wie Chris Moss in seinem Buch über Patagonien schreibt.
Wer heute nach Ushuaia kommt, der wird auf eine recht wilde Stadt treffen, die bunt und eher zufällig am Uferhang des Beagle-Kanals zusammengestückelt wurde. Das Ende der Welt, ebenso konstruiert, wie zelebriert, beschreibt das Aussehen der Stadt. Wäre nicht das großartige Panorama des südlichen Feuerlandes wäre man vielleicht etwas enttäuscht von diesem so speziellen Ort, aber man hätte immer noch die Vorstellung der großen letzten Weite dahinter.

Tierra del Fuego

Fläche: 73.746 km² (davon 47.992 km² Isla Grande de Tierra del Fuego, diese ist die 30. größte Insel der Welt) | Feuerland ist aufgeteilt am Längenkreis  68°34′ W zwischen Chile und Argentinien | Einwohner: 135.000, davon rund 120.000 auf argentinischer Seite | größte Orte: Rio Grande 67.000, Ushuaia 57.000 (beide Argentinien) und Porvenir 5.000 (Chile)

Ganz am Ende der Welt, bäumt sich das Land noch einmal auf und zeigt dem Menschen wie kostbar schön unsere Erde sein kann.  Tierra del Fuego, oder auf Deutsch: Feuerland, ist der südliche Abschluss von Südamerika und das selbsternannte „Fin del Mundo“. Tatsächlich sind es von hier noch rund 1.000km bis zu den ersten vorgelagerten Inseln der Antarktis, von dort aber nochmal 3.000km bis zum eigentlichen Südpol und ob das, dass Ende der Welt ist, oder vielleicht deren Anfang müssen sie schon selbst entscheiden, werter Leser.

Feuerland wird vom südamerikanischen Festland durch die Magellanstraße getrennt. Zum Feuerland-Archipel gehört nicht nur die Hauptinsel, die „Isla Grande del Tierre del Fuego“, sondern weitere kleinere Inseln, die sich bis hinunter zum Kap Hoorn ziehen, einem kleinen Eiland, dass der endgültige geografische Schlusspunkt Südamerikas ist. Insgesamt gehören rund 73.746km² zum Archipel Feuerland, wobei mit rund 47.000km² die Hauptinsel den größten Teil stellt. Auf dieser ist die Geographie durchaus vielfältig. Der nördliche Teil ist eher flach und unbewaldet, während im Süden die Ausläufer der Anden, die „Cordillera Darwin“ verlaufen, die immerhin bis zu einer Höhe von 2.488m reichen. Benannt sind sie übrigens nach Charles Darwin, dazu aber etwas später mehr unter dem Aspekt der Geschichte Feuerlands.
In der zerklüfteten südlichen Landschaft finden sich Meeresarme, wie der Beagle-Kanal, dichte Wälder, weite, ja fast schon gewaltige Täler und einige Seen. Dabei ist es klimatisch gar nicht mal so kalt, wie man es für ein Ende der Welt erwarten könnte, vielmehr zeigt die Temperatur mit 5,7 Grad Celsius (in Ushuaia) im Durchschnitt, keine wirklich hohen Ausschläge zwischen den Jahreszeiten an. Der kälteste Monat ist der Juli mit 1,3ᵒC, der wärmste der Januar mit 9,6ᵒC. Anders ist dies bei der Verteilung der Regenmengen. Während im westlichen Teil der Insel(n) an den Hängen der Anden bis zu 6.000mm/Jahr gemessen werden, fallen im Osten nur rund 300mm/Jahr, was man an der recht kargen Natur ablesen kann. Typischer für Feuerland ist ein kräftiger Wind, der meist stramm bläst. Irgendwie scheint mit Feuer, Feuerland wenig zu tun zu haben. Doch der Name stammt aus der Geschichte der Insel.

Geschichte Feuerlands

Und dieser Name ist europäisch geprägt. Denn er entspringt der ersten Weltumseglung durch die Crew um den Portugiesen Ferdinand Magellan, der für die spanische Krone reiste. Als die Besatzung der Flotte, beim Vorbeisegeln auf dem ebenfalls von ihr erstmals durchsegelten Meeresarm zwischen Atlantik und Pazifik, zahlreiche Feuer der Einheimischen auf der südlich gelegenen Insel feststellte, wurden diese der Namensträger. Deshalb hielt der Chronist der Reise, Antonio Pigafetta, die Insel als „Tierra del Fuego“ fest, ein Feuerland. Nicht mehr wichtig, aber eine schöne Anekdote ist die Überlieferung, wonach Pigafetta nur den Rausch beschrieb und erst der spanische König  erließ, wo Rauch ist, ist auch Feuer, weshalb die Insel Feuerland heißen sollte.
Leben gab es hier also schon bevor die Europäer sich erstmals in diese Gefilde wagten. Tatsächlich zeigen archäologische Funde, dass die ersten Siedler zwischen 9800 und 8200 v.u.Z. vom amerikanischen Festland aus, auf Feuerland übersiedelten. Man nimmt an, dass durch eine stärkere Vergletscherung damals noch ein Landweg möglich war. Als dann 1520 erstmals Europäer mit Magellan das Archipel sahen, lebten vier indigene Gruppen (Onas, Haush, Alakaluf und die Yaghan), allesamt Nomadenvölker auf Feuerland. Man schätzt sie zusammen auf damals rund 12.000 Einwohner.
Natürlich betrachteten trotzdem die Spanier das neu entdeckte Land als das Ihrige, denn nur sie waren zivilisiert, die Einwohner waren vielmehr Wilde, denen Besitz nicht zustand. In diesem Zusammenhang kann der Vertrag von Tordesillas genannt werden, der 1492 die neu entdeckte Welt in zwei Teile trennte. Er zeigt das Selbstverständnis, was damals bei Europäern vorlag. Etwa am 38ᵒGrad West verlief eine vertragsmäßige Teilung der Welt, alles was westlicher war gehörte Spanien, alles was östlicher lag Portugal. Ob das Land schon entdeckt, oder gar besiedelt war, spielte keine Rolle. Noch heute zeigen sich die Konsequenzen dieser Trennung in der Verwendung der portugiesischen (in Brasilien, was größtenteils östlich der Linie verläuft) und der spanischen Sprache in Süd- und Mittelamerika. Indigene Stämme spielten bei der wichtigen Aufteilung der Welt durch Europäer selbstredend keine Rolle.
Schon recht bald wurde den Spaniern bewusst, dass die strategische Bedeutung dieses südlichsten Zipfels der Neuen Welt und besonders der Kontrolle der hier entlang führenden Wasserstraße nicht zu unterschätzen ist und belehnten Patagonien, als auch Feuerland, als Nueva Extremadura an Jerónimo de Alderete. 1557 startete dann mit Juan Fernández Ladrillo die erste Expedition, die zur Erforschung und Landnahme dieses Teils der Erde dienen sollte. Doch diese ging nur sehr zögerlich von statten. Patagonien und insbesondere Feuerland waren einfach zu weit weg, außerdem waren die klimatischen Verhältnisse und die vorzufindende Vegetation nicht sehr lebensfreundlich. 1577 nutzte Drake die Magellanstraße für seine Weltumseglung und 1615 geriet eines der beiden Schiffe der holländischen Weltumfahrung von Willem Cornelisz(oon) Schouten, vor der am südlichsten gelegenen Insel Feuerlands (und ganz Amerikas) in Brand und sank. Da das Schiff den Namen Hoorn trug, denn es war von den Bürgern von Schootens Heimatstadt finanziert wurden, gab dieser zu Ehren von Schiff, Bürgern und Stadt dem Namen Kap Hoorn. Noch heute gelten die Wasserwege um Kap Hoorn und Feuerland als nicht ungefährlich. 
Immer weitere Forschungsreisen führten Entdecker und Wissenschaftler in die Region. So war es James Cook, der Kap Hoorn umsegelte und weiter nach Süden vorstieß, der endgültig den Beweis erbrachte, dass es ein Sagen umwogendes Terra Australis, ein Südland, das irgendwie mit Amerika verbunden ist, nicht gab. Dieses „Terra Australis que incognita es“ war seit dem 14. Jahrhundert zu einer fast schon fieberhaften Vorstellung in Europa geworden. Ein unbekanntes Land, so meinten einige, würde sich weit im Süden der Welt anschließen, womöglich würde dort alles verkehrt herum sein, die Bäume vom Himmel in den Boden wachsen und die Sonne schwarz scheinen. Spätestens mit Cook war nun klar, dieses Südland gib es nicht, oder zumindest nicht hier.
 Im 19. Jahrhundert waren es zwei britische Expeditionen, die wesentlich neue Erkenntnisse brachten. Eine Reise von Philip Parker King und Prinkles Stockes von 1826 bis 1830 entdeckte den Beagle-Kanal, der nach dem Schiff benannt wurde, welcher es erstmals durchfuhr. Auf der zweiten Expeditionsreise der HMS Beagle, unter Robert FitzRoy, erhielt der Höhenzug Feuerlands den Namen Darwins, der bei der Vorbeifahrt am 12. Februar 1834 seinen 25.Geburtstag feierte. Die berühmte 5-jährige Reise der Beagle wurde danach von Darwin niedergschrieben und wurde ein großer Erfolg. Schon auf Feuerland soll Darwin erste Inspiration bekommen haben, die später zu seiner Evolutionstheorie führten.
Bis in jene Zeit hinein, konnten die indigenen Völker mehr oder weniger ungestört auf Feuerland leben, denn die Kolonisierung der Region unter den Spaniern war kaum voran gekommen. Selbst die Sicherung der Magellanstraße, mit dem Versuche Siedlungen anzulegen, scheiterten teilweise katastrophal. Die Territorien dieses südlichsten Teils Südamerikas galten zu Beginn des 19.Jahrhunderts als staatenlos und von der zivilisierten Welt weit entfernt. Zwar schielten Briten als auch Franzosen etwas auf das weite Land, aber der junge Staat Chile, seit 1818 unabhängig, begann ab 1840 dieses südliche Gebiet sich anzueignen. Der erste chilenische Präsident  Bernardo O’Higgins legte ein Konzept zur Sicherung dieses Landes vor. 1843 nahm eine chilenische Expedition, auf dem Schoner Ancud die Region um die Magallanstraße für das Land unter Besitz. 1848 wurde Punta Arenas gegründet, das auf der patagonischen Halbinsel Brunswick liegt, aber für den Ausbau der Gegend und damit auch für Feuerland entscheidend werden sollte. Die ersten Jahre jedoch verliefen sehr schleppend und erst ab 1867 wurde dem Ort besondere Rechte zugeteilt und ein substantielles Wachstum setzte ein. Neue Siedler, insbesondere aus Europa starteten auf der Suche nach einem neuen Leben hier eine Existenz, wobei dies zumeist in Patagonien und weniger auf Feuerland von statten ging.
Den Abschluss der territorialen Aufteilung des Südens wurde 1881 mit dem Grenzvertrag zwischen Argentinien und Chile vorgenommen, der auch Feuerland spaltete. Am Längenkreis  68°34′ westlich von Greenwich, wurde eine gerade Linie nach Süden bis zum Beagle Kanal gezogen. Die Inseln südlich des Kanals sollten dann an Chile gehen. Diese Reglung wurde im 20. Jahrhundert zunehmend umstrittener und 1978, in der Zeit der argentinischen Militärjunta drohte das Land Chile sogar mit militärischer Intervention, da man sich als rechtmäßigen Besitzer von drei Inseln am Beagle-Kanal sah. Der Konflikt konnte vom Papst Johannes Paul II. geschlichtet werden und die heutige Grenzziehung wurde letztendlich 1984 mit einem Freundschaftsvertrag besiegelt.
Um 1880 wurden Schafe in Punta Arenas und danach auch auf Feuerland eingeführt. Dies entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer boomenden Erfolgsgeschichte. Die Wollindustrie führte zur weiteren wirtschaftlichen Erschließung der Feuerlands. Gab es 1880 rund 300 Schafe in der Region, waren es 1907 schon 1,8 Millionen. Die Viehzucht wurde zum alles überragenden Wirtschaftsfaktor und stand bald an zweiter Stelle in der Welt. Die Gebiete wurden unter den Farmern aufgeteilt und größtenteils monopolisiert, so dass der Großteil des Gewinns an nur wenige Menschen floss. Um die Jahrhundertwende setzte ebenso ein Goldrausch in Südpatagonien und Feuerland ein. Doch ebenso schnell wie er kam, ging er wieder. Schon 1910 gab es kaum noch Funde. Aber diese Goldgräberstimmung ließ viele Immigranten in die Region kommen. So wurde 1894 beispielsweise Porvenir auf der entgegengesetzten Seite der Magellanstraße von Punta Arenas aus gegründet, dem heute einzigen Städtchen Chiles auf Feuerland. Das Wachstum der Region war vor allem durch den Zuzug unterschiedlichster Immigranten bedingt. Neben Spaniern, finden sich Engländer, Kroaten, Deutsche, Franzosen und viele weitere Nationen, insbesondere aus Europa.
Eine katastrophale Folge der Erschließung Feuerlands war die vollständige Ausrottung der Urbevölkerung. Eingeschleppte Krankheiten, auf welche die Einheimischen keine Abwehrkräfte entwickelten und eine kompromisslose Verdrängungspolitik, die auch in blutigen Auseinandersetzungen ausgefochten wurde und bei der sogar Kopfgeldprämien ausgesetzt wurden (selbstverständlich von der Seite der Neuankömmlinge), führten innerhalb von wenigen Jahren dazu, dass 1910 fast kein indigener Einwohner mehr auf Feuerland lebte.
Heute ist der Wollboom vorbei, wobei immer noch große Estancias auf Feuerland zu finden sind. Dafür wurde seit den 1940er Jahren Öl auf Feuerland gefördert. Sowohl auf chilenischer als auf argentinischer Seite sind einige Vorkommen vorhanden und werden abgebaut.

