Liverpool

Geschichte Liverpools | urban facts Liverpool

Ob nun die Beatles, Fußball, Straßenschlachten in den 1980ern, der internationale Sklavenhandel, die Titanic, die schlechtesten Viertel Englands, die Aufwertung und vollkommene Umgestaltung eines Stadtzentrums oder die Stadt mit zwei Kathedralen. Viele Ideen verbinden sich mit Liverpool, der Stadt an der Mündung des Flusses Mersey in die Irische See.
Obwohl oftmals als hässlich, arm und schmutzig beschrieben ist Liverpool eine Reise definitiv wert und 2011 hatte ich das Glück diese Stadt etwas länger zu besuchen (daher sind die Bilder als auch die Informationen schon etwas älter, wenngleich einige Informationen 2015 aktualisiert wurden). An dieser Stelle möchte ich besonders auf die Geschichte, dieser wirklich sehr sehenswerten und faszinierenden Stadt eingehen.

Gläserne Manufaktur

Das Dresden meiner Kindheit war unter anderem eine Industriestadt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran in der Straßenbahn, am kräftig qualmenden Kraftwerk Mitte vorbeigefahren zu sein. Für mich waren die Werke und Betriebe immer der hässliche Teil der Stadt, der den schönen Teil verdreckt. Ich kann mich deshalb entsinnen, anfangs etwas skeptisch gewesen zu sein, als man in den 1990er Jahren ankündigte, dass Volkswagen eine Autofabrik in den bzw. an den Rand des Großen Garten bauen wollte. Dies an einen Ort, der mir recht bekannt war, da an dieser Ecke des Fučikplatzes (heute Strassburger Platz),die Endhaltestelle der mir aus Kinderzeiten hochgeschätzten Pioniereisenbahn (heute Parkeisenbahn) lag. Dahinter befand sich ein von mir kaum beachtetes Ausstellungsgelände. Als man genau dahin ein Werk bauen wollte, war nicht nur ich etwas verdutzt, denn in einer Stadt, die gerade so wie Dresden, sehr stark auf Tradition ausgerichtet ist, war eine Autofabrik etwas schwer Vorzustellendes, zumal es hier nie eine Automobilindustrie gab. Doch die Idee schien schon bald zu gefallen, denn es sollte nicht irgendeine beliebige Fertigungshalle errichtet werden, sondern ein Prestigeobjekt – eine „Gläserne Manufaktur“.
Der Begriff der Manufaktur war mir immer nur mit etwas Edlem wie dem Meissner Porzellan bekannt, das ziemlich kostbar sein musste, denn ich erinnere mich daran wie wir Kinder bei Bekannten meiner Eltern zugegen waren und ein solch kostbares Stück nur aus sicherer Entfernung betrachten konnten. Es in unsere Hände zu geben, durch die es ja hätte durchrutschen können, erschien selbst uns zu gewagt.  Eine Manufaktur schien kostbare Sachen zu produzieren (Manufaktur steht aber von der Wortbedeutung für Handarbeit, was am Beispiel der Arbeitsweise der Gläsernen Manufaktur ebenso (zumindest teilweise) zutreffend ist). Und es wird den Verantwortlichen von Volkswagen ähnlich gegangen sein, denn sie wollten ihr teuerstes Produkt in der Kulturstadt Dresden bauen lassen, den VW Phaeton. Diesen zugegebener Maßen recht preisintensiven Schlitten, sollen Kunden nicht einfach so erwerben, vielmehr sollen sie – einem mündigen Käufer gleich – zuschauen dürfen, wie das Produkt zusammengeschraubt wird. Anders als bei herkömmlichen Produkten wird hier der Herstellungsprozess bewusst für den Käufer geöffnet (etwas was bei vielen anderen Produkten kaum denkbar wäre, wer will schon Fleisch essen, nachdem er ein Schlachthaus besucht hat) und aus dem Produktionsprozess wird eine Show gemacht. Daher leitet sich der Anspruch ab, eine Gläserne Manufaktur zu sein. Ein Betrieb wo das Reinschauen zum Konzept der Arbeit gehört.

All das sollte natürlich nicht irgendwo am Stadtrand geschehen, sondern am besten mitten in der Stadt und da der Theaterplatz schon verbaut war, fand man das Areal am Großen Garten, das auch irgendwie passt, denn hier an der Lennéstrasse befindet sich so etwas wie das „Wochenendviertel“ der Dresdner. Neben dem Großen Garten (mit seinen schönen Wegen, Biergärten, dem Botanischen Garten, dem Open-Air Veranstaltungsgelände „Junge Garde“ und der Parkeisenbahn) kann man auch ins Stadion gehen oder das Hygiene Museum besuchen und selbst wenn das Wetter nicht stimmt, könnte man auch ins Arnhold Bad gehen, da die „Stadtpfütze“ überdacht und beheizt ist.
Die Fabrik liegt fast in so etwas wie in einem Freizeitbereich. Und sie hat selbst Anteil am kulturellen Leben, denn die Gläserne Manufaktur bietet von Zeit zu Zeit durchaus ausgewählte kulturelle Höhepunkte an, seien es nun Konzerte oder Diskussionsrunden, wie das leider nach Wolfsburg umgezogene „Philosophische Quartett“ mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski.

