Málaga

urban facts Málaga

Málaga ist die am südlichsten gelegene Stadt mit mehr als einer halben Millionen Einwohner in Europa. Sie ist die zweitgrößte Stadt Andalusiens und die sechstgrößte Spaniens. Vor allem ist sie so etwas wie der Ausgangshub für die Touristenströme der Costa de Sol. So ist es nicht verwunderlich, dass Málaga sechs Millionen Touristen pro Jahr zählt, obwohl die Stadt sicherlich nicht allein wegen ihrer Reize aufgesucht wird. Málaga gehört eher zu solchen Städten, die besucht werden, weil sie der Ausgangspunkt einer reich frequentierten Urlaubsgegend sind. Damit möchte ich die Stadt keineswegs schlecht machen, denn Málaga ist definitiv eine Reise wert, egal ob man nun als Tagestourist von der Costa del Sol kommt, oder extra nur wegen der Stadt.

Málaga hat eine weitreichende Geschichte und wurde wohl schon im 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von den Phöniziern gegründet, welche die Stadt Malaka nannten. Auf was dieser Name sich bezieht, ist in der Forschung umstritten, da er sowohl mit der in der Gegend reichen Garumfabrikation („Garum“ ist eine in der Antike äußerst populäre Würzsoße) zu tun haben kann und auf das Wort „Salz“ zurückgeht oder aber auf den ebenfalls in Cádiz verehrten Gott Melkart. Wie auch immer dem sei, nach langer Herrschaft Karthagos, fiel Malaka nach dem 2. Punischen Krieg an das Römische Reich, wobei es erst zur Provinz Hispania Ulterior, später, nach der Gebietsreform, zur Provinz Baetica gehörte. Málaga war ein Handelsplatz und weiterhin berühmt für seine Salzfischherstellung. Das die Stadt nicht unbedeutend war, können noch heute die Ruinen des Amphitheater bezeugen, deren Reste man unterhalb der Burg besichtigen kann.
Nach der Völkerwanderung setzte auch im Süden der iberischen Halbinsel die westgotische Herrschaft ein (571), welche aber nicht viel mehr als 100 Jahre hielt. Als die Mauren 711 über die Straße von Gibraltar kamen und den Großteil der iberischen Halbinsel eroberten wurden die Westgoten vertrieben. Von nun an nannte sich die Stadt Mãlaqa, stand in Südspanien aber klar im Schatten der mächtigen Stadt Cordoba. Im frühen 11. Jahrhundert, als das Kalifat von Cordoba zerfiel, errichteten die Hammudiden in Mãlaqa eine ihrer Residenzen, wobei schon 1053 der Enkel des Herrschers von Granada die Macht in der Region übernahm und in Konkurrenz zum nasridischen Emirat stand.  Später wurde Malaga und sein Umland jedoch in das nasridische Emirat aufgenommen, bevor es 1487 im Zuge der Reconquista wieder an die Katholischen Könige und Spanien ging. Danach wurde das alte Bistum Málaga (das bereits unter den Westgoten angelegt wurde) wieder belebt und Málaga wurde zu einer bedeutenden Hafenstadt Spaniens, wenngleich im Schatten von Sevilla oder Cádiz liegend.
Zwei Kriege warfen noch ihre Schatten über die Stadt, 1704 fand im spanischem Erbfolgekrieg die größte Seeschlacht des Krieges vor der Küste Stadt (genauer vor Vélez-Málaga, was heute noch eine eigenständige Stadt ist und rund 30km östlich von Málaga liegt).  Bedeutender war aber noch die Schlacht von Málaga im spanischen Bürgerkrieg. Von Beginn des Krieges an, war die Stadt Frontort zwischen den franquistischen Armee und den republikanischen Kräften, Anfang Februar 1937 gelang es den Franquisten nach einer Woche intensivem Kampfes, die Stadt zu erobern. Als die franquistischen Truppen sich der Stadt von Westen aus näherten, flohen eine Vielzahl der Einwohner in Richtung Osten und wurden von spanischen und deutschen Militärfliegern daraufhin bombardiert.  In der eingenommenen Stadt soll es nach der Einnahme noch zahlreiche Massenerschießungen gegebene haben. Obwohl wohl mindestens 5.000 Menschen dabei ihr Leben lassen mussten, wurden erst nach dem Tod Francos dieses Ereignis thematisiert. Erstaunlicherweise wird im heutigen Spanien allenfalls auf lokaler Ebene in Málaga diesem Verbrechen gedacht. Zu jener Zeit war Málaga schon zu einer Industriestadt geworden. In den 1950er Jahren wurde die Costa del Sol zum ersten Touristengebiet Spaniens ausgebaut, dadurch wurde Málaga zum Ausgangspunkt und Drehkreuz für die neuen Ströme von Sonnenhungrigen und Badefreunden. Der Nachbarort Torremolinos gilt als der erste Ort des Massentourismus im Land. Ein neuer Masterplan zur Stadtentwicklung des Architekten González Edo wird in den 1950er Jahren umgesetzt.

Das heutige Málaga teilt sich grob in zwei Teile, die vom Fluss Guadalmedina getrennt werden, der hier ins Mittelmeer mündet. Dabei bietet der Fluss aber keinerlei Stadtsilhouette, denn an seinem kanalisierten und trockenen Flußbett befinden sich nur unscheinbare Bauten. An den östlichen Gefilden befindet sich die Altstadt mit ihren engen Gassen, dem Hafen, der Mole und der Burg. Westlich des Flusses erstreckt sich das neue Málaga, mit eher zweckdienlichen Bauwerken bis hin zum Fluss Guadalhorce, der ebenso ins Mittelmeer mündet. Während die Neustadt nicht wirklich sehenswert ist, bietet die Altstadt einige Sehenswürdigkeiten. Dominiert wird sie von der Alcazaba, der maurischen Festung, die auf einem Berg neben der Altstadt liegt. Gleich daneben befindet sich die prächtige Kathedrale der Stadt, welche auch „La Manquita“, die „Einarmige“ genannt wird, da ihr zweiter Turm nie vollendet wurde. Dahinter kann man durch die engen Gassen der Stadt schlendern, die von zahlreichen Besuchern frequentiert werden und in deren Bars kann man nicht nur den hier köstlichen Schinken der Region, sondern auch gegrillte Sardinen Spieße bekommen

Auch zum Wasser hin wurde in den letzten Jahren versucht, Málaga aufzuwerten, wie mit dem Neubau des Museums Pompidou am Hafenbecken, das Teil einer unspektakulären aber angenehmen Hafenpromenade ist. Gerade die zahlreichen Museen machen Málaga sehr sehenswert (darunter zahlreiche Kunstmuseen). So darf man auch nicht vergessen, dass Pablo Picasso in der Stadt geboren wurde und gleich zwei Einrichtungen über ihn und seine Werke informieren.        

Altenburg

32.910 Einwohner | 46km²| Kreisstadt des Landkreises Altenburger Land | 202m über dem Meer gelegen | 45km S von Leipzig | 110km W von Dresden

Altenburg ist für mich eine besondere Stadt. Aber das ist sie nicht nur mich, jeder Skat Fan, wird zumindest mal ein Blatt aus der Geburtsstadt des bekanntesten deutschen Kartenspiels gekloppt haben. Altenburg war aber sogar einmal eine Residenzstadt, was das Schloss der Stadt eindrucksvoll zeigt und die Stadt, die zwischen dem Ende der Leipziger Tieflandsbucht und dem Anfang des Erzgebirgsvorlandes liegt, ist ungefähr gleich nah an Leipzig, Chemnitz, Gera und Zwickau gelegen.