Dafür nimmt der Tourismus stetig zu. Mit dem Ausbau der Flughäfen in Ushuaia und Rio Grande ist es viel einfacher geworden, das „Ende der Welt“ zu besuchen. Und genau mit diesem Slogan wirbt man hier auch um Gäste. Besonders Ushuaia hat sich als Touristenmagnet entwickelt. Hier treffen sich Abenteuerlustige auf der Suche nach unbekannten Herausforderungen, Junge Twens, die auf der Sinnsuche umherreisen, Kreuzfahrttouristen, die den Tagesausflug nutzen um ein paar Schnappschüsse zu machen, Biker die nach Norden fahren wollen und je nach Zeit, Lust, Alter und Budget hunderte oder gar tausende Kilometer zurücklegen wollen oder einfach nur Leute, die mal ans Ende der Welt wollten. Und so ist Feuerland nicht nur dieses, sondern irgendwo auch der Anfang von ihr.  

Orte

Menschen sind auf Feuerland trotzdem noch recht selten. Es gibt nur zwei größere Städte. Das recht unattraktive Rio Grande am Atlantik mit rund 67.000 Einwohner und das ständig wachsende Ushuaia mit 57.000 Einwohner, dass sich als südlichste Stadt der Welt und Ausgangspunkt für den Nationalpark Tierra del Fuego einen Namen in den Reiselisten der Touristen gemacht hat. Obwohl nur rund 38% der Fläche Feuerlands zu Argentinien gehören, leben von den 127.000 Einwohnern lediglich rund 10.000 im chilenischen Teil. Auch der Tourismus findet hauptsächlich auf der argentinischen Seite statt, da man hier insbesondere mit dem Flughafen Ushuaia einen einfach zu erreichenden Ausgangspunkt hat. Fast 700.000 Fluggäste benutzten 2015 den Flughafen, der im Übrigen einen sehr gelobten Terminal hat, der landestypisch in Holz gebaut wurde.
Der Tourismus auf chilenischer Seite ist weniger ausgeprägt und schwieriger zu erreichen. Von Punta Arenas fungieren zwar Fähren nach Porvenir und auch nach Puerto Williams, dem südlichsten Ort der Welt, der auf der anderen Seite des Beagle Kanals auf der Insel Navarino liegt. Allerdings ist die Anfahrt zu dem rund 1.200 Einwohner zählenden ehemaligen Militärstützpunkt, alles andere als einfach. Neben der zweimal wöchentlich verkehrenden Fähre von Punta Arenas mit der Yaghan, gibt es nur kleinere private Unternehmen, die für die Überfahrt ins 47km entfernte Ushuaia rund 120 US-Dollar verlangen (nur Hinfahrt!). Eine Fahrt ans Kap Hoorn, oder gar an die Nordspitze der Antarktis fällt aber noch weitaus teurer aus. 

Das Bieber-Problem

Ein großes Problem auf Feuerland ist der Bieber. Damit ist keineswegs eine akustische Allergie der Bewohner auf die Liedchen eines jungen kanadischen Barden gemeint (der sich tatsächlich einem Gerichtsverfahren in Argentinien stellen muss, allerdings wegen des Verdachtes auf Körperverletzung vor einer Diskothek in Buenos Aires), sondern ein Problem mit den kleinen Nagertierchen.
Der Bieber kommt natürlich nicht auf Feuerland vor. Er wurde erst 1946 vom Menschen hier angesiedelt. 50 Paare wurden aus Kanada hierher gebracht, in der Hoffnung man können mit ihnen mal gute Geschäfte machen. Diese Strategie ging nicht auf, was die Bieber aber nicht von zahlreicher Reproduktion abhielt. Verstärkend kam hinzu, dass das Tier auf Feuerland keine natürlichen Feinde hat und heute sollen rund 200.000 Exemplare allein auf der Insel Gran Tiera del Fuego leben. Sie haben sich damit zu einer wirklichen Plage entwickelt, die zahlreiche Schäden anrichtet. Die von Biebern gefällten Baumarten in Südamerika treiben – anders als in Nordamerika – nicht wieder aus, wenn sie abgenagt werden. So kommt es dazu, dass ganze Landstriche von den Tierchen gerodet werden. Die vom Bieber gebauten Staudämme erreichen teilweise große Dimensionen (Staudämme von 2-3m Höhe und mehreren hundert Metern Länge) und sind zu einer Gefahr für den Menschen geworden. Wenn die instabilen Konstruktionen brechen, können die Wassermassen Täler überfluten und Siedlungen zerstören. So beschäftigt sich schon die Lokalpolitik seit geraumer Zeit mit dem Problem ohne eine Lösung zu erreichen, die allerdings dringend benötigt wird, denn die Bieber dringen mittlerweile schon nach Patagonien vor.