Das Gebäude versucht den Ideen des Prestigeobjekts, mit Einbeziehung in das städtische Leben, Rechnung zu tragen. Nach dem Baubeginn im Jahr 1999, wurde das Werk schon 2001 eingeweiht. Verantwortlich für den Entwurf war das Architekturbüro von Gunther Henn, der sich auch schon für andere VW-Vorzeigeobjekte wie die Autostadt in Wolfsburg auszeichnete.
Von außen dominiert auf der Schauseite ein  etwas futuristisch anmutendes Bild, auf den anderen Seiten insbesondere zur Stübelallee sind glatte Glasfassaden bestimmend. Der gesamte fast quadratische Bau ist in zwei Teile getrennt. Der Produktionsteil begrenzt in einer L-Form den Besucher- und Kundenteil. Der Werksteil kann nicht nur durch eine Glasverkleidung eingesehen werden, es ist sogar möglich ihn über Besucherterrassen zu betreten, der Produktionsprozess wird dadurch gewissermaßen auch zu einem kleinen – wenngleich monotonen – Theaterstück. Das es sich bei den Fertigungshallen nicht um eine simple Fabrik mit den üblichen Interpretationen wie Schmutz, Lärm und Hektik handelt, wird schon beim ersten Blick klar. Fast klinisch rein kommt es dem Besucher vor. Die Autos werden auf Parkettfußböden zusammengeschraubt und es wird viel indirektes Licht verwendet, um nach außen hin die Lichtemissionen zu dämpfen. Den Übergang von Werkhalle und Besucherraum stellt inhaltlich ein 40m hoher Turm dar, der als Hochregal, fertiggestellte Phaeton lagert und der dezent im Hintergrund an der Seite des Gebäudes residiert. Das Besucherforum wiederum besteht aus einer „Orangerie“ in der die Produkte des Hauses ausgestellt werden (daher hochpreisige VWs) und auf der Veranstaltungen abgehalten werden können. Als historische Reminiszenz an das Dresdner Kugelhaus, welches 1928 nach Plänen von Dieter Birkenholz in unmittelbarer Nähe stand (und schon in der Nazizeit wieder abgerissen wurde) befindet sich ein kugelförmiger Kinosaal in der Mitte des Besucherbereichs, welcher VW- Werbung präsentiert. Der Eingangsbereich trennt das Restaurant „Lesage“, an welchen sich die Büros der Manufaktur anschließen von einer Kundenlobby, welche ein exklusives Einkaufsgefühl vermitteln soll und auf drei Etagen Käuferberatung, Freizeitgestaltung und Fahrzeugübergabe beheimatet. Dieser Bereich ist nicht für „normale“ Besucher der Manufaktur zugänglich, sondern nur für die neuen (stolzen) Besitzer des Wagens. Vergleichbar ist dieser Teil mit den VIP-Logen, des sich in Sichtweite befindlichen Stadions.

Kritisiert wurde an der Gläsernen Manufaktur, dass ein solches Werk nicht unerheblichen Lastwagen-Verkehr nach sich ziehen würde, schließlich müsse man die Fahrzeugteile für die Endmontage in die Fabrik bringen. Dieser Nachteil wurde aber durch eine sehr hübsche Idee etwas entkräftet, da man sich entschloss, ein Logistikzentrum in der Friedrichstadt zu errichten und zwei Transportstraßenbahnen zwischen beiden Orten pendeln zu lassen, was gleichzeitig ein netter Nebeneffekt auf Dresdens Schienennetz darstellt (die Karosserie wird aber per LKW geliefert). Weiterhin wurde der fehlende Bezug zur Architektur der Stadt kritisiert, insbesondere bei der Materialauswahl (aus Glas und Metall), die keinen Beziehung zu Dresden darstellt. Hier halte ich die Kritik für übertrieben, da man in Dresden traditionell neuer Architektur argwöhnisch zu begegnen versucht und ein Glasgebäude es sowieso schwer hat nicht kritisiert zu werden. Die Gläserne Manufaktur ist vielmehr eine innovative Form der Verknüpfung von zeitgenössischer Produktion, Imagepflege eines Konzerns und urbanen Treffpunkt. Auch wenn sich wohl fast kein Dresdner einen Phaeton leisten kann, ist die Manufaktur eine interessante Adresse, deren ästhetische Außenwirkung besticht und die eine neue Sehenswürdigkeit in der Stadt Dresden darstellt.
P.S. Eine Führung in der Gläsernen Manufaktur kann an dieser Stelle empfohlen werden. Nicht empfohlen wird der Kauf des Architekturführers „Die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden“ aus dem Stadtwandel Verlag. Diese 66 Seiten starke Broschüre von Autor Lars Klaaßen ähnelt sehr einem Werbetext von VW. Wer die Führung besucht hat wird auch nur vereinzelt Neues erfahren, schlimmer wiegt aber der lobhudelnde Ton und das vollkommene Fehlen jeglichen kritischen Geistes, der dem erfolgreichen Projekt „Gläserne Manufaktur“ nicht wirklich gut zu Gesicht steht und nur wie schnell zusammengeschriebene Werbung aussieht.

Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden

Ich erinnere mich noch als Olympique Marseille 1993 die Champions League gewann. Nicht das ich das Spiel gesehen hätte, aber ich weiß noch was ich an jenem lauen Frühsommerabend machte. Ich war auf dem Universitätssportplatz und versuchte ein Mädchen zu beeindrucken, mit meinen Fußballkünsten. Ein ziemlich dämliches Unterfangen, denn Mädchen kann man fast nie mit Fußball beeindrucken und erschwerend kommt hinzu, dass ich auch des Spiels viel zu wenig mächtig war (und bin), um auch nur irgendjemand damit zu beeindrucken. Aber ich war noch jung und diese Erfahrung war vielleicht nützlich für mich. Als ich dann später nach Hause kam, erfuhr ich das Marseille den Cup gewonnen hatte und ich glaube ich war ganz zufrieden damit (ich glaube ich war auch mit dem Abend mit dem Mädchen zufrieden, kann das aber nicht mehr genau sagen, es war wohl eine gesunde Portion Selbstverblendung im Spiel).