Eine erste Burganlage soll wohl um 500 durch die Slawen entstanden sein, die erste urkundliche Erwähnung Altenburgs geht aber erst auf das Jahr 976 zurück, damals war Altenburg aber bereits den Slawen entrissen und das Dokument bestätigt die Schenkung der Stadt an das Bistum Zeitz. Die Burganlage auf dem Porphyritfelsen wurde weiter ausgebaut und diente auch als Kaiserpfalz, die unter anderem der große Friedrich I. Barbarossa sechsmal besuchte (weshalb man sich hier auch den Spitznamen Barbarossa-Stadt gern gefallen lässt). Gleich neben der Burg wuchs die Siedlung, deren weiterer Vorteil es war, dass die Via Imperii hier entlang führte. Im 12. und 13. Jahrhundert war Altenburg eine wichtige Stadt in den deutschen Landen, Kaiser hielten sich hier oft auf und der Ort wuchs beständig.
Ab dem 14. Jahrhundert gehörte Altenburg zur Mark Meißen, behielt aber sein Stadtrecht bei. 1455 kam es zum Altenburger Prinzenraub, als der Ritter Kunz von Kauffungen, die Prinzen Ernst und Albrecht (welche später die Leipziger Teilung Sachsens durchführen sollten) entführte, um Forderungen an den Kurfürsten zu stellen. Der Raub jedoch misslang alsbald und Ritter Kunz verlor seinen Kopf, auf dem Freiberger Marktplatz. Mit der Leipziger Teilung 1485 fiel Altenburg an die ernstinische Linie Sachsens. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts setzte sich die Reformation in Altenburg durch. Nach der Schlacht von Mühlberg und den herben Verlusten, welche die ernstinische Linie Sachsens hinnehmen musste, kam Altenburg kurzzeitig zum albertinischen Sachsen, nachdem Naumburger Vertrag von 1554 aber wieder zum nunmehr Herzogtum Sachsen genannten Gebiet der Ernstiner. Diese setzten jedoch verstärkt auf Landesteilungen, wenn der bisherige Machthaber verstarb, was zu vielen kleinen Staatsgründungen führte. 1603 entstand so das Herzogtum Sachsen-Altenburg, dass bis 1672 bestand hatte und zu deren Residenzstadt Altenburg wurde. In diese Zeit fiel auch der 30jährige Krieg (1618-48), der Altenburg, so wie ganz Deutschland, hart zusetzte und zu erheblichen Verlusten führte. Nachdem Tode des Herzogs Friedrich Wilhelm III. wurde Altenburg an Sachsen-Gotha-Altenburg angegliedert, war aber keine Residenzstadt mehr.
Als Napoleons Frankreich den Rest Europas unruhig machte, trat Gotha-Altenburg dem napoleonischen Rheinbund bei, doch auch wenn die entscheidenden Schlachten (Jena-Auerstedt 1806 und die Völkerschlacht bei Leipzig 1813) nicht wirklich weit von Altenburg entfernt stattfanden, so war im Nachhinein die Erfindung des Skatspiels um 1810 das, was heute noch mit der Stadt verbunden wird und so trägt Altenburg mit großem Stolz den Titel Skatstadt (über dessen Geschichte man sich in einem eigenen Museum im Schloss informieren kann). 1826 starb die royale Linie Sachsen-Gotha-Altenburg aus, was zu einer Reorganisation der Ernstinischen Herzogtümer führte. Ergebnis war das Herzogtum Sachsen-Altenburg, dessen Hauptstadt wiederum Altenburg wurde. Aus diesem sollte 1918 der Freistaat Sachsen-Altenburg werden, der wiederum 1920 im Land Thüringen aufging, zudem Altenburg nach dessen Auflösung und Wiedereinführung auch heute noch gehört.
Die industrielle Entwicklung beschleunigte sich im 19. Jahrhundert in Altenburg, die Stadt wuchs und schon 1836 gab es 36 Fabriken auf städtischem Territorium. 1842 bekam Altenburg bereits einen Eisenbahnanschluss an Leipzig (als erste thüringische Stadt) und bis zum Ende des Jahrhunderts wurde Altenburg zu einer Industriestadt, um 1900 war beispielsweise das Altenburger Hutmacherhandwerk weltbekannt und führend. Das 20. Jahrhundert mit seinen zwei großen Kriegen und deren Folgen setzten auch Altenburg zu, trotzdem erreichte die Stadt 1981 ihren Bevölkerungshöhepunkt mit 55.827 Einwohnern. Trotz zahlreichen Eingemeindungen ist die Zahl bis heute auf knapp 32.000 Menschen zurückgegangen und so liegt das Mittelzentrum heute zwischen Sachsen und Thüringen.

Torgau

20.047 Einwohner | 103km² | 78m über dem Meer | an der Elbe gelegen | Kreisstadt von Nordsachsen | 55km NO von Leipzig | 95km NW von Dresden

Torgau liegt in Sachsen irgendwie am Rande und man ist geneigt es zu übersehen. So bin ich interessanterweise in Madrid darauf gestoßen, dass Torgau ein interessantes Reiseziel sein könnte. Im  Kunstmuseum Prado hängt das Gemälde „Hirschjagd zu Ehren Kaiser Karl V. vor Schloss Hartenfels“ von Lucas Cranach dem Älteren und hinter den beeindruckenden Jagdszenen, ragt das weiße Schloss heraus. Wenngleich das Bild zugunsten der Erzählung der Jagdszenen von der Realität abweicht (die Jagd zwischen dem Kaiser und dem sächsischen Kurfürsten hat so nie stattgefunden, es war vielmehr ein symbolisches Geschenk des Fürsten an den Kaiser), so ist das Schloss doch sehr eindrucksvoll dargestellt. Und tatsächlich thront noch heute Schloss Hartenfels über der Stadt und über der Elbe und seine mächtige Dominanz zeigt an, dass Torgau mal einige Bedeutung gehabt haben musste. 

Die Geschichte der Stadt geht zurück auf eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 973 als „Torgove“. Der Name ist altsorbischen Ursprungs und verweist auf die Existenz eines Marktes. Wann aus diesem Ort eine Stadt wurde ist nicht bekannt, jedoch wird sie für die sächsische Geschichte von Bedeutung, als 1485 die Leipziger Teilung stattfindet. In dieser werden die sächsischen Gebiete zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht III. aufgeteilt. Ernst, der die Kurwürde weiter behält, ist der Begründer der nach ihm dann benannten ernstinischen Linie. Da die Albrechtsburg in Meißen, die bisherige Hauptresidenz der Wettiner, an Albrecht ging, musste eine neue Residenz gefunden werden. Als 1486 Ernsts Sohn, Friedrich III. von Sachsen, an die Macht kommt, wählte er dafür Torgau aus.

Das Unterfangen bedurfte eines angemessenen Herrschaftshauses. Unter der Leitung von Konrad Pflüger wurde im späten 15. Jahrhundert der Schlossbau begonnen, der dann im 16. Jahrhundert von Konrad Krebs fortgeführt wurde. Erbaut wurde das Schloss im Stil der Renaissance und gerade für Deutschland ist Hartenfels das bedeutendste Bauwerk der Frührenaissance. Die 20m hohe freitragende Wendetreppe, die wohl zwischen 1533 und 1535 errichtet wurde gilt als eine Meisterleistung seiner Epoche. Kapelle und Schlosskirche wurden 1543/44 gebaut, in der Zeit als die Lehre des Protestantismus sich in Mitteldeutschland durchsetzte. Schloss Hartenfels wurde zum Zentrum der deutschen Reformation (im Zuge der Geschichtsschreibung der Reformation wird Torgau auch gern als die Amme der Lutheranismus genannt).  Und so war es auch Martin Luther, der aus dem Nahen Wittenberg öfters Torgau besuchte, der die Schlosskapelle 1545 weihte, den wohl ersten protestantischen Neubau der Geschichte.

Zwischen 1546 und 1547 brach der Schmalkaldische Krieg aus, der zwischen dem protestantischen „Schmalkaldischen Bund“ um Kursachsen und Hessen und dem Heer des katholischen Kaisers geführt wurde und mit einer Niederlage der Protestanten in der Schlacht von Mühlberg endete. Kurfürst Johan Friedrich I. wurde gefangen genommen und musste in der Wittenberger Kapitulation nicht nur seine Kurwürde, sondern auch weite Teile seines Reiches abtreten. Diese fielen an den Sachsen der albertinischen Linie, Moritz, welcher zwar ebenso Protestant war, aber im Zuge seiner Machtpolitik mit dem katholischen Kaiser kämpfte. So fiel Torgau an die albertinische Linie, die aber Dresden zu ihrer Residenz machte und aus dem Schloss Hartenfels wurde ein Verwaltungsbau.

Damit verbunden schwand die Bedeutung Torgaus, wenngleich es für die reformatorische Bewegung weiterhin von großer Bedeutung war. 1552 starb Katharina von Bora, die Witwe Luthers in der Stadt, die sich eigentlich vor der Pest in Wittenberg in Sicherheit bringen wollte. Auf der Fahrt nach Torgau hatte sie jedoch einen Kutschenunfall und  verstarb wenig später in Torgau.

Etwas weniger als 200 Jahre später fand in der Nähe der Stadt die Schlacht bei Torgau statt, die letzte große Schlacht des Siebenjährigen Krieges. Im Kampf zwischen Preußen und Habsburg siegten die Preußen, aber über 30.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Preußen verlor rund ein Viertel, die kaiserlichen Österreicher fast ein Drittel ihrer Armee, weshalb diese Schlacht auch als eine der blutigsten des 18.Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingeht. 1811, als das napoleonische Frankreich die Welt in Atem hält, lässt der sächsische König Friedrich August I. (der in einer Koalition mit Frankreich steckt), auf Wunsch von Napoleon, die Stadt Torgau zur Festung ausbauen. Doch Napoleon verlor und mit ihm Sachsen, dass im Wiener Kongress, der die Nachkriegsordnung regelte, scharf bestraft wurde. Unter anderem fiel Torgau an Preußen. Diese ließen die Festung weiter ausbauen, stellten das Vorhaben später aber ein, als Festungsausbauten militärisch keinen großen Sinn mehr machten.
Weltgeschichte spielte sich am 25.April 1945, dem Tage der Begegnung an der Elbe ab, als sich amerikanische und sowjetische Truppen an den jeweiligen Flussufern trafen und damit das Ende des 2.Weltkrieges in Europa einleuteten. Dieses Treffen fand eigentlich in Strehla bei Riesa statt, wurde aber einen Tag später für die Weltöffentlichkeit in Torgau, vor der zerstörten Elbebrücke, nochmals in Szene gesetzt und bleibt mit der Stadt Torgau verbunden. Nachdem Ende der DDR und einer Verwaltungsreform gehört Torgau seit 1990 wieder zu Sachsen und ist heute Verwaltungssitz des Kreises Nordsachsen.