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urban facts Chemnitz

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) 248.645 (750.000)
Einwohnerentwicklung 2014-2015 2.1%
Fläche 221 km²
Bevölkerungsdichte 1125 Einwohner / km²
Geographische Höhe 300m (höchster Punkt 523m)
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 700 / 173 / 4,2
Fluss Chemnitz
KfZ-Kennzeichen C

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Barbara Ludwig (SPD)
Verwaltungstechnische Bedeutung Kreisfreie Stadt
Flughafen Nächster Flughafen: Dresden (85km)
ÖPNV Straßenbahn: 5 Linien auf 28km Streckenlänge; erbaut 1879 als Pferdebahn, seit 893 erste elektrische Linie
25 StadtbuslinienEinzelfahrt 2,20€
Tageskarte 4,40€ (je in Stadtzone Chemnitz)
Entfernung nach… Dresden 75km (Auto: 55min; Bahn: 1h)
Leipzig 85km (Auto: 59min; Bahn: 1h5min)
Nürnberg 247km (Auto: 2h15min; Bahn: 3h25min)
Prag 160km (Auto: 2h10min; Bahn: 3h27min)
nächster Ort über 500.000: Dresden 75 km
nächster Ort über 1000.000: Prag 160km

 

Kultur / Geschichte:

Anzahl Universitäten Technische Universität Chemnitz (gegründet 1836 bzw. 1986; 11.900 Studenten WS 2015/16)
Anzahl Museen 11 laut wikipedia.de
Sportvereine der Stadt Fußball: Chemnitzer FC (gegründet 1966; 1x DDR-Meister Ø-Zuschauer: 7.454 (2015/16) @community4you Arena (15.000)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Freie Presse (gegründet: 1963; Auflage: 234.000 (2015)
Biersorte des Ortes: Einsiedler, Braustolz
Erste urkundliche Erwähnung 1143
Gegründet von: 1136 gründete Kaiser Lothar III. bei Chemnitz das Benediktinerkloster St. Marien, das 1143 das Marktprivileg erhielt
Großstadt seit 1883
Das entscheidende Jahr 1945 (nach zahlreichen Luftangriffen ist die Innenstadt vollkommen zerstört, rund 25% der Bausubstanz sind zerstört)
Meisten Einwohner im Jahr 1930 (361.000)
Einwohnerverlust von Höhepunkt bis heute -32%
City Branding Stadt der Moderne

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Karl Marx Denkmal
Architektonisches Highlight Kaufhaus Schocken
Höchstes Gebäude Hotel Mercure 97m
Meist fotografiertes Gebäude Rathaus
Anzahl Starbucks 0
Straftaten auf 100.000 Einwohner 8919 (2011)
Kaufkraftindex in D 88,4%
Verfügbare Kaufkraft 18.955 (Platz 321 von 402 in Deutschland)
Arbeitslosenquote 8,2 % (Juni.2016)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1466 1551 1700 1801 1820 1840 1858 1871 1880 1900
3455 5.616 4.878 10.835 14.455 23.476 40.571 68.229 95.123 206.913

 

1910 1930 1945 1955 1975 1988 2000 2011 2014
287.807 361.200 243.641 290.153 305.113 311.765 259.246 240.543 243.541

 

 

Chemnitz

urban facts Chemnitz

Als Dresdner ist man ein selbstgenügsamer Heimatstadtmensch, oder anders ausgedrückt, man sieht so richtig keinen Grund seine ach so wunderschöne Stadt zu verlassen. Und wenn, dann sollte es doch besser irgendwo hingehen, wo man in puncto Eleganz mit „Elbflorenz“ mithalten kann und als richtiger Dresdner kommen da selbstverständlich nur einige Weltstädte in Betracht. Was liege also ferner als Chemnitz?

Zwar nur rund 70km entfernt, scheinen Welten zwischen der sächsischen Landeshauptstadt und der drittgrößten Stadt Sachsens zu liegen. Ich war in meinem ganzen Leben nie länger als 2 Stunden in Chemnitz und das auch nur, weil ich dort mal ein „Manic Street Preachers“ Konzert (ziemlich gut übrigens, wenn auch ohne Zugabe, weil die Preachers nie eine geben) sah. Das musste sich ändern. Und siehe da, Chemnitz ist ein durchaus interessanter Ort. Nein zugegeben, es ist weder eine Weltstadt, noch ist es ein zweites Paris, aber es ist eine Stadt der Moderne, die sich dann auch gleich so nennt, daher: „Stadt der Moderne“.

Und da ist auch eine ganze Menge dran. Geschichtlich ist die Stadt die nach dem gleichnamigen Fluss benannt ist (der in der Stadt aus dem Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz entsteht) zwar schon um 1143 erstmals erwähnt und war auch ein regionales Wirtschaftszentrum, aber seine heutige Bedeutung erlangte der Ort erst durch die Industrialisierung. Schon zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Spinnmühlen errichtet und Chemnitz damit zum Ausgangspunkt der industriellen Revolution in Sachsen. In den darauf folgenden Jahren wuchsen die Fabriken und die Einwohnerzahl stieg und bald hatte man hier den Spitznamen „Sächsisches Manchester“ inne oder auch „Rußnitz“, was von der eingeschränkten Luftqualität zeugen dürfte. Einige der damals führenden Industriebetriebe stammten aus Chemnitz. Dem Textilgewerbe (gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollen in der Stadt und Umgebung 80% der Weltproduktion an Damenstrümpfen gefertigt wurden) folgte der Textil- und Werkzeugmaschinenbau, der Lokomotiven- und Autobau. 1883 zählte man den 100.000sten Bürger und wurde zur Großstadt. Bis 1930 wuchs die Stadt auf 360.000 Einwohner, eine Zahl die aber nie wieder erreicht wurde (und damit sehr ähnlich zu Dresden). Der 2.Weltkrieg brachte eine fast unheilbare Zerstörung. Durch Bombenangriffe wurden rund 95% der Innenstadt vernichtet. In Zeiten der DDR wurde die Stadt 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt, was nicht wirklich aus Marx Leben (und nur mit einigem Hin und Her aus seinen Schriften) nachvollziehbar ist, aber der Stadt immerhin eine der größten Büsten der Welt brachte, das Karl-Marx-Denkmal. Der Wiederaufbau erfolgte nach Maßgabe des sozialistischen Bauens, dass weniger auf die historische Stadtstruktur Wert legte, sondern Ausdruck der neuen gesellschaftlichen Ordnung sein sollte (und damit geradezu musterhaft für die Moderne war). Im Zuge der Lösung des Wohnungsproblems wurde das Heckertgebiet errichtet, ein typisches (und damals recht beliebtes) DDR-Neubaugebiet mit Platz für 80.000 Einwohner. Mit der Wende, noch im April 1990, entscheiden sich die Bürger der Stadt für eine Rückbenennung in Chemnitz. Die letzten 20 Jahre erlebte die Stadt einen Um- und Neubau des Stadtzentrums, der beispielsweise an das Projekt Liverpool One oder den Neubau des Potsdamer Platzes in Berlin erinnert. Für diesen Umbau wurde Chemnitz mit dem 2.Platz des DIFA-AWARD 2006 ausgezeichnet (der erste Preis ging an das ehemalige Osloer Werftareal Aker Brygge, Platz drei übrigens an das Quartier am Karl-Heine Kanal in Leipzig).

Chemnitz wirkt heute auf den ersten Blick wie ein modernes Bild, bei dem aber an zahlreichen Stellen vergessen wurde Farbe zu verwenden. Auch nach dem Neubau vieler Objekte in der Innenstadt sind die zahlreichen Freiflächen nicht übersehbar. Da mischen sich Gründerzeithäuser und Plattenbauten, modernes sozialistisches Bauen mit Einkaufszentren der letzten Jahre. Das alles ist nicht unbedingt nur hübsch, aber es ist sehr spannend und durchaus einen Besuch wert.

Der Bahnhof

Aufteilung in BahnhofstypenPhasen des BahnhofsbausDie Elemente des BahnhofsDer Bahnhof und die StadtLiteratur

Einleitung

Obwohl Bahnhöfe nur ganz selten älter als 150 Jahre sind, haben sie sich doch tief in die DNA einer jeden Stadt eingebrannt. Sie sind nicht nur Orte des Transits, des Verlassens und Ankommens, sondern haben auch eine eigene urbane Lebenswelt erschaffen und nicht zuletzt sind sie erstaunliche architektonische Leistungen, die wegen ihrer Größe und Lage, das Aussehen einer Stadt mitbestimmen.
Bahnhöfe können auch zum Mittelpunkt städtischen Lebens werde, ohne das von ihrer Transitfunktion Gebrauch gemacht wird. Als Dresdner erinnere ich mich (wenngleich nur vom Hören-Sagen) an den Herbst 1989, als der hiesige Hauptbahnhof Zentrum einer sich bildenden Protestbewegung wurde. Der Bahnhof war damals dunkel und vor allem sehr schmutzig, eine Entwicklung die in die 1980er Jahre passt, als Bahnhöfe (fast schon weltweit) einen schweren Stand hatten. Erst als ein führender Politiker (leider erinnere ich mich nicht wer) mit dem Zug nach Dresden kommen sollte, wurde ordentlich geputzt und gesäubert, was den normalen Bürger und Zugbenutzer natürlich aufregte, weil es implizierte das für den täglichen Bedarf es ruhig schmutzig aussehen durfte. Einige Zeit später sollten die Prager Botschaftsflüchtlinge in die BRD ausgefahren werden, wobei die Strecke durch den Hauptbahnhof verlief, ohne das die Züge hier stoppen sollten. Der potentiell republikflüchtige und konterrevolutionäre Teil der Dresdner ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, den Zug vielleicht sogar zu stoppen, um selbst mit aufzuspringen. So kam es zu einem heftigen Polizeieinsatz. Und auch als sich später die Gruppe der 20 bildete, die zwischen Demonstranten und politischer Führung im Herbst 1989 vermitteln wollte, setzte sich diese Gruppe auf der Prager Straße in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs zusammen.
Allein diese Ereignisse aus dem Jahr 1989 zeigen, welche große, über einen Nicht-Ort des Transits hinausgehende Bedeutung, ein Bahnhof in einer Stadt haben kann. Deshalb werfen wir als nächstes einen Blick auf Bahnhöfe, als erstes mit der Frage, welche Typen man grob unterscheiden kann, dann welche Phasen im Bahnhofsbau geschichtlich identifiziert werden können, bevor wir einige Elemente des Bahnhofs herausarbeiten und als folgenden Punkt wollen wir grob umreißen, welche Rolle der Bahnhof bei der Umgestaltung und Erweiterung der Stadt gespielt hat. Als letztes sollen einige Bahnhöfe vorgestellt werden.