Der Sportplatz auf dem ich an jenem Abend weilte, war nicht mehr lange ein Solcher, denn nur wenig später gab es Pläne, auf ihm ein neues Gebäude zu errichten. Ein sehr guter Freund berichtete mir von diesem „Schandplan“ und prangerte dabei gleichzeitig die Zerstörung wertvoller Grünflächen an. Ein Argument dem ich mich nur schwer entziehen konnte. Dabei fiel mir wehmütig der Abend von 1993 ein und so wollte auch ich nicht wirklich ein neues Gebäude auf diesem Platz sehen.
Als ich dann 1998 anfing, an der Technischen Universität in Dresden zu studieren, war aus dem Vorhaben ein Projekt geworden. Noch zu meiner Grundstudiumszeit war der Sportplatz zu einer Baustelle umgewandelt, mittlerweile wusste ich auch um die Funktion des neu zu errichteten Bauwerks. Es sollte ein Bibliotheksbau werden, der fast alle quer auf dem Unigelände verteilten Bibliotheken vereinen sollte, ja gar noch mehr, was den Namen Landes- und Universitätsbibliothek erklärt. Eine nicht unpraktische Sache, wie ich damals fand.

Als 2002 der Bau für die Studenten eröffnet wurde, kam er mir von außen ungewöhnlich und versteckt vor, hinter einem recht hohen grünen Wall und ich hatte Mühe den klotzartigen und kühl wirkenden Bau, in mein Herz zu schließen. Doch Innen beeindruckte mich die SLUB sofort, weitläufige Gänge auf denen viel Platz war, eine wirklich wunderbare Auswahl an Büchern, vieler Disziplinen und ein riesiger Lesesaal, der mit natürlichem Licht gespeist wurde. Die Zeit meines Hauptstudiums sollte ich häufiger mal in der Bibliothek verbringen.

Heute besuche ich immer noch regelmäßig die SLUB, zumeist um mir Bücher über Architektur auszuleihen, wie auch jenes das gerade vor mir liegt und das unter dem Titel „Neue Architektur in Deutschland“ auch das Dresdner Bibliotheksgebäude wohlwollend beschreibt. Anders als auf der Homepage der SLUB (die nicht einen Satz zur architektonischen Bedeutung des Bauwerks verliert), scheint das Gebäude des Architekturbüros „Ortner & Ortner Baukunst“ durchaus Beachtung gefunden zu haben (wie auch in der Ausstellung Neue Deutsche Architektur). Die beiden Kuben mit ihren rechteckigen Fensterschlitzen und der mosaikartigen Fassade aus Travertin lassen das Bauwerk, wie zwei große Bücherregale aussehen. Mittig zwischen den beiden Steinquadern befindet sich eine bündig in die begrünte Oberfläche eingelassene Glasfläche, die das Oberlicht des großen Lesesaals bildet. Dadurch sind die für die Öffentlichkeit zu benutzenden Räume auf Erdgeschoß bzw. Kellergeschoss (zwei an der Zahl) Niveau, was das Gefühl des Bunkers zumindest bei einigen meiner Kommilitonen evozierte. Im oberirdischen Bereich des Nordkubus befindet sich neben einer Cafeteria und Veranstaltungssälen noch ein Buchmuseum. Das südliche Gebäude beherbergt vorwiegend die Verwaltung. Zwischen beiden Gebäuden ist zumeist eine recht ruhige Atmosphäre zu genießen (immer Sommer auch in Form einer Liegewiese), die sich im Inneren des Hauses zwischen den Bücherregalen nicht immer findet, da von Jahr zu Jahr immer mehr Studenten Gefallen an der SLUB zu scheinen finden. Nachdem es nun über 20 Jahre her ist, dass ich letzt- und einmalig auf jenem Platz Fußball spielte, erfreue ich mich sehr über den Bau der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, die Dresden sicherlich zu einem klügeren Ort gemacht hat.

Transitort Madrid

Metro Madrid | Flughafen Barajas | Madrids große Bahnhöfe

Madrids Bedeutung in Spanien ergibt sich nicht nur aus seiner politischen Rolle als Hauptstadt. Anders als Paris, London, Moskau oder Berlin liegt Madrid direkt im Zentrum seines Landes, dem Staatsgebiets Spaniens und spielt somit auch als zentrale Verkehrsachse eine dominante Rolle. Der verkehrsreichste Flughafen Spaniens liegt in Madrid und fungiert als Drehkreuz der größten Airline des Landes iberia. Ebenso verkehren alle Hochgeschwindigkeitszüge (AVE) Spaniens von oder nach Madrid und der Streckenausbau wird von der Hauptstadt aus betrieben (was übrigens dazu führt dass es zwischen Madrid und 18 spanischen Städten AVE Verbindungen gibt, nicht aber zwischen der 2. und der 3. größten Stadt des Landes). Alle wichtigen Autobahnen führen von Madrid weg, die A1 bis A6 sind quasi im Uhrzeigersinn von der Stadt ausgehend in alle Himmelsrichtungen verteilt (mit der A7, der Mittelmeerautobahn, die nicht mit der Hauptstadt verbunden ist, beginnt die weitere Zählweise, anders als A1 bis 6 ist die 7 auch teilweise kostenpflichtig). Im folgenden soll etwas genauer ein Blick auf die Einrichtungen des Transits in Madrid geschaut werden.

Bisherige Artikel:
Metro Madrid, die achtlängste U-Bahn der Welt.
Madrids große Bahnhöfe, hier werden vier große und historisch bedeutende Bahnhöfe vorgestellt.