Mühlberg/Elbe

Mühlberg ist der einzige Ort in Brandenburg, der an der Elbe liegt, weshalb er offiziell auch Mühlberg/Elbe heißt.   Das Städtchen hat 3.800 Einwohner und befindet sich auf halbem Wege zwischen Riesa und Torgau. Erstmals erwähnt wurde Mühlberg um 1230, damals wurde eine Burg errichtet, die den flachen Übergang an der Elbe sichern sollte. Die ersten Burgherren waren die Ministerialien von Eilenburg (namentlich damals Ileburg), welche 1228 auch das Kloster Marienstern gründeten. Etwa 60 Nonnen lebten und arbeiteten hier nach den Regeln des heiligen Benedikt. Im Mittelalter erlebte das Kloster seine Blütezeit, doch im Zuge der Reformation wurde das Zisterzienserinnenkloster 1539 säkularisiert und damit aufgelöst. Die Nonnen siedelten ins Kloster Heiligkreuz nach Meißen über. Die Kirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und im Stil der Gotik erbaut ist, wurde als protestantisches Gotteshaus weiter genutzt, während die Güter an weltliche Herren gingen. Seit 2000 wird es als ökumenisches Zentrum wieder mit kirchlichen Leben gefüllt.
Am Ende des 13. Jahrhunderts entstand in unmittelbarer Nähe, die Neustadt von Mühlberg, die 1346 mit der Altstadt vereinigt wurde, so entstand eine mittelalterliche Doppelstadt, deren Grenzen man auch heute noch erahnen kann.


Mit der Reformation ist auch das wichtigste Ereignis der Stadtgeschichte verbunden, die Schlacht von 1547, während des Schmalkaldischen Krieges. In jener besiegte das Heer des katholischen Kaisers Karl V. die protestantischen Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Damit löste sich der Schmalkaldische Bund auf und Kurfürst Johan Friedrich, der Herrscher der ernstinischen Linie Sachsens (seit der Leipziger Teilung 1485, bestand Sachsen aus den zwei genannten Linien) wurde die Kurwürde entzogen. Diese bekam der sächsische Fürst Moritz, der Führer der albertinischen Linie zugesprochen, der obwohl er Protestant war, an der Seite des Kaisers kämpfte und dafür auch als der „Verräter von Meißen“  in die Geschichtsbücher einging. Doch trotz all dieser Schmähungen war dies der Beginn des Aufstiegs der albertinischen Linie des späteren Kurfürstentum Sachsens.
Nach den Befreiungskriegen über Napoleon wurde das sächsische Mühlberg, 1815 Preußen zugeschlagen. Eine Elbbegradigung von 1853 führte dazu, dass der Fluss nun nicht mehr durch die Stadt floss. Seit den 1960er Jahren wird im alten Flussarm Kies abgebaut, der die unmittelbare Ortumgebung nachhaltig veränderte. Die Elbe bedrohte die Stadt beim Jahrhunderthochwasser 2002, doch fast wie ein Wunder hielten die Deiche der bereits evakuierten Stadt stand. Dafür traf ein Tornado 2010 die Stadt und fügte schwere Schäden bei einigen Häusern zu.
Heute wird der Ort hauptsächlich von Radtouristen besucht, die auf dem Elberadweg unterwegs sind.

Die Burg

Einführung | Geschichte des Burgenbaus | Burgtypen | Bauten auf einer Burg

Einführung

Wie fast jedes Kind, war ich schon frühzeitig von Burgen fasziniert, von ihrer Mächtigkeit, verbunden meist mit ihrer exponierten Lage und von den mittelalterlichen Geschichten, die sie zu erzählen hatten, von Rittern, Minnesängern und den anderen herrschaftlichen Bewohnern der Burgen. Auch scheinen viele Städte mit Burgen zu tun zu haben, denn so viele Namen sind allein in Deutschland damit verbunden: sei es nun Hamburg, Würzburg oder Altenburg. Gebaut werden Burgen heute nicht mehr und so künden sie von einer vergangen, sagenumwobenen Vergangenheit. Es ist also höchste Zeit sich einen etwas genaueren Blick darüber zu verschaffen, wie Burgen entstanden sind, warum heute keine Burgen mehr gebaut werden und was für unterschiedliche Formen dieser Bauwerke es gibt.

Eine Burg ist definitorisch ein geschlossener und bewohnter Wehrbau, der zumeist im Mittelalter errichtet wurde. Jedoch können auch Wehrbauten, die in der Antike gebaut wurden als Burgen bezeichnet werden. Da der Bau von Burgen eng mit den sozialen Verhältnissen der mittelalterlichen Feudalherrschaft verbunden ist, kann man aber sagen, die Burg ist primär gesehen ein sehr europäisches Bauwerk einer bestimmten Epoche. Interessant ist, dass die inhaltliche Zuordnung für den Begriff „Burg“ erst im 19. Jahrhundert entstanden ist. Begriffe wie Huus und Feste wurden früher ebenso verwendet, wie das ab dem 16. Jahrhundert aufkommende Wort Schloss, was später aber nur noch für Repräsentationsbauten benutzt wurde. In der heutigen Verwendung ist ein Schloss ein unbefestigter adliger Wohn- und Repräsentationsbau, eine Festung ein rein militärischer genutztes Bauwerk und eine Burg eben eine bewohnter Wehrbau.

Geschichte des Burgenbaus

Befestigte Wohnanlagen gehen schon in die Frühgeschichte der Menschheit zurück. Sie sind heute aber nur noch als archäologische Objekte zu finden. Im Römischen Reich wurden über das gesamte Territorium Kastelle erbaut, daher Militärlager, die sowohl für Heeresoperationen, aber auch als Garnisonen benutzt wurden. Sie trugen nicht nur zur Romanisierung von zahlreichen Regionen bei, sondern führten auch zu zahlreichen späteren Stadtgründungen.