Aufteilung in Bahnhofstypen

Bahnhöfe tauchen in den unterschiedlichsten Formen in der (Stadt-)Landschaft auf. Ganz grundsätzlich kann man zwischen Güter- und Personenbahnhöfen unterscheiden. Güterbahnhöfe sollen hier nicht weiter betrachtet werden. Personenbahnhöfe wiederum können nach ihrer Lage im Liniennetz unterteilt werden (beispielsweise Endbahnhof, Kreuzungsbahnhof etc.). Wesentlich interessanter ist jedoch eine Einteilung von Personenbahnhöfen nach ihrem Grundriss. Damit zeigen sich die Formen, die der Bahnhof in der Stadt einnimmt und die Verbindungen mit dem einen Bahnhof das Aussehen einer Stadt formt.

Die häufigste Form des Bahnhofs ist der Durchgangsbahnhof. An ihm kann ein einfahrender Zug, zur anderen Seite wieder ausfahren. Sonderform des Durchgangsbahnhofs ist der Reiterbahnhof, bei dem das Empfangsgebäude quer über den Gleisen gebaut wurde. Ein bekanntes Beispiel ist der Hauptbahnhof Hamburg. Eine andere Form ist der Inselbahnhof, wo die Gleise das Empfangsgebäude komplett umschließen, so wie beispielsweise in Halle (Saale).  So etwas wie ein doppelter Durchgangsbahnhof ist ein Turm- oder auch Etagenbahnhof. Hier führen die zumeist durchgehenden Gleisanlagen auf unterschiedlichen Ebenen über- bzw. untereinander vorbei. Ein bedeutendes Beispiel dafür ist der Hauptbahnhof Berlin, wo sich die Strecken von Ost nach West und Nord nach Süd auf unterschiedlichen Ebenen kreuzen.

Dem gegenüber ist bei einem Kopfbahnhof keine Durchfahrt möglich. In Kopfbahnhöfen endet das Gleis. Diese Grundrißform entstand in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da man keine Eisenbahnverbindung weiter in die Innenstädte vorließ, oder die Grundstückspreise einen Weiterbau nicht finanzierbar machte, entstanden an den zumeist an den damaligen Stadträndern Kopfbahnhöfe. Hatte die Stadt noch eine Stadtmauer, so wurden die Stationen bis zu diesen gebaut. Nachdem Verschwinden der städtischen Befestigungen wurden so die Bahnhöfe zu so etwas wie den Toren zur Stadt für ankommende und abfahrende Passagiere. Da die Städte auch durch die Anbindung der Eisenbahn enorm wuchsen, finden sie sich heute am Rande der Innenstadt wieder. Meist konnten, insbesondere in größeren Städten, mehrere Kopfbahnhöfe errichtet werden, da es unterschiedliche Eisenbahngesellschaften gab. Das konnte sogar zu einer ganzen Reihe von Bahnhöfen in unmittelbarer Nähe führen, wie in London, wo keine Bahnlinie näher an die Stadt ranfahren durfte,  als bis zur Euston Street. Tatsächlich konnten sich aber zahlreiche Gesellschaften mit ihren Gleisen dort treffen, bauten jedoch jeweils eigene Bahnhöfe, die man auch heute noch so finden kann, mit der Euston Station, Kings Cross und St.Pancras Station. In anderen Städten wurden diese Bahnhöfe später zusammengelegt, wie in Frankfurt oder Leipzig (wo je drei Endhaltestellen auf engstem Raum ankamen) und riesige Großbahnhöfe entstanden.

Phasen des Bahnhofsbaus

Im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert hatten neue Bahnhofsbauten  eine große architektonische Bedeutung. Die Eisenbahn wurde zum bedeutendsten und fortschrittlichsten Transportmittel der Welt. Sie revolutionierte nicht nur das Reisen, sondern die gesamte Lebensweise der Menschen, die in der Nähe eines Eisenbahnanschluss wohnten. Um nur ein Beispiel zu nennen, die heutigen Zeitzonen unserer Erde, mussten erst durch die Erfindung der Eisenbahn geschaffen werden, da man eine standardisierte Zeit für die korrekte Abwicklung der Fahrpläne benötigte. Durch die Bahnfahrt wurde eine Distanz nicht mehr räumlich, sondern zeitlich gedacht (das geschieht auch heute noch, neue Hochgeschwindigkeitsstrecken werben mit der Zeitersparnis gegenüber alten Routen).
Die Eisenbahn erneuerte die Bewegung der Menschen. Jede Stadt wollte daher im 19. Jahrhundert möglichst schnell an das Eisenbahnnetz angeschlossen werden und so wurde auch der Bahnhofsbau zu einem Brennpunkt der Bauplanung. Schon allein wegen seiner fortschrittlichen Rolle, wurde er zu einem der zukunftsweisendsten Bauwerke der Stadt.
Obwohl die Literatur über Bahnhöfe eher bescheiden anmutet, wenn man ihre Größe und Bedeutung betrachtet (eine kleine Aufstellung findet sich am Ende des Beitrags), hat sich doch eine historische Einteilung für den Bau von Bahnhofsgebäuden durchgesetzt.
Die erste Phase war die Pionierzeit von 1830 bis 1850. Erste Linien wurden angelegt und verbunden. Der Bahnhof wurde dabei der Poststation nachgeahmt, die bis zu seiner Erfindung für den Betrieb der Postkutschen zuständig war und bei denen die Pferde gewechselt wurden. Die ersten Bahnhöfe wurden daher auch im Abstand von rund 15 bis 20km eingerichtet, um die Wasser- und Kohlenvorräte zu erneuern. Daraus entstammt auch der Name „Bahnhof“ im deutschen Sprachgebrauch, da es sich um eine geschlossene Anlage für die Eisenbahn handelte. Er bestand aus Hochbauten auf beiden Gleisseiten, die mit Zäunen gesichert wurden, wobei sogar die Gleise umzäunt waren.
In den 1850er Jahren folgte die Phase der Vereinheitlichung, die vor allem besagt, dass aus einzelnen Linien, Netze wurden. Auch die unterschiedlichen Spurweiten pegelten sich ein, was hauptsächlich daran lag, dass die Lokomotiven aus Großbritannien gekauft wurden und damit die Spurweiten vorgegeben wurden. Bahngesellschaften versuchten verstärkt bei ihren Stationen ein einheitliches Bild abzugeben.
 Von 1860-90 folgte die Phase der stilistischen Verfeinerung. In dieser Zeit kann für Europa festgestellt werden, dass die Hauptrouten fertiggestellt wurden und der Ausbau kleinerer Strecken begann. Dem folgte bis zum 1.Weltkrieg die Phase der Megalomanie, dass heißt der Bahnhofsbauten die immer größer und gigantischer wurden. Diese entstanden, da Vereinheitlichungen vorgenommen wurden und Großbahnhöfe die vielen kleinen Haltepunkte, die gern auch nebeneinander lagen, vereinen sollten.
Danach sind die Einteilungen nicht mehr einfach zu treffen, da je nach Nation unterschiedliche Wege gegangen wurden. Der 2.Weltkrieg betraf insbesondere Europa und führte zu riesigen Beschädigungen die selbstverständlich auch Bahnhöfe trafen, die sehr häufig Ziele der Bombardements wurden. Klar ist, dass nach dem 2.Weltkrieg das Zeitalter des Automobils begann und damit die Eisenbahn zurück gedrängt wurde. Spätestens in den 1960er Jahren ist ein massiver Rückbau von Bauwerken zu beobachten gewesen, einige der besten und schönsten Stationen vielen dem Abriss zum Opfer, so wie die historische Penn Station in New York oder die alte Euston Station in London. Auch wenn zu jener Zeit die ersten Bewegungen entstanden, die darauf drängten Bahnhöfe als kulturelles Erbe zu erhalten (und die einigen Erfolg hatten, wie sich an der Grand Central Station in New York zeigt, die abgerissen werden sollte, oder am Gare d’Orsay in Paris, der zwar kein Bahnhof blieb, aber zu einem Kunstmuseum umgebaut wurde), konnte man bis in die 1980er Jahre hinein, eine zunehmende Verwahrlosung von Bahnhöfen feststellen, die dann ab den 1990er Jahren in einer Renaissance endeten, als Bahnhöfe mit neuen zusätzlichen Funktionen ausgestattet wurden. Bahnhöfe wurden zu Orten des Konsums, nicht nur für die Reisenden, sondern auch für andere Bürger, die lediglich seine nicht enden wollende Öffnungszeiten benutzen wollten. Damit veränderte sich sukzessive seine Eigenschaften und teilweise wurden Bahnhöfe zu Malls mit Gleisanschluss.