Bahnhöfe in Madrid

Bahnhöfe in Madrid

Metro Madrid

Metro Madrid

Metro Madrid

Das bedeutendste Nahverkehrsmittel der Stadt ist die Metro, deren Stationen fast überall in Madrid anzutreffen sind. Mit einer Gesamtlänge von 293km gehört sie zu den längsten U-Bahnen der Welt und ist eine der am schnellsten wachsenden Metros der Welt, nimmt man die letzten 20 Jahre als Maßstab. Heute fahren jährlich 560 Millionen Passagiere auf den 13 Linien auf denen man insgesamt 301 Bahnhöfe erreichen kann. Fast alle Stationen liegen im Stadtgebiet, jedoch führen einige Linien auch in die Vororte, wobei sie fast ausschließlich unter der Erde verlaufen. Das Netz des öffentlichen Nachverkehrs wird weiterhin von der S-Bahn artigen Cercanias abgedeckt, die weiter entfernte Gebiete in der Metropolregion ansteuert oder von den 3 Linien der Metro Ligero, einer Art Straßenbahn, die 2007 ihren Dienst aufgenommen hat und unmittelbare Vororte im Norden und Westen bedient.

Geschichte der Metro

Seit 1871 gab es erst Pferdestraßenbahnen, später elektrisch betriebene Straßenbahnen, die insbesondere im Stadtzentrum zu einer sehr hohen Verkehrsdichte führten. So kam schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts der Vorschlag auf, eine U-Bahn zu bauen, so wie sie seinerzeit in London in Betrieb ging. Doch erst 1913 kam es zu einem ernstzunehmenden Vorschlag der  Ingenieure Miguel Otamendi, Carlos Mendoza und Antonio González Echarte. Sie stellten ein Plannetz aus vier Linien vor mit insgesamt 14km Länge auf. Die Streckenführung entspricht den heutigen Linien 1 bis 4. Mit Hilfe Königs Alfons konnte die Finanzierung geklärt werden und 1917 wurde die „Compañia Metropolitano Alfonso XIII“ gegründet. Die Bauarbeiten bereiteten erhebliche Probleme, da durch den im restlichen Europa tobenden 1.Weltkrieg kaum Material zu beschaffen war. So mussten auch die ersten Wagen aus Paris abgekauft werden, da es keine Firma gab, die eigene Madrider Wagen herstellen konnte.
Am 17. Oktober 1919 eröffnete der König Alfons XIII. offiziell den ersten Abschnitt der Linie 1. Dieser war 4 Kilometer lang und führte von Sol nach Cuatro Caminos am damaligen nördlichen Stadtrand, wo sich auch das Depot für die Züge befand. Der fahrplanmäßige Betrieb begann zwei Wochen später, wobei schon schnell klar wurde, dass die Madrilenen die Metro sehr gut annehmen würden. Bereits zwei Jahre später folgte die erste Verlängerung, die zum Bahnhof Atocha führte. Ebenfalls 1921 installierte man die ersten Rolltreppen, deren Benutzung zu Beginn aber noch kostenpflichtig war, heute zählt die Madrider U-Bahn die meisten Rolltreppen aller Metros weltweit. Eine zweite Linie eröffnete 1924 und führte von Sol zur östlich gelegenen Stierkampfarena Ventas. Ein Jahr später kam eine bis heute noch bestehende Kuriosität dazu. Die Linie R (was als Abkürzung für Ramal (dt.: „Zweig“) steht). Sie führt von Opera ins Manzanares Tal zum damaligen Nordbahnhof (heute Principe Pio) und hat auf ihrer Streckenlänge von 1,1km keinerlei Zwischenhalte. Damals erleichterte sie den Transport erheblich, da die Steigung vom Tal in die Innenstadt erheblich ist und die Straßenbahnen diesen Weg nur unter großen Mühen und mit sehr langsamer Geschwindigkeit bewältigten. Mit dem Ausrufen der Republik 1931 änderte sich der Betreiberfirmenname in „Compañia Metropolitano de Madrid“. 1932 und 1936, nur wenige Wochen vor Beginn des Bürgerkrieges kam es zu Streckenerweiterungen. Die Linie 3 zwischen Sol und Embajadores im Süden ging in Betrieb. Trotz der Kämpfe um Madrid kam es bis zur Übernahme der franquistischen Truppen 1939 kaum zu Betriebsstörungen. Doch auch in der Zeit Francos erlebte die U-Bahn einige Ausdehnungen. 1951 bestand die U-Bahn aus vier Linien mit einer Streckenlänge von 27,6km.
In den 1950er Jahren erlebte Madrid einen enormen Bevölkerungsanstieg. Trotz großer staatlicher Pläne für einen Ausbau der Metro, kam es aber erst 1961 zur Einweihung eines neuen Teilstückes, dass damals unter dem Titel S (suburbano) eröffnet wurde und von Plaza España nach Carabanchel im Südwesten führte. Diese heute zur Linie 10 gehörende Strecke hatte erstmals 90m lange Bahnsteige (statt der üblichen 60m), um mehr Passagiere aufzunehmen. Bis 1966 wurden auch die Bahnsteige der Linie1 auf 90m verlängert, was zur einzigen Schließung einer Station führte, nämlich zum Wegfall des Halts Chamberí. Dieser Bahnhof kann heute als Museum besichtigt werden (LINK). Mit der 1968 eröffneten Verlängerung der Linie 5 ebenfalls nach Carabanchel wurde letztmals eine Kleinprofillinie mit 60m Bahnsteiglänge gebaut. Ein neuer bis 1974 endgültig erstellter Plan legte ein neues Konzept vor, dass von Großprofillinien mit 115m Bahnsteiglänge ausging. Die neuen Großprofillinien (das sind alle Linien ab Nummer 6) haben nicht nur längere Bahnsteige, sondern auch breitere Tunnel und werden von anderen Zugwagentypen durchfahren. Die erste Strecke dieses Großprofils wurde 1974 eröffnet mit der Linie 7 von Pueblo Novo nach Las Musas.
Bis in die 1970er Jahre hinein war die private Metrogesellschaft ein gewinnbringendes Unternehmen. Jedoch häuften sich die Probleme. 1974 wurden erstmals Verluste eingefahren. Daraufhin erhöhte man die Fahrpreise, was auch zu einer Abnahme der Passagierzahlen führte. Zusätzlich sorgten Vandalismus und Taschendiebstähle für einen zunehmend schlechten Ruf der Metro Madrids. Durch den Tod Francos und der Transformation zu einem modernen demokratischen Staat veränderte sich die politische Landschaft in Spanien, was auch Konsequenzen für die U-Bahn der Hauptstadt hatte. Die neue Regierung übernahm die Kontrolle über die Metro und verstaatlichte sich schließlich 1979 komplett. Zu diesem Zeitpunkt war das Streckennetz 64km lang. Es wurde nun verstärkt investiert, sowohl in Sicherheitsmaßnahmen, als auch in die Infrastruktur. Bis 1982 wurde der erste Teil der Ringbahn, Linie 6 eröffnet, die Linie 9 von Sainz de Baranda bis Pavones und der erste Abschnitt der Linie 8 (die heutige Linie 10) von Nuevos Ministerios bis Fuencarral. Damit wurde drei Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Spanien, das Bernabeu Stadion an das Netz angeschlossen. Mit einem neuen Abschnitt der Linie 9 (von Plaza Castilla bis Herrera Oria, die Strecke hatte noch keine Verbindung mit der restlichen Linie 9 und wurde übergangsweise 9B genannt) erreichte die Metro 1983 eine Gesamtlänge von 100km. 1985 ging die Metro in das öffentlich-rechtliche Konsortium Consorcio Regional de Transportes de Madrid über. 1989 erfolgte eine Umbenennung in Metro de Madrid.
In den 1990er Jahren wurden gigantische Ausbaupläne vom Konsortium vorgestellt, die das Ziel hatten, dass jeder Einwohner der Stadt nur maximal 600m entfernt von einer Station leben sollte. Mit dem schnellen Ausbau der Metro wurde sogar Wahlwerbung gemacht und die rechts-konservative Partido Popular gewann die Wahlen, mit dem Versprechen auf einen schnellen Ausbau. Dabei wurde ein neues Finanzierungsmodell erdacht. Es wurde eine Gesellschaft gegründet (namens: „Arpegio“), die sämtliche Finanzierungsaktivitäten durchführen sollte. Der Gesellschaft wurde staatlicher Grund und Boden vermacht. Sobald dort neue Metrolinien hingeführt wurden, stieg der Wert des Grundbesitzes rapide an und mit dem dann folgenden Verkauf des Landes wurde ein Teil des weiteren Ausbaus finanziert. So wurde nach der Seouler U-Bahn, die Madrider Metro die schnellst wachsendste ihrer Art auf der Welt. Die Ausbaukosten wurden dabei niedrig gehalten und lagen bei rund 31 Mio.€ pro km (die neu angelegte Londoner Jubilee Line soll ungefähr 10mal teurer gewesen sein). 1995 wurde der Ring der Linie 6 geschlossen, seitdem ist es die meistfrequentierte Linie. 1998 wurde die Linie S nach Norden verlängert und dort mit der Linie 8 verbunden und die neue Strecke als Linie 10 (die jetzt von Nord nach Süd die Stadt kreuzte) neu eröffnet. Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Linie zum Flughafeneingeweiht, die die Bezeichnung der Linie 8 bekam. Jährlich kamen nun neue Abschnitte hinzu, die Linie 7 wurde auf das zweieinhalbfache ausgebaut, die Linie 9 wurde nach Arganda del Rey verlängert und verließ damit erstmals die Stadtgrenzen. Den Höhepunkt der Ausbauarbeiten gelang am 11.3.2003, wo 47km neue Streckenlänge an einem Tag übergeben wurden (die Verlängerung der Linie 10 in die südlichen Vororte und die daran anschließende Vortort Ringmetro „MetroSur“, die Linie 12). Die Linie 11, im Süden der Stadt, kam hinzu und bis 2007 erfolgte sowohl Stationsausbauten als auch zahlreiche Verlängerungen der Linien. Auch 2007 wurden noch drei weitere straßenbahnähnliche Linien, die Metro Ligero an das Netz angeschlossen (die allerdings getrennt bezahlt werden müssen). Diese führen in weniger dicht besiedelte Gegenden, zumeist in Vororte.