Die Epoche der Burgen ist aber das ganz klar das Mittelalter. Nach den unruhigen Zeiten der Völkerwanderungen in der Spätantike, zogen sich einige Bewohner in sicherer liegende Orte zurück, zum Beispiel auf Hügel und Berge, die leichter zu verteidigen waren. Es entstand die Form eines „castras“ einer befestigten Höhensiedlung, zuerst im italienischen Gebiet, später ebenso im fränkischen Reich. Vom 8. bis zum 10. Jahrhundert wurden eine Vielzahl von Burgen und Befestigungsanlagen errichtet, die als Wehrbauten, Sammelplätze des Militärs oder als Schutzort für die Bevölkerung genutzt werden konnten. Dabei konnte allerdings nicht einfach jeder eine Burg auf sein Land setzen! Das Recht, die Genehmigung für einen Bau vorzunehmen, oblag dem König und konnte maximal von ihm auf Herzöge und Markgrafen übertragen werden. In jener Zeit entstanden somit vermehrt Großburgen, die so etwas wie lokale und regionale Zentren wurden. Hier wurden auch Verwaltungs- und Justizaufgaben wahrgenommen. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte tauchten vermehrt aber auch kleiner Burgen auf. Man kann davon ausgehen, dass mit einer Abschwächung der zentralen Macht des Königs, weniger hoch angesiedelte Adlige ihre Chance nutzten und „private“ Burgen erbauen ließen, um den eigenen Anspruch zu repräsentieren.
Das Königtum, dass ein Netz aus Pfalzen besaß, daher so etwas wie Wohn- und Machtstützpunkte, die es besuchte und bewohnte, musste in einigen Fällen sogar diese Pfalzen Adligen überlassen. Jene gingen in der Zeit von 900 an dazu über, dauerhafte Wohnsitze in Höhenlagen zu bauen. Bei entsprechender Machtfülle und Dauer der Machterhaltung, spricht man von Dynastien von Adelsfamilien. Natürlich mussten dafür entsprechend herrschaftliche Familiensitze gebaut werden, die sogenannten Adelsburgen. Um das Jahr 1000, besaßen diese Adelsburgen dann zumeist einen Wohnturm aus Stein, der von einer Ringmauer umgeben war. Ein weiterer Typ von Adelsburg war die Motte, einer zuerst in Westeuropa anzutreffenden Bauform. Dabei handelt es sich um einen (oft) künstlich angelegten Hügel, der von einem Wassergraben umgeben war. Auf dem Hügel stand ein Wohnturm, der anfangs noch aus Holz gefertigt war. Aber nicht nur der Hochadel ließ ab dem 11. Jahrhundert Burgen bauen, auch Adlige niederen Standes und Ministeriale, also im königlichen Dienst stehende Beamte (ab dem 13. Jahrhundert wurde aus ihnen, die mit dem Bild des Mittelalters verbundenen Ritter), wurden Burgbauherren. Während man im kupierten Gebiet versuchte, auf Bergen und Spornen zu bauen, entstanden im Flachland zumeist Wasserburgen. Diese Zeit des Hochmittelalters gilt als die Blütezeit des Burgenbaus. Burgen in jenen Jahren hatten zumeist einen Bergfried, einen dominierenden Hauptturm. Daneben konnte ein Pallas stehen, ein Wohnbau, der aus Gründen der Repräsentation auch einen Saal beherbergte. Im 13. und 14. Jahrhundert entwickeln sich Kastellburgen, die Repräsentation und Wehrhaftigkeit kombinieren. Im letztgenannten Säkulum kommen vermehrt Zwinger hinzu, also Abschnitte, die zwischen der Ringmauer und einer vorgesetzten weiteren Maueranlage gebaut wurden, um eine weitere Verteidigungsmöglichkeit zu haben. Natürlich gehörte eine Wehrmauer zu jeder Burg, welche die elementare Schutzfunktion hatte. Die Entwicklung des Burgenbaus und seiner Wehranlagen verläuft im Übrigen recht ähnlich zur Entwicklung der Stadtbefestigung.
Die Formgebung von Burgen war nicht nur abhängig vom Baugebiet, sondern auch von kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen. Deutsche Burgen sind meistens kleineren Ausmaßes als britische oder französische Burgen, obwohl die längste Burganlage Europas in Burghausen (Bayern) steht. Aber auch die Deutschordensburgen, die mit der deutschen Kolonisierung Osteuropas von statten ging, sind wiederum unterschiedlich im Vergleich zu deutschen Burgen. Die Kreuzzüge ließen wohl ebenso Ideen arabischer Wehrarchitektur nach Europa einfließen, wie im teilweise unter arabischer Herrschaft stehenden Spanien, dort sind Burganlagen errichtet worden, die so nicht in anderen Teilen Europas zu sehen sind (zum Beispiel bei der Anlage in Coca / Kastilien).
Burgen konnten aber auch aus vielerlei weiteren Gründen gebaut werden, nicht nur um adlige Bewohner zu beherbergen. So gab es Zwingburgen, um eine Basis zu haben, angrenzende feindliche Gebiete zu bezwingen, sie also im nächsten Schritt zu übernehmen. Okkupationsburgen wurden in fremden Besitz gebaut, um dortiges Land zu beanspruchen. Zollburgen wurden an Verkehrsverbindungen gebaut, um Wegzölle einzufordern, aber auch die Handelswege zu sichern. Gleichzeitig konnten einige Burgen verlagert werden und an neue Standorte gesetzt werden (sogenanntes „Burgen springen“).
Mit dem Bau einer Burg kam es auch zu neuen sozialen Konventionen im Umland. Der Burgfrieden war der Hoheitsbereich der Burg, in welchem Fehden, also Feindeshandlungen von Privatpersonen untereinander streng verboten waren. Wer innerhalb dieses Gebietes lebte, musste sich daran halten. Der Burgbann grenzte ein Gebiet ab, in welcher die im Bann lebende Bevölkerung zum Frondienst verpflichtet werden konnte. Wie für das Mittelalter üblich brachte die Herrschaft über ein Territorium damit sowohl eine höhere Sicherheit, als auch eine wirtschaftliche Ausbeutung für die meisten Menschen mit sich.
Mit dem 14. und besonders dem 15. Jahrhundert kam es zum Burgensterben. Der wirtschaftliche Niedergang der Ritter, der Aufstieg von Städten, die jetzt Burgen erwerben konnten, natürliche Katastrophen wie Unwetter oder Erdbeben, Kriege (wie der 30-jährige Krieg, bei dem rund 10% aller vorhandenen Burgen zerstört worden sein sollen) und neue Wohnformen, die mehr Komfort versprachen, ließen viele Burganlagen zurück, die verlassen wurden und verfielen. Auch die Wehrbebauung veränderte sich. Bastionen mit Rondellen wurden gebaut, die es schafften tote Winkel in der Verteidigung zu vermeiden, später entstanden daraus Zitadellen.

Spätestens ab dem 16. Jahrhundert ließen sich zahlreiche Burgruinen in der Landschaft finden, die kaum noch oder gar nicht mehr bewohnt wurden. Später wurden viele dieser Anlagen abgebrochen und beseitigt. Erst die in der Romantik des 19. Jahrhundert aufkommende Burgenfaszination führte wieder zu einer Belebung bzw. einer Wiederbesinnung auf bzw. von Burgen, wenngleich dabei das mittelalterliche Leben romantisch verklärt und verkitscht wurde. Die Neubauten jener Tage, wie Neuschwanstein (ab 1869), oder die Burg Hohenzollern (1850 bis 1867) hatten nichts mit einer mittelalterlichen Burg gemeinsam, außer einer äußeren Ähnlichkeit, die zumeist unter der Maßgabe der romantischen Einbettung in die Landschafte getragen war, welche der Repräsentation des neuen Burgbesitzers gefallen musste.

Burgentypen

Burgen können ganz unterschiedlich unterteilt werden. So kann man grob nach der topographischen Lage zwischen Höhen- und Niederungsburgen aufteilen.

Topographische Einordnung Unterordnung Beispiel
Höhenburg Gipfelburg Burg Hohenzollern
Felsenburg Burg Sloup
Kammburg Burg Xátiva
Spornburg Burg Kriebstein
Hangburg Burg Ehrenfels
Höhlenburg Predjama
Niederungsburg Wasserburg Schloss Glücksburg
Sumpfburg Burg Storkow

 

Ebenso kann man Burgen nach ihrer Funktion  unterscheiden.
Eine Fliehburg, wie die Slawenburg Raddusch beispielsweise ist eine von Wällen umgebene Verteidigungsanlage, die normalerwiese nicht dauerhaft bewohnt wurde, sondern von der lokalen Bevölkerung nur als Rückzugsort bei Kriegsgefahr diente.
Eine Ganerbenburg ist eine Anlage, die gleichzeitig von mehreren Familien verwaltet wurde, bekanntestes Beispiel ist die Burg Eltz.
Eine Hofburg ist ein Nachfolger der kaiserlichen Pfalzen und diente als monarchische Residenz. Die Wiener Hofburg, obwohl heute eindeutig ein Schloss, lässt ihre Ursprünge als Burganlage noch im Namen erkennen. Ähnlich dazu ist eine Landesburg, oder landesherrliche Burg eine Anlage, die der jeweilige Herrscher eines Territoriums zur Sicherung und Ausweitung seines Gebietes nutzte. Eine Trutzburg ist eine Burg, die neben der Sicherung der eigenen Machtansprüche auch zur Eroberung generischer Territorien errichtet wurde. Nur sehr selten standen aber genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, eine Trutzburg aus Stein zu errichten, so wie bei der Burg Trutzeltz. Zollburgen wurden zur ordnungsgemäßen Abwicklungen der Gebührenabgabe bei Zollstationen gebaut. Die Abgabestation und die Burg lagen dabei in unmittelbarer Nähe, heute sind am Rhein noch einige solcher Zollburgen zu sehen, wie die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub. Aber auch die Burg Karlsfried im Zittauer Gebirge ist ein Beispiel für eine Zollburg. Zwing- und Frohnburgen wiederum sind meist sehr reichhaltig ausgerüstete Burgen, die in Gegenden gebaut wurden, in welchem der Herrschaftsanspruch des Herrscher nicht vollständig vorhanden war und die Bevölkerung gegeben falls nicht loyal zu dieser Herrschaft stand. Sie wurden meist in neu gewonnen bzw. neu zu besiedelten Gebieten gebaut. Ein Beispiel hier ist die Moritzburg in Halle.

Eine weitere Unterscheidung von Burgtypen ergibt sich aus architektonischen Besonderheiten der Burg. Eine Abschnittsburg zum Beispiel ist durch Gräben oder Mauern in verschiedene Abschnitte unterteilt, wobei jeder Abschnitt eine eigenständige Befestigungsanlage hat. Eine Motte (aus dem französischen „motte“ = Klumpen, Erdsohle) ist ein vorwiegend in Holzbauweise errichtetes Turmgebäude auf einem künstlich angelegten Erdhügel. Später konnten daraus Ringburgen entstehen, welche die Anlage mit einem geschlossenen steinernen Ringmauer umgeben. Dies entstand zumeist in der Form eines Ringes um die Gebäude, im späteren Mittelalter aber auch mit anderen, der Funktion und der Topografie angepassten Formen. Zu unterscheiden ist die Motte übrigens von der Turmburg, bzw. dem Donjon, der zwar zumeist auch nur aus einem Hauptturm besteht, aber auf natürlichem und nicht extra aufgeschütteten Boden steht. Kastellburgen stammen aus dem Mittelmeerraum in der Zeit der Kreuzzüge, die dann später im restlichen Europa Fuß fassten. Die Gebäude sind hier an der Innenseite der zumeist viereckigen Mauer angebracht. An den Ecken können diese Burgen mit Bastionen oder Türmen verstärkt sein. Solche Burgen wurden später auch zu einem Vorläufer für Renaissanceschlösser.