Die Elemente des Bahnhofs

Als gegen 1830 die ersten Bahnhöfe gebaut wurden, folgten diese Bauten meist dem architektonischen Stils des Zeitgeistes von Neogotik oder Neoklassik. Trotzdem durften Architekten beim Bahnhofsbau durchaus Neuerungen einsetzen, war doch der Bahnhof Symbol einer modernen Welt. Einige Eisenbahngesellschaften wollten einen eigenen, wiedererkennbaren Stil durchsetzen, während bei anderen Unternehmen der Architekt frei entscheiden konnte, was er für die beste stilistische Lösung hielt. Die ersten Stationen hatten zumeist ein Verwaltungsgebäude, was an der Längsseite des oftmals einzigen Gleises stand. Später wurden doppelseitige Bahnhöfe gebaut, an Endpunkten Kopfbahnhöfe. Die ersten Bahnsteighallen, die mehrere Gleise in sich vereinten, wurden fast immer mit einem gewölbten Dach gebaut. Interessanterweise war dies aber keine Tätigkeit für einen Architekten. Es sollte von den künstlerisch weniger beschlagenen und solideren Ingenieuren konzipiert werden, die für Innovationen bekannt waren, aber nicht für Kunst. Diese bauten  leichte, weite Hallen, deren Bogenrippen erst aus Holz, später aus Eisen errichtet wurden. Das erste gewölbte Eisendach entstand 1849 an der Liverpooler Lime Street Station. Diese Hallen wurden mit den Jahren immer größer und orientierten sich an den neuesten Stand der Technologie, welcher sich zumeist in den großen Ausstellungsgebäuden der Weltausstellungen der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigte.  Später wurden die Hallen sogar mehrfach überspannt. Den Rekord hält der Leipziger Hauptbahnhof, der sechsfach überspannt ist.
Jedoch waren es meist die Abmessungen der Bahnsteighalle, welche die Größe des Gesamtbaus definierte. Das Empfangsgebäude, das für das künstlerische Aussehen des Bahnhofs stand, wurde von Architekten erdacht, wobei es dabei durchaus Spezialisten für Bahnhofsarchitektur gab. Selbstverständlich waren diese Bauwerke nicht nur rein funktionale Bauten, sondern mussten auch Repräsentieren, ob nun die Stadt oder die Eisenbahngesellschaft oder beide zusammen. Hier lassen sich zwei Merkmale aufzeigen, die für Bahnhofsgebäude typisch wurden.
Seit den 1880er Jahren kamen Torbögen an der Eingangsfront in Mode. Sie hatten zum einen die symbolische Funktion, als ein neues Stadttor zu fungieren (man darf nicht vergessen, die meisten Stadtmauern und Tore wurden erst im 19. Jahrhundert abgerissen und waren noch nicht weit aus dem kollektiven Gedächtnis entschwunden). Zum anderen hatten sie den gewachsenen Andrang an Passagieren zu bewältigen, denn die Eisenbahn wurde zu dem Massentransportmittel schlechthin. Dabei konnte der Torbogen sich in der Fassadengestaltung wiederholen. Steve Parissien schreibt, dass deutsche Bahnhöfe besonders gern dreibogige Eingänge haben.
Ein weiteres typisches Bahnhofscharakteristikum ist die Turmuhr oder auch der Uhrenturm, der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchsetzte und die die Rolle der Zeit nochmals objektiv darstellte. Diese Türme unterbrachen zumeist die eher horizontale Wirkung der breiten Bauten und fügten ein vertikales Element ein. Eine der ersten Uhrentürme wurde von George Gilbert Scott am ausschweifenden Bahnhof St. Pancras in London angebracht. Uhrentürme konnten dabei sowohl als symmetrisches Element in die Mitte der Gesamtstruktur eingebaut werden, gleichfalls eigneten sie sich aber auch als unsymmetrisches Bauteil, dass den Bahnhof auflockerte. Uhrentürme waren bei Nord- und mitteleuropäischen Bahnhöfen übrigens weitaus verbreiteter als in Südeuropa.

Ein Bahnhof besteht aus sehr unterschiedlichen Elementen. Als wichtigstes ist natürlich die Anbindung an seine Infrastruktur zu bemerken. Das heißt, es führen Gleise durch oder um die Stadt bis ins Gebäude hinein. Die Gleise im Bahnhof sind zumeist überdacht, entweder mit einem Bahnsteigdach oder in Form einer Bahnhofshalle, die imposante Maße annehmen kann. Die ersten Bahnhöfe hatten zumeist auch ein Verwaltungsgebäude, was an der Längsseite des oftmals einzigen Gleises stand. Später wurden doppelseitige Bahnhöfe gebaut, dass heißt an beiden Seiten befanden sich Gebäude, dessen Zweck es zu Beginn des Eisenbahnzeitalters war, die ankommenden und die abfahrenden Passagiere voneinander zu trennen und Ein- und Ausstieg zu regeln, so wie man es heute noch bei Flughäfen kennt. Diese Bauwerke wurden auch als Empfangsgebäude bezeichnet.  Am Anfang war dies zumeist nur ein simpler Bau, der aber mit der Zeit zunehmende Wichtigkeit errang, weil er neben seinen Funktionen auch repräsentieren musste. Diese Bauwerke standen zumeist neben den Gleisen, auch bei Kopfbahnhöfen. Erst danach entstanden unterschiedliche Grundrissformen. Erst danach entstanden unterschiedliche Grundrissformen. Gerade Kopfbahnhöfe konnten U-förmig, L-förmig oder auch mit anderen Lösungen die Gleise umbauen. Dabei entstand auch der Querbahnsteig (daher die begehbare Fläche die rechtwinklig nach dem Ende der Gleise begann), der anfangs noch geteilt war, zum einen als Teil der Empfangshalle, zum anderen als Teil der Bahnsteighalle.
Das gesamte Prozedere der Bahnreise war anfangs von einigen Regeln geleitet, welche die Reise erheblich zeitaufwändiger machten, als wir dies heute praktiziert wird. Kann man heutzutage, quasi in letzter Minute, noch seinen Zug bekommen, war die Bahnreise früher ein sehr geordneter Prozess, der sich tatsächlich mit der heutigen Flugreise vergleichen lässt. Die Passagiere fanden sich weit vor dem Abfahrtszeitpunkt der Reise ein und saßen in einem Wartesaal, welcher auch nach Klassen unterteilt werden konnte. Sie wurden dann für ihren Zug aufgerufen und zum Bahnsteig geleitet. Mit der Vereinfachung dieses recht aufwendigen Prozesses, wurden architektonische Veränderungen möglich. Die Wartesäle verloren an Bedeutung, das Empfangsgebäude wurde zum Durchgang degradiert. Der Zug konnte nun zügig, vom Eingang des Bahnhofsvorplatzes über die lange Empfangshalle erreicht werden. Im Mittelpunkt standen dabei die Fahrscheinschalter, an denen Billets erworben werden konnten. In den Zwischenräumen siedelten sich kleine Verkaufsläden an, die Reisebedarf anboten. Heute sind daraus, oft nach massivem Umbau, ganze Malls geworden, wie am Leipziger Hauptbahnhof. Diese gestalten die Funktionalität eines Bahnhofes erheblich um. Teilweise werden aus Bahnhöfen dann Einkaufszentren, die mit anderen Shoppingcentern in der Stadt konkurrieren. Dabei können sie teilweise ihren Charakter als öffentlicher Ort stark verändern. 

Am Ende des 19.Jahrhunderts zeigte sich, das Hochbauten im Vergleich zur Trassierung und zur Wartung der Strecke recht preisgünstig waren, wodurch sich die Überlegung ergab, zu Werbe- und Repräsentationszwecken stattliche und bewundernswerte Bauwerke zu errichten. Weiterhin entwickelten sich die Bahnhöfe zu Orten des öffentlichen Raumes der Stadt, die sich aber von anderen Bauwerken im urbanen Kontext unterschieden. So war es nicht das Empfangsgebäude, welches das Stadtbild erneuerte, sondern die Bahnsteighalle, welche sich zumeist dahinter emporschwang. Für die bauliche Qualität sprach dann, wenn es einem Bahnhof gelang Halle und Empfangsgebäude in eine künstlerische Einheit zu bringen.
Eine Bahnsteighalle gehörte bald zum guten Ton eines Bahnhofes, denn man wollte die Passagiere nicht den Wetterbedingungen aussetzen. Diese Hallen wurden zu den charakteristischen Gebäuden des 19. Jahrhunderts und waren damals der Höhepunkt an baulichen Möglichkeiten der Raumbedeckung mit immer größerer Spannweite. Hatten die ersten Bahnhöfe zumeist nur einfache Zimmermannsdächer, so wurden später Gus- und Schmiedeeisenkonstruktionen herangezogen, auch weil sie einen höheren Schutz vor Feuergefahr brachte. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Stahlkonstruktionen für die Dachträger üblich. Obwohl gerade nach der Jahrhundertwende die Hallen immer gigantischer wurden, gab es doch auch Bahnhöfe, die es bei einem simplen Bahnsteigdach beließen. Ein Beispiel ist der der Madrider Bahnhof Chamartín, ein Neubau aus den 1970er Jahren, der nur mit Bahnsteigdächern und ohne Halle gebaut wurde.