Madrider Metro heute

Heute ist die Madrider U-Bahn die 8.größte Metro der Welt (das ist insofern äußerst beeindruckend, als die Metropolregion Madrid wohl nur zu den weltweiten Top 50 gehört). Die einzelnen Stationen erzählen noch heute die Geschichte ihrer Herkunft. Die Ältesten sind meist noch recht eng, während die neusten Stationen, weiträumig, lichtdurchflutet und behindertengerecht gestaltet sind. Bis 2020 bestehen weitere Ausbaupläne für die Metro, sowohl was ihre innere Verzweigung in der Stadt, als auch ihre Herauswachsen in Vororte betrifft. Alle Stationen sind sauber und gepflegt, wobei die schmalen älteren Bahnhöfe schnell für große Menschen gefährliche Tiefen haben. Die Taktung beträgt in der Hauptverkehrszeit 2 bis 4 Minuten und die Züge verkehren von 6:00 bis 1:30 Uhr. Die Einzelfahrt beginnt ab einem Preis von 1,50€ (10 Fahrten kosten 12,20€). Tickets können aber nur innerhalb des Metronetztes verwendet werden, eine Kombination mit Bus, S-Bahn oder Straßenbahn ist nicht möglich. Trotz zahlreicher Preiserhöhungen in den letzten Jahren ist das Benutzen der Metro immer noch vergleichsweise billig und vor allem ist es sehr schnell. Betrachtet man noch, die außerordentliche Sauberkeit in Zügen und Stationen so kann man feststellen, dass die Metro de Madrid zu den besten ihrer Zunft gehört, was die Stadt durchaus Stolz machen sollte.