Bauten auf einer Burg

Im folgenden werden noch einmal kurz die unterschiedlichen Bauten auf einer Burg zusammengefasst. Am wohl auffälligsten bei einer Burg kann der Turm bezeichnet werden. Dieser konnte entweder als Wohnturm genutzt werden, oder aber als Bergfried hauptsächlich für die Verteidigung konzipiert gewesen sein. Weiterhin sind Burgen in aller Regel durch Wehranlagen wie Befestigungsmauern gesichert. Hier kann man zwischen Ringmauern, Schildmauern (eine besonders starkes und abgesetztes Mauerstück, dass auf der Hauptangriffsseite stand) oder Mantelmauern sprechen (welche die Burg wie ein enger, hoher Mantel umschließt). Weiterhin kann man die im Text weiter oben erwähnten Zwinger bei jüngeren Anlagen finden. Innerhalb der Burg war der Pallas, das Hauptwohngebäude mit einer saalartigen Architektur. Daneben, oder auf einer Vorburg fanden sich weitere Gebäude, wie Werkstätten, Ställe, der Wirtschaftshof oder Lagerräume. Für die oft nicht einfach zu erhaltende Wasserversorgung wurden Zisternen angelegt, die Regenwasser sammelten, aber es konnten auch – zum Teil sehr tiefe – Burgbrunnen gegraben werden.

Der römische Torbogen von Cabanes

Ein bisschen im Nichts liegt er, der antike Bogen aus römischer Zeit, der sich unweit der Stadt Cabanes in der Provinz Castellón aufzeigt, der Arco Cabanes. Heute führt ein wenig befahrener Kreisverkehr um eines der ältesten noch vorhandenen Bauwerke der Antike im Land Valencia. Als er im 2.Jahrhundert gebaut wurde, stand er direkt an der Via Augusta um 90 Grad von ihr gedreht. Die Via Augusta war die wichtigste Straße des römischen Reiches auf der iberischen Halbinsel. Über 1500km hinweg verband sie die wichtigen Orte der damaligen Zeit von den Pyrenäen kommend bis an den Atlantik nach Cádiz. Der Straßenname kommt übrigens von Kaiser Augustus, der kurz vor der Zeitenwende regierte und den Ausbau der Straßenverbindung in Auftrag gab. Die gut ausgebaute Straße konnte man zu Fuß, per Pferd oder Handkarren benutzen und in regelmäßigen Abständen gab es sowohl Wachposten, als auch Versorgungsstellen. So genannte Miliarios, Wegsteine, wurde alle 1000 Schritte angebracht (genau genommen alle 1481,5m) und waren dazu da, die Entfernung im Blick zu behalten. Höchstwahrscheinlich befand sich in der Antike in der Nähe des Torbogens eine kleine Siedlung, als auch eine weitere Straße die in Richtung Mittelmeer führte.

Die heutige Ruine  war einst ein Triumphbogen, der wohl eine private Grabanlage zierte. In der Gegenwart sind aber nur Reste des Originals, das rund 7m hoch gewesen sein muss (heute sind es weniger als 6m) zu sehen. Wohl bis zum 16. Jahrhundert konnte der Bogen in seiner ursprünglichen Form bestehen (wie Einritzungen vermuten lassen), doch irgendwann danach, wurde das Gebälk des Bogens gestohlen. Vermutlich wurden einige Steinquader in der nahen Stadt Cabanes für andere Zwecke verwendet. Die beiden Pfeiler und der Bogen, der übrigens keinen Schlussstein hat, sind aus Kalkstein, wobei die Basis aus Granit ist. Es wurde kein Mörtel verwendet. Seit 1931 steht der römische Bogen von Cabanes unter Schutz und zeigt von der langen Historie dieser Gegend und auch davon dass man auch abseits der heutigen großen Straßen noch viel entdecken kann.

Architektur in Bilbao

Nicht zuletzt durch den mit dem spektakulären Bau des Guggenheim Museums und dem damit verbundenen sogenannten „Bilbao-Effekt“, gilt die baskische Stadt als ein Mekka für Architekturfans. Blendet man einmal das Museum aus, so lebt die Stadt von einer Vielzahl von Stilen und Handschriften, die als eine große Collage bezeichnet werden können. Tatsächlich kann die Stadt teilweise sehr spannende Bauwerke ihr eigen Nennen, die in den folgenden Bildergalerien etwas näher vorgestellt werden sollen.
Um die Darstellung etwas zu vereinfachen wurden drei unterschiedliche Zeiträume gewählt.

Architektur von 1300-bis 1880

Bilbao entstand auf beiden Flussufern. Auf der linken Seite war eine kleine Erzmine, während am rechten Flussufer die „casco viejo“, die Altstadt entstand. Hier wurde gehandelt und ein kleiner Hafen betrieben. Ursprünglich bestand dieses alte Viertel aus drei ummauerten Straßen. Doch durch den Wachstum der Stadt wurden die Stadtmauern erweitert und insgesamt sieben Straßen angelegt. Die „siete calles“ sind noch heute als Bezeichnung für die Altstadt bekannt und können auch noch bei einem Rundgang wahrgenommen werden.

Architektur von 1880 bis 1990

Bilbao wird als eine der ersten Städte von der industriellen Revolution in Spanien ergriffen. Die darauf einsetzende Urbanisierungswelle erweiterte die Hafenstadt in eine Industriestadt. 1876 wird die andere Flussuferseite bebaut, die Stadterweiterung „Ensanche“ in Abando beginnt und macht Bilbao zu einer Metropole Nordspaniens. Die neuen Bauwerke die entstehen stammen zumeist aus der Hand baskischer Architekten, wobei allerdings kein eigener Stil im Entstehen begriffen ist.  

Architektur von  1990 bis heute

Bilbaos heutige Attraktivität, seine internationale Anerkennung und die Besucherströme, welche die Stadt seit Mitte der 1990er Jahre durchziehen, liegen in der in den letzten Jahren neu entstanden Architektur, allen voran natürlich im Guggenheim Museum von Frank O. Gehry. Der ikonenhafte Charakter dieses Meisterwerk des Dekonstruktivismus ist aber nur ein Teil der höchst interessanten baulichen Entwicklung der letzten Jahre, die in ihrer Dimension fast schon mit der Stadterweiterung von 1876 mithalten kann. Diese Neudefinition und Neubebauung einer Stadt unter der Maßgaben zeitgenössischer Architektur wurde auch als der „Bilbao-Effekt“ bezeichnet. Im großen Unterschied zu vorherigen Phasen ließen aber nun nicht regionale, sondern verstärkt internationale Architekturbüros ihre Spuren in der Stadt. Bilbaos „neuer Kern“ befindet sich zum Großteil im Stadtteil Abandoibarra und gibt der Stadt ein ganz neuer Gesicht, insbesondere im Bezug auf seine Öffnung und Rückeroberung zum Fluss hin, dessen industrielles Ufer weggeräumt und neu gestaltet wurde.

Die folgende Bildergalerie beginnt dabei zuerst mit dem Gebiet von Abandoibarra und führt dann auch andere Bauwerke der letzten 25 Jahre vor.