Der Bahnhof und die Stadt

Historisch gesehen folgt der Bahnhof dem Postkutschverkehr. Deren Abfertigungsstationen lagen zumeist mitten in der Stadt und unterschieden sich kaum von anderen Häusern der Ortschaft. Nur der Name des nahen Gasthofes „Zur Post“ und alte Postmeilensäulen erinnern heute noch daran. Mit der Bahn ändert sich die Position der Stationen der neuen Transportmittel, denn die ersten Bahnhöfe lagen außerhalb der Stadtmauern, da innerhalb dieser das Land stark benutzt und teuer war. Doch mit der Eisenbahn kam die Veränderung. Die Transformation der engen mittelalterlichen Stadt zur modernen Stadtlandschaft, die sich so rasend schnell im 19. Jahrhundert vollzieht ist das „Resultat der Industriellen Revolution im allgemeinen, der Transportrevolution der Eisenbahn im besonderen.“ (Schievelbusch; S. 158). Die Eisenbahn war – zumindest in Europa – mitverantwortlich für die dichte Bebauung in der Innenstadt und sie prägte den Charakter der ihr anliegenden neuen Vorstädte, nicht zuletzt war sie ein entscheidender Faktor des Immobilienmarktes des 19. Jahrhunderts.  
Der neu entstehenden Bahnhöfe hatte bald eine Scharnierfunktion (der Ausdruck stammt von Thomas Hengartner aus seinem Aufsatz „Bahnhöfische Welten“) in der Stadt eingenommen. Erst war er ein Appendix, der am Rande der Stadt gebaut wurde, doch wurde er bald zu einer Schleuse, der den Strom der Reisenden in die Stadt hinein bündelte. Der Bahnhof wurde das Tor zur Stadt, für Personen, die in sie hinein wollen, gleichzeitig aber auch das Tor zur Welt, für die Reisenden, die die Stadt verlassen wollten. Schon das ist in gewisser Weise in die Architektur – gerade von Kopfbahnhöfen – eingeschrieben. Das steinerne Gebäude des Empfangsgebäudes ist der Stadt zugwendet und hat eine urbane Dimension, während die weite Bahnsteighalle dahinter die Ausweitung des Raumes mit seinen oft riesigen Bögen bereits andeutet. Außerdem geht dieser Einteilung eine langsame lebensweltliche Annäherung der Stadtbewohner und Passagiere voraus. Das steinerne – dem Stadtbild einbezogene – Gewand der Empfangshalle, milderte in gewisser Weise die dahinterliegende Technologie ab und bettete sie in die Stadt ein. Die zur damaligen Zeit als futuristisch einzuordnenden Hallen, wurden also gegenüber dem alten Stadtkern etwas versteckt.
Wie schon erwähnt, wurde die Eisenbahn zu einem gewaltigen Faktor für die Industriealisierung, insbesondere in Europa. Wo ein Bahnhof entstand, konnte sich neue Industrie ansiedeln. So wurde der Bahnhof auch schnell zu einem Faktor für frühe Segregation. Die Innenstadt wurde zu einem Zentrum, in das Menschen einströmen konnten.
Auf der anderen Seite der Bahnhöfe, abgewandt vom Stadtkern entwickelten sich städtische Infrastrukturbauten (wie Gaswerke, Schlachthöfe etc.) ebenso wie Wohnanlagen für die unterprivilegierten Schichten. Die jeweilige Dynamik der städtischen Entwicklung spielte hier eine große Rolle. In London beispielsweise wurden die Bahnanlagen nur durch proletarische und damit billige Gebiete gebaut. Die Bahnhöfe im armen East End konnten viel tiefer in die Stadt eingesetzt werden, als im reichen West End, wo sie nur an der Peripherie entstanden. Gleichzeitig wuchs die Stadt schier unaufhörlich und bald lagen die Bahnhöfe nicht mehr am Rande, sondern fast in ihrer Mitte.
Der Bahnhof trug nach seiner Eröffnung auch zu einer erheblichen Steigerung des Verkehrsflusses in der Stadt bei. Die umliegenden Straßen veränderten ihren Charakter in großer Geschwindigkeit. Die Bahnhofsstraße entstand, welche – wie gerade gesagt – die Station mit dem Stadtkern verband und die strömenden Menschenmassen anzog. Das ging nicht ohne eine Erweiterung oder gar einen Neubau, der bisherigen Struktur. Straßenbahnen rollten über sie, Geschäfte der neuen bürgerlichen Welt eröffneten und luden zum Konsumieren ebenso ein, wie zum Flanieren. Das Kaufhaus entstand nicht zufällig auf diesen neuen Straßen. Es basierte auf dem Prinzip des hohen Umsatzes bei niedriger Profitrate. Die Preise wurden fest ausgezeichnet und der Eintritt in das Kaufhaus verpflichtete niemanden zum Kauf.  Der Konsum im Kaufhaus wurde unpersönlicher, da eine Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer, anders als in traditionellen kleinen Läden, nicht notwendig wurde. Das Preisschild ersetzte in gewisser Weise das Verkaufsgespräch.
Die Umgestaltung von Paris unter Baron Hausmann ist ein gutes Beispiel, wie diese neue Stra0ßenform die Struktur und auch das Leben in der Stadt veränderten. Der massive Stadtumbau beginnt mit dem Boulevard de Strasbourg, welcher in gerader Linie (einer Bahnlinie nicht unähnlich) vom Gare de l’Est in die Innenstadt führt. Der Bahnhof wurde zum Brückenkopf für den Verkehr in der Stadt und die (Bahnhofs-) Straße leitete diesen Verkehr weiter. Sie existierte von ihm und für ihn und das unterscheidet sie von der mittelalterlichen Gasse, die der Schauplatz des gemeinschaftlichen Lebens war. (Exkurs: der gerade Boulevard des hausmannschen Paris unterscheidet sich ebenso von der barocken Allee. Zwar sind auch beide gerade angelegt, doch während die Allee auf den Fluchtpunkt zielte, der die königliche Macht repräsentierte, ist der Boulevard in erster Linie gerade, weil er damit am schnellsten von A nach B führt.) Die Eisenbahn und mit ihr der Bahnhof bringen den Verkehr in die Stadt und dieser wird zu einem solch dominanten Faktor, dass er von nun an, für die Planung der Stadt von großer Relevanz wird.
Der Bahnhof wiederum, als Quelle des urbanen Lebens, wie als kaum zu übersehende architektonische Markierung, wurde zu einem – wenn nicht gar dem – städtischen Orientierungspunkt und Wahrzeichen.

Literatur

Parissien, Steven (1997); Bahnhöfe der Welt. Eine Architektur- und Kulturgeschichte;
Eines der wenigen Bücher, die sich insbesondere um Bahnhöfe drehen. Wunderbar bebildert, aber leider sehr aus der britischen Perspektive des Autors beschrieben, der an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas weniger Wertung und mehr Struktur in seine Ausführungen gebracht hätte. Allerdings als Einführung ins Thema wunderbar!

Schivelbusch, Wolfgang (1977); Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert;
Der Klassiker zur Kulturgeschichte der Eisenbahn. Ein fast schon unverzichtbares Standartwerk, dass Bahnhöfe aber nur am Rande behandelt.

Kubinszky, Mihály (1969); Bahnhöfe Europas. Ihre Geschichte, Kunst und Technik;
Wer sich für europäische Bahnhöfe interessiert kommt an Kubinszky nicht vorbei. Die ersten 65 Seiten geben einen Überblick über die Geschichte des Bahnhofsbaus. Die restlichen 250 Seiten stellen europäische Bahnhöfe dar, wobei ein Schwerpunkt auf Deutschland liegt.

Bahnhöfe in Madrid

Estacíon de Atocha | Estacíon de Delicias | Estación del Norte | Estacíon de Chamartín

Madrid ist weltweit gesehen, vielleicht eine der besten, an den Zug-Fernverkehr im Hochgeschwindigkeitsbereich angebundenen Städte des Globus. Momentan können 18 spanische Städte mit dem Schnellzug AVE angefahren werden. Dies verteilt sich allerdings auf zwei Bahnhöfe. Im Norden der Stadt liegt Chamartin und am südlichen Ende der Innenstadt Atocha. Beide Bahnhöfe sollen in den folgenden Zeilen etwas genauer vorgestellt werden. Zwei andere Bahnhöfe, die für die (Bahnhofs-) Geschichte der Stadt nicht unwichtig sind (aber heute teilweise andere Funktionen haben), sollen ebenso kurz vorgestellt werden.