urban facts Dresden

Allgemeine Daten:

Einwohner (Ballungsraum) 2014 536.303 (760.000)
Einwohnerentwicklung 2012-13 +1,08%
Fläche 328,31 km²
Bevölkerungsdichte 1634 Einw/km²
Geographische Höhe 113m (Altmarkt) Stadtgebiet zwischen: 102m-383m
Niederschlagsmenge /Regentage / Sonnenstunden pro Jahr 662mm / 114 / 1570
Fluss Elbe
KfZ-Kennzeichen DD

 

Infrastruktur:

Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP – liberal, wirtschaftsfreundlich)
Verwaltungstechnische Bedeutung Landeshauptstadt Sachsens
Anzahl Besucher im Jahr Ca. 7 Mio. Gäste bei 1,9 Mio. Übernachtungen (2011)
Verkehr Flughafen Dresden (DRS; eröffnet 1935; 1,76 Mio; PAX 2014; 16.größter Flughafen Dtl. ; 1 Landebahnen, 1 Terminals; 9km N der Innenstadt)
Hauptbahnhof Dresden (eröffnet: 1898; ca. 60.000 Reisende täglich in 381 Zügen, davon 50 im Fernverkehr)
ÖPNV S-Bahn: 3 Linien bei 127km Streckenlänge auf 47 Stationen und ca. 36.000 Nutzer täglich (2013); seit 1974 besteht das S-Bahn Netz Dresden, geringster Takt 30min!

Straßenbahn: eröffnet 1873, seit 1893 erste elektrisch betriebene Straßenbahn; 12 Linien auf 213km Linienlänge bei 259 Haltestellen
Bus: 28 Buslinien auf 307km Linienlänge

dazu noch 2 Bergbahnen und 3 Elbfähren

ÖPNV Eigentümlichkeiten Tagesticket für Stadt Dresden für alle ÖPNV Angebote kostet 6€;

Dresden besitzt keine U-Bahn, dafür fahren viele Straßenbahnen die Nacht durch

Entfernung nach… Berlin 190km (Auto: 2h; Bahn:2h10min)

Leipzig 115km (Auto: 1h15min; Bahn: 1h5min)

Prag 148km (Auto: 1h40min; Bahn: 2h18min)
Breslau 260km (Auto: 2h30min; Bahn: 3/2015 eingestellt)
nächster Ort über 500.000: Leipzig 115km
nächster Ort über 1000.000: Prag 148km

 

Kultur / Geschichte:

Universität Technische Universität Dresden (gegründet 1828, Universität seit 1961; Studenten 36.737 (WS 14/15); 12. Größte Uni Dtl. und größte Ostdeutschlands
sowie 9 weitere Hochschulen
Anzahl Museen Ca. 50, darunter „Alte Meister“, „Neue Meister“ und das „Grüne Gewölbe“, „Dt. Hygiene Museum“, „Militärhistorisches Museum“
Größten jährlichen Feste Bunte Republik Neustadt; Stadtteilfest der „Äußeren Neustadt“ an einem Wochenende im Juni, ca. 150.000 Besucher;
Elbhangfest; fest entlang des Elbhanges (Loschwitz bis Pillnitz) an einem Wochenende im Juni, ca. 80.000 Besucher
Sportvereine der Stadt Fußball: SG Dynamo Dresden: gegründet: 1953; 8x DDR-Meister; 7x DDR-Pokalsieger; 1x EC3-HF; mit 16.000 Mitglieder, größter Verein der neuen Bundesländer; Ø-Zuschauer 2014/15: 22.748 @ Stadion Dresden (32.066 Plätze)
Eishockey: Dresdner Eislöwen: gegründet 1990; Ø-Zuschauer 14/15 Hauptrunde: 2.777@ EnergieVerbundarena (4.200 Plätze)
Volleyball (Frauen) Dresdner SC: gegründet 1990; 4x Dt.Meister, 3xPokalsieger; 1x europ. ChallengeCup Sieger; Ø-Zuschauer 14/15: 2.746 @ Margon Arena (3.000 Plätze)American Football: Dresden Monarchs: gegründet 1992; 1.Dt. Vizemeister; Ø-Zuschauer: 1.892 2014 @ Heinz-Steyer Stadion (ca. 4.500 / Umbau)
Tageszeitung der Stadt (Auflage) Sächsische Zeitung (SZ); gegründet 1946; Mo-Sa, tägliche Auflage: 230.000 (2015)
Dresdner Neueste Nachrichten (DNN); gegründet 1990; Mo-Sa, tägliche Auflage: 23.000 (2015)
Biersorte des Ortes: Feldschlösschen, gehört zum Carlsberg Konzern;
Radeberger, gehört zu Dr.Oetker
zahlreiche Mikro-Biere: Lenin-Hanf oder VierVogel-Pils
Erste urkundliche Erwähnung 1206
Gegründet von: Slawen; der Name Dresden geht auf das slawische „Drežďany“ (=„Auwaldbewohner“) zurück
Großstadt seit 1852 (früher nur Berlin, Hamburg und Breslau)
Das entscheidende Jahr 1945 (in der Nacht vom 13. zum 14.2 werden erhebliche Teile der Stadt durch einen Bombenangriff zerstört; ca. 25.000 Menschen sterben)
Meisten Einwohner im Jahr 1933: 642.143
Man trifft sich am: Albertplatz
Kneipenviertel: Äußere Neustadt, Weiße Gasse, Hechtviertel
City Branding Elbflorenz