Puente Vizcaya

Gebäudeart Jahr Architekt Ort
Brücke – Schwebefähre 1893 Alberto Palacio, Ferdinand Arnodin Getxo bei Bilbao

 

Der Fluss Nervión ist die geografische Klammer des Ballungsgebietes Bilbaos. Er verbindet die Stadt mit den Vororten, die sich fast alle an seinem Ufer aufreihen, bis er hinter Portugalete und Getxo in  eine weite Bucht mündet, die Abra, welche sich zum Kantabrischen Meer ergießt. Von Bilbao bis zur Bucht Abra bildet der Nervión eine Ría, einen lange und tiefe Meereseinfahrt, die es Schiffen ermöglicht, weit ins Land hinein zu fahren. Bis zum großen Stadtumbau Bilbaos, der in den 1990er Jahren begann, lag der Hafen im Stadtgebiet Bilbaos rund 15km südlich der Mündung. Große Schiffe befuhren den Ría Bilbao.
Die Idee eine Überquerung des Ría Bilbaos an dessen Ende zu bauen, kam vom Industriellen Santos López de Letona. Dieser emigrierte als junger Mann nach Mexiko und machte dort als Textilunternehmer ein Vermögen. Zurück in Europa kaufte er auf beiden Seiten der Flussmündung Land und hatte ein großes Interesse beide Flussufer zu verbinden, auch um eine Wertsteigerung seiner Gebiete zu erreichen. Aber das Projekt wurde nicht wirklich eine populäre Anlagemöglichkeit. Zum einen verband es zwar das Städtchen Portugalete mit dem Strand von Getxo, aber dort standen nur Sommerhäuser der Oberschicht. Weiterhin waren die beiden Flussufer geografisch ganz unterschiedlich. Im westlichen Teil von Portugalete erhob sich ein Hang, während der Ostteil in Las Arenas de Getxo flach war. Dazu kam das eine Brücke eine beträchtliche Lichte Höhe haben musste, damit große Schiffe die ins Rìa hineinfuhren, unter ihr hindurch passten. Langgezogene Rampen oder Auffahrten wären aber gerade im mondänen Getxo nicht durchsetzbar gewesen. Die Lösung für diese Herausforderung erstellte der im französischen Baskenland geborene Ingeneur  Alberto Palacio, ein Schüler Eiffels, gemeinsam mit Ferdinand Arnodin. Sie erschufen eine Weltneuheit, eine eiserne Hängebrücke mit einer hochgelegenen Querung, welche einen Förderkorb tragen sollte, welcher an Seilen unter dem Brückenträger angebracht ist und oberhalb des Wassers von einem Ufer zur anderen Seite fährt. Obwohl Palacio die treibende Kraft und sogar der größte Investor wurde, sicherte sich Ferdinand Arnodin die Patentrechte und baute später zahlreiche weitere Schwebefähren. 20 Stück wurden insgesamt gebaut, wobei es heute nur noch acht von ihnen gibt.


Die Anlage der Puente Vizcaya oder im Volksmund auch Puente Colgante, besteht aus vier 45m hohen Stahlfachwerktürmen, die mit einem 160m langen Traggerüst verbunden sind. An diesem ist dann die Transportbarke aufgehängt, die Lasten, wie Fußgänger und PKW bis zu 22 Tonnen tragen darf (theoretisch wären weitaus höhere Lasten möglich). Die neue Überquerung veränderte die beiden Flussuferseiten maßgeblich. Während Portugalete insbesondere durch den Zuzug von Arbeitern wuchs, wurde aus dem Sommerquartier Las Arenas de Getxo ein nobler Ort der Oberschicht, der das ganze Jahr bewohnt wurde.
Zu einem entscheidenden Einschnitt in der Geschichte der Puente Colgante kam es 1937, als die republikanischen Truppen das Traggerüst sprengten, um die franquistische Armee vor Bilbao zu stoppen, was aber – wie die spätere Geschichte zeigt – nicht gelang. Nach vier Jahren wurde die Brücke wieder aufgebaut, wobei dies erheblich mühevoller, als der erste Aufbau rund 50 Jahre vorher war, da Spanien nach dem Bürgerkrieg und im 2.Weltkrieg isoliert und sehr verarmt war.
Mit der wirtschaftlichen Krise der Industrie in der Region Bilbao und der Verlegung des Hafens in die Abra Bucht im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts, wäre ein Abriss der Puente Colgante denkbar gewesen (ein Schicksal das mehr als 50% aller Schwebefähren geteilt haben). Glücklicherweise entschied man sich für das Gegenteil, die Schwebefähre als ein eisernes Symbol der industriellen Entwicklung in Bilbao zu erhalten und rekonstruierte die Brücke von 1996 bis 1999. Streng genommen wurde die Puente Vizcaya erst damit zu einer wirklichen Brücke, denn seit 1999 führt auf dem Traggerüst ein Panoramaweg von einer Seite zur Anderen, welcher von Besuchern benutzt werden kann. Um diesen Weg zu erreichen, wurden Aufzüge in die Stahlfachwerkträger eingebaut und heute kann man die Puente Colgante in luftiger Höhe zu Fuß überqueren (für 7€, übrigens wird darauf hingewiesen, dass die Besucher bitte nicht alle gleichzeitig aller 0,8sec springen sollen, da dies zu erheblichen Schwingungen führen könnte). 2006 wurde die Puente Vizcaya zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und ist heute nicht nur eine vielgenutzte Überquerung für Einheimische, sondern ebenso ein Magnet für Besucher und ein Symbol für die industrielle Vergangenheit der Metropolregion Bilbaos.

Donostia – San Sebastián

Einwohner: 195.226 (mit Vorstädten: 447.000) | Fläche: 60,9km² | Hauptstadt der baskischen Provinz Guipuzkoa

Die baskische Stadt Donostia ist in Deutschland besser bekannt unter ihrem spanischen Namen San Sebastián, offiziell trägt sie den Doppelnamen: Donostia – San Sebastián. Die Stadt ist Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa und mit rund 185.000 Einwohnern die drittgrößte des baskischen Teils Spaniens. Populär macht den Ort seine hervorragende Lage an der Bucht „La Concha” („die Muschel“) die von zwei Bergen begrenzt wird, auf der westlichen Seite dem Monte Igeldo mit Aussichtsturm und kleinem Vergnügungspark und auf der östlichen Seite vom Monte Urgull mit Jesusstatue. Das milde Klima lockt seit vielen Jahrzehnten zahlreiche Gäste an, insbesondere auch aus besser betuchten Kreisen. So war der Ort beispielsweise 35 Jahre lang Sommerresidenz des spanischen Diktators Franco. Noch heute nutzen zahlreiche Prominente, wie auch „Otto-Normal” Bürger Donostia als Urlaubsort.

Den Reiz der Stadt liegt insbesondere im gepflegten Äußern des Ortes, dass eines attraktiven Seebades. Architektonisch lassen sich neben zahlreichen schmucken Häusern im Bäderstil auch einige Highlights bewundern, wie das Veranstaltungszentrum „Kursaal” von Rafael Moneo aus dem Jahr 1999, oder das Domizil des „Club Nautico”, ein modernes Meisterwerk von José Manuel Aizpurua und Joaquín Labayen aus dem Jahr 1929. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Skulptur „Peine del Viento” (der Windkamm) von Eduardo Chillida, unterhalb des Monte Igeldo. Doch auch kulturell ist „Donosti”, wie es von den Basken gern genannt wird, ein sehr interessantes Ziel. So kann man wohl in keinem Ort in Spanien so gut Essen wie in San Sebastián. Allein drei Sterneköche in der Stadt sind mit drei Michelin Sternen bewertet, der höchsten Benotung die es gibt. In Restaurants werden gern „Pinxos” serviert, darunter versteht man kleine Tapas, die zumeist aufgespießt auf vielen Tellern an der Bar aufgebaut sind. Der Gast sammelt sich, die ihm genehmen Pinxos ein, bezahlt und genehmigt sich dazu vielleicht einen hervorragenden Txakuli, einen erfrischenden Weißwein aus der Region westlich von Donosti. Dabei sind vielerlei Köstlichkeiten zu essen, angefangen bei leckeren Variationen der spanischen Tortilla bis hin zur Tintenfisch und anderen Meeresspezialitäten. Die herausragende Qualität der Restaurants in der Stadt liegt in einer interessanten Historie begründet. Seit mehr als 100 Jahren bilden kulinarische Gesellschaften einen sozialen Treffpunkt insbesondere für Männer (Frauen wurden oftmals nicht zugelassen), dort traf man sich in bestens ausgerüsteten Küchen, um die neusten Kochkreationen auszutauschen. Noch heute gibt es 119 solcher Einrichtungen in Donostia.
Doch die Stadt bietet mehr als nur gutes Essen, viele Ereignisse rund um das Jahr zeigen zurecht, dass San Sebastián den Titel europäische Kulturhauptstadt 2016 trägt. So wie beispielsweise die „Tamborrada”, ein Fest in dem 24 Stunden lang Trommeln in der Stadt gespielt werden, oder das internationale Jazzfestival im Juli, oder aber auch das Recht bekannte Filmfestival der Stadt im Herbst.

Baskenland

Einführung | Geschichte | Kultur | Lage und Klima | Fakten

Einführung

Das Baskenland ist eine sehr spannende Region, die dem Betrachter vor Augen führt das Abgrenzungen nicht immer einfach zu treffen sind. Das Baskenland als kulturelles Gebiet geht nämlich – je nach politischer und/oder kultureller Sichtweise – über die Grenzen der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes mit den drei spanischen Provinzen nämlich Gipuzkoa, Biskaya und Àlava hinaus. Zu ihm gehört auch das nördliche Baskenland, das in Frankreich liegt und das drei historische Landschaften Labourd (Lapurdi), Nieder-Navarra (Bennafaroa) und Soule (Zuberoa) beinhaltet, die alle Teile des Departements Pyrénées-Atlantiques sind. Ebenso wird die Autonome Gemeinschaft Navarra kulturell zum Baskenland zugezählt.