 

Estacíon de Atocha Erst Kopf-, jetzt Durchgangsbahnhof 88 Mio. PAX (2012)

 

Der Bahnhof Atocha ist heute so etwas wie der Hauptbahnhof Madrids und der am zentralste gelegene Bahnhof der spanischen Hauptstadt, wobei zentral bedeutet, dass er am südlichen Ende des Paseo del Prado am Ende der Innenstadt steht. Der Bahnhof geht zurück auf die erste spanische Bahnlinie von Madrid nach Aranjuez, welche 1851 eingeweiht wurde. Diese Privatbahn startete am Embarcadero Atocha, einem einfachen Gebäude, das zu jener Zeit noch außerhalb der Stadtmauern von Madrid lag, ein typischer Ort für die ersten Eisenbahnbauten. Der spanische Bahnverkehr war in jenen Jahrzehnten der ersten Eisenbahnwelle, geprägt von privaten Unternehmen, die unterschiedliche Linien betrieben und damit aber auch unterschiedliche Bahnhöfe in der Stadt errichteten. Den Ausgangspunkt Atocha nutzte ab 1856 die Gesellschaft MZA (Madrid-Zaragoza-Alicante), die zusammen mit dem größten Rivalen, der Compañía de los Caminos de Hierro del Norte de España (CCHNE) bald die größten Eisenbahnunternehmen Spaniens werden sollten. Die CCHNE ließ später den Bahnhof Norte in Madrid bauen, worauf weiter unten noch näher eingegangen werden soll. Schon in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es Überlegungen, wie und insbesondere wo, ein einheitlicher Großbahnhof in Madrid errichtet werden könnte und schon damals hielt man den Standort Atocha für den geeignetsten, jedoch war die Zeit für einen einzigen Bahnhof noch lange nicht gekommen. 1864 brannten große Teile des ersten Bahnhofsgebäudes ab, dass wie seinerzeit üblich, aus vielen Holzbauteilen stammte. Bei ersten Reparaturen wurden Eisenteile eingesetzt, jedoch machte sich bald die Notwendigkeit eines vollkommenen Neubaus bemerkbar. Dafür wurden zwei Entwürfe eingereicht, wobei der Plan von Alberto de Palacio y Elissague umgesetzt wurde. 1882 wurde schließlich der neue Bahnhof unter dem Titel „Estación del Mediodía“ eingeweiht. Der Kopfbahnhof hatte eine mittig liegende 152m lange und 27m hohe Bahnsteighalle. Ähnlich dem kurz vorher fertiggestellten Bahnhof Delicias, wurden rechts und links Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude der zentralen Halle angefügt, die im regional typischen Stil mit roten Ziegeln gefertigt wurde. Stiltechnisch wurde der in jenen Jahren in Madrid vorherrschende Eklektizismus angewandt. Der Bahnhof bot rund 2000 Reisenden Platz, eine für damalige Zeiten sehr hohe Zahl. Das Wachstum der Stadt um die Jahrhundertwende bezog sehr schnell die Umgebung der Station mit ein.  Nicht nur im näheren Umkreis entstehen neue Gebäude, auch die beiden Luxushotel „Ritz“ und „Palace“, die wenige hundert Meter weiter nördlich an der Prachtstrasse Paseo del Prado errichtet wurden, nutzten die günstige Lage zum nahen Bahnhof aus. Zunehmende Erweiterungen der Anlage wurden aber immer komplizierter, da auch die Nachbarschaft des Bahnhofs immer weiter zugebaut wurde. Das Metronetz der Stadt bekam 1921 einen Anschluss an den Bahnhof, während Straßenbahnen natürlich schon viele Jahre vorher (Innen-) Stadt und Bahnhof verbanden.
1933 begannen die Bauarbeiten an einem Eisenbahntunnel der quer durch die Stadt von Süden nach Norden führen und so einen Anschluss der Züge nach Nordspanien ermöglichen sollte. Dieser Bau jedoch wurde von riesigen Problemen begleitet, nicht nur vom spanischen Bürgerkrieg, der auch am Bahnhof Atocha seine Spuren der Zerstörung hinterließ. Nach seinem Ende wurden die Bahnen Spaniens verstaatlicht, so dass ab 1941 der Bahnhof Atocha zur staatlichen Gesellschaft RENFE gehörte. Nach über 30 Jahren Bauzeit wurde 1967 der Tunnel nach Norden eröffnet, der wegen seiner erheblichen Bauprobleme, auch „Túnel de la risa“, (daher:  „Tunnel des Gelächters“) genannt wurde. Er machte aus dem Kopfbahnhof Atocha einen Durchgangsbahnhof und führte zu einer Konzentration auf die Nord-Süd Achse, die schon bald zu wenig Kapazitäten für den rollenden Verkehr aufwies. Dies führte in zweiter Instanz aber zum Niedergang anderer Madrider Bahnhöfe (Delicias, Norte) bei gleichzeitiger Steigerung der Kapazität von Atocha, weshalb der Bahnhof in den 1980er Jahren komplett erneuert werden musste. Der spanische Architekt Rafael Moneo ließ die ehemalige Bahnsteighalle zu einem botanischen Garten mit Shops und Verwaltungseinrichtungen umbauen, gleichzeitig wurde eine neue Bahnsteighalle etwas weiter südlich eingeweiht und sowohl den S-Bahnverkehr (Cercanias) als auch den Fernverkehr beherbergt. 1992, mit der Eröffnung der der AVE-Linie nach Sevilla, kam schließlich der neue Bahnhof „Madrid Puerta de Atocha“ dazu, der als Haltepunkt für den neuen Hochgeschwindigkeitsverkehr dient. So sehr man die Umgestaltung des alten Bahnhofs bewundern kann, so sehr ist verstört doch aber insbesondere die Bahnsteighalle des neuen Teils, die bestenfalls als zusammengebastelt bezeichnet werden kann.
Seine schlimmsten Stunden erlebte der Bahnhof am 11.März 2004, als islamistische Terroristen Bomben in eingefahrenen S-Bahnen zündeten und damit 191 Menschen töteten und über 2.000 Verletzten. Diese Attacke führten weiterhin zu einem politischen Erdbeben, bei den nur wenig später stattfindenden Wahlen in Spanien. Eine ausführliche Darstellung der Ereignisse  findet sich auf wikipedia (hier). In Erinnerung an die Opfer der Gewalt wurde im Bahnhof ein Raum der Stille eingerichtet.
Mit den weiteren AVE-Linien nach Katalonien und in die Levante, hat Atocha heute seine Rolle als Hauptbahnhof ausgebaut. Momentan wird ein dritter Tunnel nach Norden gebaut, um es auch AVE Schnellzügen zu ermöglichen von Süd nach Nordspanien zu fahren und trotzdem in Atocha zu halten. Heute reisen rund 240.000 Menschen täglich von der Estacíon de Atocha ab.

 

Estacíon de Delicias Kopfbahnhof heute Eisenbahnmuseum

 

Der Bahnhof Delicias ist der einzige der vier beschriebenen Stationen, der überhaupt keinen regelmäßigen Zugverkehr mehr aufweisen kann, trotzdem ist er ein historischer Platz. Hier wurde am 30.März 1880 der erste große mit einer gewölbten Bahnsteighalle ausgestattete Bahnhof Madrids eröffnet. 1879 begannen die Arbeiten unter der Leitung des französischen Baumeisters Emile Cacheliévre. Beeindruckend ist noch heute die rationalistische Bauweise der Haupthalle, deren Giebel als unverkleidete Stahlkonstruktion erbaut wurde. Es ist der erste Bau mit einer Stahl-Glas Bauweise in Madrid. Die 22m hohe, 35m breite und 170m lange Halle beherbergt fünf Gleise. Ihre Konstruktion folgt dem gleichen Prinzip der Weltausstellungshalle von Henri de Dion, welche nur ein Jahr vorher in Paris eröffnet wurde. Dabei werden die armierten Stützpfeiler in betonierte Pfeiler eingelassen, wodurch eine Bahnsteighalle ohne Abspannungen, Verstrebungen oder Wiederlager möglich wurde. Rechts und links sind Seitengebäude angeschlossen, die etwas an die damals gern benutzte Neomudejar-Architektur erinnern. Sie dienten zur Passagierabfertigung und als Diensträume. Die ersten hier abfahrenden Züge gingen nach Ciudad Real und von da in Richtung portugiesische Grenze, wobei zu einem Großteil auch Waren abgefertigt wurden. Doch nur 10 Jahre später sollte der Ausbau, des in der Nähe befindlichen Bahnhofs Atocha fertig sein, der eine weitaus größere Zahl an Zugverbindungen hatte. Obwohl auch Delicias Zugang zu diesem Netz hatte, war der Bahnhof nie so bedeutend wie Atocha. Und dieser Zugang führte noch zu einer kleinen Besonderheit. Da das Schienennetz rund sieben Meter tiefer als die namensgebende Straße Paseo de Delicias lag, liegt der Bahnhof etwas versteckt und ist von der Straße nicht sichtbar.
Nach dem spanischen Bürgerkrieg und der Integration des Streckennetzes in den Staatskonzern RENFE wurde der Bahnhof elektrifiziert, 1969 aber für den Personenverkehr und 1971 für den Güterverkehr endgültig still gelegt. Glücklicherweise wurde das Gebäude nicht Opfer des zur damaligen Zeit weltweit vorherrschenden Zeitgeistes der Schleifung von Bahnhöfen, sondern fand eine neue Nutzung. Seit 1984 dient das Bauwerk als Eisenbahnmuseum der Stadt Madrid.