 

Wirtschaft / Attraktivität:

Sehenswürdigkeit Nr.1 Zwinger
Architektonisches Highlight Kristallpalast Kino (Coop Himmelb(l)au)
Höchstes Gebäude Fernsehturm 252m
Meist fotografiertes Gebäude Semperoper, Zwinger
Tags: Residenzstadt, Universitätsstadt, Stadt am Fluß
Anzahl Kulturdenkmäler Ca. 13.000 (Link zum Themenstadtplan)
Anzahl Starbucks 3
Konzernzentralen von Nicht vorhanden
Anzahl Pendler 2013 86.000 Einpendler und 46.000 Auspendler
Mindest- und Maximalbetrag  der am Bankautomaten angezeigt wird 10 /500
Straftaten auf 100.000 Einwohner 11.365 (14. Platz in D)
Kaufkraftindex in EU (oder Region) 115 (im Vergleich zu EU27); 90 (im Vergleich D)
BIP pro Einwohner 30.200 (2008)
Arbeitslosenquote 8,4% (2014)

 

Bevölkerungsentwicklung:

Von 1453 bis 1800

1453 1546 1588 1603 1633 1648 1699 1727 1755 1800
3.100 6.500 11.500 14.973 7.600 16.000 21.298 46.472 63.209 61.796

 

Von 1815 bis 1910

1815 1830 1834 1840 1852 1861 1875 1890 1900 1910
50.327 61.886 66.133 82.014 104.199 128.152 197.295 276.522 396.146 548.308

 

Von 1919 bis 2010

1919 1933 1939 1945 1950 1970 1987 1998 2005 2010
529.326 649.252 629.713 368.519 494.187 502.432 521.205 452.827 495.181 523.058

 

Konsumgenossenschaft Vorwärts

Über fünf Jahre lang führte mich der tägliche Weg zur Arbeit an einem alten verlassenen Lagerhaus vorbei, dass mich schon als Kind beeindruckte, nur dass ich nicht den Namen des Bauwerks kannte. Das Dresden meiner Kindheit hatte viele solcher alter und runtergekommener Häuser, die nicht selten verlassen waren, wie beispielsweise der Erlweinspeicher, für mich damals ein Schandfleck am Elbufer und das erste Opfer, sollte ich mal Sprengmeister werden. Heute ist es beachtenswerterweise ein vier Sterne Hotel.
Etwas anderes war es mit der Konsumgenossenschaft „Vorwärts“, von der hier die Rede sein soll. Das Gebäude liegt nur etwas südlich der Stadtmitte Dresdens, jedoch ist es recht versteckt. Die am Haus vorbeiführende Fabrikstraße endet offiziell nur wenige hundert Meter weiter unter der Nossener Brücke ohne dass irgendein Ort von Interesse in dieser Gegend wäre, wenn man vom Kraftwerk Nossener Brücke absieht. Die auf der anderen Seite des Bauwerks entlangführende Bahntrasse kennt hier keinen Haltepunkt. Trotzdem reichen meine Erinnerungen, lange zurück an den dunklen Klinkerbau, in der schmutzigen weil, industriell geprägten Gegend, in die man außerordentlich selten kam. Doch dieses Haus hatte etwas. Ich denke, ich war vor allem von den langen horizontalen Fensterreihen beeindruckt. Auch war mir so recht nie klar, wofür dieses Haus eigentlich gebaut wurde. Doch erst mit der Zeit meiner täglichen Arbeitswege fiel meine Beachtung stärker auf den rötlichen Backsteinbau.

Das mit der Straße eine leichte Kurve vollziehende Gebäude, des Fleischverarbeitungsbetriebs der  Konsumgenossenschaft „Vorwärts“, wurde von 1927 bis 1930 gebaut. Geplant hatte es der Dresdner Architekt Kurt Bärbig. Das sechsgeschossige Haus sollte Teil eines großen Komplexes für die Nahrungsmittelproduktion der Stadt werden. Dessen Ausführung wurde aber nie beendet, da die Weltwirtschaftskrise einen Weiterbau stoppte. Das bestehende Bauwerk ist durch einen Tunnel mit einer Wagenhalle auf der gegenüberliegenden Straßenseite verbunden. Diese von Karl Schmidt geplante Halle ist leider auch nicht mehr benutzt, seit dort vor einigen Jahren eine Go-Cart Bahn auszog.

Das heute leider leer stehende Haus der Konsumgenossenschaft besteht aus zwei Flügeln, die in einem stumpfen Winkel durch einen gläsernen Turm verbunden werden, der allerdings gegen Vandalismus geschützt, mit Brettern verdeckt wird. Bärbig hat sich mit diesem Haus eng an den Stil des Architekten Erich Mendelsohn gehalten, besonders deutlich wird dies mit den horizontalen über die geschwungene Ecke verlaufenden Fensterreihen. Dieser dem Typus der Neuen Sachlichkeit verbundene Stil, zeigt auch heute noch eine schlichte Eleganz und eine wunderbar unaufdringliche Dynamik. Untypisch für Dresden ist das Haus ein mit Klinkern verkleideter Stahlskelettbau. Alle Freunde moderner Architektur können nur hoffen, dass sich in absehbarer Zukunft eine neue Nutzungsmöglichkeit für dieses schöne und mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude finden wird.

mein Dresden

Wenn man Dresdner sagen hört: „mei Drähsdn“ dann mischt sich in diese Aussage Liebe zur eignen Stadt (die gern mal verblendet bzw. anderes ausblendet) und Stolz, diese Stadt irgendwie als ein Eigentum zu betrachten. Beides ist nachvollziehbar, wenngleich nicht immer sympathisch. Vollkommen anders wird es in dieser Rubrik nicht zugehen. Hier soll es bei „mein Dresden“, um Gebäude der Stadt gehen, mit denen ich etwas verbinde, was mich wiederum an diese Stadt bindet. Das sollen Persönliche Erinnerungen sein, die sich umklammern mit einem genaueren Blick auf das Bauwerk. Dafür müssen nicht gleich die markanten Wahrzeichen der Stadt, wie Zwinger und Semperoper betrachtet werden. Vielmehr ist mir wichtig, dass zu zeigen, was für mich Dresden ausmacht.