Gleich ist allen Regionen, dass in ihnen Menschen leben, die baskisch sprechen und sich als Basken fühlen. Von den rund 2,7 Millionen Einwohnern, der eben erläuterten kulturellen Region des Baskenlandes, sprechen allerdings nur zwischen 700.000 bis 800.000 Menschen die baskische Sprache, die fast gar nichts mit den ihr umgebenden Sprachen (Spanisch bzw. Kastillisch und Französisch, die beide der romanischen Sprachfamilie zu zuordnen sind) zu tun hat. Es wird angenommen, dass die baskische Sprache vielleicht ein Relikt einer Sprache ist, die vor den indogermanischen Sprachen in Europa gesprochen wurde. Da es keine Hinweise gibt, das andere frühere Volksgruppen auf diesem Gebiet siedelten, kann man die Basken daher auch als indigenes oder autochtones Volk bezeichnen, also ein Bevölkerungsgruppe, deren Nachkommen schon vor Eroberung, Kolonisierung oder Staatsgründung an diesem Flecken Erde lebten. Im baskischen Selbstverständnis gibt ihnen das eine historisch tiefe und ursprüngliche Verwurzelung mit den oben genannten Gebieten. Die Basken waren quasi schon immer hier.
Doch aus den eben genannten Tatsachen ergeben sich einige Unstimmigkeiten und Probleme. Denn wer nun genau als Baske gezählt wird, kann je nach Perspektive unterschiedlich bewertet werden, ist dies „nur“ eine Person, die sich der baskischen „Ethnie“ zugehörig fühlt oder sind dies alle Bewohner des Baskenlandes? Natürlich kann man diese Fragen noch weiter ziehen, denn welche Merkmale genau hat denn ein ethnischer Baske? Gibt es überhaupt so etwas wie klar definierbare Ethnien? Und da die Grenzen des Kulturkreises Baskenland ebenso umstritten sind, ist damit auch die Frage umstritten, wer nun überhaupt Bewohner eines „Baskenlandes“ ist. Alle diese Fragen können jedoch nicht den Fakt verdecken, dass es eine Bevölkerungsgruppe im Baskenland gibt, die sich in Fragen der eigenen Sprache, Kultur, Geschichte und Politik zusammengehörig fühlt. Auf Baskisch heißen diese Menschen euskaldunak (=Sprecher des Baskischen). Im Laufe der Entwicklung eines baskischen Nationalgefühls wird heute betont, ob diese Personen Baskisch sprechen, egal woher sie kommen, während früher mehr von einer Ethnie ausgegangen wurde, die im damaligen Zeitgeist auch mit einer „Rasse“ gleichgesetzt wurde, mit spezifischen (kulturellen oder gar biologischen) Merkmalen. Der damals, insbesondere von Sabino Arana, entwickelte Begriff euskotarrak (= ethnische Basken) ist heute jedoch ungebräuchlich geworden. Als Beispiel auf die Frage was man alles im Baskenland als baskisch betrachten könnte, sei der Fußballklub Atletic Bilbao genannt, der nur baskische Spieler für seinen Verein antreten lässt (was aus dem Grundgedanken stammt, dass man sich auch als baskische Nationalmannschaft sah, die das Baskenland vertreten konnte, was insbesondere in Zeiten des spanischen Bürgerkrieges auch getan wurde). Er verwendet  eine kombinierte Definition des baskischen: entweder wurde der Spieler im Baskenland geboren oder von Jugend an dort trainiert er dort oder er ist ethnischer Baske, daher hat er baskischen Vorfahren. Als Baskenland werden dabei alle Provinzen des baskischen Siedlungsgebietes angesehen, weshalb es auch Bixente Lizarazu möglich war für den Klub zu spielen, obwohl er französischer Staatsbürger ist, aber im baskischen Teil Frankreichs geboren wurde und sich auch als Baske fühlt. Eine endgültige Beantwortung, was nun baskisch ist, wer Baske und wer nicht ist, ist nicht möglich, hat aber in der alltäglichen Lebenswelt auch keine allzu große Wichtigkeit.

Geschichte

Die ältesten menschlichen Knochenfunde im Baskenland sind rund 9000 Jahre alt. Im Jahr 900 v.u.Z. siedelten die ersten Kelten in der Gegend und ab 178 v.u.Z. begann die Romanisierung des Baskenlandes, die jedoch gerade im atlantischen Gebiet nur lückenhaft vollzogen wurde. Wichtig ist die Gründung von Pompaleo, dem heutigen Pamplona im Jahr 75 v.u.Z. und das es immer wieder zu Krisen und Konflikten zwischen den römischen Herrschern und der baskischen Bevölkerung gab. Nach den Zeiten der Völkerwanderung setzten sich die Westgoten im Süden und die Franken im Norden der baskischen Gebiete fest. Beide Volksgruppen versuchten die Herrschaft über das Baskenland zu erhalten, so gründeten die Westgoten 581 Victoriaco, Vorläufer des heutigen Victoria-Gasteiz. Am Rande der Pyrenäen zogen wohl auch zu jener Zeit einige Basken in Richtung Norden und im Frankenreich nannte man die Gegend zwischen dem Gebirge und dem Fluss Garonne, die Gascogne, ein Name der sich von „vasco“ = „Baskisch“ ableitete. Ab dem 8. Jahrhundert drangen immer wieder auch die Mauren bis in den baskischen Raum vor. Als sich im 9. Jahrhundert das christliche Königreich Navarra herausbildete, entstanden die Grafschaften Bizkaia, Àlava und Gipuzkoa sowie die Vizegrafschaften Labourd und Soule. Dieses Königreich erreichte unter Sancho dem Großen (auf Baskisch: Antso Nagusia) seine größte Entfaltung und eine kurzzeitige Vormachtstellung unter den christlichen Reichen Spaniens (die durch die Dominanz der Mauren auf dem Gebiet aber alle noch recht klein waren). So wird heute noch Sancho, als der „König aller Basken“ bezeichnet. Doch nach seinem Tod zerfiel das Reich und wurde unter seinen Söhnen aufgeteilt. 1076 fielen die drei Grafschaften Bizkaia, Àlava und Gipuzkoa an Kastillien und der Rest des Reiches an Aragon. Die nächsten Jahrhunderte sind einerseits geprägt von einigen Stadtgründungen, die im Zusammenhang der Pilgerroute nach Santiago de Compostela standen, oder strategische Erwägungen hatten, so wie bei der Gründung von San Sebastian (1181) oder Bilbaos (1300). Die Herrscher und Herrschaftsgebiete fielen immer wieder in neue Hände. Briten und Franzosen, Kastilien und Aragon besaßen zeitweise einige Gebiete und wechselten sich in anderen Regionen ab. Einen baskischen Staat gab es nicht. 1512 fiel Navarra endgültig an Kastilien und ab 1620 gelangte Niedernavarra ebenso endgültig an Frankreich. Nach bürgerkriegsähnlichen Zuständen und schweren wirtschaftlichen Krisen im 13. Jahrhundert, kam es im 15. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Aufschwung als die eisenschaffende Industrie im Baskenland auflebte und weite Teile Westuropas belieferte. Auch der Fischfang erblühte in jener Zeit. Ein Ergebnis war, dass 1511 das Konsulat und Handelshaus von Bilbao gegründet wurde.  Im 17. Jahrhundert veränderte sich die wirtschaftliche Struktur etwas, Fischfang verlor ebenso an Bedeutung, wie das baskische Eisen, jedoch wurde Bilbao zum wichtigsten Hafen für die kastilische Wollausfuhr. Immer wieder wechselten sich ökonomische Blütezeiten mit schweren Depressionen ab. Von staatlicher Seite wurde ab dem 17. Jahrhundert damit begonnen festgeschriebene baskische Sonderrechte abzuschaffen, weshalb es immer wieder zu Volksaufständen (Matxinadas) kam.  Mit der französischen Revolution wurden im französischen Teil des nördlichen Baskenlands, sämtliche Sonderrechte beseitigt. Auch in Spanien des 19. Jahrhunderts wurden die baskischen Fueros, die Repräsentationsorgane, die lokale Sonderrechte und die Finanzautonomie verwalteten, immer wieder beschnitten bzw. waren Gegenstände von Diskussionen und Konflikten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Bizkaia und Gipuzkoa die Industrialisierung insbesondere im Bergbau und der metallurgischen Industrie. Bedeutende metallurgische Unternehmen (Forges de l’Adour 1881, Altos Hornos de Vizcaya 1902), Werften (Euskalduna 1900) und Banken (Banco de Bilbao 1875, Banco de Vizcaya 1901) wurden gegründet und ein starkes Bevölkerungswachstum setzte mit zunehmender Urbanisierung und einer neuen Proletarischen Schicht ein. Ab 1879 entstand die Arbeiterbewegung in Bizkaia durch die Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) (1879) und der sozialistischen Gewerkschaft UGT (1888). Zu ersten touristischen Zielen wurden die Küstenstädte Bayonne oder San Sebastian. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann die Bewegung des baskischen Nationalismus unter Sabino Arana Goiri immer mehr an Bedeutung und es wurden die „Baskischen Nationalistische Partei“ (EAJ-PNV) (1895) und die nationalistische Arbeitergewerkschaft ELA-SOV (1911; später ELA-STV) gegründet. Von Bilbao ausgehend, breitete sich die Ideologie des baskischen Nationalismus allmählich im gesamten Baskenland aus. 1917 wurde die Gesellschaft für Baskische Studien (Eusko Ikaskuntza) und 1918 die Königliche Akademie der Baskischen Sprache (Euskaltzaindia) gegründet. Während der Weltwirtschaftskrise von 1929 an, fiel auch die baskische Wirtschaft in eine schwere Krise. Die zweite spanische Republik, die 1931 ausgerufen wurde, zeigte sich offener für die im Baskenland immer lauter vorgetragenen Wünsche nach einem Autonomiestatut. Jedoch brachte der beginnende Bürgerkrieg unter General Franco ab 1936, die größten Veränderungen. Während Navarra und Àvala innerhalb von Tagen auf der Seite der Faschisten standen, fiel nach einigen Wochen auch Guipuzkoa. Nur Bizkaia blieb in den Händen der Republik, die am 1.Oktober 1936 das baskische Autonomiestatut annahmen und José Antonio Aguirre zum ersten Lehendakari, d. h. Präsident der Regierung von Euskadi machten. Es war vorgesehen, nach dem Krieg ein Baskenland zu erschaffen mit vielen Autonomien, doch soweit kam es nicht. Am 26. April 1937 bombardierte die deutsche Legion Condor die Stadt Gernika, ein mythischer baskischer Ort, denn bis 1876 traf sich der baskische Ältestenrat dort unter einer Eiche, um einmal im Jahr Entscheidungen zu treffen. Die Bombardierung war ein Freundschaftsdienst von Hitler an Franco. Das menschliche Leid und Elend ist dabei von Pablo Picasso in seinem Bild „Guernica“ (der spanische Name der Stadt) eindrucksvoll festgehalten wurden und zu einem der bedeutendsten Gemälden des 20.Jahrhunderts. In den späten 1950er Jahren erlebte insbesondere das Baskenland einen neuen, sehr starken wirtschaftlichen Aufschwung, der zahlreich Immigration ins Baskenland nach sich zog und in einigen Gebieten dazu führte, dass Basken ihre Mehrheit in der Bevölkerungszusammenstellung verloren. 1959 wurde die Vereinigung Euskadi ta Askatasuna  (= Das Baskenland und dessen Freiheit), kurz ETA, gegründet, die sich schnell in eine terroristische Gruppierung verwandelte, um die Unabhängigkeit des Baskenlandes auch gewaltsam zu erzwingen. Auch nach dem Ende der Diktatur kämpfte die ETA weiter für ihre Ziele. Bis zum Jahr 2011, als sie einen Waffenstillstand erklärte, fielen ihr über 800 Menschenleben zum Opfer. 1979 trat das Estado de Guernica in Kraft, Ein Gesetz, dass nicht nur die Autonome Gemeinschaft des Baskenlandes, das Euskadi, wieder schuf, sondern ihr auch die finanzielle Unabhängigkeit wiedergaben, die die drei Provinzen bis zum Bürgerkrieg hatten. 1982 wurde die Provinz Navarra eingerichtet, die aber nicht zu Euskadi gehört und anders als im Baskenland, wo seit den 1980ern fast ausschließlich baskische Parteien in der Mehrheit sind, keine baskische- politische Mehrheit hat.

Baskische Kultur

Die Basken gelten als eigenwillige Menschen innerhalb Spaniens. Sie haben einen großen Stolz auf ihre Jahrhunderte altes Volk und ihre Geschichte. Dies äußerst sich auch gern in politischer Meinung und Meinungsbildung, denn Balkone oder Fenster im Baskenland sind oft mit Fahnen und Plakaten geschmückt, die politische Botschaften beinhalten (ob nun mit der Frage der Unabhängigkeit oder der Frage nach ETA Terrorismus).  Den archaischen Charakter, des starken, rohen und zähen Basken wird beispielsweise in Kraftsportarten genüge getan wie beim Baumstammwerfen oder Mühlsteinstemmen. Sportarten, die man in Deutschland auch gern als schottische Highland-Games verortet, aber hier mindestens ebenso populär sind. Ebenso ist der Pelota Sport im Baskenland sehr beliebt und in fast jedem Dorf gibt es dazu einen speziellen Sportplatz, den Frontón. An der Küste ist ebenso der Rudersport sehr angesehen, was wohl auch mit der großen Fischereitradition der Basken zu tun hat. Bereits im 15. Jahrhundert sollen Basken bis nach Neufundland zum Walfang gefahren sein, wobei die Fischerei hauptsächlich auf die Küstenregionen beschränkt war.
Das ganze Gegenteil von grob und archaisch ist die baskische Küche, die weit über die spanischen Grenzen hinaus ein hohes Ansehen erlangt hat. Das Baskenland hat eine sehr hohe Anzahl von renommierten Starköchen. Allein in Donostia-San Sebastian gibt es drei Köche, die die höchste Bewertung des Michelin Führers (3 Sterne) haben (in Madrid ist dies nur Einer! Link:). Historisch ist das Kochen bei den Basken durch die im 19. Jahrhundert entstandenen gastronomischen Gesellschaften auf ein sehr hohes Level geführt wurden. Diese Gesellschaften waren nur für männliche Mitglieder geöffnet, die füreinander in einem Vereinslokal kochten. Auch heute hat diese Tradition Bestand, so gibt es in der 180.000 Einwohner-Stadt Donostia-San Sebastian 119 solcher Gesellschaften.
In den Bars findet man häufig die Darreichungsform der Pintxos. Aufgereiht auf einer langen Tafel, können die Gäste sich hier verschiedene meist innovativ hergestellte Häppchen (die Pintxos) auf den Teller nehmen und dabei ein Glas Txakoli trinken, einen trockenen Weißwein aus Getaria. Nach ein paar Häppchen wandert man zur nächsten Bar und verbringt so den Abend mit wundervollem Essen und entspannter Gesellschaft. Gegessen wird übrigens etwas früher als im Rest Spaniens, am zeitigsten in der Provinz Guipuzkoa, wo man rund eine Stunde eher isst. Natürlich können auch einfach Gerichte á la carte bestellt werden, wie zum Beispiel „Bacalao al Pil Pil“, Stockfisch mit einer Soße aus der vom Fisch selbst gewonnenen Gelatine. Insgesamt legt die baskische Küche weniger Wert auf ein reichhaltiges Würzen, dafür aber verstärkt auf ein sehr gutes Produkt, das manchmal raffiniert, fast immer aber sehr schmackhaft verarbeitet und zubereitet wird, weshalb das Essen im Baskenland im spanischen Vergleich auch etwas teurer ist.

Lage und Klima

Das Baskenland im Norden Spaniens grenzt an den Atlantischen Ozean, oder genauer an den Golf von Biskaya, der nach der baskischen Provinz benannt ist. Geprägt ist das Land von den bergigen Ausläufern der Pyrenäen und des Kantabrischen Gebirges, dass im Süden nur ganz langsam in Richtung Ebro-Becken abfällt. Der höchste Berg des Baskenlandes ist der Hiru Erregeen Mahaia, die „Tafel der drei Könige“, mit 2424m über NN. Die größeren Städte drängen sich in die Täler, die zum Meer führen, insbesondere in Bilbao mit seinen Vorstädten entlang des Nervion Flusses. Das Klima im Baskenland ist mild und feucht und gehört dem „grünen Teil Spaniens“ an. Gerade im Sommer sind hohe Temperaturunterschiede zwischen Zentralspanien und dem Baskenland keine Seltenheit (als Beispiel kann es in Madrid über 35 Grad Celsius haben, während es im 400km entfernten Bilbao kaum mehr als 20 Grad Clesius sind). Weiterhin regnet es sehr häufig und auch im Sommer muss man sich, ganz im Gegenteil zum überwiegenden Restteil der iberischen Insel auf Niederschläge einstellen.

Fakten

Fläche: Autonome Gemeinschaft Baskenland: 7234 km²
Baskenland mit Navarra und franz. Gebieten: 20947 km²
Einwohner: Autonome Gemeinschaft Baskenland: 2,189 Mio.
Baskenland mit Navarra und fraz. Gebieten: rund 3 Millionen
Wichtigste Städte: Bilbao 345.141 (mit Vorstädten: 875.000)
Vitoria-Gasteiz 243.918 (Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft)
Pamplona  195.779 (mit Vorstädten 345.000)
Donostia-San Sebastian 195.226 (mit Vorstädten: 447.000)
Sprachen: Baskisch, Spanisch, Französisch
Name auf Baskisch: Euskal Herria
Name auf Spanisch: País Vasco
Name auf Französisch: Pays basque