Estación del Norte Erst Kopf-, jetzt Durchgangsbahnhof Kein Fernverkehr mehr

 

Die Estación del Norte heißt heute „Príncipe Pío“ und wie auch der geänderte Name vermuten lässt, hat der Bahnhof heute eine andere Funktion als noch zu seiner Entstehung. Der Nordbahnhof wurde auf Veranlassung der Bahngesellschaft Compañía de los Caminos de Hierro del Norte de España (CCHNE) oder auch kurz nur der „Norte“ erbaut. Diese verband Madrid mit dem Norden Spaniens bis hin nach Irún. Die Estación del Norte diente dabei als zentraler Bahnhof in Madrid, wobei der Name lediglich die Richtung der anfahrenden Züge anzeigt, denn eigentlich liegt der Bahnhof im Westen der Stadt (diese Besonderheit wiederholt sich beispielsweise in Valencia, wo die Estación del Norte im Süden der Stadt liegt). 1861 wurde der erste Bahnhof im Tal des Flusses Manzanares eröffnet, wenngleich die Linie damals nur bis nach El Escorial ging. Im Jahr 1882 wurde schließlich ein neues Abfertigungsgebäude für Passagiere eröffnet, es entstand parallel zum Paseo de la Florida. Im Jahr 1928 wurde dann ein weiteres repräsentatives Empfangsgebäude erbaut, dass den Bahnhof zur Stadt hin, zur Cuesta San Vicente abschloss und von zwei Türmen gekrönt wurde. 1925 wurde der Bahnhof mit der Metro verbunden, was gleichzeitig bedeutete, dass man den recht steilen Aufstieg aus dem Tal zur Innenstadt bequem vermeiden konnte. Heute ist diese Metrolinie noch als Linie „R“ vorhanden und verbindet „Príncipe Pío“ mit „Opera“. Als RENFE alle privaten spanischen Eisenbahngesellschaften übernahm, wurde die „Estación del Norte“ zum zweitwichtigsten Eisenbahnstopp in Madrid. Alle Züge nach Kantabrien, Altkastillien oder Portugal starteten hier. Zum Verhängnis wurde dem Nordbahnhof aber, als man im tatsächlichen Norden Madrids mit dem Bahnhof „Chamartín“ einen neuen Bahnhof baute, welcher dann auch noch mit dem seit Ewigkeiten geplanten Nord-Süd Tunnel mit „Atocha“ verbunden wurde. Nach dessen Fertigstellung wurde die „Estación del Norte“ zunehmend unwichtiger und 1993 verließ ein letztes Mal ein Fernzug den Bahnhof in Richtung Galizien. Daraufhin folgte ein grundlegender Umbau der Station. Unter der Leitung von Javier Bustinduy Fernández wurde ein großes Loch unter der Bahnsteighalle ausgehoben, um den Metrolinien 6 und 10 eine Haltestelle zu geben, die dann Príncipe Pío hieß. Weiterhin wurde die alte Bahnverbindung zum Bahnhof „Atocha“ neu eingerichtet und größtenteils untertunnelt, womit Príncipe Pío auch an das S-Bahnnetz angeschlossen wurde. Im Jahr 2000 wurde das alte Empfangsgebäude von 1882 und eine Bahnhalle zu einem Einkaufszentrum und Kino umgebaut, das nun auch den Namen „Príncipe Pío“ trug. Durch den Ausbau der M30 unter den in der Nähe liegenden Fluss Manzanares, mit Projekt Madrid Rio, wurde gleichzeitig ein unterirdischer Tunnelbusbahnhof in Principe Pio gebaut, der 2007 eröffnet wurde und Anschlüsse insbesondere in den Westen und Nordwesten der Region bereithält. Lediglich das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1928 liegt immer noch ungenutzt an der  Cuesta San Vicente und verfällt trotz vielfältiger Nutzungsideen.   

Estacíon de Chamartín Durchgangsbahnhof 21,3 Mio. PAX (2010)

 

Der Bahnhof Chamartín liegt in Madrids Norden und ist so etwas wie der 2.Hauptbahnhof der Stadt. Er ist von seiner Bedeutung allerdings klar Atocha untergeordnet. Von hier verkehren heute zahlreiche Fernzüge in den Norden Spaniens, der Nachtzug nach Lissabon, sowie die Hochgeschwindigkeitsverbindung nach Valladolid und Leon. Die Geschichte dieses eigentlichen Nordbahnhofes ist eng verbunden mit dem Problem, das Atocha im Süden der Stadt liegt und man dort keine Züge in Richtung Norden und Nordwesten Spaniens fahren lassen konnte. Deshalb wurde schon in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts ein Tunnel durch die Stadt geplant, welcher unter der „Paseo Castellana“ entlangführt. Die Arbeiten für den Tunnel wurden 1933 begonnen und auf dem Friedhof des Dorfes „Chamartín de la Rosa“ wurde die Fläche für einen neuen Bahnhof angelegt, doch durch den Bürgerkrieg und seine Folgen  änderte sich für Jahrzehnte nichts. Erst als der Tunnel fertig wurde, nahm auch der Bahnhof Gestalt an. Wobei erst sehr langsam, anfangs war nur ein Gebäude neben dem Gleis vorhanden. Chamartín wurde daher von Anfang an als Durchgangsbahnhof konzipiert, nicht als Endbahnhof einer Linie. Mit der Zeit wurde mehr und mehr Verkehr nach Chamartín verlegt, wobei er trotzdem für den Großteil des Fernverkehrs die Ausgangs- oder Endstation war. Diese Verlegung bedeutete aber auch, dass insbesondere der Bahnhof „Estacíon del Norte“ an Bedeutung verlor.
Zwischen 1970 und 75 wurde ein neues, großes und repräsentatives Bauwerk der Estacíon de Chamartín errichtet, das gleichzeitig auch einen Einkaufsbereich hatte und die Funktion eines neuen Hauptbahnhof übernehmen könnte. Der Komplex wurde so angelegt, dass die Empfangshalle wie ein Reiter über den Bahnsteigen schwebt, diese aber nur überdacht sind und keine eigene Halle haben. Eine Straßenauffahrt zum Haupteingang hin zeigt, dass man Autos in dieser Zeit keinesfalls mehr vernachlässigen konnte. Gleichzeitig entstand ein Hotelbau im Bahnhofskomplex.
Mit dem fertiggestellten Neubau wurden in den 1980er Jahren, zahlreiche Linien nach Chamartín verlegt. Als Atocha 1986 für Umbauten geschlossen wurde, war Chamartín der mit weitem Abstand bedeutendste Bahnhof der Stadt. Erst als 1992 Atocha wieder ans Netz ging und noch dazu von dort der erste Hochgeschwindigkeitszug AVE nach Sevilla führte, verringerte sich aber wieder sein Rang. Alle weiteren neuen AVE Linien starteten in Atocha und erst 2007 wurde die erste AVE Linie von Chamartín aus eröffnet. Damit wurde die Frage nach der Tunnelverbindung nach Atocha wieder aktuell. Zwar wurde 2004 schon ein zweiter Tunnel eröffnet, der den ersten entlasten sollte, trotzdem waren diese Strecken nicht für AVE-Züge geeignet, da diese eine eigene (die europäische) Spurweite haben. Also wird derzeit an einem dritten Tunnel zwischen Chamartín und Atocha gebaut, um auch das Hochgeschwindigkeitsnetz in Spanien zu vereinen

urban facts Málaga

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) 569.130 (974.003)
Einwohnerentwicklung 2001 – 2010: + 7,7%
Fläche (Ballungsraum) 398 km² (819,25km²)
Bevölkerungsdichte 1423,51 Einw. / km²
Geographische Höhe 11m üNN
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 534 / 42 / 2905
Fluss Guadalmedina mündet nach 51km ins Mittelmeer
Guadalhorce mündet nach 154km ins Mittelmeer
KfZ-Kennzeichen MA (veraltet)

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Francisco de la Torre Prados (PP, seit 2000)
Verwaltungstechnische Bedeutung Hauptstadt der gleichnamigen Provinz
Anzahl Besucher im Jahr 6 Mio. Besucher
Global City Status Nicht gelistet
Flughafen Aeropuerto de Málaga – Costa del Sol (AGP; eröffnet 1919; 14,4 Mio; PAX 2015; 4.größter Flughafen Spaniens. ; 2 Landebahnen, 3 Terminals; 8km SW der Innenstadt)
ÖPNV Metro de Málaga (eröffnet 2014; 17 Stationen auf 11,3km bei 2 Linien)
S-Bahn: 2 Linien auf 69km Länge
Hauptbahnhof Màlaga – Maria Zambrano; AVE und S-Bahn Halt bei 4,67 Mio. PAX (2009)
Entfernung nach… Sevilla 200km (Auto: 2h5min; Bahn: 1h55min)
Cádiz 230km (Auto: 2h25min; Bahn: 4h17min)
Almeria 200km (Auto: 2h; Bahn: nicht existent)
Madrid 530km (Auto: 4h50min; Bahn: 2h30min)
nächster Ort über 500.000: Sevilla 200km
nächster Ort über 1000.000: Madrid 530km

 

Kultur / Geschichte:

Universität Universidad de Málaga (gegründet 1972, 39.225 Studenten)
Anzahl Museen 25 (laut wikipedia.es)
Größten jährlichen Feste Semana Santa (Osterwoche; Prozessionen in der ganzen Stadt)
Sportvereine der Stadt Málaga Club de Fútbol (Fußball: gegründet 1904 bzw. Wiedergründung 1994; Ø-Zuschauer 15/16: 21.070@ La Rosaledo (30.044 Plätze)
Unicája Málaga (Basketball, gegründet 1992; 1xspan. Meister, 1x span. Pokalsieger; 1x Korac-Cup; Ø-Zuschauer: 7340 (15/16) @Palacio de Deportes José María Martín Carpena (11.300 Plätze)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Diario Sur (seit 1937; Auflage täglich: 36.000 (2005))
Erste urkundliche Erwähnung 770 v.u.Z.
Gegründet von: Phöniziern
Großstadt seit ca. 1865
Meisten Einwohner im Jahr heute
City Branding „Ciudad Genial“

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Kathedrale
Architektonisches Highlight Alcazaba
Höchstes Gebäude Torre de Málaga (Wohnhaus) 58m
Meist fotografiertes Gebäude Hafen und Promenade
Tags: Siehe Tagliste.
Anzahl Starbucks 3
Arbeitslosenquote 23.4% (Januar 2016)

 

Bevölkerungsentwicklung:

1842 1857 1877 1900 1930 1940 1960 1981 2001 2013
68.271 94.293 116.143 131.063 188.010 238.085 301.048 503.251 524.414 563.479