Konsumgenossenschaft Vorwärts | Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek | Gläserne Manufaktur

Dresden

Geschichte Dresdens | urban facts | mein Dresden | Dresdner Bahnhöfe (in Planung) | Mythos Dresden (in Planung)
in der Nähe: Altenburg (110km W) | Chemnitz (75km NO) | Leipzig (110km NW) | Meißen (25km NW) | Mühlberg (70km NW) | Torgau (95km NW) | Ústì nad Laben (70km SO)

Wenn ich über Dresden schreibe, muss ich einige persönliche Hinweise vorn an stellen. Ich bin Dresdner, wurde hier geboren und wohne größtenteils hier. Mein Blick auf die Stadt ist immer emotional aufgeladen. Ich kenne keine Stadt, die mich so zur Verzweiflung bringt, die aber immer auch durch ihre Schönheit und Vertrautheit, mir ebenso großen Wohlgefallen bereitet. Ich denke, ich kenne keine Stadt besser als Dresden und obwohl sich Städte ständiger Wandlung unterziehen, bin ich ebenso überrascht, dass geradezu ewig alte Klischees immer wieder auftauchen, aber auch, wie Neues in der Stadt zu sehen ist, das mich teils befremdet, teil angenehm überrascht.
Deshalb wird die Auseinandersetzung mit Dresden etwas anders verlaufen. Natürlich wird ein Blick auf die Stadtgeschichte nicht fehlen und auch die Daten und Fakten von urban facts werden zu finden sein. Daneben wird es persönliche Blicke auf Gebäude und Gebäude-Ensemble in Dresden geben, die vielleicht etwas pathetisch „mein Dresden“ genannt werden. Letztendlich soll auch versucht werden, die städtische Eigenlogik Dresdens einzufangen, was sicherlich ein höchst schwieriges Unterfangen ist.

Lleida

Die katalanische Stadt Lleida (auf spanisch: Lerida) wirkt von Ferne, durch das flache Land des Segre Tals kommend, durchaus gigantisch. Das liegt an der Burg und der Alten Kathedrale, die über der Stadt thronen. Beim zweiten Blick legt sich der anfängliche Optimismus ein wenig, obwohl Lleida zweifellos einen Reisestopp wert ist. Die Provinzhauptstadt hat mit rund 140.000 Einwohnern ungefähr so viele Bewohner wie Tarragona und ist (wenn man die Vorstädte Barcelonas ignoriert) streitet mit dieser um den Status der 2. größten Stadt Kataloniens. Sie ist ein regionaler Verkehrsknotenpunkt mit einem AVE Schnellzugbahnhof und hat seit 2010 sogar einen eigenen Flughafen, dessen Verkehr allerdings sehr überschaubar ist (2 Flüge pro Woche auf die Balearen).

Lleida hat auch eine bewegte Geschichte und ist eine der ältesten Städte Spaniens. Schon in der Bronzezeit soll die Gegend besiedelt gewesen sein, bekannt wurden die beiden iberischen Stammesführer Indíbil, König der Ilergetes und Mandoni, König des Ausetanier, die sich hier im 3.Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erfolgreich gegen eine phönizische und später römische Invasion gewehrt haben. Sie gelten als die mächtigsten der iberischen Stammeskrieger jener Zeit. Letztendlich wurde Lleida (das zur damaligen Zeit Iltrida oder auch Ilerda genannt wurde) aber doch Teil des römischen Reiches und Teil der Provinz Hispania Tarraconensis, wo es keine unbedeutende Stellung hatte, da es auch als Handelsknotenpunkt gut erreichbar war. Als ein municipium hatte es sogar das Recht eigene Münzen zu prägen. Schon damals baute man eine Steinbrücke über den Segre (der übrigens der längste Nebenfluss des Ebros ist). Nachdem die Westgoten und die Mauren die Stadt beherrschten, wurde Lleida 1149 von Raimund Berengar IV. von Barcelona erobert und zum Teil des Königreiches Aragon gemacht. 1297 wurde hier die erste Universität auf dem Boden der Krone Aragons gegründet (die drittälteste Spaniens), welche 1717 nach Cervera verlegt wurde und sich hier 1991 wieder gegründet hat. Im spanischen Bürgerkrieg wurde die Stadt Opfer zahlreicher frankistischer Bombenangriffe, da sie als wichtige Verteidigungslinie für Barcelona fungierte. Am 2.November 1937 beispielsweise zerbombte die deutsche Legion Condor die Stadt und tötete dabei 300 Menschen, darunter 48 Kinder einer Schule.1938 schließlich fiel Lleida an die Truppen Francos. Einen großen Bevölkerungsschub entwickelte Lleida in den 1960er Jahren, als insbesondere viele Menschen aus dem verarmten Andalusien sich hier ansiedelten. Heute ist die Stadt Heimat für Menschen aus 146 Nationen.

Abschließend ein paar Bilder aus Lleida: